Man lernt nie aus – Jameson Select Reserve Black Barrel Irish Whiskey

Man darf sich als wahrer Spirituosenfreund nie von seinen Gewohnheiten, Vorurteilen und dem eingebildeten Wissensstand dazu verleiten lassen, bequem zu werden. Gewiss ist es ehrenwert, beispielsweise einem Bourbon, den man entdeckt hat und der einem gefällt, Loyalität zu erweisen und sich auf ihn zu konzentrieren – doch man verbaut sich dabei die Chance, noch großartigere Produkte zu entdecken; oder ganze Gruppen von Bränden, die man aus obigen Gründen ausgelassen hatte.

Mir ging das so mit irischem Whiskey. Dünkelhaft hielt ich ihn lange Zeit für den uninteressanten, buckligen Verwandten des edlen Scotches und des hübschen Bourbons. Wie üblich lag das an fehlender Erfahrung mit dem Gold der Grünen Insel. Was tut man dagegen? Man besucht eine Schulung und lernt. Ein guter Freund ermöglichte mir die Teilnahme an einem kleinen Seminar, abgehalten vom deutschen Schnapsguru Jürgen Deibel. Wer die Chance hat, an einem Termin, den er abhält, teilzunehmen, sollte nicht zögern: Deibel ist wirklich unterhaltsam und erzählt interessante Fakten, ohne trocken zu werden (im wahrsten Wortsinne, und die Zuhörer bleiben auch nicht trocken).

Welt der Whiskys Urkunde

Natürlich konzentrierte sich diese Verkostung mit Vortrag auch auf den strahlenden Scotch, doch für mich persönlich waren die irischen Whiskeys die Stars an diesem Tag; vielleicht auch, weil es so unerwartet kam. Der Ire, der mich sozusagen von einem Moment zum nächsten zum Fan irischen Whiskeys machte, war der Jameson Select Reserve Black Barrel Irish Whiskey. Und als ob das nicht schon genug der Überraschungen wäre, haben mir meine Bürokollegen zum Geburtstag dann sogar eine Flasche dieses Whiskeys geschenkt, so dass ich sie heute hier vorstellen kann. Danke erneut dafür, werte Kollegen (selbst, obwohl ich auf der Grußkarte als „alter Heini vom Büro“ bezeichnet wurde)!

Jameson Select Reserve Black Barrel Irish Whiskey Flasche

Die sehr ölige, schwere Konsistenz sorgt für langsam abfließende Beine. Tatsächlich überzeugt der Black Barrel durch die strahlende, kräftige Bernsteinfarbe, die von sich aus zu leuchten scheint. Ein wirklich ausgesprochen attraktives Äußeres.

Er reifte in zweifach ausgebrannten Ex-Bourbon-Fässern, und das riecht man mehr als deutlich, wenn man die Nase vorsichtig ans Glas hält. Vanille, sehr hell und süß, mildfruchtig, aber auch eine schöne würzige Komponente nach Kardamom ist vorhanden. Erkennbar holzig ist dieser Jameson darüberhinaus, ich erwähne das nochmal explizit, obwohl die Fassbehandlung das schon jedem klarmachen sollte.

Geschmacklich übertrifft er dann noch meine durch diese Anfänge eh schon recht hohen Erwartungen: sehr mild, weich und flauschig. Dicht und voluminös, ohne dabei zu wuchtig zu werden. Viel Vanille, das erinnert mich in dieser Konsequenz deutlich an Bourbon, viel Trockenobst, Rosinen, Datteln.  Sehr süß, wahrscheinlich die Arbeit des Grain-Whiskey-Anteils in diesem Blend, aber mit unterschwelliger Würze, wie Kandiszucker und Honig, was die Süße auffängt und in ein unglaublich rundes, perfekt komponiertes Gesamtgeschmacksbild einbettet – hier scheint dann der Pot-Still-Anteil durch.

Jameson Select Reserve Black Barrel Irish Whiskey Glas

Am Ende taucht noch etwas Pfeffer auf, aber selbst das ist mild und fein. Der Abgang ist insgesamt warm und sehr angenehm, bei mittlerer bis kurzer Länge. Ein deutlicher Eisenton schwingt im Nachklang.

Irischer Whiskey im Allgemeinen ist ein gemütlicher Cocktailspieler, der sich ohne jede Schwierigkeit in jede Rezeptur einfügt, die nach Whiskey (durchaus auch Bourbon!) verlangt. Sein schönes Volumen gibt Kraft und Tiefe an Mixturen. Tatsächlich ist der Black Barrel im speziellen darin so gut, dass er ideal auch den Partner für eine interessantes Duo geben kann: Ein Pickleback mag sich für den einen oder anderen grausig anhören, aber diese Shot-Mischung funktioniert überraschend gut und sorgt für gute Laune!

Pickleback


Pickleback
1 Shot Jameson Black Barrel Irish Whiskey
½ Shot Gurkenlake mit einer kleinen Essiggurke
In separaten Shotgläsern servieren.
Zuerst den Whiskey, dann direkt die Gurkenlake trinken.

[Rezept nach unbekannt]


Die dunkelgrüne Flasche wird in einem aufklappbaren, stabilen Karton mit innen rund aufgespannter Einlage geliefert – hochwertig gemacht, das ganze, und mir gefällt die schwarzgoldlastige Gestaltung sehr. Wer auf klassisch-traditionelle Präsentation eines Whiskey steht, wird hier voll bedient, und das für den mäßigen Preis von rund 30€. Für mich persönlich ein Augenöffner und ein idealer Einstieg in die Welt des irischen Whiskeys – wer auf der Suche nach einem Whiskey ist, den man in jeder Gemütslage abends zum Entspannen von einem harten Tag langsam vor sich hin schlürfen kann, der nicht über- oder unterfordert, sondern einfach eine, wie man heute sagt, brilliante Drinkability hat, der muss nun nicht weiter suchen.

Säulen der Rumgesellschaft – Rhum J.M. Très Vieux Rhum Agricole X.O.

Wer sich für die Herstellung von Spirituosen interessiert, und nicht nur, ob es einem schmeckt, der stößt auf viele Variablen, die in so einem Produktionsprozess relevant sind. Vielleicht eine der wichtigsten, weil stark charaktermitbestimmend, ist die Wahl des Destillationsapparats. Viele Rumfreunde geben der klassischen Pot Still, die zum Beispiel für Scotch sogar vorgeschrieben ist, und bei vielen traditionell und handwerklich produzierten Spirituosen absichtlich eingesetzt wird, den Vorzug vor einer Säulendestillation. Grundsätzlich muss man allerdings bei letzterem oft etwas genauer hinschauen, denn es gibt zwei Hauptformen dieser Säulen: Einerseits die moderne kontinuierliche Multi Column Still, die hauptsächlich für die Erzeugung ultrareiner Spirituosen, wie Vodka oder Neutralalkohol genutzt wird, und darüber hinaus für viele Massenbereich-Schnäpse der Großhersteller; und andererseits die traditionelle Kolonne, von der eine Variante zum Beispiel in Martinique als „colonne créole“ bekannt und als Produktionsmittel laut AOC für den lokalen Rhum agricole vorgeschrieben ist.

Appareil continu - Modele Barbet (Rhum, eaux de vie de canne D Kervegant - 1946)

Bild verwendet mit freundlicher Genehmigung von http://www.rhum-agricole.net

Kupfer statt Edelstahl, eine statt fünf Säulen. Man merkt schon, dass es hier nicht darum geht, möglichst schnell möglichst Hochprozentiges durch die Anlage zu schleusen. In zwei solchen traditionellen Kupferkolonnenanlagen wird der Rhum J.M. Très Vieux Rhum Agricole X.O. an seinem Produktionsort in Macouba (Martinique) aus hauseigenem Zuckerrohr destilliert und dann 6 Jahre (die Abkürzung X.O. steht entsprechend natürlich für „extra old“ – rhum agricole bedient sich da der Cognac-Altersklassifikationen) in Ex-Bourbon-Fässern gereift, die für diesen Zweck erneut ausgebrannt wurden.

Rhum J.M. Très Vieux Rhum Agricole X.O. Flasche

Farben sind bei Spirituosen in den meisten Fällen dank der Erlaubnis, E150 einzusetzen, Schall und Rauch und man sollte sich von ihr nicht beeinflussen lassen. Bei diesem Rum fällt es einem aber schwer – dunkel, kräftig, tiefer Kupfer, sehr attraktiv. Er bleibt seiner Herkunft als Zuckerrohrsaftrum verbunden und wird nur leicht ölig.

Mildfruchtig, vanillig und mit Anklängen nach Toffee und dunklem Kakao – das steigt einem beim Schnuppern in die Nase. Rosinen und Datteln im Hintergrund kommen dazu. Und viel, viel Holz – für den einen oder anderen mag das schon zu wuchtig und holzig sein, mir gefällt es aber sehr.

Im Geschmack verliert sich diese extreme Holzigkeit dann aber etwas – der Haupteindruck ist süß und sehr rund, besonders weich im Antrunk. Tropfenfrucht und die agricole-typische Grasigkeit verbinden sich aufs edelste. Der Rhum J.M. X.O. ist sehr körpervoll und dicht, mit Anklängen nach Honig und Muscovadozucker, und weist ein spannendes süß-sauer-Verhältnis auf. Komplex und interessant, ein Rum zum explorieren und erforschen, da die Aromen nicht offensichtlich sind wie bei vielen anderen Spirituosen.

Rhum J.M. Très Vieux Rhum Agricole X.O. Glas

Der Abgang wird dann ultra-trocken, mit nun doch sehr viel Holz, dabei dann mehr als nur ein Anflug von Pfefferschärfe. Gewürze blitzen kurz auf, ohne dabei das vorherige Bild eines süßen, aber beeindruckenden Rums zu berühren. Der Nachhall ist lang und sehr warm.

Schon von Beginn an setzten die Erfinder der Tiki-Bewegung rhum agricole in ihren Cocktailkreationen ein, meist als eine Rumsorte unter mehreren in einem wilden, tiefen Gemisch. Für den Rhum J.M. X.O. habe ich auch einen Tiki-Cocktail ausgewählt, dem ein Rhum von den französischen Antillen verdammt gut steht: der Pago Pago. Ananas und Rum gehen ja immer gut zusammen, wenn dann noch die brutale Kräutergewalt des grünen Chartreuse dazukommt, brechen bei mir alle Dämme: davon trinke ich immer mindestens zwei. Daher beim Mixen am besten direkt von Anfang an die angegebenen Dosen verdoppeln!

Pago Pago


Pago Pago
2 Ecken Ananas im Shaker muddeln.
1½ oz Rhum J.M. Très Vieux Rhum Agricole X.O.
½ oz Chartreuse Verte
½ oz Crème de Cacao hell (z.B. Giffard)
½ oz Limettensaft
½ oz kühles Wasser
Auf Eis shaken, nur grob strainen.
[Rezept adaptiert nach Jeff Berry]


Kurz noch ein Exkurs bezüglich des Namens – viele Martinique-Rhums benennen sich nach den alten Familiennamen der Gründer der Destille. Rhum J.M. ist da keine Ausnahme, hier wurde allerdings auf die Initialen des Gründers, Jean-Marie Martin, zurückgegriffen, der 1790 als Dorfpfarrer die Destillerie anlegte: Erneut ein Beispiel dafür, dass die religiösen Stände Talent für (und Affinität zu) Alkohol haben.

Geliefert wird der Rhum J.M. X.O. in einem Karton, der mit kleinen Details über den Herstellungsprozess und das Umfeld von Rhum J.M. bedruckt ist; ansonsten hält sich die Präsentation sehr zurück und protzt lieber über den Inhalt der Flasche als mit dem Äußeren.

Dieser Rhum ist das genaue Gegenteil dessen, was auch heute noch die Masse an verkauftem Rum repräsentiert, der süß und möglichst belanglos ist, um allen zu gefallen. Der Rhum J.M. X.O. hat sehr viel Charakter und Wiedererkennungswert und stört sich nicht daran, ob Süßrumfans einen Hustenanfall bekommen könnten, weil sie soviel Kraft nicht gewohnt sind. Wer aber wirklich guten, hochwertigen und unmanipulierten Rum, der sich nicht anbiedert, schätzt, wird sich hier direkt wie zu Hause fühlen – da können sich so einige Pot-Still-Rums eine große Scheibe abschneiden.

Offenlegung: Ich danke spirituosen-superbillig.com für die kostenlose Zurverfügungstellung einer Flasche des Rhum J.M. Très Vieux Rhum Agricole X.O.

Queen Gin und ihr erster Ritter – Juniper Jack London Dry Gin

2016 stand stark im Trend der Craftisierung der Spirituosen- und Bierwelt. Man bewegte sich etwas weg vom kurz zuvor alles beherrschenden Trend der Premiumisierung – der Unterschied ist größer, als die zwei Beschreibungen es auf den ersten Blick aussagen. Die Premiumisierung litt ganz stark darunter, dass sie sich nicht selten nur durch das Wort „Premium“ auf dem Etikett ausdrückte; der Inhalt der Flasche war meist derselbe, den man auch schon vor 20 Jahren hätte kaufen können. Ich bin sehr positiv davon überrascht, dass die zahlende Kundschaft sich nur in sehr begrenztem Umfang davon einfangen ließ. Das Wort ist nun verbrannt, und für mich persönlich sind Spirituosen, die das Wort „Premium“ auf dem Etikett aufweisen, grundsätzlich eher skeptisch zu betrachten.

Die Craftisierung dagegen zielt auf den Inhalt ab. Bier hat es vorgemacht – der moderne Konsument ist bereit, deutlich mehr Geld für ein Produkt auszugeben, das handwerklich, in kleinen Mengen, ehrlich und mit Leidenschaft hergestellt wird. 5€ für eine Flasche Craftbier sind keine Seltenheit, und es verkauft sich dennoch wie geschnitten Brot. Auch Spirituosen folgen dieser Spur; insbesondere, da es gerade für ungereifte Spirituosen ein Weg ist, sich in eine Nische vorzuarbeiten, die sonst meist nur von langjährig fassgereiften Bränden besetzt wurde. So mancher neuer weißer Rum erreicht diese Nische nun und emanzipiert sich vom Image des Mixers; ehrlicher, echt komplett selbstgebrannter Vodka statt redistilliertem, gezuckertem Industrieneutralalkohol ist ein weiteres Beispiel dafür.

Doch nicht nur die Produkte selbst, auch Onlineshops streben danach, sich zu craftisieren und nicht einfach nur die Standard-Industrieprodukte anzubieten. Startups wie hiddentaste.com spezialisieren sich entsprechend auf ein kleines, individuelles Sortiment und hoffen dadurch, die Klientel an sich zu binden, die sich erst gar nicht durch die Massenprodukte, die es sonst überall gibt, wühlen will um im riesigen Angebot die Perlen zu finden. Eine der Perlen, die man auf diese Weise leichter entdeckt, die sonst vielleicht im Vielklang des inzwischen riesigen und vollkommen unüberblickbaren Gin-Angebots untergehen könnte, ist der Juniper Jack London Dry Gin aus Dresden.

Juniper Jack London Dry Gin Flasche

Was erwartet man von der Farbe eines Gin – nichts, natürlich, und die Flasche versteckt auch nichts davon. Völlig transparent ist er also, dieser London Dry Gin, aber leicht ölig, mit Beinen beim Schwenken im Glas.

Viele moderne Gins lösen sich von der Definition des Gin – einer mit Wacholder aromatisierten Spirituose, und legen andere Geschmäcker in den Vordergrund. Der Juniper Jack dreht den Spieß um, und kehrt zurück zur Wurzel: Hier ist Wacholder die ganz klar dominante Note. Schon beim Eingießen verströmt sich sehr starker Wacholderduft, und zwar nicht nach milden Beerchen, sondern volle Pulle, als hätte man eine Handvoll Wacholderbeeren in der Hand zerdrückt. Im Hintergrund liegen noch Zitrusnoten und milde Kräuteraromen, die allerdings nur die dezenten Backgroundsänger für den Star Wacholder geben.

Der Geschmack ist trocken, kräuterig, darüber hinaus sehr holzig und harzig – sensationell, diese letzterwähnte Komponente liebe ich am Juniper Jack am allermeisten. Wacholder ist natürlich dauerpräsent, auf eine Wacholderbeere zu beißen könnte nicht mehr Aromen abgeben. Kümmel und Orange tauchen deutlich auf. Eine höchstinteressante Eisbonbon-Kühle kippt nach einer Weile um in eine milde Wärme, den 46,5% Alkohol angemessen, und komplettiert damit ein außergewöhnliches Geschmacksbild, das zeigt, dass es nicht immer Dutzende von in Ginsprech „Botanicals“ genannten Kräutern sein müssen – die 10 verwendeten reichen völlig aus.

Der Abgang ist extrem lang, und Eukalyptus, Wacholder, Lavendel, viel Kümmel und etwas Süßholz liegen noch sehr lange im Mund. Man muss allerdings sehr vorsichtig sein, wenn man vor hat, an einem Termin mehrere Spirituosen zu verkosten. Nach diesem Gin hat kaum ein anderer Schnaps noch eine Chance, echt gewürdigt zu werden. Selten kann man das von einem Gin sagen – der Juniper Jack hat soviel Nachhall, dass er alles, was folgt, dominiert, und das locker über eine Stunde und länger. Das Wacholderaroma legt sich selbst über kräftigen Rum; und es ist selbst nach 2 Stunden noch am Gaumen erkennbar. Ich habe gewarnt!

Im Palm Beach zeigt der Juniper Jack, wie schön sich eine so dominante Wacholdernote auch in Cocktails macht. Sie überstrahlt zwar deutlich den Ananassaft und den Wermut, sorgt aber auch für eine hauchig-kräuterige Note in diesem ansonst vielleicht eher süßlichen Cocktail. Eine nahezu ideale Kombination, die lange im Mund hängen bleibt und für den einen oder anderen Aha-Effekt bei Cocktailtrinkern, die sonst mit Gin nicht viel anfangen können, sorgen wird.

Palm Beach


Palm Beach
2½ oz Gin (z.B. Juniper Jack London Dry Gin)
½ oz roter Wermut (z.B. Carpano Antica Formula)

1 oz Ananassaft
Auf Eis shaken.

[Rezept nach unbekannt]


Das ist nun schon die zweite Flasche, die ich erlebe, die mit einem Glasstöpsel aufwartet. Diese Art von Verschluss hat manchmal das Problem, sich nur schwer öffnen zu lassen; beim Juniper Jack Gin geht der schwarz eingefärbte Glasstopfen aber leicht und ohne Mühe mit einem sanften „Klick“ vom Flaschenhals und ebenso wieder darauf. Auch der Rest des Designs kann sich sehen lassen – eine etwas rundliche, bauchige Flasche mit schwerem, dicken Glasboden und ohne aufgeklebtes Etikett, mit einem leicht jugendstiligen Motiv. Passend zum Motiv ist die Botanicals-Liste in einer Art dramatis personae gehalten: Das gefällt mir als Literaturfreund sehr.

Juniper Jack London Dry Gin Detail

Die Flasche, die mir vorliegt, hat die Identifizierung „Batch L 2, Flasche 1494 von 1736“. Zunächst erfreut es mich außerordentlich, diese Angaben vorzufinden, insbesondere sogar die Flaschennummer. Wer sich über die seltsame Batchgröße von 1736 Flaschen wundert – dies ist nicht willkürlich, sondern passt sich in das umfassende Storykonzept dieses Gins ein, das sich auf einen Protest-Theaterstück-Author bezieht, der 1736 unter dem Pseudonym „Jack Juniper“ gegen den Gin Act 1736 Stimmung machte.

Kommen wir vom durchweg positiven Gesamteindruck zum Zwacken, das als einziger Grund den potenziellen Konsumenten vom Erwerb abhalten könnte – der Preis von rund 50€ für 700ml ist schon eine sehr deftige Hausnummer für eine ungereifte Spirituose. Gin-Aficionados, die das nicht stört, sollten sich den Juniper Jack London Dry Gin unabhängig davon definitiv anschauen, denn er ist schon ungewöhnlich und ganz sicher eine Bereicherung für jede Gin-Heimbar (und auch professionelle Bar); diese Kenner sind wohl auch die Zielgruppe dieses Craft-Schnapses.

Offenlegung: Ich danke hiddentaste.com für die Vermittlung einer kostenlosen Probeflasche dieses Gins, die mir vom Hersteller des Gins, Independent Spirit, zugesandt wurde.

Mit einem Krug Wein zwischen den Blumen, Teil 2 – Jigongshan Baijiu 鸡公山白酒

Das gemeinsame Trinken und Essen von Gast und Gastgeber nimmt eine zentrale Stelle in der chinesischen Kultur ein. Bereits in meinem persönlichen Lieblingsbuch, dem chinesischen Klassiker 水浒传 (Shuihuzhuan, wahlweise auf englisch übersetzt als Outlaws of the Marsh, All Men are Brothers, The Marshes of Mount Liang oder leider nur sehr suboptimal auf deutsch als Die Räuber vom Liang Schan Moor) aus dem 14. Jahrhundert stolpern die Helden, die sich gegen eine verbrecherische Regierung aufsässig zeigen, von einem Trinkgelage ins nächste – wie Shi Jin, der Neunfach Drachentätowierte, einem der ersten der späteren Banditenfürsten, denen wir im Buch begegnen. Das stark ritualisierte Anstoßen mit Wein und Schnaps wird genutzt, um Gast-Gastgeber-Beziehungen und auch Hierarchie in einer Gruppe zu definieren, und ist allgegenwärtig in diesem herrlichen, unterhaltsamen, spannenden und lehrreichen Buch, das ich jedem an Literatur Interessierten allerärgstens ans Herz legen möchte.

Shi Jin received them and they exchanged courtesies. The young squire invited them to the rear garden, where a banquet had been spread. He asked them to take the seats of honor. He sat down opposite, and told his vassals to bolt the front and rear gates of the manor. As host and guests drank, attendants kept refilling their cups and carving the sheep. By the time several cups were drained, a full moon was rising in the east.
They drank and enjoyed the Mid-Autumn Festival, and chatted about old things and new.
水浒传, Outlaws of the Marsh, Übersetzung von Sidney Shapiro

Aus der Ming-Dynastie, in der das Buch entstand, zurück in die Gegenwart: Zhu Xiaojun, Geschäftsführer der Destillerie Jigongshang Baijiu in Xinyang, ist überzeugt davon, dass auch es auch heute noch der Respekt gebietet, dem Gast einen guten Tropfen (idealerweise natürlich einen aus seiner Produktion) vorzusetzen und mit ihm anzustoßen. Doch die aktuelle Parteiführung in Peking will mit diesem Jahrtausende alten Ritual brechen und wenigstens seine Kader dazu verdonnern, es mit dem Schnaps etwas ruhiger angehen zu lassen. Ob eine Regierung eine Tradition verändern kann? Man wird sehen, ich persönlich bezweifle es, prohibitive Ansätze haben nie auf die Dauer funktioniert. Bis endgültige Ergebnisse dieses Trockenlegungsexperiments vorliegen zeigen wir uns rebellisch wie die Banditen des Liangschan-Moor und gönnen uns nun einen Tropfen von Herrn Zhus Klarem, dem Jigongshan Baijiu.

Jigongshan Baijiu 鸡公山白酒

Natürlich ist ein Baijiu, wie der chinesische Name schon sagt, klar. Dieser spezielle hier ist dazu minimal viskos mit wenigen dünnen, schnell ablaufenden Beinen. Beim Jigongshan Baijiu handelt es sich um Baijiu mit „starkem“ Aroma (浓香 nóngxiāng), der zweiten der vier Hauptgruppen der Baijiu-Aromatik, die wir kennenlernen. Bei starkaromigen Baijius ist die Nase sehr typisch: fermentierte Pfirsiche, vergorene Ananas, Salmiak, Anis – mich erinnert das ganz stark an eine hyperverstärkte Version des Geruchs von weißen Gummibärchen. Sehr durchdringend und ungewohnt.

Der Geschmack ist dann aber noch durchdringender, und noch ungewohnter. Sauer und teerig ist das erste, was mir einfällt – selbst wer teerige Rums oder Mezcal mag, wird hier überrascht. Verbranntes Plastik, weiße Gummibärchen, Anis und Lakritz sind Folgegeschmäcker. Mildsalzig, vom Mundgefühl her warm und weich, die 52% Alkohol sind kaum auffällig. Es gibt bei den westlichen Spirituosen, die wir ja gut kennen, nichts, was auch nur ansatzweise so schmeckt – am ehesten noch vielleicht der weit entfernte, wilde, aggressive, gnadenlose Verwandte des Ouzo, wenn man überhaupt einen Vergleich ziehen will.

Der Abgang ist lang und dann überraschend mild. Wie schon beim Hongxing Erguotou, den ich in der ersten Folge dieser Reihe vorgestellt hatte, ist der Abgang für mich das beste am Gesamterlebnis – der Nachhall ist mildwürzig, noch leicht säuerlich, voller Lakritz, insgesamt spannend, wenn auch nicht wirklich gaumenschmeichelnd.

Ich wohne am Waldrand und habe 3 unterschiedliche Hühnerscharen (ist das das richtige Wort für eine Gruppe von Hühnern?) in der Nähe. Die Hähne dieser Scharen übertreffen sich immer gegenseitig beim frühmorgendlichen Weckruf. Sonnenaufgang und Hahn gehören also zusammen, ganz besonders im aktuellen Jahr des Feuerhahns, und passend zum Bild des durch sein Gekrähe die Nacht verscheuchenden Hahns hier ein Cocktail, der den frühen Morgen zelebriert: Der Xinyang Sunrise. Ob er allerdings wirklich was fürs Frühstücksbuffet ist, lasse ich mal dahingestellt. Er zeigt aber, dass Baijiu und Campari eine interessante Kombi abgeben, und Zitrusfrucht sowieso.

Xinyang Sunrise Cocktail


Xinyang Sunrise
½ Orange, gestückelt
4 Minzblätter
2 Teelöffel Honig
Diese Zutaten zusammen muddeln. Dann dazugeben:
2 oz Jigongshan Baijiu
1 oz Campari
3 oz Grapefruit-Saft
…und mit Eis verrühren.
[Rezept adaptiert nach dem Original „Santorini Sunrise“ des Molyvos Restaurant, NYC]


Die spektakuläre goldene Geflügelskulptur in der Flasche spielt auf den Namen des Produkts an – 鸡公山 (jigongshan) bedeutet „Berg des Hahnenfürsten“, und eben diesen Gockelkönig sehen wir wohl in der Flasche auf einem Stück angedeuteten Fels stehen. Der Rest der Flasche, die im Urnenstil gehalten ist, ist ähnlich pompös gestaltet: Goldapplikationen (aus Plastik) am Flaschenhals, ein schwerer Glasstopfen und direkt aufs Glas aufgebrachte Schriftzeichen.

Jigongshan Baijiu Details

Viele Baijius, das werden wir in dieser Reihe noch öfters erleben, geben sich so üppig-überschwallend in der Dekoration. Während im Westen oder Japan oft inzwischen bei hochwertigen Spirituosen ein dezentes Understatement angesagt ist, darf der Chinese noch beim Betrachten der Flasche ins Schwärmen geraten. Ich wage nicht zu beurteilen, welcher Trend besser oder vernünftiger ist – ich mag beides, solange die Qualität im Behältnis auch stimmt. Tatsächlich ist eben das aber für mich zur Zeit noch sehr schwer zu beurteilen, selbst wenn der Jigongshan Baijiu eine Silbermedaille beim Wettbewerb Spirits Selection by Concours Mondial de Bruxelles 2016 gewonnen hat – auch ich muss mich erst noch in die extrem eigene Aromatik des Baijiu eintrinken. Es ist offensichtlich nichts, was einem auf Anhieb schmecken wird, soviel als Warnung an meine Leser, doch das ist mit vielen Lebensmitteln so, und der ernsthafte Genießer gibt nicht auf, nur weil etwas am Anfang nicht genehm ist, oder?

Nächsten Monat folgt diesem Motto entsprechend eine weitere Folge aus der Reihe „Mit einem Krug Wein zwischen den Blumen“, wo wir die dritte Hauptkategorie des Baijiu, das Sauce-Aroma, kennenlernen werden.

Offenlegung: Ich danke der belgischen Firma Vinopres SA und Spirits Selection für die kostenlose Bereitstellung einer Flasche dieses Baijius. Vinopres SA und Spirits Selection haben mir ganz enorm geholfen, und mich mit einer Reihe von Qualitäts-Baijius versorgt, denn die Beschaffung dieser chinesischen Spirituosen ist in Deutschland sonst sehr schwierig – ohne sie wäre diese Reihe nicht möglich gewesen.

Agaventee mit Schuss – Ocho Curado Tequila

Der eine oder andere Gin-Freund hört es nicht so gern, wenn man über seine Lieblingsspirituose etwas abfällig als „aromatisierten Vodka“ spricht. Ich kann das verstehen, denn der Gin hat doch eine lange Tradition, und das Geschmacksbild verändert sich im Vergleich zum Vodka doch deutlich – rein formal ist es aber eine zutreffende Beschreibung. Vielleicht liegt der Ärger daran, dass das Wort „aromatisiert“ in der heutigen Industrielebensmittelgesellschaft eine negative Konnotation erhalten hat – der halbaufgeklärte Konsument verbindet es mit künstlichen Geschmacksstoffen, manipulierten Laborprodukten und verbrauchertäuscherischen Betrugsversuchen.

Dabei ist eine Aromatisierung an sich natürlich nichts schlimmes – sie wird es erst, wenn es heimlich oder mit täuscherischem Ansatz geschieht, um eine höhere Qualität vorzugaukeln oder mit niedrigem Geldeinsatz den Geschmackseindruck eines hochwertigen und damit teuren Aromas zu ersetzen. Erdbeerjoghurts, die nie ein einzelnes echtes Fruchtmolekül gesehen haben, Tütenbolognese, die völlig frei von Tomaten ist oder Rum, der mit allerlei Zusätzen auf alt und gereift getrimmt wird sind nur drei Beispiele dessen, was wir uns gefallen lassen.

Daher kann es schon sein, dass der skeptische Tequilafreund etwas schief schaut, wenn man ihm einen Ocho Curado Tequila vorsetzt. Dabei haben wir hier aber den Fall, dass die Aromatisierung einen echten Sinn hat, aus einem Basisprodukt etwas Besonderes macht, zusätzlichen Wert liefert, so wie das bei Gin auch passiert. Hier werden nun natürlich statt „botanicals“, den Kräutern wie Wacholder also, die dem Gin sein Aroma geben, in einen normalen Ocho Blanco Tequila (dieser ist 100% Agave, natürlich) gekochte Agaven eingelegt.

Ocho Curado Tequila Flasche

Bei der Farbe beginnt also die Reise. Durch die Mazeration der gekochten Agave bekommt der sonst klare Blanco neben einem stärkeren Agavenaroma eine erkennbare Färbung. Würde man es nicht besser wissen, könnte man diesen Tequila glatt für einen farblich ganz typischen Reposado halten – blasses Strohgold, erinnernd an Weißwein. Von der Viskosität her sehr flüssig, hinterlässt aber trotzdem Beine am Glas. Rein optisch ein schmalbrüstiges Wässerchen.

Kaum hält man die Nase ins Glas, ist es aber vorbei mit der Schmalbrüstigkeit, da beginnen sich wuchtige Rundungen abzuzeichnen. Der Ocho Curado Tequila weist einen sehr kräftigen Agavencharakter auf, mehr als bei den meisten Tequilas, die ich kenne. Grasig und grün, dabei sehr würzig, dicht, aromatisch und körpervoll. Ein nahezu idealer Tequiladuft.

Damit ist das Schwärmen des Tequilafreunds aber noch lange nicht vorbei, im Gegenteil: Das wunderbare Mundgefühl, mild und dabei doch vollmundig, lässt mein Herz hüpfen. Sehr süß nach Honig, gleichzeitig dicht und kräftig nach Agave. Nur mild grasig und gemüsig, leicht salzig und umami. Ein feiner Touch von Rauch und Holz. Die 40% Alkohol, also im üblichen Bereich für Tequila, spürt man kaum. Der Abgang ist mildbitter, würzig und leicht feurig, warm und sehr lang, leicht betäubend an Zungenspitze und adstringierend am Gaumen. Ehrlich – das ist eine echte Agavenbombe, die das beste aus zwei Welten kombiniert: die jugendliche Frische eines Blanco mit der zusätzlichen, verstärkten Agavenpower.


Ein weiterer positiver Punkt am Ocho Curado ist, dass er in Cocktails sowohl als Blanco als auch als Reposado eingesetzt werden kann. Ein Beispiel dafür ist der Southbound Suarez, der eigentlich im Originalrezept mit gereiftem Tequila hergestellt wird, aber eigentlich durch den Curado sogar noch an Charakter gewinnt. Wer über die ungewohnte Zutat „Horchata“ stolpert: Das ist eine Art Milch, hergestellt aus Nüssen, erhältlich in unterschiedlichsten Varianten. Wer sie nicht selbst herstellen will (wie das Erfinder Jeffrey Morgenthaler bestimmt tut, in seiner perfektionistischen Art), kauft im Drogeriemarkt einfach eine fertige aus Cashewnüssen oder Mandeln.

Southbound Suarez

Southbound Suarez
1½oz / 15ml Tequila Reposado (oder hier: Ocho Curado Tequila)
½oz / 15ml Limettensaft
½oz / 15ml Agavendicksaft

1 Teelöffel Becherovka
1½oz / 15ml Horchata
Alle Zutaten auf Eis shaken.
[Rezept leicht adaptiert nach Jeffrey Morgenthaler]


Ich hatte neulich bei einem anderen Tequila erklärt, dass die Mexikaner scheinbar eckige, gedrungene, folkoristisch angehauchte Flaschen mögen. Hier haben wir nun den genauen Gegenentwurf: Eine sehr einfache, strenge Halbliter-Flasche, ohne Zier oder Kinkerlitzchen, mit einem simplen (aber qualitativ hochwertigen) Schraubverschluss. Kein Etikett hindert unseren Blick auf den Inhalt; alle Infos sind direkt aufs Glas aufgebracht.

Bei ungefähr 26€ für 500ml bewegen wir uns preislich gewiss im eher leicht gehobenen Bereich – für Tequilafreunde ist der Ocho Curado Tequila aber auf jeden Fall eine lohnenswerte Investition. Spannend ist er allemal, und wird aller Voraussicht nach ein dauerhafter Mieter zumindest in meinem Spirituosenregal werden.

Sterne über Griechenland, Teil 5 – Metaxa Grande Fine

Das Auge isst mit – ein alter Spruch aus der Küche. Wir kennen das alle, dass ein hübsch angerichtetes Essen schon vor dem ersten Bissen dafür sorgt, dass man Lust bekommt und einem die Wässer im Munde zusammenlaufen. Doch das funktioniert nicht nur für Speisen, nein, auch Spirituosen profitieren von einer edlen Präsentation enorm. Dabei gibt es grundsätzlich zwei Ansätze, wenn man das Produkt aufwerten will. Einerseits kann man mit einem protzigen Dekanter aus geschliffenem Glas die Spirituose selbst erstrahlen lassen; andererseits kann man eine stimmige, unerwartete Atmosphäre entstehen lassen, die nicht primär mit dem Schnaps etwas zu tun hat, sondern mit dessen Entstehung oder Umgebung.

Beim Metaxa Grande Fine hat man sich für letzteres entschieden. Eine folkloristisch angehauchte Stimmung soll uns Genießern diese gehobene Kategorie des griechischen aromatisierten Weinbrands, die sich der sonst bei Metaxa üblichen Sternewertung entzieht und statt dessen mit einem vielversprechenden Klangnamen aufwartet, schmackhaft machen. Für mich persönlich funktioniert das gut: Die interessant geformte Flasche aus Keramik, bedruckt mit einem traditionellen griechischen Blumenmuster, liegt schwer in der Hand, wenn man sie aus dem Karton, in dem sie geliefert wird, zieht. Der aus demselben Material hergestellte, passend auf dem langen, schmalen Flaschenhals sitzende Verschluss verdeckt einen Naturkorken. Von außen also schonmal üppig gemacht, doch taugt auch der Inhalt was?

Metaxa Grande Fine

Das erste Mal sehen wir die Farbe der Spirituose also nicht schon in der Flasche. Erneut ist sie aber auch nicht wirklich relevant, weil künstlich gefärbt. Mehr noch als bei den anderen Metaxas, die in transparenten Flaschen geliefert werden, bei denen man noch argumentieren kann, dass der Kunde nur schön gefärbte Spirituosen kaufen würde (was ich heutzutage in dieser Preiskategorie bezweifle), finde ich das bei der Keramikflasche fragwürdig.

Um so bedeutsamer ist dann der sensorische Eindruck im Glas. Wer Metaxa kennt, liebt diesen Geruch – dunkle, würzig-aromatische Weinbrandbasis, unverkennbar blumige Obertöne. Im Vergleich zum letzten Monat besprochenen Metaxa 12 Stars ist er hier aber dezent und zurückhaltend. Leichte Schwefelnote, getrocknete Aprikosen, Datteln und Rosinen.

Weich und rund, samtig und flauschig liegt der Grande Fine zunächst im Mund, sehr süß nach Kandiszucker und Zuckerwatte, ohne dabei klebrig zu wirken, mit gleichzeitig vollem, kräftigem Unterbau. Der Weinbrandkörper liefert dieses Volumen, die Aromatisierung mit Rosenblüten den leichten, schwungvollen und dabei sehr edel wirkenden, nicht zu übersehenden Einzigartigkeitsfaktor. Völlig perfektioniert, ohne Ecken oder Kanten. Man kann Metaxa mit nichts anderem verwechseln, und ihn durch nichts anderes ersetzen.

Metaxa Grande Fine Glas

Der Abgang ist klar und leicht trocken, charaktervoll, lang und äußerst angenehm. Es gibt nicht viele Spirituosen, die dies in einer derart vollendeten Form abliefern können – dafür liebe ich Metaxa. Und der Grande Fine ist die Krönung meiner Metaxa-Erfahrung. Nach einigen Minuten bleibt der einzige Kritikpunkt – die Süße, die übrigbleibt, wenn alles andere verklungen ist, wirkt dann doch etwas belegend am Gaumen.

Metaxa-Cocktails sind für mich persönlich alle sensationell. Wer aber mal wirklich was außergewöhnlich blumig-leckeres trinken will, mixt sich einen Aegean Fizz. Der Zimt kombiniert sich aufs herrlichste mit dem Rosencharakter des Metaxa, die Blutorange gibt feine, milde Fruchtsäure dazu, das Eiweiß eine samtige Textur und der Sprudel die Fizzigkeit – ein perfekter Drink, ein Traum, eine Sensation. Als würde man ein Blumenbeet trinken.

Aegean Fizz


Aegean Fizz
2 oz Metaxa Grande Fine
1 oz Blutorangensaft
¾ oz Zimtsirup
1 Eiweiß
Alles auf Eis gut shaken, und mit kohlensäurehaltigem Mineralwasser aufgießen.
[Rezept nach Jonathan Pogash]


Vielleicht bin ich voreingenommen, weil ich Griechenland so mag. Doch ich liebe Metaxa, mehr als alle Whiskeys, Rums, Tequilas und Liköre. Metaxa, das ist für mich mehr als ein Getränk, sondern ein Gefühl, eine Stimmung, ein Vibe. Pur ein Traum, mit herausragender Mixability. Der Grande Fine ist dabei die Krönung; wer sich das entgehen lässt, verpasst eine der Spitzenspirituosen der Welt.

Um nochmal zurück zur Flasche zu kommen – wer sie ausgetrunken hat, sollte sie nicht wegwerfen. Sie gibt nämlich eine ganz hervorragende, schöne Vase besonders für langstielige Blumen ab.

Metaxa Grande Fine Blumenvase

Mit diesen persönlichen Bemerkungen endet die Reihe „Sterne über Griechenland“. Ja, es gibt noch weitere Qualitäten – ich denke dabei hauptsächlich an den Metaxa Private Reserve, den Angels‘ Treasure oder den Aen, die allerdings dann in Preisregionen gelagert sind, bei denen mir persönlich das Preisleistungsverhältnis kaum noch wirklich angemessen erscheint. Wer es sich leisten kann, soll zugreifen, denn schlechter wird es bestimmt nicht. Sollte ich jemals in den Genuss kommen, diese Tropfen zu probieren, werden sie natürlich auch dann hier in Sonderausgaben der Reihe besprochen werden.

Bis dahin hoffe ich, jedem Gaumen und jedem Anwendungsgebiet dieser edelsten aller griechischen Spezialitäten gerecht geworden zu sein. Stoßen wir zusammen an und freuen uns des Lebens, mit einem lauten γεια μας!

Darfs auch ein bisschen stärker sein? Revolte Overproof Rum

Der Alkoholgehalt einer Spirituose – ein oft missverstandenes Faktum. Redet man mit Schnapslaien über Hochprozentiges, stösst man oft auf Sätze wie „40%? So starkes Zeug mag ich nicht, das verbrennt einem ja den Mund“. Redet man dagegen mit Profis, geht es mehr in die Richtung von „40%? Ne, so wässriges Zeug mag ich nicht, das schmeckt ja nach nichts“.  Aktuell beliebt bei Verkostungsprofis sind Werte um die 46%, wenn man nicht eh schon in Richtung Cask-/Barrel-Strength geht und damit schnell in die mittleren Fünfziger oder höher vorstößt.

Die magische 40%-Grenze ist für viele Spirituosen darüberhinaus der Trenner zwischen Massenprodukt, das sich aufgrund der Branntweinsteuer gern an den unteren erlaubten Grenzwerten orientiert (jedes Prozent Alkohol kostet extra!), und hochwertigem Qualitätsprodukt, das sich aus Geschmacksgründen lieber ein paar Grad mehr gönnt. Wer es nicht glaubt, sollte es probieren: Da Alkohol Geschmacksträger ist, empfehle ich ganz klar zu den höherprozentigen Versionen zu greifen, wenn erhältlich. Die dabei vielleicht hinderliche Angst vor der großen Zahl ist unbegründet, denn bei guten Spirituosen zwicken auch 50% kaum, und ich kenne viele Produkte, die mit 55% milder wirken als die meisten Fusel von der Tanke mit 37,5%.

Natürlich kann man das ganze noch steigern. Mit dem Revolte Overproof kann man im Freundeskreis bestimmt das eine oder andere verdutzte Gesicht ernten, wenn die Stärke von 60% bekannt gegeben wird. Overproof-Rums sind eine gesonderte Kategorie in der Rumwelt – dabei ist eben der Alkoholgehalt das einzig definierende Kriterium für diese Kategorie (und vielleicht noch dass der Großteil dieser Rums dabei ungereift ist). Viele dieser überstarken Rums erleiden das Schicksal, automatisch gleichzeitig in die Kategorie der „Mixer“ eingeordnet zu werden; eben um sich diesem Automatismus zu entziehen verkosten wir nun den Revolte Overproof pur.

Revolte Overproof Rum

An der Farbe, die sich dank der dunklen halbtransparenten Flasche erst beim Eingießen zeigt, gibt es bei weißem Rum natürlich nicht arg viel zu diskutieren. Ölig liegt der Revolte Overproof im Glas. Lange, schmale Beine laufen am Glasrand ab. Der Geruch ist wuchtig und stark esterig, verströmt sich schnell schon nach dem Öffnen der Flasche. Banane, Ananas, Papaya. Dabei aber keine stechende Ethanolnote, trotz der 60% Alkohol.  Attraktiv, aber sehr süß, und ein leichter Zersetzungsgeruch wie stark überreifes Obst: im positiven Sinne ist das zu verstehen, natürlich.

Beurteilen wir den Geschmack zunächst pur, wie der Rum aus der Flasche kommt, ohne Wasser. Die optisch wahrgenommene Öligkeit überträgt sich in den Mund; ebenso die olfaktorisch wahrgenommene Fruchtigkeit. Wie schon beim normalstarken Revolte Rum ist auch hier eine deutlichst erkennbare Nähe zum Obstbrand spürbar. Erneut schmecke ich persönlich Birne und Pflaume. Würziger Kandiszucker. Wer Angst vor der potenziellen Gewalt hat, die ein Overproof-Rum mit seiner Alkoholstärke mit sich bringen könnte, der sei entwarnt: „Der Alkohol ist gut eingebunden“, wie ein Bekannter von mir dazu sagen würde; man spürt nur eine durchdringende Wärme, wenn der Rum die Kehle runterrinnt. Da ist kein Stechen, kein Brennen, kein Kratzen, sondern nur wohlige Wärme.

Der Abgang ist mittellang, leider etwas flach und vergleichsweise oberflächlich, Obstaromen hängen dafür noch eine Weile länger im Mundraum. Die Süße bleibt erhalten, wandelt sich mit der Zeit in einen milden Eisenton. Ein leicht enttäuschendes Ende für einen sonst tollen, aromatischen Rum. Man merkt halt schließlich doch, dass etwas an der Reife fehlt, die eine Holzreifung mit sich bringen würde. Die einjährige Reifung in Steingut- und Edelstahlfässern ist einfach limitiert in ihrer Leistungsfähigkeit.

Revolte Overproof Glas

Bei meinem folgenden Cocktailrezept, Rum & Cola, mag der eine oder andere erstmal verächtlich aufschnauben, wenn er den Namen hört. Doch wenn man hinschaut, handelt es sich um eine Luxusvariante des beliebten Longdrinks – dabei nicht so süß, sondern eher würzig-bitter. Den Cola-Sirup kann man entweder selbst herstellen, wenn man derart veranlagt ist, oder, wie ich, faul sein und ihn stattdessen im inzwischen riesigen Selbstsprudler-Aromatisierungs-Regal des nächsten Supermarkts erwerben. Der erhöhte Arbeitsaufwand wird aber schon durch den ersten Schluck entschädigt. Der Revolte Overproof gibt den nötigen Bums, und auch die tollen Würz- und Fruchtaromen, die diesen Cocktail trotz des banalen Namens zu einer echten Alternative für Genießer machen.

Rum & Cola


Rum & Cola
1 oz Revolte Overproof
4 oz Sekt (z.B. Fürst von Metternich Riesling Sekt)
1 Teelöffel Branca Menta
¾ oz Cola-Sirup
1 Spritzer Bittermens Xocolatl Mole Bitters
Auf Eis im Glas bauen und leicht umrühren.

[Rezept adaptiert nach Blacktail at Pier A]


Revolte Overproof Rum Detail

Wie schon beim kleinen Bruder dieses Rums, dem Revolte Rum, wird auch hier in Batches produziert. Konnte ein Batch (also eine Produktionscharge) des normalalkoholgehaltigen Rums noch 500 Flaschen hervorbringen, sind es beim Overproof nur noch 333. Die Auszeichnungsmethode wird aber weiterhin beibehalten – handschriftlich ist bei meiner Flasche die Batchnummer „1“ und die Flaschennummer „175“ eingetragen.

Später will ich noch ein paar Tropfen Wasser mit einer Pipette dazu geben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei Rum ein sehr hoher Alkoholgehalt nicht notwendigerweise den Zwang zu Wasser mit sich bringt, wie bei mir persönlich das bei Scotch oder Bourbon der Fall ist; dennoch ist es spanned, die Effekte dieser Verdünnung zu prüfen. Insbesondere bin ich daran interessiert, wie weit sich bei Wasserzugabe die Aromatik des Overproof der des normalen Revolte annähert. Also, schnell ein Vergleichsglas des Revolte Rum (Batch 12), und dazu ein Glas Revolte Overproof, verdünnt 2:1 mit Wasser um auf ungefähre 40% zu kommen, bereitgestellt.

Geruchlich unterscheiden sich die beiden Proben nur in kleinen Details. Der Overproof wirkt minimal kräftiger, körpervoller, weniger mineralisch. Im Geschmack ist der Unterschied deutlicher – hier kommt der würzige Körper des Overproof erkennbar zum Vorschein gegen den kleinen Bruder. Im Abgang ist dann die Sache klar: Der verdünnte Overproof ist sehr viel trockener, würziger, dunkler als der normalstarke Revolte, der in diesem letzten Bereich keine Chance gegen den Overproof hat und fast schon wässrig wirkt im direkten Vergleich – hochinteressant, dass der Abgang beim Overproof mit Wasser wirkungsvoller und unterhaltsamer ist als ohne. Man muss bei derartigen Verkostungen, die nicht blind erfolgen, sehr vorsichtig sein, denn der Wunsch ist dort oft Vater des Gedankens, aber hier bin ich mir vergleichsweise sicher.

Revolte Rum und Overproof

Mein Fazit? Die deutsche Rum-Revolution geht weiter, allerdings lässt das Tempo etwas nach. Ist auch kein echtes Wunder, denn der Revolte Rum war schon etwas wirklich besonderes, neues und überraschendes in der deutschen Spirituosenwelt – da musste es schwer fallen, das noch zu toppen. Der Revolte Overproof ist ein Gewinn für jede Bar, die den normalstarken Revolte Rum noch nicht im Angebot hat – beide braucht es meines Erachtens aber nicht, denn, wie der Vergleichstest mit Verdünnung zeigt, lässt sich ein wuchtigerer normalstarker Revolte auch durch Wasserzugabe aus dem Overproof erzeugen. Ich freue mich weiterhin aber sehr auf den angekündigten, 3 Jahre gereiften Revolte – und auf alles weitere, was die rheinhessische Schnapsschmiede in Zukunft noch für uns in petto hat.

Offenlegung: Ich bedanke mich bei 4finespirits für die kostenlose Zusendung einer Flasche des Revolte Overproof.

Biergeschenke sind immer gern gesehen – Kalea Craft Beer Geschenkbox

Es gibt Leute, bei denen man nie weiß, was man ihnen zu besonderen Anlässen schenken soll, oder als Gastmitbringsel überreichen kann. Da hadert man lange herum, und entscheidet sich dann für einen höchstnutzlosen Deko-Artikel, einen Staubfänger oder sonstigen Kram, über den sich der Beschenkte gekünstelt freut und ihn dann schnell in die Kiste zum anderen derartigen Wohlstandsschrott legt.

Wir Spirituosen- und Bierfreunde sind da anders. Wir sind leicht zufriedenzustellen: Man bringt ne Pulle halbwegs vernünftigen Schnaps mit, oder das eine oder andere Fläschchen gutes Bier, und das reicht schon völlig aus und passt immer, egal welche Gelegenheit. Wenn das ganze dann noch hübsch verpackt wird, kann sich eigentlich keiner beklagen. Der österreichische Anbieter Kalea, in Bierfreundkreisen hauptsächlich wahrscheinlich durch die Bieradventskalender in verschiedenen Editionen bekannt, springt nun in diese Nische und bietet Bier in Geschenkboxen an: die Kalea Craft Beer Sammelbox soll selbst die eh schon viel kleinere Hürde, die Schenker bei uns noch überwinden müssten, abbauen helfen.

Kalea Beer Box Blechdosen

In jeder der Blechboxen sind 4 Flaschen Bier zu je 0,33l enthalten, und es gibt 6 unterschiedliche Designs. Die Boxen werden wohl immer unterschiedlich befüllt, so dass man sich durchaus auch mehrere davon zulegen kann. Ein Verkostungsguide mit Bewertungshilfe liegt jeder Box ebenso bei, der ein mögliches Vorgehen bei einer Bierverkostung beschreibt, ein bisschen Grundwissen über Bierstile vermittelt und ein paar Vokabeln für den angehenden Privatbiersommelier vorgibt.

Kalea Beer Box Flaschen

Persönlich habe ich nicht so viel an diesen Blechboxen, die sind hübsch gemacht, aber mir bringen sie eigentlich nichts. Der Hersteller wirbt mit einem möglichen Sammelwert; dieser ist aber meines Erachtens rein theoretischer Natur. Egal, das wichtige und wirklich wertvolle an diesen Geschenkboxen ist auch der Inhalt, und der ist umso bemerkenswerter. Enthalten waren in den zwei Boxen, die ich zu Hause habe, die folgenden Biere. Eine Kurzrezension zu jedem sollte einen groben Einblick in das jeweilige Bier geben. Vorab kann ich aber schon betonen – bei Kalea bekommt man nicht, wie bei vielen anderen Anbietern dieser Art von Biersammlungen, langweilige Industriebiere, die man eh an jeder Ecke erwerben kann, nein, es sind hochwertige Qualitätsbiere, meist von kleineren lokalen Brauereien. Genug der Vorrede, stürzen wir uns nun ins Biergetümmel.

Hohenthanner Schlossbrauerei Kellerbier Hell
Ein helles Kellerbier aus Niederbayern. Schönes, blasses Zitronengelb; nur wenig Schaum, ebenso die Perlage. Natürlich starktrüb, wie ich es vom Kellerbier erwarte. Hellzitrusfruchtig ist die Nase, dazu leicht blumig, wahrscheinlich stammend vom Hallertauer Tradition und Tettnanger Hopfen, sehr frisch und leicht der Geschmack. Mild und fast schon zart, mit 5,0% Alkoholgehalt, dabei aber sehr rezent – eine tolle Kombination. Kurzer, feinherber Abgang. Mir gefällt diese Art von klassischen, leichten Bieren sehr – sie fühlen sich trotz der althergebrachten Methode sehr modern an.
Hohenthanner Schlossbrauerei Kellerbier Hell
Kalea Bad Santa Christmas Special
Ein Festbier der österreichischen Brauerei Schnaitl, abgefüllt als Weihnachtsbier für den Produzenten der Bierboxen, Kalea. Dunkle Farbe, leichte Trübung, schöne Schaumentwicklung beim Eingießen. Kräftiger, sich verströmender Malzgeruch, milde Hefe, minimal Metall. Weich und cremig im Mund, leicht metallisch, schön malzig, mildhopfig. Angenehm rezent. Im Abgang bitterer, ohne kantig zu werden. 6,4% Alkohol. Ein gelungenes Bier für die Festtage, von dem man gern mehrere Flaschen im Haus hat für Gäste.
Kalea Bad Santa
Zwönitzer Stout
Ein Stout aus dem Erzgebirge. Völlig blickdicht, espressobraun und mit einem feinen Crema-Schaum. Praktisch keine Perlage – dennoch sehr rezent und erfrischend. Metallisch im Geruch, ist das Zwönitzer Stout im Antrunk eher wässrig und süß, und weist dafür später eine schöne, kräftige Bittere mit viel Malzcharakter auf. Mittellanger Abgang mit viel Kaffeearoma. Insgesamt trotz der Farbe ein sich eher leicht anfühlendes Bier, das mit 5,1% Alkohol auch nicht zu wuchtig daherkommt. Gefällt mir gut und ist für mich persönlich eine perfekte Alternative zu den altbekannten irischen Stouts wie Guinness.
Zwönitzer Stout
Weissbräu Schwendl Schalchner Ursprung
Bayerisches Weißbier aus Schalchen. Schöne, kräftige Farbe bei starker Trübung. Feinporiger Schaum – wirkt insgesamt sehr typisch. Geruchlich ist da Banane, milde Würze und Hefe. Im Mund sehr cremig, angenehm rezent, vollmundig und rund. Süßlich auch im Abgang, mit leichter Adstringenz am Gaumen und deftiger Würzigkeit. Mit 5,8% ordentlich für ein Weißbier, das sich hinter keinem der großen Namen verstecken muss – im Gegenteil.
Schalchner Ursprung
Crew Republic Drunken Sailor IPA
Für dieses Bier verweise ich gern auf meine bereits vorhandene, ausführliche Rezension.
CREW Republic Drunken Sailor IPA Glas
Herrnbräu Jubiläums-Sud
Naturtrübes, dunkles Kellerbier aus Ingolstadt. Schöne, dunkle und dabei strahlende Farbe. Persönlich würde ich es allerdings nicht als trüb bezeichnen und ohne Vorwissen auch nicht als Kellerbier erkennen. Sehr zurückhaltender Geruch, nach Malz und Cola, etwas Zitrone. Geschmacklich sehr viel intensiver – malzig, süßlich und dabei doch dunkelwürzig. Wunderbar rezent. Trocken und mildbitter im Abgang. 5,6% Alkohol – ein unterhaltsames Bier für Zwischendurch oder perfekt zum Essen.
Herrnbräu Jubiläums-Sud
McGargles Uncle Jim’s Stout
Ein irisches Stout, gebraut nach dem DRHG (nicht, dass es mir wirklich was bedeuten würde, im Gegenteil, aber in Deutschland muss man scheinbar damit werben, selbst wenn das Bier gar nicht hier gebraut wurde). Getrunken mit den empfohlenen 6°C ist das Stout auch gut erfrischend, und mit 4,5% Alkohol eher leicht – eine gute Kombination. In der Nase findet man Kaffee, Cola und Hefe; im Mund eine dunkle Espresso-Bittere, dazu aber einen leichten Körper. Der Abgang ist lang und trocken. Gut trinkbar und süffig – ein schöner Einstieg in diesen für viele Deutschen ungewohnten Bierstil.
McGargles Uncle Jim's Stout
Aktienbrauerei Kaufbeuren Hell Das Blaue
Ein Helles aus dem Allgäu am Ende dieser Verkostung. Wie der Name schon sagt ist das Bier hell, mit leichter Trübung. Starke Perlage, dennoch kaum Schaum. Hopfighefigherb im Geruch, leicht, süßlich und mildbitter im Geschmack. Sehr kurzer Abgang. Ein äußerst unauffälliges Bier, das man als Durstlöscher schnell wegziehen kann, für den interessierten Genuss aber nur mäßig geeignet ist. Aber es muss ja nicht immer Kaviar und Schampus sein, manchmal ist man auch mit einem Glas Wasser glücklich. 5,0% weist das Blaue auf.
Aktienbrauerei Kaufbeuren Hell Das Blaue

Insgesamt bekommt man, wie auch schon beim letztjährigen Bieradventskalender von Kalea, hier eine schöne Auswahl deutschen und österreichischen Qualitätsbiers, an das man sonst nur mit Mühe herankäme. Mir gefällt auch die Mischung aus Bierstilen – von Kellerbier über Stout bis hin zu Weißbier ist was für jeden Geschmack dabei. Dazu bekommt man ein paar attraktiv gestaltete Blechdosen, die man nachher für andere Zwecke benutzen kann: Ein lohnenswertes Paket für jeden Bierfreund, oder eine schöne Idee als Mitbringsel für einen solchen.

Offenlegung: Ich danke Kalea für die kostenfreie Zusendung dieser zwei Geschenkboxen.

Der Hinterhof hat ausgedient – Original Floyd’s 55 Moonshine

Vor kurzem jährte sich ein großer, gewichtiger Feiertag für alle, die sich für die Barwelt interessieren: Der Repeal Day. Am 05. Dezember 1933 endete in den Vereinigten Staaten von Amerika die Prohibition, und das Land, das 13 Jahre gezwungenermaßen im Krieg mit dem Teufel des Alkohols gewesen war, ergab sich wieder dem Suff. So ganz auf dem Trockenen hatte es aber eigentlich auch in diesen Jahren nie gelegen: Alkoholschmuggler sorgten mit kanadischem Whisky für die Stillung des allerschlimmsten Dursts, und Schwarz- und Geheimbrenner mussten sich eh nie Sorgen um Nachschub mit Hochprozentigem machen.

Letztere sind bis heute natürlich weiterhin aktiv, und produzieren einen ungereiften Schnaps, der in den USA passend zur allgemeinen Herstellungsuhrzeit Moonshine genannt wird, vorbei an Zoll- und anderen Regierungsbehörden. Original Floyd’s 55 Moonshine trägt den vielversprechenden Untertitel des „stärksten legalen Moonshine der Welt“. Über die Sinnhaftigkeit dieser Aussage kann man trefflich streiten – „legaler Moonshine“ ist schon ein Oxymoron, und da die Kategorie des Moonshine nur eine informelle, ungeregelte ist, gibt es auch keine Grenzen, an die man sich als Brenner halten müsste, weswegen das Attribut der höchsten Alkoholstärke auch willkürlich ist. Wenn man etwas deutlicher werden will:  Wir haben hier eigentlich keinen Moonshine vor uns, sondern eine Form des White Dog, oder Whiskey New-make. Braucht man demzufolge aber auch keine Angst davor zu haben, hier einem wilden Fusel, der blind macht und für Organversagen sorgen wird, aufzusitzen?

Original Floyd's 55 Moonshine

Über die Farbe des klaren Brands brauchen wir uns natürlich nicht zu unterhalten. Interessanter ist da die Konsistenz – leicht ölig und schwer. Der Geruch ist dann noch viel spannender. Fruchtig, grasig, süßholzig, Tabak, mineralisch mit Anflügen nach feuchtem Beton, eine Aromatik, die ich viel ansprechender finde, als es die Worte und Vergleiche vielleicht ausdrücken.

Auch im Antrunk schießt erstmal die sehr fruchtige Getreidenote vor, dicht und kräftig und sehr körpervoll. Süß und warm wirkt der Floyd’s 55 im Mundgefühl, nach dem ersten Gewöhnungsschluck auch mild und breit: Die namensgebenden 55% Alkohol spürt man kaum. Auch hier ist Beton zu schmecken, und holzige Tabaksnoten. Im Abgang wird es dann doch noch ein bisschen frecher. Er ist sehr lang, feurig, grasig, zungenspitzenbetäubend, trocken und mit erkennbarem Eisenton am Ende, der extrem lange vorhält.

Die Hersteller dieses ungereiften Whiskeys berufen sich auf einen geheimnisvollen „Floyd“, der als Brenner illegalen Alkohols in den amerikanischen Ozark Mountains einen fast schon mystischen Ruf haben soll. Um das Geschmackserlebnis auch in Deutschland verfügbar zu machen, wurde das Originalrezept, das ein paar mutige Explorateure auf ihrer US-Reise von Floyd einsammelten, in Bayern nachgebrannt – legal natürlich.

Original Floyd's 55 Moonshine Rückseite

Nun kann ich die blumige Geschichte natürlich nicht wirklich verifizieren, doch das soll dem ganzen Genuss keinen Abbruch tun. Viele Sprithersteller erfinden Legenden für sich und ihr Produkt, und solange nicht gelogen und betrogen wird, kann ich mit etwas Flair und Storytelling sehr gut leben. Im Endeffekt will ich dann aber über die Story hinaus doch wissen, was ich da im Glas habe. Leider sind die Hersteller dieses deutschen Produkts genauso geheimnisvoll wie es der amerikanische Pate ist; das mag zum Zielimage passen, für mich als Freund der Transparenz bei Spirituosen ist es eher lästig. Gerne würde ich mehr über die Basiszutaten, die Destillierweise und die Lagerung erfahren. Daher habe ich mich an den nordbayerischen Brenner gewendet mit meinen Fragen, und Antworten erhalten.

Beim Floyd’s 55 handelt es sich um ein Destillat aus gemälzter Gerste, die hierfür mit Buchenholz und Torf getrocknet wird. In einer klassischen Pot Still wird doppelt destilliert, nur der Heart Cut wird behalten. In Edelstahlbehältern wird der Brand gelagert, bevor er zur Abfüllung mit Quellwasser auf 55% rückverdünnt wird. Man sieht, da ist nichts mehr amateurhaftes, hinterhofiges im Prozess – das ist eine hochwertige Qualitätsspirituose, hergestellt auf handwerklich professionellem Niveau. Die oben angesprochene Angst vor Fuselstoffen ist damit vom Tisch.

Ein Brand wie der Floyd’s 55 ist ein durchaus interessanter Ersatz für andere weiße Spirituosen in Cocktails; Vodka, Korn oder auch Obstbrand gegen ihn auszutauschen ist ein Leichtes. Die Originalfassung des hier gezeigten The Bitter Moonshiner verlangte beispielsweise eigentlich nach weißem Barbados-Rum. Mit Floyd’s 55 und einem doppelten Amaro-Einsatz bekommt dieser Cocktail eine ganz eigene, sehr blumig-kräuterige Note, die auf den ersten Schluck gewöhnungsbedürftig scheint – mit fortschreitendem Konsum aber immer interessanter und leckerer wird.

The Bitter Moonshiner


The Bitter Moonshiner
1½ oz Original Floyd’s 55 Moonshine
¼ oz John D. Taylor’s Velvet Falernum
½ oz Fernet Branca
½ oz Cynar
1 Spritzer Jerry Thomas‘ Own Decanter Bitters
Mit Eis shaken.
[Rezept abgewandelt nach Inu a Kenas Originalrezept „The Bitter Bajan“]


Wir kennen inzwischen professionelle Produkte, die in einem Einweckglas abgefüllt werden, um sich den Anruch des im Hinterhof in das, was gerade da ist, als Behältnis Abgefüllten zu geben. Hier unterscheidet sich das in zweierlei Hinsicht von vielen Konkurrenzprodukten – erstens hat man hier ein Glas mit Griff, das man nachher gut als rustikales Cocktailglas wiederverwenden kann, und zweitens fehlt leider ein Ausgießer, der einem helfen würde, aus einer so großen Glasöffnung eine halbwegs vernünftige Dosis in ein kleines Trinkglas auszuschütten, ohne die Hälfte daneben zu leeren.

Aber ich will mich nicht wirklich über so ein Fehlen beschweren – wer schon zu etepetete ist, ein bisschen Verlust beim Umschütten zu riskieren, ist vielleicht eh nicht in der passenden Zielgruppe für einen Moonshine. Ich empfehle aber trotzdem eine Pipette, um den Schnaps ins Trinkglas zu transportieren.

Insgesamt ist der Floyd’s 55 ein schönes Gesamtpaket für den an ungewöhnlichen Spirituosen Interessierten. Bei 18€ für 375 Milliliter bewegen wir uns für diese Art der Trendspirituose auch in einem im Vergleich zur amerikanischen Konkurrenz üblichen Preisgefüge; erhältlich ist er im DMAX-Onlineshop.

Offenlegung: Ich danke dem DMAX-Shop für die kostenfreie Zusendung eines Glases des Original Floyd’s 55 Moonshine.

Mit einem Krug Wein zwischen den Blumen, Teil 1 – Hongxing Erguotou 红星二锅头

Ein frohes neues Jahr allen Lesern meines Blogs. 2017 wird ein spannendes Jahr für alle Freunde des Ungewohnten, Liebhaber des Exotischen und anderweitig an nicht alltäglichem Interessierten. Etwas Mut und Experimentierfreude wird, das kündige ich direkt an, erforderlich sein für die, die sich mit mir auf die Reise nach Osten machen und das Jahresprojekt Baijiu mit mir angehen wollen. Ich nenne diese Reihe in 12 Teilen, von der jeden Monat eine neue Installation erscheinen wird und die sich mit diesem chinesischsten aller chinesischen Lebensmittel beschäftigt, „Mit einem Krug Wein zwischen den Blumen“, in Anlehnung an die ersten Zeilen des Gedichts 月下獨酌 eines der berühmtesten Dichter Chinas, Li Bai, hier zitiert in der Übersetzung von Reinhard F. Hahn.

Aus einem Krug Wein, der bei mir unter Blüten stand,
Trank ich allein – niemand weit und breit außer dem Mond.
Da erhob ich meinen Becher und bat den hellen Mond,
Er solle meinen Schatten zum dritten Kumpanen machen.
©2005 Reinhard F. Hahn

Li Bai kannte in seiner Lebenszeit während der Tang-Dynastie (618 bis 907) wahrscheinlich noch keinen Baijiu, wie wir ihn heute trinken, obwohl die Geschichte dieses klaren Schnapses (dies ist auch die wörtliche Übersetzung des Begriffs 白酒 „baijiu“) bis weit in die alte chinesische Historie zurückgeht.

Kommen wir zu Beginn dieser Reihe von den Höhepunkten fernöstlicher Dichtkunst zurück auf den prosaischen Boden der Tatsachen, und sprechen die Wahrheit klar aus. Der erste Baijiu, den ich hier präsentieren will, ist ein absolutes Basisprodukt. Ein Schnaps für den einfachen Mann, wie manche sagen; eine Spirituose für die Massen. Er ist sehr billig in China, nur unwesentlich teurer als Cola. Die Oberschicht gibt sich damit nicht mehr ab, sie trinkt die für die meisten Chinesen unbezahlbaren großen Marken wie Moutai oder Wuliangye, oder aber immer mehr auch westliche Spirituosen wie Whisky. Die Zahlen sprechen allerdings für sich: Der Hongxing Erguotou (oft auch teilanglisiert Red Star Erguotou) ist einer der meistverkauften Baijius Chinas – und damit eine der meistverkauften Spirituosen der Welt. Einige Quellen sprechen sogar davon, dass diese Marke 25% allen Schnapskonsums der Welt bedient. Das allein ist eigentlich schon ein Grund, warum jeder Spirituosenfreund ihn einmal probieren sollte, oder?

Hongxing Erguotou 红星二锅头

Ein paar weitere einleitenden Worte sind bei einem durchaus fremdartigen Produkt durchaus angebracht; denn während wir die grundlegenden Eigenschaften und Kategorisierungen bei Whisky, Tequila und Rum inzwischen doch recht gut kennen, ist dies bei Baijiu aller Wahrscheinlichkeit nach nicht der Fall. Diese Übung wird bezüglich verschiedener Themen ebenso über die einzelnen Artikel dieser Serie verteilt sein.

Beginnen wir hier mit einem sehr kurzen Sprachexkurs – wie spricht man die Worte, die wir hier verwenden aus? „Baijiu“ selbst ist noch einfach – das „j“ wird im Pekinger Dialekt des Mandarin, was als Hochchinesisch angesehen wird, als irgendwo zwischen“ds“ und „dsch“ ausgesprochen, also hätten wir hier die deutsche Aussprache „bai-dschiou“, wobei das „iou“ am Ende ineinander übergeht und kurz gehalten ist (wie die britische Aussprache des Worts „new“). Die vorliegende Marke „Hongxing“ würde ich mit meinen vertieften Anfängerkenntnissen des Chinesischen leicht vereinfacht als „hung-sing“, die Baijiu-Kategorie „Erguotou“ als „ar-gwo-tou“ aussprechen. Die Bedeutung ist als im übertragenenen Sinne als „zweite Destillation“ zu verstehen, was man im westlich-anglophilen Sprachgebrauch gern den wertvollen“heart cut“ nennt (im Gegensatz zum Vor- und Nachlauf, der in jeder Brenntradition als minderwertig betrachtet wird).

Bei Erguotou handelt es sich um Baijiu mit „leichtem“ Aroma (清香 qīngxiāng), einer der vier Hauptgruppen der Baijiu-Aromatik; diese ist besonders in Nordchina beliebt und verbreitet. Der Geruch lässt die westliche Langnase zunächst leicht verdattert zurück: Man riecht ein wildes Gemenge aus Sojasauce, Weinessig, vergorenem Apfelsaft, überreifen Erdbeeren, dunklem Malz, Lösungsmittel und Gummihandschuhen.

Wie bei vielen Baijius hält man diesen als Anfänger besser nicht zu lang im Mund; sonst kommen die Extreme zum Vorschein. Die Säure und die Würze schlagen dann voll zu und explodieren fast. Bei kürzerem Mundaufenthalt fühlt sich der Hongxing Erguotou süßsauer, würzig, salzig, grasig und sehr stark umami an. Eine interessante Mischung aus Schnaps und Fleischsuppe. Der Abgang macht vieles dessen wett, was er dem ungeübten Gaumen zuvor angetan hatte – jener ist angenehm, salzig-würzig, warm und mittellang.

Tatsächlich kann der Red Star Erguotou ein Einstieg in die Welt der Baijius sein, einer, bei dem man nicht direkt schon auf der Schwelle stolpert und auf die Nase fällt. Er ist erkennbar ein typischer Baijiu, dabei aber noch nicht so spezialisiert, dass der westliche Gaumen dabei allzusehr überstrapaziert werden würde.

Den Cocktail, den ich hier nun vorstelle, hatte ich beim Bloggerkollegen galumbi.de entdeckt. Im Original heißt er Guna-Guna, und wird mit Batavia Arrak hergestellt. Da sich das Geschmacksbild mit Erguotou doch etwas ändert (und ich noch ein paar subtile Änderungen vorgenommen habe), ist eine Namensänderung angebracht. Um nah am Original zu bleiben, habe ich mir eine chinesische Phrase ausgesucht, die lautlich ähnlich klingt – 滚!滚! Herauszufinden, was sie bedeutet, überlasse ich dem Leser als Übungsaufgabe – ich empfehle als Recherchematerial das sehr unterhaltsame Sprach- und Lebenshilfebuch Dirty Chinese. Ausgesprochen wird sie jedenfalls Gun!Gun!, und ich hoffe, niemand fühlt sich dabei angesprochen was die Besuche meines Blogs angeht.

滚!滚! (Gun!Gun!)


滚!滚! (Gun!Gun!)
¾ oz Red Star Erguotou
¾ oz Fernet Branca
¾ oz Kaktusfeigenlikör
¾ oz Zitronensaft
¾ oz Orgeat
Auf Eis shaken. Auf Crushed Ice servieren, dann noch…
2 Spritzer Celery Bitters
…obenauf floaten.
[Rezept adaptiert nach Jason Walsh’s „Guna-Guna“]


Ich habe diesen Drink eigentlich unnötig exotisierend in einer Horngurke (Kiwano) zubereitet. Dazu schneidet man die Horngurke einfach oben auf und höhlt sie mit einem Esslöffel aus. Das Fruchtfleisch ist sehr lecker und kann entweder einfach so verspeist, oder entsaftet und für einen anderen Cocktail eingesetzt werden. Egal, woraus er getrunken wird – diese faszinierende Mischung aus umami– und Fruchtgeschmäckern ist superlecker. Und es sagt viel über den Erguotou aus, dass man ihn selbst gegen die Konkurrenz von 4 anderen, gleichdosierten Zutaten sehr deutlich herausschmecken kann – das ist kein Weichei, sondern ein Jürgen Kohler der Spirituosenwelt.

Nächsten Monat folgt Teil 2 der Reihe „Mit einem Krug Wein zwischen den Blumen“, und dort werden wir dann ein Exemplar einer anderen Aromatik-Gattung innerhalb des Baijiu betrachten. Bis dahin sollte weiterhin mit Erguotou trainiert werden, denn so vergleichsweise einfach wie hier wird es dann für den westlichen Gaumen nicht werden… also zügig 干杯!