Beertransparency International untersucht – Köstritzer Kellerbier

Die „neuen alten“ Biersorten kommen in die Gänge. Musste man bis vor ein paar Jahren nach Zwickelbier und anderen Spezialitätenbieren eher mühselig suchen, sind sie nun im Supermarkt angekommen. Das ist ein zweischneidiges Schwert – einerseits ist es natürlich zu begrüßen, dass der geneigte Bierkonsument größere Auswahl nicht nur an Marken, sondern auch an Sorten hat; vielleicht wird der eine oder andere Standardpilstrinker dadurch angeregt, auch mal was anderes auszuprobieren.

Andererseits sind es meistens die großen Industriebrauereien, die ihre einem angenommenen Massengeschmack angepassten Biere in die Supermärkte transportieren, nicht die kleinen Brauereien, die statt auf Massengeschäft lieber auf Qualität schauen. So hält dann der angesprochene Standardpilstrinker halt ein  Kellerbier einer Industriebrauerei in der Hand, das vom typischen Zwickelcharakter praktisch nichts mehr aufweist, was ihn nicht dazu ermutigt, weiter auszuprobieren. Ich habe nichts gegen Industriebier per se – als Alltagsbier und anspruchsloser Durststiller tut es seine Aufgabe billig und gut; solange es nicht vorgibt, es sei ein Produkt für Genießer.

Das Köstritzer Kellerbier ist inwischen in fast allen Märkten, in denen ich unterwegs bin, erhältlich – vielleicht sind meine Vorurteile gegen die plötzliche industrielle Liebe zu den rareren Biersorten, die ich auch schon bei Beck’s Gehversuchen in dieser Richtung geäußert hatte, wenigstens beim Multimillionen umsetzenden Köstritzer fehl am Platze?

koestritzerkellerbier-flasche

Das ganze beginnt schonmal sehr vielversprechend: Ein überaus üppiger Schaum beim Eingießen erfreut den barttragenden Biertrinker. Leider wars das aber auch schon mit der Glorie: Ein nicht ganz so erfreuender metallischer Geruch, den man öfters von Bockbier oder anderen starken Biersorten kennt, übertönt alles, was an Aromen sonst vorhanden sein könnte.

Passend dazu ist der stark zurückgenommene Geschmack, leicht bitter, leicht malzig, nix ganzes und nix halbes. Ich finde in diesem Bier außer der schönen Schaumkrone nichts Herausstechendes – ein recht langweiliges Gebrauchsbier, als Beilage zum Essen recht brauchbar, für Genießer auf der Suche nach besonderen Biereindrücken dagegen völlig ungeeignet.

koestritzerkellerbier-glas

Halt, doch, ich finde doch noch was ansprechendes: Die Flasche selbst. Wirklich schönes Design, schwungvoll und ungewöhnlich. Man bekommt in ihr einen halben Liter mit 5.4% Alkohol.

Oft trinke ich die Reste eines Biers in einem Cocktail. Ich liebe Biercocktails, und selbst ein eher unterdurchschnittliches Bier wie das Köstritzer Kellerbier kann als Teamplayer dann doch Stärken zeigen, die es in einer Einzelsportart nicht hätte. Zum Beispiel in einer Caipbeerinha.

Caibeerinha


Caipbeerinha
2 oz Cachaça (z.B. Velho Barreiro Gold)
2 Viertel Limette, 2 Viertel Zitrone, 6 Blätter Minze muddeln
½ oz Agave-Sirup
1 oz Helles, bitteres Bier (z.B. Köstritzer Kellerbier)


Über eins bin ich mir am Ende unschlüssig. Kellerbier oder Zwickel ist eigentlich unfiltriert. Das Köstritzer Kellerbier strahlt in fast perfekt transparentem Glanz. Entweder ich oder der Hersteller verstehen das Konzept des Kellerbiers offensichtlich nicht. Vielleicht ist das Köstritzer aber auch so industriell perfektioniert, dass gar keine große Trübung auftritt, die man ausfiltern müsste – oder besser könnte.

Für mich ist das erneut, wie so oft bei großen Konzernen, letztlich eine Verkaufsmasche, Hauptsache, man kann eine exotische Bezeichnung aufs Etikett schreiben. Schade, dabei hatte ich das Witbier dieses Herstellers über den grünen Klee gelobt. War das ein Ausrutscher? Ich werde irgendwann noch eine dritte Biersorte von Köstritzer verkosten müssen, die dann das Zünglein an der Waage sein wird.

 

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Ein Gedanke zu “Beertransparency International untersucht – Köstritzer Kellerbier

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