Neulich gab es eine Diskussion, wie man Spirituosen, deren Flaschen man bereits geöffnet hat, am besten aufbewahrt. Da gibt es ja verschiedene Tips, von Schutzgas bis Umfüllen in kleinere Fläschchen, mit denen man verhindern können soll, dass sich der Charakter des Destillats verändert, wenn man eine Weile nicht dran geht. Persönlich habe ich nur selten eine arg negative Erfahrung damit gemacht, gar nichts zu unternehmen; gewiss verändert sich die Spirituose, aber das ist für meinen eh Abwechslung wünschenden Gaumen nichts schlimmes. Und ein paar Jahre, länger lebt bei mir eh nichts im Regal, hält jeder Brand aus, wenn man halbwegs sorgsam damit umgeht.
Die allerbeste Methode zum Schutz ist aber auch die einfachste – nichts offen aufbewahren, sondern zeitnah austrinken. Dahingehend habe ich meine Gewohnheiten geändert, früher wollte ich möglichst lang was an einer Flasche haben, heute denke ich, im Zuge von Heimbarabbau und Reduzierung aufs nötigste, dass eine leere Flasche eine gute Flasche ist. Daher verbrachte der HSE Black Sheriff Rhum Vieux Agricole auch nur eine kurze Zeit bei mir zuhause, die Flasche wurde in verdammt kurzer Zeit geleert. Ich fühle mich gut dabei, keine Reste ewig aufzubewahren, und hatte doch viel Spaß mit diesem Rum, den ich nun mit meinen Lesern teilen will.

Amerikanisches Eichenholz, selbst gebrauchtes, gibt schon nach kurzer Zeit viel Farbe ab, und entsprechend kräftig scheint der Rum fürs Auge. Er ist noch relativ jung (es ist keine Altersangabe vorhanden, er ist wohl zwischen 3 und 4 Jahre alt) und verhält sich passend recht flink im Glas. Der Geruch ist dagegen schon recht erwachsen und ausgebildet – sehr süß und mild, erinnert zunächst etwas an Cognac. Schnell kommen Reifearomen dazu: Vanille, Pfirsich, Rosinen, Datteln, milde Holztöne. Herznoten von Minze und Hubba-Bubba-Kaugummi. Eine schöne Komposition.
Der Geschmack ist dann aber doch etwas dünner als vom Geruch her erwartet. Trotzdem ein superweiches Mundgefühl, trotz minimalstem Brennen. Man entdeckt schließlich sehr ähnliche Geschmackseindrücke wie das, was man schon in der Nase erschnuppern konnte – Süße, Vanille, mildes Obst, Weinbergpfirsich, reife Aprikosen. Süßholz und eine leichte Grasigkeit, wie wir sie von rhum agricole kennen, aber wirklich nur dezent im Hintergrund. Dezente Bitterkeit. Ein sehr milder Rum, mit schöner Süße, die nicht oberflächlich ist.

Im Abgang bleibt der Black Sheriff sehr weich, warm und glatt, wenn auch eher kurz. Vanille und Holz hängen noch etwas am Gaumen. Leicht adstringierend und trocken, hinterlässt der Rum ein leicht pelziges Gefühl im Mund, zitronenschalenbitter und mentholig. Wer vom amerikanischen Whisky her kommt, oder auch vom Weinbrand, und einen nicht allzu fremdartig schmeckenden Rum sucht – der ist hier perfekt aufgehoben. Aber auch als Einstieg in den rhum agricole ist er bestens geeignet, denn der Black Sheriff ist unkompliziert und bodenständig.
Von HSE wird der Black Sheriff als Shooter vermarktet, mit speziell dafür gebrandeten Shotgläsern. Aber natürlich ist das nicht so die Art, in der ich Schnaps trinke – ich bin zu alt für derartige Rituale, das überlasse ich der dummen Jugend. Für mich kann dieser Rum seinen Platz in Cocktails finden; zusammen mit Tabaklikör und einer Breitseite an unterschiedlichen Bittern ist der Buffalo Soldier ein viel schwereres Geschoss als die puren Shots.

Buffalo Soldier
2 oz gereifter Rhum agricole
1 Teelöffel Perique Liqueur de Tabac
1 Spritzer Angostura
1 Spritzer Kakao-Bitter
1 Spritzer The Bitter Truth Drops & Dashes Wood
Im Glas auf Eis bauen und leicht umrühren.
[Rezept adaptiert nach Maria Loca]
Die komplett schwarz mattiert ummantelte Flasche bietet einen schönen Kontrast zu den orangefarbenen und weißen Aufdrucken. Eine ungewohnt freche Aufmachung für die sonst eher traditionell und edel aufgemachten rhums agricoles – die Vermarktung geht insgesamt aus meiner Sicht doch deutlich an eine andere Zielgruppe als die, die man bei HSE und Co. sonst so addressiert. Tatsächlich ist das aber ein spannender Move; wenn man seine Kategorie in neue Zielmärkte bringt und mit einem frischeren Image werben kann, verbreitet das vielleicht eine Spirituose, die aktuell trotz weltweitem Rumvormarsch immer noch unter Wert gehandelt wird.















Beginnen wir mit dem Bold – da erwartet man schon vom Namen her etwas Schweres, Wuchtiges, was die irische Whiskywelt ja durchaus zu bieten hat. In der Nase wundert man sich dann bereits: Sehr viel Vanille, ein erkennbarer Lackton dazu. Kaum sonst etwas. Das Mundgefühl eines irischen Whiskys ist für mich immer besonders angenehm, und hier enttäuscht der Bold auch nicht, cremig, weich, vollmundig. Dennoch sind 40% Alkoholgehalt hier definitiv zu wenig, um viel Charakter verleihen zu können. Der Bold hat eine gewisse Funkigkeit, die ich dem Pot-Still-Anteil zuschreibe, der aber in der restlichen Belanglosigkeit untergeht, vanillige Holznoten sind auch schon das höchste der Gefühle. Der Abgang passt sich dem an, kurz, warm, metallisch, nichtssagend.
Lively, also „lebhaft“, soll der nächste der drei Brüder sein. Passt der Name hier besser? Die Nase ist getreidig, etwas Karton schimmert durch. Erfreulich viel Frucht gefällt mir, ansonst bleibt der Geruch zurückhaltend. Auch im Geschmack dringt die Frucht schön durch. Grain Whiskey scheint hier laut Produktbeschreibung den Hauptbestandteil zu bilden, und man schmeckt die milde Süße und feine Fruchtaromen gut heraus. Der Lively zeigt alle Stärken und Schwächen eines Grain Whiskeys in konzentrierter Form: Eine wunderbare Süße, eine sehr angenehmes Mundgefühl, aber gleichzeitig eine enttäuschende Oberflächlichkeit und aromatische Kürze. Vor allem ist der Abgang so kurz geraten, dass man arg überlegen muss, ihn überhaupt zu erwähnen – nichtexistent ist er, so hart das klingt.
Mit der Benamung gab es ja wenig Glück, ist der Round dann wenigstens rund? In der Nase ist auch hier erstmal hauptsächlich viel Vanille. Diese taucht auch im Geschmack deutlich auf, dazu wird der Round leicht salzig, hat ausgeprägte Holznoten, ich meine auch, Gewürze wie Kardamom und Zimt zu entdecken. Ganz spät punktet der Round dann noch mit einem schönen Abgang, der wenigsten über „kurz und nichtssagend“ hinausgeht – mittellang, toll würzig und warm. Gefällt mir persönlich schonmal sehr viel besser als der Bold, der dagegen, trotz seines Namens, wie ein zartes Lämmchen wirkt. Ich hätte die Benamung der beiden getauscht, aber mich frägt man ja nicht. Persönlich gefällt mir dieser Whisky von den drei Brüdern am besten, er hat endlich den Charme, den ich bei den anderen vermisse.



