Man muss ab sofort keine Kokosnuss mehr öffnen – Plantation Barbados Extra Old 20th Anniversary Rum

Ein Rum, der mit Auszeichnungen und Lob überhäuft wurde, von Profis wie von Laien; den sich viele auch aufgrund des opulenten optischen Eindrucks der Verpackung kaufen. Kann der Inhalt mit diesem Vorschuss an Jubel mithalten?
plantation1 Tatsächlich hat man beim ersten Riechen am  Plantation Barbados Extra Old 20th Anniversary Rum den doch recht starken Eindruck einer Klebstoffnote. Je länger der Rum aber im Glas steht und atmen kann, desto mehr verschwindet diese Note und wird ersetzt durch sehr vanilligen, cremigen Geruch. Im Mund dann fühlt man zu Beginn kein bisschen des Alkohols – ein sehr angenehmes, rundes, weiches, mildes Gefühl. Die Aromen dieses Blends aus ca. 13-jährigen Einzelrums sind hauptsächlich süß – Vanille, Schokolade und ein über allem schwebender, sehr starker Kokosgeschmack definieren diesen Rum. Da, wie bei fast allen Plantation-Produkten, nachträglich Zucker zugesetzt wird, um den Rum dem heutigen Geschmack kompatibler zu machen und die von vielen geliebte Süße zu erreichen, sollte man das beim Verkosten berücksichtigen. Im Abgang kommt dann doch ein leichtes alkoholisches Kratzen und nach einer Weile dann eine gewisse, gar nicht unangenehme Bitterkeit und Mundtrockenheit.

Ein äußerst spannender Rum, vielschichtig und interessant. Die Kokosnote, die alles überlagert, muss man gewiss mögen – wer diese Geschmacksrichtung nicht mag, sollte Abstand halten und sich einen anderen, ähnlich süßen Rum, wie Vizcaya 21 oder Zacapa 23, holen. Für Cocktails passt er wohl hauptsächlich, so ist mein Eindruck, für Tiki-Cocktails wie dem Zombie, in denen er seine Vanille und das Kokos schön einbringen kann, oder einem Sorrel Rum Smash.

Sorrel Rum Smash


Sorrel Rum Smash
4 große Blätter Sauerampfer
½ Zitrone, wiederum halbiert
1 oz Maraschino-Likör
im Shakerglas muddeln
2 oz Plantation Barbados Extra Old 20th Anniversary Rum
sehr gut schütteln
[Rezept nach schlimmerdurst]


Was einem sofort ins Auge fällt ist die Flaschenpräsentation. Ehrlich gesagt – das ist die schönste und auffälligste Flasche, die ich je gesehen habe. Eine herrliche, schwungvolle und trotzdem dezente Form, ein barocker Stöpsel (leider nur mit Kunststoffkorken), Beschriftung auf dem Glas in Goldfarbe, ein edles Etikett und die Schnur, die um die Flasche geflochten ist. Ein dicker Karton dazu: Man bekommt was fürs Geld.

plantation2Nochmal zurück zum Zuckerthema. Gerade Plantation setzt in der Nachbearbeitung Rohrzucker zu, um den Geschmack zu tunen. Dosage wird das dort bezeichnet, in Anlehnung an die Vorgehensweise bei Champagner. Über diese Praxis, nur zähneknirschend von Herstellern zugegeben, streiten sich die Geister; um sichtbar zu machen, worüber wir hier reden, hier ein Bild, in dem ich die von staatlicher Quelle gemessenen 29 g/l auf die 0,7-l-Flasche runtergebrochen und auf meine Küchenwaage gelegt habe.

plantationsugar20,3g Zucker in der Flasche, das sind beinahe 4 Stück Würfelzucker. Das mag sich für manchen erstmal nicht nach viel anhören – für mich klingt es nach ziemlich viel. Mir persönlich stellt sich durch diese Praxis die Frage, ob ich weiterhin wirklich so teuren Rum kaufen soll, der mir heimlich Geschmacksverstärker wie Zucker unterjubelt. Oder einfach lieber auf Rums ausweiche, die sich klar davon distanzieren, wie die meisten Jamaica-Rums es tun.

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2 Gedanken zu “Man muss ab sofort keine Kokosnuss mehr öffnen – Plantation Barbados Extra Old 20th Anniversary Rum

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