Säkularbier mit Klosternamen – St. Bernardus Pater 6, Prior 8 und Abt 12

Regelungen, Regelungen, Regelungen. Ich weiß nicht, ob ich der einzige Spirituosenblogger bin, der sich damit wirklich auseinandersetzt, aber ich merke in letzter Zeit, dass die Recherche für manche Produktgruppen schnell in den Graubereich von gesetzlichen Vorschriften führt, die zu interpretieren sind, die kaum durchgesetzt werden, die dem Nichtfachmann in den allermeisten Fällen nichteinmal bekannt sind.

Und selbst, wenn man denkt, man hätte alles nun grob gesehen, finden sich neue Sätze von Legislaturen, die man kaum für möglich gehalten hätte. In diesem Fall hier geht es um belgisches Bier. Jenes ist ja nun wirklich nicht bekannt für seine Regelungswut, im Gegenteil, es ist ein sehr lebendiges, freies Medium, in dem Brauer ihre Meinung ausdrücken können, ohne befürchten zu müssen, von einem erzkonservativen Reinheitsgebotsstaat an der Ausübung ihrer Berufsfreiheit gebremst oder gar gehindert zu werden. Dennoch gibt es für manche Bierstile ein paar Schutzmechanismen – darüber bin ich bei der Hintergrundinformationssuche für das St. Bernardus Pater 6, Prior 8 und Abt 12 gestolpert.

Die Stilbezeichnung auf dem Etikett ist „Abbey Ale“, also Klosterbier. Da man die Tradition der belgischen Kloster- und Ordensbiere schützen will, dürfen nur ausgewählte, tatsächliche Trappistenkloster das begehrte „Trappistenbier“ herstellen, beziehungsweise besser gesagt, für ihre Produkte diese Bezeichnung tragen – das legt der belgische Brauerbund fest. Darunter gibt es eine Gruppe von Klöstern und klosterähnlichen Orten, die „zertifizierte Klosterbiere“ brauen und als solche auf den Markt bringen dürfen. Schließlich gibt es am Ende dieser Kette dann noch nicht-zertifzierte „Klosterbiere“, zu denen die Biere von St. Bernardus gehören – zu beachten ist dabei eben, dass St. Bernardus kein Kloster ist, sondern eine einfache säkulare Brauerei. Daher ist das für mich eine spannende Sache, bei der es allerdings mehr um Namens- und Verkehrsbezeichnungsrechte geht, als um den Inhalt der Flaschen, die den entsprechenden Aufdruck tragen. Probieren wir uns durch ein Teilsortiment der Brauerei  im belgischen Watou, die als, salopp gesprochen, kommerzielles Spin-Off der Trappistenbrauerei St. Sixtus Bier herstellt, weil letztere ihre Produktion nicht mehr an die Öffentlichkeit herausgeben wollte.

St. Bernardus Sortiment Flaschen

Wir fangen auf der niedersten Stufe der Klosterhierarchie der Brauerei St. Bernardus an – dem Pater 6. Die Zutatenliste auf der Rückseite weist Zucker auf, aber bevor die Fanatiker des deutschen Reinheitsgebots wieder abschätzig abwinken, dieser dient natürlich der Methode der Flaschengärung und ist deswegen im Endprodukt nur noch in Spuren, wenn überhaupt, vorhanden – die Hefen haben ihn weggefressen und statt dessen 6,7% Alkohol hinterlassen.

Diese Flaschengärung ist wahrscheinlich auch der Verantwortliche für die kräftige Schaumentwicklung beim Eingießen – das beobachtet man bei vielen derart hergestellten Bieren. Der üppige Schaum ist farblich dunkles Elfenbein und besteht aus einer schönen Mischung aus großen und kleinen Blasen, und ist sehr langlebig. Das Bier selbst ist sehr dunkelbraun, mit leicht rötlichen Reflexen. Perlage? Fehlanzeige.

St. Bernardus Pater 6

Beim Geruch ist mein erster Eindruck: Ahoj-Brause, Waldmeister-Geschmack. Sehr verblüffend. Leicht metallisch, malzig und zitronig. Die errochene Säure ist auch im Geschmack präsent. Ich gebe zu, ich hatte ein süßliches Dubbel erwartet; hier bekommt man ein eher mildsauer-würziges Bier. Ich bestehe darauf – es hat etwas Waldmeister-Anklänge, dazu Brause und Zitrone. Die Säure gleicht den Mangel an Rezenz aus. Das ganze wird durch eine hintergründige, milde und dezente Süße in Zaum gehalten. Malzwürze gibt dem ganzen Körper und Power. Im mittellangen Abgang ist es kräftig-würzig, trocken und mildbitter. Die Säure schießt nun etwas vor.

Insgesamt ein für mich unerwartetes Geschmacksbild, das mir aber sehr zusagt. Tatsächlich etwas, von dem ich sicher bin, mir noch ein paar Fläschchen zuzulegen – dankenswerterweise ist St. Bernardus ein Stammgast im Bierregal des französischen Supermarkts direkt bei mir um die Ecke. Dort stammt natürlich auch der Vorgesetzte des Paters, der Prior 8, her. Wird die Zahl im Namen von den 8% Alkoholgehalt abgeleitet? Man könnte es vermuten.

St. Bernardus Prior 8

Rein optisch haben wir ein Déja-Vu. Dunkles Braun, blickdicht, kaum Perlage. Mir ist beim Öffnen die Flasche direkt übergelaufen, und wollte gar nicht mehr aufhören zu schäumen. Vorsicht daher! Flaschengärungsbiere sind da etwas empfindlich. Am Ende bleibt ein dünnes Schaumtonsürchen in Cremefarbe.

Der Geruch erinnert an Zitronat, auch hier Brausepulver, dunkles Malz. Mildsauer. Im initialen Mundgefühl ist der Prior cremig, aber nicht wirklich süß. Zitronig, und mit zunehmender Aufenthaltsdauer im Mund immer saurer. Limettensaft. Erkennbar saurer als das Pater 6 – oder vielleicht besser gesagt, weniger süß. Das ist wahrscheinlich auch der Hauptunterschied zum Vorgänger, neben dem erhöhten Alkoholgehalt natürlich. Auch hier findet man wenig Rezenz, die man aufgrund der Säure aber auch nicht vermisst. Leichter, heller, fast schon dünner Körper. Im Abgang fühle ich Grapefruit, kräftiger werdende Säure und Bittere. Mittellang, Brauseschaumeffekte am Gaumen. Trocken und adstringierend.

Wer jetzt damit gerechnet hat, dass der Abt 12 der angedeuteten Korrelation zwischen Namen und Volumenprozenten dann eben mit zwölf Prozent Alkoholgehalt daherkommt, hat sich getäuscht – 10% sind es, diese reichen aber auch völlig aus. Der Abt ist der höchste Rang in der klösterlichen Mönchshierarchie, ist es das entsprechende Bier auch das höchste der Biergefühle?

St. Bernardus Abt 12

Farblich sind wir nun schon eine erkennbare Stufe dunkler. Die Schaumentwicklung beim Eingießen ist erneut enorm. Nach einer kurzen Ziehphase bleibt ein sehr feiner, beigener Flaum auf dem Bier erstaunlich lang lebendig. Geruchlich hat sich nur wenig geändert. Die Brause ist nicht mehr ganz so stark präsent, aber immer noch erschnupperbar. Zitrone, ein leichter Metallton und eine würzige Malznote sind bei dieser Ausprägung des St. Bernardus mehr im Vordergrund.

Und auch im Mund erleben wir eine Abwechslung – wieder cremig, dafür aber bei weitem nicht so sauer wie die zwei Subordinierten des Abts. Das ist deutlich süßer, malziger, milder als Pater und Prior, und auch körpervoller und dichter als diese. Das Amt bringt es mit sich – das Abt 12 ist das deutlich gehaltvollste der drei Biere, schwer und kräftig, ohne sich dabei dann aber völlig von der Säure zu lösen. Insgesamt wirkt es aber dennoch etwas lasch, schal und wenig spannend. Der Abgang ist lang, adstringierend und sauer, mit einem deutlichen Metallton. Die auf dem Etikett angegebene Trinktemperatur von 10-12° halte ich persönlich für viel zu niedrig – fast Zimmertemperatur ist so einem Bier durchaus angemessen.

Alle drei Biere wissen durchaus zu gefallen und sind für jeden Freund belgischen Biers einen Versuch wert. Ich persönlich greife gern öfters zu, gerade, weil ich säuerliche Biere sehr mag, und die Mönchsbiere von St. Bernardus mir daher entgegenkommen. Nun will ich aber meinen Sermon beenden und beschließe die Predigt mit einem Schluck aus der Bierpulle. Amen!

Ohr- und Gaumenfreuden – „Cocktail meets Whisky“ bei der Whiskytruhe

Gern wird immer wieder mal das Bonmot zitiert, dass man nicht allein trinken soll, sondern in Gesellschaft. Ersteres ist, zugegebenermaßen, ein gefährlicher, abschüssiger Weg (jetzt mal natürlich nur rein hobbypsychologisch gesprochen). Entsprechend es ist ein hartes Leben als Spirituosenblogger, denn das tiefe Probieren und Verkosten, das für Tasting Notes erforderlich ist, kann man eigentlich nur allein durchführen, um die Konzentration und den Fokus zu erhalten, der dafür nötig ist.

Doch auch so ein Blogger hat mal Lust auf einen weniger anstrengenden Drink, und woher die Gesellschaft nehmen, wenn nicht stehlen, und gerade kein Saufkumpan zur Verfügung steht? In einer Bar ist man ja auch eher allein unter anderen Menschen, wenn man solo aufbricht. Die Lösung: Whiskyverkostungen! Diese sind durchaus in Mode. Es ist ja auch eine tolle Sache – man bekommt etwas gutes zu trinken, lernt neue Spirituosen und Leute kennen und im Idealfall hat die Veranstaltung auch etwas von einem Eventcharakter, so dass die Unterhaltung nicht zu kurz kommt. Man will ja eigentlich nicht am Abend auf eine Lehrveranstaltung, sondern Spaß haben, selbst (oder gerade!) als Kenner.

Cocktail meets Whisky - Eintrittskarten

Am 28. Oktober 2017 fand auch ich, zugegebenermaßen ausschließlich dank meines Navigationsgeräts, den Weg zu so einer Whiskyverkostung. Tief im ländlichen Saarland, in Schmelz/Limbach, lud Gastgeber Markus Hawner, der Geschäftsführer von Whiskytruhe, zu einem Multifunktionsabend ein. „Cocktail meets Whisky“ hieß das Motto – entsprechend konnte man sich nicht nur auf Spirituosenproben freuen, sondern auch auf damit live gemixte Cocktails und Longdrinks.

Ein Blick in den kleinen, charmanten Laden von Markus Hawner zeigt direkt, dass es sich bei seinen Veranstaltungen nicht um kühle Vorträge handelt, in denen ein gelangweilter Brand Ambassador eines Konzerns sein Portfolio zum hundersten Mal runterrattert. Man sitzt auf einer Couch oder Fässern, steht an einem aus Fässern hergestelltem Stehtisch oder lehnt gemütlich an einer Wand, während Markus eine Auswahl an Whiskys präsentiert.

Cocktail meets Whisky - Gruppe

Die Atmosphäre ist sehr lässig, entspannt, man merkt, dass sich der eine oder andere schon kennt. Da wird laut geredet und gelacht, diskutiert und palavert – in manch einer Veranstaltung musste ich mich zum Räuspern aus dem Raum begeben, weil sonst die anderen Teilnehmer einen vorwurfsvoll anschauen; hier gibt es das nicht.

Was gab es zu trinken? Markus Hawner legte einen Schwerpunkt auf Roggenwhiskeys aus den USA, und ergänzte dies durch Whiskys aus der alten Welt. Entsprechend begann der Abend mit den amerikanischen Straight Rye Whiskeys Jim Beam Rye, Knob Creek Rye und 1776 Rye, dazu kam als Übergang der irische Vertreter Knappogue Castle 12, und am Ende die schottischen Black & White und Kilchoman Single Malt, die zeigen sollten, dass auch Scotch sich vor Cocktailvermischung nicht zu hüten braucht.

Cocktail meets Whisky - Auswahl

Zu jedem Whisky gab es eine kurze Einführung, Erklärung über die Produktion und die Basismaterialien, sowie ein paar Hinweise zu den zu erwartenden Aromen und Geschmäckern. Markus passt sich dabei dem zu erwartenden Kenntnisstand seiner Besucher an – man wird also nicht mit zuvielen Spezialistendetails überfrachtet, sondern bekommt einen kurzen, knackigen Überblick über einen Whisky und hat dann entsprechend mehr Zeit, sich selbst in der Verkostung ein Bild zu machen und mit den anderen Teilnehmern darüber zu diskutieren.

Cocktail meets Whisky - Gastgeber

Nun hieß der Abend ja nicht „Whiskey meets Whisky“, sondern „Cocktail meets Whisky“, und so wurde nach jeder Probe ein Cocktail angeboten, der genau diese Spirituose beinhaltet. Beispielsweise wurde zum Knob Creek Rye ein Dry Manhattan empfohlen – meine kleine Befürchtung, dass der immer noch sehr weit verbreitete Irrtum, dass ein Cocktail immer ein Liter Saft mit etwas Schnaps ist, hier fortgeführt werden könnte, hat sich da schnell in Luft aufgelöst – hier wurden klassische Rezepte gezeigt. Eugenia Schmidt, eine Cocktail-Amateurin im besten Wortsinn (nämlich jemand, der das liebt, was er oder sie tut), gab neben den von ihr auf professionellem Niveau gemischten Drinks noch den einen oder anderen Hinweis auf den Hintergrund des Cocktails, mit möglichen Twists oder Alternativrezepten.

Cocktail meets Whisky - Cocktail 1

Natürlich schadet auch ein Longdrink nicht – der angebotene Horse’s Neck war eine tolle Erfrischung nach all dem trockenen Whisky. Hübsch angerichtet mit der namensgebenden, langen, über das Glas hinaushängenden Zitronenzeste konnte auch hier die Bartenderin voll überzeugen.

Cocktail meets Whisky - Cocktail 2

Bei soviel Schnaps muss auch etwas gehaltvolleres her. Nach 3 Whiskys gab es eine kleine Pause, in der der Gastgeber das Fingerfood-Buffet eröffnete. Wraps, Datteln im Speckmantel, Pesto-Tortellini-Spieße und Schinken- und Käseschneckchen waren neben der kleinen Käseplatte ein idealer, fetthaltiger und sehr leckerer Grund, auf den man für den Rest des Abends weiter aufbauen konnte. Alles hausgemacht und in mehr als ausreichender Menge vorhanden.

Cocktail meets Whisky - Fingerfood-Buffet

Mit das prägendste Element des Abends war allerdings die musikalische Untermalung durch Pascal Saar, der mit seiner Cajon-Drumbegleitung Marvin Waldemar und irischen Folk-Klängen viel Rhythmus in die Veranstaltung brachte. So fühlte man sich stellenweise wie in einem irischen Pub, nicht mitzusingen war zu fortgeschrittener Zeit bei einigen Klassikern wie „Whiskey in the Jar“ und „The Wild Rover“ praktisch unmöglich. Großartige Unterhaltung!

Cocktail meets Whisky - Band

Kurz und bündig zusammengefasst – ein rundum gelungener Abend, der beweist, dass man über die Gefahren des Alkoholtrinkens sagen kann, was man will: Er ist auch, und vor allem, ein Kulturgut, das Leute zusammenführt und dazu bringt, das Leben etwas leichter zu nehmen und zu zelebrieren. Sehr gern werde ich in Zukunft weitere Veranstaltungen von Whiskytruhe besuchen.

Kurz und bündig – A.H. Riise Non Plus Ultra und Royal Danish Navy Rum

„Wenn du dich und den Feind kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten.“

So ein Aphorismus, den Sunzi in seinem Buch „Die Kunst des Krieges“, heutzutage verkommen zur neoliberalen Managerbibel, formuliert hatte. Tatsächlich ist das ein kluger Gedanke, und so mache ich mich auch auf, meinen Feind besser kennenzulernen. Die Produkte des dänisch-amerikanischen Herstellers A.H. Riise stehen auf meiner Liste der Staatsfeinde ganz oben, und so landen entsprechend nun zwei Abfüllungen dieses Hauses, gegen das eine Schokoladenfabrik wie ein Diabetikerzentrum wirkt, bei mir im Glas. Diese Besprechung basiert auf 4cl-Samples, weit mehr als genug für diesen Rum.

Beginnen wir mutig mit dem A.H. Riise Non Plus Ultra, angeboten in einem spektakulären Glasdekanter. Da man nichts über den Rum in diesem Gemisch weiß, als dass er von den amerikanischen Jungferninseln stammt (die Altersangabe „der älteste und beste, den wir haben“, die auf dem Karton zu finden ist, zähle ich mal nicht ernsthaft), gehe ich davon aus, dass auch ein Schuss Färbemittel den Weg in die Flasche gefunden hat. Eine schwere Öligkeit sorgt für schönes Schwenkverhalten im Glas.

A.H. Riise Non Plus Ultra

Die Nase erkennt eine schwere Süße, Toffee, Shortbread, Zuckerwatte – ein bisschen künstlich. Ein buttriger Unterton ist vorhanden, aber auch eine gewisse leicht säuerliche Fruchtnote. Ein leichter Lackton schwingt mit, und ein erkennbarer Ethanolgeruch.

Im Mund hat man dann halt alles mögliche, aber keinen Rum. Da ist Orangenaroma, künstliches Vanillearoma und Zucker. Der Rum hält nichts, was die Nase vielleicht noch versprechen mag. Praktisch kein Körper, keine Tiefe, alles klebt an der Oberfläche wie ein Schwimmer am Rettungsring. Null Komplexität, man schmeckt im Verlauf nur noch Alkohol und Zucker. Ersterer ist darüber hinaus nicht eingebunden, bei 42% spürt man das.

Der Abgang ist scharf, heiß, sehr kurz. Ich will es auch nicht länger machen, als nötig – das ist wirklich schlimm; es schmeckt nicht mal wirklich schlecht, sondern einfach halt billig, schlampig und lieblos gemacht, und oberflächlich.

82 g/L Zucker ist mit einer der höchsten Werte, die für einen Rum mit dem Hydrometer-Test je gemessen wurden. Übertroffen wird er eigentlich fast nur noch vom Ron Jeremy XO und, ja, dem nun im folgenden probierten A.H. Riise Royal Danish Navy Rum. Jener macht mit 96 g/L Zucker eigentlich am Ende jeder Zuckerliste das Licht aus. Ich will ihn eigentlich gar nicht probieren, aber was tut man nicht alles für die Wissenschaft.

Farblich unterscheidet er sich nicht vom Non Plus Ultra – helles Braun, mit Sicherheit gefärbt. Dieser künstliche Zuckerwatte- und Fruchtgummiunterton, den ich auch beim NPU gerochen hatte, ist hier das dominante Aroma. Wer sich von der Bezeichnung „Navy Rum“ etwas ähnliches wie einen britischen Tot erhofft hatte, verdreht die Nase. Man könnte mit viel gutem Willen, wenn man das Ethanol mal wegriecht, und die penetranten Orangen ignoriert, etwas wie Rum erkennen.

A.H. Riise Royal Danish Navy Rum

Geschmacklich ist es dann Orangenlikör. Sogar ein recht scharfer (ein grausiges Destillat muss es sein, das bei nur 40% und fast 100g Zucker noch so ziept!), unausgewogener, ohne jedwede Form der Komplexität – die arme dänische Marine. Im Abgang schmecke ich noch alte Socken und Kautabak, sogar eine leicht käsige Note. Ne, also wirklich. Am Ende dann doch noch ein kleines Highlight – der scharfe, kratzige Abgang ist sehr kurz. Leider pappt der pure Zucker einem noch minutenlang den Gaumen zu, ohne jedwedes Aroma.

Absurde Mondpreise werden für diese beiden Zuckersuppen aufgerufen – ich gebe einen Tipp. Man kaufe sich Rumaroma und E150a im Supermarkt, vermische das mit einer dreiviertel Flasche Vodka und gieße den Rest mit Zuckersirup auf. So zahlt man, nimmt man einen vernünftigen Vodka (obwohl selbst das nicht nötig ist, um das Geschmackserlebnis zu replizieren), unter 10€ statt 100€, hat aber ein von Geschmack und Qualität sehr vergleichbares Produkt im Glas. Will man noch was fürs Auge: einen opulenten Dekanter, wie den in dem der Non Plus Ultra geliefert wird, bekommt man auf dem Flohmarkt nachgeworfen.

Meine Kritik würde nicht ganz so ätzend ausfallen, würden die Hersteller sich dazu bequemen, statt „Rum“ einfach „Rumlikör“ oder „stark gesüßte Spirituose auf Rumbasis“ (am ehrlichsten wäre aber „mit Rum versetzter Zuckersirup“) aufs Etikett zu schreiben, und 20€ für den Liter zu verlangen. Selbst dann würde ich aber vom Kauf abraten, denn: das Zeug  schmeckt einfach nur künstlich.

Falernumzentrum Deutschland – Heinr. von Have The Amber Falernum Spiced Rum Infusion

Es ist faszinierend – die ganze Zeit war Falernum ein in Deutschland ungekanntes Produkt. Dabei ist der Likör, für den es kein wirklich festes Rezept gibt, der aber meist mit Gewürzen, Limetten und Ingwer hergestellt wird, doch Teil einer erklecklichen Anzahl von Cocktails.  Das aufwändige Selbstherstellen war die einzige Alternative zum praktisch einzigen kommerziellen Falernum über sehr lange Zeit – John D. Taylor’s Velvet Falernum, hergestellt von R. L. Seale & Co. Ltd, der Firma, zu der auch die inzwischen wohlbekannte und -geschätzte Foursquare Distillery gehört.

Seit kurzem hat man aber die volle Auswahl, und, und das halte ich für sehr erstaunlich und erwähnenswert, insbesondere mit Produkten, die nicht mühsam importiert werden müssen, sondern in Deutschland hergestellt werden  – The Bitter Truth war der Vorreiter in Deutschland für den eigentlich ur-bajanischen (also von Barbados stammenden) Rumlikör, es gibt ein deutsches Falernum von Intense, und seit kurzem hat auch Revolte Rum ein Falernum im Angebot.

Meine persönliche Meinung – da es keine klaren Vorgaben gibt, wie ein Falernum herzustellen ist, kann jeder Hersteller diesem Likör seinen eigenen Twist geben (was auch, wie ich aus erster Hand bestätigen kann, genauso geschieht), und entsprechend darf die wohlausgestattete Heimbar auch gern mehr als ein Falernum beinhalten. Warum also nicht entweder als Erstausstattung, oder als Alternativversion mal ein weiteres deutsches Produkt ausprobieren? Das Heinr. von Have The Amber Falernum Spiced Rum Infusion bietet sich dafür sehr an.

Heinr. von Have The Amber Falernum Spiced Rum Infusion

Die komplett schwarz überzogene Flasche schützt den Inhalt vor Lichtstrahlen und neugierigen Blicken. Im Glas wird die Farbe erkennbar – ein leicht trübes, blasses Strohgold, eine recht natürlich wirkende Kolorierung. Es verhält sich recht leichtflüssig und hinterlässt kaum Spuren am Glasrand.

Der Geruch ist dafür umso auffälliger, der sich direkt weit um das Glas herum verbreitet, wenn man es schwenkt. Man fühlt sich in wohl, wenn man daran riecht: Nelken, Zimt, Ingwer, Orange, Limettenschale. Bei tieferem Schnuppern kommt eine milde Rumnote zum Vorschein. Ich denke etwas an gut gemachten Glühwein.

Da bekommt man Lust, einen Schluck zu nehmen. Der Antrunk ist mild, süß, zitruslastig, sehr breit aber ohne große Tiefe. Auch im Verlauf bleibt der Likör leicht und vielleicht fast schon etwas wässrig – mit seinen 17% Alkohol liegt es im unteren Mittelfeld der oben in der Einleitung angesprochenen Falernums, wirkt aber deutlich dünner als diese. Der Zucker, der in einem Likör definitionsgemäß ordentlich enthalten ist, hält sich zurück, vielleicht ein Grund für diese gefühlte Leichtigkeit, und wirkt nie pappend, das ist sehr angenehm.

Heinr. von Have The Amber Falernum Spiced Rum Infusion Glas

Die Gewürze, vor allem Zimt, aber auch Nelken und Piment, drängen sich auch nicht auf, die Rumbasis (laut Etikett „gereifter Karibik-Rum“, das heißt alles und nichts, da könnte für meinen Transparenzextremismus etwas deutlicher geworden werden) sorgt für den harmonischen Beiklang – das ist ein schöner, runder, feiner, edler Geschmack; man kann diesen Rumlikör dadurch, obwohl Falernum an sich im Allgemeinen eher eine Cocktailzutat ist, auch gut pur, eventuell mit einem Eiswürfel, genießen.

Der Abgang ist dann nelkenbetont, doch die milde Schärfe aus dem Ingwer setzt einen kleinen, pikanten Schlussstrich. Hier spürt man schließlich doch etwas den Zucker am Ende, doch immer noch wirkt The Amber Falernum hier aus einem Guß – handwerklich sehr gelungen.

Zum Zeitpunkt des Erstellens dieses Artikels ist es tiefster Herbst – die Bäume werden gelb und braun, die Blätter fallen, der Wald riecht nach Pilzen und Moder. Abends wird es schnell dunkel, und passend dazu habe ich mir für das The Amber Falernum ein herbstliches Rezept ausgesucht. Cider à la Minute kombiniert aufs innerlich wärmendste die ganze Aromenwelt der dritten Jahreszeit, und das Falernum sorgt für aromatische Tiefe. Wunderbar.

Cider à la Minute


Cider à la Minute
1½ oz gereifter Rum (z.B. Ron Zacapa Solera 23)
½ oz Falernum (z.B. The Amber Falernum)
⅓ oz Becherovka
¼ Apfel, gerieben
1 Prise Zimt
1 Prise Muskatnuss
Auf Eis shaken. In ein Glas voll Eis doppelt abseihen, mit Ginger Beer aufgießen.
Mit 2 Spritzer Old Time Aromatic Bitters krönen.

[Rezept nach Heather Mojer]


Heinr. von Have The Amber Falernum Spiced Rum Infusion Details

Auch die Präsentation weiß zu gefallen – die verwendeten Zutaten, Nelke, Piment, Zimt, Ingwer und Limetten, sind auf der Flasche in einem schönen Glanz-vs.-Matt-Effekt abgedruckt, was man erst sieht, wenn man die Flasche leicht dreht und wendet. Auf dem Schraubverschluss findet man den Hinweis, dass The Amber Falernum beim Spirituosenwettbewerb ISW eine Goldmedaille gewonnen hat.

Die Deklaration des Produkts ist zweigestaltig – auf dem Frontetikett findet sich die Bezeichnung „Spiced Rum Infusion“, die Verkehrsbezeichnung auf der Rückseite ist aber treffender als „Liqueur mit Rum“ angegeben, da Falernum an sich natürlich nicht als gesetzliche Kategorie in der Spirituosenverordnung existiert, dazu ist es einfach zu  gering verbreitet und speziell. Unabhängig davon fühlt es sich für mich sehr typisch für Falernum an, das heißt es wird nichts spinnertes gemacht, sondern sich an traditionelle Rezepturvorgaben gehalten. Alles andere wäre auch dem Anspruch des Produkts nicht angemessen.

Offenlegung: Ich danke dem Hersteller für die kostenlose Zusendung einer Flasche des The Amber Falernum.

Das erste Mal – 1. GIN Festival Saar

Ich habe mich immer sehr darüber beklagt, in der Provinz zu wohnen, wenn es um Spirituosen geht. Die tollen Events fanden in Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt statt. Weitab vom Schuss. Das kleine, beschauliche Saarland findet auf der Landkarte der Organisatoren nicht statt. Nun, ich freue mich vermelden zu können, dass sich das ändern wird! Das 1. GIN Festival Saar, das am 14. Oktober 2017 in der Congresshalle in Saarbrücken seine Tore öffnete, ist, so hoffe ich, der Anfang einer Änderung dieses jammervollen Zustands.

1. GIN Festival Saar - 01 Eintrittskarten

Knapp 30€ für das Tagesticket legte man auf den Tisch, 20€ für das reine Partyticket für die, die eigentlich kein Ginfestival, sondern eine Party besuchen wollen. Da für eine Messe ein gewisses Besucher-Fläche-Verhältnis vorgeschrieben ist, waren die Tickets begrenzt, beinahe 1000 Stück des Tagestickets wurden aber dennoch verkauft, wenn ich recht informiert bin. Man sieht schon an den aufwändig gestalteten Tickets, dass hier kein Anfänger seine ersten Schritte tat – tatsächlich habe ich selten ein so reibungslos verlaufendes und gut organisiertes Event erlebt wie dieses 1. GIN Festival Saar.

1. GIN Festival Saar - 02 Band, Glas und Coins

Sogar das All-Inclusive-Bändchen, das man beim Eintritt ums Handgelenk gelegt bekam, war hochwertig gemacht, aus Stoff mit einem cleveren Zugmechanismus. Ein Stoffbeutelchen mit 10 Plastikcoins, die gegen Ginproben eingetauscht werden konnten, wurde dem Besucher ebenso freundlich vom zahlreich vorhandenen Personal in die Hand gedrückt, wie ein Tastingglas.

1. GIN Festival Saar - 03 Nachmittag 01

Kurz nach Vier, nur wenige Minuten nach der Öffnung des Festivals, ist der Westsaal der Saarbrücker Congresshalle noch angenehm unüberlaufen. Die Austeller sind noch frisch, gut aufgelegt, und man hat mehr Zeit, mit ihnen zu reden, als später, wenn die Massen anstürmen. Das Wetter, das an diesem Tag für Mitte Oktober herausragend gut war, sorgte wohl dafür, dass um diese Zeit die Besucher sich noch mit einem Kaffee oder Stück Kuchen auf der nahegelegenen Berliner Promenade, der relativ neu gestalteten Flaniermeile Saarbrückens, stärkten.

1. GIN Festival Saar - 03 Nachmittag 02

Eine Stunde später füllt sich das ganze schon erkennbar. Eine Messe für den normalen Gin-Trinker, nicht für den Profi (obwohl dieser sich hier auch wohlgefühlt hätte, was die Direktheit mit den Herstellern angeht). Stehtische mit Brotstücken und Palettensofas verhinderten ein Dauerstehen und Glashalten, insbesondere, wenn man neben dem Tastingglas sich von den Bars noch einen Gin & Tonic oder anderen Cocktail zubereiten ließ und man entsprechend viel zu tragen hatte.

1. GIN Festival Saar - 04 DJ Garry Woodapple

Die Hintergrundmusik von DJ Garry Woodapple, die bereits um 4 begann, war von Lautstärke und Tempo ideal geeignet, die etwas kühle Atmosphäre eines Messehallensaals fluffig auszukleiden, gleichzeitig dabei aber nicht zu verhindern, dass man sich noch in normaler Lautstärke mit anderen Gästen unterhalten konnte.

Soviel erstmal zum Rahmen, kommen wir zum Sinn des Treffens, dem Verkosten von Gins. Als Aussteller waren mit ihren Produkten angereist Ferdinand’s, der Lokalmatador aus dem Saar-Mosel-Raum, Death’s Door aus den USA, Brockmans aus England, Bobby’s aus Holland, Copperhead aus Belgien, Dreyberg aus Deutschland und Sabatini aus Italien – eine tolle, bunte und abwechslungsreiche Zusammenstellung. Dazu wurden diverse Tonic Water vorgestellt, von Thomas Henry über Doctor Polidori bis hin zu den exklusiven Schweppes Premium Mixers.

1. GIN Festival Saar - 05 Bobby's Gin und Genever

Da ich viele davon bereits kannte, konzentrierte ich mich auf das, was neu für mich war. Highlight Nummer 1 des Tages war für mich daher persönlich Bobby’s Schiedam Jenever, auch wenn dies kein Gin ist – der ebenfalls am Stand vorgestellte Bobby’s Gin ist seit langer Zeit ein Dauergast in meiner Heimbar, für mich ist er das beste, was in einem Gin & Tonic landen kann. Tatsächlich kann der Genever aus dem Hause Bobby’s auch überzeugen, auch wenn man die kräftigen Malznoten, die ein gereifter Genever sonst oft aufweist, etwas vermisst.

1. GIN Festival Saar - 05 Brockman's Gin

Die beerige Fruchtigkeit des Brockmans Gin überraschte mich sehr. Natürlich bewegen wir uns dabei doch recht weit von dem klassischen Bild eines Gins, dessen Hauptaromatik sich durch Wacholderbeeren definieren sollte, weg – aber in einer Zeit, in der der „Contemporary Style Gin“, alternativ oft auch „New Western Dry Gin“ genannt, immer mehr an Beliebtheit gewinnt, muss man sich als kategorientreuer Stilfreund daran gewöhnen, dass hier eine neue Kategorie entsteht, die man nicht unbedingt mit einem London Dry Gin vergleichen darf. Unabhängig davon – der Brockmans Gin ist für mich sicher etwas, das ich für fruchtige Gincocktails im Auge behalten werde.

1. GIN Festival Saar - 05 Death's Door Vodka

Gin ist ein aromatisierter Vodka, das vereinfacht die Sache vielleicht etwas, im Grunde stimmt es aber. Sehr viele Hersteller produzieren ihren Ausgangsstoff nicht selber, sondern kaufen Neutralalkohol ein und aromatisieren ihn nur noch. Nicht ganz so einfach machen es sich die Produzenten von Death’s Door Gin – sie brennen ihre Alkoholbasis selbst. Sehr spannend war es daher für mich, am Stand dieses Herstellers die Basis des Death’s Door Gin tatsächlich zu verkosten – die Aussteller hatten den Death’s Door Vodka dabei. Ähnlich wie bei modernen Craftvodkas wie Florian Renschins Freimut Vodka ist auch hier das altbekannte Muster von Vodka als „geschmacks- und geruchslosem“ Destillat aufgebrochen, man erkennt die Getreidebasis deutlich heraus. Wunderbar, dass man die beiden miteinander verwandten Produkte so toll vergleichen konnte.

1. GIN Festival Saar - 07 Helles Eck

Man kann auf so einer Messe nicht nur dauernd Gin und Gin & Tonic trinken, man braucht ganz besonders im bierverliebten Saarland auch was vernünftiges, wie ein kühles Bier – das Helle Eck bot beispielsweise das relativ neu auf den Markt gekommene Karlsberg Helle an. Auch wenn ich persönlich kein wirklich großer Fan der Marke bin, so finde ich es doch großartig, dass hier ein kauziger, uriger Stand mit dem Bier zusammengezimmert wurde.

1. GIN Festival Saar - 06 Arnie & Jules

Auch der Hunger konnte vor Ort gestillt werden – Manin Currywurst und Pulled Pork Burger von Arnie & Jules (wer mich oder meinen Blog kennt, weiß, was ich von den beiden Betreibern dieser BarBQ halte, darum halte ich mich hier nicht lange mit Lobeshymnen auf diese tolle Bar auf) waren ebenso über Coins erwerbbar. Man muss für den ganzen Gin ja eine Basis schaffen!

1. GIN Festival Saar - 08 Abend 01

Über die Zeit strömten dann doch immer mehr Leute in die Congresshalle, und gegen Abend war der Saal dann gut gefüllt, die Lichtanlage sorgte für lauschige Atmosphäre, der DJ wurde immer wärmer und lauter, man merkte, dass sich der Partyteil der Veranstaltung langsam näherte. Die Stände der Aussteller waren dabei immer noch geöffnet, und inzwischen von neugierigen und interessierten Ginfans umlagert, man musste sich fast schon etwas durchkämpfen, um noch an einen Probe heranzukommen.

1. GIN Festival Saar - 08 Abend 02

Draußen wurde es dunkel, im Saal kam nun immer mehr ein Clubfeeling auf. Die Gäste mit Partyticket wurden nun eingelassen, und die zumindest im Saarland und Rheinland-Pfalz wohlbekannte rotbekleidete Soulfamily übernahm dann von DJ Garry Woodapple und sorgte live mit ihrem heißen Soul-, R’n’B- und Funk-Mix fürs Mitwippen und -schwingen; mitten im Saal auf Augenhöhe platziert konnte man ihnen von allen Seiten so direkt wie kaum zuvor begegnen.

1. GIN Festival Saar - 09 Soul Family 1

Ich muss sagen – dafür, dass dies meines Wissens die erste Spirituosenveranstaltung dieser Art und Größe im Saarland war, haben die Organisatoren ganze Arbeit geleistet. Für mich gab es nichts zu meckern. Fürs zweite Festival würde ich mir vielleicht noch ein paar mehr Aussteller wünschen, aber sonst – Hut ab, Denis Reinhardt und vor dem ganzen Team der Winefactory! Jedenfalls etwas, für das es sich für den Ginfreund beim nächsten Termin lohnt, ins Saarland zu fahren!

Kurz und bündig – Maisel & Friends Marc’s Chocolate Bock

Die Familie wächst – neulich hatte ich schon das Bier von „Stefan“ im Glas, nun darf „Marc“ ran. „Marc“, das ist Marc Goebel, der Brauchef von Maisel & Friends, und er hat einen deutlichen Gegenpunkt gegen Stefans helles, hopfiges IPA geschaffen und in die große, etwas ungewohnte Dreiviertelliterflasche gegossen: Maisel & Friends Marc’s Chocolate Bock.

Maisel & Friends Marc's Chocolate Bock

Dunkles Kaffeebraun, vollkommen blickdicht, mit einem feinen, langlebigen Schaum, begrüßt uns beim Eingießen. Kaum Perlage ist erkennbar. Bei meiner Flasche waren bei der zweiten Portion ein paar Ausflockungen erkennbar. Im Geruch muss ich etwas suchen, um Malz, Kaffee und einen leichten Cognachintergrund wahrzunehmen. Ansonsten bleibt das Chocolate Bock aromatisch vergleichsweise neutral.

Daher schnell übergehen zum Geschmack – die üblichen Verdächtigen stellen sich ein, die man bei einem Stout aufzählt. Kaffee, dunkler Kakao, schweres Malz, ein Anflug von Rauch. Erkennbar salzig und würzig. Schwer im Mundgefühl, sehr breit und wuchtig, dabei aber noch überraschend rezent. Eine gelungene Mischung aus dunkler Süße und frischer Säure, mal überwiegt das eine, dann das andere. Entsprechend der Klassifizierung als Bock finden wir eine passende Alkoholstärke von 7,5%. Der Abgang ist lang, sehr trocken, sehr adstringierend und knackig bitter, fast schon etwas kratzig. Viele Kaffeearomen hängen noch lange nach.

Wer die aktuellen Biere von Maisel & Friends verfolgt, hat vielleicht das jüngst in Flaschenform erschienene Choco Porter schon probiert – wem jenes zu leicht war, der sollte dieses Bier hier probieren: Marc’s Chocolate Bock ist noch dunkler, kräftiger und würziger im Geschmack.

Eineinhalb Punkte – Punt e Mes Wermut

Cocktailrezepte haben einen unterschiedlichen Detaillierungsgrad, was die Definition der verwendeten Zutaten angeht. Die Spannbreite dabei reicht von einfacher Angabe des Spirituosenkategoriennamens („Rum“), über detaillierte Sortenangabe („leicht gereifter Rhum Agricole“) bis hin zu exakter Marken- und Abfüllungsangabe („Clément Rhum hors d’âge Millésime 1966″). Liest und nutzt man entsprechend häufig Cocktailrezepte aus verschiedenen Quellen, findet man von allem etwas; ich habe den Eindruck, dass je zielgruppenorientierter ein Rezept gestaltet wurde, um so mehr tendiert der Erfinder hin zum höchsten Definitionsgrad. Gerade Cocktail-Wettbewerbseinreichungen neigen dazu, sich in der Festlegung, was genau zu verwenden ist, zu übertreffen und so ein völlig exklusives, für den Nichtbesitzer einer riesigen Spirituosenbar (vom Laien gar nicht zu reden!) kaum mehr nachmixbares Ergebnis zu erzeugen.

Auch bei Wermut nimmt das inzwischen fast schon witzige Züge an, wenn ein Rezept eine halbe Unze „Martini Rosso“ und eine halbe Unze „Punt e Mes“ verlangt. Natürlich schmecken diese zwei Vertreter der Gattung „italienischer, roter, süßer Wermut“ schon etwas unterschiedlich, diese Angabe in einem Cocktail allerdings halte ich persönlich für etwas verrückt, ohne jemand nahetreten zu wollen – das sind derartig kleine Nuancen, die gehen in einem Gesamtbild mit anderen Zutaten unter. Ich persönlich übergehe derartige Feinstspitzfindigkeiten gern, wenn ich produktabhängig keinen Sinn darin sehe, und nehme dann einfach eine ganze Unze eines der beiden Produkte – zum Beispiel des Punt e Mes.

Punt e Mes Wermut Flasche

Man ahnt es schon durch die dunkelgrüne Flasche, im Glas sieht man es – das ist ein sehr dunkler Wermut, geht fast schon in Richtung Amaro. Fast blickdicht, selbst wenn man das Glas gegen das Licht hält. Dort sieht man dann aber ein paar Reflexe, von Rubinrot bis Orange. Die Konsistenz ist schwer und ölig.

Schokolade, Trauben, Rosinen, Harz und Holz – also auch vom Geruch her ein sehr dunkler Wermut. Etwas Orange und Kirsche lockert das Geruchsprofil etwas auf. Da ist auch etwas von Fernet Branca im Aroma (ich bin mir sicher, dass ich mir das nicht einbilde, auch wenn ich zuvor auf dem Etikett gelesen hatte, dass dieser Wermut von den Fratelli Branca in Mailand hergestellt wird).

Punt e Mes Glas

Die starke Süße des direkten Antrunks geht schnell in eine holzige, krautige Bittere über, die allerdings mild und dezent wirkt, und nicht aggressiv. Im Mundgefühl ist der Punt e Mes fett und breit, minimal adstringierend. Orange, Mandarine und etwas Honigmelone kommen zum Vorschein. 16% Alkoholgehalt sind absolut typisch für italienischen Wermut und nichtmal erahnbar. „Si beve freddo“, es trinkt sich kalt, schreibt das Etikett vor – tatsächlich kann man ihn aber auch sehr schön in Zimmertemperatur genießen.

Der Abgang ist aromatisch, trotz der durchgängigen Süße sehr trocken und noch einen Tick bitterer und holziger als vorher schon. Für einen Wermut empfinde ich ihn als recht lang; ein leichter Eisenton belegt am Ende den Gaumen.

Das ist, als Fazit, sicher ein Wermut, der sich mit allem, mit dem man ihn in Cocktails vermischen möchte, anlegen kann und dabei nicht automatisch den Kürzeren zieht, wie es leider oft bei vielen Wermuts passiert. Im Gegenteil, man muss sogar bei vielen Rezepten eher vorsichtig mit dem Punt e Mes umgehen, damit er nicht die Oberhand über alles einnimmt. Im Lufthansa Cocktail sorgt er mit seinem holzigen Aroma für eine stabile Basis, bei der es zu keinen Turbulenzen kommen kann – ein sicherer, ruhiger Flug und eine rüttelfreie Landung sieht durch ihn damit garantiert.

Lufthansa Cocktail


Lufthansa Cocktail (historische Variante)
1 oz Weinbrand (z.B. Asbach Privatbrand)
1 oz roter Wermut (z.B. Punt e Mes)
⅔ oz Triple Sec (z.B. Cointreau)
⅓ oz Apricot Brandy (z.B. Bolthos Kajszibarack Pálinka)
2 Spritzer Angostura Bitters
Auf Eis rühren.
[Rezept nach unbekannt]


Ich bewahre Wermuts grundsätzlich im Kühlschrank auf, und versiegele sie mit einer Weinpumpe. Das beste für derartige Spirituosen ist aber, sie schnell aufzubrauchen. Kleine Flaschen, idealerweise nur eine Sorte offen, um das Aufbrauchen zu befördern – das ist darüberhinaus die Empfehlung für die Heimbar.

Kurz und bündig – Crew Republic X 2.1 Barley Wine

Die „X“-Reihe aus dem Münchner Brauhaus Crew Republic ist deren Experimentalschiene; hier können die Brauer Einmalbiere, die nicht dauerhaft im Sortiment verbleiben sollen, einfach so mal spaßeshalber brauen, ohne sich Sorgen um Reproduzierbarkeit zu machen. Wenn sich jemand wundert, warum ich nun ein Bier bespreche, das so gar nicht mehr im Handel erhältlich ist – die lange Haltbarkeit eines derartigen Biers (hier noch bis Ende 2019) sorgt dafür, dass ich das Crew Republic X 2.1 Barley Wine, das ich irgendwann 2015 oder so kaufte, jetzt erst trinke.

Crew Republic X 2.1 Barley Wine

Die Farbe ist stiltypisch kakaobraun, blickdicht, mit nur sehr schwacher Perlage – beim Eingießen hatte ich sogar den Eindruck, dass dieses Bier überhaupt nicht karbonisiert ist, was sich aber kurz darauf etwas relativierte. Dennoch ist praktisch kein Schaum da.

Ich rieche Erdbeermarmelade, Orange, etwas reife Banane, Ananas. Recht fruchtig, dennoch mit starkem Malzcharakter. Toffee, Milchschokolade. Auch im Mund dominiert die Fruchtsüße: Ananas, Zwetschgen, Toffee, Malz. Schwer und dicht – die praktisch nicht vorhandene Karbonisierung wirkt sich für mich persönlich etwas störend aus, da das Bier so etwas schal und unrezent daherkommt. 60 IBU sind erst im Abgang erkennbar, wenn sich die Süße legt. 9,5% Alkoholgehalt, für ein Bier eine echte Hausmarke, gehen im Gesamtbild schön auf. Der Abgang ist lang, trocken und ganz leicht adstringierend. Die Süße pappt etwas am Gaumen.

Die Hopfensorten sind klassisch gehalten (Herkules, Fuggles und East Kent Golding) und lassen die amerikanischen Ultraaromahopfen mal außen vor; Pilsener und Crystal wurden als Malze verwendet.

Nun, das ist ein Bierstil, den man eh nicht oft vorgesetzt bekommt – entsprechend sehe ich es als Experiment für mich, so wie es eins für die Brauer von Crew Republic war, wenn man der Story auf dem Rücketikett glauben darf, die ich anfangs zitierte. Persönlich empfinde ich diesen Barley Wine als zu süß konzipiert, etwas mehr Frische könnte ihm auch guttun.

 

Rumreserven – Atlántico Gran Reserva

Es spricht sich so langsam rum – Altersangaben auf vielen, hauptsächlich lateinamerikanischen Rums sind Schall und Rauch. Da prangen große Zahlen im Bereich zwischen 12 und 30 auf den Flaschen, die teilweise entweder gar keine Altersangaben sind (wie bei Flor de Caña zum Beispiel), oder das Wort „Solera“ in der Nähe stehen haben, also zwar als Altersangabe gemeint sind, wie das aber dann bei einem Solera-Verfahren (bei dem man rein technisch kein absolutes Alter angeben kann) zu interpretieren ist, wird meist offengelassen.

Eine alternative Form, zumindest ein Gefühl für das Alter der Spirituose zu vermitteln, haben sich andere Hersteller zugelegt. Sie leihen sich dafür Altersangaben, die sonst im Spirituosenbereich für spanischen Brandy zum Einsatz kommen. So finden sich dann die Wörter „Reserva“ oder „Gran Reserva“ auf dem Etikett. Bei Brandy ist geregelt, was sie bedeuten: Brandy de Jerez Solera Reserva weist das minimale Durchschnittsalter von einem Jahr auf, Brandy de Jerez Solera Gran Reserva ein minimales Durchschnittsalter von 3 Jahren. Weitere Bedingungen gelten für diese Begriffe, die ich hier nicht erwähne. Man beachte dabei das wichtige Schlüsselwort „Durchschnitt“. Auch für spanischen Rotwein gibt es diese Begriffe, mit etwas anderer Bedeutung. Die Frage ist natürlich, inwieweit sich die Rumhersteller an diese Vorgaben halten, oder ob sie einfach die prestigeträchtigen und wohlklingenden Bezeichnungen übernehmen. Für Rum gibt es meines Wissens keine klare Regelung, was diese Begriffe in diesem anderen Kontext bedeuten, und erst recht keine Kontrollinstanz wie das Consejo Regulador Especifica Brandy de Jerez, das die Einhaltung überprüfen würde – daher muss man im leider allzuoft sehr zwielichtigen Umfeld des Rums davon ausgehen, dass diese Auszeichnung reine Dekoration ist.

Einer der Rums, die sich diese Wortkombination aufs Etikett geschrieben haben, ist der Atlántico Gran Reserva, der Nachfolger des Atlántico Private Cask, den vielleicht der eine oder andere Rumfreund schon kennt.

Atlántico Gran Reserva Flasche

Die Farbe, ein glitzerndes, strahlendes Kupfer mit orangefarbenen Reflexen, gefällt bereits in der Flasche, wo sie einen attraktiven Kontrast zum dunklen Blau des Etiketts bildet. Eine Färbung mit Zuckerkulör ist vorgenommen worden, wie bei den meisten der heutzutage erhältlichen Rums, hier wird sie wenigstens auf dem Etikett klar angegeben. Im Glas liegt der Rum dünn, hinterlässt am Glas aber doch Schlieren.

Die Nase lässt schon darauf schließen, was wir im Mund nachher zu erwarten haben. Da ist viel vordergründige Süße, Karamell, Werther’s-Echte-Sahnebonbons, viel Vanille und Zimt, Kaffee und etwas Minze. Der Alkohol ist zunächst leicht stechend, er verfliegt aber nach einer Weile Offenstehzeit.

Im Mund liegt der Atlántico Gran Reserva zunächst sehr breit und süß, und die Nachsüßung (immerhin nach einer eigenen Bestimmung ordentliche rund 22g/L) schlägt volle Pulle und ohne Gnade zu. Da sind noch deutliche Erdnussaromen, etwas Ahornsirup, Cappuccino und dezente Gewürznoten. Der Alkoholgehalt von 40% ist nur mäßig gut eingebunden, man schmeckt und spürt ihn deutlich. Es handelt sich laut Hersteller um einen Blend aus Melasse- und Zuckerrohrsaft-Rums, etwas, das ich rein sensorisch kaum erkennen kann. Die sehr charakteristische grasige Note eines Zuckerrohrsaft-Rums ist nichtmal ansatzweise schmeckbar.

Atlántico Gran Reserva Glas

Im Abgang entsteht etwas Würze, leichtes Chili, und eine gewisse Trockenheit fängt endlich an, sich gegen die bis hierher dominierende Süße zur Wehr zu setzen. Ein kühlendes Gefühl sorgt eine Weile für einen recht angenehmen Nachhall, der allerdings dann schnell wieder von einem leicht pappig-klebrigen Gefühl eingeholt wird, das mich an übersüßten Cappuccino erinnert, was leider das einzige ist, was nach einer Weile als Eindruck dieses Rums übrig bleibt.

Ich bin wirklich kein Süßrumtrinker, daher muss ich mir darüber klar werden, was ich mit diesem Rum anfangen kann. Im The Black Sands sind genug Säure- und Frischekomponenten vorhanden, um die oberflächliche Süße des Atlántico Gran Reserva auszugleichen, so dass ein sehr trinkbarer, leckerer Cocktail entsteht. Das ist daher auch meine grundsätzliche Empfehlung – säurelastige Drinks bieten ein schönes Umfeld für diesen Rum, so dass er hier zumindest etwas glänzen kann.

The Black Sands


The Black Sands
1 oz gereifter Rum
1 oz Calvados
¾ oz Limettensaft
½ oz Zuckersirup
8 Minzblätter
Auf Eis shaken und auf Eis abseihen.
Mit etwas Sprudel aufgießen und einem Minzstrauch servieren.

[Rezept nach Gregory Saavedra]


Zu guter letzt sollten wir als interessierte Rumfreunde natürlich noch ein paar Fragen klären, bei denen viele Hersteller anfangen, mit den Zähnen zu knirschen. Wo wird der Rum destilliert? Er ist laut Etikett ein Produkt der Dominikanischen Republik, die Destillate werden aber wohl, wenn man vertrauenswürdigen Quellen glauben darf, von der Firma Oliver & Oliver anderswo eingekauft, z.B. in Trinidad oder Panama, und sie werden nur in der Domrep geblendet.

Das führt dann direkt zur nächsten Frage – wie alt ist der Atlántico Gran Reserva? Wie schon in der Einleitung angesprochen, bedeutet die Wortkombination „Gran Reserva“ auf einer Rumflasche nichts handfestes. Das Solera-Verfahren wird einerseits angesprochen, in Werbetexten liest man aber dann von einem fassweisen Blend („Es handelt sich um einen Blend aus small batch Rums, die bis zu 25 Jahre lang reiften“). Wie man auch bei anderen Herstellern sieht, ist Solera und Blend für viele Rumproduzenten scheinbar dasselbe. Das Alkoholfeuer, das noch gut spürbar ist, und das insgesamt eher oberflächliche Geschmacksbild, lässt mich die Frage stellen, wie groß der Anteil der 25-jährigen Rums in diesem Blend sein kann; ich gehe von Tröpfchen aus, der Löwenanteil ist gefühlt sehr jung und wenig gereift.

Womit wir beim dritten Problempunkt sind – zur Geheimnistuerei kommt dann noch Marketingblabla Formulierungsunklarheit. Sätze wie folgender, entnommen dem Exposé Atlánticos zum Rumfest Berlin 2017, lassen bei einem Rumkenner schon leicht die Fragezeichen über dem Kopf sichtbar werden.

Atlántico umfasst zudem eine Art von Rum, die sich Malta nennt. Darunter versteht man Rum, der mit einem niedrigeren Alkoholgehalt destilliert wurde. Das ermöglicht es dem Blend, mehr der natürlichen Aromen und Charakteristika des Zuckerrohrs beizubehalten.“

Keiner der sehr informierten Rumkenner aus diversen Gruppen, in denen ich unterwegs bin, konnte mit dem Begriff Malta etwas anfangen. Andere Quellen sprechen aber auch vom Zusatz von Aguardiente. Auf jeden Fall ist der Herstellungsprozess, wenn man noch die Nachsüßung mit in Betracht zieht, nicht wirklich mit meinem Bild einer transparenten, traditionellen Rumproduktion vereinbar. Was für mich persönlich schon ein Grund für sich ist, derartige Produkte nicht zu kaufen, das muss aber jeder mit sich selbst ausmachen.

Nachtrag: Wenige Tage nach der Veröffentlichung dieses Artikels erhielt ich eine Nachricht vom deutschen Brand Ambassador für Ron Atlántico, der mir einige Details mitteilte, die den Herstellungsprozess doch erkennbar aufklären. Ich bedanke mich bei Florian Perret ausdrücklich für diese Hinweise. Selbstverständlich gebe ich diese nun an meine Leser weiter und ziehe meine Kritik bezüglich der Transparenz teilweise und die Wörter „Marketingblabla“ und „Geheimnistuerei“ ganz zurück. Ideal wäre natürlich eine entsprechende Anpassung auf der produkteigenen Homepage (und, obwohl das ein frommer Wunsch bleiben wird, auf dem Etikett).

Der Melasse-Anteil des Rums, der in den Blend für den Atlántico eingeht, wird in der Destillerie Alcoholes Finos in der Dominikanischen Republik in einer Column Still gebrannt, die Melasse dafür bei der Central Romana Sugarmill eingekauft. Der Zielalkoholgehalt dafür liegt bei ca. 90%-95%.

Ron Atlántico vor Ort

Der zweite Anteil, der Zuckerrohrsaftrum (aus gegebenem Anlass, unabhängig vom Atlántico, verwende ich nicht das Wort „agricole“, dazu in einem späteren Artikel mehr), wird ebenfalls komplett in der Dominikanischen Republik hergestellt: Das Zuckerrohr wird in La Romana geerntet, ausgepresst und auch in einer Column Still auf einen ähnlichen Alkoholgehalt destilliert.

Der dritte Anteil, das geheimnisvolle „Malta“, wird auch in diesem Schritt erzeugt; es handelt sich dabei um Zuckerrohrsaftrum, der statt auf über 90% einfach auf rund 75% destilliert wird.

Diese drei Komponenten lagern und reifen separat voneinander und werden am Ende in einem Blendingprozess miteinander kombiniert. Insgesamt ungewöhnlich, aber gewiss keine Mauschelei.

Offenlegung: Ich danke Sierra Madre GmbH für die kostenlose Zusendung einer Flasche des Atlántico Gran Reserva.

Kurz und bündig – Wadgasser Klosterbräu Hopfen Perle

Das Saarland war einst durchzogen von kleinen lokalen Brauereien. Inzwischen wurden alle von Konzernen geschluckt oder gingen insolvent. Nennenswert übrig ist neben dem allgegenwärtigen Karlsberg (dem mit „K“, nicht dem mit „C“) eigentlich nur noch die Saarbrücker Brauerei Bruch. Diese offeriert unter verschiedenen „Tarnnamen“ Produkte – wie die Wadgasser Klosterbräu Hopfen Perle, ein obergäriges Vollbier. Mir ist jede Abwechslung vom saarländischen Pilseinerlei recht, daher kommt sie zu mir ins Glas – wer könnte aber auch so einem Bild, das mein Kollege Gerhard Müller für mich mit seiner professionellen Fotoausrüstung an einem hübschen Tag machte, wiederstehen?

Wadgasser Klosterbräu Hopfen Perle Glas Gerhard Müller

Farblich tatsächlich sehr ansprechend ocker, naturtrüb, dezente Perlage. Schöner, kräftiger Schaum beim Eingießen, aletypisch bleibt nur wenig auf Dauer davon übrig. Geruchlich mild-, aber erkennbar aromahopfig. Leichte Malz- und Hefeanklänge. Vom Geruch her ist das tatsächlich ein Pale Ale. Da hüpft mir das Herz.

Geschmacklich ist die Freude leider weniger groß. Der Aromahopfen hat sich auf den Geruch beschränkt – im Mund ist nur noch ein Hauch von der Fruchtigkeit schmeckbar. Dafür tritt eine herbe Bitterkeit an seine Stelle, Hefegeschmack. Wir sind doch nicht bei einem Pale Ale, sondern bei einem Pils oder Zwickel. Ein etwas dumpfer Charakter stört mich sehr. Muss daher zügig getrunken werden, denn mit steigender Temperatur wird die Hopfen Perle immer dumpfer und seichter.

Wadgasser Klosterbräu Hopfen Perle Glas

Mittellanger Abgang mit Hopfenaromen, leichter Mundtrockenheit. Sehr erfrischend, wenn gut gekühlt, aber ein bisschen langweilig und mit dieser seltsamen Stumpfheit, die die Mundporen verstopft, als hätte man einen Belag darauf.

Schade, ich hatte mir da mehr erhofft, aber das ist halt genau das, was passiert, wenn ein Brauer, der jahrzehntelang nur Pils und Export hergestellt hat, plötzlich auf den fahrenden Craftbierzug aufspringen will, und gleichzeitig auch noch die pilsfanatische Bestandskundschaft mit glücklich machen will. So landet die Hopfen Perle bei mir in Mixgetränken, wie dem Weissen Sour.

Weissen Sour


Weissen Sour
2 oz Bourbon (z.B. Old Grand-Dad Kentucky Straight Bourbon)
¾ oz Zitronensaft
¼ oz Zuckersirup
1 Barlöffel Orangenmarmelade (z.B. von Zuegg)
2 Spritzer Orange Bitters (z.B. von The Bitter Truth)
Auf Eis shaken, dann aufgießen mit…
2 oz Wadgasser Klosterbräu Hopfen Perle

[Rezept nach Kevin Diedrich]


Immerhin – die Brauerei Bruch macht auch das für mich persönlich beste saarländische Bier, das Bruch Zwickel. Dieses würde ich dann auch dem Bierfreund, der sich fürs Saarland interessiert, eher ans Herz legen.