Vanille, Eiche, Karamell – die Nase hat wirklich was am Bulleit Bourbon Frontier Whiskey. Man kann gar nicht aufhören, daran zu schnuppern, eine wahre Geruchsbombe. Dazu kommt eine herrlich goldene, kräftige Farbe, die in der wunderbar designeten Flasche prachtvoll leuchtet.
Man nimmt einen Schluck, und ist sehr zufrieden damit, dass sich all die Aromen auch genauso, wie man sie errochen hat, auch in den Mund transportieren. Weich und dabei gleichzeitig hocharomatisch, das Alkoholbrennen setzt erst spät ein, und wird von einem angeregten Speichelfluss begleitet, immer ein gutes Zeichen. Der Abgang ist dann sehr warm, aber leider relativ kurz – im Mund bleibt die Vanille noch eine Weile erhalten.
Ein supermilder Bourbon, einer der, wenn nicht sogar trotz der 45% der mildeste Bourbon, den ich bisher getrunken habe – für Kenner könnte er ein bisschen langweilig wirken, denn die Aromen sind schon etwas eindimensional. Ganz hervorragend passt er daher in einen Cocktail, der eher zurückhaltende Zutaten einsetzt und diese sich auf eine weiche, harmonische Art und Weise gegenseitig ergänzen, wie der Bourbon Dynasty. Alternativ ist der Bulleit Bourbon auch eine hervorragende Wahl, wenn man einen Bourbon braucht, der sich nicht in den Vordergrund drängen, sondern andere Zutaten unterstützen soll. Dafür diene als Beispiel der Artemis Flower.
Artemis Flower
1 Erdbeere, gemuddelt mit 2 Zweigen Zitronenthymian
2 oz Bulleit Bourbon Frontier Whiskey
¾ oz Zuckersirup
½ oz Limettensaft
½ oz Sambuca
…aufgießen mit etwas Sprudel
Riskieren Sie, wenn Ihnen dieser Bourbon hier schmeckt, vielleicht auch mal einen Blick auf den „kleinen Bruder“ dieses Whiskeys, den Bulleit 95 Rye. Beide Flaschen sind eine wunderbare Ergänzung für jedes Whiskey-Regal, und gerade für Einsteiger und Leute, die mit scharfen Whiskeys nichts anfangen können, durch ihre Milde sehr geeignet.
Nochmal kurz zurück zu Flasche – gern hätte ich mir auch, wie „GrumpyDogCandles“, einen Aschenbecher aus einer Flaschenhälfte dieser Flasch gemacht.

Doch selbst die Flasche zu teilen war mir zu risikoreich (beim Glassschneiden ist immer ein Risiko der Zerstörung der Flasche gegeben), und der Glasspezialist vor Ort hat mir auf eine entsprechende Anfrage nicht geantwortet. Dennoch bleibe ich dran – dieser Aschenbecher sieht einfach zu mondän aus, als dass ich den wieder aus dem Kopf kriegen könnte.






Doch irgendwann muss dann doch der erste Schluck erfolgen. Die Aromen verwundern nicht: Die Honignote ist da, etwas vanilliges, eine sehr zurückhaltende Würze, und, und das ist für mich das überraschendste dieses Whiskys, wechselt auch die in der Nase noch etwas störende Acetonnote in den Mund über und lässt sich in einem leicht mentholartigen Mundgefühl wiederfinden. Dort ist sie aber dann plötzlich gar nicht mehr so unangenehm – es ist etwas besonderes, das ich sonst bei noch keinem Whisky schmecken konnte. Manchen wird das aber zu alkoholisch-brennend schmecken, oder die Assoziation von leichtflüchtigem Fusel geben. Purtrinken? Hm, eher selten.
Die 6-jährige Variante dieses Whiskys ist, das muss man dann dazusagen, die niedrigste Qualitätsstufe dieser Marke. Eventuell die zwölfjährige Variante, den großen Bruder sozusagen, werde ich noch ausprobieren. Da bei kanadischem Whisky auch geschmacksgebende Zusatzstoffe erlaubt sind, zum Beispiel Zucker und künstliche Aromen, halte ich das aber eher für unwahrscheinlich – es gibt zuviele reinere Spirituosen, als dass ich meine Zeit mit Schnäpsen voller undeklarierter Zusatzstoffe vertun wollte.









