Etiketten sagen alles – The Glenrothes 10 Years Old Speyside Single Malt Scotch Whisky

Die Hersteller von Spirituosen haben den Trend erkannt – immer mehr Menschen sind nicht nur einfache Konsumenten, sondern wollen auch Informationen über das Produkt, das sie trinken. Daher findet man immer häufiger Tasting Notes auf den Etiketten der Flaschen jedweder Kategorie; ich meine, das hat bei Weinen angefangen, weil dort die Hilflosigkeit der Laientrinker meist noch größer ist als bei Gebranntem. Wenn das so weitergeht, werden wir Spirituosenblogger arbeitslos. Nein, tatsächlich gibt ein guter Blogger auch immer etwas mehr Inhalt mit als nur drei, vier Geschmackseindrücke (selbst wenn es, wie bei mir, nur geschwurbelte Einleitungen sind), und sichert sich so seine Leserschaft trotz Etikettenkonkurrenz.

Frontal kann man also auf dem Etikett des The Glenrothes 10 Years Old Speyside Single Malt Scotch Whisky lesen, wonach dieser Single Malt schmecken soll – Vanille, Shortbread, Zitronenschale. Klingt schonmal sehr angenehm, und zeigt mir auf, dass hier sowohl süße als auch bittere Aspekte zu erwarten sind, zu einem jungen Whisky passt das ja durchaus. Woraus entstehen diese Aromen? Die Verwendung eines Ex-Sherry-Fasses ist heutzutage ja beinahe nicht mehr erwähnenswert, für mich fühlt es sich an, als ob der ganze Sherry in Spanien nur noch dafür hergestellt wird, dass die Fässer später nach Schottland verkauft werden können, aber das ist jetzt vielleicht etwas zu sehr zugespitzt formuliert. Mit zurückhaltenden 40% Alkoholgehalt und ohne Färbung kommt er in die Flasche, und von dort aus in mein Glas.

The Glenrothes 10 Years Old Speyside Single Malt Scotch Whisky

Die Etikettenfarbe passt schonmal gut zum Inhalt der Flasche, helles Bernstein, durchgängig leuchtend, mit etwas dunkleren und helleren Lichtreflexen, die zur Basisfarbe passen. Lebendigkeit ist eher das Schwenkverhalten als Viskosität, an der Glaswand bleiben aber deutlich sichtbare Schlieren.

Die Nase hat viel typisches für den Stil und die Herkunft, fruchtig und helltönig, mit Aromen von Ananas, und, ja, auch der angekündigten Vanille und dem Shortbread. Süßlich wirkt das, mit Anklängen von Orange, Zitronengras und grünem Tee. Schnuppert man tief, findet man eine Spur von Chlor, darunter dann nur noch Ethanol, das aber nicht piekst – hier erkennt man die Jugendlichkeit des Brands. Tiefer will man nicht gehen, muss man aber auch nicht, das ist definitiv eher was für die kurze Nase, nichts für die lange Exploration.

The Glenrothes 10 Years Old Speyside Single Malt Scotch Whisky Glas

Direkt im Antrunk spürt man auch, dass sich dieser grundsätzliche Eindruck im Mund nicht ändert. Relativ schmal und leicht kommt er auf der Zunge an, entwickelt sich dort auch nicht wirklich weiter. Die Aromen sind bereits von der Nase definiert, Komplexität sucht man vergebens, im Gegenteil, geschmacklich wirkt der Glenrothes viel ärmer und spannungsloser als noch in der Nase. Im Verlauf löst sich der Körper geradezu auf und gibt einem generischen, alkoholgetriebenen Feuer Raum, das praktisch keinen Charme mehr hat. Auch die Süße gibt dann nach, und damit bleibt außer einer milden Bittere nichts mehr, was beschreibenswert wäre. Der Abgang ist Getreide und Eisen, beides recht desinteressiert und wenig spannungsvoll vorgetragen, ein Nachhall kaum vorhanden, vielleicht etwas Bitterschokolade und trockene Kokosschale.

Das geht ziemlich schnell bergab, nachdem man im Geruch vielleicht noch etwas erwartet hatte. Geschmacklich finde ich den Glenrothes 10 ausgesprochen uninteressant, da passiert einfach nichts. Zum Purtrinken halte ich ihn in dieser Form ungeeignet, und er fristet sein Dasein als Mixspirituose in meiner Heimbar – dafür hat er seine Berechtigung.


Ist es ein geistreiches Wortspiel, das den Erfinder des Dantes in Fernet zum Titel seines Cocktails brachte, oder ein schlimmer Kalauer? Persönlich tendiere ich eher zum letzteren, will mich da aber nicht allzu reinsteigern. Wer gute Lektüre passend zum Drink sucht, kann sich gern mal das Meisterwerk des florentinischen Barden anschauen, ich empfehle die zweisprachige, recht frische Auflage bei Reclam mit einer tollen Neuübersetzung und viel Kommentar von Hartmut Köhler; mein Review dazu ist hier nachzulesen. Der Drink ist im Gegensatz zum bitter-schwierigen Text allerdings süßlich-leicht, und die restlichen Zutaten ergänzen die Fruchtigkeit des Glenrothes 10 wunderbar. So gleicht sich alles aus.

Dantes in Fernet Cocktail

Dantes in Fernet
1oz / 30ml Speyside Single Malt Whisky
1 Teelöffel Fernet-Branca
1oz / 30ml Orangensaft
⅓oz / 10ml Ahornsirup
1 Spritzer Xocolatl Mole Bitters
Auf Eis shaken.

[Rezept nach Mickaël Lenu]


Die Flasche hat was von einer Kanonenkugel, ist jedenfalls einprägsam, und mit dem cleveren Halbschraubverschluss schont man den Echtkorken vor plumpem Herausziehen, denn eine kurze Drehung ist zumindest erforderlich. Die Farbe Gelb dominiert neben dem Etikett auch den Kartonkäfig, in dem der Whisky geliefert wird – sie markiert das jüngste Mitglied der sogenannten Soleo Collection, in der es auch höhere Reifungsgrade gibt, mit entsprechend dunkleren Farben dann. Der Name der Kollektion spielt auf ein Verfahren bei der Sherry-Produktion an, man sieht, wie zentral heutzutage ein Fassfinish werden kann; für mich persönlich geht das hin und wieder schon zu weit, aber der Markt scheint es so zu wollen. Nun, zumindest wurde dieser Schotte hier dadurch einigermaßen gefällig – ein paar Tage der Effekte der südspanischen Sonne würden ja jedem gut tun, aber auch sie macht nicht aus einem blassen Fisch einen heißblütigen Zorro.

Cognac am Freitag – Grape of the Art Tiffon Lot 90 Cognac

Mit der Zigarettenspitze lächelt uns Audrey Hepburn in ihrem ikonischen Outfit aus „Frühstück bei Tiffany“ entgegen, etwas untergehend in all den Flaschen, die sie umgeben. Wahrscheinlich hat man sich für dieses weltbekannte Portrait entschieden, weil Tiffany und Tiffon sich schriftbildlich doch ähneln, auch wenn Holly Golightly im Original eigentlich lieber Champagner oder Gin-Wodka-Mixturen trank als Cognac. Nun, ich überinterpretiere schon wieder, schauen wir uns den Grape of the Art Tiffon Lot 90 Cognac unabhängig davon an. Er stammt aus der Petit Champagne, wurde 1990 in einer Alambic Charentais aus der Rebsorte Ugni Blanc gebrannt und 32 Jahre in Fass 701-TO54 im nassen Keller gereift, bevor er dann im Januar 2024 in einer überraschend niedrigen Cask Strength (47,8%) in 222 Flaschen abgefüllt wurde.

Rostbraun, mit einer leichten Tendenz zum Rötlichen sogar, und mit mittlerer Viskosität zeigt sich dieser Cognac im Verkostungsglas. Kristallklar und ohne Trübung ist er natürlich, aber mit einer derartigen Tönung, dass die Flüssigkeit einem fast ein bisschen den Komplettdurchblick nimmt. Sehr langsam ablaufende Tropfen an der Glaswand bilden sich.

Grape of the Art Tiffon Lot 90 Cognac

Der Duft ist frappierend fruchtig, ein ausgeprägtes Bouquet von klebrig-vollmundigen Datteln, leicht überreifen Pflaumen, frisch gepresstem Zuckerrohrsaft und etwas vom Baum gefallener Mango, dazu ein guter Biss in einen rotbackigen Pfirsich, dass einem der Saft am Mund runterläuft. Das ganze wird ineinander verschmolzen durch ordentlich milde Vanille, die sich nicht aufdrängt, aber subtil die Komponentenverheiratung betreibt. Leicht herbe Seitentöne sorgen dafür, dass hier neben der Frucht noch etwas Komplexität entsteht, deutlich heller Tabak zum Beispiel. Ein Hauch von Lack schwingt mit, auch dieser ist aber eingebunden in ein ausgeprochen volles, rundes Gesamtbild.

Am Gaumen zeigt sich der Tiffon zunächst sehr weich, er breitet sich mit seiner vollen, dickflüssigen Textur direkt aus und belegt den gesamten Mund, lange bleibt sogar auf den Lippen etwas süßlicher Rest, den man am Ende genüsslich ablecken kann. Aromatisch wird er hier leicht phenolisch, balsamisch, mit Erinnerungen an Eukalyptus und sehr feinem Anis, die die Fruchtgewalt, die sich sensorisch natürlich hier ebenso zeigt wie in der Nase, in eine leicht andere Richtung drücken, als man es vielleicht erwartet – sehr erwachsen und komplex, dabei ausdauernd und gegen Ende dann sogar noch mit etwas Blumigkeit versehen, die sich mit der Frucht und der ganz, ganz vorsichtigen Bittere des Abgangs in einen langen Nachhall kombiniert.

Ein Cognac mit einem wirklich grandiosen Mundgefühl, das muss ich sagen, hier lutscht man gerne an jedem Aromapartikel, das den Geschmacksapparat durchläuft, lange herum, und auch wenn der Tiffon Lot 90 den Mund schon eine ganze Weile verlassen hat, saugt man lustvoll die aromatisierte Spucke auf, die noch lange Geschmack nachliefert. Ich liebe solche Spirituosen, an denen man ewig hat, und Audrey Hepburn hätte ihn sicher auch gemocht!

Offenlegung: Ich danke Grape of the Art für die kosten- und bedingungslose Zusendung des Samples dieses Cognacs.

Schwarz und süß – Kankyo Shuzo 20 Years aged Black Mirin (Kuro 20 Hon Mirin) (弐拾年熟成 黒みりん)

Mirin ist eine japanische Spezialität, die der eine oder andere sicher schon zu sich genommen hat, ohne es zu wissen. Die höchste Qualitätsstufe davon, der Hon Mirin („echter“ Mirin), wird aus drei Zutaten gemacht – Klebreis, Koji (ein enzymreicher, bakterienbasierter Fermentationsstarter, der auch bei beispielsweise Sake verwendet wird) und Reis-Shochu. Der Reis wird mit dem Koji geimpft, und muss dann rund 2 Monate reifen – in der Zeit spalten die Enzyme die Stärke im Reis auf und lassen Zuckerarten und Aromen zurück. Mit dem Shochu wird dann die Verzuckerung zu einem gewählten Zeitpunkt unterbrochen und man erhält eine likörartige Flüssigkeit, die in der japanischen Küche hauptsächlich als Kochzutat genutzt wird (daher mein einleitender Kommentar), aber, wie man beim Kankyo Shuzo 20 Years aged Black Mirin (Kuro 20 Hon Mirin) (弐拾年熟成 黒みりん) sieht, den ich heute vorstelle, sich auch als eine durchaus als reines Genussmittel geeignete Genießerware präsentieren kann!

Wie bei so vielen asiatischen Dingen ist man bei Kankyo Shuzo, dem Brauer, ansässig in der Präfektur Aichi in Zentraljapan, stolz auf die vielhundertjährige Tradition, die hinter so einem besonderen Likör steckt. 20 Jahre ruht dieser Hon Mirin in Stahltanks, bevor er mit 14% Alkoholgehalt abgefüllt wird, eine Wartezeit, die nicht vielen Mirins gegönnt wird. Wer soviel Zeit investiert, hat auch glaubwürdig keinen Bedarf nach Zusatzstoffen, um das Wunscharoma zu erreichen – weder Zucker noch sonstige Additive kommen dazu, die Süße und der Geschmack entstammen rein dem fermentierten Reis. Die Verwendung regionaler Basismaterialien und des lokalen Wassers passen in dieses Bild eines hochwertig hergestellten, traditionellen Produkts. Was kommt am Ende aber tatsächlich geschmacklich raus? Wir schauen nach.

20 Years aged Black Mirin (Kuro 20 Hon Mirin) (弐拾年熟成 黒みりん)

„Black“ Mirin, nun, da darf man keine andere Farbe erwarten als diese beinahe schwarze Farbe. Beinahe nur, denn bei Gegenlicht sieht man, dass es eigentlich ein tiefdunkles Braun ist, mit leicht rotgoldenen Reflexen. Erinnert mich etwas an Kaffeelikör, auch von der schweren, sehr öligen und sich nur widerwillig in Bewegung setzenden Konsistenz her. Die Flüssigkeit lässt einen braunen Film an der Glaswand zurück, der sich nur langsam ablöst.

Bei der Nase bin ich direkt überrascht – das ist mehr als nur reminiszent an Sauce-Aroma-Baijiu, das würde ich im Blindtest sofort und ohne jedes Zögern dahin verorten. Sehr esterig, mit vergorener Frucht, darunter eine supermalzige, röstige und vegetabile Sojasaucenseite, mit Anklängen von Champignons, Liebstöckel, verbranntem Karamell und Melasse. Ein Anflug von Balsamicoessig ist da, doch mit letzterem will ich es wirklich nicht vergleichen, auch wenn es sich grundsätzlich ähnlicher anfühlt wie Gewürzflüssigkeit denn eine Spirituose.

20 Years aged Black Mirin (Kuro 20 Hon Mirin) (弐拾年熟成 黒みりん) Glas

Im Mund ist es aber definitiv kein Essig, sondern ein richtig starksüßer Likör. Das greift erneut die Erinnerung an Kaffeelikör auf, mit einer dunklen, cremigen Espressowürze, dabei bombenfett malzig, wirklich fast schon purer, dunkler Karamell, mit einer viskosen, dicken Textur, die sich schnell wie Zuckersirup auf die Zunge legt. Frischer, eingedickter Zuckerrohrsaft und „Sirop de Batterie“ sind weitere Gedanken, die mir entsprechend einfallen. Trockenobst aus Pflaumen, Rosinen und insbesondere Datteln drängen sich auf, letztere ganz stark – hätte ich von der Nase her den Black Mirin für einen Baijiu gehalten, hätte ich im Mund das als Dattellikör eingeordnet. Ein Ticken Chilischärfe bildet sich heraus, nur ein Anflug, der sich aber ausdauernd hält. Im Abgang wirkt die Trockenfrucht schön weiter nach, die Würze ebenso, die Süße ist sowieso von Anfang an nicht kleinzukriegen, und sie belegt Zunge und Lippen. Ein angenehmes Gefühl, doch mehr als minimalste Schlückchen kann man davon nicht trinken, sonst klebt einem der Mund zu.

Ein vielgestaltiger Likör, sehr komplex, nicht ganz einfach, aber insbesondere im Rückblick sehr angenehm zu trinken. Homöopathische Dosen reichen sicherlich aus, sowohl im Purgenuss als auch in einem Mixgetränk, einfach, weil der Black Mirin so extremst dicht und konzentriert ist, wie ich es selten erlebt habe. Das muss man erstmal verdauen!


Darum reichen auch die 10ml, die im Wesp verbaut werden, um den ganzen Drink trotzdem zu steuern, sowohl von der Farbe, als auch von der Aromatik her. Der klare Gin verdünnt dabei in einer Form, dass das Gesamtbild sehr viel massenkompatibler und einfacher zu genießen wird als der reine Mirin; ich denke, für zuhause ist so eine Zutat auch hauptsächlich für die Mischform im Einsatz, wenn man sich da ran traut.

Wesp Cocktail

Wesp
1oz / 30ml Dry Gin
1½oz / 45ml Lillet Blanc
⅓oz / 10ml Mirin
3 Spritzer Peychaud Bitters
Mit Eis werfen.

[Rezept nach der Emile Bar]


Über die Art transparente Plastikverpackungen, in denen man den Black Mirin bekommt, kann man sicherlich geteilter Meinung sein – ich finde sie, wenn man sie so einfach sieht, ganz hübsch, weil sie die Flasche selbst in den Mittelpunkt stellen. Nimmt man sie jedoch in die Hand, und will die Flasche herausholen, merkt man, wie schlecht sich das anfühlt und wie hakelig das Herausholen ist. Insgesamt mag ich diese Art der Verpackung nicht, es ist einfach nicht dem Inhalt und der restlichen wertigen Präsentation mit dem roten Tuch, den goldenen Etiketten und dem netten Umhänger angemessen.

Die Beschriftungen sind fast ausschließlich in Japanisch, der Informationsgehalt ist also eingeschränkt, macht das ganze aber halt so ein bisschen exotisch, und das ist für den oberflächlichen Asienfreund wie mich durchaus ansprechend. Bei chinesischen Spirituosen wende ich viel Zeit auf, die Etiketten zumindest für mich zu verstehen und zu übersetzen, bei japanisch ist mein Elan diesbezüglich zu niedrig. Alle Informationen, die dort zu finden wären, kann man beim Importeur ginza.de nachlesen, darum ist das auch nicht schlimm. Gerade bei so seltenen und seltsamen Spirituosen macht es vielleicht dem einen oder anderen Leser auch Spaß, dies selbst zu eruieren, während man einen Tropfen des Black Mirin auf der Zunge zerlaufen lässt.

Bier am Freitag – Monyo Brewing Mango Hero und Dead Rabbit

Natürlich fallen einem beim Monyo Brewing Mango Hero und Dead Rabbit erstmal die toll designten Dosen ins Auge, in ihrem Comic-Modern-Art-Stil, die man wirklich lange anschauen und Details entdecken kann. Die flashigen Etiketten sparen aber auch nicht mit Details wie Plato-Angaben, Nennung des Brauers, und einer Trinktemperaturempfehlung. Daran sieht man, dass hier keine anonyme Großbrauerei am Werk ist, sondern eine kleine, freche Craftbrewery. 2014 wurde Monyo Brewing im Budapester Stadtteil Kőbánya (nicht die allerbeste Gegend, was ich aus eigener Erfahrung sagen kann) von Ádám Pein und Anti Németh gegründet, und ich habe von meinem letzten Budapest-Trip dieses interessante Bier mitgebracht.

Monyo Brewing Mango Hero und Dead Rabbit

Optisch also ein Gewinn, doch am Ende zählt, was sich im Glas findet! Dosen für Bier sind eine durchaus gute Sache für die Haltbarkeit und Transportabilität, doch wenn man das Bier konsumieren will, sollte man sich trotzdem für ein Glas entscheiden, nur so als Hinweis, ich hoffe, ich überrasche nicht viele mit so einer Banalität.


Monyo Brewing Mango Hero

Zunächst also das Mango Hero Mango Ale, für das ein paar Zutaten erstmal doch etwas Stirnrunzeln erzeugen: das namensgebende Mangopüree nehme ich noch gern hin, doch Sachen wie Glucose-Fructose-Sirup, Aroma und Kaliumsorbat will ich eher selten erleben. Bleiben wir mal offen für das Ergebnis. Leicht blasses Gelb, durchaus irgendwie an eine Mango erinnernd, mit voller Trübung. Laut zischend gießt sich das Bier ein, bildet dabei ordentlich Schaum, der aber nach einer Minute fast ganz verschwunden ist. Mango Hero als Name passt jedenfalls voll zur Nase, das ist reife Mango pur. Wirklich pur, weil fast nichts anderes da ist, das zusätzliche Komplexität mitbringen könnte – rein blind würde man das halt einfach für eine Tropifrutti-Limonade halten. Im Antrunk denkt man eine Sekunde, ja, so geht das auch weiter, doch schnell erkennt man dann doch eine würzig-herbe Bierbasis unter all der Tropenfrucht. Natürlich dominiert die Mango weiterhin alles bei weitem, doch der Gaumen spürt, dass man hier ein Fruchtbier vor sich hat und keine Limo. Sehr schöne Süßsauer-Balance hat man da gewählt, und eine durchaus volle Textur, die trotzdem viel Rezenz erlaubt. Ich bin ja ein großer Fan von gut gemachten Fruchtbieren, und das Mango Hero passt eigentlich in mein Schema, was ich von dieser Kategorie erwarte – handwerklich gut gemacht, nicht zu süß, aromatisch und frisch, und mit 4,5% Alkoholgehalt auch nicht zu leicht. Was will man mehr!


Monyo Brewing Dead Rabbit Double IPA

Zu Beginn des Eingießens des Dead Rabbit Double IPA wirkt es noch kristallklar, setzt sich mit dem letzten Schuss noch etwas Hefe mit ins Glas, so dass wir am Ende ein durchaus starktrübes, leuchtend goldgelbes Bier mit einem herrlich feinblasigen, fluffigen, samtigen Schaum vorfinden. Die Nase ist voll aromahopfengetrieben, richtig fette Frucht gibts da zu finden, reife Mango, Erdbeeren und ordentlich überreife Ananas. Das riecht schon sehr wie ein Fruchtbier, der Unterschied zum Mango Hero ist gar nicht so groß, obwohl hier rein über Hopfensorten gearbeitet wird (Citra, Centannial, Amarillo und Warrior, in Trockenhopfung), man ahnt darum auch hier schon, dass die Bittere eine ganz andere sein wird. Der Antrunk zeigt eine runde, cremige Textur, nicht ganz so fett wie ich das vom Schaumbild her erwartet hätte, die erst im späteren Verlauf dann ins Bittere kippt, sich aber nicht völlig der Kante hingibt, sondern sie gut durch milde Süße und diese riesige Fruchtsammlung auffängt. Angenehm rezent, mit frischer Säure ausgestattet, stillt ein Schluck auch wirklich einen ersten Durst, mit 8,3% Alkoholgehalt macht es sich auch bemerkbar. Der Abgang ist trocken und würzig, sehr angenehm in der Hopfenherbe, mit einem minimalsten Kribbeln an den Zäpfchen. Toll strukturiert und handwerklich top – ich bin kein großer Fan im Allgemeinen von West-Coast Style Double IPAs, hier passt aber echt alles perfekt zusammen.


Das sind beides einfach unterhaltsame, handwerklich sehr gut gemachte Biere, die mich überzeugen. Von meinem nächsten Ausflug nach Ungarn werde ich mir sicherlich weitere Exemplare der Brauerei mitbringen.

Ich habe in der Zwischenzeit Budapest nochmals besucht, und dabei das Monyo Tap House besichtigt, wo man die Biere der Brauerei vom Fass bekommen kann. Am Kálvin Tér liegt es direkt an der Straße, mit so ca. 20 Sitzplätzen, in einem zu aktuellen Ästhetiktrends der Stadt passenden run-down-Look. Eine unterhaltsame Location, wenn auch nicht up-to-date was meine Bedürfnisse an einen Craftbier-Abend angeht.

Schwarz und schwer – Wood’s 100 Old Navy Rum

Man liest es hin und wieder in Cocktailrezepten: „black rum“ oder „blackstrap rum“. Der Laie zuckt mit den Schultern und nimmt einfach einen gut gereiften, kräftig gefärbten Rum her und denkt sich nichts dabei, der Cocktailaficionado recherchiert und sucht verzweifelt nach dem „echten“ Produkt, das damit gemeint ist. Nun, ersteres ist sowohl für den Geldbeutel als auch für die geistige Gesundheit das empfehlenswertere Vorgehen, denn bei letzterem Prozess ist es extrem wahrscheinlich, dass man am Ende nur den Marketingfantasien mancher Hersteller auf den Leim gegangen ist und dann trotzdem mit demselben Ergebnis dasteht wie bei dem einfacheren Vorgehen. „Black strap molasses“ ist schließlich keine geheime, seltene Zutat. Melasse kann man in unterschiedlichen Extraktionsstufen erwerben, und black strap ist schlicht eine gewöhnliche Art Melasse, die einfach ganz am Ende des (meist dreistufigen) Zuckerextraktionsprozesses steht. Der Geschmack ist hier bei nur noch ungefähr 45% Zuckergehalt natürlich ein anderer, bitterer und salziger, als bei Zuckerrohrsirup oder „gewöhnlicher“ Melasse, die immerhin noch rund 70% Zucker enthält. Der Witz ist – diese süßere Melasse wird meist für andere Zwecke verwendet als für Rum. Ein Großteil des Melasserums nutzt bereits eh schon zumindest teilweise die Endstufe, womit wir wieder bei der Diskussion des Eingangssatzes meines Artikels wären: Viele „blackstrap rums“ sind im Endeffekt deswegen normale Melasserums, die einfach stark gefärbt und/oder mit Melasse versetzt werden, um in einer Pseudokategorie verkauft werden zu können.

Stark dunkle Rums sind also keine echte Kategorie für sich. Wer sich den Wood’s 100 Old Navy Rum allerdings so anschaut, erkennt sofort, warum man sich hier gern abgrenzen möchte, doch wir versuchen nun einfach, nicht direkt darauf hereinzufallen, und den Rum nicht aufgrund seiner Farbe, sondern seiner tatsächlichen intrinsischen Qualitäten zu betrachten. Thefatrumpirate hatte bei einem Tasting mitgemacht, bei dem die Bestandteile dieses Blends in die bei DDL genutzten Marques aufgeschlüsselt wurde, und er erwähnt SVW, SV und REV, in absteigenden Mengenanteilen. Besonders letzterer ist bei den Nerds ein geschätzter und gesuchter Marque; er wird in der traditionellen Versailles Single Pot Still, die aus Greenheart, dem lokalen Hartholz in Guyana gemacht ist, destilliert. Bis zu 3 Jahre werden die Einzelbestandteile gereift vor dem Blenden, und schließlich mit Wasser auf ordentliche 57% Alkoholgehalt eingestellt – auf dem Etikett bezeichnet man diese Stärke als „Export Strength“ und nutzt die Verbindung mit dem Schlüsselwort „Navy“ und dem Titel „100“, um auf das alte englische Navy-Proof-System hinzuweisen; dies ist ein Minenfeld, denn die Definitionen dafür haben sich über die Zeit und Regionen gewandelt, die Experten gehen sich fast an die Gurgel, wenn es darum geht. Wir lassen sie erstmal diskutieren, und probieren erstmal das Endergebnis, das nun endlich nach viel Theoriediskussion in meinem Verkostungsglas landet.

Wood's 100 Old Navy Rum

Über die reine Natürlichkeit der tiefbraunen Farbe brauchen wir wohl nicht wirklich zu diskutieren, da wurde definitiv mehr als nur ein bisschen nachgeholfen, denn bei dem Alter der Blendteile kommt nie sowas Dunkles raus. Der sonst übliche Verdächtige, Zuckerkulör (E150), wäre sicherlich alleinstehend zu einfach gedacht, denn bei dieser Art von Rum werden oft die Fässer innen mit Melasse bestrichen, bevor sie befüllt werden. Wahrscheinlich wurde hier so vorgegangen.

Es ist zu erwarten, dass hier ein bunter Reigen an Eindrücken auftauchen wird, bei der Herstellungsweise. Als allererstes finde ich mal Pattex, das ist für mich gar kein schlimmer Geruch, seit meiner Jugend mag ich das eigentlich, und in Spirituosen finde ich das durchaus attraktiv. Danach kommen Gerüche, die andere vielleicht auch ansprechender finden, zum Beispiel natürlich deutlich Melasse und Dörrpflaumen, aber auch sehr vegetabile Noten von Fenchel und Sojasauce, sicherlich sogar ein nicht unerheblicher Anteil von Liebstöckel und Maggiwürze. Etwas Lakritze ist definitiv auch dabei, etwas trockenes Holz, feuchte Baumrinde und etwas Kaffee. Man sieht, gar nicht unkomplex, wäre da etwas mehr Volumen, wäre ich begeistert, so bin ich zumindest recht zufrieden.

Wood's Old Navy Rum Glas

Im Antrunk bleibt der Wood’s zunächst erstaunlich still und zurückhaltend, sowohl was Effekte als auch Aromen angeht. Er braucht etwas, um sich zu entwickeln, das erkennt man schnell, selbst wenn die Textur von Anfang an durchaus voll und kräftig wirkt. Es bildet sich nur eine Spur von Süße heraus, der Rum ist erkennbar trocken und würzig, deutlich salzig sogar, dazu mit ordentlich Umami-Eindrücken. Vegetabile und holzige Noten überwiegen alles, Süßholz und Zedernholz, mit einem sehr angenehmen Pinienzapfengeschmack, der noch mit gut Harz versehen ist. Frucht ist nur als Trockenobst da, Pflaume, Aprikose, dunkle Rosinen. Die 57% Alkoholgehalt spürt man, aber eher als kribbelnde Wärme auf der Zunge und im Rachen denn als scharfes Brennen. Die Zunge wird dennoch gut anästhesiert, und liegt dann mentholisch kalt im Mund. Ein balsamischer und grünlich wirkender Rum, ohne Zweifel, der im Nachhall extrakalt wird und mit leichtem Latschenkieferaroma endet.

Mir gefällt das grundsätzlich, natürlich könnten die beteiligten Rums doch etwas mehr Reife vertragen, ohne Frage. Doch zum Purgenuss ist das meines Erachtens eh nicht wirklich gedacht, sondern als Zutat in mixed drinks, und in dieser Rolle macht der Wood’s 100 wirklich richtig was her.


In einem Sidewinder’s Fang, einem alten Tiki-Klassiker aus den 60ern, braucht man einen „black rum“, und der Wood’s scheint mir perfekt geeignet. Das besondere und namensgebende an diesem Drink ist die fast einen halben Meter lange Orangenzeste, in Schlangenform geschnitten. Es ist gar nicht so einfach, sie innen im Glas so anzulegen im Eis, dass man sie von außen richtig sieht. Neben dem Optischen passt der Name des Drinks jedoch auch zum Geschmack – das ist zwar zunächst fruchtigsüß, hat aber dann einen echten Säurebiss.

Sidewinder's Fang Cocktail

Sidewinder’s Fang
1oz / 30ml „black“ Rum
1oz / 30ml gereifter Rum
1½oz / 45ml Limettensaft
1½oz / 45ml Orangensaft
1½oz / 45ml Passionsfruchtsirup
3oz / 90ml Seltzer
Auf Eis blenden. Mit einer langen Orangenzeste auf Eis servieren.

[Rezept nach Lanai Restaurant, San Mateo]


Eine Literflasche ist bei Spirituosen eher selten in der EU, aber erlaubt. Schwungvoll mit dickem Hals, das liegt gut in der Hand, und das Etikett hat einen gewissen Seemannscharme, dem ich mich gar nicht entziehen will, auch wenn die Illustration ein bisschen Kitsch ist. Man sieht jedenfalls, dass dies nicht als Nerdrum vermarket wird, sondern an die, die sowas wirklich benutzen – und ich zähle mich gern dazu. Neben dem oben vorgestellten Cocktail geht ein Großteil so einer Literflasche bei mir zuhause in Rum & Cola drauf, denn es gibt kaum einen anderen Rum, der in dieser Kombination besser funktioniert. Neben dem Geschmack erzeugt der Wood’s mit Cola eine ganz faszinierende Textur, die ich mir nicht so recht erklären kann, die ich aber sehr genieße. Allein dafür ist der Wood’s 100 schon ein beständiger und eigentlich nicht wegzudenkender Dauergast in meiner Heimbar.

Ohne Etikett und Schutz – Troyanska Slivovitz Special Reserve Aged 25 Years (троянска сливова ракия 25 годишна)

Slivovitz (in all seinen möglichen Schreibweisen) ist, auch wenn man das vielleicht anders vermuten mag in der heutigen Zeit der Schutzbegeisterung, kein geschützter Begriff, und auch nicht durch eine geographische Angabe geregelt, im Gegensatz zu zum Beispiel Cognac, Champagner, Parmesan oder Bündnerfleisch. Er wird letztlich unter diesen Bezeichnungen in vielen Ländern von der Tschechischen Republik bis nach Bulgarien traditionell hergestellt und gern getrunken; verschiedene Länder hatten wohl bereits versucht, sich den Begriff schützen zu lassen, doch die weite Verbreitung ließ dies für die Gesetzgebung schlicht nicht vernünftig zu. In der EU-Spirituosenverordnung wird er darum als Kompromiss allgemein unter dem Punkt „Obstbrand“ geführt, mit einem kryptischen Hinweis auf Spezifika für die tschechische Variante „Slivovice“, und der Erlaubnis, für Pflaumenbrand auch den Begriff „Slibowitz“ verwenden zu dürfen. Letztlich handelt es sich dabei aber immer um einen Pflaumen- oder Zwetschgenbrand.

Heute probieren wir einen Pflaumenbrand aus Bulgarien, den ich damals von meiner Reise als Juror für Spirits Selection by CMB 2018 nach Plovdiv mitgebracht hatte: den Troyanska Slivovitz Special Reserve Aged 25 Years (троянска сливова ракия 25 годишна). Mit seinen mindestens 25 Jahren Ruhezeit in Eichenfässern ist er das Flaggschiff von Vinprom Troyan, dem größten Hersteller dieser Art Pflaumenbrands in Bulgarien, und darüber hinaus ein Symbol für die namensgebende Region Trojan in Nordbulgarien. Wenn ich etwas auf meiner Reise dorthin gelernt habe, ist es, dass im gesamten Großraum schon seit mindestens der Römerzeit extensiv Wein angebaut wird, und das viele Obst, das die klimatischen und bodenbezogenen Eigenheiten der Region zu schätzen weiß, gerne in vielerlei Bränden, wie überall auf dem Balkan Rakiya genannt, verarbeitet wird. Bis heute legt man großen Wert auf diese Tradition, und der Slivovitz Special Reserve ist durchaus als diesbezügliches Prestigeobjekt zu betrachten. Was uns nicht daran hindern sollte, ihn nun zu probieren!

Troyanska Slivovitz Special Reserve Aged 25 Years (троянска сливова ракия 25 годишна)

Klassisches, leuchtendes Sonnenblumengelb, so würde ich die Farbe definieren, dabei kristallklar und ohne Fehler. Man ahnt eine leichte Öligkeit, wenn man das Glas dreht, die Oberfläche spiegelt dabei sehr hübsch in orange, gelb und weiß.

Den Geruch nimmt man währenddessen auch schon leicht wahr, man muss die Nase nicht tief ins Glas halten, um diese wunderbaren, süßschweren Pflaumen zu riechen. Richtig fett wirkt der Duft, mit viel frischem, reifem Fruchtfleisch, nur einem kleinen Ticken Steinaroma, und ordentlich Gewürz darunter. Fast ein bisschen Kompott, oder ein gewürztes Fruchtdessert. Ein Hauch Ester scheint durch, etwas Vanille, ein Anflug von Zimt, alles unterstützt dabei die Pflaume, überdeckt sie nie. Rund, sauber, aromatisch, ein wirklich richtig angenehmer Geruch, den man lange explorieren will.

Troyanska Slivovitz Special Reserve Aged 25 Years (троянска сливова ракия 25 годишна) Glas

Im Mund kommt der Troyanska Slivovitz deutlich schmaler an, als man das von der Nase erwartet hätte, von Beginn an eher bittersüß und leichtkörperig. Initial wirkt er noch sehr zart und weich, im Verlauf trocknet er dann aber erkennbar ab und baut parallel dazu kräftige, leicht pikante Würze auf, die den Mundraum erwärmt, die Zunge leicht prickeln lässt, aber nie brennt oder sticht. Mir fehlt, wie gesagt, hier nun etwas Volumen und Dichte, mit ein paar Prozent mehr Alkoholgehalt könnte hier Abhilfe geschaffen werden, die 40% sind meines Erachtens deutlich zu leicht gewählt. Der Aromatik tut das aber keinen Abbruch, die Nase transportiert sich gut herüber, reife Pflaumen mit etwas Gewürzaspekt, insbesondere Zimt erscheint, das trinkt sich schon richtig süffig. Im Nachgang kommt erkennbar Jasminblumigkeit auf, diese belegt lange den ganzen Gaumen, ein sehr apartes Zusammenspiel mit der Frucht.

Mir gefällt das persönlich sehr, ich genieße die volle Aromatik, die der Pflaume entzogen wurde. Das ist im Gesamtbild kein komplexer Brand, aber ein sehr trinkiger, und interessanterweise ein sehr ausdauernder – noch gut 20 Minuten nach dem letzten Schluck habe ich noch Details auf der Zunge, und ein Glas, das offensteht, riecht auch nach zwei Stunden noch sehr stark nach Pflaumen. Das ist ein beeindruckender Aspekt!


Sicherlich ist das ein Brand, den man genussvoll pur trinken kann, ohne sich zweimal drüber Gedanken machen zu müssen. Im La Douce Prune zeigt er aber auch, wie aromatisch er sich im Cocktail macht – klar dominiert er die anderen Zutaten, lässt sie aber dennoch zu. Ein frischer, leichter, dennoch sehr geschmackvoller Drink mit Charakter, ideal sowohl als Aperitif als auch als Digestif.

La Douce Prune Cocktail

La Douce Prune
1oz / 30ml Pflaumenbrand
⅔oz / 20ml Cidre-Rosa-Beeren-Sirup
⅔oz / 20ml Zitronensaft
½oz / 15ml roter Wermut
1 Eiweiß
Auf Eis shaken.

[Rezept nach Sullivan Doh]


Sehr hübsch ist natürlich die Flasche, die wirklich einmalig ist und durch die vielen Facetten im Licht glitzert und brilliert; sie liegt auch gut in der Hand. Der Verzicht auf ein Etikett ist etwas besonderes, man hätte bei der extravaganten Formgebung auch keine Möglichkeit gehabt, es irgendwo anzubringen. Die Details sind an einem Umhänger um den Flaschenhals zu finden, das ist pragmatisch und ein zusätzlicher Eyecatcher. Im Geschenkkarton, der etwas labberig ist, wird der Troyanska Slivovitz geliefert – das einzige, was mich an der Präsentation etwas stört, ist der im Vergleich etwas billig wirkende Blechdrehverschluss. Ein Korken (sogar einer aus Kunststoff) wäre dem Brand durchaus angemessen gewesen, finde ich.

Ich habe nachgeschaut, man kann ihn inzwischen auch in Deutschland erwerben, der Preis ist allerdings doch deutlich höher, als ich ihn vor Ort in Bulgarien bezahlt zu haben erinnere, eventuell täusche ich mich da aber auch. Svetlin Mirchev, der Godfather of Rakiya, hatte ihn mir empfohlen, zusammen mit dem Destilerija Zarić Rakija od Malina Opsesija; das waren wirklich Mitbringsel, bei denen ich im Nachhinein bedingungslos zufrieden war mit dem, was da im Reisegepäck gelandet ist. Vielleicht ist das was, was man sich von einem Urlaub mitbringen (lassen) kann, wenn man den hohen Preis scheut – wer diese Art von Spirituosen mag, liegt jedenfalls nicht falsch, auch wenn man etwas mehr ausgibt.

Bier am Freitag – Kuehn Kunz Rosen Mystique IPA

Ein wirklich schöner Name für eine Brauerei, finde ich, zusammen mit den extravaganten und charmanten Etiketten war er überhaupt erstmal der Initialgrund für mich, mich mit den Bieren von Kuehn Kunz Rosen aus Mainz zu beschäftigen. Zusammengesetzt aus der Einstellung zum Craftbier („kühn“, nun, das ist vielleicht etwas übertrieben, aber immerhin, nun, mutig) und dem Namenspatron Kunz von der Rosen, dem Hofnarr Kaiser Maximilians I. im ausgehenden 15. Jahrhundert entwickelt sich schon bei der Benamung der Brauerei eine humorvolle Selbsteinschätzung zu den eigenen Bieren. Heute probieren wir das Kuehn Kunz Rosen Mystique IPA, das mit den Malzen Pale Ale, Karamellmalz und Weizenmalz sowie der besonderen Zutat Kamutflocken (einem alten Getreide, auch Khorasan-Weizen genannt) eingebraut ist und mit 7,0% Alkoholgehalt geliefert wird.

Kuehn Kunz Rosen Mystique IPA

Vorsicht beim Öffnen der Flasche, bei mir kam es zu deutlichem Gushing. Beim Eingießen fallen ein paar Flocken mit ins Glas, ich gehe einfach mal davon aus, dass es sich um die eingebrauten Kamutflocken handelt, nicht um Hefe. Danach schauen wir auf die Farbe – kupferfarben, naturtrüb, leuchtend aber fast blickdicht. Man sieht trotzdem kräftiges Mousseux, das den initial sehr üppigen, feinblasigen Schaum auch eine ganze Weile am Leben erhält.

In der Nase sehr bitterfruchtig, Grapefruit hauptsächlich, man kennt das inzwischen ja, und da auch recht bekannte Hopfensorten (Summit, Cascade, Amarillo, Crystal) eingesetzt wurden, erhält man ein geruchlich sehr typisches IPA, wie man es über die wenigen Jahre des Craftbeerbooms inzwischen gut kennen und schätzen gelernt hat.

Im Mund kämpfen von Beginn an die Ale-Cremigkeit und die sehr hohe Karbonisierung und deutliche Bittere gegeneinander. Keiner gewinnt, die Hopfigkeit dominiert diesen Kampf im Hintergrund natürlich. Schöne Frucht (eine gewisse Beerigkeit ist auch da), kräftige, aber nicht kantige Bittere und die zugrundeliegende milde Süße erzeugen ein attraktives Gesamtbild. Der Abgang ist durchaus lang, effektvoll, herb und würzig. Eine leichte Blumigkeit krönt das ganze, wenn das Bier dann den Mund schließlich verlassen hat.

Ein hübsches IPA, typisch, rund und sehr frisch eingebraut, sehr rezent und balanciert. Mir liegt diese Interpretation. Ich habe bereits andere Biere von Kuehn Kunz Rosen probiert (zum Beispiel das Kuehne Blonde), und weitere Artikel werden sicher folgen. Mir gefallen sowohl die Brauerei als auch ihre Biere sehr.

Der Geschmack Brasiliens – A Taste of Brazil 6 Cachaças with Different Wood Maturations Sample Set

Amerikanische Weißeiche. Französische Limousineiche. Mit diesen zwei Holzarten greifen wir schon einen Großteil dessen ab, was global für Fässer genutzt wird, in denen Spirituosen reifen sollen. Brasilien hat mit seinen (noch) großen Waldflächen eine ganz andere Tradition – man setzt auf native, tropische Hölzer, wenn es darum geht, den nationalen Brand Cachaça, hergestellt aus frischem Zuckerrohrsaft, einzulagern. Zwei Begriffe sind dafür relevant: „Envelhecida“ und „armazenada“. Envelhecida steht für eine recht komplizierte Beschreibung – mindestens 50% eines Blends müssen dafür für mindestens 12 Monate in Fässern, die weniger als 700 Liter Fassungsvermögen haben, gereift werden. Erreicht man diese Werte nicht, kann man die Cachaça, sobald sie wenigstens etwas Holzkontakt hatte, als armazenada deklarieren; die meisten Cachaças, die diese Bezeichnung aufweisen, werden unterjährig in großen, oft 1000 Liter fassenden Fässern kurzgelagert. Das ist die Theorie, und mit dem Tastingset A Taste of Brazil 6 Cachaças with Different Wood Maturations Sample Set kann man das direkt in die Praxis umsetzen.

Sabor! 6 Cachaças with Different Wood Maturations Sample Set

In dem Set haben wir unterschiedliche Reifungsformen und -stufen, die zeigen, wie viel Variabilität in einer einzelnen Spirituosenkategorie stecken kann, was das angeht; Cachaça geht da viele Ebenen über das hinaus, was andere so zu bieten haben. Aber nun ran an die Gläser!


Sapucaia Florida Cristal

Sapucaia Florida Cristal. Kristall, der Name passt, man ahnt mehr eine leichte Färbung als dass man sie wirklich sieht. Lebendig und dynamisch im Glas. Das Holz beherrscht natürlich die Nase vollständig, hier hat man frische Kräuternoten, vegetabile Anteile, aber auch würzige Untertöne, die Volumen erzeugen. Sehr hauchig, mit viel balsamischem Anteil und einem Tick Menthol. Würzig ist die Cachaça auch am Gaumen, leicht salzig, sehr expansiv und mit guter Breite und Tiefe. Der Haucheffekt nimmt schnell Fahrt auf und verdrängt die initiale Süße, klar mentholig, frisch, aber eher Anis als Minze, dabei immer beständig körpervoll und rund. Sehr lang aromatisch, kalt die Zunge anästhesierend. Charaktervoll, sehr eigen, dabei aber mit extrem viel Trink- und Mixpotenzial.

Reifung: 1 Jahr Amendoím, eine Art der Erdnuss, die aber nicht für die Produktion von Erdnüssen genutzt wird; unbedrohte Spezies. 40,5% Alkoholgehalt. Destilliert in der Sapucaia Distillery in Pirassununga (São Paulo).


Magnífica de Faria Tradicional

Magnífica de Faria Tradicional. Auch hier könnte man die Spirituose für eine ungereifte halten, da ist nur ein Hauch Tönung. Deutlich sieht man dafür die Viskosität. Die Nase ist hochtypisch für Cachaça, diese Mischung aus Zuckerrohrsaft, Aquariumkies und Gewürzbasis ist wirklich einmalig. Die mineralische Seite ist hier deutlich betont, darunter findet man aber sehr klar Zimt und ätherisches Zitrusöl, weniger frisch, mehr würzig, wie Zitrone ja auch sein kann. Sehr mild und voll ist der Antrunk, erst im späten Verlauf finden wir ein bisschen kaltes, minziges Kribbeln auf der Zungenspitze. Schön dicht ist die Aromatik, wirklich ausgesprochen mineralisch, lang anhaltend und mit schöner Textur bis zum Schluss, wenn Wärme den Rachen nachverfolgbar hinuntergleitet. Hochtypisch, wie gesagt, und vielleicht darum auch ein idealer Heimbarkandidat.

Reifung: 2 Jahre in Ipê; bald bedrohte Spezies. 40% Alkoholgehalt. Destilliert in der Fazenda do Anil (Rio de Janeiro).


Saliníssima Ouro

Saliníssima Ouro. Ouro bedeutet „goldfarben“, und auch wenn es ein leicht blasses Gold ist, stimmt diese Klassifzierung. Schön schwer bewegt es sich dazu. Bálsamo ist eines meiner Lieblingshölzer für Cachaça, einfach weil es so schweraromatisch duftet, mit einem leicht süßlichen Touch, etwas Vanille und Guave lockert die kiesige Mineralität auf. Ein bisschen mehr Volumen könnte die Nase aber vertragen. Im Mund erledigt sich das, hier geht die Cachaça wunderbar auf, belegt den gesamten Mundraum mit ganz sanft prickelnder Würze, die die Basis für die herrliche Aromatik des Bálsamoholzes schafft. Süßlich und schwer sowohl von Sensorik als auch Textur her, da hat man was im Mund, rund und dicht, mit angenehmem Tropenfruchtaspekt, und einem tollen, warmen und gleichzeitig mentholischen Nachhall, der minimalst Salz zeigt. Was zum Purgenuss, finde ich.

Reifung: Blend aus verschieden lang in Bálsamo gereiften Bränden („armazenada“); unbedrohte Spezies. 42% Alkoholgehalt. Destilliert in der Fazenda Matrona in Salinas (Minas Gerais).


Weber Haus Cachaça Envelhecida em Canela Sassafrás Sample

Weber Haus Cachaça Envelhecida em Canela Sassafrás. Hier schlägt das Fass voll zu, irgendwie passend zu dem Namen des Holzes, das an Zimt erinnert, ist auch die Färbung nun deutlich, wie auch die Viskosität. Der Duft ist durchaus erstaunlich, da ist viel Honig, Zimt, schwersüße Tropenfrucht, vielleicht sehr reife Sternfrucht, aber auch eine erdig-holzige Seite, die ein bisschen an Grappa erinnert. Darüber liegt ein parfümartiger Geruch, etwas Moschus, etwas Zedernholz, Zypresse, und ein Hauch schwerer Lilienduft. Unglaublich komplex und interessant, was zum lange dran schnüffeln. Im Mund ist das auch schwer greifbar, sehr holzig, fast an Latschenkiefer-Saunaaufguss erinnernd, Zypressenholz und Eukalyptusblätter. Dann richtig deutlich Zimt, mit einer klaren Anisunternote, Leder, Tonkabohne, Kokosnussschale, heller Tabak und Geranie. Auch hier ultrakomplex. Leichte Textur, schmaler Körper, frisch, mit klarem, grünen Nachhall, und deutlicher Bitterkomponente im Rachen. Unglaublich, atemberaubend! Davon habe ich mir sofort eine ganze Flasche bestellt.

Reifung: 1 Jahr in Canela Sassafrás; bedrohte Spezies. 38% Alkoholgehalt. Destilliert in der Destillerie Weber Haus in Ivoti (Rio Grande do Sul).


Weber Haus Cachaça Envelhecida em Amburana

Weber Haus Cachaça Envelhecida em Amburana. Blasses Messing, starke Viskosität, edel zu betrachten und im Glas zu sehen. Die Eigenheiten des Amburana zeigen sich sofort in der Nase, süßlich-schwer, dunkelfruchtig mit Anklängen von Brombeeren, Guave und Holunder, fast schon marmeladig, mit richtig viel Honig und etwas Vanille, dazu weiße Schokolade. Ein Hauch von Blumigkeit ist noch da. Am Gaumen ultramild, weich und flauschig, richtig gemütlich legt sich das zunächst rein, erst im Verlauf kommt mildpikante Würze auf, leichtes, sehr angenehmes Prickeln, feine Wärme. Der Basisbrand scheint hier nun durch, zeigt sich vorsichtig mineralisch und mit sehr viel Zuckerrohrsafttypizität in der Aromatik; das Holz lässt hier dem Brand auch etwas eigenen Spielraum. Das trinkt sich insgesamt sehr angenehm und süffig, bleibt aber im Abgang leicht bitter und insgesamt etwas kurz, da würde ich mir etwas mehr Ausdauer wünschen. Dennoch: aromatisch und handwerklich sehr sauber gemacht.

Reifung: 1 Jahr in Amburana; beinahe bedrohte Spezies. 38% Alkoholgehalt. Destilliert in der Destillerie Weber Haus in Ivoti (Rio Grande do Sul).


Santo Grau P.X. Solera Pedro Ximenez

Santo Grau P.X. Solera Pedro Ximenez. Das erste Produkt, das nicht in brasilianischem Holz gereift ist, sondern in klassischer Eiche – toll als Vergleich, finde ich. PX färbt natürlich ordentlich, das sieht man an der goldenen Farbe. Der Geruch begeistert mich erstmal nicht so wirklich, man riecht das feuchte Holz und einen Anflug von rotem Wein, aber auch eine ordentliche Portion Ethanol, die zwar nicht im Vordergrund liegt, aber doch etwas stört. Darunter gibt es Honig, Zuckerrohrsaft und eine minimalst nussige Note. Im Mund drängt sich diese sehr nach vorne, richtig fette Erdnuss, witzigerweise noch viel mehr als beim Cachaça mit Erdnussholz. Dann kommt erstmal nicht viel mehr, ein neutrales Brennen auf der Zunge und angenehme Würze, doch ohne echtes Volumen oder Dichte. Entsprechend klingt der Santo Grau auch sehr schnell aus und lässt nur Erdnuss und Neutralalkohol auf der Zunge zurück. Sicher der mit weitem Abstand schwächste der hier präsentierten Cachaças – dazu ist er gesüßt, das hat aber nicht viel gebracht, finde ich.

Reifung: Solerasystem in PX Sherry Casks, ohne Altersangabe. 39% Alkoholgehalt. Adoçado (gesüßt). Destilliert in der Destillerie Santo Grau in Itirapuã (São Paulo).


Die Präsentation ist wirklich gelungen, die navyblaue hat eine schöne Zuckerrohrpflanze-Dekoration und eine scheckkartengroße Holzplatte mit dem Namen der Box. Ein Magnetverschluss hält die Box geschlossen. Die Röhrchen mit den Cachaças liegen sicher und fest in einer samtigen Halterung. Die Bezeichnungen sind nur über Nummern gestaltet, die auf einem etwas einfach gehaltenen Beipackzettelchen aufgeschlüsselt werden; die Infos hier sind sehr knapp und müssen durch Eigenrecherche ergänzt werden, will man wirklich wissen, was man da trinkt (dafür habt Ihr aber ja mich!).

Dieses Set hat mich schwer beeindruckt – ich hatte es vor 2 Jahren oder so mal bei einer Facebook-Aktion gekauft, und seitdem lag es rum. Hätte ich geahnt, was da für Schätze schlummern, wäre das schon viel früher über die Rezensionstheke gegangen, hundertprozentig. Nun ja, so habe ich meine tiefe Liebe zu Cachaça wiederaufleben lassen können, die die letzten Monate doch sehr eingeschlummert war. 5 großartige Brände, einer davon sogar sensationell begeisternd, nur ein einzelner mittelmäßiger, das ist ein Set, das sich lohnt!

Bier am Freitag – Brouwerij Van Steenberge Gulden Draak 9000 Quadruple

Erneut gibt es heute was aus der Brouwerij Van Steenberge, die mir schon so richtige Knaller wie das Pyraat, aber auch das Bornem und das Monk’s Café präsentiert hatte. Vor einer Weile hatte ich bereits auch das Gulden Draak Calvados Barrel Aged Ale über den grünen Klee gelobt; hier kommt nun eine weitere Drachenimpression der belgischen Braumeister, das Gulden Draak 9000 Quadruple, in einer schön komplett schwarz befolierten Flasche und mit dem drachenwürdigen Alkoholanteil von 10,5%. Das muss man sicher mögen, und auch verkraften, meine Erfahrungen mit der Brauerei zeigen mir aber, dass die das im Griff haben. Auch für das Quadrupel der Golddrachenfamilie?

Brouwerij Van Steenberge Gulden Draak 9000 Quadruple

Wie so oft bei Flaschengärungsbieren: Bitte vorsicht beim Eingießen. Mein spezielles Gulden-Draak-Glas hat neben einem sehr festen Standfuß auch nach oben hin genug Platz, um all den beige-farbenen Schaum aufzunehmen, der da entsteht; das Gushing ist so stark, dass man das Bier am besten direkt über dem Glas öffnet. Er sackt nach einer Weile zusammen, bildet dann aber eine langlebige, stabile Feinschaumschicht. Das Bier selbst ist minimal trüb, von herrlicher haselnussbrauner Farbe, die ohne Gegenlicht fast für eine geschlossene Blickfläche sorgt.

Die Nase ist sehr malzig, kräftig, würzig, genau das, was ich mir von einem belgischen Quadrupel erhoffe. Eine leichte Parfümnote schwingt mit, vielleicht Töne von Lavendel, Zitrus, Rosmarin und Thymian, das sind aber eher Gefühle als klar festmachbare Fakten. Man bekommt Lust, einen Schluck davon zu nehmen.

Im Mund entsteht eine fette, satte Textur, fast schon aufgeschäumt wirkt das. Der Antrunk zeigt sich ebenfalls direkt von der würzigen Seite, das Malz wirkt sogar fast etwas pikant. Dieser Eindruck verstärkt sich im Verlauf noch weiter, aus der initialen Süße entwickelt sich eine hübsche Säure, die beiden Komponenten spielen im Wechsel miteinander, bis sie sich am Ende beide verabschieden und einer sehr befriedigenden Trockenheit, die mit der nun sehr prägnanten Pfeffrigkeit einher geht, Platz machen. Aromatisch bleibt es mäßig interessant, das ist ein Bier der Effekte – ein Bier der Sensorik der Zunge, nicht der Nase. Zum Schluss kommt noch leichter Jasminhintergrund auf, mit dem das 9000 Quadrupel ausklingt.

Brouwerij Van Steenberge Gulden Draak Classic und 9000 Quadruple

Ein gelungener Vertreter seines Stils, fett, breit und mit Wucht, noch eine Schippe drauf im Vergleich zum auch schon von mir sehr geschätzten Gulden Draak Classic. Mir fehlt am Ende irgendwas, ich kann aber nicht klar festmachen, was, das mich daran hindert, in Begeisterung auszubrechen. Das ist aber ungerecht: Wer belgische Quadrupel mag, kann hier unbesehen zugreifen.

Bier am Freitag – Hanscraft Bayerisch Nizza Wheat Pale Ale

Das Problem habe ich gerade häufig – ich schaue mir die alten Bierrezensionen an, die ich vor Jahren geschrieben hatte, aber nie veröffentlicht, und will dann neue Bilder und letzte Eindrücke dazufügen. Zu diesem Zwecke erwerbe ich dann noch ein, zwei Flaschen, und stelle dabei fest, dass der neue Eindruck nicht zu den alten Tastingnotes passt. Nun, entweder hat sich mein Gaumen verändert, oder das Bier wird anders hergestellt, etwas, was ich gerade bei Craftbier dann doch so häufig sehe, dass ich letzteres ehrlich vermuten darf. Aktuelles Beispiel: Hanscraft Bayerisch Nizza Wheat Pale Ale. Alte Version: Dreifach kaltgehopft mit Perle, Citra, Centennial, Chinook, und 5,3% Alkoholgehalt. Neue Auflage: 5,0%, und Hopfensorten leicht verändert mit Tradition, Citra, Summit, Chinook. Da lohnt sich keine Veröffentlichung der alten Tasting Notes, da werden neue gemacht. Bitteschön!

Hanscraft Bayerisch Nizza Wheat Pale Ale

Optisch erstmal sehr trüb, bananig-bleich, blass. Feiner langlebiger Schaum, nicht viel davon, es knistert dafür sehr angenehm, und die starke Perlage gefällt mir auch. Geruchlich findet man hier eine Mischung aus Hefeweizen und Pale Ale. Mild, hefig, sehr fruchtig nach Orange, Pfirsich und Banane – mit einer gewissen Marmeladigkeit und vorsichtigen Würze.

Am Gaumen kommt es sehr frisch und rezent an, klar und etwas herbsäuerlich im Antrunk, mildbitter und leicht. Cremig und dennoch mit leichtem Körper. Danach kommt eine milde Süße zum Vorschein, die Säure dominiert dennoch weiterhin, eine hintergründige Zitronigkeit und ein Hauch Maracuja vielleicht. Orangenschale finde ich, das erinnert mich insgesamt durchaus an ein Witbier. Eher kurzer Abgang, frisch und leicht auch hier, ohne nennenswerte Rückstände an Aromen, mit plötzlich auftauchender knackiger Bittere. Eine leichte Mundtrockenheit verbleibt und das dadurch entstehende Mundgefühl ist eher unangenehm – ein Wermutstropfen am Schluss also.

Das fühlt sich tatsächlich irgendwie wie eine Mischform aus Hefeweizen und Pale Ale an, der Name ist also passend. Ein leicht aromagehopftes Weizen, könnte man auch sagen. Sehr süffig und angenehm zu trinken, ein herrlicher, wirksamer Durstlöscher. Erkennbar handwerklich gut gemacht – bis auf den Nachabgang finde ich keinerlei störende Effekte, ein rundes, perfektes kleines Bier zum Wegziehen; das Sobriquet „Clubbier“ finde ich unterhaltsam und berechtigt!