Das schwarze Loch des Grauens – Lausitzer Porter Schwarzes

Die Biergattung des „Porter“ ist wohl nicht geregelt. Jeder kann sein eigenes Süppchen als „Porter“ vermarkten, wenn er es will – selbst, wenn es eigentlich Cola mit leichtem Bierzusatz ist. Wie beim Lausitzer Porter Schwarzes.

Lausitzer Porter Schwarzes

Ich hatte untenstehende Rezension schon vor vielen Jahren geschrieben, mich seitdem nicht mehr an dieses Bier herangetraut – und nun, an einem entspannten Sonntag, hat es dann doch seinen Weg in ein Glas gefunden. Ich muss den optischen Eindruck komplett korrigieren, da hatte ich wohl ein unsauberes Glas oder einen anderen Umstand, der den Schaum an der Entwicklung hinderte. Natürlich verschwindet die Schaumkrone immer noch schnell, das ist für ein Schwarzbier aber nicht ungewöhnlich.

Ich würde heute auch die Wortwahl überdenken, das Lausitzer Porter ist immer noch kein Porter, aber doch ein Schwarzbier. Der Zucker ist überflüssig und macht das Bier aromatisch langweiliger und schlechter, als es sein müsste, und der Eindruck eines Colamischgetränk bleibt bestehen, aber die krassen Vergleiche will ich etwas relativieren. Nicht, dass ich es groß empfehlen würde – aber für den unanspruchsvollen Drink zwischendurch, statt eines Colaweizens oder eines Radlers, taugt das Getränk. Mehr aber nicht.


Ich denke, das Foto, geschossen wenige Sekunden nach dem Eingießen, sagt alles aus. Keinerlei Schaum, keinerlei Perlage, nicht blickdicht. Ein Porter sieht für mich anders aus. Rein vom optischen her würde ich das für Cola, die schon eine Weile steht, halten.

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Und auch geschmacklich ist es dann eine sehr überzeugende Abfüllung von abgestandenem Cola. Warum schreibt die Brauerei nicht einfach „Stale Coke“ aufs Etikett? Dann wäre die Konsumentenverdummung, die ich bei diesem Bier, das mit Porter überhaupt nicht einmal im entferntesten etwas zu tun hat, durchaus schon erkenne, nicht ganz so schamlos.

Das wahrscheinlich auffälligste an diesem „Bier“ ist der Zuckerzusatz, der wenigstens bei den Inhaltsstoffen angegeben ist. Da ich bei einem als Porter deklarierten Bier niemals Zucker als Zusatzstoff vermutet hätte, habe ich leider den Blick auf die Zutatenliste vor dem Kauf ausgelassen – das wird mir nicht mehr passieren. So habe ich rund 1,50€ für mit Zucker versetztes Toilettenspülwasser ausgegeben.

Jeder Porter-Freund und -brauer, und auch sonst jeder, der auch nur ansatzweise ein Interesse an vernünftigen Bieren hat, wendet sich mit Grauen von diesem Bier – ich schaudere, das Wort „Bier“ in Zusammenhang mit dieser Brühe zu gebrauchen.

Es werde Schnaps – Amy Stewart’s „The Drunken Botanist“

Eines meiner Hasswörter in der Welt der Spirituosen ist das von Gin-Hipstern immer gern verwendete Wort „botanicals“ geworden, das zusammen mit der Ächtung der im deutschsprachigen Raum bis vor wenigen Jahren üblichen Wortkombination „Gin Tonic“ – wer nur ansatzweise etwas auf sich hält, bestellt heutzutage einen britisch-korrekten „Gin and Tonic“ – in die Bars Einzug gehalten hat. Was an dem kantig-klobigen Wort „Pflanzenextrakt“ die hippe Szene stört, ist klar, es ist nicht cool genug. Nun lasse ich sie das englische Wort im deutschen Satz gern gebrauchen – unter der Voraussetzung, dass sie wenigstens wissen, wovon sie reden. Mit dem Buch von Amy Stewart lässt sich ein gewisser Bildungsbedarf schnell, unterhaltsam und umfassend nachholen.

drunkenbotanistcover-borderThe Drunken Botanist: The Plants that Create the World’s Great Drinks ist eine Reiseerzählung, nicht durch die Länder der Welt, obwohl man in diesem Buch auch viel herumkommt, sondern durch die Welt der Pflanzen, die uns Freunden des hochgeistigen Genusses so viel Freude bereiten.

Wir verwenden Pflanzenextrakte in unseren Spirituosen und Cocktails in drei unterschiedlichen Varianten, die Stewart in den drei Teilen ihres Buchs auch so aufgreift: Die Pflanzen, die schon seit alters her fermentiert und destilliert werden, wie Zuckerrohr, Weizen, Roggen, Mais und Agave. Eine andere Art, Pflanzengeschmäcker in die Drinks zu bekommen, ist die Mazeration und Infusion – Nelken, Wacholderbeeren, Holunder oder Aprikosen können durch handwerkliche Prozesse dazu genötigt werden, ihre Aromen in eine bereits vorhandene Schnapsbasis abzugeben. Und zu guter letzt sehen wir als Cocktailfreunde auch gern das eine oder andere Pflanzenteil in natura in unserem Glas; Pfefferminzblätter, Kirschen oder Zitronenzesten lockern den Drink auf und geben den letzten, hocharomatisch-frischen Twist.

Von Pflanze zu Pflanze, und damit auch von aus dieser Pflanze typisch hergestellter Spirituose, hangelt sich Stewart so durch die Botanik, und lässt bei all den hochinteressanten Informationen die Unterhaltung nicht außen vor. Anekdoten, wie zum Beispiel zur wirklich spannenden Geschichte des Angostura-Bitters, und eine mit einem sehr wirksamen, aber zurückhaltenden Humor durchzogene Schreibe, machen das Buch zu einem unerwarteten Pageturner.

Spannend sind auch die eingestreuten Wissensbröckchen, wie der kleine Ausflug über Essigherstellung (ein echtes Bakterien-vs-Hefe-Deathmatch), oder wie der Vodka und die Kartoffel zusammenkamen. Und schließlich hat Stewart auch den einen oder anderen, äußerst klugen Ratschlag zum Konsum der beschriebenen pflanzenbasierten Spirituosen auf Lager.

Now carry your julep to the porch and remain there until bedtime; there will be nothing else to your day but the slow draining of the glass and the pleasant drone of the cicadas.

Genau das werde ich wahrscheinlich am Wochenende tun. Ein schöner Mint Julep, lange auf Eis gerührt, und mit viel hausgezogener Minze darin, auf dem Balkon im Liegestuhl. Das Leben kann so schön sein, wenn man die richtigen Lebensratgeber liest.

mintjulep

Fruchtmaggi – The Bitter Truth Lemon Bitters

Mein Bitterregal ist schon schön anzuschauen – die meisten der Bitter stammen von The Bitter Truth, und deren Flaschendesign, mit dem markanten, hübschen Etikett, ist ein edler Blickfang für jede Hausbar. Ähnlich wie die Bitter selbst in Getränken ein eleganter, abrundender Touch.

The Bitter Truth Lemon Bitters

Der Geruch der Lemon Bitters ist hauptsächlich erstmal bitter und würzig – erinnert mich etwas an die Maggi-Flüssigwürze, nur im Hintergrund scheint ein limoniger Anflug durch. Die erwartete fruchtige Komponente bleibt auch beim Geschmackstest, mit einem Spritzer auf dem Finger, überraschenderweise etwas aus. Ganz klar: Hier wurden wohl statt Zitronensaft Zitronenschalen zur Aromatisierung verwendet. Die Bitterkomponente überwiegt bei weitem, und nur dezent fühlt man die Zitrone; lässt man die Flasche etwas offen stehen, durchdringt dann aber nach einer Weile ein angenehmer, fruchtwürziger Geruch den ganzen Raum, als würde man unter einem wilden Zitrusfruchtbaum im Sommer liegen.

Aufgrund dieser Zusammensetzung ist dieser Zitronenbitter auch durchaus in Getränken einsetzbar, die von sich aus schon einen säuerlichen Grundcharakter aufweisen, wie der Old Cuban.

Old Cuban


Old Cuban
6-8 Minzblätter, sanft gemuddelt mit ½ oz Zuckersirup
¾ oz Limettensaft
1½ oz Kubanischer Rum (die kubanischen Wurzeln von Bacardi erlauben einen sehr gut passenden Bacardi 8 Años)
2 Spritzer The Bitter Truth Lemon Bitters
Auf Eis shaken. Aufgießen mit Champagner.
[Rezept nach Audrey Sanders]


Die Lemon Bitters runden das Getränk schön ab und geben ihm eine Fruchtigkeit, die nicht wirklich auf Säure beruht – die hat er schon durch Limettensaft und Sekt, und trotzdem ist da plötzlich was im Drink, das vorher nicht da war.

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Ein sehr klassischer Bitter, der statt dem inzwischen allgegenwärtigen Angostura eingesetzt werden kann, gerade wenn man eine etwas herbere Zitrusfruchtkomponente will oder die Färbeeigenschaft des Angostura, der alles rötlich färbt, nicht gebrauchen kann. Ein Beispiel für letzteres wäre die Rosita – eh schon leicht rötlich würde der Angostura die namensgebende zurückhaltende Rosigkeit zerstören.

Rosita Cocktail


Rosita
1½ oz Tequila Reposado (z.B. Calle 23 Reposado)
½ oz Süßer Wermut (z.B. Martini Rosso)
½ oz Trockener Wermut (z.B. Noilly Prat)
½ oz Campari
1 Spritzer Zitronenbitter


Ein schöner neuer Zugang zu meinem Bitters-Regal, und wer sich für diese Art des minimalen Korrektureingriffs bei Cocktails interessiert, darf durchaus einen Blick riskieren.

Malzigkeit kennt keine Grenzen, Malzigkeit kennt kein Pardon – Riegele Robustus 6

Das Robustus 6, ein Porter des Augsburger Craftbierbrauers, kommt schon auf den ersten Blick tiefdunkel, espresso-farben daher. Beim Eingießen fühlt man schon die schwere Konsistenz, und bewundert, wie sich die erstmal fette Schaumkrone langsam in einen feinperligen, dünnen Schaum setzt.

Robustus-borderGeruchlich unauffällig, mit der für das Porter bekannten leichten Kaffeenote, spielt das Robustus seine Fähigkeiten erstmal ein bisschen runter. Geschmacklich lässt es die Untertreibung dann aber schnell sein: Im Mund sehr mild und weich, wartet es mit einer kräftigen Malzigkeit auf, die schon im Namen niedergelegt ist: die 6 Malzsorten ergeben ein nur angenehm wenig aber erkennbar süßliches, mehr würziges Gesamtbild. Mit frischer Säure ausgestattet ist es dabei nicht so lau und belanglos-süß wie zum Beispiel das Guinness Draught.

robustus-flasche-borderDie wahren Stärken des Robustus 6 kommen aber erst auf den zweiten Schluck zum Tragen: Milder Kaffee, erst spät am Gaumen wahrnehmbar, eine deutliche Bitterkeit mit Schoko- und Kaffeearomen im Rachen, und ein mittellanger, recht trockener Abgang.

robustus-etikett-borderBis auf die für Bier recht ungewohnte Menge von 0,66l, letztlich für mich eigentlich eher 2 Portionen, bleibt die Flasche selbst etwas langweilig. Sehr ungewohnt dagegen das Etikett; äußerst ausführlich beschreibt der Hersteller eigentlich alles, was man wissen muss, und nimmt mir als Rezensenten die Worte aus dem Mund. Ich bin entsetzt – wenn das so weitergeht, werden wir Schnapsblogger arbeitslos! Ich hoffe, Riegele hat bald ein Einsehen und sorgt dafür, dass nicht jeder Konsument plötzlich soviele Informationen über sein Bier aus erster Hand bekommt, sondern sie sich weiterhin mühsam im Internet aus fragwürdigen Quellen wie meinem Blog zusammensuchen muss…

T.C. Eliot hatte Geschmack – Noilly Prat Vermouth

Die Farbe ist sehr blond, fast klar; der Geruch fruchtig und süß, mit Honignoten, und ganz typischen Wermutgewürzen. Der Geschmack ist trotz der Süße dann sehr trocken, es staubt fast im Mund, dabei Anklänge von Kräutern und Gemüse, deutlich säuerlich, und hinterlässt dann aber ein warmes Gefühl am Gaumen – viel Speichelfluss folgt, um die Trockenheit auszugleichen. Noilly Prat FlascheIm Vergleich zum Hauptkonkurrenten, Martini Extra Dry, hat der Noilly Prat etwas mehr Körper und Volumen, ist meiner Meinung nach aber nicht so exorbitant viel besser, wie manche Gourmet-Seiten ihn machen – ich hatte eine Geschmacksexplosion erwartet. Das ist aber schon allein aufgrund der Wunschstruktur eines Wermuts, der immer eher zurückhaltend, leicht und fein sein sollte, und sich nicht mit Aromen in den Vordergrund drängen darf, auch gar nicht möglich.

T.S. Eliot benannte seine Katze nach diesem Getränk – wahrscheinlich nach einigen Gläsern des Wermuts, dessen Stil man wahlweise als französisch, trocken oder weiß bezeichnen kann. Besonders in Cocktailrezepten werden diese Begriffe gern wild durcheinander verwendet, in Abgrenzung zum italienischen, süßen, roten Stil.

Cocktailzutat ist dann wohl neben Kochzutat das Haupteinsatzgebiet eines Wermuts, denn pur kann man ihn zwar trinken, doch finde ich den Wermutgeschmack allein etwas langweilig. Dass es dann trotzdem nicht viel braucht, um diesen Wermut auch in einem Cocktail glänzen zu lassen, zeigt der leichte, extra-trockene, fruchtige Bamboo Cocktail.

Bamboo Cocktail


Bamboo Cocktail
1½ oz Noilly Prat
1½ oz Fino Sherry (z.B. von Sandeman)
2 Spritzer Pfirsichbitter


Eine wirklich edle Flasche im Retro-Stil präsentiert den Wermut in einer passenden Form und lässt ihn herrlich grün strahlen.

Stellen Sie ihn kühl, am besten im Kühlschrank und versiegelt durch ein Weinpumpen-Vakuum, denn Wermut verdirbt relativ schnell für eine Spirituose; nach ein paar Monaten verliert ein geöffneter Wermut einen Großteil seiner Aromen (mein Martini Extra Dry sammelte dann sogar Schimmel). Daher, wenn Sie ihn nur eher selten brauchen, kaufen Sie lieber eine Dreiviertelliterflasche oder noch kleiner, und lassen die ebenfalls erhältliche Literflasche im Regal.

Horny, horny, horny – Sauza Hornitos Tequila Reposado

Tequila ist in Deutschland kaum bekannt. Nur selten findet man eine Bar, in der tatsächlich vernünftiger Tequila angeboten wird, dazu muss man oft in ein mexikanisches Restaurant gehen (wie ins Café Especial in Saarbrücken mit seiner unglaublichen Tequilakarte). Wer glaubt, zu wissen, wie eine Margarita oder ein El Diablo schmeckt, und diese bisher nur mit Mixtos wie José Cuervo Especial oder Sierra Tequila getrunken hat, hat keine Ahnung, wie gut diese Cocktails in Wahrheit sind. Mit diesem 100%-Agave-Reposado (also einem vollständig auf Basis von Agavenzucker destillierten Tequila, der leicht gealtert ist, im Gegensatz zum ganz jungen blanco und zum stärker gealterten añejo) kann man diese Wissenslücke auf preisgünstige Weise ausgleichen.

sauzahornitosreposado-borderDer Sauza Hornitos Tequila Reposado ruht 2 Monate in Eichenfässern – das mag sich für einen Rum- oder Whiskeyfreund nach sehr wenig anhören, doch Tequila wird generell eigentlich nur sehr selten über einem Jahr eingelagert. Die Farbe ist entsprechend hell strohfarben, und man schmeckt immer noch die jungen, frischen Aromen der Agavenfrucht heraus; gleichzeitig wurde ihm durch die kurze Fassreifung der gröbste Alkoholbrand entzogen.

Er macht sich fantastisch in einem Tequila Sunrise, wegen seiner ungewöhnlich stark ausgeprägten Fruchtnoten, aber auch in einem etwas ungewöhnlichen, sehr trockenen, aber extrem spannenden Mexican Fix (kein Cocktail für Anfänger oder Pappelriedchen!) wirkt er großartig.

Mexican Fix


Mexican Fix
1½ oz Tequila Reposado (z.B. Sauza Hornitos Reposado)
½ oz Chartreuse (grün)
1 Teelöffel Maraschino-Likör
⅔ oz Limettensaft

⅓ oz Ananassaft
Auf Eis shaken.
[Rezept nach Robyn Gray]


Das Flaschen- und Etikettendesign gefällt mir sehr, es hat etwas eigenes, ist aber nicht so gequetscht wie die Flaschen von Don Julio. Ein Blechschraubverschluss verdeckt eine ungewohnte, aber gut funktionierende „Ausgießhilfe“ – ein Euphemismus für den auch als „Nachfüllstop“ bekannten Plastikeinsatz, der verhindern soll, dass billige Spirituosen in die Markenflasche „nachgefüllt“ werden.

Wer bisher nur Sierra Tequila kannte, wird überrascht sein, wie gut ein Tequila schmecken kann. Fruchtig, aromatisch, interessant. Das mit dem 100% Agave auf dem Etikett ist keine Marketingmasche – es ist das Merkmal, das Rotz von Qualität unterscheidet. Mixtos müssen nur zu 51% aus Agavenzucker destilliert werden, der Rest können andere Zuckerarten, meist billigster Rohrzucker sein; und man schmeckt diesen Unterschied. Wer es probiert hat, weiß, wovon ich rede – wer es nicht weiß, sollte es dringend mit diesem wunderbaren Tequila herausfinden

Rye wie er sein soll – Bulleit 95 Rye Frontier Whiskey

Deutlich ist schon an der Farbe, ein sattes, tiefes, rötliches Braun, zu erkennen, dass wir hier etwas kräftigeres vor uns haben. Im Vergleich zum preislich ähnlich gelagerten Jim Beam Rye (Yellow Label), bekommt man hier eben statt 51% ganze 95% Roggenanteil in der Maische. Das schmeckt man deutlich – eine sehr feine Würze durchzieht sowohl den Geruch als auch den Geschmack. Kräftig und voluminös, dabei aber auch sehr mild und kaum brennend im Geschmack, bietet der Bulleit Rye dann auch im Nachgang so einiges. Lange bleibt das Aroma insbesondere auf der Zungenspitze. Eine zarte Wucht, auch dank der 45% – Alkohol ist eben ein Geschmacksträger.

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Dieser Rye macht sich auch in einem Cocktail richtig gut, da müssen die anderen Zutaten ordentlich arbeiten, um gegen ihn anzukommen. Doch trotz des martialischen Namens spielt er gut und freundlich mit, z.B. in einem exquisiten The Billionaire.

The Billionaire


The Billionaire
2 oz Rye Whiskey (z.B. Bulleit 95 Rye)
1 oz Zitronensaft
½ oz Zuckersirup
½ oz Granatapfelsirup
¼ oz Absinthe (z.B. La Pontissalienne)
Auf Eis shaken.
[Rezept nach Dushan Zaric]


Mir gefallen die Bulleit-Flaschen sehr. Sowohl die Rye- als auch die Bourbon-Flasche sind optisch hervorragend, ansprechend designt.

bulleitrye2-borderViel offene Fläche dank der nur kleinen Etiketten, die stilistisch sehr rustikal wirken, also passend zum Getränk – so kann man den herrlich farbigen Inhalt bewundern; die eingegossene Marke macht echt was her; ein echter Korkstopfen zeigt, dass man keine massenproduzierte Ware (was amerikanische Maßstäbe angeht, natürlich!) vor sich hat.

Ein idealer Anfänger-Rye – und auch Kenner sollten mal einen Blick auf diese Brüder werfen, wenn sie die ganzen Rye-Wuchtbrummen mal satt haben und statt dessen von weicher Milde sanft gewiegt werden wollen.

Mal so am Rande – Salz- und Zuckerkrusten für Cocktails

Für Cocktailglas-Krusten habe ich ein tolles Werkzeug gefunden, das mir gut dabei hilft, Krusten schnell und mit wenig Aufwand herzustellen. Früher musste ich einen kleinen Teller finden, der vom Durchmesser her für das Zielglas passte, diesen Teller dann mit Zucker oder Salz bestreuen, und letzen Endes das Streugut nachher wegwerfen, weil ich es nicht vernünftig zurück in den Behälter bekommen habe.

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Mit dem Krustenmacher (in Ermangelung eines besseren Worts), zu finden auf Ebay oder Amazon, ist das viel leichter, und er ist für Salz und Zucker gleichzeitig nutzbar.

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Und wenn man seine Kruste schnell gemacht hat, klappt man das ganze Ding einfach zusammen und kann es platzsparend und abgedeckt verstauen. Es ist auch ein Schwamm für Zuckerwasser dabei, den ich aber nicht nutze – das bringt nur was, wenn man an einem Abend schnell mal 20, 30 Krusten machen muss. Sonst ist das eher eklig.

Wie macht man so eine Kruste? Eigentlich ganz einfach. Man nimmt das Glas und reibt den Rand etwas mit einer zuckerhaltigen Flüssigkeit ein. Ich finde eine Limettenhälfte, die man beim Cocktailmachen eh meist zur Hand hat, sehr gut geeignet. Genausogut funktioniert aber auch Zuckersirup. Wasser dagegen ist ungeeignet – es klebt den Zucker oder das Salz nicht fest.randmitlimette

Man muss darauf achten, wirklich nur sehr vorsichtig und wenig von der Klebeflüssigkeit an den Rand zu bringen. Ein leichtes Reiben, idealerweise mit umgedrehtem Glas auf der Limette und nicht umgekehrt, bringt den besten Effekt.

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Wenn man es übertreibt, oder das Glas nicht auf dem Kopf hält, führt das zu unschönen, übermäßigen, ungleichmäßigen Rändern, wie man auf dem Foto oben sieht.

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Richtig gemacht dagegen finde ich einen Salzrand an einem Cocktailglas sehr ansprechend. Er betont das Glas und gibt eine exotische Note. Man lässt die Klebeflüssigkeit nun also ein wenig antrocknen, so eine halbe Minute vielleicht, und stülpt das Glas dann in die Streugutfläche.

Etwas warten, bis der Rand klebt, dann das Glas abheben und leicht anrütteln, um den überflüssigen Krümelkram wegzubekommen. Das Ziel ist kein fetter, dicker Rand, sondern eine feine Linie, die nur oben auf dem Glasrand entlangschweift. Falls es nichts geworden ist, einfach das Glas kurz abspülen und wiederholen.

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Bei Zucker darfs bei mir meistens ein bisschen mehr sein als beim Salz – letztlich ist das aber eine persönliche Sache, und eine, wie der Cocktail, der nachher ins Glas soll, geartet ist: Ein starksaurer Cocktail kriegt einen mächtigeren Rand als einer, der eh schon süß ist.

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Salz für Krusten mag nicht jeder – doch zu manchen Cocktails, wie der klassischen Margarita, gehört einfach eine Salzkruste. Normales Jodsalz empfinde ich als zu scharf für Salzkrusten- sowohl vom Geschmack, als auch von der Struktur. Auf so ein Salzkorn zu beißen ist eher unangenehm. Persönlich mag ich daher Salzkrusten mit Himalajasalz sehr gern. Das Salz ist geschmacklich milder als das Kochsalz, das man zum Kochen verwendet, es hat eine unregelmäßige Struktur und ein spannendes Farbmuster.

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Beim Zucker gibt es für mich 3 Varianten: Beim normalen Kristallzucker habe ich ein bisschen Langeweile. Puderzucker ist dagegen etwas empfindlich. Er gibt sicherlich einen optisch sehr ansprechenden Effekt und ist auch beim Trinken kaum zu spüren, doch verwischt er auch schnell und zieht dann unschöne Schlieren am Rand entlang. Am liebsten verwende ich braunen Rohrzucker. Die sehr grobe Struktur ist hübsch anzuschauen, und knirscht etwas beim Trinken, im Gegensatz zum Kochsalz ist es aber gar nicht unangenehm, auf so ein Korn zu beissen.

Ein fertiges Beispiel – ein Cable Car Cocktail mit Zuckerkruste. Getränke mit Kruste serviere ich grundsätzlich ohne Strohhalm – das Lutschen an der Kruste gehört mit zum Gesamtgenuss.

Cable Car Cocktail

 


Cable Car
1½ oz Spiced Rum (z.B. Captain Morgan’s Spiced Gold)
¾ oz Orangenlikör
1 oz Zitronensaft
½ oz Zuckersirup
Auf Eis shaken. In einem Glas mit Zuckerrand servieren.
[Rezept nach Tony Abou-Ganim]


Wenn es mal was noch außergewöhnlicheres sein soll, kann man sich auch einen Drink mixen, der die Kruste schon im Namen trägt: den Brandy Crusta. Er steht in diesem Blogbeitrag stellvertretend für alle Crusta-Drinks, die man heutzutage in dieser Form leider kaum mehr in Cocktailbars serviert bekommt. Zu aufwändig ist vielen Bartendern die Herstellung. In der Heimbar sollte dieser zu Unrecht unbekannte Cocktail daher in Ehren und am Leben gehalten werden.

Brandy Crusta Cocktail


Brandy Crusta
2 oz / 60ml Brandy
½ oz / 10ml Zitronensaft
¼ oz / 5ml Triple Sec
¼ oz / 5ml Zuckersirup
2 Spritzer Angostura Bitters
Auf Eis shaken. In einem Glas mit Zuckerkruste und einer großen Zitronenschale servieren.
[Rezept nach Joseph Santini]


Die Kruste ist hier zweiteilig: Erst eine normale Zuckerkruste am Glasrand, wie oben beschrieben; und schließlich eine große Zitronenzeste, ins Glas gerollt, so dass sie vom Rand über dem Drink gehalten wird.

Wie man sowas allerdings trinkt, überlasse ich jedem selbst. Ein Strohhalm würde, wie gesagt, den Sinn der Kruste ad absurdum führen; ich stupse die Zeste vor dem Trinken einfach runter ins Glas.

Wahrhaft kaiserlicher Biergenuss – Camba Bavaria Imperial IPA

Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Biersorten ich bisher verpasst habe. Nachdem ich nun IPAs und Stouts verkostet habe, tritt nun schon wieder ein neuer Spieler auf die Bühne: Das Imperial IPA. Von manchen Herstellern auch Double oder Extra IPA benannt, passt die Bezeichnung „Imperial“ eigentlich schon gut: Das ist die Kaiserkrone des Ales.

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Der Craft-Beer-Brauer Camba Bavaria aus Oberbayern hat mit dem Imperial IPA eine dieser Biersorte ausgesprochen würdige Marke hervorgebracht. Ein unglaublich aromatisch-fruchtiger Geruch nach Zitrusfrüchten hüpft aus dem Glas und kitzelt die Nase auf angenehme Weise. Die kräftige Kupferfarbe, gekrönt von nur dünnem Schaum, lässt schon ahnen, worauf wir uns da einlassen.

Und die Nase hat sich nicht getäuscht: Als würde man Grapefruitsaft pur trinken. Ein extrem knackiger Bums lässt mich staunen, da merkt man echt, dass man was im Mund hat. Wunderbar erfrischend, bei guter Kühlung, füllt das Bavaria Imperial IPA den Mund mit einem fruchtig-hopfigen Zitrusfrucht-Biergeschmack, den ich in dieser Intensität sonst noch nirgends schmecken durfte. Gerade die umwerfende Bitterkeit, selbst für ein IPA, ist ein Traum. Während andere Biersorten auch bitter sind, wird bei ihnen die Bitterkeit oft von Schärfe oder einer Kratzigkeit begleitet. Nicht so bei diesem Bayern: Mild, weich, rund. Keine Spur von Rachenkratzen. Und am Ende ein sehr langandauernder Nachgeschmack nach Grapefruit, ganz ohne Aromastoffe, rein natürlich aus dem Hopfen.

8,4% Alkohol und 19,9% Stammwürze gehen sogar über ein Doppelbock hinaus, und das sollte man beim Trinken berücksichtigen: Das Zeug steigt schnell zu Kopf, ohne dass man es gleich merkt. Der Drittelliter in der Standard-Bierflasche zum Mittagessen ist jedenfalls schon ausreichend, um mich schnell dazu zu bringen, mich zügig aufs Sofa zu einem Mittagsschläfchen zu legen.

Das Etikett ist, wie bei diesen modernen Sorten üblich, nicht mit der steifen Popanzetikettiererei der konventionellen Bierhersteller vergleichbar; der Hersteller nutzt die Farben, um die unterschiedlichen Biersorten auf den ersten Blick klarzustellen. Vielleicht ein bisschen zu übertrieben für meinen Geschmack ist das Design.

Ganz klar: Das Camba Bavaria Imperial IPA ist das beste IPA, das ich bisher verkostet habe. Ein Bier, das ich bedenkenlos weiterempfehlen kann, und das mit rund 2€ die Flasche noch nicht einmal übermäßig teuer ist. Man muss also nicht unbedingt in die USA, die Heimat des Imperial IPA, schauen, um sich einen herausragenden Vertreter dieser spannenden Biersorte in den Kühlschrank zu holen. Das Gute liegt oft näher, als man denkt!

Zigarre für Nichtraucher – Victor Sinclair Bohemian Bamboo

Bei manchen Zigarren muss man sich überwinden, sie an den Mund zu führen, so hässlich sind sie. Die Bohemian Bamboo des dominikanischen Herstellers Victor Sinclair dagegen verleitet einen geradezu: Selten habe ich eine optisch so schöne Zigarre gesehen.

bamboo1Ein wunderbar glattes, feinadriges Deckblatt in einem hellen Farbton (Connecticut) fühlt sich aber auch sehr gut an und ist weich beim Druck. Die hübsche, leicht verschieb- und abnehmbare Banderole zeigt ein Bambusfeld. Ein interessantes Detail ist das kleine „Schweineschwänzchen“ am Mundstück – handgemachte Zigarren können so einen Tabaksknoten bieten, ebenso das zugefaltete „rough-cut“-Endstück.

bamboo3Von der Größe her vermute ich (leider habe ich die Zigarre in einem Anflug von Stress gekauft, ohne die Details vom Verkäufer zu erfragen, der mich beriet – und die Homepage des Herstellers ist erwartungsgemäß unauskünftig), dass es sich um die Vesuvio-Version handelt. Circa 12cm rauchen sich in etwas über einer halben Stunde bequem runter.

bamboo2Der Kaltgeruch ist ein eher mittelmäßig begeisterndes Pferdestallaroma. Das Raucherlebnis war für mich, wie so oft, zweigeteilt – nur diesmal andersherum als erwartet.

Die erste Hälfte ließ mich etwas ratlos zurück: Ein hoher Zugwiderstand, gekoppelt mit unbefriedigend niedrigem Rauchvolumen. Entsprechend auch geschmacklich äußerst mild, mild bis zum Punkt der Aromalosigkeit. In der zweiten Rauchhälfte dann allerdings besser in allen Beziehungen: Der Zugwiderstand nimmt aufgrund der kürzeren Länge klarerweise etwas ab, dafür steigt das Rauchvolumen in angenehme Bereiche. Extrem mild bleibt sie trotzdem, das maximale, was man herausschmeckt, ist eine leicht Nussigkeit, etwas Holz, sonst aber wenig Aromen.

bamboo4Gerader Abbrand und feste Asche liebe ich an Zigarren; die Bohemian Bamboo überzeugt diesbezüglich voll.

Insgesamt eine Zigarre, die aufgrund ihrer Zurückhaltung auch für Zwischendurch mal geeignet ist; sie passt gut zu milden Getränken wie dem Gin Fizz auf dem Foto, ich würde sie nicht zu Stärkerem empfehlen, da kann man dann das Rauchen gleich ganz sein lassen.

Wer supermilde Zigarren mag, oder erste Schritte hin zum Genuss des Tabaks machen möchte, kann sich diese Zigarre gönnen; persönlich mag ich dann doch etwas aromatischere, stärkere, interessantere Zigarren.