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Duckstein Opal und Saphir Titel

Versetzung gefährdet – Duckstein Opal Pilsener und Saphir Kellerbier

Es ist nun schon eine ganze Weile her, dass ich das Duckstein rotblonde Original für mich entdeckt hatte. Damals, für mich als Biereinsteiger, ein sehr spannendes Bier, das ich auch heute noch gern trinke. Um so erfreuter war ich, als ich vor einiger Zeit dann zwei neue Sorten des Brauers in einem lokalen Supermarkt entdecken konnte. Das Duckstein Opal Pilsener und direkt daneben das Saphir Kellerbier. Beide in der bekannten, auffälligen Flasche, und sehr hübsch durch die Farbgebung voneinander und vom rotblonden Original abgegrenzt. Natürlich musste ich zulangen, zwei weitere Vertreter dieses schönen Biers können mich ja nicht enttäuschen. Auch wenn ich grundsätzlich ein sehr optimistischer  und wohlwollender Genießer bin – man wird leider im Verlauf dieses Blogartikels sehen, dass Vorfreude und Vorschusslorbeeren nicht immer belohnt werden. Doch ich greife vor.

Duckstein Opal und Saphir Flaschen

Beginnen wir mit dem Saphir Kellerbier. Obergärig mit 4 Malzen (Pilsener, Weizen hell, Wiener Malz, Cara Red) und 3 Hopfen (2 unbenannt, einer der namensgebende Saphir) eingebraut, bekommen wir optisch zunächst ein sehr typisches Kellerbier: natürlich naturtrüb, kräftig orangefarben, der Schaum, schon zu Beginn wenig, baut sich in wenigen Minuten fast komplett ab.

Beim Wechsel von Auge zu Nase beginnt das Drama. Ich schnuppere, und schnuppere, und schnuppere. Joghurt. Milder Orangensaft. Hefe. Ja, das wars. Und selbst diese Aromen nur im Kleinformat. Da hätte man auch an Mineralwasser riechen können. Sehr überraschend, im negativen Sinne.

Duckstein Saphir Kellerbier Glas

Das Drama endet nicht beim nichtexistenten Geruch – es geht in die Verlängerung beim nichtexistenten Geschmack. Höchst faszinierend: Das Duckstein Saphir gehört für mich zu den aromenärmsten Bieren, die ich bisher getrunken habe, und überholt in der Belanglosigkeit selbst dünnste Reis- und Maislager. Ein Hauch Orange, etwas Hefe, und wir sind am Ende der Verkostung. Mir kommt es vor, als hätte ich ein stark mit Sprudel gestrecktes Bier vor mir. Nein, es gehört nicht zu den aromenärmsten Bieren, es ist das aromenärmste Bier, das ich kenne. Da der Abgang natürlich nichts herzaubern kann, ist er kürzer als kurz. Die hohe Rezenz mit der starken Karbonisierung erzeugt wenigstens einen Erfrischungsfaktor, der Spaß macht, aber das ist auch schon alles, was ich an positivem über das Duckstein Saphir sagen kann; außer den nackten Zahlen: 5,0% Alkoholgehalt, sehr dezente 14,5 IBU.

Höchstenttäuschend. Vor allem, wenn man den Preis anschaut, steigen mir Tränen in die Augen, da packe ich lieber das Blondie-Bierkonzentrat aus, im Ernst. Ich bin fassungslos, wie so etwas die Qualitätskontrolle passieren kann. Grand Cru? Ein Scherz, und zwar ein schlechter. Für diese peinliche Braumeister-Edition N°8 muss sich der Braumeister eigentlich entschuldigen.

Ach, zum Glück habe ich danach ein Alternativbier in der Hinterhand. Einen Ausrutscher kann man jedem erlauben, da kann das Opal Pilsener ja nur vorteilhaft auftrumpfen, oder?Duckstein Opal Pilsener Glas

Optisch tut es das zunächst mal. Safrangold, bei entsprechendem Licht wirklich ausgesprochen attraktiv. Kristallklar, sehr starke Perlage, gröberer Schaum. Stärker gehopft (Hallertauer Opal, Hüll Melon, Cascade, Mandarina Bavaria) als sein blasser Bruder wirkt es in der Nase – zurückgenommene Frucht, Bitterkeit. Hefe. Leichter Metall. Insgesamt: Durchaus pilstypisch.

Im Mund dann ein dezenter Geschmack, kräftige Herbe, klar und sauber. Es gibt darüber hinaus leider nicht viel zu sagen zum Geschmack – ein mildes, zartes Pils, fein und gut strukturiert. VIelleicht etwas langweilig. Ich stelle mir vor, dass es als Essensbegleiter zum Abspülen der Geschmacksknospen bei einem deftigen Essen taugt. Bei 4,9% Alkoholgehalt dafür auch nicht zu wuchtig.

Zum Ende hin flacht es erkennbar ab, der Abgang ist sehr kurz. Die zunächst wahrgenommene Frische lässt nach, eine Süße kommt hervor, die es schafft, die 25-IBU-Bittere fast komplett wegzunehmen, bis auf im Rachen. Ein etwas abgestandener Nachgeschmack lässt viel vom positiven Eindruck bis dahin wieder vergessen. Dieser negativer Abschluss verstärkt sich noch, wenn die Temperatur des Biers steigt – gut gekühlt schnell austrinken ist angesagt!

Ducksteiner Opal und Saphir Tragerl

Herrjeh, ich gebe zu, mir fallen die Mundwinkel etwas nach unten. Selten war ich so enttäuscht von Bieren. Trotz ähnlicher Produktionsweise (auch hier gibt es eine Reifung auf Buchenholz, wie schon beim Duckstein Original) und gewiss ordentlichem Aufwand kommt einfach nichts bei rüber. Man fragt sich, ob der Brauer nicht einfach nur mal so ein „neues Bier“ raushauen wollte, und sich dabei übernommen hat, insbesondere, wenn man die vergleichsweise peinliche Aufmachung mit berücksichtigt, die wohl zuerst da war, und dann ein Bier dazu gefunden werden sollte. Immerhin schön: Das Tragerl mit vielen Informationen und einem Charakter-Chart.

Bei minderwertigen Spirituosen ist man schnell mit dem Label „Mixer“ zur Hand, das ausdrückt, dass man sie nicht pur genießen kann, sie höchstens in Mischrezepturen akzeptabel sind. Ich stehe diesem Konzept sehr kritisch gegenüber, doch für die zwei Duckstein-Spezialbiere passt es eigentlich – es sind für mich Filler, wie das Tonic Water in einem Gin & Tonic. Entsprechend suche ich einen Verwendungszweck außerhalb des Bierglases für sie; wenn man diese aromenarmen Biere mit etwas zusätzlichen Geschmäckern aufpimpt, können auch sie noch halbwegs funktionieren. Zum Beispiel im Hop, Skip and Go Naked.

Hop, Skip and Go Naked


Hop, Skip and Go Naked
1 oz Vodka (z.B. Smirnoff)
¾ oz Zitronensaft
¾ oz Himbeerlikör
Auf Eis shaken, dann aufgießen mit…
leichtem Bier (z.B. Duckstein Opal)
[Rezept nach Jared Schubert]


Beide Biere werde ich nicht mehr kaufen – so leid es mir tut. Stattdessen wird aber weiterhin öfters das Duckstein rotblonde Original im Warenkorb landen, das ich von dieser zugegebenermaßen etwas arg vernichtenden Kritik deutlichst ausnehmen will. Aber so ist das halt mit Familien – manchmal gibt es schwarze Schafe. Hier scheint es nur umgekehrt zu sein – ein strahlendes, rotblondes Schaf in einer Herde von hässlichen Geschwistern.

Bruch Zwickel Titel

Frisch aus dem Keller an den Biergartentisch – Bruch Zwickel

Bier gibt es schon seit Menschengedenken; schon die alten Mesopotamier und Ägypter tranken es. Über viele Jahrhunderte wurde es ausschließlich in Tonkrügen und Holzfässern aufbewahrt, und der interessierte Trinker musste sich am Herstellungsort eine Portion daraus abzapfen – der Anfang der Barkultur. In Flaschen ist Bier erst seit vergleichsweise kurzer Zeit für den Normalbürger erhältlich; um 1600 kam die Idee zwar schon auf, es dauerte aber aufgrund hygienischer Probleme, der Unerschwinglichkeit von Glasflaschen und der lang ungelösten Problematik der Verkorkung noch bis nach dem Ersten Weltkrieg, bis der Bierfreund sich gewohnheitsmäßig das Bier ohne Kneipenzwischenstop im Wohnzimmer selbst eingießen konnte.

Seit dieser Zeit haben sich eine unzählige Menge von Flaschenformen herausgebildet, in die Bier abgefüllt wird. Die Standardisierungsfreude in Deutschland und später der EU hat schnell dazu geführt, dass viele davon hierzulande nur ein Nischendasein fristen. Die Standardflasche NRW-Flasche in Vichyform und deren kleiner Bruder, die Longneckflasche, die gemeinsam gefühlt 95% der deutschen Biere umhüllen, sorgen bis heute für eine recht triste Monokultur-Außendarstellung der deutschen Bierwelt, im Gegensatz zum bunten Flaschenformreigen der angloamerikanischen Freiheit.

Eine noch recht häufig anzutreffende Ausnahme ist die kleine, gequetschte 330ml fassende Flasche, die man im Saarland Stubbi nennt. Steinie ist der offizielle Name, zumindest laut der inzwischen abgelaufenen DIN-6199, landläufig sind dann Kosenamen wie Bombe, Granate, Stupete oder Knolle bekannt. Selbst im englischsprachigen Raum kennt man sie, unter dem Namen stubby, und sie war in Kanada über viele Jahre die Standardform für Bierflaschen. In ihr erhält man ein sehr leckeres saarländisches Bier: das Bruch Zwickel.

Bruch Zwickel Flasche

In Saarbrücken, wo die Brauerei Bruch niedergelassen ist, ist sie mit Gründungsdatum 1702 das älteste Unternehmen, und gehört mit 30 000 Hektolitern Ausstoß pro Jahr zu den Kleinbrauereien. Für diese kleine Größe ist das Bruch-Bier aber überraschend präsent in Saarbrücken: Praktisch jeder Supermarkt führt mindestens eine, eher aber drei bis vier Sorten dieser Brauerei, und einige beliebte Biergärten, darunter der hochfrequentierte Staden, der selbst bei geringem Sonnenstand schon fast zum Bersten gefüllt ist, werden von Bruch versorgt.

Wie von einem Kellerbier zu erwarten ist das Bier sehr trüb, auch wenn andere Hersteller das Konzept anders interpretieren. Ansonsten bekommt man eine sehr typische Bierfarbe, wie man sie kennt. Viel Kohlensäure sorgt für ein lautes Zischgeräusch und großperligen Schaum, der nur eine dünne Krone hinterlässt.

Bruch Zwickel Glas

Flugs die Nase ins Glas gehalten: Fruchtig, hefig, metallisch. Die Hefereste im Glas sorgen für intensiveren Geschmack als bei einem filtrierten Bier, das ist kein Marketinggag. Liebe Hersteller, lasst doch das Ausfiltern von Geschmacksträgern (das nur zugunsten einer hübschen Optik geschieht) sein!

Auch im Geschmack ist ein metallischer Ton vorhanden, die Frucht verschwindet fast völlig dahinter. Eine recht konservative Pilsinterpretation, die noch nichts vom über Deutschland hereinbrechenden Aromahopfen weiß. Hopfen ist eindeutig eine Menge im Bruch Zwickel, aber reiner Bitterhopfen, der für die ausgesprochen eckige Bitterkeit sorgt.

Der Abgang ist entsprechend knackig-bitter und vergleichsweise kurz. Die Trockenheit sorgt für einen kräftigen Speichelfluss, und der hohe Kohlensäuregehalt für Gasentweichungsdrang. Ein gehobenes Gebrauchsbier, als Essensbegleiter oder unprätenziöser Durststiller.

Aber wie man das Bier optimalerweise trinkt, ist so: Im Biergarten, mit einer Butterbrezel oder einem Paar Merguez (im saarländischen betont auf der ersten Silbe!) im Doppelweck, und einer guten Zigarre danach. Ich freue mich im aktuell nasskühlen Frühjahr schon auf diese Jahreszeit, und auf das erste Freiluft-Bruch Zwickel.

Bruch Zwickel im Biergarten

Ich bin ehrlich – mit den restlichen Bieren der Brauerei Bruch kann ich nicht so furchtbar viel anfangen; recht langweiliges Massenbier mit wenig Eigencharakter, auch wenn es für mich noch deutlich besser trinkbar ist als die langweilig-aromenarme Pilssuppe aus der ebenso saarland-lokalen Karlsberg-Brauerei. Das Zwickel aber ist ein wirklich gelungenes Bier; man kann es auch gut in Cocktails einsetzen, wie zum Beispiel dem Prickly Ricky.

Prickly Ricky Cocktail


Prickly Ricky
1 oz Tequila blanco (z.B. Don Julio Tequila Blanco)
1 oz Birnensirup
1 oz Limettensaft
…aufgießen mit 2 oz Bruch Zwickel


In Ermangelung eines Birnensirups habe ich mir einen Birnensaft 1:1 mit Zuckersirup gemischt. Ich hätte mir auch einen Birnensirup selbst einkochen können, da der Prickly Ricky aber bisher der einzige mir bekannte Cocktail ist, der nach Birnensirup verlangt, wäre das für die gebrauchte winzige Menge ein etwas ineffizientes Verhalten gewesen. Das ist oft so bei Cocktailzutaten: Man muss abwägen, ob das Spezifizierte, wenn nicht vorhanden, nicht durch etwas Vorhandenes ersetzt werden kann, denn kein Mensch kann alles, was moderne Rezepte fordern, auf Lager haben oder herstellen wollen.

Wenn Sie das Bruch Zwickel probieren wollen, müssen Sie wohl ins Saarland kommen, da die Firma nicht ins deutsche Ausland exportiert. Es lohnt sich, auch unabhängig vom Bier – das Saarland ist mit Sicherheit das schönste Bundesland der Welt, mit dem über die Grenze schwappenden Hauch des französischen savoir-vivre, voller netter, unkomplizierter Leute, die mich als schwäbischen Exilanten freundlichst aufgenommen haben; Ihnen wird es nicht anders ergehen!

Beertransparency International untersucht – Köstritzer Kellerbier

Die „neuen alten“ Biersorten kommen in die Gänge. Musste man bis vor ein paar Jahren nach Zwickelbier und anderen Spezialitätenbieren eher mühselig suchen, sind sie nun im Supermarkt angekommen. Das ist ein zweischneidiges Schwert – einerseits ist es natürlich zu begrüßen, dass der geneigte Bierkonsument größere Auswahl nicht nur an Marken, sondern auch an Sorten hat; vielleicht wird der eine oder andere Standardpilstrinker dadurch angeregt, auch mal was anderes auszuprobieren.

Andererseits sind es meistens die großen Industriebrauereien, die ihre einem angenommenen Massengeschmack angepassten Biere in die Supermärkte transportieren, nicht die kleinen Brauereien, die statt auf Massengeschäft lieber auf Qualität schauen. So hält dann der angesprochene Standardpilstrinker halt ein  Kellerbier einer Industriebrauerei in der Hand, das vom typischen Zwickelcharakter praktisch nichts mehr aufweist, was ihn nicht dazu ermutigt, weiter auszuprobieren. Ich habe nichts gegen Industriebier per se – als Alltagsbier und anspruchsloser Durststiller tut es seine Aufgabe billig und gut; solange es nicht vorgibt, es sei ein Produkt für Genießer.

Das Köstritzer Kellerbier ist inwischen in fast allen Märkten, in denen ich unterwegs bin, erhältlich – vielleicht sind meine Vorurteile gegen die plötzliche industrielle Liebe zu den rareren Biersorten, die ich auch schon bei Beck’s Gehversuchen in dieser Richtung geäußert hatte, wenigstens beim Multimillionen umsetzenden Köstritzer fehl am Platze?

koestritzerkellerbier-flasche

Das ganze beginnt schonmal sehr vielversprechend: Ein überaus üppiger Schaum beim Eingießen erfreut den barttragenden Biertrinker. Leider wars das aber auch schon mit der Glorie: Ein nicht ganz so erfreuender metallischer Geruch, den man öfters von Bockbier oder anderen starken Biersorten kennt, übertönt alles, was an Aromen sonst vorhanden sein könnte.

Passend dazu ist der stark zurückgenommene Geschmack, leicht bitter, leicht malzig, nix ganzes und nix halbes. Ich finde in diesem Bier außer der schönen Schaumkrone nichts Herausstechendes – ein recht langweiliges Gebrauchsbier, als Beilage zum Essen recht brauchbar, für Genießer auf der Suche nach besonderen Biereindrücken dagegen völlig ungeeignet.

koestritzerkellerbier-glas

Halt, doch, ich finde doch noch was ansprechendes: Die Flasche selbst. Wirklich schönes Design, schwungvoll und ungewöhnlich. Man bekommt in ihr einen halben Liter mit 5.4% Alkohol.

Oft trinke ich die Reste eines Biers in einem Cocktail. Ich liebe Biercocktails, und selbst ein eher unterdurchschnittliches Bier wie das Köstritzer Kellerbier kann als Teamplayer dann doch Stärken zeigen, die es in einer Einzelsportart nicht hätte. Zum Beispiel in einer Caipbeerinha.

Caibeerinha


Caipbeerinha
2 oz Cachaça (z.B. Velho Barreiro Gold)
2 Viertel Limette, 2 Viertel Zitrone, 6 Blätter Minze muddeln
½ oz Agave-Sirup
1 oz Helles, bitteres Bier (z.B. Köstritzer Kellerbier)


Über eins bin ich mir am Ende unschlüssig. Kellerbier oder Zwickel ist eigentlich unfiltriert. Das Köstritzer Kellerbier strahlt in fast perfekt transparentem Glanz. Entweder ich oder der Hersteller verstehen das Konzept des Kellerbiers offensichtlich nicht. Vielleicht ist das Köstritzer aber auch so industriell perfektioniert, dass gar keine große Trübung auftritt, die man ausfiltern müsste – oder besser könnte.

Für mich ist das erneut, wie so oft bei großen Konzernen, letztlich eine Verkaufsmasche, Hauptsache, man kann eine exotische Bezeichnung aufs Etikett schreiben. Schade, dabei hatte ich das Witbier dieses Herstellers über den grünen Klee gelobt. War das ein Ausrutscher? Ich werde irgendwann noch eine dritte Biersorte von Köstritzer verkosten müssen, die dann das Zünglein an der Waage sein wird.