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Destillerie Armand Guy Pontarlier Liqueur de Sapin, Anisée und Absinthe Titel

La France spirituelle – Destillerie Armand Guy Pontarlier Le Vert Sapin, Anis Ponsec und La Pontissalienne

Vielleicht kennt das der eine oder andere meiner Leser aus eigener Erfahrung: Die Jahreszeiten, dabei insbesondere die Außentemperatur und die Dauer des Sonnenlichts, beeinflussen ganz stark, welche Spirituosen ich bevorzuge. Im dunklen Winter trinke ich gern schwere, süße Brandys oder Bourbons, im Frühjahr entdecke ich plötzlich meine Liebe für den leichteren Tequila wieder, im Herbst sind es oft Liköre, die mich begeistern. Der Sommer aber, insbesondere der so richtig derb heiße Hochsommer, bei dem die Luft flirrt und sich kein noch so kleines Windchen regt, lässt mich zu Anisées und Anisettes greifen.

Ouzo war dabei oft das Gift der Wahl, in letzter Zeit habe ich für derartige Bedürfnisse auch türkischen Rakı für mich entdeckt. Ein Gläschchen Sambuca zeigt, dass neben Griechen und Türken auch die Italiener guten Anisbrand herstellen – und nun beginne ich auch, langsam die Fühler in Richtung Frankreich auszustrecken, um deren Anisées kennenzulernen. Gerade in Frankreich sind diese Anisschnäpse und -liköre Kinder der Not; nachdem der dort äußerst beliebte Absinthe praktisch weltweit auf einen Schlag zu Beginn des 20. Jahrhunderts verboten wurde, war der Bedarf nach einer Alternative groß, und man versuchte, den Wunschgeschmack anders herzustellen als über die als wahnsinninduzierend verschrieenen Wermutkräuter mit ihrem hohen Thujon-Gehalt (wie sich herausstellte, war es banalerweise aber wohl eher der hohe Alkoholgehalt in Verbindung mit maßlosem Konsum, der zu geistigen Ausfällen führte). Enter: Anis.

Eines der drei Produkte aus der Destillerie Armand Guy, von denen mir Importeur Lion Spirits unaufgefordert und kostenlos je 10cl zum Testen zur Verfügung stellte, ist genau so ein Anisschnaps, der Anisée Pontarlier Anis Ponsec. Darüberhinaus will ich hier noch die anderen beiden vorstellen –  den Tannennadellikör Le Vert Sapin, und den Absinthe La Pontissalienne.

Destillerie Armand Guy Pontarlier Le Vert Sapin, Anis Ponsec und La Pontissalienne

Beginnen wir beim vielleicht ungewöhnlichsten des Trios – beim Le Vert Sapin handelt es sich um einen Tannennadellikör: Frisch gepflückte Tannentriebe werden angesetzt und destilliert, und danach nochmal 2 Wochen mit getrockneten Trieben mazeriert. Die Farbe ist giftig neongrün, passend eigentlich zu den gelbgrünen Tannennadeltrieben, die ich zum Vergleich gesammelt habe (siehe Foto). Irgendwie habe ich aber trotzdem so meine Zweifel daran, dass diese Farbe natürlich ist, ein paar Tropfen Farbstoff würde ich vermuten, insbesondere, da grüne Naturfarbe in Spirituosen nach meiner Erfahrung meist nicht sehr beständig ist und schnell graubraun wird. Manchmal muss man einen Rückzieher machen – eine Rücksprache mit dem Importeur hat ergeben, dass diese Spirituosen alle nicht künstlich nachgefärbt sind.

Der Geruch ist ein Traum – eine Mischung aus Chartreuse und Fichtenwald und Kräuterbeet im Hochsommer, mit Harz, Holz, Apfelessig und leichten orangigen Komponenten. Sehr spannend und komplex, da kann man lange dran schnuppern und neues entdecken.

Le Vert Sapin Likör

Ich habe den Geschmack von frisch gepflückten Tannennadelsprossen neulich erst, bei einem Waldspaziergang, probiert – es ist eine Mischung aus Zitrone und Petersilie, wenn man mich fragt, eigentlich sehr angenehm, gut erfrischend zum Draufrumkauen, wenn man mit dem Hund unterwegs ist. Je hellgrüner sie sind, um so zitroniger; je dunkler sie werden, um so harzig-tannig-holziger werden sie. Der Geschmack des Le Vert Sapin gleicht diesem tatsächlich etwas, allerdings ist die Süße des zugesetzten Zuckers natürlich erstmal überwältigend. Harz, Holz, Orange, ein Touch von Rauch, Rosmarin, Basilikum und schließlich Minze im Ausklang – oh, das ist ein gefährlicher Tropfen, bei dem man gern den letzten Tropfen aus dem Glas lutscht. Der Abgang ist leicht pappig, mindestens aber süß, recht kurz und unaufgeregt, mit sehr milder Wärme, die den immerhin 40%-igen Alkoholgehalt kaum erkennen lässt. Aufgegossen mit etwas eiskaltem Sprudel oder Tonic Water ist der Le Vert Sapin übrigens ein ganz herausragendes Erfrischungsgetränk mit viel Charakter für den angesprochenen heißen Sommer.

Wir verlassen den Tannenwald, kommen auf die Einleitung zurück und schauen uns das nächste Produkt aus derselben Destillerie an – den Pontarlier Anis Ponsec. Die Franzosen (wie viele Mittelmeeranrainer) sind sehr viel anisverliebter als wir Deutschen, man kennt ja vielleicht den Pastis Ricard oder den Anisée Pernod aus dem Urlaub. Die Besonderheit hier im Gegensatz zu Pastis ist, dass hier nicht nur eine Kräutermazeration, sondern eine Redestillation eines Anis-Alkoholgemischs erfolgt, und keine Lakritzaromen zugefügt werden.

Pontarlier Anis Ponsec

Der Anis Ponsec ist leicht gelbgrün, passend zum verwendeten grünen Anis (wobei auch hier, wie schon zuvor, wahrscheinlich künstlicher Farbstoff mit im Spiel ist nein ist er nicht). Wie auf dem Foto zu sehen, verkoste ich den ihn auf die Art und Weise, wie er üblicherweise getrunken wird – mit etwas Eiswasser. Dabei sieht man auch schön den Louche-Effekt, der die eigentlich gelbgrüne Flüssigkeit in blickdichtes Weiß verwandelt.

Die Nase ist in diesem Zustand oberflächlich sehr stark lakritzlastig (selbst wenn diese nicht, wie erwähnt, verwendet wird), mehr noch als die meisten Ouzos oder Rakιs, die ich kenne. Leicht mentholig, sonst nicht viel – der Anis übertüncht alles andere ohne Gnade. Der Geschmack ist süß und dicht, auch hier natürlich mit Anis im Vordergrund. Der Anis Ponsec ist zwar kein Anisette (also Anislikör), dennoch ist er leicht gezuckert. Ein recht cremiges Mundgefühl sorgt für eine schöne Trinkbarkeit selbst für mich, der bei Anisées eine eher zurückhaltende Lakritzdichte mag – das kreide ich dieser Spirituose natürlich nicht an, denn, so wie bei Gin definitorisch der Wacholder im Vordergrund stehen muss, muss bei Anisée der Anis vorherrschen. Der Abgang ist trotz der Verdünnung mit Wasser angenehm alkoholisch (die 45% Alkoholgehalt sorgen dafür), salzig, sehr lang und perfekt rund. Im Nachhall verdeutlichen sich schließlich erneut Anis und Fenchel.

Persönlich ist mir dieser Anisée klar zu eindimensional anislastig, da ist kaum etwas anderes zu riechen oder zu schmecken. Etwas mehr Komplexität wäre wünschenswert, so ist er für mich persönlich, verdünnt mit Wasser, ein netter Aperitiv, mehr aber nicht.

Zu guter letzt kommt der Dritte im Bunde zum Zuge: La Pontissalienne ist als Absinthe das, was die Destillerie Armand Guy ursprünglich eigentlich als ihre Domäne auszeichnete, bis die Gesetzgebung zuschlug, um die Menschen vor dem Wahnsinn der „grünen Fee“ zu bewahren. Erst 2011, nach der Aufhebung des unsinnigen und willkürlichen Absintheverbots, wurde diese Spirituose wiederbelebt, nachdem sie 100 Jahre scheintot vor sich hindämmerte.

La Pontissalienne

Ohne Wasserzusatz ist dieser Absinthe hellgrün, mit starken gelben Reflexen. Im Glas ist nur eine leichte Viskosität erkennbar, die entstehenden Beine beim Schwenken laufen schnell ab. Wie bei Absinthes üblich, haben wir hier einen erhöhten Alkoholgehalt von 56% vor uns – da man ihn praktisch nicht pur, sondern meist mit Eiswasser trinkt, ist dies auch gut so. Das flashige Ritual mit dem flambierten Zuckerwürfel, das wohl erst am Ende des 20. Jahrhunderts in Tschechien als Marketingmaßnahme entstanden ist, brauchen wir wahren Genießer nicht. Mit langsam eintröpfelndem Wasser wird der La Pontissalienne langsam trübe, behält aber, im Gegensatz zum Anisée, der komplett blickdicht und weiß wird, eine gewisse Transparenz und seine gelbgrüne Farbe.

Unverdünnt rieche ich Fenchel, eine sehr kräuterlastige Oberfläche (ich gehe davon aus, dass dies das Wermutkraut ist – leider hatte ich noch keine Gelegenheit, das Kraut außerhalb von Spirituosen zu riechen), Zitronenschale, eine leichte fleischige Komponente und deutlich Ethanol. Nach der Verdünnung werden Fenchel und Wermutkraut noch dominanter, und die Zitrone beginnt zu leuchten. Sehr angenehm.

Unverdünnt ist der Geschmack stechend, anislastig, auch hier leicht fleischig oder umami. Im Abgang kommt Zitrone zum Vorschein; der Abgang ist kurz, dabei kurz heiß aufflammend und dann schnell wieder verlöschend. Sehr rein und klar wirkt der La Pontissalienne dabei. In Wässerung verbreitert sich das Profil, wird weicher und weniger vom Anis dominiert. Die grundsätzlichen Eindrücke bleiben aber erhalten – umami, Zitrone, Fenchel. Der Abgang verlängert sich um das vielfache und ist viel aromatischer als zuvor; ein sehr schöner Effekt, der zeigt, dass Wasser hier nicht verdünnt, sondern die Spirituose sich erweitern lässt. Ich bin mir sehr sicher, dass dieser weiche Absinthe sich wunderbar als Glasaromatisierung in einem Sazerac-Cocktail macht.

Das leitet über zum nächsten Thema. Aktuell sind schwarz gefärbte Cocktails ein kleiner, geheimer Trend. Viele greifen zu Sepia oder Kohle, um die Schwärze herzustellen; man kann, wenn man sich mit einem dunklen Grau zufrieden gibt, auch die Kombination nutzen, die im Violetta die zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftige Farbe entstehen lässt – der Louche-Effekt bringt die Blickdichte mit sich. Veilchenlikör und Anisée passen überraschend gut zueinander, und der Ananassaft sorgt für etwas Schaum und Körper.

Violetta


Violetta
¾ oz Anisée (z.B. Pontarlier Anis Ponsec)
 ¾ oz Veilchenlikör (z.B. The Bitter Truth Violet Liqueur)
1½ oz Ananassaft
½ Teelöffel Grenadine
1 Spritzer Sprudel
Auf Eis shaken.
[Rezept nach unbekannt]


Ein Gesamtfazit kann man hier natürlich nur schwer ziehen, dazu sind diese drei Spirituosen zu unterschiedlich. Was man definitiv sagen kann ist, dass hier bei der Herstellung nicht geschlampt wird, und man hochwertige Qualität aus einer bis heute familiengeführten, traditionsreichen Destillerie bekommt, die sogar offen mit Information umgeht. Für mich persönlich ist insbesondere der Le Vert Sapin ein sehr aufregender und im Gedächtnis bleibender Likör, von dem ich sicherlich, wenn das Sample aufgebraucht ist, eine volle Flasche akquirieren werde. Allen frankophil veranlagten Trinkern unter meinen Lesern kann ich aber praktisch ohne Bedenken alle drei hier vorgestellten Produkte empfehlen, als hochwertiger Ersatz für die etwas gewöhnlichen Massenprodukte Ricard und Pernod, wenn einen die Sommerhitze einmal niederstreckt und man einen kräuterig-wilden Gemütsaufheller und Munderfrischer braucht.

Offenlegung: Ich danke Lion Spirits für die unaufgeforderte, kostenlose Zusendung dieses Probesets an Spirituosen.

Absinthe Emanuelle Titel

Mein Ohr ist noch dran – Absinthe Emanuelle „Vom Fass“

Es gibt Spirituosen, vor deren Genuss eine gewisse Prozedur der Zubereitung oder Präsentation erforderlich ist, selbst wenn man sie pur oder nur leicht modifiziert trinkt. Der geneigte Gin&Tonic-Freund weiß ja bereits, dass es Regeln zum Bauen eines gelungenen Gin&Tonic gibt, Cask-Strength-Whisky-Trinker haben einen kleinen Krug mit Wasser stets in Griffnähe bereitstehen, und das eigentlich unsägliche Tequila-Ritual mit Salz und Limette macht aus dazu verwendetem unterdurchschnittlichem Agavenschnaps ein Erlebnis. Die Krönung des ganzen stellt aber die traditionelle, professionelle Weise dar, wie man Absinthe vorbereitet.

Das kommt nun dem einen oder anderen vielleicht etwas exaltiert und prätenziös vor, schließlich könnte man das Wasser, das bei einer Alkoholstärke von 50-80% dringend nötig ist, auch einfach so in den Absinthe kippen. Natürlich muss man nicht den Aufwand betreiben und einen tropfenden Wasserhahn installieren; persönlich bin ich aber der Meinung, dass es das Genusserlebnis enorm steigert, wenn man die Zubereitung mit Stil und Eleganz durchführt. Schließlich sind wir hier Alkoholgenießer, und nicht am möglichst schnellen Besäufnis interessiert.

Daher ist auch die Auswahl der verwendeten Spirituose von zentraler Bedeutung. Doch bei Absinthe laufen selbst fortgeschrittene Spirituosenconnaisseure in ein Problem – während es für Whisky, Bourbon, Rum, Tequila und anderes Hochprozentiges viele Ratgeber und Kauftips gibt, man in Supermärkten und Fachhandlungen eine große Auswahl von Produkten zur Verfügung hat, ist es bei Absinthe sehr viel schwieriger, Qualität zu finden. Einerseits mag dies daran liegen, dass das Verbot der Herstellung von Absinthe in Deutschland erst seit 1998 wieder aufgehoben wurde, und 75 Jahre Herstellungsverbot sorgen natürlicherweise für einen gewissen, bis heute nachlaufenden Mangel an Auseinandersetzung mit Absinthe; andererseits ist auch der Geschmack eigenwillig und kaum als Massenprodukt durchsetzbar. Ein Absinthe, der in diversen einschlägigen Absinthe-Internetforen immer wieder mal genannt wurde, und den ich mir nun als Einstiegsprodukt für mich in diese Welt der grünen Fee ausgesucht habe, ist der Absinthe Emanuelle „Vom Fass“.

Vom Fass Absinthe Emmanuelle Flasche

Dieser Absinthe weist eine helle, grasgrüne Färbung auf, die schon leicht ins gelbliche übergeht. Die Flüssigkeit ist kaum viskos. Positiv fällt ein sehr durchdringender, aromatischer Geruch auf, der sich direkt nach Eingießen im Zimmer verbreitet. Deutlich erkennbarer Anis, schon fast Lakritz. Kerbel und Fenchel, aber auch überraschend blumig nach Jasmin. Leichter Beigeruch von Lebkuchengewürzen, trockenem Tabak und verkokeltem Plastik. Sehr angenehm und spannend zu riechen.

Zunächst ein paar Tropfen pur; bei 55,0% ist das grenzwertig. Im Mund sind die Aromen sehr viel weniger vielfältig. Der Geschmack nach Lakritz ist überwältigend und alles andere überdeckend, als hätte man, wie man das bei schlechtem Tequila mit Limettenvierteln macht, zum Trinken in eine schwarze Haribo-Lakritzschnecke gebissen. Wenn man das Etikett liest, wundert man sich nicht: Süßholz als Zutat sorgt wahrscheinlich für diese Eindeutigkeit. Salzig. Pfeffrig. Sehr aggressiv. Korrodiertes Metall, feuchtes Holz, nasses Laub.

Ein mittellanger bis kurzer Abgang überrascht bei dieser Wucht etwas. Doch man kommt nicht ungeschoren davon: Der Emanuelle ist adstringierend am Gaumen und betäubend auf der Zungenspitze. Im Rachen ist ein interessanter, schwer zu definierender Holzgeschmack zu beobachten. Auch wenn der restliche Abgang eher kurz ist, Anis bleibt noch eine gefühlte Ewigkeit im Mundraum.

Mit ein paar Tropfen Wasserbeigabe setzt ein leichter Louche-Effekt ein; die milchige Flüssigkeit geht noch mehr ins Gelbe über. Der Geruch nimmt eine zitronige Komponente auf, wird ingesamt natürlich schwächer. Auch im Geschmack ist das Süßholz zwar noch klar bestimmend, aber nicht mehr ganz so brutal. Kräuterige Aromen werden stärker, Fenchel und Kerbel vielleicht.

Vom Fass Absinthe Emmanuelle Glas Louche

Abgefüllt ist der Absinthe Emanuelle in ein neutrales Fläschchen mit „Vom Fass“-Einlassung; hervorragend finde ich, dass man ihn in verschiedenen Größen erwerben kann, direkt über die Abfüllerhomepage. 8€ für 100ml ist ein gehobener Preis für Spirituosen im Allgemeinen, Qualitätsabsinthe ist aber eh schon grundsätzlich in höheren Preissphären angesiedelt. Da kein Etikett auf die Flasche geklebt wird, sind einige wenige Details auf einem Flaschenanhänger untergebracht. Mehr Infos wären allerdings sehr wünschenswert, passen aber vielleicht nicht in das Geschäftsmodell von „Vom Fass“, das auf halbanonymisierte Markenprodukte in neutralen Flaschen setzt.

Absinthe Emanuelle Etikett

Absinthe hat es im alltäglichen Cocktailbetrieb nicht ganz leicht. Dabei war es früher, vor dem seltsamen, irrationalen Verbot eine beliebte Zutat; einer der bekanntesten und meines Erachtens besten Cocktails überhaupt, der Sazerac, nutzt Absinthe, um mehr ein einzigartiges Geruchs- als ein Geschmacksbild zu erzeugen, indem man das Glas mit Absinthe nur ausspült.

Der moderne Bartender hat vielleicht nicht mehr die Muße, ein Glas gemütlich auszuschwenken. Für den gestressten Mixer gibt es die Möglichkeit, den Absinthe in eine Sprühflasche zu füllen und mit ein, zwei gezielten Sprühstoßen denselben Effekt zu erzielen. Dazu nimmt man eine Sprühflasche, die auch für Essig geeignet ist und die man normalerweise dazu verwendet, Dressing auf Salat zu sprühen. Auf jeden Fall sollte sie lebensmittelgeeignet sein, man will ja nicht, dass sich Plastik und Gifte in den Absinthe lösen – etwas mehr zu investieren zahlt sich hier aus.

Absinthe Emanuelle Sprühflasche

Eine kleine, aber feine Variation auf den weltbekannten Sazerac ist der Latin Quarter. Die Zubereitung funktioniert aber identisch: Das Glas kühlen, dann mit Absinthe aussprühen oder -spülen, und dann die Mixtur zugeben. Wie man auf dem Foto des Cocktails sieht, kann das Aussprühen einen schönen Schimmereffekt am Glas erzeugen, den das Ausspülen nicht erreicht. Und, wertvoll für den vergesslichen Heimbartender, der Sprühstoß kann auch erfolgen, nachdem der Drink schon im Glas ist. Einreißen lassen sollte man so eine Nachlässigkeit aber natürlich trotzdem nicht.

Latin Quarter


Latin Quarter
2 oz dunkler Rum (z.B. Damoiseau VO)
½ Teelöffel Zuckersirup
3 Spritzer Peychaud’s Bitters (alternativ The Bitter Truth Créole Bitters)

1 Spritzer Angostura
1 Spritzer Xocolatl Mole Bitters
In einem Glas, das mit Absinthe Emmanuelle ausgesprüht wurde, servieren.
Vorher noch eine Zitronenzeste darauf ausdrücken.


Leider schafft es kein Absinthe, den ich bisher probiert habe, mich zum Absinthe-Fan zu konvertieren; auch dem Absinthe Emanuelle gelingt dies nicht. Der sehr spezielle Geschmack ist einfach nicht mein Ding, doch erkenne ich nichtsdestotrotz deutliche Qualitätsunterschiede zwischen einzelnen Produkten. Die oft in Supermärkten erhältlichen, industriell hergestellten, grellgrün gefärbten Liköre, die meist mit Absinthe nur die starke Anis-Note gemein haben, ohne den krautig-herbalen Untergrund, lasse ich schon seit längerem im Regal stehen. Der Absinthe Emanuelle ist ein erster Schritt heraus aus diesem Pseudoabsinthe, und gerade für Leute wie mich, die Absinthe ausschließlich als Cocktailzutat nutzen, ein sehr geeignetes Produkt mit gutem Preisleistungsverhältnis.

Zum Vergleich habe ich noch eine Flasche eines Premium-Absinthes im Regal: Der Absinthe Nouvelle-Orléans wird dann bald einen eigenen Artikel mit Verkostungshinweisen bekommen.