Die Katze schleicht ums Haus – Dubonnet Rouge

Die Farbe des Dubonnet Rouge  ist tiefdunkelrot, fast schon bräunlich, und erinnert daneben dann auch vom Geruch an Ruby Port, dazu mit feinen Honigaromen. Der Geschmack ist dann aber noch milder, mit Anklängen von Sangria, Sherry und der leichten Chinarindennote, ohne dabei bitter oder trocken zu werden – das ist was, was man sehr gemütlich am Kamin vor sich hin schlürfen kann, und als Beigabe zum Dessert gewiss viele Freunde findet.

dubonnet-flascheDer Dubonnet übernimmt in vielen Cocktails die Rolle des Wermut. Letztlich ist, wenn man nicht wirklich gleich schweren Portwein einsetzen will, Martini Rosso vielleicht noch das ähnlichste, was man als Ersatz verwenden könnte,  doch selbst dieser recht süße, milde Wermut ist immer noch erkennbar bitterer als Dubonnet. Daher ist Dubonnet ein wunderbares Mittel, eine dichte, schwere Süße mit Rotwein- oder sogar Portweincharakter in einen Drink zu bringen, wie geschehen im folgenden Décolletage-Cocktail.

Décolletage


Décolletage
1½ oz Tequila reposado (z.B. El Jimador Reposado)
1 oz Dubonnet Rouge
½ oz Aperol
¼ oz Fernet Branca
Auf Eis rühren.
[Rezept nach Chris Hannah]


Dieser Cocktail mag auch als Illustration dafür dienen, wie sich die Zutaten eines Cocktails durch sorgfältige Konstruktion ergänzen können: Die Fruchtig- und Duftigkeit des Tequila, die schwere Süße des Dubonnet, der leichte Bittergeschmack des Aperol und die Mentholnote des Fernet ergeben zusammen ein sehr süffiges, ansprechendes Gesamtbild. Eine Variation, die ich noch ausprobieren will, ist, den Fernet Branca durch Branca Menta zu ersetzen. Etwas stärkere Mentholnote tut diesem schweren Cocktail bestimmt gut.

Und wenn man auf ultrasüße, dichte Dessert-Cocktails steht, sollte man mal einen Fat like Buddha antesten, der auch so schmeckt, wie er heißt.

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Fat like Buddha
2 oz gereifter Rum (z.B. Ron Relicario)
¾ oz Dubonnet Rouge
¼ oz Bénédictine
¼ oz Orangenlikör (z.B. Clément Créole Shrub)
Auf Eis rühren.


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Wenig aufregend ist das Flaschendesign, das Etikett dagegen gefällt durch die Retro-Anspielung auf alte Barplakate: Mir gefällt die schwarze Katze, deren Silhoutte man auf der Flasche sieht, und der schwungvolle Namenszug. Ein spannendes neues Mitglied im Team „Mixologie“!

Illinois Twisted Whiskey – Koval Single Barrel Bourbon

Für mich ist das eine Premiere – es handelt sich beim Koval Single Barrel Bourbon um einen einfachen Bourbon (also: hergestellt in den USA, mindestens 51% Mais in der Mashbill, in frischen, ausgebrannten Weißeichefässern gereift). Doch ohne die sonst allgegenwärtigen Namenszusätze Kentucky (er wird in Chicago, Illinois hergestellt), oder Straight (er reift unter 4 Jahren, hat aber keine Altersangabe, darf daher dieses Label nicht nutzen). Dennoch ist es ein Single Barrel, also flaschenabgefüllt aus einem einzelnen Fass ohne Blending. Schon allein wegen dieser ungewöhnlichen Kombination ist dieser Bourbon für mich spannend.

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Die Farbe ist ein angenehmes Ocker, die Nase überrascht mich auch nicht wirklich: Sehr bourbontypisch, Vanille, Eiche, Lack – beim zweiten Riechen erkennt man die Hirse, wenn man weiß, wonach man riechen muss (ich empfehle zum Training den Millet Whiskey von Koval). Im Mund machen sich erstmal die 47 Volumenprozent breit, und bereiten den Grund für sehr angenehme, aber recht gewöhnliche Bourbonaromen, die man schon gerochen hat. Es ist interessant, dass die verwendete Getreidekombination, Mais und Hirse, sich geschmacklich kaum von den üblichen Bourbonmixturen (Mais, Roggen/Weizen, Gerste) unterscheidet. Der Mais scheint die Hirse glatt an die Wand zu spielen, erst spät schmeckt man die frische Fruchtigkeit der Hirse. Ein relativ kurzer, aber durchaus recht aromatischer und pfeffrig-würziger Abgang komplettiert eine interessante, vielleicht einen minimalen Tick geschmacklich zu konventionelle Spirituose – die für das junge Alter aber überraschend reif und rund ist.

Die 0,1-Liter-Flasche ist dennoch sehr ansprechend und ungewöhnlich. Lang und schlank, mit einem sehr zurückhaltenden, modernen Etikett – hier zeigt der Micro-Distiller mit österreichisch-amerikanischen Wurzeln seine Charakteristik. Entsprechend einem Single Barrel-Whiskey ist die Fassnummer auf dem Rückenetikett handschriftlich eingetragen (bei mir Fass-Nummer 375). Ein Plastikkorken mit Holzaufsatz verschließt die nette, blickfängerische Flasche.

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Erwähnenswert ist die organic-Zertifizierung dieses Whiskeys. Es ist ein EU-Bio-Logo auf dem Rückenetikett vorhanden, ich bin mir nicht sicher, inwieweit die komplette Vertriebsschiene auch zertifiziert ist, eine Voraussetzung dafür, dass man den Whiskey in Deutschland als „Bio-Whiskey“ vermarkten dürfte. Letztlich aber ist es schon ein Schritt in die richtige Richtung, das Getreide für die Herstellung nur aus zertifizierten Betrieben im Mittelwesten zu beziehen, so dass man zumindest sicher sein kann, keinen Monsanto-Genmais in diesem Schnaps zu konsumieren. Darüber hinaus enthält er nur den Heart Cut, also keine minderwertigen Destillationsartefakte – und ist unfiltriert. Handwerklich also spitze.

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Bourbon ist ein Brand, der sich wunderbar in Cocktails einsetzen lässt, und mit vielen anderen Zutaten harmoniert. Zum Beispiel mit den etwas Italien-lastigen Ingredienzien des The Paper Plane.

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The Paper Plane
¾ oz Koval Single Barrel Bourbon
¾ oz Aperol
¾ oz Amaro (z.B. Villa Rillago Amaro)
¾ oz Limettensaft


Ich mag die Produkte von Koval. Eine kleine Destillerie, die den richtigen Weg einschlägt, und den amerikanischen Whiskey-Riesen vielleicht durch ungewöhnliche Zutaten und Herstellungsweise den einen oder anderen Kunden, der etwas außergewöhnliches, neues ausprobieren will, abspenstig machen kann. Bei mir ist es ihnen auf jeden Fall gelungen – der Hirse- und Viergetreide-Whiskey stehen schon im Regal, bereit, ausführlich verkostet zu werden. Probieren Sie es aus, Sie werden nicht enttäuscht werden. Und Whiskey-Fans müssen eh schon allein aus den oben genannten Gründen zuschlagen.

Kuba ist frei – Ron Arecha Añejo Reserva

Lang genug hat es gedauert – es scheint, als ob Kuba nun langsam aus dem US-Embargo befreit werden würde. Mich interessiert, ehrlich gesagt, die politische Komponente überhaupt nicht. Kuba ist für mich für zwei Dinge interessant, die ich in Europa auch mit US-Embargo bekomme: Zigarren und Rum. Doch ich freue mich für die Amis, dass die endlich auch in den legalen Genuss dieser herrlichen Luxusartikel kommen können. Und vielleicht beendet nun auch das US-Unternehmen Paypal sein Verbot, kubanische Artikel mit ihrem Dienst bezahlen zu können – es hat mich doch bass erstaunt, bei diversen Onlineshops nicht mit Paypal bezahlen zu können, sobald ich eine Flasche Havana Club oder ähnliches mit im Warenkorb hatte.
ron-arecha Doch nun zum Ron Arecha Añejo Reserva. 10 Jahre ist das Durchschnittsalter der Rums in diesem kubanischen Blend. Durchaus respektabel. Man kann ihn gewiss pur trinken, wenn man den kubanischen Rum-Stil mag: Ein bisschen eckig und kantig, aromatisch, zwar süß, aber schon etwas kräftig. Man spürt den Alkohol. Aber im Vergleich zum allgegenwärtigen Havana Club ist der Arecha meiner Meinung nach ein spürbarer Fortschritt. Letztlich habe ich selten einen Cuba Libre getrunken, der vom Preis-Leistungsverhältnis besser war.

Dazu rauche ich an einem lauen Frühlingsabend im Garten eine herrlich milde, aromatische Ashton Estate Esquire und bin für eine gute halbe Stunde im karibischen Exil.

Alternativ ist dieser Rum natürlich ein starker Spieler in einem rumlastigen Cocktail, wie dem 3 Holy Kings.threeholykings-cocktail


3 Holy Kings
1 oz Ron Arecha Añejo Reserva

¾ oz Brandy (z.B. Carlos I. Brandy de Jerez)
¾ oz  Zitronensaft
¾ oz Honigsirup
1 Messerspitze Piment und 1 Nelke


Gerade für die Adventszeit ein idealer Cocktail. Gönnen Sie sich das dann hin und wieder statt dem allgegenwärtigen, überzuckerten Glühwein.

Die Flasche ist streng, sehr gerade, erinnert etwas an die bekannte Ramazotti-Flasche. Ein wirklich ausgesprochen edel designetes Etikett gehört für mich mit zu den anziehendsten Flaschenetiketten.

ron-arecha-etikettDen Rum gab es eine Weile bei Aldi Süd zu kaufen, ich habe noch eine Restflasche für den Klassepreis von knapp 10€ ergattert. Womit bewiesen wäre: Nicht alles, was ein Discounter anbietet, muss automatisch Bottom-Shelf-Ware sein. Es findet sich immer wieder auch eine Perle.

Da ist kein Hopfen verloren – Sierra Nevada Torpedo IPA

Terracotta-farben und nach dem Eingießen praktisch ohne Schaum, und dennoch spürt man beim Trinken die prickelnde Frische des Sierra Nevada Torpedo IPA, die man sich von einem süffigen Bier erhofft. Doch nur ein Teil dieser Frische kommt tatsächlich von der (eigentlich geringen) Kohlensäure – die sehr fruchtig-zitronige Note, verursacht durch den starken Hopfeneinsatz, und der ebenso entstehende äußerst bittere Geschmack sorgen für ein unerwartetes, aber sehr angenehmes Trinkerlebnis.

sierra-nevada-torpedo-ipaIPAs (India Pale Ale, weil sie im 19. Jahrhundert für den Export nach Indien mit den dafür notwendigen Eigenschaften der Halt- und Transportierbarkeit geschaffen wurden) sind vielleicht erstmal gewöhnungsbedürftig. Die extreme Bitterkeit durch den Hopfen und die zusätzliche Trockenhopfung mag nicht jedem munden – doch für mich, der ich normalerweise bittere deutsche Biere wie Jever und andere eher meide, ist diese fast schon adstringierende Bitterkeit dann wieder ansprechend. In Kombination mit der herrlichen, hocharomatischen Fruchtigkeit bleibt der Geschmack, auch dies überraschend für ein Bier, noch eine Viertelstunde lang am Gaumen. Ich habe es sowohl zum Essen (mit kretischem Ziegenkäse, Oliven und Schinkensandwich), als auch pur in der Sonne sitzend ausprobiert – funktioniert beides wunderbar. Im ersteren Fall putzt das Sierra Nevada Torpedo IPA die Geschmacksknospen frei wie kein zweites Bier das kann, und im zweiten Fall tun die Zitronen- und Orangenaromen, rein natürlich entstanden, einfach ihr bestes, meine dürstende Kehle mit wunderbar unsüßem, klarem Kitzeln zu kühlen. Mit 7,2% Alkoholanteil sorgt es dann auch für schnelle, gute Stimmung.

Die Flasche selbst ist nichts ungewöhnliches. Sie ist mit einem uns bekannten Kronkorken verschlossen, und hat ein hübsch gestaltetes, aber nicht übermäßig hippes Etikett.

Dies ist eines der exklusiven Biere, die in einem kleinen Regal in meinem lokalen Galeria Kaufhof zu haben sind (dort gibt es auch das Stout des gleichen Herstellers), für den erstmal etwas abschreckenden Preis von knapp 3€ die Flasche – doch, so finde ich, ist das für die Qualität durchaus angemessen. Für den Dauerkonsum für mich eh zu bitter, bleibt so ein starkes IPA eben etwas Besonderes für einen besonderen Anlass.

Smoke on the Water – San Cosme Mezcal

Meine Kollegen im Büro grillen gern. Nein, das ist nicht richtig – sie sind BBQ-Fanatiker, die sich stundenlang über ausgefallene Fleischsorten, Rubs, Ribs, Kohlenanordnungen und Apfelsaftbesprayung des Grillguts unterhalten können. Ich bin mir sicher, für diese Kerle ist Mezcal wie gemacht – auch der San Cosme Mezcal.

san-cosmeWer Spirituosen, die einen schon beim Öffnen der Flasche mit ultra-rauchigen Aromen anspringen, interessant findet, ist beim Mezcal genau richtig. Jeder Islay-Whisky, den man kennt, ist ein zartes Pflänzchen gegen die qualmende Wucht des Mezcal. Dabei ist er glasklar – aber nur von der Farbe her. Im Mund ist er tiefdunkel, ölig, massiv. Fat Washing (also das Übertragen von fettgebundenen Aromen, wie Pfannkuchen-, Entenfett- oder Walnussgeschmäckern, auf Spirituosen) ist gerade in bei Mixologen, doch das bringt Mezcal schon von sich aus mit: Speck, angebranntes Fleisch, gegrillte Heuschrecken.

Ich bin mir sehr sicher – das polarisiert, das ist nichts für jeden. Es gibt Kenner, die den San Cosme als einen „milden“ Mezcal beschreiben; diesen muss ich  meinen Respekt zollen: Mehr Tabak, Leder, Qualm und brennende Autoreifen könnte ich nur mit Mühe verkraften. Vielleicht riskiere ich noch einen Blick auf einen anderen Mezcal, wie den Del Maguey Vida, aber zwei Flaschen dieses mexikanischen Räucherwerks im Haus… na, da bleib ich doch lieber erstmal beim duftig-floralen Tequila, mit dem ein Mezcal geschmacklich nur am Rande etwas zu tun hat, obwohl sie aus derselben Pflanze (aber unterschiedlichen Arten: Tequila aus der Blauen-Weber-Agave, Mezcal aus der Espadín-Agave) hergestellt werden.

Persönlich finde ich den bacon-rauchigen Geschmack des Mezcals etwas drängelnd, Purtrinken ist zwar durchaus möglich und in gewissen Situationen auch ansprechend, aber dazu muss man „in the mood“ für solche starken, strengen Mundgefühle sein. Weswegen der Cocktail Los Muertos es genau richtig macht, und mit den Fruchtaromen von Zitronensaft, Cointreau und Absinth das Geschmacksbild etwas aufhellt – so trinkt sich der San Cosme Mezcal sehr süffig und, überraschenderweise, erfrischend.losmuertos-cocktail


Los Muertos
1 oz San Cosme Mezcal
½ oz Süßer Wermut (z.B. Carpano Antica Formula)
½ oz Cointreau
½ oz Zitronensaft
1 Spritzer Zuckersirup
1 Barlöffel Absinth (z.B. Absinthe Emanuelle)


Eine unauffällige Flasche wird durch ein sehr auffälliges Etikett aufgehübscht. Der Korken war bei meiner Flasche etwas undicht, und das hätte fast das Auto meines Kollegen in einen amerikanischen Smoker verwandelt, auf dem Rückweg vom Großhandel Metro, in dem es diesen Mezcal für 28€ zu kaufen gab.
san-cosme-etikett Eine hochinteressante, spannende, starke, erdige, bodenständig-unraffinierte Spirituose – ich hoffe, in Zukunft auch in Cocktailbars davon zu hören. Natürlich wird sie es dabei schwer haben, mit all den Rauchverboten.

Eher Charlton Heston als Cary Grant – Old Grand-Dad Bourbon 40%

In medias res, passend zum Charakter dieses Bourbons aus dem Hause Beam: Einleitungslos, zumindest vom Geruch her, springt einen dieser alte Großvater ohne viel Federlesen an. Das ist mit weitem Abstand der fruchtigste Whiskey, den ich bisher riechen konnte. Leicht zitronig, stark aprikosig, wie ein Früchtekorb. Im Hintergrund ist aber auch eine weiche, hefige Note erkennbar. Insgesamt für die Nase eine Sensation.

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Ein Großteil dieser Fruchtigkeit kann sich dann auch in den Mund transportieren, aber erst im zweiten Anlauf, und selbst dann dezent. Die ersten Eindrücke sind eher von einem neutral schmeckenden Alkoholbrand geprägt, den der Old Grand-Dad mitbringt – und das, obwohl er 2012 sogar von 43% auf 40% reduziert wurde. Etwas bitter ist er auch, und hinterlässt ein trockenes Mundgefühl, ist eindeutig eher würzig als süß. Insgesamt überhaupt kein Vergleich zur herrlichen Geruchsexplosion, die einem das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ. Bis auf die lange betäubte Zunge bleibt auch wenig Aroma im mittellangen, eher in Richtung kurz tendierenden Abgang am Gaumen. Ganz spät kommt zum Schluss dann die Frucht wieder durch. Man merkt die üppigen rund 30% Roggenanteil in der Mashbill, ein hoher Wert für einen Bourbon.

Ein gnadenloses Spiel mit den Emotionen also. Riesige Freude, gefolgt von Enttäuschung, mit ein bisschen Happy-End. Ein amerikanisches Melodrama mit einem trotz des Namens eher jugendlich-frechen Hauptdarsteller. Von einem Whiskey mit so einem Namen hätte ich ein gesetzteres, weicheres, gebildeteres Wesen erwartet; aber es gibt ja auch diese grantigen alten Säcke, die immer am schimpfen sind und denen man es nie recht machen kann: der Old Grand-Dad ist so ein alter Sack. Beim Trinken sehe ich immer Charlton Heston mit dem Gewehr in der Hand vor mir.

Wer auf kräftige, würzige Old-School-Whiskeys mit klarem Geschmacksprofil ohne Tirili steht, macht hier nichts falsch. Ein geschmacklich etwas langweiliger, aber von den Aromen recht typischer Bourbon, der mit seiner Nase auftrumpfen kann – schon allein für dieses Geruchsspektrum lohnt sich die Anschaffung für Whiskey-Freunde. Sonst empfinde ich ihn eher als Mixer für Cocktails; ich denke, dass er in allen Cocktails gute Dienste leistet, durch seine Art vielleicht aber eher in einem Whiskey Sour als in einem Manhattan. Zum Test habe ich mir eben einen Prospector mit ihm gemischt: Für andere Cocktails, die vom feinen Whiskey leben, kann er als einen Tick zu kratzbürstig empfunden werden.

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The Prospector
2 oz Old Grand-Dad Bourbon
¾ oz  Amaro (z.B. Villa Rillago Amaro)
½ oz Sherry (z.B. Sandeman Medium Sweet)
2 Spritzer The Bitter Truth Old Time Aromatic Bitters


Die Flasche ist sehr ansprechend, ich mag diese wuchtigen, runden Flaschen. Ein riesiger Korkstopfen rundet das Äußere perfekt ab, hier habe ich wirklich nichts zu meckern.

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Ich denke aber, dass ich den 114-Proof dieser Sorte doch noch probieren muss, und erhoffe mir von ihm dann die gewisse Rundheit, die dieser einfache 80-proof des Old Grand-Dad vermissen lässt, und eine weniger sprunghafte Persönlichkeit. Interessant, dass Beam sowohl diesem deftigen Whiskey als auch dem sehr viel zarteren Basil Hayden’s denselben Paten gegeben haben (denn genau Basil Hayden ist es, der als „alter Opa“ mit seinem Konterfei auf dem Etikett zu sehen ist); unterschiedlicher können Whiskeys kaum sein.