Bier am Freitag – Westmalle Trappist Extra, Dubbel und Tripel

Zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Artikels weilte ich gerade in Brüssel und verkostete für den Spirituosenwettbewerb Spirits Selection by Concours Mondial de Bruxelles Schnäpse im Dutzend. Und das eine oder andere belgische Bier rann dabei abends sicher auch meine Kehle hinunter – ich liebe das Land für seine eigenständige, extrem lebendige Bierkultur. Trappistenbiere sind dabei ein wichtiger Bestandteil. Als ich neulich in einem Supermarkt in Saarbrücken mit dem Westmalle Extra ein mir noch unbekanntes Familienmitglied dieser Bierfamilie sah, dachte ich, das ist eine guter Anlass, die ganze Serie Westmalle Trappist Extra, Dubbel und Tripel zu besprechen.

Westmalle Trappist Extra, Dubbel und Tripel

Beginnen wir auch direkt mit dem auch mir neuen Westmalle Trappist Extra. Was ich rein von außen, bei Betrachtung der Etiketten, schonmal gut finde: das Abfülldatum ist auf der Flasche angegeben; für Bierfreunde eine wertvolle Information. Der Alkoholgehalt ist mit 4,8% für ein belgisches Bier erstmal niedrig angesetzt. Ein außergewöhnlich schöner Schaum entsteht beim Eingießen – eine herrlich hübsche Blume aus feinblasigem Schaum, die auch nach einigen Minuten nicht zusammenfällt und auf dem Bier stehen bleibt. Sie wird durch sehr ausgeprägte Perlage gespeist, man sieht wirklich Milliarden und Abermilliarden von feinsten Bläschen, die fast schon eine Fläche bilden, und dadurch das eh schon naturtrübe Blassgold noch dichter machen.

Westmalle Trappist Extra

Die Nase ist getreidig, fast schon holzig, würde ich sagen, mit leichter Erdigkeit und deutlicher Hopfenbittere – da ist kaum Aromahopfen drin, ein klassischer Biergeruch. Etwas milde Frucht liegt trotzdem drin, aber nur in Mikrodosierung. Die Nase ist, insbesondere bei guter Kühlung, damit unauffällig. Der Geschmack punktet dagegen direkt sehr, hier findet sich auch eine getreidige Würze, die an ein Helles erinnert: klar, sauber, ohne allzuviele Beigeschmäcker. Ein sehr direktes Bier, das trotz der Sauberkeit ein volles Mundgefühl hat, und eine hin und wieder gefühlte Süße mit knackiger, frischer Säure überspielt. Sowohl dadurch, als auch durch die schon angesprochene Perlage, ist das Westmalle Extra sehr rezent. Am Ende kommt eine effektive, kräftige Hopfenbittere auf.

Ein sehr schönes Bier, unkompliziert, frisch und leicht, das sich extrem süffig trinkt; und dabei trotzdem eher in die Kategorie „Genussbier“ fällt. Ideal für den heißen Sommer (wenn er dann nächstes Jahr kommen sollte)!

Das Westmalle Trappist Dubbel fällt dann rein optisch in eine ganz andere Kategorie – da ist schwarzbraune Blickdichte angesagt, und eine schön feinblasige Crema darauf, die sich einige Minuten gut hält. Geruchlich ist der Unterschied nicht ganz so deutlich, das Bier hält sich zurück, was Aromen angeht, eine leicht metallische Note, etwas Malz, ein Anflug von Hopfen, der minimale Fruchtigkeit mitbringt.

Westmalle Trappist Dubbel

Im Mund dagegen zeigt sich das dunkle Dubbel weniger zahm, direkt ist da eine kräftige Säure, die zusammen mit leichten Röstaromen den Gaumen aufmischt. Die Textur ist voll und schwer, doch durch die Säure und die sehr hohe Karbonisierung wirkt das Bier dennoch sehr frisch und trotz der Farbe auch irgendwie helltönig. Hier kommt auch eine milde Blumigkeit zum Vorschein, die paradoxerweise zur sehr ausgeprägten Trockenheit passt, die sich im Abgang dann noch zeigt. Mit 7% Alkoholgehalt haben wir hier schon etwas, was man am Ende des Biers dann spürt.

Das Westmalle Trappist Dubbel ist für mich ein klassisches Go-To-Bier, das ich immer mitnehme, wenn ich es irgendwo sehe. Es macht mir richtig viel Vergnügen: Einer meiner Lieblingsbelgier.

Kommen wir zum Stärksten des Trios – im Westmalle Trappist Tripel sind immerhin ordentliche 9,5% Alkohol eingebaut. Auch hier ist die optische Erscheinung über jeden Zweifel erhaben, eine leuchtende eidottergelbe Farbe, naturtrüb, mit explosiver Schaumentwicklung beim Eingießen. In der Nase machen wir eher einen Sprung zurück zum Extra, getreidig, metallisch, feuchter Kies, milde Bitterhopfentöne.

Westmalle Trappist Tripel

Wenn man sich durch den Schaum gekämpft hat, liegt eine sehr satte Textur im Mund. Rund, voll, mit initialer Süße wirkt das sehr attraktiv. Schnell holt aber Säure und Bittere das ein, bringt Komplexität im Eindruck, wenn auch nicht in der Aromatik: Es ist festzuhalten, dass alle drei Westmalles eher Texturbiere denn Geschmacksbiere sind. Dennoch ist das für mich ausgesprochen gut gemacht. Im Verlauf zeigt sich doch noch Aroma, eine sehr schöne Jasminblumigkeit entsteht und diese hängt im Abgang dann auch sehr lange nach. Sehr rezent ist das Tripel von Anfang bis Ende, bei der Frische muss man aufpassen, dass man nicht zuviel davon trinkt, gerade in der Sonne, wo so ein Bier herrlich wirkt, knallt das dann ganz gewaltig durch die Alkoholstärke, die man kaum spürt.

Im Endeffekt bin ich unendlich froh, dass ich an diese drei belgischen Trappisten hier bei mir so leicht herankomme – der Edeka in der Mainzer Straße hat sie oft vorrätig, neben vielen anderen Bierspezereien aus aller Welt. Aber, wie schon oben mal erwähnt: Westmalle landet bei aller Experimentierfreudigkeit immer wieder ohne jedes Nachdenken im Warenkorb bei mir. Tolle Biere, kurz und knapp gesagt.

Der Schrecken aus dem Meer – SaarWhisky Cthulhu Dark Herbal Craft Absinthe

Bis heute habe ich den Grusel in sehr angenehmer Erinnerung, der mich befiel, als ich mit den Werken von H.P. Lovecraft in Kontakt kam. Als Teenager verschlang ich seine Kurzgeschichten, Novellen und Romane, las auch alles von seinen Epigonen wie August Derleth, Ramsey Campbell, Brian Lumley, Lin Carter und Clark Ashon Smith, und auch die inhaltlich zum Thema passenden Autoren wie Robert W. Chambers, Thomas Ligotti und Ambrose Bierce waren gute Bekannte für mich. Bis heute klingt auch Mike Oldfields Tubular Bells in meinen Ohren wie ein Soundtrack zu Lovecrafts At the Mountains of Madness, denn ich hatte das in Dauerschleife laufen, während ich den Roman las. Der „Mythos“, so wird die faszinierende Welt genannt, die Lovecraft in seinen Werken erschuf, ist bis heute lebendig in der Darstellung eines unförmigen, chaotischen, nicht beschreibbaren Grauens, das die Menschheit beständig bedroht, ohne dass sie davon weiß – wer es erkennt, zum Beispiel durch die Lektüre obskurer Bücher oder das Entdecken jahrtausendealter Objekte, wird in der Regel wahnsinnig. Wer es nicht so sehr mit dem Lesen alter Bücher aus den 1920er- und 1930er-Jahren hat, kann die Stimmung in Computerspielumsetzungen wie Alone in the Dark oder den Hellboy-Comics von Mike Mignola nachfühlen.

Oder man trinkt den SaarWhisky Cthulhu Dark Herbal Craft Absinthe. Ich gestehe, der erste Kaufanreiz für diesen Absinthe war der Name und die Gestaltung, ich kann an sowas schwer vorbeischauen. Die grundsätzlich sehr positive Erfahrung mit den Spirituosen von SaarWhisky (dazu am Ende mehr) ließ mich aber darüber keine großen Gedanken verlieren. Absinthe ist für viele eine schwierige Spirituose, die Zeit, die der einstige Star der Bohème in unverdienter Klausur verbringen musste, hat dazu geführt, dass man verlernt hat, mit ihr umzugehen. Seit einigen Jahren ist die grüne Fee wieder leicht auf dem aufsteigenden Ast, französische und deutsche Produkte sind zuhauf in hervorragender Qualität verfügbar, allein der absichtlich ruinierte Ruf ist bei weitem noch nicht wiederhergestellt. Um so mehr freut es mich, dass ein lokales Unternehmen sich dem Absinthe so annimmt wie das SaarWhisky tut – zum Beispiel mit einem zweifach destillierten, zweifach mazerierten, komplett in kleinteiliger Handarbeit in einer winzigen Destillerie hergestellten Produkt wie dem, das ich hier nun verkosten will.

SaarWhisky Cthulhu Dark Herbal Craft Absinthe

Aus der Flasche fließt eine grüngelbliche Flüssigkeit, mit einer leichten Trübung, ohne dass aber Partikel sichtbar wären. Laut Hersteller kommt ein Teil dieser Farbe aus einer Zweitmazerierung mit Brombeeren und Wermutkraut – das beworbene Blaugrün sehe ich persönlich allerdings nicht wirklich. Der hohe, aber für klassischen Absinthe absolut nicht ungewöhnliche Alkoholgehalt von 68,3% sorgt dafür, dass sich dicke Beine beim Schwenken bilden, die langsam in Tropfen ablaufen. Im Glas schwappt der Absinthe schwer hin und her.

Die Nase des Cthulhu Dark Herbal Craft Absinthe wirkt stark grasig, sehr prägnant nach in der Dieme schon eine Weile stehendem Heu. Dazu kommen milde Süßholztöne, feinem Anis und dem typischen Geruch des Wermutkrauts. Eine dezente Seifigkeit deutet auf Koriander hin. Ich meine allerdings auch, eine kräftige Fruchtigkeit nach Steinobst zu riechen, Kirschen und Aprikosen vielleicht, ohne, dass diese in der Rezeptur selbst vorhanden wären. Im Gesamtbild wirkt der Absinthe hell und klar, und auch der Alkoholgehalt ist an keiner Stelle pieksend.

Im Mund kommt zuerst eine ausgeprägte Salzigkeit zum Vorschein, die sich über den gesamten Verlauf erhält. Salmiak und Anis entwickeln sich schnell und wuchtig, zusammen mit der Würzigkeit und der leichten Textur hat man ein interessantes Mundgefühl. Sehr mineralisch und krautig, mit Eindrücken von Kies, Algen und grünem Blattschnitt. Eine leichte Süße ist da, die sich mit einer kräftigeren Bittere kombiniert. Die Zungenspitze wird gekitzelt und später anästhesiert, Speichelfluss durch unkratzige Trockenheit und den hier dann spürbaren Alkoholgehalt angeregt. Der Abgang des Cthulhu Absinthe ist pikant, leicht weißpfeffrig, mit einem warmen Gefühl am ganzen Gaumen und der Zunge, vegetal, aber hier nun deutlicher zum Süßen wandernd, mit feinen Lakritz- und Beereneindrücken, die noch eine ganze Weile mit einem mentholischen Effekt nachhallen.

Mit etwas Eiswasser entwickelt sich schnell ein gelblich-dichter Louche, man könnte wirklich, um zum Gruselvokabular zurückzukommen, von einer schwärend-fiebrig-eitrigen Flüssigkeit sprechen. Spaß beiseite, hier bekommt man einen immer noch sehr heuigen, aber natürlich viel milderen Geruchseindruck, geschmacklich noch leicht salzig, aromatisch, erst gegen Ende geprägt von Wermut und Anis, im Gesamtbild sehr angenehm, weich und rund und dann plötzlich halt so gar nicht mehr zum Bild des schleimig-gefährlichen Cthulhu passend. Aber wer würde denn so eine dann daran angepasste grausige Spirituose auch wollen, dazu müsste man mindestens so geistesgestört sein wie Erich Zann.

Ich muss ehrlicherweise sagen – wenn man nur einen einzelnen Absinthe zu Hause haben will (eine verrückte Idee, ich weiß), dann ist der Cthulhu vielleicht nicht die richtige Wahl, das ist eher was für Absinthefreunde, die gerne was ausprobieren und mit der Art dieser Spirituose umgehen können. Diese werden aber sicher Freude daran finden, wie ich.

Für das üblicherweise hier vorgestellte Cocktailrezept bleiben wir im literarischen Umfeld, wechseln den Autor, werden dabei aber nicht weniger wuchtig, ich glaube, Ernest Hemingway hätte auch einen Großen Alten mit der Angel aus dem Meer gezogen und ihm eins übergebraten. Und ich bin mir sicher, dass, wenn man Cthulhu fragt, was sein Lieblingscocktail ist, auch so etwas ähnliches wie der Death in the Afternoon herauskäme. Da ist nichts Liebliches an dem Drink, er ist was für den Trinker, der harte, geeiste Dry Martinis als viel zu lasch und freundlich am Gaumen empfindet. Muss man so einen Cocktail mögen? Nein. Er ist eher was für die, die so richtig derbherbe Drinks wertschätzen können. Hier halte ich die von mir gewählte Dekoration für sehr nützlich, die Süße der Feige ist ideal, um die Herbe des Cocktails etwas ausgleichen zu können.

Death in the Afternoon Cocktail

Death in the Afternoon
¾ oz / 25ml Absinthe
2¼ oz / 75ml Champagner
Im Glas bauen.

[Rezept nach Ernest Hemingway]


Zur Präsentation gibt es außer dem Thema, das SaarWhisky für diesen Absinthe gewählt hat, nicht viel zu sagen – eine Dunkelgrünglasflasche, die bei Gegenlicht noch den Füllstand erkennen lässt, ein stabiler Plastikstopfen, und ein Etikett, bei dem man als Brillenträger beim Draufschauen immer überlegt, ob die Brille mal wieder gereinigt werden müsste, so absichtlich verschwommen ist der Druck und die Papierstruktur. SaarWhisky hat eine wirklich kreative Ader, ihre Absinthes zu benamen und zu designen, die mir extrem gefällt; schon der Herr der Frösche und der Fürst von Absinthe waren herausragende Absinthes, die auch mit der Gestaltung so richtig bei mir punkten konnten. Dass es dann noch eine Blanche-Variante vom Cthulhu gibt, zeigt mir, dass hier die Kreativität nicht nur ins Design, sondern auch in die Spirituose selbst fließt.

Das Warten auf Cthulhu hat sich für mich als Absinthefreund gelohnt. Jetzt kann er sich wieder in sein feuchtes Reich in R’lyeh zurückziehen, ein kleines Nickerchen machen, bevor er dann irgendwann die Welt vernichtet. Alles zu seiner Zeit. In der Zwischenzeit packe ich vielleicht doch noch mal das The Shadow over Innsmouth aus und trinke zur Lektüre einige Schlucke dieses Absinthes, um mir darüber klar zu werden, ob ich von den grausigen Geheimnissen oder dem hohen Alkoholgehalt wahnsinnig werde.

Bier am Freitag – Timmermans Kriek Lambicus

Der Welt älteste Lambik-Brauerei? Das muss ja ein tolles Produkt sein, wenn man mit so einem Slogan auf dem Etikett werben kann. Kriek ist für mich immer ein Vabanque-Spiel, denn bei wenigen Bierstilen liegen Himmelhochjauchzend und Zu Tode Betrübt so nahe beieinander wie bei Kriek. Nachdem ich die Zutatenliste des Timmermans Kriek Lambicus gelesen habe (2,2% Kirschsaft, 2% Holundersaft, Aromen, Antioxidationsmittel), ahne ich allerdings leider schon, in welche der beiden Extreme ich nach dem ersten Schluck fallen werde. Aber wir wollen niemanden vorverurteilen – also ran ans Fruchtbier!

Timmermans Kriek Lambicus

Helles rubinrot zeigt sich im Glas, kristallklar und besonders bei Gegenlicht leuchtend. Keinerlei Perlage, der Schaum ist entsprechend dünn bis fast nicht vorhanden, leicht rötlich, gemischtblasig. Geruchlich wirkt es, gemäß den Zutaten, künstlich nach einer Fruchtmischung, der Holundersaft überdeckt den Kirschsaft beinahe. Ansonsten ist kaum etwas da.

Im Mund ist zunächst die Frucht dominierend, erkennbar süßlich, fruchtig, mit frischer Säure. Die starke Karbonisierung in Zusammenspiel mit den 4% Alkoholgehalt sorgen für ein oberflächliches Mundgefühl, mit kaum Tiefe, aber angenehmer Breite. Im Verlauf drängt sich das getreidige Basisbier etwas nach vorne. Der Abgang ist kurz, säuerlich-fruchtig weiterhin, aber ohne langanhaltende Spannung.

Ein trinkbares Erfrischungsgetränk, das weder die Kirschen noch das Lambic besonders schön präsentieren kann. Für mich eines der leider deutlich unterdurchschnittlichen Krieks, soweit, dass ich persönlich fast eher ungern den Namen „Kriek“ hier verwende. Schade, dass hierzulande hauptsächlich diese Art von Biermischgetränk den Ruf des Kriek definiert!

Kleine Markknochen – Velier Caroni Heavy Rum „Employees“ Special Edition 5th Release (VSGB) Dhanraj „Dan“ Maharaj

Caroni ist immer noch ein Name, der Begehrlichkeiten bei Rumkennern weckt, obwohl (oder eher weil, wahrscheinlich) so langsam die Vorräte zuende gehen. Kein Wunder, dass bei der Bekanntgabe, dass Luca Garganos VSGB-Projekt Mitte des Jahres 2021 gleich drei Kleinflaschen mit Caroni-Rums an die Mitglieder ausgeben würde, die Freudebekundungen in der zugehörigen Facebook-Gruppe groß waren. Die gesamte Special Edition 5th Release zu einigermaßen vernünftigen Preisen probieren zu können, das ist tatsächlich etwas besonderes. Stellvertretend für die 3 unterschiedlichen Blends öffne ich heute das in einem schwarzen Karton gelieferte Fläschchen, das dem auf dem Etikett sehr kritisch blickenden Dhanraj „Dan“ Maharaj gewidmet ist, der 22 Jahre bei Caroni gearbeitet hatte, bevor die Destillerie 2002 geschlossen wurde. Es handelt sich dabei um die VSGB-Flaschennummer 893 von 1038 – zum VSGB-Projekt hatte ich ja schon bei meinem Artikel zur ersten Auflage des Projekts, dem Foursquare Sassafras, etwas gesagt. Im Folgenden nenne ich den Velier Caroni Heavy Rum „Employees“ Special Edition 5th Release (VSGB) Dhanraj „Dan“ Maharaj dann nur noch „Velier Caroni Maharaj“, der ganze Name würde den Artikel bei Wiederholung tatsächlich aufblähen.

1996 bis 2021, das sind die Jahreszahlen, die auf der Flasche gezeigt werden – der Rum ist jedoch keine 25, sondern „nur“ 23 Jahre gereift, denn seit 2019 war ein Stahltank seine Heimat, bis er auf Flaschen gezogen wurde. Die gesamte Holzreifungsperiode verbrachte er in vollem tropischem Klima auf seiner Heimatinsel Trinidad in der Karibik, was dazu führte, dass der Angels‘ Share, also der Verdunstungsverlust, bei über 85% lag. Man stelle sich das bildlich vor – nicht einmal ein Fünftel des eingelagerten Rums schaffte es am Ende in eine Flasche! Man entschied sich bei Velier, 4 Fässer auszuwählen und diese zu verblenden für das Endprodukt, einen natürlich schon kurz nach Veröffentlichung ausverkauften Rum, den wir nun vergleichsweise exklusiv ausprobieren können.

Velier Caroni Heavy Rum "Employees" Special Edition 5th Release (VSGB) Dhanraj "Dan" Maharaj

Ein Rum wie dieser ist natürlich ungefärbt, umso dramatischer wirkt die Farbe – nach 23 Jahren im Holzfass darf eine Spirituose aber auch kräftig daherkommen. Ein strahlendes Terra di Siena, mit fast schon orangenen Lichtreflexen darin, das bei Gegenlicht glitzert. Das Schwenkverhalten ist ähnlich beeindruckend, langsam, ölig schwappend, dabei aber elegant und großzügig wirkend. Die Beine, die sich dabei bilden laufen sehr langsam ab, ein kleiner Rand bleibt an der Glaswand oben noch länger haften. Ich lasse den Rum eine Viertelstunde offen stehen, um ihm Zeit zu geben, sich zu öffnen.

Es duftet nun nach einer Mischung aus Anis, Karotte, Vanille, Kardamom, Butter und Kokos, wenn man die Nase ans Glas hält, und das sind nur die spontanen Eindrücke, die mir zufliegen. Hier findet sich eine kaum zu definierende Komplexität an Aromen, die aber ohne jede Schwierigkeit zusammenspielen und ein rundes Gesamtbouquet ergeben, bei dem kaum eine Komponente wirklich heraussticht. Eine deutliche Holzigkeit ist da, diese ist aber eingebettet, ebenso wie der Full-Proof-Alkoholgehalt von 66,3%, der niemals auch nur ansatzweise piekst oder stört. Bei tieferem Schnuppern nehme ich eine Curry-ähnliche Würzigkeit wahr, und dann noch eine mentholische Frische, die sich aber nicht aufdrängt. Ich könnte ewig daran riechen, das ist ein wirklich außergewöhnlich hübscher Duft.

Velier Caroni Heavy Rum "Employees" Special Edition 5th Release (VSGB) Dhanraj "Dan" Maharaj Glas

Unverdünnt bei 66,3% trinken? Ja, bei derart hochwertigem Rum geht das ohne jedes Problem. Im Mund beginnt der Velier Caroni Maharaj zunächst überraschend unauffällig, lässt sich viel Zeit, bis er Aromen freigibt. Milde Töne eines reifen Pfirsichs, karamellisierter Apfel, braune Banane und Kokos setzen ein, bevor die Aromatik eher zum Gewürz hin dreht, vegetaler wird, ganz vorsichtige Süßholznoten, begleitet von etwas Kräuterbonbon. Im Verlauf wacht er dann Schritt für Schritt immer weiter auf, wird schnell immer wärmer, ohne wirklich zu explodieren, deutliche holzige Adstringenz weckt den Speichelfluss. Gegen Ende schwelt dann ein Feuer, Bitterschokolade und Tabaktöne machen die Mischung aus Bittere und Süße deutlich, fast schon honigartig und mit Nelkennoten wird er dann. Der Abgang ist warm, lang, bleibt effektvoll am Gaumen mit einem paradox kühlenden Mentholeffekt. Am Ende taucht etwas Karotte (das ist das, was ich auch bei Bourbon mit starkem Holzgeschmack verbinde) auf und klingt dann mit einer ausgeprägten Nussnote aus.

Man sieht, das ist ein wirklich komplexer, hocharomatischer, dabei aber nie unrund werdender Rum, an dem man bei jedem kleinen Schlückchen sehr lang lutschen kann, ohne dass er langweilig wird. Ich bin schwer beeindruckt, da steckt wirklich viel drin.

Ich bin mir sicher, der Velier Caroni Maharaj würde als Hauptzutat in einem Drink ausgesprochen bombig funktionieren, allein habe ich ehrlicherweise einfach leider nicht die Menge, um das wirklich durchzuführen. Bei der starken Aromatik kann er aber tatsächlich auch als Gewürz in einem Cocktail dienen – wie im Haiti Cocktail, wo die anderen Zutaten eher mild sind und so ein Rum dann wie der Markknochen in einer leichten klaren Frittatensuppe wirkt.

Haiti Cocktail

Haiti Cocktail
¾ oz / 25ml Ferro China
¾ oz / 25ml trockener Wermut
½ oz / 15ml süßer roter Wermut
¼ oz / 10ml Campari
¼ oz / 10ml Demerara-Rum
2 Spritzer Angostura
Auf Eis shaken.

[Rezept nach Elvezio Grassi]


Ich spreche nochmal kurz die wirklich liebevolle Aufmachung dieser VSGB-Veröffentlichungen an, sie geben die Standardflasche perfekt wieder und sind mit dem Karton auch eine echte Augenweide. Die anderen zwei Flaschen dieses Sets, gewidmet zwei anderen langjährigen, verdienten Destilleriearbeitern, Deodat „Breeze“ Manmohan und Roopnarine „Roop“ Toolsie, stammen aus der gleichen Serie, die Luca Gargano und 26 weitere Caroniliebhaber 2019 zur Abfüllung auserwählt hatten.

Für die anderen zwei Fläschchen habe ich schon eine Verwendung – natürlich werden sie nicht weiterverkauft, das widerspräche der Idee und den Statuten des VSGB-Projekts. Vor kurzem wurde ein Käufer tatsächlich aus der VSGB-Gruppe ausgeschlossen, weil er seine Flaschen an jemand anderes weitergegeben hat, der sie dann wiederum zum Verkauf anbot; es ist also keine leere Drohung, die da im Raum steht, wenn man an diesem schönen Projekt teilhaben, sich aber nicht an die Regeln halten will. Ich glaube aber, meine Flaschen erhalten einst ein gutes neues Zuhause bei Menschen, die dann zu schätzen wissen, welche Rumgeschichte sie da zu trinken bekommen. Und wenn nicht, nun, dann wird in zwei Jahrzehnten von jetzt an halt jemand die teuerste und reichhaltigste Rumcola trinken, die die Welt je gesehen hat.

Bier am Freitag – Stone Buenaveza Salt & Lime Lager

Vorab: wer an so einer Bierdose vorbeilaufen kann, ohne sie in den Warenkorb zu legen, der braucht gar nicht weiterzulesen, für den ist das hier besprochene Bier nichts. Das Stone Buenaveza Salt & Lime Lager macht sich bemerkbar selbst in einem gut mit Craftbier ausgestatteten Supermarktregal und spricht den Exotikfreund in mir an – dabei ist das nur Marketing, das Bier kommt aus den wenig exotischen USA. Stone nahm einfach zwei spanische Wortbestandteile (“buena” = gut, “-veza” aus „cerveza“) und ködert ahnungslose Käufer wie mich damit. Maisflocken, Salz und Limette als Zutaten, das klingt aber zumindest ähnlich spannend wie die äußere Erscheinung.

Stone Buenaveza Salt & Lime Lager

Eine leichte Trübung, bei der man winzigste Partikel in der Flüssigkeit stehen sieht, könnte aus den ungewöhnlichen Zutaten entstanden sein – vielleicht ist es Limettenfruchtfleisch. Die dottergelbe Farbe ist davon unberührt. Der Schaum bildet sich beim Eingießen, fällt dann aber in kurzer Zeit zusammen und lässt nur eine Schaumtonsur an der Glaswand und ein paar dünne, grobblasige Inseln zurück. Die Nase hat tatsächlich auch etwas von Limettenfrucht, eine milde, unterschwellige Zitrusnote begleitet den lagertypischen Getreidegeruch. Ansonsten hält sich das Buenaveza aromatisch zurück, ich will mir da gar nicht viel zusammenfantasieren, bei einem Lager erwarte ich auch geruchlich nicht viel.

Was schon Auge und Nase festgestellt haben, bestätigt mein dritter Sinn – eine ganz milde Limettenfrucht sorgt für eine Abwechslung, die in einem normalen Lager nicht zu finden ist. Dabei ist sie sowohl von der Aromatik als auch von der Säure her spürbar, und eine leichte Salzigkeit ist auch mit von der Partie. Insgesamt fühlt sich das Bier an wie eine Mischung aus Witbier und Pale Lager, mit einem dazugegebenen Limettenviertel (früher, ich erinnere mich, war es gar nicht so unüblich, in einem Bier eine Zitronenscheibe zu finden). Die Textur ist dünn, das Mundgefühl trocken und herb, und dies bestimmt dann auch den kurzen Abgang, in dem eine leichte Würze und getreidige, hopfige Herbe die Frucht verdrängt. Mit 4,7% Alkoholgehalt ist auch nicht mehr Kraft zu erwarten.

Die flippige Gestaltung der Dose lässt einen vielleicht etwas mexikanisch Mariachimäßiges, Lautes, Buntes erwarten, doch das Stone Buenaveza ist eher der frische, leichte Ersatz für eine Margarita. So gesehen macht das Bier Spaß, ohne dass man zuviel drüber nachdenken muss. Und wahrscheinlich auch nicht sollte.

Auf der Suche nach dem Gin des Lebens, Teil 1 – Rutte Dutch Dry Gin

Mein Traum ist ja, das habe ich schon verschiedenen Leuten erzählt, eine Heimbar, die nur aus 5 Flaschen besteht. Gutes Zeug, das ich gern pur trinke, aber auch einen Cocktail sauber ins Glas bringt. Im Moment bin ich weit davon entfernt, mein Regal quillt so über, dass ich Flaschen schon auf dem Boden vor dem Regal stehen habe, doch das Ziel ist eher Reduktion der Flaschenzahl, als sie noch weiter aufzubauen. Darum suche ich unterschwellig, obwohl ich nicht daran glaube, die „perfekte Spirituose“ in einer Kategorie, zumindest auf der Ebene, dass ich für einen gesamten Flaschendurchlauf voll zufrieden damit bin und nicht nach Abwechslung in dieser Kategorie verlange. Bei manchen Spirituosen ist mir das gelungen, bei Gin war es tatsächlich eine Weile so, bis mir der Herstellerkonzern die Tour vermasselt hat. Ein Ersatz muss gesucht werden.

Bei meiner Suche wurde ich dankenswerterweise von einer allen meinen Lesern hoffentlich wohlbekannten Bargröße unterstützt, in der Hamburger Bar Le Lion wird täglich genug Gin in Gin Basil Smashs und Martinis gezapft, dass Joerg Meyer sicherlich jemand ist, dessen Empfehlungen man nicht jeden Sinn absprechen müsste. Mit dem Rutte Dutch Dry Gin hat er mir ein Ersatzangebot für eben den „einen“ Gin gemacht, der meinen Ideen von Spirituosen schonmal entgegenkommt: die Distilleerderij Rutte ist eine familiäre Brennerei mit Charakter (wenn auch nicht mehr in Familienbesitz, es gehört inzwischen zu De Kuyper), die bei allen Produkten auf Farb- und Aromastoffe verzichtet, wo es geht manuell arbeitet und mit Transparenz bei allen Schritten punktet. Also ein guter erster Ansatz, jetzt muss nur noch der Gin selbst überzeugen.

Rutte Dutch Dry Gin

Die Flasche ist sehr clever türkisgrün gefärbt, nur durch die Flüssigkeit darin kommt dieser Farbeffekt richtig zum Tragen – und das, obwohl der Gin transparent und klar ist. Beim Hin- und Herbewegen der Flasche fällt das auf, das ist ein kleines, aber sehr hübsches Detail hier. Im Glas sehen wir das, was wir dann aber erwarten, mit leichter Öligkeit, die sich besonders in vielen, dicken, schnell ablaufenden Beinen zeigt.

Während dieser ganzen Betrachtung steigt dem Verkoster schon die ganze Zeit der Geruch des Rutte Dutch Dry Gin in die Nase, und was er da riecht, gefällt ihm. Wie geschildert ist dieser Gin ein Versuch, einen neuen Basisgin für meine Heimbar zu finden, und zumindest beim Schnuppern hat er schon gute Chancen: Sehr wacholderlastig, wie ich meine Gins mag. Unter der frisch-knackigen Vorherrschaft des Wacholders finden sich weichere Töne, da ist dann wirklich etwas Gemüsiges wie Sellerie, dazu ein Ton von Fenchelsamen, aber auch milde Orangenzesten, ein bisschen seifiger Koriander, Lavendel und Rosmarin; das entdecke ich jedenfalls, ohne die genau Botanicals-Liste, mit denen Gins sonst so freigiebig angeben, zu kennen.

Rutte Dutch Dry Gin Glas

Da nippe ich gern einen ersten Schluck, und fühle als erstes eine sehr viskose, fette Textur, fast schon milchig im Eindruck. Einher geht das mit einer ebenso ausgeprägten Süße, die sich schmeichelnd auf den Gaumen legt. Wacholder versucht erst ein paar Millisekunden später, diese Süße aufzuspalten, dann kommt eine mineralische Komponente dazu, die ihn dabei unterstützt. Kiesig, grünblättrig, mildbitter. Es vergeht jedoch nur wenig Zeit, und der Gin hat sich wieder etwas gewandelt, Bitterorangenaromen entstehen, geben dem ganzen Volumen. Fast schon leichtsalzig wirkt er, ein Tick umami sorgt für erhöhten Speichelfluss, das ist wohl der Einfluss des Sellerie, denn geschmacklich tritt er nicht erwähnenswert in den Vordergrund. Im Hintergrund fängt spät eine sehr würzige, pfeffrige Note an, den Gaumen zu kratzen, hier zeigt sich der Rutte Dutch Dry Gin von der kraftvollen Seite, etwas mehr, als ich von den 43% Alkoholgehalt erwartet hätte – im positiven Sinne, denn rein von den Zahlen wäre mir der Gin zu schwach, gut, dass diese Sorge in der Aromatik verfliegt. Der Abgang ist minzig-frisch, eiskalt, fast schon mentholig, weißpfeffrig und mittellang. Hier kommen im Nachhall dann verschiedene Kräutereindrücke zum Tragen, Rosmarin und Lavendel, ohne dabei ins komplett Vegetale abzudriften – dezente Zitrusfrucht mit einem fast schon schokoladigen Überzug ist das letzte, was von der Verkostung übrig bleibt.

Ein Gin, der in meine Heimbar einziehen will, muss vor allem eines können: sich gegen andere Zutaten durchsetzen, die selbst gern die erste Geige in einem Drink spielen wollen. Er soll nicht nur reiner Alkohollieferant sein, sondern zeigen, dass ein Gindrink immer ein Gindrink bleibt, selbst, wenn er mit sowas wie Chartreuse kombiniert werden soll. Dass im ` Treuse Hurts am Ende noch ein Spritzer Selleriebitters dazukommt, was sich aufs Feinste mit dem Rutte Gin zusammentut, nun, das ist das Krönchen.

'Treuse Hurts Cocktail

` Treuse Hurts
1 oz / 30ml Dry Gin
1 oz / 30ml Chartreuse Verte
1 oz / 30ml Ananassaft
½ oz / 15ml Limettensaft

¼ oz / 10ml Kokosnusswasser
1 Spritzer Celery Bitters
1 Eiweiß
Auf Eis shaken.

[Rezept nach Brian Sandah]


Zur Flasche hatte ich schon erste Gedanken oben angemerkt, die ist wirklich ein Designvolltreffer. Von Farbe über die geschwungenen Linien auf der sonst sehr geraden Flasche, da passt alles, und auch die Verbindung zum Gin selbst ist für mich gegeben: Ein klarer, klassisch wirkender Gin, mit einem ungewöhnlichen Schwung, wie die Flasche eben. Einen Blechschraubverschluss verzeiht man gerne bei einer Spirituose, die keinen großen Regallagerungszeitraum zu erwarten hat, Gin läuft bei mir eigentlich sehr zügig durch die Cocktailmaschine, und da ist so ein kurzes Drehen einfach praktischer als ein hipper Sonderstöpsel. Für manche Leser mag es interessant sein, dass dies das Produkt ist, das die alten Gins von Rutte ersetzen wird, darunter den Celery Gin, der laut Aussage von Joerg Meyer in einem sehr angenehmen Telefonat im Geschmack höchstens minimal anders schmeckte als das vorliegende Produkt – für Fans des alten Gins also eine Umstiegsmöglichkeit.

Die Frage, schafft es der Rutte Dutch Dry Gin auch bei mir, meinen aus persönlichen Gründen nicht mehr kaufbaren Tanqueray zu ersetzen? Preislich liegt er etwas über jenem, rund 30€ sind für einen Gin dieser handwerklichen Machart aber in Ordnung und es werden nicht, wie das bei vielen Gins heute ist, Preise aus dem Wolkenkuckucksheim aufgerufen. Und ich müsste nicht auf grüne Flaschen verzichten. Ich werde noch weitere Gins ausprobieren, aber ich glaube, einen ersten Kandidaten für die schlimmerdurst-Miniheimbar habe ich tatsächlich schon gefunden.

Offenlegung: Ich danke Trinkabenteuer/jrgmyr für die kosten- und bedingungslose Zusendung einer Flasche dieses Gins.

Bier am Freitag – Hoepfner Rosébock

Egal, wo ich hingehe, wenn ich die Gelegenheit habe, bringe ich ein lokales Bier zum Ausprobieren mit von dort. Die Brauereikultur ist in Deutschland halt grandios, man findet immer irgendeine lokale Bierspezialität, das mag von einem hippen Gypsybrewer sein, oder von einem traditionsreichen Unternehmen – die älteste Brauerei Karlsruhes, die Privatbrauerei Hoepfner, gehört sicherlich zum letzteren. Von dort habe ich den Hoepfner Rosébock ausprobiert, ein mit 8,0% eingebrauter Doppelbock, in dem verschiedene Spezialmalze zum Einsatz kommen.

Hoepfner Rosébock

Kristallklar, wodurch die leuchtend nussbraun-rötliche Farbe schön zur Geltung kommt. Der Name ist jedenfalls durchaus treffend gewählt. Ein superfeiner Schaum ist nach dem Eingießen da, er zieht sich aber, nicht unerwartet, schnell an die Glaswand zurück und bleibt dort mit attraktiver gemischter Blasigkeit lange hängen.

Bei empfohlener Trinktemperatur von 7°C erwarte ich keine überwältigenden Aromen in der Nase, und finde sie auch erstmal nicht. Da ist eine leichte Holzigkeit, wie lange gelagertes Brennholz, eine milde Nussigkeit, die mich an frisch geschälte Walnüsse erinnert, und die Malzigkeit, die schon in einen metallisch-rostigen Ton übergeht.

Sehr hübsch ist dann die Textur, wenn man einen Schluck von dem Doppelbock nimmt. Extrem cremig, dick und schmeichelnd legt sich das Bier an den Gaumen. Darauf kann man regelrecht herumlutschen, und ich übertreibe hier nicht. Die Süßsauerbalance ist gut, ebenso die Rezenz, die sich aus üppiger Karbonisierung und der Farbe trotzender Helltönigkeit zusammensetzt. Aromatisch ist das tatsächlich nicht superspannend, leicht metallisch, sehr würzig-malzig, gegen Ende dann überraschend bitter, obwohl die durchgängige Süße das gut auffängt und ins Gesamtbild einbindet, das schön klar und sauber bleibt, trotz der Textur. Der Abgang ist zu guter Letzt mittellang, bleibt bis zum letzten Tropfen cremig und voll, und hallt dann mit ausgeprägter Nussigkeit noch etwas nach.

Als ich noch in Karlsruhe gewohnt hatte, habe ich mich für das lokale Bier nie begeistern können. Da kannte ich offensichtlich die Privatbrauerei Hoepfner noch nicht; mit diesem Doppelbock versöhnen sie mich mit der badischen Bierkultur wieder. Ein Bier, bei dem ich mich schon jetzt auf die zweite Flasche freue.

Fortbildung folgt – Marzadro Giare Amarone Grappa

Ich bin kein Weinkenner. Ich wäre gern einer, und spiele mit dem Gedanken, mich etwas mehr in das Thema Wein einzuarbeiten. Eigentlich weniger wegen des vergorenen Traubensafts selbsts, das Getränk reizt mich irgendwie nicht so sehr, und zum Essen trinke ich lieber ein gutes Bier. Nein, es ist die ganze Theorie, die hinter Wein steckt, die man als Spirituosenfreund eigentlich gut gebrauchen könnte, schließlich gibt es doch viele Schnäpse, die aus Wein oder Restprodukten aus der Weinherstellung destilliert werden, und für die dann das Wissen doch wieder von Bedeutung wäre.

Nehmen wir einfach mal Grappa. Ich mag den italienischen Tresterbrand sehr, und stelle fest, dass es soviele Grappa-Sorten gibt, die auf dem Etikett die eingesetzte Rebsorte angeben. Ich als Weinagnostiker stehe nun dumm da – wie will ich als Autor eines Spirituosenblogs ernsthaft Auskunft über Grappa geben, wenn ich gar nicht weiß, wieviel es ausmacht, welche Rebsorte die Basis für den Brand liefert? Es muss also was geschehen, ich verspreche, ich bilde mich weiter. Der Marzadro Giare Amarone Grappa war irgendwie eine erneute Erinnerung daran, denn wenn man etwas über ihn recherchiert, findet man die Information, dass er aus dem Trester von drei Amarone-typischen Rebsorten destilliert wird (Corvina, Rondinella und Molinara). Bis ich selbst klüger bin, muss ich mich selbst darauf verlassen, dass andere mich darüber aufklären. Immerhin, auf meinen Geschmack kann ich mich noch verlassen, also breiten wir den Mantel des schamvollen Schweigens über dieses Kapitel meiner Unbildung und wenden uns dem zu, was ich kann – dem Verkosten des Grappas.

Marzadro Giare Amarone Grappa

Viele gereifte Grappe gehen eher ins Strohige, da die Reifungsdauer eher niedrig ist. Hier hat man dagegen einen satten, beinahe schon orangenen Braunton. Leider erfährt man auf dem Etikett keine Reifungsdauer – nur, dass das Destillat in Eichenfässern ruhte. Kurzes Nachschauen auf der Herstellerseite offenbart, dass es sich um mindestens 3 Jahre handelt.

Die Nase ist prägnant, herb vom Trester und vanillig vom Eichenfass. Milde Zitrusnoten ergänzen das. Leichte Tabak- und Holzkomponenten sorgen für Komplexität und Körper. Man meint, etwas starken Rotwein herauszuriechen. Insgesamt sehr schwer, vollkörperig und rund.

Im Mund beginnt der Marzadro Giare Amarone mit einer fast schon parfümig-seifigen Note, die von einer vorsichtigen, natürlich wirkenden Süße begleitet wird. Im Verlauf wird der Grappa immer würziger, trockener, bis er schließlich deutliche Holznoten und scharf-aromatischen Gewürzcharakter aufweist.

Marzadro Giare Amarone Grappa Glas

Der Abgang ist mittellang, wirkt am Ende etwas metallisch, hat aber bis zum Schluss Körper und Kraft, mit einer dabei auftretenden doch starken Bittere. In einem beinahe schon heißen Nachhall (erst hier könnte man meinen, die 41% Alkohol zu spüren) klingt noch viel Gewürz und dunkler Wein nach, und lässt deutliche Betäubungseffekte und leichtes Kribbeln auf Zunge und Gaumen zurück.

Ein sehr aromatischer, wuchtiger Grappa, der viel spannendes zu bieten hat und dadurch nicht langweilig wird; dabei wirkt er aber dennoch mild und voll genug, um nicht zu unrund zu werden. Selbst ich kenne den Wein Amarone, und persönlich empfinde ich bei diesem Grappa tatsächlich eine sensorische Nähe zu ihm, insbesondere was die Schwere und Dichte angeht.

Sucht man nach Rezepten für Grappa-Cocktails, landet man schnell in einer Sackgasse. Scheinbar ist diese Spirituose noch nicht in der Mixologie angekommen – es wird Zeit dafür. Dass er vielseitig ist, steht außer Frage; im Valery zeigt er seine schmeichlerische Ader, doch der Marzadro Giare Amarone Grappa ist sicherlich auch für herbere Rezepturen geeignet.

Valery Cocktail


Valery
1½ oz Grappa
¾ oz Aperol
½ oz Triple Sec
½ oz Orangensaft
Auf Eis shaken. In ein Glas mit Zuckerrand abseihen.
[Rezept nach Hello Grappa]


Mir gefällt die flache Flasche sehr, sie liegt gut in der Hand und wirkt dennoch sehr stilvoll mit ihren Rundungen und im Glas eingelassenen Kerben. Der Kunststoffkorken wird mit einem großen Holzdeckel gut bedienbar, und das nur kleine Etikett, das sich um den Flaschenkörper biegt, ist schön gestaltet. Nur etwas mehr Information wäre natürlich toll gewesen; das ist aber ein Kritikpunkt für Detailfanatiker wie mich. Wer einfach nur einen starken Grappa trinken will, kann ohne Gewissensbisse zugreifen.

Bier am Freitag – Riedenburger Brauhaus Dolden Hell

Jetzt komme ich doch aus Schwaben, einer historischen Region, die weit ins heutige Bundesland Bayern hineinreicht, und musste dennoch nachschlagen, was dieser kryptische Satz auf dem Etikett des Riedenburger Brauhaus Dolden Hell bedeutet: „Für den leichten Suri“. Im Baierischen Wörterbuch habe ich es gefunden, das ist ein leichter Rausch oder Schwips. Dabei ist das Helle, das passend dazu als „Feierabendbier“ beworben wird, mit 4,8% Alkoholgehalt gar nicht so viel leichter als das meiste Standardbier, das ich kenne, aber seinen Zweck zur leichten Beschwipsung, oder zum Suri, wird es wohl erfüllen – schmeckt es dabei aber auch?

Riedenburger Brauhaus Dolden Hell

Optisch: Helles Ocker, stark trüb, mit vielen sichtbar im Bier schwebenden Partikeln. Leichte Perlage, Schaum zunächst zentimeterdick, sackt zügig in einen feinen Flaum zusammen. Geruchlich ist es tatsächlich eine Mischung aus klassischem Hellen mit Getreidenoten und einem Pale Ale mit leichtem Zitrushopfeneinschlag. Die Kombination ist durchaus apart, insbesondere, weil die Stopfung nicht übermäßig drastisch ausfällt und so nicht den gesamten Eindruck übernimmt, da ist noch genug „Helles“ da. Zur Stopfung wird Callista-Hopfen eingesetzt.

Auch geschmacklich setzt sich das fort – getreidig, feinherb, trocken und nicht überaromatisiert vom Antrunk an, klares Mundgefühl mit leicht süßweicher Textur, getragen von sehr gut gewählter Karbonisierung. Deutliche Säurekante, nicht zu extrem, aber spür- und schmeckbar, hier zeigt sich auch der Calista-Hopfen mit sehr limettiger Note. Mittlere Bittere zunächst, kurzer, hier nun knackig bitterer Abgang, sauber, hinterlässt eine leichte Adstringenz am Gaumen und Säureeffekte.

Ein schönes Crossover-Bier, das seine zwei Komponenten schön präsentiert, ohne, dass es unangenehm wird. Gefällt mir! Der Suri kann kommen!

Feueralarm – Wuliangye Flamma (五粮液火爆)

Ich habe in den letzten Jahren sehr viele Dutzende von Baijius probiert, hauptsächlich im Zuge meiner Tätigkeit als Spirituosenjuror bei Spirits Selection by Concours Mondial de Bruxelles, wo jedes Jahr mehrere Hundert Sorten eingereicht werden. Die allermeisten davon sind rein in China erhältliche Marken, die den Wettbewerb für regionales Marketing nutzen wollen – auch in China ist eine Medaille, vergeben von einer internationalen Jury, für die Kunden etwas wert, damit kann man sagen: Sogar die Langnasen im Westen mögen unser Produkt, also ist es super! Ein Export in den Westen ist vielleicht in ferner Zukunft interessant für diese Hersteller, doch im Augenblick ist der Markt hierzulande einfach zu klein für viele Sorten Baijiu.

Andere Hersteller exportieren schon länger nach Europa. Dazu gehört Wuliangye Yibin Company Limited, der nach (schon etwas älteren) Zahlen der größte Baijiu-Hersteller ist; deren Produkte konnte man schon vor Jahren auch hier in Deutschland erwerben. Dass der westliche Gaumen nicht derselbe ist wie der chinesische, was Spirituosen angeht, wurde aber jedem Beteiligten schnell klar, die Verbreitung von Baijiu außerhalb Chinas ist eher mau. Man versucht nun, dieser Gegebenheit entgegen zu kommen mit speziell für den Export designten Sorten: Das Dreierset Wuliangye Flamma (五粮液火爆, pinyin huǒbào) entspringt diesem Gedanken, die Welten zusammenzubringen.

Wuliangye Flamma (五粮液火爆) Dreierset

Wir verkosten von links nach rechts, was bedeutet, von leicht nach stark. Man erkennt das schon auf den kleinen Flammensymbolen auf der Flasche, beim „Blau“ ist eine der Flämmchen ausgefüllt, beim „Gold“ zwei, und beim „Rot“ am Ende alle drei.

Wuliangye Flamma Blau ist für einen Baijiu mit extrem niedrigen 33% Alkoholgehalt ausgestattet. Bei vielen Spirituosen gibt es in verschiedenen Gesetzgebungen Mindestalkoholgehalte, wie bei Rum in der EU 37,5% oder ähnliches – mir ist nicht bekannt, dass für Baijiu solche Regelungen existieren. Ich müsste da tatsächlich mal dringend recherchieren.

Die Farbe ist baijiutypisch klar, eine leichte Viskosität ist beim Schwenken sichtbar: es bildet sich ein Beinchenteppich, der praktisch in dem Moment abläuft, in dem man das Glas ruhiger hält. und hinterlässt dann nur einzelne Tröpfchen an der Glaswand. In der Nase ist sehr viel Anis, mehr, als bei vielen anderen Starkaroma-Baijius, die ich sonst so kenne, Fenchel und dazu etwas Lakritz. Eine deutliche Autoreifennote und Erinnerungen an frisch aufgebrachten Straßenteer ist für die westliche Nase zunächst ungewohnt. Starke Ananas- und leichte Bitterorangentöne hellen das aber wieder auf und sorgen für die typische Baijiunase.

Der Antrunk ist direkt trocken, leicht säuerlich, und auch hier vom Anis dominiert. Das ist dabei aber nicht zu vergleichen mit einem Ouzo oder türkischen Raki, die Gummi- und Plastiktöne, die zu diesem Baijiu gehören, bringen eine ganz andere, nur fern verwandte Tönung hinein. Im Verlauf nähern wir uns aber einem trockenen Ouzo immer mehr an, die krautigen Fenchel- und Süßholznoten kommen nach vorn und verdrängen das Teer. Eine milde Wärme entsteht, die Zunge und Gaumen minimal zum Prickeln bringt, zurückhaltende Adstringenz saugt einem die Spucke weg. Der Abgang ist dann kurz, fruchtigkräuterig, geht dann doch noch ins Süße (ich fühle mich an Keksteig mit Vanille erinnert) und Blumige über, und klingt dann warm und sehr mild aus.

Der Wuliangye Flamma Blau ist ein sehr leichter Baijiu, der trotzdem eine sehr typische Aromatik für den Stil des Starkaroma mitbringt. Gerade der Abgang ist sehr fein, auch wenn der westliche Gaumen erstmal über den herben Antrunk hinwegkommen muss. Dennoch: das ist sehr interessant, auch für mich, der ich normalerweise stärkere Produkte kenne.

Gehen wir zur nächsten Stufe über – ein Glas des Wuliangye Flamma Gold soll mir den Unterschied zeigen, den 9% mehr Alkoholgehalt aus dem Produkt herausholen können. Farblich hat sich nur der Balken auf dem kleinen Fläschchen geändert, die Flüssigkeit selbst bleibt natürlich vollkommen farblos. Man sieht allerdings, dass die Beinchen schon etwas langsamer ablaufen. Auch in der Nase spürt man die Veränderung: Da ist viel weniger Anis, Gummi und Teer als beim blauen Flamma, auch wenn es noch da ist. Eine erdigere Komponente übernimmt stattdessen, getreidig und nach sehr stark verrottetem Obst riechend. Fermentierte Pfirsiche, und weiße Gummibärchen, das ist ein klassisches Beispiel, wie der Flamma Gold riecht. Auch nimmt man nun einen minimalen Alkoholhauch wahr.

Noch stärker ist die Säure im Antrunk präsent, diese baut sich dann im Verlauf sogar noch sehr deutlich aus. Lakritz und Teer, schon fast verflüssigte Ananas, braunverfärbte Banane, dazu eine knackige Trockenheit, die mit einer starken Bittere einhergeht: Das ist kein Wohlfühlgetränk, eigentlich die Antithese dazu. Minze, Eukalyptus, weißer Pfeffer, Kardamom – später wirkt der Flamma Gold dann sehr frisch, erinnert etwas an ein sehr starkes Hustenbonbon, aus dem milden Lakritz entwickelt sich freches Salmiak. Im Abgang verschwindet das dann schnell, der Gaumen ist blitzeblank von allen vielleicht zuvor noch dagewesenen Eindrücken, ein Hauch von Ethanol klingt etwas nach, mit einem krautigen, süßholzigen, kardamomfrischen Glühen.

Das ist schon eine ganz andere Kategorie, mit 42% Alkoholgehalt hat der Gold nicht viel mehr als der Blau, die Aromatik ist aber sehr viel strenger, frischer, voller. Hier gilt es, falls sich jemand nach meiner Beschreibung fragt, warum man sowas trinken sollte, zu erinnern: Normalerweise trinkt man Baijiu zu Essen, sehr würzigem, scharfen und fetten Essen. Da, und ich weiß, wovon ich rede, ist so ein Brand wirklich willkommen: Ein großes, vielgängiges chinesisches Essen profitiert ganz enorm von einem Baijiu wie dem Wuliangye Flamma Gold (und umgekehrt). Beim nächsten All-you-can-Eat-Buffet beim Chinesen vor Ort einfach mal ausprobieren!

Die letzte Ausprägung des Flamma-Sets ist schließlich der Wuliangye Flamma Rot. Rote Warnfarbe, drei brennende Symbole, nur klein dagegen der Hinweis auf die für Baijiu-Verhältnisse gar nicht übermäßig ungewöhnliche Alkoholstärke von 58%. Wir trauen uns trotzdem dran.

Auch hier – die Nase ist diese faszinierende Mischung aus verrottender Frucht und Anis. Wie es bei Baijiu oft ist, ist eben wegen des hohen Alkoholgehalts der Anteil der oft etwas störend wirkenden Fuselstoffe am geringsten. Kaum Gummi, kaum Teer. Milde Düfte von Sojasauce und Parmesan geben etwas Würze, eine beinahe schon minzige Frische kitzelt in der Base. Vom Geruch her ist der Flamma Rot sicherlich der Gewinner des Trios.

Der Antrunk beginnt süßlich, dieser Eindruck verschwindet aber schnell und macht einer heftigen Trockenheit platz, mit viel Adstringenz und Schleimhautanwärmung. Minze, Anis, Fenchel wirken frisch, und Radicchiobittere sorgt für den Reinigungseffekt am Gaumen, den man bei Baijiu immer haben will. Danach wandelt es sich zu Bitterschokolade und Espresso, bleibt also bitter, aber in würzigerer Form. Salmiakpastillen und Lakritze sind typisch, eine leichte Salzigkeit und deutliche Umamieindrücke ebenso. Der Abgang ist kurz, sehr warm, der Baijiu läuft gemächlich die Speiseröhre runter und wärmt diese langsam Schritt für Schritt, ohne auch nur im Geringsten zu kratzen. Am Ende ist noch etwas Fenchel, Teer und Gummi im Nachhall, das sich mit dem Getreidigen der Hirse aus dem Basismaterial verbindet und ein schönes Mundgefühl hinterlässt. Für mich persönlich ist Baijiu eine Spirituose, die von hohem Alkoholgehalt profitiert; beim Flamma Rot ist dies klar zu erkennen.

Mixed Drinks und Baijiu, das kann kompliziert sein. In vielen Rezepten übernimmt Baijiu die komplette Aromatik und drückt alles andere weg. Im Nuclear Banana Daiquiri setzt man normalerweise ungereiften Overproof-Rum ein, und hier zeigt sich erneut die Nähe, die diese Spirituosen teilen: Mit beispielsweise dem Wuliangye Flamma Rot kriegt man hier ein prächtiges Tropifrutti-Aromenspiel. Ich nehme eigentlich immer Chartreuse Verte statt Jaune, das gibt mehr Charakter, und ein kräftiges Falernum statt meines sonst üblichen zarten Velvet Falernum sorgt für zusätzlich Körper.

Nuclear Banana Daiquiri Cocktail

Nuclear Banana Daiquiri
1 oz / 30ml ungereifter Overproof-Rum (oder, noch interessanter: Baijiu)
⅔ oz / 20ml Chartreuse jaune (verte für die Profis)
⅔ oz / 20ml Falernum
⅔ oz / 20ml Limettensaft
½ Banane
Auf Eis blenden.
Mit Bananenscheibe und Sternanis dekorieren.
[Rezept nach Gregor de Gruyter]


Sehr nett sind die Flaschen aufgemacht – ganz im Gegensatz zu den sonst bei Baijiu durchaus üblichen Kitscheffekten, Plastikgold und Materialschlachten sind die drei Flammen sehr dezent gestaltet. Dass die drei Sorten mit zunehmendem Alkoholgehalt auch immer mattierter werden, ist ein hübscher Effekt. Auch, dass man hier nicht große Marketinggeschichten erzählt, sondern die Steigerung des Alkoholgehalts über diese Flammensymbole darstellt, finde ich sehr apart, das erinnert irgendwie an diese ultrascharfen Chilisaucen, bei denen man sich von unten an die Königsklasse herantasten kann. Auch die Füllmenge ist gut gewählt: Kleine Fläschchen, bei denen man erstmal ausprobieren kann, und nicht gleich 750ml kaufen muss, das ist selbstbewusste Kundenfreundlichkeit.

Die Frage, wo man das kaufen kann, muss ich endlich mal nicht mit „selbst aus China importieren!“ beantworten – es hat sich ein Importeur gefunden, der verschiedene Sorten Baijiu in Deutschland zu vernünftigen Preisen und in überraschender Vielfalt anbietet. Das ist noch keine Situation wie bei anderen Spirituosen, aber allein, dass man nun rund 10 Sorten Baijiu verschiedener Stile und Hersteller einfach so gut kaufen kann (sogar ein Ladengeschäft in Köln gibt es!), ist schon sehr zufriedenstellend.

Offenlegung: Ich danke der Jaxin Wein & Spirituosen GmbH für die kosten- und bedingungslose Zusendung dieses Baijiu-Sets.