Das mittelamerikanische Land Belize ist für Rumfreunde eher ein Randgebiet. Die meisten Produkte, die man hier in Deutschland bekommt, sind hochpreisige unabhängige Abfüllungen – kolonnengebrannte Melasserums im typisch süd- und mittelamerikanischen leichten, süßen Stil aus der größten Destillerie des Landes, Travellers Liquors. Unabhängig von der Qualität dieser Rums geht so ein stilistisch nicht herausragend eigenständiges Destillat im karibisch-mittel-südamerikanischen Grundrauschen unter. Doch es geht in Belize auch anders: Die junge Copal Tree Distillery beschreitet einen völlig anderen Weg, der deren Rum wirklich herausstellt. Ihr Copalli Barrel Rested Rum ist ein Beispiel, dass es dort auch ein Interesse an biologisch-naturnah hergestellten Spirituosen gibt, die nicht in das gewohnte Schema passen.
Es handelt sich dabei um einen sogenannten „organic single estate rum“, also nach Bio-Gesichtspunkten hergestellten Rum, bei dem jeder Produktionsschritt auf der eigenen Farm im Regenwald des südlichen Belize stattfindet: Eigenes Zuckerrohr wird angepflanzt, geerntet, zu Saft gepresst, fermentiert, destilliert, gereift und abgefüllt. Es ist also ein Zuckerrohrsaftrum, kein Melasserum. Das von Hand geerntete Zuckerrohr wird innerhalb weniger Stunden gemahlen und der Saft dann unpasteurisiert in einem Stahltank mit Zuchthefen ca. 4 Tage temperaturkontrolliert fermentiert. Für den gereiften Rum folgt eine doppelte Destillation in Pot Stills in charentaiser Bauweise, für den ungereiften eine Mischdestillation in Kolonnen- und Pot Stills. Für die unterjährige Reifung werden Ex-Bourbon-Fässer herangezogen – im Rumumfeld ist das sehr kurz, darum spricht der Hersteller auch von „Barrel Rested Rum“, eine sehr ehrliche Beschreibung. Zur Abfüllung wird der Rum dann mit Regenwasser aus dem Kronendach der Bäume auf die Trinkstärke von 44% eingestellt.
Man sieht also im Copalli Barrel Rested Rum einen reinen, leicht gereiften Pot-Still-Zuckerrohrsaftrum, sowas findet man nun wirklich nicht häufig, die bekanntesten Vertreter des Saftrums, die rhums agricoles, werden schließlich in traditionellen Kolonnen gebrannt, herstellungstechnisch sind wir eher in der Nähe von Cachaça. Ich bin höchstgespannt, wie sich das alles geschmacklich äußert!

Farblich zunächst haben die wenigen Monate in Holzfässern schonmal ordentlich was gebracht – ein helles Ocker. Nur eine minimale Viskosität ist beim Schwenken zu sehen, was dazu führt, dass sich an der Glaswand eher ein Film denn Beinchen bilden, und selbst beim Ablaufen trennt sich der Film kaum auf. Ich weiß gar nicht, was ich erwartet hatte, als ich mir den Copalli zum ersten Mal eingegossen habe. Sicherlich aber nicht das – eine sehr ungewohnte Mischung aus kräuterigen, mineralischen und vegetalen Elementen. Zuerst erinnert dieser Rum etwas an gereiften Grappa, mit dieser Kombination aus Holz und Trester. Schwarzer Tee, grünes Holz, Harz; ein Anflug von Minze, und eine würzige Zuckerrohrsaftbasis.
Auch im Mund sind ähnliche Aromen präsent. Viele Erinnerungen an Grappa. Dazu dann interessante Noten von Süßholz und Tee. Heu und Tannenholz, eine gewisse Grünheit. Dazu Kümmel und Dill, besonders ersteres ist frappant. Milde Fruchtnoten, hauptsächlich Kirschen. Vom Antrunk bis weit in den Verlauf natürlich süß und schwer, dabei nie künstlich (eine selbst durchgeführte Zusatzmessung hat 0g/L ergeben), mehr in Richtung brauner Kandiszucker. Menthol kommt später noch dazu, im Verlauf deutlich zur Bittere hin neigend, dabei aber immer ein süßer Unterton.

Der Abgang ist kühl und heiß zugleich, würzig, süßbitter, leicht umami. Eukalyptus und Süßholz ringen miteinander, heuig-grasige Komponenten sind nun stark ausgeprägt. Mit einem sehr mentholischen Nachhall, mittellang, kühl, klingt der Copalli Barrel Rested Rum aus. Toll. Ein sehr ungewöhnlicher, dafür umso spannenderer Rum, mit einem extrem hohen Wiedererkennungswert und wirklich vollständig komplett losgelöst von dem, was man sonst so aus Mittelamerika im Glas hat.
Die vegetale Charakteristik dieses Rums lässt mich überlegen, wo man ihn gewinnbringend einsetzen kann. Gewiss gibt er jedem Rumdrink eine ganz eigene Note, das allein ist schon spannend, doch in einem Isle of Golden Dreams ist er zusammen mit anderen kräuterigen Komponenten am besten aufgehoben, finde ich, als Ersatz für den angegebenen rhum agricole. Sicherlich kein Cocktail für jedermann, doch wer gern etwas Abwechslung hat, sollte sich dieser Aromatik ruhig mal hingeben.

Isle of Golden Dreams
1½ oz leicht gereifter Rhum Agricole
1 oz Quinquina
½ oz Suze
1 Tropfen Salzlösung
Auf Eis rühren.
[Rezept adaptiert nach Martin Stayer]
Grandios und wuchtig ist natürlich die Flasche – sehr hoch, richtig schwer, breitschultrig und doch schmal, kein ideales Gefäß für eine Bar, in der man leicht handhabbare Standards vorzieht, doch zuhause ein echter Blickfang. Plastikkorken sind heutzutage der Verschluss der Wahl, unproblematisch und funktional. Das sehr gelungen gestaltete Etikett ist nicht protzend, aber erkennbar auf die gehobene Qualität und Eigenheit des Rums hinweisend. Ein tolles Gesamtpaket also, was mich freut, denn ich schätze auch den holistischen, nachhaltigen Ansatz der Destillerie sehr – es wird nichts verschwendet, auch die üblichen Abfallprodukte Bagasse und Vinasse werden weiterverwendet. Dazu kommt die Einbindung der lokalen Bevölkerung (die Destillerie gehört einer Stiftung für gemeinnützige Zwecke) und der Einsatz traditioneller Methoden, all das hebt die Destillerie besonders hervor, und dementsprechend darf auch die Präsentation edel sein.
Worüber ich mir völlig klar bin, während ich den Copalli Barrel Rested Rum vor mich hinschlürfe und die Besonderheit genieße – sobald die Copal Tree Distillery soweit ist, einen länger gereiften Rum auf den Markt zu bringen, bin ich der erste, der eine Flasche davon kaufen wird. Ohne jeden Zweifel.

Beginnen wir mit dem Bold – da erwartet man schon vom Namen her etwas Schweres, Wuchtiges, was die irische Whiskywelt ja durchaus zu bieten hat. In der Nase wundert man sich dann bereits: Sehr viel Vanille, ein erkennbarer Lackton dazu. Kaum sonst etwas. Das Mundgefühl eines irischen Whiskys ist für mich immer besonders angenehm, und hier enttäuscht der Bold auch nicht, cremig, weich, vollmundig. Dennoch sind 40% Alkoholgehalt hier definitiv zu wenig, um viel Charakter verleihen zu können. Der Bold hat eine gewisse Funkigkeit, die ich dem Pot-Still-Anteil zuschreibe, der aber in der restlichen Belanglosigkeit untergeht, vanillige Holznoten sind auch schon das höchste der Gefühle. Der Abgang passt sich dem an, kurz, warm, metallisch, nichtssagend.
Lively, also „lebhaft“, soll der nächste der drei Brüder sein. Passt der Name hier besser? Die Nase ist getreidig, etwas Karton schimmert durch. Erfreulich viel Frucht gefällt mir, ansonst bleibt der Geruch zurückhaltend. Auch im Geschmack dringt die Frucht schön durch. Grain Whiskey scheint hier laut Produktbeschreibung den Hauptbestandteil zu bilden, und man schmeckt die milde Süße und feine Fruchtaromen gut heraus. Der Lively zeigt alle Stärken und Schwächen eines Grain Whiskeys in konzentrierter Form: Eine wunderbare Süße, eine sehr angenehmes Mundgefühl, aber gleichzeitig eine enttäuschende Oberflächlichkeit und aromatische Kürze. Vor allem ist der Abgang so kurz geraten, dass man arg überlegen muss, ihn überhaupt zu erwähnen – nichtexistent ist er, so hart das klingt.
Mit der Benamung gab es ja wenig Glück, ist der Round dann wenigstens rund? In der Nase ist auch hier erstmal hauptsächlich viel Vanille. Diese taucht auch im Geschmack deutlich auf, dazu wird der Round leicht salzig, hat ausgeprägte Holznoten, ich meine auch, Gewürze wie Kardamom und Zimt zu entdecken. Ganz spät punktet der Round dann noch mit einem schönen Abgang, der wenigsten über „kurz und nichtssagend“ hinausgeht – mittellang, toll würzig und warm. Gefällt mir persönlich schonmal sehr viel besser als der Bold, der dagegen, trotz seines Namens, wie ein zartes Lämmchen wirkt. Ich hätte die Benamung der beiden getauscht, aber mich frägt man ja nicht. Persönlich gefällt mir dieser Whisky von den drei Brüdern am besten, er hat endlich den Charme, den ich bei den anderen vermisse.






















