Ein Aldi-Markt ist direkt in kurzer Gehweite von mir, darum kaufe ich dort manche Dinge ein, bei denen mir ein günstiger Preis relevanter ist als eine übermäßig hohe Qualität. Auf dem Weg durch den Discounter laufe ich immer direkt zu Beginn an einem Spirituosenregal vorbei, und ich kann einfach nichts dagegen tun, dass meine Augen immer gierig über die dort aufgestellten Flaschen streifen. Nun sind Spirituosen bei mir ganz gewiss nicht in der Kategorie, bei denen mir Günstigkeit wichtiger ist als Qualität – es sind Genussmittel, und darum dürften sie es eigentlich bei niemandem sein. Dennoch gibt es offensichtlich Bedarf für hart kalkulierte Schnäpse, selbst in einem Segment, das man normalerweise mit edlen Bränden assoziiert: Cognac.
Eines Tages hatte Aldi mich, und ich ergab mich der geschickten Platzierung, und legte eine Flasche des Arc Royal VS Cognac in den Einkaufswagen. Man muss als Spirituosenblogger auch hin und wieder den Blick nach unten richten, in die Niederungen der Schnapswelt, um nicht das Gesamtbild aus dem Auge zu verlieren und Einordnungspunkte zu behalten; wer immer nur seltene Einzelfassabfüllungen trinkt, hat zwar ein schöneres Leben, läuft aber Gefahr, solide Basisprodukte abzuwerten, einfach weil man nicht mehr weiß, dass es auch noch drunter geht. Man kann bei dem Preis von 12€ zudem nicht viel falsch machen, dachte ich mir, und immerhin hat der Arc Royal VS sogar 2018 eine DLG-Gold-Prämierung erhalten, wenn das auch nur winzig und kaum lesbar auf dem Etikett versteckt ist. Oder kann man doch?

Die Farbe ist hell und geht ins Ocker über, mit vielen hellen Reflexen. Eine gewisse Trägheit ist beim Schwenken im Glas erkennbar, schmale Beinchen mit dicken Köpfchen laufen langsam danach ab.
Der Geruch ist zunächst fruchtig, Aprikose, Mango, eine leichte Beerigkeit vielleicht. Schnell kommt ein Blütenbouquet dazu, Rosenblätter, etwas Schwarzteewürze. Leider wird das dann durch eine sehr prägnante Alkoholnote überdeckt, die sowohl in der Nase zwickt als auch die Aromen beinahe vollständig plattmacht; danach ist der Eindruck recht neutralalkoholisch.
Vom Antrunk an wirkt der Aldi Arc Royal VS flachbrüstig und schwach, das Mundgefühl ist dünn und hat weder Breite noch Tiefe. Eine gewisse Süße ist da, auch diese aber wirkt oberflächlich. Dezente Fruchtaromen nimmt man zunächst noch wahr, doch wie schon in der Nase holt sie aber schnell der trockene, neutrale Alkohol ein – der für eigentlich gemäßigte 40% einfach zu stark spürbar bleibt. Milde Bittere und eine leichte Salzigkeit können sich dann ohne Widerspruch breitmachen und definieren das Gesamtbild.

Der Abgang ist aromatisch kurz, aber vom adstringierenden Effekt mittellang, doch leider klingt außer ein paar Jasminnoten nur ein metallischer Blutton nach. Der Cognac hinterlässt einen mild betäubten Gaumen, und einen ratlosen Tester, der sich nun überlegen muss, was er mit der Flasche tun soll.
Für den Purgenuss ist er völlig ungeeignet, und auch in Drinks, die einen vernünftigen Cognac verlangen, kann man den Aldi Arc Royal VS nicht einsetzen, der geht selbst gegen die leichtesten Mitzutaten unter. Ich weiß es, ich habs ausprobiert – darum kann ich höchstens etwas empfehlen, in dem der Cognac als reiner Fond arbeitet, um etwas alkoholische Stärke mit wenigstens leichtem Weinbrandgeschmack einzubringen: ein The Chatham Hotel Special. Natürlich könnte dieser auch von besserem Cognac profitieren – hier ist es aber nicht ganz so zentral.

The Chatham Hotel Special
1½ oz Brandy
½ oz Ruby Port
½ oz Sahne
1 Spritzer Dunkle Crème de Cacao
Auf Eis shaken.
[Rezept nach Ted Haigh]
Nun, wahrscheinlich darf man einfach nicht viel erwarten bei einem Preis von 12€ und dem Erwerbsort. Dennoch ist das ein interessantes Lehrstück gewesen – es ist immerhin ein Cognac, und diese Kategorie hat eigentlich gewisse Qualitätskriterien selbst für niedrigste Qualitätsstufen. Was man hier sieht ist, dass man selbst bei derartig strengen Regeln dennoch billige, meiner Meinung nach minderwertige, Ware herstellen kann für den unanspruchsvollen Massenmarkt. Vielleicht ist das ein Entgegenkommen der Kontrollorgane, denn nicht jedes Destillat erreicht eben die Qualität, die es weiterzureifen lohnt. Ich hoffe daher ehrlich nicht, dass Produkte wie der Arc Royal VS das alleinige Ziel eines Cognacbrenners sind (der hätte seine Berufung verfehlt), sondern eher eine Möglichkeit, seinen Ausschuss noch halbwegs ohne Verluste loszuwerden.
Wer einen Weinbrand zu sehr günstigem Preis sucht, greife statt zu einem Cognac, wo man bei diesem Preis konsequent in der untersten Qualität landen muss, einfach zu einem guten deutschen Weinbrand wie dem Asbach Privatbrand, der nur wenig teurer dafür Welten besser ist, oder einem italienischen Brandy. Bei Aldi jedenfalls verpasst man nichts, wenn man beim Arc Royal VS meinen Leitspruch der Artikelüberschrift einhält.







Beginnen wir mit dem Bold – da erwartet man schon vom Namen her etwas Schweres, Wuchtiges, was die irische Whiskywelt ja durchaus zu bieten hat. In der Nase wundert man sich dann bereits: Sehr viel Vanille, ein erkennbarer Lackton dazu. Kaum sonst etwas. Das Mundgefühl eines irischen Whiskys ist für mich immer besonders angenehm, und hier enttäuscht der Bold auch nicht, cremig, weich, vollmundig. Dennoch sind 40% Alkoholgehalt hier definitiv zu wenig, um viel Charakter verleihen zu können. Der Bold hat eine gewisse Funkigkeit, die ich dem Pot-Still-Anteil zuschreibe, der aber in der restlichen Belanglosigkeit untergeht, vanillige Holznoten sind auch schon das höchste der Gefühle. Der Abgang passt sich dem an, kurz, warm, metallisch, nichtssagend.
Lively, also „lebhaft“, soll der nächste der drei Brüder sein. Passt der Name hier besser? Die Nase ist getreidig, etwas Karton schimmert durch. Erfreulich viel Frucht gefällt mir, ansonst bleibt der Geruch zurückhaltend. Auch im Geschmack dringt die Frucht schön durch. Grain Whiskey scheint hier laut Produktbeschreibung den Hauptbestandteil zu bilden, und man schmeckt die milde Süße und feine Fruchtaromen gut heraus. Der Lively zeigt alle Stärken und Schwächen eines Grain Whiskeys in konzentrierter Form: Eine wunderbare Süße, eine sehr angenehmes Mundgefühl, aber gleichzeitig eine enttäuschende Oberflächlichkeit und aromatische Kürze. Vor allem ist der Abgang so kurz geraten, dass man arg überlegen muss, ihn überhaupt zu erwähnen – nichtexistent ist er, so hart das klingt.
Mit der Benamung gab es ja wenig Glück, ist der Round dann wenigstens rund? In der Nase ist auch hier erstmal hauptsächlich viel Vanille. Diese taucht auch im Geschmack deutlich auf, dazu wird der Round leicht salzig, hat ausgeprägte Holznoten, ich meine auch, Gewürze wie Kardamom und Zimt zu entdecken. Ganz spät punktet der Round dann noch mit einem schönen Abgang, der wenigsten über „kurz und nichtssagend“ hinausgeht – mittellang, toll würzig und warm. Gefällt mir persönlich schonmal sehr viel besser als der Bold, der dagegen, trotz seines Namens, wie ein zartes Lämmchen wirkt. Ich hätte die Benamung der beiden getauscht, aber mich frägt man ja nicht. Persönlich gefällt mir dieser Whisky von den drei Brüdern am besten, er hat endlich den Charme, den ich bei den anderen vermisse.












