Bier am Freitag – Hövels Original Feinherbes Rotgold

Ich weiß heute gar nicht mehr so recht, wo ich es mitgenommen hatte – ich glaube, es stand als Sonderaktion in einem Getränkemarkt. Die große Halbliter-Bügelflasche mit dem für meinen Geschmack ausgesprochen ansprechenden Etikett zieht jedenfalls selbst in einem großen Sortiment ohne Zweifel jeden Blick auf sich, die Hövels Hausbrauerei in Dortmund hat diesbezüglich alles richtig gemacht. 5,5% Alkoholgehalt und die Mischung aus Gersten- und Weizenmalzen sind dagegen fast unaufregend, aber, das passiert mir bei Bier oft, es sind oft nicht die grellknalligen Zutatenlisten und besonderen Zubereitungsverfahren, die die besten Biere erzeugen, also lasse ich mich gerne überraschen, was die Dortmunder mir da mit dem Hövels Original Feinherbes Rotgold ins Glas zaubern.

Hövels Original Feinherbes Rotgold

Der Name sagt es aus – das Bier liegt dunkelrostrot im Glas. Es ist recht klar, nur ein Ansatz von Trübung ist erkennbar, vielleicht ist es aber einfach auch nur die dunkle Farbe. Im Gegenlicht erkennt man in der Mitte des Glases ein paar Bläschen, die schnell aufsteigen – sie erhalten den Schaum, der zunächst üppig, dann in einer feinen, gemischtblasigen Decke endet.

Sehr malzig, holzig und leicht metallisch riecht das Bier. Intensiv, mit einer gewissen Getreidebasis. Eingebraut wurde es laut Etikett mit 4 Edelmalzen, ja, diese Betonung auf Malz statt der aktuell weitverbreiteten Hopfenliebe gefällt mir sehr. Cremig, aber mit einer gewissen Säurekante im Antrunk, eine gelungene Süßbitterbalance, sehr malzig, leicht würzig werdend im Verlauf. Eine ganz milde Salzigkeit gibt Charakter, ebenso wie der Anflug von Rauchigkeit. Ein wirklich voluminöser Körper wird durch eine zitronige Fruchtsäure aufgehellt. Sehr rezent, erfrischend, dabei aber malzig aromatisch. Die empfohlene Trinktemperatur halte ich gerne ein, sie gibt dem ganzen noch etwas Frischekick. Der Abgang ist relativ lang, sauersalzig, dezent adstringierend.

Ein spannendes Bier, das mir extrem gefällt – voll, aber frisch; herb, aber nicht kratzig; aromatisch, aber nicht übertrieben. Könnte wirklich eines meiner Lieblingsbiere werden, ich komm nur so schwer an es auf verlässlicher Basis heran.

Der gemeine Vogel – Redbreast Single Pot Still Irish Whiskey Aged 12 Years

Zum zweiten Mal fand der Robin Redbreast Day Ende letzten Jahres statt, Redbreast Irish Whiskey lud zusammen mit Birdlife International Gäste in den Killykeen Forest Park ein, um die Zusammenarbeit des Brenners mit der Vogelschutzorganisation zu feiern, unter dem Motto „Keep the common Birds common“ – der „gemeine“ (im Sinne von alltäglich) Vogel soll schließlich, will man eine Landschaft schützen, wie sie ist, nicht immer nur hinter den „besonderen“ Vögeln zurückstehen müssen, im Gegenteil: er definiert sie, und für Irland ist der wichtigste alltägliche Vogel wohl das Rotkehlchen. Das ist dann natürlich auch die direkte Verbindung zum irischen Whiskey Redbreast. Ein toller Tag war das in Cavan County, mitten im ländlichen Irland, im Resort Cabü by the Lakes am Loch Oughter – tagsüber eine Vogelführung und Erklärungen über die Flora, abends eine fantastische, fantasievolle Vorführung der Artisten von Fidget Feet Aerial Dance und schließlich einem wundervollen Fünfgänge-Verkostungsmenü mit Redbreast 12 bis 27 als Zwischengängen in grandioser Atmosphäre.

Ich habe noch nie so wunderbares, aromatisches Schweinefleisch gegessen wie das von Richard Corrigan, das er uns am Abend vorsetzte; als ich ihm das im Gespräch danach sagte, merkte man den Stolz, den selbst ein vielfach ausgezeichneter Sternekoch noch für so belanglose Komplimente empfindet, wenn es um seine Arbeit geht.

Doch genug vom Robin Redbreast Day, hin zum eigentlich Star dieses Artikels, dem Redbreast Single Pot Still Irish Whiskey Aged 12 Years in der limitierten, extra für dieses Event aufgelegten „Bird Feeder“-Edition (dazu am Ende mehr). Es handelt sich dabei um einen irischen Klassiker, ein auf 40% Alkoholgehalt eingestellten Single Pot Still Whiskey, dreifach destilliert in der Midleton Distillery in Cork in Südirland, der danach 12 Jahre in Eichenfässern gereift wird.

Redbreast Single Pot Still Irish Whiskey Aged 12 Years

Ganz klassisches Whiskeybernstein sieht man, wenn man die Flüssigkeit aus der bauchigen Grünglasflasche in ein angemessenes Verkostungsgefäß umgießt. Sie bewegt sich schwungvoll, mit leicht erkennbarer Viskosität, ohne dabei wirklich ölig zu erscheinen; an der Glaswand bleiben die Beinchen lange haften und fließen in dicken Tropfen ab.

Mir gefällt der Duft, der diesem Glas dann entströmt, extrem – eine richtig angenehme Mischung aus getrockneten Früchten und Nüssen. Da ist auch einiges an vanilligem Holzeinfluss, erinnert mich eher an Bourbon als an Scotch. Getrocknete Aprikosen gehen eine höchst angenehme Verbindung mit zartem Getreide ein, das auch eine leicht mentholische Frische dazu liefert. Erst, wenn man sehr tief schnuppert, kommen leicht ethanolische Noten zum Vorschein, die aber nie pieksen.

Redbreast Single Pot Still Irish Whiskey Aged 12 Years Glas

Im Mund kommt dann zu der grundliegenden Süßfruchtigkeit direkt eine phenolischeNote dazu, die dem ganzen initial einen leicht medizinalischen Effekt gibt, ohne dabei dies in den Vordergrund zu stellen. Im Verlauf wird der Redbreast 12 würziger, pikanter, die Süße bleibt höchstens als Grundgefühl erhalten, und wird durch eine deftige Trockenheit ersetzt. Das Getreide scheint nun stärker durch, das Holz wirkt prägnanter und dominiert dann den Abgang zusammen mit minimalsten Anflügen von Backgewürzen – auch hier aber in ein rundes, weiches Gesamtbild eingebettet, ohne dass es stört oder heraussticht. Im Nachklang findet man dann noch mildflorale Eindrücke, irgendwo zwischen Jasmin und Wintergrün. Das durchgängig volle Mundgefühl klingt dann langsam mit hauchiger Frische und milder Salzigkeit aus.

Was mag ich an diesem Whiskey? Er ist einfach durchgängig rund, aromatisch, voll und charakterstark, ohne dabei aber je mit diesen guten Eigenschaften anzugeben. Das passt alles ineinander, man erkennt trotz der Einheitlichkeit einen Verlauf, der genug Spannung liefert, um die Idee von Komplexität zu bringen, die man genießen kann, aber nicht muss – ideal für mich. Handwerklich herausragend, wunderbar trinkig, ein Whiskey, wie er sein soll.


Wenn ein Drink für diesen Whiskey geeignet ist, ist es natürlich der Birdman Cocktail. Er hat irischen Whiskey als großzügige Hauptzutat, und einen Namen, der sowohl zum Redbreast als auch zu dem Robin Redbreast Day passt, und dann konnte ich dafür auch noch die Eulen-Tikimug einsetzen, die ich von dort mitgebracht hatte. Was will man mehr als ambitionierter Blogger, der einen inhaltlichen Bogen durch seinen Artikel schlagen will!

Birdman Cocktail

Birdman Cocktail
2oz / 60ml irischer Whiskey
¾oz / 23ml Limettensaft
¾oz / 23ml Grapefruitsaft
½oz / 15ml Falernum
½oz / 15ml Honigsirup
2 Spritzer Angostura Bitters
Auf Eis shaken.

[Rezept nach Erick Castro]


Die Flasche an sich ist bauchig und liegt gut in der Hand, wenn man sich ein Glas eingießt; das Etikett ist dezent gestaltet, man sieht den Professionalismus hier, da wird nichts dem Kitsch oder Zufall überlassen. Eine sehr schöne Idee ist die Umverpackung mit dem Vogelfutterspender aus Aluminium, der genau um die Flasche passt, und ohne große Umbauten auch direkt mit Vogelfutter gefüllt (600g passen gut rein) und am Lederbändchen sofort draußen aufgehängt werden kann. Bei mir in der Umgebung gibt es keine Rotkehlchen, aber Meisen und Spatzen haben sich nach einer gewissen Eingewöhnungsphase schon daran zu schaffen gemacht. So hat eine Umverpackung auch wirklich echten Mehrwert und landet nicht im Müll, wenn man sich nach ein paar Tagen daran sattgesehen hat. Und wer diese Edition kauft, spendet automatisch auch für Birdlife International.

Wer seinen Whiskey gern etwas stärker hat, dem kann ich auch den Redbreast Cask Strength sehr empfehlen, den ich schon vor ein paar Jahren hier auf meinem Blog besprochen hatte – die Typizität dieser Marke ist hoch, die oben geschilderten Geschmackseindrücke sind auch bei jenem ähnlich zu finden, nur mit etwas mehr Wucht und Stärke. Beide machen mir richtig viel Spaß und zeigen, dass Irland mit seinem Whiskey hinter keinem anderen Land zurückstehen muss.

Offenlegung: Ich danke Redbreast Irish Whiskey und Pernod Ricard für die Bereitstellung der Flasche dieses Whiskeys, und für die Einladung nach Irland zum Robin Redbreast Day 2022.

Bier am Freitag – Rodenbach Grand Cru Red Ale

Ich hatte es zu einem gemütlichen Abend zu meinem Bruder mitgebracht, und dort im Kühlschrank vergessen – ein paar Wochen später bekam ich die entsetzte Nachricht, dass das Bier, das ich mitgebracht hatte, schlecht geworden ist, komplett sauer, nicht mehr trinkbar. Ja, man muss wohl wissen, was man da trinkt, wenn man das Rodenbach Grand Cru Red Ale der belgischen Brouwerij Rodenbach öffnet. Der Stilname ist offiziell „Red Ale“, doch ich warne direkt vor, dass man hier scheinbar etwas anderes unter diesem Bierstil versteht als viele andere Regionen der Welt. Ein Teil junges Bier wird dabei mit zwei Teilen in großen Eichenfässern („Foeders“) gereiften Biers verschnitten, und Milchsäurebakterien helfen dabei, ein besonderes Geschmackserlebnis zu erzeugen – wer Sauerbier kennt, weiß, in welche Richtung ich mit dieser Aussage leiten will.

Rodenbach Grand Cru

Rotbraun, sehr trüb, fast komplett blickdicht. Entsprechend kann man selbst bei Gegenlicht keine Perlage erkennen. Schaum bildet sich dünn beim Eingießen, dieser verfällt aber schnell in einen cremafarbigen Rand und ein paar sehr dünne Inseln. Die Nase ist rotweinig, mit Anklängen von mildem Weinessig oder Verjus, und etwas Naturjoghurt – deutlich säuerlich jedenfalls. Ein bisschen Malz könnte man mehr erahnen als wirklich stark riechen.

Ja, das ist ein Sauerbier, das war mir vom Etikett her jedenfalls nicht deutlich geworden. Limettensaft, Verjus, der Saft, der oben auf Naturjoghurt schwimmt, Molke – in diese Richtung geht das. Anklänge mehr von Crémant als von Bier, und von etwas weißem, trockenem Wein. Die Säure wird durch schöne Würze unterstützt, und von knackiger Bittere gefördert, ohne allerdings ins eckig-kratzige abzugleiten. 6% Alkoholgehalt ist für belgische Biere eher typisch denn ungewohnt. Extrem frisch und rezent. Der Abgang ist kurz, sauer, doch deutlich astringierend. Etwas Süße zeigt sich am Schluss noch. Fasstöne klingen zuguterletzt noch auf, leichte Holzigkeit äußert sich in Aroma und Effekt.

Ein interessantes, unerwartetes Geschmacksbild. Persönlich mag ich ja Sauerbiere jeder Couleur sehr, darum ist die Überraschung positiv gelungen. Wer auf ein typisches belgisches Dubbel gewartet hat, wie ich ursprünglich, wird aus den Socken gehauen. Ich laufe jedenfalls los, um mir mehr davon zu holen – gute Sauerbiere sind bei mir immer gern gesehen, und das Rodenbach Grand Cru gehört für mich dazu.

Moderne Blends für die Welt – Rum Artesanal Burke’s Seamaster Blended Rum

Einzelfassabfüllungen sind die Domäne von Rum Artesanal – in regelmäßigen Abständen veröffentlicht die Marke von HEB Heinz Eggert in Bad Bevensen in der Lüneburger Heide ausgewählte Rums, darunter oft kleine Juwelen, die dann in Minuten ausverkauft sind. Ich bin froh, immer wieder Samples dieser Rums bekommen zu können, denn ich habe weder den Jägerinstinkt für nächtliche Klickbot-Aktionen noch das Budget, mir die meist dreistellig bepreisten besonderen Rums, für die ich mich theoretisch sehr begeistern könnte, leisten zu können. Letztlich aber ist das für mich als Rumfreund dennoch ein gutes Szenario, denn derartige Abfüller sorgten in den letzten Jahren dafür, dass sich auch Spitzenqualitäten im Rum endlich in Deutschland voll durchgesetzt haben, auch mit dem Bewusstsein, dass die Preise diese Qualität wiederspiegeln.

Rum Artesanal nutzt den dadurch gewonnenen Ruf, um auch selbstgemachte, moderne, wertige Blends unter die Leute zu bringen, die im Gegensatz zu vielen Konkurrenten mit hochwertigen Zutaten punkten sollen. Vor einiger Zeit wurde die Marke „Burke’s“ als Name für diese Blends wiederbelebt, unter ihr findet der geneigte Rumtrinker einen ungereiften Rum (Burke’s White Blend Rum mit 61%), und auch einen gereiften: Der Burke’s Seamaster Blended Rum ist ein Blend aus Rums aus Barbados und Jamaica, 8 und 11 Jahre respektive, die in Säule und Potstill gebrannt wurden. Ungefärbt und ungesüßt ist heutzutage für ambitionierte Abfüller selbst für einfachere Rums Standard, so wie es eigentlich immer sein sollte. Die 50% Alkoholgehalt sprechen auch eine klare Sprache, dass hier kein Pappelriedchen in der Flasche zu finden sein wird – schauen wir uns es mal an.

Rum Artesanal Burke’s Seamaster Blended Rum

Das klare Kupfer des Blends ist natürlich in der Fassreifung entstanden, er ist, wie gesagt, ungefärbt. Die Flüssigkeit schwenkt sich leicht, zeigt nur etwas Öligkeit, aus der Kante, die am Glas dabei entsteht, entwickeln sich langsam Tropfen, die als Beine langsam aus ihr herausfransen wie Zotteln an einem Teppich.

Geruchlich ist der Rum von Säulendestillaten geprägt, und man würde ihn vielleicht eher Barbados zuordnen als Jamaica – da ist viel Nougat, Kokos und Marzipan vorne, etwas grüne Banane, leichte Steinobstnoten, Melasse und Pflaume. Ein leichtes Pieksen ist da, und eine Ahnung, mehr aber nicht, von Ethanol und Lack. Grundsätzlich im Gesamtgeruchsbild eher nichts, woran ich lange schnuppern wollen würde, aber auch nichts, das mich komplett langweilt. Ein Ticken Plastikhandschuh kommt noch irgendwie durch, auch das aber nie störend, sondern später dann eher in Floralität übergehend.

Rum Artesanal Burke’s Seamaster Blended Rum Glas

Die ersten Eindrücke im Mund sind die grundliegende Süße, sehr natürlich wirkend, und das gut dazu passende, weiche und runde Mundgefühl. Die Textur gefällt, bleibt aber leicht, entwickelt nur mittleres Volumen, das im Verlauf sogar noch etwas zurückgeht. Aromatisch ist auch hier die Barbados-Komponente im Vordergrund, mit den dafür typischen Aromen von Kokos, Marzipan und Banane, der Jamaica-Anteil liefert eher Wumms und Würze, bildet eine Basis, die sich nur langsam herausarbeitet. Der Alkoholgehalt ist erkennbar, das prickelt etwas auf der Zunge, und lässt sie leicht anästhesiert zurück. Während der Zeit im Mund fühlt sich das ingesamt angenehm und gut gemacht an, der Abgang ist dagegen dann leicht enttäuschend kurz, aromatisch schnell verflogen und nur mit einem Eisenton nachklingend.

Der Burke’s Seamaster bleibt mir als stabiler, sauber geblendeter Mixrum in Erinnerung, gerade der erhöhte Alkoholgehalt macht ihn gut einsetzbar für Drinks, in denen man zumindest Rum schmecken will, auch wenn viele andere Zutaten da sind. Zum gemütlichen Purtrinken ist er mir zu einfach gestrickt, aromatisch dann doch zu unkomplex, und zu kurz. Doch das ist meines Erachtens auch nicht die Aufgabe eines derartigen Blends.


Vielleicht kennt Ihr das – ich habe immer so ein undefinierbares Fernweh, insbesondere, wenn ich auf einem Globus oder in einem Atlas mit dem Finger über all die fernen, geheimnisvollen Inseln und Länder streife, und mir vorstelle, wie es dort wohl ist. So kam mir auch der Gedanke zur Molucca Cola: Die Molukken waren die Gewürzinseln, insbesondere Nelken und Muskatnuss wurden doppelt mit Gold aufgewogen, vor gar nicht allzu langer Zeit. Ein Gewürzsirup mit exotischen Gewürzen und eine gute Cola macht aus einer schnöden Rum-Cola einen sehr süffigen, aromatischen Fernwehdrink, in dem der Burke’s Seamaster wunderbar passt.

Molucca Cola Cocktail

Molucca Cola
⅔ oz Molukkensirup (s.u.)
1 Orangen- und 1 Limettenzeste darin etwas andrücken
2 oz gereifter Rum
Glas mit Eis füllen. Aufgießen mit Cola.

[Rezept nach Helmut Barro]

Molukkensirup (für 2 Drinks)
1 Sternanis
3 Nelken
2 Piment
3 angedrückte Schoten Kardamom
je eine gute Prise frisch gemahlener Zimt und geriebene Muskatnuss
…in 1½ oz Zuckersirup für ein paar Stunden mazerieren.


Ausgesprochen gut gefällt mir jedenfalls die Präsentation – die Flasche hat was, und auch das Etikett ist richtig gut gelungen. Zwei sehr schöne Momente verbinde ich darüber hinaus noch mit dem Seamaster. Das erste ist der wunderbare Abend, den ich mit der Familie meines Bruders eines Sommers in seinem Garten verbringen durfte, mit Feuerschale, Gitarrenmusik und tiefen Gesprächen. Es ist wunderbar, wie einfach gute Gefühle sein können; der Seamaster war als Begleitung dabei.

Das zweite Ereignis war der kleine Cocktailwettbewerb, den Rum Artesanal veranstaltete, und an dem ich aus einer Laune heraus teil nahm. Zwei Drinks reichte ich ein, die obenstehende Molucca Cola, und eine Variante des Benjamin Barker Daiquiri. Letzterer schaffte es, in die Auswahl für das Cocktailbuch zu kommen, das den Wettbewerb begleitete, und einen dekorativen Becher gabs noch als Zugabe drauf. Das sind so kleine Details, die einem Freude bereiten – und wenn man eine Spirituose mit derartigen Erlebnissen verbindet, schmeckt sie am Ende nochmal doppelt so gut, finde ich.

Bier am Freitag – Fürst Wallerstein Helles

Manche Dinge muss man mit Abstand betrachten, um sie wirklich beurteilen zu können. So muss ich mir immer wieder anhören, wenn ich in der Heimat bin, dass man die Biere von Fürst Wallerstein doch eher zwiespältig betrachtet. Persönlich habe ich, bevor ich aus der Region weggezogen bin, nie Kontakt dazu gehabt, und diese Biere erst vor wenigen Jahren überhaupt probiert – und so sehe ich die Brauerei mit entspannteren Augen als die, die jahrelang nichts anderes getrunken haben. Und, das nehme ich vorweg, ich finde so ein Bier wie das Fürst Wallerstein Hell Original vielleicht auch deswegen sehr trinkbar.

Fürst Wallerstein Helles

Minimale Trübung betont das helle Goldgelb dieses Vollbiers. Sehr starke Perlage mit tausenden von kleinsten Perlchen. Hübscher, feiner Schaum mit einzelnen großen Blasen bedeckt das Bier. In der Nase wirkt es bei kühler Trinktemperatur relativ neutral, leichte Malznoten, etwas Hefe, dezenter Bitterhopfen. Leicht rostig.

Im Mund dagegen: voll, breit, cremig – ein tolles Mundgefühl. Süße und Säure sind sehr schön balanciert. Feine, zurückhaltende Hopfenherbe. Nicht ganz so rezent, wie die Optik andeutet, aber dennoch gelungen. Mild in der Aromatik, wie man es sich von einem typischen bayerischen Hellen erwartet und erwünscht. Am Ende folgt ein kurzer, feinherber Abgang ohne Auffälligkeiten.

Im Fazit: Ein sehr volles Helles, das für mich hauptsächlich über das wunderbare Mundgefühl punktet. Das ist ein idealer Erfrischer an einem gemütlichen Tag, oder als Begleiter zu einem deftigen Essen. Da nehm ich mir immer gern ein paar Fläschchen mit aus der Heimat ins Saarland.

Stengel und Kern – Védrenne Marc de Bourgogne des Hospices de Beaune 2011

Wer kennt ihn nicht, den kleinen Absackergrappa, den es beim Italiener um die Ecke nach dem Essen aufs Haus gibt. Dies ist für die meisten Menschen der erste und meist auch einzige Kontakt mit Tresterbränden, dabei hat die Kategorie durchaus mehr zu bieten. In Griechenland schätzt man den Tsipouro als Alternative zum Ouzo, und auch in Frankreich werden die Überbleibsel der Weinproduktion, also Stengel, Schale, Kerne der ausgepressten Trauben und derartiges, noch zu etwas Hochprozentigem verarbeitet: dem Marc. Die Weinregion Burgund hat diesbezüglich natürlich besonders Geschichte und Potenzial, darum ist das (so der offizielle Name) Eau-de-vie de marc de Bourgogne auch eine EU-rechtsgeschützte Herkunftsbezeichnung.

Der Védrenne Marc de Bourgogne des Hospices de Beaune 2011 ist einer davon, der lange und komplizierte Name gehört irgendwie mit zum Programm – Védrenne ist der Abfüller, der bei der jährlich stattfindenden, karitativen Zwecken dienenden Benefiz-Weinversteigerung der Beauner Hospizen verschiedene Marcs aus höchstwertigen Pinot-Noir- und Chardonnay-Rebsorten erwirbt, mindestens 10 Jahre in den hauseigenen Kellern in Eichenfässern lagert, und diese dann in alten, großen Vats zu einem Jahrgangsblend verheiratet; die Saison 2011 habe ich mir ergattert und freue mich besonders, diese in Deutschland doch eher unbekannte Spirituosengattung anhand dieses Premiumexemplars vorstellen zu dürfen.

Védrenne Marc de Bourgogne des Hospices de Beaune 2011

Orangenes Kupfer sieht man im Glas, es ist auch in der grünen Flasche schon erahnbar. Man braucht etwas Energie, um die Flüssigkeit dazu zu bringen, sich in Bewegung zu versetzen, und dann bleibt sie auch schnell wieder im Lot stehen. Beine bilden sich ebenso träge aus dem Film an der Glaswand, der dabei entsteht, und auch zum Ablaufen lassen diese sich dann nicht drängen.

Wer Grappa kennt, kennt auch diese typische Tresterbrandnase, erdig, würzig, grünholzig. Hier kommt der steinige Duft eines alten Kellers dazu, und länger offenstehende Fruchtreste, gerade aber noch davor, zu verrotten. Vanille und Zimt gesellen sich bei, leichte Erinnerungen an Bourbon, Karotte und noch feuchten, frisch aus der Frucht geschälten Aprikosenstein. Sehr erwachsen, sehr komplex, man kann hier in diverse unterschiedliche Richtungen explorieren, und es wird einem dabei nicht langweilig. Mit zunehmender Offenstehdauer verwaschen diese Eindrücke ineinander immer mehr und bilden dann ein sehr rundes, attraktives Bouquet.

Védrenne Marc de Bourgogne des Hospices de Beaune 2011 Glas

Der erste Eindruck im Mund ist sehr klar und linear, da findet keine Aromenexpansion statt, sondern sogar eher eine Reduktion – als würden die gesamten gesammelten Ideen plötzlich konzentriert und in einen schmalen Faden gewoben. Das Mundgefühl bleibt sehr weich, wird aber trocken und direkt, geht zuerst ins Zitrussige über, mit sogar exotischen Anklängen von Ananas, Himbeere und Guave, um dann von warmen Gewürzen zurück zum reinen, erkennbaren Trester geführt zu werden. Dort verharren wir eine Weile, milde Ahornsirupwürzigkeit breitet sich aus, ohne dabei von der schmalen Form abzuweichen, mit grünholzigen und vegetal-blättrigen Noten, und etwas Kümmel. Der Abgang ist dann trocken und pikant, mit sehr angenehmer zimtiger Wärme im Rachen, und leichtem Kitzeln auf der Zunge, während milde Holz- und Karottennoten das ganze sehr lange ausklingen lassen. 45% Alkoholgehalt unterstützen das Ganze aufs Beste.

Der Védrenne ist schlicht ein wunderbarer Brand, deutlich weniger verspielt und schmeichelnd als ein italienischer Grappa, eher streng und sauber, aber ohne dabei unwirsch zu werden. Ausgesprochen vielschichtig und trotz der initialen mönchischen Askese am Ende aufblühend und voller Weltoffenheit. Ich liebe das.


Ich habe immer wieder Spirituosen hier, die den Schritt in die Cocktailwelt noch nicht so wirklich geschafft haben, oder ihn nicht vorhaben. Marc de Bourgogne ist so eine, die sogar hinter dem diesbezüglich auch nur unwesentlich weiter fortgeschrittenen Grappa noch zurückliegt. Der Le Portrait kann ohne Mühe beweisen, dass der, der spannende Geschmäcker auch in Mixed Drinks sucht, sich vielleicht mal an Tresterbrände wagen sollte. Wer nicht an die Zutat Ratafia de Bourgogne herankommt, kann stattdessen auch einen leichter zu beschaffenden Pineau de Charentes nutzen, oder auch im Zweifelsfall einen anderen Likörwein.

Le Portrait Cocktail

Le Portrait
3 weiße Trauben im Shaker muddeln
1½oz / 45ml gereifter Marc de Bourgogne
½oz / 15ml Ratafia de Bourgogne
⅔oz / 20ml Honigsirup
½oz / 15ml Zitronensaft
1 Prise Pfeffer
Auf Eis shaken. Doppelt abseihen. Mit Traubenspieß dekorieren.

[Rezept nach Joseph Akhavan]


Der Abfüller gönnt sich und uns eine opulente Verpackung: Zunächst fällt natürlich die Holzkiste auf, in der die Flasche geliefert wird, mit transparenter Plastikabdeckung und eingebranntem Markennamen; danach kommt das tolle, textlastige Etikett. Erneut ein altes Thema dagegen: Auf die Wachsabdeckung hätte ich ehrlich sehr gern verzichtet, vor allem, weil sie hier noch besonders benutzerunfreundlich gemacht ist. Auf dem Blechschraubverschluss ist kaum die Schnittkante erkennbar, an der man das Wachs durchtrennen muss, und wenn man es geschafft hat, ist das Wachs superbröckelig und krümelig. Ganz ehrlich – lieber ohne, der optische Effekt ist den Nachteil an Handhabbarkeit einfach nicht wert.

Dieser kleine Wermutstropfen am Schluss soll aber niemanden davon abhalten, einen Marc de Bourgogne grundsätzlich mal auszuprobieren, und gern insbesondere in dieser Ausprägung. Mir macht der Védrenne Marc de Bourgogne des Hospices de Beaune 2011 jedenfalls so richtig viel Spaß und gehört für mich sicher zu meinen unerwarteten Entdeckungen des Jahres 2022!

Bier am Freitag – Brouwerij Huyghe Delirium Tremens, Argentum und Nocturnum

Der freundliche Elefant ist ein starkes Markenzeichen – die Biere der belgischen Brouwerij Huyghe fallen auf, selbst in einem gut gefüllten Spezialbierregal. Dazu trägt natürlich auch die Abfüllung in Keramikflaschen bei, und die Gestaltung, die den rosa Elefanten in unterschiedlichen Farbumgebungen zeigt, die auf die beinhalteten Biere anspielt. Gönnen wir uns einfach mal das dreifache Delirium, das Delirium Tremens, Argentum und Nocturnum, zumindest wissen wir danach, dass die rosa Elefanten, die wir sehen, nicht einem Bierrausch entstammen!

Brouwerij Huyghe Delirium Tremens, Nocturnum, Argentum

Das erste der Reihe ist das Delirium Tremens Strong Blond Beer, mit 8,5% Alkoholgehalt schonmal geeignet, erste Rauschzustände zu induzieren. Farblich ist es blond und blassgold, leicht trüb und dabei opalisiernd, wodurch man die Perlage gut sieht, die in einzelnen Strängen den Schaum speist, der zunächst dick ist, nach einigen Minuten aber auf einen halben Zentimeter feinblasigen Flaums reduziert ist. Die Nase weist eine angenehme Mischung aus Hopfen und Malz auf, deutlich getreidig, dabei mit Anflügen von Zitrusfrucht versehen. Eine leichte Blumigkeit sorgt für Eleganz und Abwechslung – das ist kein aufregend riechendes Bier, aber ein sehr angenehm duftendes.

Brouwerij Huyghe Delirium Tremens

Im Mund findet sich zu Beginn eine schöne Süßsauer-Balance, mittlere Textur und direkt schon eine sehr angenehme Frische, die durch den Hopfen noch verstärkt wird. Im Verlauf kommt eine sehr deutliche Bittere zum Vorschein, immer stärker werdend, bis sie im Abgang alles beherrscht. Leicht fruchtig, leicht blumig, hier werden die Eindrücke der Nase wieder aufgenommen. Gegen Ende wird das Bier etwas kratzig und verliert an Volumen, die 8,5% Alkoholgehalt spürt und schmeckt man dann etwas. Im Abgang kommt zunächst Getreide, später Jasmin hervor und diese lassen das Bier ausklingen. Ja, das trinkt sich süffig und gut, ein kleines bisschen unrund, aber frisch und frech – unterhaltsam, ohne großen Anspruch anzumelden.


In den gleichen Flaschentyp abgefüllt, hier aber mit Silberfolie beschlagen und mit einem Etikett versehen, das den rosa Elefanten vor silbernem Hintergrund zeigt, kommt das Delirium Argentum Hopped Amber IPA daher, gebraut zum 25. Jubiläum der Marke Delirium (nicht der Brauerei, die ist bereits mehr als zehnmal so alt). Die Stilbezeichnung ist Amber IPA, das passt vom optischen Eindruck jedenfalls – bernsteinfarben und mit dem für Flaschengärung typischen dicken Schaum steht es im Glas. Man sieht bei Gegenlicht eine deutliche Trübung, und viele kleine Bläschen sorgen für hübschen Mousseux. Den Hopfen (die genauen Sorten werden nicht auf dem Etikett genannt) erschnuppert man sofort, eine wahre Fruchtbombe ist das, voller Birne, Pfirsich, Mango, Banane und Grapefruit, sogar bei der niedrigen Trinktemperatur setzt sich das durch, ohne dass die Nase gekratzt wird, wie das bei manch anderem IPA durchaus der Fall sein kann. Ein leichter metallischer Geruch ist noch mit dabei.

Brouwerij Huyghe Delirium Argentum

Das initiale Mundgefühl ist sehr weich und cremig, doch nur Sekunden danach entsteht schon eine herbe Bittere und Apfelsäure, die sich im Verlauf weiter steigert. Grapefruit und Birne sind aromatisch definierend, und erstgenannte Zitrusfrucht steuert auch den Gaumeneffekt bei, leicht kitzelnd, etwas astringierend, minimal anästhesierend. Die fruchtigen Hopfenaromen beherrschen den gesamten Geschmacksverlauf, da ist sonst nicht viel anderes, was das Bier etwas eindimensional macht – gegen Ende wird die zunächst vorhandene Rezenz auch durch ein leicht schales Gefühl gemindert. 7,0% sind für ein belgisches Bier nicht ungewöhnlich. Der Abgang bleibt fruchtig, etwas schal, wie gesagt, und mit nachhängender Grapefruit. Nun, das ist ein einfaches IPA, ohne viel Charakter oder Spannung, gut trinkbar. Nichts, was mich vom Hocker haut.


Kommen wir zum letzten des Triptychons, dem Delirium Nocturnum Strong Dark Beer. Man könnte es im Glas für einen Kaffee halten, die Farbe der Flüssigkeit und des Schaums passen genau auf diese Beschreibung. Blickdicht, mit nur einzelnen Lichtstrahlen, die durchdringen, macht es seinem Namen auch alle Ehre, ohne ganz schwarz zu werden wie manche Imperial Stouts. Der Schaum ist stabil und hauptsächlich feinblasig. Die Nase bietet sowohl hopfige, leicht fruchtige Frische, als auch darunter dunklere, malzige Töne, wobei ersteres dominiert. Nur minimal sind Röstaromen da, ein Anflug von Kaffee, aber die Aprikose, Orange und Grapefruit überdecken diese deutlich, ohne in die IPA-Fruchtkorb-Richtung zu gehen – eine schöne Melange aus diesen Aromen.

Brouwerij Huyghe Delirium Nocturnum

Auch im Mund fühlt sich das Nocturnum gar nicht dunkel an, hätte ich die Farbe nicht gesehen, würde ich blind sagen, das ist ein helleres Bier, jedenfalls belgisch, aber nicht so dunkel. Schnell bilden sich milde Fruchtaromen heraus, die sich dann aber ziemlich zügig ins blütig-kräuterige wandeln, mit extrem starken Eindrücken von Wintergrünöl und Jasmin, das geht fast ins Artifizielle über und lässt mich an diese bunten Menthos-Fruchtkaudragees und Zuckerwatte denken. Nicht unangenehm, aber irgendwie künstlich halt. Die Struktur ist fein, klar sauerbitter, dabei nicht kratzig. Die ordentliche Karbonisierung sorgt für Rezenz, die Säure mit limettigem Geschmack und die gegen Ende eintretende milde Trockenheit mit leichter Astringenz unterstützen das – mit 8,5% Alkoholgehalt hat man hier einen starken Erfrischer vor sich, dem es im Gesamtbild dann aber doch etwas an Körper und Tiefe fehlt.


Alle drei sind retrospektiv keine Knüller, eher durchaus vernünftige Biere mit hoher Drinkability, ohne jedoch gesondert Komplexität oder interessante Spannung aufbauen oder die Oberflächlichkeit überwinden zu können. Ein belgisches Bier für Zwischendurch, bei dem man nicht nachdenken muss – das hat für den kopflastigen, immer sofort zur Analyse neigenden Bierfreund wie mich auch seine Vorteile. Es gibt auch noch ein Fruchtbier aus der Reihe, das werde ich sicherlich auch noch probieren irgendwann.

Laue Sommerabende auf dem Balkon – Doorly’s X.O. Fine Old Barbados Rum

Es war im Sommer, man wollte sich auf dem Balkon einer Freundin abends treffen und gemeinsam die Hitze des Tages ausklingen lassen, mit einem Bier und einem Schluck Hochprozentigem. Mich traf das unerwartet, drum konnte ich nichts aus der umfangreichen Heimbar von zuhause mitbringen – schnell schlenderte ich in Saarbrücken in der Innenstadt in den lokalen, eigentlich recht gut ausgestatten Feinkostladen, um dort mal Ausschau zu halten nach etwas Trinkbarem, das sowohl meinen Qualitätsansprüchen auch für Absackerdrinks unter Freunden gerecht werden könnte, als auch nicht unbedingt den Geldbeutel sprengen sollte. Im Regal fand ich dann den Doorly’s X.O. Fine Old Barbados Rum, und dachte mir, das ist doch ein ideales Getränk für so eine Runde, die nicht aus Rumnerds besteht, die man heutzutage nur noch mit Superesteroverproof aus dem Einzelfass begeistern kann, sondern normalen Menschen.

Dabei ist der Doorly’s X.O. natürlich kein Ding, das dem informierten Rumfreund fremd sein sollte, schließlich ist die Marke, die Martin Doorly 1920 auf Barbados gründete, heute eine im Portfolio der Foursquare-Brennerei. Der Rum wird gemäß dem für die Insel typischen Rumstil hergestellt, bekommt als kleine Besonderheit eine Zweitreifung in einem Oloroso-Sherryfass (kein Finish, die Zweitreifung ist länger als ein Finish normalerweise dauert). „X.O.“ dient hier als grober Altersrahmen, die in diesem Blend eingesetzten Rums haben wohl zwischen 6 und 12 Jahre auf dem Buckel. An dem Sommerabend kam er gut an, die Flasche war fast leer am Ende, es blieben noch ein paar Schlucke für meine Tasting Notes übrig, so dass meine Leser nun auch noch was von diesem schönen Event haben.

Doorly's X.O. Fine Old Barbados Rum

Richard Seale setzt für seine Basisprodukte, zu denen dieser Rum gehört, E150 ein, natürlich wie meist in dem Geschäft nur zur Farbangleichung von Chargen. Eine kupferne, fast orangefarben wirkende Flüssigkeit finden wir im Glas, mit ansprechendem Schwenkverhalten und leichter Viskosität, die sich schön an die Glaswand klammert und aber dann auch zügig abläuft.

Geruchlich ist das einerseits sehr typisch für Barbabos, mit vielen süßaromatischen Gewürz- und Backwarennoten – Vanille, Marzipan, reife Banane, milde Orange und Kokosfleisch; andererseits ist da eine nicht zu unterschätzende, leicht pieksende Lacknote, die mich daran hindert, diese eigentlich schöne Aromatik voll genießen zu können. Es fehlt mir darüber hinaus etwas an geruchlichem Volumen und Dichte, der Doorly’s XO wirkt in der Nase fast schmal, wenn man die ersten Süßtöne überwunden hat. Im Verlauf finden sich dann später auch eher ledrige Noten, oxidiertes Kaffeepulver, Tabak, hier finde ich ihn dann wieder interessant – es lohnt sich also, ihm etwas Luft und Zeit zu gönnen.

Doorly's X.O. Fine Old Barbados Rum Glas

Auch am Mund ist der erste Eindruck eher leicht, ich will nicht sagen wässrig, aber schon eher dünn. Das Mundgefühl kann nicht mit den süßwürzigen Aromen mithalten oder sie pushen, sie müssen sich allein durchsetzen, was etwas schwerfällt. Initial finde ich kaum etwas, erst nachdem ich die Flüssigkeit für eine ganze Weile im Mund hin- und herbewege, entwickeln sich Ideen von Kokos, Marzipan und Banane, diese sind aber genauso schnell verschwunden, wie sie aufgetaucht sind, und machen dann Platz für eine feurige, alkoholbestimmte und aromatisch fast neutrale Seite, die dann den Weg bereitet für das kurze, sehr spannungslose und von einer metallischen Bittere und alkoholischen Noten bestimmten Finish.

Ach, was soll ich sagen, vor ein paar Jahren wäre ich begeistert gewesen von diesem Rum, heute holt der mich einfach überhaupt nicht mehr ab. Da fehlt es an jeder Ecke, weder Aromatik noch Textur oder Ausdauer können auch nur ansatzweise überzeugen. Man verstehe mich nicht falsch, das ist kein schlechtes Produkt – nur ein sehr durchschnittliches eben. Seale kann das extrem viel besser, darum muss ich hier nicht schleimen, es ist ein Basisprodukt für den Einsteiger, der für vergleichsweise wenig Geld einen sauberen, authentischen Barbados-Rum bekommt, aber nicht mehr.


Ein Rum, den man schon gemütlich pur trinken kann, mit dem ich dann aber hauptsächlich in Cocktails arbeite. Barbados-Rum ist leicht einzusetzen, der hat wenig Kanten, die eine Drinkrezeptur kippen lassen könnten, und der Doorly’s XO ist da keine Ausnahme. Seine milde Aromatik drängt sich im Chicago Fizz beispielsweise nicht auf, ist aber präsent und funktional, hier will man auch keine extremen Geschmäcker haben, sondern ein klares, frisches Bild.

Chicago Fizz Cocktail

 Chicago Fizz
1oz / 30ml gereifter Rum
1oz / 30ml Tawny Port
½oz / 15ml Zitronensaft
¼oz / 7ml Zuckersirup
½ Eiweiß oder 15ml Aquafaba
Auf Eis shaken, optional danach dry shake.
Zusammen mit Sprudel in ein Glas gießen.

[Rezept nach unbekannt via David Wondrich]


Sehr attraktiv ist jedenfalls die Präsentation, eine schöne, bauchige Flasche, mit einem netten Stoffband und Siegel als aufgeklebtes Accessoir, und den hübschen Papageien als Markenzeichen der Doorly’s-Rums; man wandert hier auf der schmalen Kante des Kitschs, ja, doch die Zielgruppe weiß derartige Details sicher zu schätzen. Und wer ist die? Genau die Gruppe, die ich anfangs geschildert hatte – Menschen, die gern unkompliziert und leicht einen vernünftigen Rum trinken wollen, ohne dabei auf Herstellungsqualität verzichten zu müssen. Die keine große Kunst im Glas brauchen, aber sicher sein wollen, dass hier nichts gemauschelt wird. Die nicht viel darüber nachdenken müssen, dennoch Tradition und Typizität zu schätzen wissen. Bei dem Preisleistungsverhältnis, das der Doorly’s X.O. bietet, ist so ein Rum genau das richtige für eine kleine Abendrunde, bei der vielleicht sogar die eine oder andere Zigarre ins Spiel kommt. Manchmal muss man es schließlich nicht übertreiben.

Spargelbrand aus Mexiko – Sotol La Higuera Janos Chihuahua, Sotomayor Sotol Artesanal, Desert Door Texas Sotol, Seis14 Gintol

Sotol ist eine mexikanische Spirituose, die sich dahingehend abgrenzt, dass sie nicht aus Agaven hergestellt wird, wie die bekanntesten und verbreitesten Brände von dort, sondern aus Dasylirion, einem Spargelgewächs – optisch sieht diese Pflanze aber trotzdem aus wie eine stachlige Agave, mit schmaleren Blättern vielleicht, und ist mit unserem Spargel mit Sauce Hollandaise kaum vergleichbar. Ich hatte vor sehr langer Zeit mal einen Sotol besprochen, den Hacienda de Chihuahua Sotol Silver, hier stelle ich nun vier andere Ausprägungen vor, die ich als Sample teils erworben, teils kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen habe: Sotol La Higuera Janos Chihuahua, Sotomayor Sotol Artesanal, Desert Door Texas Sotol, sowie den aromatisierten Seis14 Gintol.

Sotol La Higuera Janos Chihuahua, Sotomayor Sotol Artesanal, Desert Door Texas Sotol, Seis14 Gintol

Beginnen wir mit Sotol La Higuera Janos Chihuahua 48% der Familienbrennerei Elaborator de Sotol. Dasylirion Wheeleri wächst 15 Jahre und wird dann nach traditionellen Methoden verarbeitet, die man in Chihuahua seit Generationen so kennt – manuelle Ernte, prähispanische Steinöfen in Zapfenform dienen zum Kochen, und in riesigen Kieferbottichen mit freien Hefen vergoren. Noch zweifach in Kupferbrennblasen destilliert, und fertig ist der Sotol mit 48% Alkoholgehalt!

Sotol La Higuera Janos Chihuahua

Kristallklar, völlig transparent, dabei aber lebendig im Glas, mit attraktiven Schlieren. Der Duft ist sehr ungewohnt, mit vielen grünen und vegetalen Tönen, unterstützt von sehr deutlichem Bienenwachs und getrocknetem Harz – das erinnert etwas an eine Kerze. Ganz leicht klingt Vanille durch, eine süßliche Kuchenteignote vielleicht, und am Ende ein Touch von Plastik. Im Antrunk ist diese ungewöhnliche Mischung aus noch nassem, süßen Teig und etwas Plastik auch am Gaumen vorhanden, mit Anklängen von Honig und auch etwas Milchschokolade. Im Verlauf kommt die Grüne stärker nach vorne, und zusammen mit prickelndem Feuer auf der Zunge wird die initiale Süße etwas nach hinten verschoben, ohne, dass der Brand je wirklich trocken wird. Rund und voll im Mundgefühl. Der Nachklang ist warm, nun kommt auch geschmacklich das Wachs vor, mit einem hauchigen Gefühl endet der La Higuera dann nur widerwillig. Ungewohnt, interessant!


Nun der Sotomayor Sotol Artesanal – die Herstellung ist hier ähnlich handarbeitslastig wie beim Vorgänger. Auch hier brauchen die wilden Gewächse bis zu 15 Jahre zur Reifung, werden nach der Ernte in prähispanischen Steinöfen mit Mesquitholz und Vulkansteinen gekocht, dann von Hand zerkleinert und bis zu 8 Tage durch wilde Hefen fermentiert. Doppelt destilliert kommt der Sotol auf 44% eingestellt in eine Keramikflasche – und von dort dann zu mir ins Glas.

Sotomayor Sotol Artesanal

Glasklar, ohne Fehler oder Einschlüsse. Deutlich viskos beim Schwenken, mit langhaftenden Glaswandartefakten. In der Nase findet sich eine Mischung aus Autowerkstatt und Gartenmarkt – Teer und altes Öl, Gummihandschuhe, staubige Werkzeugschränke, Gartendünger, Grünblattschnitt, feuchte Erde und ein Ticken Rauch; man sieht, ein stark assoziativ wirkendes Bouquet, dunkel, feucht und warm. Sehr spannend und vielschichtig. Im Geschmack wirkt der Sotomayor viel leichter und heller, die grundsätzliche Aromatik der Nase bleibt aber erhalten. Das erinnert an einen wenigrauchigen Mezcal, die Pflanzlichkeit ist am Gaumen viel stärker als zuvor. Mildpikante Würze entsteht aus dem cremigen, süßschweren Mundgefühl, vorsichtige Trockenheit bildet sich aus, ein deutlicher Eisenton kombiniert sich am Ende mit zart aufblühender Jasmin-Floralität. Sehr attraktiv und trinkig, ohne Ecke oder Kante, sehr genehm und anschmeichelnd. Wem Mezcal zu harsch ist, findet hier etwas aromatisch ähnliches, nur ohne die Wildheit.


Der dritte im Bunde ist nun Desert Door Texas Sotol. Im Gegensatz zu den Vorgängern stammt er nicht aus Mexiko, sondern aus den USA. Das ist ein Thema für sich – eigentlich ist Sotol wie viele andere Spirituosen in Mexiko durch eine Herkunftsangabe geschützt („denominación de origen Sotol“), doch die USA haben dies noch nicht anerkannt. Wir sind hier also nicht weit von einer Kulturaneignung entfernt – da die Pflanzen auf beiden Seiten der Grenze wachsen, und auch der Kulturkreis, aus dem Sotol entstammt, nicht klar auf ein Land eingrenzbar ist, kann man wenigstens darüber diskutieren, wie dies zu bewerten ist. Lisa Pietsch von Tequila Aficionado hat dieses Thema detailliert aufgearbeitet. Die Spirituose wird jedenfalls deutlich industrieller hergestellt – Dasylirion Texanum wird zwar noch händisch geerntet, dort dann aber in Dampfkochtöpfen gekocht, maschinell zerkleinert, in Edelstahltanks mit proprietären Hefen vergoren, und nach der Destillation mit Wasser auf 40% Alkoholgehalt eingestellt.

Desert Door Texas Sotol

Auch hier ist eine klare Flüssigkeit vorhanden, mit mittlerer Viskosität, und hübschen Schlierenbeinchen. Geruchlich hätte ich hier sofort „Tequila“ gesagt, das wirkt sehr viel weniger grün und vegetal als die beiden Vorgänger, hat sogar etwas von Reposado, mit einer leichten Nougat-Vanille-Note. Eine leichte Steinigkeit oder Betonton ist noch da; ein angenehmer Duft, aber, wie gesagt, im Vergleich zum mexikanischen Sotol eher untypisch. Im Mund findet sie sich auch nicht, diese starke Vegetalität, im Antrunk wirkt der Desert Door sogar etwas neutral, nur die Süße, die das sehr weiche Mundgefühl unterstützt, ist präsent. Eine Mischung aus floralem Lavendel und im Verlauf dann doch auftauchender Grüne dominiert später den Gaumen, im Abgang kommt dann warme Würze dazu, recht schnell klingt der Brand aus. Nun, für sich gesehen ist das eine angenehme Spirituose, jedoch aromatisch eher zum Tequila tendierend und für die Kategorie nicht wirklich repräsentativ, finde ich.


Zu guter letzt haben wir noch eine besondere Form des Sotol im Angebot – Seis14 Gintol ist keine Mischung aus Gin und Sotol, wie man vielleicht annehmen könnte, sondern es ist ein mit Kräutern aromatisierter Sotol (statt Neutralalkohol aus Getreide, wie das bei Gin die Regel ist). Dasylirion Wheeleri bekommt bis zu 30 Jahre zum Wachsen, wird von Hand geernet und gekocht. Offene Holzfässer dienen als Behältnis während der Fermentation mit wilden Hefen. Nach der Destillation erfolgt dann, wie bei Gin, die Aromatisierung mit Botanicals, hier Wacholder, Kardamom, Fenchel, Orange, Zitrone, Pfeffer und Aprikosenschale. 45% Alkoholgehalt haben wir am Ende.

Seis14 Gintol

Die pflanzlichen Bestandteile haben zu keiner Trübung oder Unreinheit geführt, der Gintol schwenkt sich ölig und träge. Die Nase ist beherrscht von Wacholder und Zitrus, den Pfeffer riecht man schön, das Kardamom auch – hier sind deutlich Komponenten wahrnehmbar, das mag ich immer an Spirituosen. Der Sotol als Basisspirituose bringt auch erkennbar etwas der Erdigkeit und Grüne mit, die ich als typisch empfinde, verbindet sich aber angenehm mit den Botanicals. Das wirkt komplexer als manch ein Gin, und schnuppert sich wirklich sehr unterhaltsam. Auch im Mund gefällt diese Mischung, ist im Antrunk noch etwas kräuterig-blumiges im Vordergrund, übernehmen die Zitrusaromen im Mittelteil, und dann die Gewürznoten am Ende, zusammen mit einer feurigen, aber nicht kratzenden Wärme, die lange vorhält und die Zunge am Ende leicht betäubt zurücklässt – dann kommt auch der Sotol deutlich durch, zusammen mit starkem Eukalyptus und Rosmarin. Ein kraftvolles Produkt, sehr schön gemacht, und als Abwechslung zu einem Gin auf Neutralalkoholbasis sehr empfehlenswert.


Vier Sotols, vier Eindrücke – Mexiko ist reich an Spirituosenkultur in vielfältigen Ausprägungen. Ich persönlich halte, wie ich schon an anderer Stelle formuliert hatte, nicht viel von der Art, wie der mexikanische Gesetzgeber diese Traditionen zu schützen versucht, da geht viel in die falsche Richtung und schützt die Falschen oder gar niemand, und behindert manch einen traditionell arbeitenden Produzenten sogar. Bei Sotol ist das nicht anders, und um so wichtiger ist, dass man sich als Konsument informiert, was man da trinkt. Ich hoffe, meinen Teil dazu beitragen zu können.

Klarer Brand aus trübem Bier – Schraml Z1 Bierbrand

Die feuchte Masse, die bei der Whiskyherstellung mit Hefen fermentiert wurde, um daraus dann Whisky zu brennen, nennt man im anglosächsischen Sprachraum „wash“, gerne aber auch „beer“; analog, wie man die fermentierte Flüssigkeit bei Wein- oder Zuckerrohrbränden auch manchmal „wine“ nennt. Nun muss man dabei schon wissen, dass diese fermentierten Maischen mit einem trinkfertigen Bier oder Wein nur wenig zu tun haben, außer, dass sie einen Alkoholgehalt aufweisen, der diesen zum direkten Konsum hergestellten Produkten entspricht. Die meisten Biere, die wir in Deutschland so trinken, enthalten Hopfen, ein „whisky beer“ enthält keinen. Und als ich in Chile bei Bauzá einen Schluck des ungebrannten Piscoweins probieren konnte, stellte ich auch fest, dass ein Weintrinker daran nur mäßig Freude haben würde.

Darum ist es auch ein Unterschied, ob wir einen ungereiften Protowhisky (zum Beispiel New Make) trinken, oder einen Bierbrand – letzter wird aus tatsächlich fertig gebrauten Bier hergestellt. Die Steinwald Brennerei in der Oberpfalz macht genau so etwas aus ihrem hauseigenen, kellertrüben Zoiglbier; das Zoigl ist eigentlich eine Geschichte für sich selbst, ich denke mal, darüber erzähle ich ein anderes Mal, wenn ich so ein Bier auch wirklich vor mir im Glas habe, bis dahin soll es genügen, dass das Zoigl dahingehend besonders ist, dass es gemeinsam in einem Kommunbrauhaus gebraut wird und zum immateriellen Kulturerbe Bayerns gehört. Ein Zoiglbrand ist noch nicht derart geschützt, doch die Familienbrauerei, aus der der Schraml Z1 Bierbrand stammt, gibt es immerhin schon seit 1818 und ist in 6. Generation weiterhin aktiv. Brauen und Brennen sind aber schon zwei unterschiedliche Dinge, werfen wir mal einen Blick darauf, ob die Schramls beides können.

Schraml Z1 Bierbrand

Ungereift und ungefärbt, daher verwundert die Farbe nicht – so transparent läuft eine Spirituose immer aus der Brennblase. Man erkennt eine gewisse Öligkeit beim Drehen des Glases, und viele, unscharf voneinander abgegrenzte Beinchen.

Der Geruch ist intensiv und prägnant, man meint, abgestandenes Bier zu riechen, ohne das negativ zu meinen. Die Mischung aus Hopfen und Malz ist sehr fruchtig, eine deutliche Blütigkeit könnte schon aus dem Hopfen stammen; dies würde ich auch definitiv als einen grundlegenden, klaren Unterschied zu einem Whisky-New-Make beschreiben, der Z1 ist halt eben, wie oben schon beschrieben, ein Bierbrand und kein Gerstenbrand. Malz sorgt schon in der Nase für süße, schwere Eindrücke. Frisch, fruchtig, süß – eine angenehme Duftkombination.

Schraml Z1 Bierbrand Glas

Auch im Mund spüre ich zunächst die schwere Süße, die Malzigkeit, und das dichte Mundgefühl. Sehr schnell erblüht der Z1 allerdings dann, wie schon in der Nase, auch am Gaumen, mit sehr viel Veilchen, Flieder und Rosenblüten, die aromatische Komponente des Hopfens, wie man es von starkgehopften Bieren kennt – aber ohne die extreme Bittere, die meist damit einhergeht. Litschi, Guave, das fühlt sich dann auch kurz mal exotisch an. Auch wenn die Süße erhalten bleibt, entsteht im Verlauf dann aber doch aus ihr noch eine pikante Chilifeurigkeit, die den Gaumen und die Zunge kitzelt, ohne je alkoholisch zu brennen, die 40% Alkoholgehalt sind ohne Fehler eingebettet. Der Nachklang ist dann wieder superblumig, lang, mit Jasmin und Lavendel, die sich ausdauernd im Mundraum halten, und einem kühlen, beinahe mentholischen Gefühl: Ein sehr klarer Brand, mit viel Bandbreite, aber dennoch stringent linear und erkennbar sauber strukturiert.

Bierbrände sind nach meiner Erfahrung oft eher stumpf und desinteressiert, hier hat man ein vielschichtiges, komplexes Trinkerlebnis, das ich durchaus als Digestif nach einem bodenständigen Hausmacheressen empfehlen würde – die Frische und Würze räumen den Gaumen auf, die Blumigkeit ersetzt einen Nachtisch. Tolles Handwerk aus der Oberpfalz.


Der Z is for Zoigl ist natürlich, der Kenner wird es direkt sehen, vom englischen Titel von André Franquins Meisterwerk „Z comme Zorglub“ inspiriert. Spirou und Fantasio treten in diesem frankobelgischen Bande Dessinée gegen den größenwahnsinnigen Zorglub an, der die Weltherrschaft anstrebt und die Leute dabei mit seinem Dummheitsstrahl gefügig macht. Das kann einem natürlich beim übermäßigen Konsum des Z is for Zoigl auch passieren. Man trinke also mit Bedacht – der erste Schluck ist noch gewöhnungsbedürftig, nach dem dritten will man irgendwie nicht mehr aufhören. Eviv Bulgroz – oder Lgioz?

Z is for Zoigl Cocktail

Z is for Zoigl
1½oz / 45ml Bierbrand
¾oz / 23ml Ingwerlikör
½oz / 15ml Zitronensaft
Auf Eis shaken. Toppen mit 1oz / 30ml dunklem Bockbier

[Rezept nach Helmut Barro]


Die Flasche selbst ist unauffällig, kommt in einem Präsentkarton mit großem Ausschnitt, und hat als einzige Dekoration das große, textbeladene Etikett, auf dem man alles nachlesen kann, was einen während eines Schlucks des Bierbrands so interessieren könnte. Wer sich auf der Homepage der Brennerei noch etwas einliest, findet so nette Details, wie dass der nach eigener Aussage erste bayerische Gin 1957 von Alois Schraml als exotische Idee hergestellt wurde; unangepasste Geistesblitze scheinen also irgendwie in der Familienlinie zu liegen.

Mein nächster Auftrag: in die Oberpfalz fahren, vor Ort ein paar Gläser frisches Zoigl trinken. Man bekommt jedenfalls sehr viel Lust dazu, wenn man sich mit dem Z1 angefreundet hat.