In der Tier- und Pflanzenwelt herrscht beständiger Dauerkrieg. Spinnen fressen ihre Partner nach der Paarung, einzelgängerische Säugetiere wie Eisbären bekämpfen sich aufs Blut, wenn ein anderes Exemplar ihrer Gattung ihr Territorium betritt, und die Hierarchiekämpfe in Paviankolonien können übel ausarten.
Besonders sehenswert sind die den menschlichen Boxkämpfen so frappierend ähnlichen Auseinandersetzungen zwischen wilden Hasen. Sie stellen sich auf die Hinterbeine und schlagen sich gegenseitig mit den Vorderpfoten ins Gesicht, bis einer aufgibt. Da sie Tiere sind, und nicht Menschen, sind sie aber so klug, nicht so weit zu gehen, bis einer der beiden Kontrahenten kein Gesicht mehr hat – das ist etwas, was uns zivilisierten Primaten vorbehalten bleibt.
Diesen edlen Faustkämpfern zu Ehren wurde die neue Spirituose der extra für solche Experimente gegründeten Firma Whisky Union dann eben Boxing Hares Spirit Drink getauft. Eine Basis aus schottischem Grain Whisky, aromatisiert mit Hopfen und Malz – das beste aus Bier und Scotch vereint?
Wie bei so vielen Spirituosen, ist auch der Boxing Hares mit Zuckerkulör gefärbt, darum darf man die schöne Kupferfarbe, die schon fast ins Terracotta geht, nicht überbewerten. Der Geruch ist ansprechend: etwas rauchig, ein Weizenkorngeruch ist dominant, ein schwacher Lackgeruch, feuchtes Papier. Ich erinnere mich an den Lagerkorn, den ich vor einiger Zeit verkostet hatte – das ist schon verdammt ähnlich. Zu diesem Zeitpunkt ist von der Aromatisierung noch praktisch nichts erkennbar.

Im Mund schlägt einem erstmal eine heftige Süße entgegen, die alles übertüncht. Von der Whiskybasis ist nichts mehr erkennbar, auch nichts vom errochenen Lagerkorn. Woher kommt diese extreme Süße? Das Malzaroma könnte dazu beitragen, aber ich bezweifle, dass Malz oder Grain Whisky allein für diese dickflüssige Klebrigkeit verantwortlich sein können. Ich vermute Zuckerzusatz, und sobald meine Meßinstrumente, die ich bestellt habe, angekommen sind, werde ich das vermessen.
[Nachtrag 28.01.2016: Tatsächlich weist das Aräometer statt den gelabelten 35% einen temperaturkorrigierten Alkoholgehalt von deutlich unter der unteren Skala meines Aräometers von 30% aus. Ich musste ein anderes Aräometer benutzen, das mir dann einen Wert von 9,2% (temperaturkorrigiert) anzeigte, was auf rund 75g/L Zusätze hinweist; der Löwenanteil davon wird Zucker sein. Ich finde es spannend und sehr aussagekräftig, dass der Hersteller bereit ist, Aromen und Stabilisatoren zu deklarieren, den riesigen Haufen an Zucker aber nicht.]
Nach ein paar Schlucken, in denen ich versuche, die Süße geistig auszublenden, schmecke ich den Grain Whisky dann doch heraus, und im Abgang, der schärfer ist, als es das weiche Mundgefühl andeutet, auch eine gewisse Hopfigkeit. Bei weitem nicht so, wie ich es nach der Beschreibung erwartet hätte; wer schonmal ein IPA getrunken hat, weiß, wonach ich suchte. Dies ist beim Boxing Hares nicht vorhanden, nur Anklänge an die typischen, zitrusfruchtigen Hopfenaromen. Eine leichte, nur angedeutete Rauchigkeit und ein Hauch von Kaffee und Tabak bringen diese Spirituose zu einem durchaus spannenden Gesamtbild.
Persönlich ordne ich dieses Produkt unter den Likören ein, denn mit 75g/L Zuckergehalt ist das schon hart an den 100g/L, die für die Definition von Likör angesetzt sind, und auch geschmacklich ist es klar ein Likör. Freunde rauchiger, trockener, schottischer Single Malts wird es den Magen umdrehen, da bin ich mir sicher; wer aber Drambuie oder Irish Mist mag, wird auch die Boxing Hares mögen.
Ich werde diesen Whiskylikör entsprechend seiner Charakteristika dann eben auch als Ersatz für Drambuie einsetzen, zum Beispiel in dem Whiskylikör-Cocktail schlechthin: einem Rusty Nail. Um den Unterschied zum Original-Rezept deutlich zu machen, nenne ich ihn, den sich prügelnden Hasen auf dem Etikett zu Ehren, Lusty Cottontail.

Lusty Cottontail
1 oz Boxing Hares Spirit Drink
1 oz Blended Scotch (z.B. Monkey Shoulder Blended Malt Scotch)
[Rezept nach schlimmerdurst]
Die Flasche ist eine recht typische Scotchflasche mit dem bauchigen Hals; das Etikett ist wirklich witzig und sehenswert gestaltet, mit den sich mit glitzernden Augen anstarrenden titelgebenden Rammlern. Ich liebe diese Art von selbstironischen, modernen, humorvollen Etiketten. Das Boxing Hares-Etikett wird eigentlich nur noch vom Sparkle Donkey-Etikett übertroffen.

Die pugilistischen Hasen dürfen sich aus zwei Gründen nicht „Whisky“ nennen, obwohl ein Großteil des Inhalts schottischer Grain Whisky ist – einerseits muss ein Whisky 40% Alkoholgehalt aufweisen, die Hasen haben nur 35%; und andererseits darf einem Whisky kein Aromastoff zugefügt werden, wie dies hier geschieht.
Boxing Hares und Captain Morgan Spiced Gold werden wohl hauptsächlich wegen ihres niedrigen Alkoholgehalts als „spirit drinks“ deklariert, denn sonst hat der Konzern Diageo keine Probleme, seine Marken trotz eigentlich unerlaubter Zusatzstoffe nicht so zu benennen: Pampero und Zacapa, zwei bekannte Rummarken unter dem Dach des Diageo-Konzerns, süßen ihren Rum nachträglich und schreiben nichts davon aufs Label. Dies ist also wahrscheinlich kein Kriterium, solange es nicht offensichtlich ist – der Alkoholgehalt ist nun aber vor allem steuerrelevant, daher wird das sicherlich stärker kontrolliert als unerlaubte oder versteckte Zusatzstoffe; der EU sind gepanschte Nahrungsmittel relativ egal, solange die entsprechende Steuer korrekt entrichtet wird. Es wird Zeit, dass der EU-Behörde mal ein Hase auf die Nase haut!










Wer den White Label nie abkonnte, sollte diesem Green / Yellow Label (in alten Abfüllungen war das Etikett gelb, und die Flasche die klassische Beam-Flasche von damals) trotzdem eine Chance geben. Das ist ein passabler, einfacher Einstieg in die Welt der Rye Whiskeys, preislich durchaus interessant und geschmacklich nicht ganz so wild wie manche andere Ryes. Positiv gesehen als Gebrauchsrye in einer Heimbar, negativ gesehen als Ausstellungsstück dafür, wie unroggig ein Roggenwhiskey sein kann.











