Schlagwort-Archive: overproof

Revolte Overproof Rum Titel

Darfs auch ein bisschen stärker sein? Revolte Overproof Rum

Der Alkoholgehalt einer Spirituose – ein oft missverstandenes Faktum. Redet man mit Schnapslaien über Hochprozentiges, stösst man oft auf Sätze wie „40%? So starkes Zeug mag ich nicht, das verbrennt einem ja den Mund“. Redet man dagegen mit Profis, geht es mehr in die Richtung von „40%? Ne, so wässriges Zeug mag ich nicht, das schmeckt ja nach nichts“.  Aktuell beliebt bei Verkostungsprofis sind Werte um die 46%, wenn man nicht eh schon in Richtung Cask-/Barrel-Strength geht und damit schnell in die mittleren Fünfziger oder höher vorstößt.

Die magische 40%-Grenze ist für viele Spirituosen darüberhinaus der Trenner zwischen Massenprodukt, das sich aufgrund der Branntweinsteuer gern an den unteren erlaubten Grenzwerten orientiert (jedes Prozent Alkohol kostet extra!), und hochwertigem Qualitätsprodukt, das sich aus Geschmacksgründen lieber ein paar Grad mehr gönnt. Wer es nicht glaubt, sollte es probieren: Da Alkohol Geschmacksträger ist, empfehle ich ganz klar zu den höherprozentigen Versionen zu greifen, wenn erhältlich. Die dabei vielleicht hinderliche Angst vor der großen Zahl ist unbegründet, denn bei guten Spirituosen zwicken auch 50% kaum, und ich kenne viele Produkte, die mit 55% milder wirken als die meisten Fusel von der Tanke mit 37,5%.

Natürlich kann man das ganze noch steigern. Mit dem Revolte Overproof kann man im Freundeskreis bestimmt das eine oder andere verdutzte Gesicht ernten, wenn die Stärke von 60% bekannt gegeben wird. Overproof-Rums sind eine gesonderte Kategorie in der Rumwelt – dabei ist eben der Alkoholgehalt das einzig definierende Kriterium für diese Kategorie (und vielleicht noch dass der Großteil dieser Rums dabei ungereift ist). Viele dieser überstarken Rums erleiden das Schicksal, automatisch gleichzeitig in die Kategorie der „Mixer“ eingeordnet zu werden; eben um sich diesem Automatismus zu entziehen verkosten wir nun den Revolte Overproof pur.

Revolte Overproof Rum Flasche

An der Farbe, die sich dank der dunklen halbtransparenten Flasche erst beim Eingießen zeigt, gibt es bei weißem Rum natürlich nicht arg viel zu diskutieren. Ölig liegt der Revolte Overproof im Glas. Lange, schmale Beine laufen am Glasrand ab. Der Geruch ist wuchtig und stark esterig, verströmt sich schnell schon nach dem Öffnen der Flasche. Banane, Ananas, Papaya. Dabei aber keine stechende Ethanolnote, trotz der 60% Alkohol.  Attraktiv, aber sehr süß, und ein leichter Zersetzungsgeruch wie stark überreifes Obst: im positiven Sinne ist das zu verstehen, natürlich.

Beurteilen wir den Geschmack zunächst pur, wie der Rum aus der Flasche kommt, ohne Wasser. Die optisch wahrgenommene Öligkeit überträgt sich in den Mund; ebenso die olfaktorisch wahrgenommene Fruchtigkeit. Wie schon beim normalstarken Revolte Rum ist auch hier eine deutlichst erkennbare Nähe zum Obstbrand spürbar. Erneut schmecke ich persönlich Birne und Pflaume. Würziger Kandiszucker. Wer Angst vor der potenziellen Gewalt hat, die ein Overproof-Rum mit seiner Alkoholstärke mit sich bringen könnte, der sei entwarnt: „Der Alkohol ist gut eingebunden“, wie ein Bekannter von mir dazu sagen würde; man spürt nur eine durchdringende Wärme, wenn der Rum die Kehle runterrinnt. Da ist kein Stechen, kein Brennen, kein Kratzen, sondern nur wohlige Wärme.

Der Abgang ist mittellang, leider etwas flach und vergleichsweise oberflächlich, Obstaromen hängen dafür noch eine Weile länger im Mundraum. Die Süße bleibt erhalten, wandelt sich mit der Zeit in einen milden Eisenton. Ein leicht enttäuschendes Ende für einen sonst tollen, aromatischen Rum. Man merkt halt schließlich doch, dass etwas an der Reife fehlt, die eine Holzreifung mit sich bringen würde. Die einjährige Reifung in Steingut- und Edelstahlfässern ist einfach limitiert in ihrer Leistungsfähigkeit.

Revolte Overproof Glas

Bei meinem folgenden Cocktailrezept, Rum & Cola, mag der eine oder andere erstmal verächtlich aufschnauben, wenn er den Namen hört. Doch wenn man hinschaut, handelt es sich um eine Luxusvariante des beliebten Longdrinks – dabei nicht so süß, sondern eher würzig-bitter. Den Cola-Sirup kann man entweder selbst herstellen, wenn man derart veranlagt ist, oder, wie ich, faul sein und ihn stattdessen im inzwischen riesigen Selbstsprudler-Aromatisierungs-Regal des nächsten Supermarkts erwerben. Der erhöhte Arbeitsaufwand wird aber schon durch den ersten Schluck entschädigt. Der Revolte Overproof gibt den nötigen Bums, und auch die tollen Würz- und Fruchtaromen, die diesen Cocktail trotz des banalen Namens zu einer echten Alternative für Genießer machen.

Rum & Cola


Rum & Cola
1 oz Revolte Overproof
4 oz Sekt (z.B. Fürst von Metternich Riesling Sekt)
1 Teelöffel Branca Menta
¾ oz Cola-Sirup
1 Spritzer Bittermens Xocolatl Mole Bitters
Auf Eis im Glas bauen und leicht umrühren.

[Rezept adaptiert nach Blacktail at Pier A]


Wie schon beim kleinen Bruder dieses Rums, dem Revolte Rum, wird auch hier in Batches produziert. Konnte ein Batch (also eine Produktionscharge) des normalalkoholgehaltigen Rums noch 500 Flaschen hervorbringen, sind es beim Overproof nur noch 333. Die Auszeichnungsmethode wird aber weiterhin beibehalten – handschriftlich ist bei meiner Flasche die Batchnummer „1“ und die Flaschennummer „175“ eingetragen.

Revolte Overproof Rum Detail

Später will ich noch ein paar Tropfen Wasser mit einer Pipette dazu geben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei Rum ein sehr hoher Alkoholgehalt nicht notwendigerweise den Zwang zu Wasser mit sich bringt, wie bei mir persönlich das bei Scotch oder Bourbon der Fall ist; dennoch ist es spanned, die Effekte dieser Verdünnung zu prüfen. Insbesondere bin ich daran interessiert, wie weit sich bei Wasserzugabe die Aromatik des Overproof der des normalen Revolte annähert. Also, schnell ein Vergleichsglas des Revolte Rum (Batch 12), und dazu ein Glas Revolte Overproof, verdünnt 2:1 mit Wasser um auf ungefähre 40% zu kommen, bereitgestellt.

Geruchlich unterscheiden sich die beiden Proben nur in kleinen Details. Der Overproof wirkt minimal kräftiger, körpervoller, weniger mineralisch. Im Geschmack ist der Unterschied deutlicher – hier kommt der würzige Körper des Overproof erkennbar zum Vorschein gegen den kleinen Bruder. Im Abgang ist dann die Sache klar: Der verdünnte Overproof ist sehr viel trockener, würziger, dunkler als der normalstarke Revolte, der in diesem letzten Bereich keine Chance gegen den Overproof hat und fast schon wässrig wirkt im direkten Vergleich – hochinteressant, dass der Abgang beim Overproof mit Wasser wirkungsvoller und unterhaltsamer ist als ohne. Man muss bei derartigen Verkostungen, die nicht blind erfolgen, sehr vorsichtig sein, denn der Wunsch ist dort oft Vater des Gedankens, aber hier bin ich mir vergleichsweise sicher.

Revolte Rum und Overproof

Mein Fazit? Die deutsche Rum-Revolution geht weiter, allerdings lässt das Tempo etwas nach. Ist auch kein echtes Wunder, denn der Revolte Rum war schon etwas wirklich besonderes, neues und überraschendes in der deutschen Spirituosenwelt – da musste es schwer fallen, das noch zu toppen. Der Revolte Overproof ist ein Gewinn für jede Bar, die den normalstarken Revolte Rum noch nicht im Angebot hat – beide braucht es meines Erachtens aber nicht, denn, wie der Vergleichstest mit Verdünnung zeigt, lässt sich ein wuchtigerer normalstarker Revolte auch durch Wasserzugabe aus dem Overproof erzeugen. Ich freue mich weiterhin aber sehr auf den angekündigten, 3 Jahre gereiften Revolte – und auf alles weitere, was die rheinhessische Schnapsschmiede in Zukunft noch für uns in petto hat.

Offenlegung: Ich bedanke mich bei 4finespirits für die kostenlose Zusendung einer Flasche des Revolte Overproof.

Advertisements

Wilde Parties und wilder Sprit – Old Pascas 73% Jamaica Dark Rum (Overproof)

Es war die Party des Jahres. Die Mädels tanzten, die Jungs hingen cool ab. Ich rauchte eine Zigarre im zugigen Vorraum und genoss es, die Leute beim Rein- und Rausgehen zu beobachten. Der Gastgeber hatte schließlich ein besonderes Schmankerl auf der Getränkeliste – Rum mit Cola, aber nicht mit einem gewöhnlichen Rum, sondern dem Old Pascas 73% Jamaica Dark Rum. Die Idee war wohl, durch die hohe Prozentzahl dieses Rums die Leute schnell auf Drehzahlen zu bringen. Einer der ganz mutigen probierte sogar einen Shot davon pur, und war begeistert, wenn ich seinen schiefen Gesichtsausdruck richtig deutete. Letztlich will ich aber gar nicht das Komatrinken dieser Party anpreisen, sondern prüfen, ob dieser Rum auch Qualitäten für Genießer aufweist.

oldpascas73-flascheBei manchen Spirituosen muss man mühevoll nach Aromen suchen; beim Old Pascas 73% Jamaica Dark Rum muss man eher vorsichtig ins Glas riechen. Die typischen jamaikanischen Estergerüche sind im Vordergrund, reife Banane, Butterscotch. Die Aromen strömen schnell aus dem Glas und verbreiten sich.

Ich riskiere es, einen Tropfen davon pur zu naschen, mit einem flauen Gefühl. Man wird dabei im Mund mit einem weichen, warmen, süßen Gefühl überflutet, und schmeckt nicht viel außer einer Toffee-Süße, denn der Alkohol betäubt und lässt dem Gourmet kaum eine Chance, sich Zeit zu lassen. Daher setze ich Wasser zu, und diesmal mehr als nur die üblichen paar Tropfen – hier ist 1:1 angesagt.

Ein wirklich ausgesprochen vollmundiges, äußerst cremiges Mundgefühl, voller süßer Komponenten, die Banane und das Toffee sind stark dominierend. Leichte Röstgeschmäcker, ein bittersüßes Malz, dunkle Würze. Der Alkohol ist deutlich, aber gar nicht mal unangenehm, und hinterlässt eine tiefe, lange, befriedigende Wärme im Abgang, mit einer feinen Bitterkeit.

oldpascas73-etikettDiese Old Pascas-Abfüllung kann also mit eindeutigem Jamaica-Charakter punkten. Ihm fehlt etwas die Komplexität, die ich von Spitzenjamaikanern kenne, und auch deren charmante Trockenheit. Hier bekommt man nur die Süße; etwas zu einfach für mich. Ähnlich wie die anderen Abfüllungen dieses Herstellers, dem Old Pascas White Rum und dem Old Pascas Ron Negro, bekommt man aber vergleichsweise viel für sein Geld – einfache, bodenständige Rums ohne Zuckerzusatz.

Die Gestaltung der Flasche und Etiketten wurde vor kurzem geändert, modernisiert, ist nun deutlich verspielter und lebendiger. Mir gefällt sowohl das opulente Etikett als auch die sehr aufwändig designete und produzierte Flasche, mit Schriftzug und Schildkrötenlogo im Glas.

oldpascasoverproof-flaschendetailEin Overproof-Rum wird gern als Floater in Tiki-Cocktails eingesetzt, wie zum Beispiel beim vielzutatigen Puka Punch. Man stellt dabei zuerst den Cocktail her, und schichtet (engl. „float“) dann eine feine Ebene des Overproof-Rums darauf, zum Beispiel indem man den Rum über die Rückseite eines Teelöffels langsam in den Cocktail gleiten lässt. Danach nicht mehr umrühren, die Schicht soll möglichst lang bestehen bleiben; sie dient demselben Zweck wie eine Glasur beim Kuchen.

Puka Punch


Puka Punch
2 oz Weißer Rum (z.B. El Dorado 3 Years)
1 oz Limettensaft
  ¾ oz Dunkler Jamaika-Rum (z.B. Myers’s Rum)
  ¾ oz Orangensaft
  ¾ oz Ananassaft
  ¾ oz Maracujasirup
2 Teelöffel Honig, in 2 Teelöffel heißem Wasser aufgelöst
  ¼ oz Falernum (z.B. The Bitter Truth Golden Falernum)
1 Spritzer Angostura

Mit 1 Glas Crushed Ice im Mixer oder mit dem Pürierstab blenden
… und am Ende vorsichtig ¾ oz Old Pascas 73% aufschichten


Eigentlich ist das ja kein Punch, denn ein Punch hat per Definition genau 5 Zutaten. Aber wahrscheinlich klang der Name einfach so gut, dass man darüber hinwegsah. Ich tue es gern bei so leckerem (und starkem) Tikiglück, das durch den Old Pascas 73% Jamaica Dark Rum schön abgerundet und mit feinem Jamaica-Aroma perfektioniert wird.

Bei der Party, die ich im Vorspann ansprach, blieb ein Großteil dieses Rums übrig, den mir der Gastgeber dann freundlich, aber bestimmt, ein paar Tage später in die Hand drückte – kein Massenerfolg also, aber wie so oft gilt: Des einen Leid ist des andren Freud, und ich bin durchaus froh, diesen Rum für spezielle Zwecke in der Heimbar stehen zu haben.