Feines von der Insel über dem Winde – La Mauny Rhum Agricole 50%

Es gibt Dinge, die mögen wir nicht von Anfang an. Der erste Biss in eine Lakritzschnecke sorgt dafür, dass viele das schwarze Gummi nie wieder im Leben anrühren. Oliven sind bitter und ich kenne viele, die das Gesicht verziehen, wenn sie sie im Salat entdecken. Blauschimmelkäse ist so aromatisch, dass der eine oder andere nicht damit umgehen kann oder will. Austern, mit ihrer halbflüssigen Konsistenz und ihrem salzigen Geschmack, hasst man oder liebt man.

Allen solchen Dingen muss man eine zweite, manchmal vielleicht sogar eine dritte, vierte oder fünfte Chance geben, bis der eigene Gaumen sich vom ersten Ablehnen weg hin zur neuen Aromatik umgewöhnen kann. Es ist für mich immer wieder verblüffend, wenn ich zum Beispiel bei der Fernsehshow „Das perfekte Dinner“ höre, was die Leute so alles nicht essen. Fisch (außer, er schmeckt nicht so stark nach „Fisch“), Meeresfrüchte, Spargel, rote Beete, Rosenkohl, Wild. Und das schlimmste: sie wollen es oft nicht mal probieren. Viele Menschen verbauen sich eine ganz neue Geschmackswelt nur aufgrund dessen, dass ihnen vor Urzeiten der erste Versuch missfallen hat. Man kann es sich einfach machen, und Speisen oder Getränke ablehnen, weil sie nicht in das kindliche Schema süß-dezent-gewohnt passen. Doch mit nur ein bisschen mehr Experimentierfreude kann man sich weiterentwickeln und sich diese Welten erschließen.

Maison La Mauny Rhum Blanc Agricole 50°

Rhums agricoles, wie der La Mauny Rhum Agricole 50% von der Insel Martinique, sind auch so ein angewöhnter Geschmack, zumindest war es so für mich. Man mag sie im Allgemeinen erstmal nicht zu Beginn. Im Vergleich zu den massenkompatiblen, nichtssagenden nachgesüßten Zuckerrums sind sie kantig, spitzig und unbequem – und hochinteressant, spannend, ungewöhnlich. Wer sie einmal kennen gelernt hat, hat sie lieben gelernt: Sie sind die wahren Könige der Rumwelt.

Ich erkenne Lakritz und grünes Gras, vergorene Ananas (das kenne ich vom hausgemachten Tepache), viel Frucht, der Rum ist aber dennoch schön süß und fein. Der Alkohol versteckt sich nicht, was er in guten Spirituosen aber auch nicht tun muss, nur in Fusel. Höchstaromatisch und kraftvoll, Zitrusfrucht, Litschis und reife Bananen. Ein einmaliger Geschmack, natürlich erinnernd an seinen brasilianischen Verwandten, den Cachaça, aber noch aromatischer und fruchtiger. Eisen, Anis, Pfirsich. Das Spektrum scheint unendlich. Jeder Schluck weckt neue Assoziationen. Bei 50% darf man schon einen Tropfen Wasser oder zwei dazutun, dadurch kommt die dunklere, esterige Note, die man von Jamaica-Rum kennt, dazu, und Pfeffer und Minze. Ich werde sprachlos bei dieser unglaublichen Vielfalt.

Maison La Mauny Rhum Blanc Agricole 50° Glas

Im Gegensatz zu einem anderen weißen rhum agricole, den ich im Regal stehen habe, dem Dillon 43%, ist der La Mauny trotz seiner erhöhten Stärke sehr mild. Diesen Rum gibt es in 70cl auch mit niedrigerer Prozentzahl, wie bei fast allen Antillen-Rhums, doch ich empfehle ganz klar, die Flasche mit höherer Prozentzahl zu wählen. Alkohol ist Geschmacksträger, und verdünnen kann man immer noch selbst.

Das perfekte Cocktailrezept für diesen Rum wird praktischerweise schon auf der Flasche mitgeliefert. Das martiniquanische Nationalgetränk ist der Ti’Punch (abgeleitet von petit punch, dem „kleinen“ Punch also) – ich habe es minimal modifiziert. Ich mag diesen Drink gern ohne Eis; in der Sommerhitze oder in der Karibik trinkt man ihn vielleicht lieber mit einem dicken Eiswürfel. Es passiert mir selten: Ich habe mir 3 Stück davon hintereinander reingezogen, so gut schmeckt mir dieser Mix.

tipunch-cocktail


Ti’Punch
1 Stück brauner Würfelzucker
½ Limette direkt ins Glas ausdrücken und mit dem Zucker vermischen,
die Limettenhälfte dann ins Glas werfen

2½ oz La Mauny Rhum Agricole 50%


lamauny-etikett2Und, da bin ich ehrlich, ich habe im französischen Supermarkt etwas zögerlich für 18€ (der Preis kann nur als Witz gemeint sein, das PLV geht dadurch gegen unendlich) zugeschlagen, weil mir das Flaschen- und Etikettendesign so gefallen hat. Eine dicke, fassförmige Literflasche, mit einem außergewöhnlich schön und liebevoll gestalteten Etikett, in dem die Herstellung über Illustrationen und Schlagwörter erklärt wird. Gewiss ist da viel davon, wie immer bei industriellen Spirituosenetiketten, Marketingrosigkeit, aber wenn es so gut gemacht ist wie beim La Mauny ist mir das egal.

Ein wirklich wunderbarer Rum, der am lang bestehenden Sockel meines Lieblingsrums, des Appleton Estate Extra 12, kratzt. Auf jeden Fall mit einer der besten Rums, die ich in meinem Leben getrunken habe. Man stelle sich vor, ich hätte mich vom ersten Versuch eines rhum agricole, der nicht so toll lief, abschrecken lassen. Ich hätte mir nie verziehen, dieses Aromenwunder nur deswegen zu verpassen.

Dieser Hahn kann schön krähen – Gruthaus Pumpernickel Porter

Der Feinkostmarkt im Saarbrücker GaleriaKaufhof ist ein Ausbund an unerwarteten Überraschungen. Sie haben dort wirklich ein hervorragendes Sortiment (leider etwas überteuert) an Spirituosen, und auch eine kleine, aber sehr feine Biertheke mit Bieren aller Art und aus aller Welt. Wenn dann noch eine Mindesthaltbarkeitsdatumswarnungswelle ausbricht, bei der viele Biersorten um 50% reduziert werden, so wie neulich, schlage ich bei allem, was nicht niet- und nagelfest ist, zu. Eins dieser MHD-Biere war das Gruthaus Pumpernickel Porter, das ich heute vorstellen will.

gruthauspumpernickelporter-flasche„Schwarz, kernig, vollmundig“ ist das Versprechen auf dem modern und verrückt gestalteten Etikett, das einen Gockel in Comicverfremdung zeigt.  Ohne zuviel vorweg nehmen zu wollen – die Beschreibung auf dem Etikett passt perfekt.

Das Bier, eingegossen in mein spezielles Porter-Glas von Spiegelau (tolle Gläser, die es auch für IPAs und Witbiere gibt), erscheint erstmal nicht blickdicht, aber mit schöner Perlage und feinem, zurückhaltenden Schaum. Ein leicht metallischer, harziger Geruch ist überraschend, aber sehr angenehm und macht Lust auf mehr.

Geschmacklich überrascht es nur dahingehend, dass es wirklich schmeckt, wie ein Porter schmecken soll (bei der ungeregelten Porter-Biersituation bekommt man wirklich grausiges Zeug als „Porter“ serviert, da muss man vorsichtig sein). Es gefällt im Mund, ist schön dicht, kräftig und dabei immer noch frisch.

gruthauspumpernickelporter-glasViele halten derartig malzlastige, dunkle Biere oft für sättigend; das Gruthaus Pumpernickel Porter ist aber tatsächlich eher erfrischend, nur leicht malzig, und hat auch nur leichte Röstaromen. Diese wirklich gut gelungene Ausbalanciertheit in allen Komponenten setzt sich auch bei einer zurückhaltenden, aber effektiven Bitterkeit und einer nicht übertriebenen Süße fort.

Wie es sich für handwerklich gutes Bier ziemt, ist das Pumpernickel Porter ungefiltert und nicht pasteurisiert, und weist echten Pumpernickel als Zutat aus – Brot und Bier, hergestellt aus ähnlichem Grundstoff, waren schon immer Brüder im Geiste. Dass so eine spannende Vermählung wirklich gut klappt, beweist dieses Bier, von dem ich sicherlich mehr trinken werde, auch wenn es dann nicht mehr um die Hälfte reduziert ist.

Porter macht sich auch immer gut in Cocktails. Der Roll With The Punches #2 zeigt ganz besonders, dass Bier eine tolle, aber leider unterschätzte Cocktailzutat sein kann.

Roll with the Punches #2 Cocktail


Roll With The Punches #2
1½ oz / 45ml aromatisierter Rum
¼ oz / 10ml Angostura
¾ oz / 25ml Orgeat
½ oz / 15ml Orangensaft
½ oz / 15ml Limettensaft
Auf Eis shaken. Mit Porter-Bier auffüllen.
[Rezept nach unbekannt]


Wirklich ein ganz hervorragendes Porter, das sich nicht vor britischen Platzhirschen in diesem Bierbereich verstecken muss.

Älter bedeutet nicht auch weiser – Agavita Añejo Tequila

Scotch- und Bourbon-Trinker wie auch Rumfreunde sind immer auf der Suche nach lange gelagerten Exemplaren der Droge ihrer Wahl. Für viele ist das Alter ein Synonym für Qualität, und sie schauen eine Spirituose, wenn sie nicht mindestens 10 Jahre in einem Fass lag, gar nicht erst an. Für diese geriatrophilen Gourmets ist es meist eine Überraschung, wenn sie mit Tequila konfrontiert werden – dort sind 3 Jahre Fassreifung schon sehr viel. Warum ist das so?

Anhand dieses Tequilas, dem Agavita Añejo Tequila, kann man das gut erkennen. Während die Zuckerquelle beispielsweise bei Scotch, die Gerste, zwei- bis dreimal im Jahr geerntet wird, braucht eine blaue Weberagave um die 7 Jahre, bis sie reif zur Tequilagewinnung ist. Dass eine Pflanze in einem so langen Zeitraum eine sehr viel stärkere, eigene, aromatischere Zuckerbasis in sich aufbauen kann als ein Getreide sorgt dafür, dass das, was nach der Vermaischung aus der Destille tröpfelt schon von sich aus viel mehr Aromastoffe aufweist als ein Gersten-, Weizen- oder Roggenbrand. Beim Whisky ensteht der Großteil der Geschmacksstoffe erst durch die lange Zeit im Fass; beim Tequila ist das, was ihn ausmacht, schon direkt von Anfang an da. Und diese Agavenaromatik ist es, die der Tequila-Aficionado sucht und wünscht. Durch lange Fasslagerung würde diese grasige, lebendige und vor allem feine, luftige Fruchtigkeit durch starke, schwere Holznoten überlagert und dem Tequila seine größte Stärke rauben. Für mich sind daher die Blancos, vielleicht noch die Reposados, die wahren Könige des Tequila. Die Añejos sind zwar meist weicher, aber auch weichgespülter als ihre jüngeren, ungereifteren Verwandten. Und das erkennt man auch an diesem Agavita Añejo sehr schön.

agavitaanejo-flascheDie Farbe, die in der Flasche für einen Tequila sehr dunkel erscheint, ist dann etwas heller im Glas, wo man den leichten Geruch, etwas mineralisch, vielleicht minimalst metallisch, dagegen aber sehr agavenfruchtig, genießen kann. Karamell und Aprikosen deuten auf das Alter hin. Ein ansprechender, typischer und feiner Tequilageruch.

Die Zunge wird leicht gekitzelt durch die vorhandene Würze, im Hals kratzt es ein klein wenig. Die Süße eines guten Tequila ist vorhanden, doch sonst ist die Aromendichte relativ gering; für einen Añejo-Tequila kommt er mir recht dünn und schmalbrüstig vor, und ich vermisse Reifenoten. Ich hätte ihn in einer Blindverkostung für einen Reposado gehalten, was nicht unbedingt schlecht ist. Es fehlt an Körper und Volumen, auch wenn der Agavita ansprechend agavenfruchtig ist, und mir der Hauch einer Mentholnote, die auf Zunge und Gaumen verbleibt, sehr gefällt. Ein gewisser Mangel an Komplexität und Charakter dagegen könnte Kenner enttäuschen. Auch der Abgang ist sehr kurz, und enttäuschend schnell verflogen.

Natürlich verwende ich so einen Tequila dennoch gern in einem Cocktail – er hält sich dezent im Hintergrund, gibt aber dem Cocktail den typischen Agavenduft. Als Beispiel für einen Cocktail, in dem der Agavita Añejo sehr gut funktioniert, erwähne ich hier mal den Charming Foxhole.

Charming Foxhole Cocktail


Charming Foxhole
1½ oz Agavita Añejo Tequila
½ oz Aperol
½ oz Süßer Wermut (z.B. Carpano Antica Formula)
¼ oz Amaro (z.B. Villa Rillago Amaro)
2 Spritzer The Bitter Truth Créole Bitters


Erhältlich ist dieser gealterte Tequila im Großhandel bei Metro für rund 17€, er ist in der gleichen Flasche wie sein Verwandter, der Agavita Platinum Blanco, abgefüllt, und weist ein nur leicht anderes Etikett auf, das aber in seiner schlichten Eleganz zu überzeugen weiß. Ein Plastikkorken verschließt die Flasche.

Während der eben angesprochene Agavita Platinum ein Preisleistungswunder ist, ist der Añejo vergleichsweise diesbezüglich nicht ganz so spitze. Trotzdem: Für diesen Preis in Deutschland einen 100%-Agave-Añejo zu bekommen ist ein gutes Zeichen, und im Vergleich zu Mixtos ist dieser Tequila natürlich trotz allem eine andere Welt.

Tequilafreunde, die einen günstigen Alltagstequila suchen,aber auch  Anfänger, die mal einen gealterten Tequila probieren wollen, können sicherlich einen Blick riskieren und machen nichts falsch dabei; wenn man aber nur einen Añejo im Leben trinken will, sollte man sich eher nach anderen, körpervolleren, aromatischeren und komplexeren Tequilas umschauen.

Io offro un giro! Villa Rillago Amaro

Deutschland ist gut durchsetzt mit italienischen Restaurants. Die damals so genannten „Gastarbeiter“ brachten den biederen Deutschen in den 50er Jahren ihre herrliche Kulinarik bei, und neben Pizza, Spaghetti, Lasagne und Mozzarella kam auch höherprozentiges mit im Gepäck über den Brenner: der italienische Kräuterlikör, genannt Amaro. Wer hat nicht schon nach üppigem Essen in einer Pizzeria den einen oder anderen Ramazotti, Cynar oder Fernet getrunken?

Der süße Kräuterlikör ist zwar erkennbar bitter, aber halt nicht so trockenbitter wie die Kräuterbitter Angostura oder Underberg, sondern schön süß und voluminös, und vielleicht daher so beliebt. Inzwischen sind die Amaro-Regale in Supermärkten unübersehbar, und da taucht dann auch schon schnell eine Eigenmarke auf, wie der Villa Rillago Amaro, der scheinbar eine Hausmarke der Globus-Supermarktkette ist.

villarillagoamaro-flascheÄußerlich fällt er schonmal positiv auf. Eine hübsche Halbliterliterflasche, mit Schnur und Plombe, einem hübsch gestalteten Etikett, und viel Sichtfläche auf den Inhalt. Farblich ist er ein typischer Amaro, dunkelbraun, fast schon schwarz, blickdicht. Dickflüssig fließt er ins Glas.

Nelken und Süßholz, Eukalyptus, Schokolade und Kräuter. Ein sehr angenehmer Geruch, etwas leichter, frischer als viele andere Amaros. Süßer Geschmack ist erstmal das Vordergründigste beim Kontakt mit dem Mund, eine ölig-dicke Konsistenz, die zunächst scheinbar nur aus Zucker besteht. Schnell kommen aber die Kräuteraromen nach, und eine für einen Amaro nur überraschend zurückhaltende Bitterkeit. Im Abgang bleibt diese milde Bitterkeit auch noch eine Weile auf der Zunge, begleitet von leichter Kräuternote und Süße, und lässt eine erkennbare Trockenheit im Hals zurück. Im Gegensatz zu beispielsweise Fernet Branca, der voll auf die Kräuter- und Bitterkomponenten setzt, ist der Villa Rillago Amaro mehr ein starksüßer Digestif mit Anklängen von Kräutern.

Der Villa Rillago Amaro sorgt aber trotz dieser eher leichten Aromatik in Cocktails für eine schwere Dichte, eine dunkle Süße und eine leichte Bitterkeit, die zum Beispiel im Joaquin Murrieta hervorragend zur Gesamtkomposition beiträgt.

Joaquin Murrieta Cocktail


Joaquin Murrieta
1 oz Tequila reposado
1 oz süßer Wermut
1 oz Amaro
Auf Eis rühren.
[Rezept nach Scott Baird]


Mit 8€ für den halben Liter ist er trotz Hausmarke nicht wirklich billiger als die großen Namen, doch ich habe mir nach einiger schlechter Erfahrung und dem Zwang einer großen Flaschenzahl in der Heimbar geschworen, wenn nur irgend möglich, nur noch kleine Flaschen einer Spirituose zu kaufen. Und da bei diesem Amaro auch der Inhalt stimmt, habe ich zur Abwechslung mal alles richtig gemacht.

The Beer of the Tiger – Crew Republic Roundhouse Kick Imperial Stout

Welcome, Ladiiiiiiiiiieeeees and Geeeentlemeeeeeeen! In der linken Ecke, mit einem leichten Kampfübergewicht, aber unendlicher Motivation, der Titelverteidiger, der Bezwinger vieler Spirituosen, sowohl im amerikanisch-mexikanischen, wie auch dem schottisch-italienischen Stil: schlimmerdurst!

In der rechten Ecke der Herausforderer! Gut gekühlt, frisch geöffnet, und mit einigen Vorschusslorbeeren aus der Fachpresse versehen: Das Crew Republic Roundhouse Kick Imperial Stout, aus München, von dem selbst Chuck Norris noch was lernen kann! Wie wird dieser ungleiche Kampf ausgehen? Ring frei!

056019-black-paint-splatter-icon-food-beverage-drink-bottle1Runde 1! Die Kämpfer checken erstmal vorsichtig Farbe und Geruch ab! Das Roundhouse Kick ist schwarz wie Chuck Norris‘ Karategürtel, blickdicht, und weist einen leichten Schaum auf, wie ihn die Loser, die früher vom Titelträger schon Prügel bezogen haben, vor dem Mund hatten. Selbst in einer verschwitzten Trainingshalle schafft es der Geruch gegen jeden Aromagegner: recht hopfig, Amateurboxer hätten es allein vom Geruch vielleicht für ein Pale Ale gehalten, und entsprechend sind neben dem dunklen Malz dann fruchtige, zitronige Aromen im Vordergrund.

Crew Republic Roundhouse Kick Imperial Stout

056019-black-paint-splatter-icon-food-beverage-drink-bottle1Runde 2! Der erste brutale Geschmackskontakt! Nur zurückhaltend, kein guter Kämpfer protzt mit seinen Fähigkeiten, schlägt das Roundhouse Kick mit Röstmalz und Kaffee zu, den wahrscheinlich zwei bekanntesten Geschmacksrichtungen bei Imperial Stouts; vordergründig sind eher die Jabs mit der gerochenen Zitrone, vielleicht Grapefruit, beides natürlich dem Hopfen in den Handschuhen geschuldet. Sehr erfrischend für die anstehende Kampfpause, während der Trainer motivierend auf beide Kombattanten einquasselt.

056019-black-paint-splatter-icon-food-beverage-drink-bottle1Runde 3! Ein Raunen geht durch die Menge! War das ein Tiefschlag? Ein schnelles K.O. in der dritten Runde, der Titelverteidiger geht zu Boden! Leicht und unbeschwert, wie Karate Kid beim Autopolieren, tänzelt der Sieger durch den Ring. Ansprechend, fein und gelungen, mit einer sehr guten Note im Ausdruck, selbst vom russischen Ringrichter, für ein etwas ungewohntes, überraschend süßes Imperial Stout.

Crew Republic Roundhouse Kick Imperial Stout Glas

056019-black-paint-splatter-icon-food-beverage-drink-bottle1Nach dem Kampf! Die Kampfanalyse. Verwendete Hopfensorten: Columbus, Tradition. Verwendetes Malz: Pilsener Malz, Chocolate Malt, Karamellmalz, Röstmalz. Kampfgewicht 71 IBU mit 9.2% in 330ml.

Kein Wunder, dass der Kampf so schnell vorbei war. Das Roundhouse Kick hat mich hinterrücks mit hinterlistigen Kampftaktiken und ungewohnten Aromen für ein Stout überrumpelt, und mit seinen kaum schmeckbaren 9.2% ausgeknockt, ohne dass ich den Schlag habe kommen sehen. Doch sei gewarnt: Es gibt noch einen Rückkampf, und da werde ich mir meinen Titel zurückholen!

Zarte Delikatesse – Hendrick’s Gin

Ich finde Gin persönlich eine recht langweilige Spirituose und verstehe den aktuellen Gincraze nicht wirklich. Meine Cocktailbar des Vertrauens räumt leider Stück für Stück hochwertige Rums und Whiskeys aus dem Sortiment, um allen möglichen Gins dafür Platz zu machen. Vielleicht ist es die Zurückhaltung eines Gins, was Aromen angeht, die ihn so beliebt macht – ähnlich wie bei Vodka, bei dem es ein Qualitätskriterium ist, wenn er nach nichts schmeckt (dazu habe ich meine Meinung etwas geändert, siehe den Grasovka Vodka).

hendricksgin-flascheGin ist aber dann halt doch eine Stufe über Vodka, denn er wird, je nach Hersteller, vor, nach oder während dem Destillieren aromatisiert – Gin ist also letztlich aromatisierter Vodka, auch wenns manche nicht hören wollen. Früher ganz klassisch mit Wacholder, heutzutage kommt jeden Monat eine neue Geschmacksrichtung auf den Markt.

Eine der besseren, für mich persönlich vielleicht sogar die beste überhaupt, ist der schottische Hendrick’s Gin – das sage ich nach ausgiebiger, jahrelanger, mühe- und aufopferungsvoller Verkostung von dutzenden Sorten mehr oder weniger hochwertigen Gins. Sehr zart, floral, mit reduziertem Wacholderaroma ist er ein delikates Pflänzchen im Spirituosenregal. Gut, dass er durch diese massive, dunkle Apothekerflasche mit dem 19.-Jahrhundert-Retro-Etikett und den schönen, eingelassenen Details geschützt wird.

hendricksgin-detailsWer einen starken, dominanten Wacholdergeschmack sucht, ist hier falsch. Daher muss man auch ein bisschen mehr Sorgfalt beim Vermischen dieses Gins walten lassen – ein leichtes Tonic Water ist meist schon das stärkste, was man ihm antun darf, trotz der 44%, sonst geht die feinen Anklänge von Gemüsearoma sofort unter und er schmeckt nicht anders als ein 08/15-Gin. Perfekt allerdings wirkt er in einem modernen Klassiker, dem Gin Basil Smash, in dem er seine einzigartigen Geschmackskomponenten voll vorzeigen kann; oder einem Prohibitionszeit-Darling, dem Last Word.

Last Word


Last Word
¾ oz Hendrick’s Gin
¾ oz Maraschino-Likör
¾ oz Chartreuse Verte
¾ oz
Limettensaft


Ein feiner, edler Tropfen, dieser Gin. Auch wenn er in einem lokalen Geschäft, das neben Zigarren noch exklusive Spirituosen anbietet, vom Verkäufer etwas verächtlich als „Supermarktgin“ abgetan wurde, kann ich ihn jedem empfehlen, der sich wegen (oder trotz?) des Ginhypes auf die Suche nach neuen Geschmäckern begibt.

Von Belgien nach Thüringen – Köstritzer Witbier

Die Bierrevolution ist in vollem Gange. Inzwischen erreichen ausländische Bierspezialitäten, die man früher mühevoll organisieren musste, selbst die großen Supermarktketten, ein Zeichen dafür, dass genügend Interesse vom Verbraucher an Alternativen zu den üblichen deutschen Massenbiersorten wie Pils und Export besteht. Und die großen deutschen Hersteller nehmen diesen Faden auf und stellen selbst Varietäten her, wie es der thüringische Brauer Köstritzer mit seinem Witbier tut. Nach den eher schlechten Erfahrungen, die ich mit halbherzigen Experimenten anderer deutscher Hersteller gemacht hatte, bin ich aber erstmal skeptisch, wenn ein urbelgisches Produkt wie ein Witbier so plötzlich aus deutschen Kesseln träufelt.

Bei einem Witbier erwarte ich mir im Glas eine trübe, helle Farbe, und das ist beim Köstritzer schonmal auch direkt gegeben. Vom optischen Eindruck her könnte man es für ein Hefeweizen halten.

koestritzerwitbier-flaschePositiv überrascht ein sehr angenehmer Geruch, und ein aromatisch sehr ähnlich gelagerter Geschmack zu Beginn; fruchtig, hell, bitter. Dann doch überhaupt nicht wie ein Hefeweizen, mehr wie ein belgisches Blonde. Man erkennt die Orangenschale; man ahnt den Koriander, typische Zusätze in belgischen Witbieren, die der deutsche Hersteller laut Etikett auch einsetzt. Dieses Bier macht wirklich Spaß.

Schnell abgestanden ist es dann aber; die letzten Schlucke, nach ca. 20 Minuten, schmecken nur noch hefig, schal und leer. Eine ähnliche Erfahrung mache ich inzwischen mit einigen Bieren, vor allem Pale Ales. Eventuell muss ich die Biere einfach schneller trinken, obwohl mir das widerstrebt; vielleicht habe ich auch, wie auf dem ersten Foto erkennbar, ein bisschen zu optimistisch schnell eingegossen – ist ein vorsichtigeres Eingießen empfehlenswert?

koestritzerwitbier-glasDie zweite Flasche, zwei Wochen später, habe ich dann direkt so getrunken, ohne Glas; da ist das Mundgefühl was die Perlage angeht, etwas besser, doch die schnell einsetzende Schalheit ist auch hier gegeben. Es liegt also am Bier, nicht am Eingießen. Ein Bier für Schnelltrinker also.

Mir gefällt die hübsche, elegante, schwungvolle Flasche außerordentlich, davon können sich die meisten Hersteller eine Scheibe abschneiden mit ihren langweiligen Standardflaschen. Man sieht hier: Man kann alles falsch machen, wie Beck’s, oder alles richtig, wie Köstritzer. Ich hoffe, die Branche hält sich für die Zukunft eher an letzteres Vorbild.

Horrido! Auf die Pirsch! Teil 3: Bisonjagd mit Grasovka Vodka

Die Jagdsaison neigt sich dem Ende, und nach Hirsch und Geflügel verlangt es dem erfahrenen Wildtöter nun nach einem Stück Fleisch in Westernart. Wir brauchen Waffen nach  Art von Old Shatterhands Bärentöter, um endlich dem Gral des Fleischessers, dem Bison, ans Leder zu gehen. Nun, ich als Tierfreund ziehe dann wie gewohnt aber eine artenschützende, alkoholische Lösung vor und widme mich dem Grasovka Vodka, der einen Bison im Markenlogo und einen Bisongras-Halm in der Flasche trägt.

grasovka-flascheIch habe kein besonders gutes Verhältnis zu Vodka. Besonders die westliche Form des Vodka, der in Europa und den USA gern getrunken wird, bekannt durch Marken wie Smirnoff und Absolut, deren einziges Ziel es ist, nach nichts zu schmecken, ist für mich der Abgrund, in den Wirkungstrinker schauen. Ich als Genusstrinker verlange nach Aromen, vielleicht bin ich da altmodisch, und will meine Drinks, wie Cocktailhistoriker David Wondrich es in seinem Buch Imbibe! schreibt…

… based not on a thin and anodyne tipple like vodka, but rather on something robust and flavorful, like cognac, rye whiskey, Holland gin, or brown sherry (…).

Doch, so habe ich in diversen Lektüren zumindest erzählt bekommen, gibt es auch Vodka, der anders ist. Der aromatisch und kräftig schmeckt, und auch für Purtrinker nicht nur zum Runterkippen geeignet ist – kein dürres Impala-Antilöpchen, sondern halt ein massiver Büffel. Gehört der Grasovka Vodka dazu?

Ein klares, aber doch leicht cremefarbenes Tarnmuster trägt der Vodka auf seinem täglichen Revierabgrasen ins Glas. Ebenso gut tarnt sich das schlaue Biest vor meinem Geruchssinn, doch ich kann dann schon eine schwache Alkoholnote, und eine tatsächlich leicht grasige, zitronige Teenote erahnen. Stammt das vom Grashalm oder vom Vodka selbst?

grasovkavodka-glasDer erste Mundkontakt ist dann erstmal überraschend: ölig und schwer rinnt er in den Mund. Ein seltsamer Geschmack, ungewohnt, schwer, nur leicht alkoholisch, trotz 40%. Sehr dunkel im Aroma, das passt so gar nicht zur hellen Farbe. Leicht salzig, würzig, vielleicht sogar etwas fleischig, oder umami. Ich kann diesen Geschmack nur schwer einordnen, auf jeden Fall ist da ein Geschmack, und zwar nicht zu knapp. Kein Vergleich zu Smirnoff & Co.

Ja, das ist ein Vodka, der sich als Jagdziel gerade für den saisonierten Jägermeister, der auf Qualität aus ist, lohnt. Lange bleibt der Grasovka am Gaumen, sorgt für Speichelfluss wie es sonst nur guter Whiskey tut, und ist schließlich warm und weich in Kehle und Magen. Ungewöhnlich, aber gut. Sicherlich eine wunderbare Ergänzung zu fettigem Fingerfood, wie es die Polen gern essen.

grasovka-strohhalm

Die Frage, die sich mir beim respektvollen Betrachten der Flasche mit dem transparenten Etikett stellt, ist, ob der Strohhalm darin nicht nur ein Gimmick ist, wie der Wurm im Touristenmezcal. Ich bezweifle, dass so ein einzelner Strohhalm für diese Aromenvielfalt verantwortlich sein kann, insbesondere ist eine Dauermazeration ja auch nicht unbedingt gewünscht. Wahrscheinlich ist er dann doch die polnische Variante des gusano.

Ein halber Liter des Bisonglücks ist für unter 10€ zu bekommen, und auch wenn dieser aromatische Vodka sicher eher mühevoll in Cocktails, die immer noch nach nichtsschmeckendem Schnaps verlangen, wenn Vodka im Rezept steht, unterzubringen ist, so ist er doch als Anschauungsobjekt und Ausstellungsstück für den echten Spirituosenfreund unersetzlich; Vorurteile gilt es auch in der Welt der Alkoholika abzubauen, und wer einmal diesen Vodka getrunken hat, sagt nicht mehr, dass Vodka grundsätzlich nach nichts schmeckt. Wie so oft gilt: Man muss einfach nur den guten trinken.

Ich finde, er gibt auch einem alten Bekannten, dem Moscow Mule, einen kleinen, gemüsigen Touch. Faszinierend!

moscowmule-cocktail


Moscow Mule
2 oz Grasovka Vodka
½ oz Limettensaft
4 oz Ginger Beer


Für mich ist die Jagd damit erstmal zuende; drei wirklich schöne Trophäen habe ich mir erarbeitet, und ich hoffe, nächstes Jahr wieder ähnlich Waidmannsheil zu haben. Bis dahin nun aber winterliche Schonzeit für die armen Schnapstierchen!

Die Vitalienbrüder trinken kein Pils – Störtebeker Whisky-Bier

Hohoho! Und ne Buddel voll… Bier! Wir Fans von Piraten mussten uns bisher mit Tafia, Rum und anderem Hochprozentigem rumschlagen, und konnten uns nicht mit Landratten-Getränken wie Bier vergnügen. Es wurde Zeit, dass eine Brauerei sich endlich erbarmt und ein Piratenbier herstellt. Wer könnte einer norddeutschen Brauerei aus der Hansestadt Stralsund dann besser Pate stehen als Klaus Störtebeker, der der Hanse so manche schlaflose Nacht auf See bereitete? Das Störtebeker Whisky-Bier ist eines der neuen Produkte des Herstellers, gebraut mit britischem Whisky-Malz.

stoertebekerwhiskybier-glasDie Farbe ist hübsches Hennarot, das sehr gut im Glas wirkt. Im Glas ist schon nach wenigen Sekunden kein Schaum mehr vorhanden; die kräftige Kohlensäure sorgt dafür, dass das Bier dennoch erfrischend kitzelt.

Geruch ist ebenso praktisch keiner erkennbar, vielleicht eine kleine metallische Note. Sehr süß und malzig ist dann der Geschmack, und mit einem leichten Hopfen nur wenig bitter, minimal fruchtig ist es, und hat eine schwache Säure. Insgesamt finde ich enttäuschend wenig Körper und Dichte, für ein Bier mit 9% und der Vermarktung als Whiskybier ist das recht schwach.

stoertebekerwhiskybier-flascheDer Geschmack ist tatsächlich deutlich rauchig, ich empfinde ihn aber als nicht wirklich angenehm. Er geht mehr in die Richtung eines speckigen Rauchs, der zum Räuchern eingesetzt wird. Schwarzwälder Schinken mag ich eigentlich, aber wenn man den Geruch auf ein Bier überträgt, hält sich meine Begeisterung stark in Grenzen. Den torfigen Rauch eines Whiskys, oder Whiskyaromen, finde ich hier nicht. Bei jedem Schluck denke ich an geräucherten Hering – vielleicht ist die Etikettenillustration kein Vitalienbrüder-Schiff, sondern ein Fischkutter?

Erneut, alle Kritikpunkte, die ich auch bei einem anderen Piratenbier, dem Hornbeer Caribbean Stout, äußerte, sind auch hier zu finden: Eine Halbliterflasche ist zu groß für ein Spezialitätenbier, den Zuckerzusatz, immerhin auf dem Etikett ausgewiesen, finde ich zumindest fragwürdig. Leider hat das Störtebeker Whisky-Bier keinen der positiven Punkte, die ich beim Caribbean Stout fand. In Mixology 5/2015 wurde es gelobt, unter anderem ein Kaufgrund für mich, aber das bin ich inzwischen gewohnt bei diesem Magazin, dass unsere Geschmacksmeinungen sehr oft weit auseinander gehen.

stoertebekerwhiskybier-flaschenpackNun habe ich noch 3 Flaschen dieses Biers, gekauft im 4-Flaschen-Paket, für 7€, von denen ich fast sicher bin, sie selbst nicht zu trinken; das überzeugt mich davon, nie wieder Gebinde zu kaufen, sondern nur noch Einzelflaschen, wenn ich das Produkt nicht kenne. Ich werde die Flaschen wahrscheinlich an Kollegen als Probe verschenken – vielleicht findet sich da einer, der dieses Bier mehr zu schätzen weiß als ich. Und vielleicht entdeckt dann ein mutiger Bierkolumbus darunter auch den namensgebenden Whisky, den ich nicht finden konnte auf meiner Expedition.

Nachtrag 06.11.2015: Keiner der Beschenkten konnte meine Meinung widerlegen. Leider stimmten alle darin überein, dass dieses Bier eher nicht erneut ins Glas kommt. „Die eingeschlafenen Füße eines schottischen Bierbrauers“ war ein Kommentar über den Geschmack. Ich stimme zu.

Kandierter Zuckerorangenextrakt – Chadess Liqueur d’Orange Bitterorangenlikör

Discounter haben ihren Ruf bezüglich Qualität deutlich aufpoliert in den letzten Jahren, insbesondere seit bekannt ist, dass viele ihrer Waren umfirmierte Markenprodukte sind. Da liegt es nahe, sich auch im Spirituosenbereich mal in der Auslage eines Aldi-Markts umzuschauen; Sparfüchse wie ich erhoffen sich davon eine günstige Alternative zu Markensprit. Eine Zutat, die man bei klassischen Cocktails häufig braucht und man einen entsprechenden Verbrauch hat, ist Triple Sec. Wie passend, dass Aldi auch einen Bitterorangenlikör im Angebot hat, unter dem Namen Chadess Liqueur d’Orange.

chadess-flascheDie Flasche hat etwas klassisches: Langhalsig und dickbäuchig. Ein schönes Etikett und ein Siegel dazu, und schon ahnt niemand mehr, dass diese Flasche aus dem Discounter stammen könnte (für die Heimbarmixer, die einen Ruf zu wahren haben, zwinker zwinker).

Die Farbe ist, wie für einen Triple Sec zu erwarten war, klar; die Konsistenz recht dickflüssig. Ein sehr schöner, süßlicher, milder Orangengeruch entströmt dem Verkostungsglas, es erinnert an vorweihnachtliche Kindertage, als Mandarinen zum ersten Mal ins Haus kamen, und diese nicht das ganze Jahr über erhältlich waren.

Geschmacklich ist dieser Chadess nur bedingt pur trinkbar. Klebrig süß, der Orangengeschmack geht unter all dem Zucker unter, es bleibt nur ein Hauch davon auf der Zunge. Keinerlei Säure oder Bitterkeit, was man vielleicht von Orangen erwartet. Vielleicht etwas wie die orangefarbenen Nimm-2-Bonbons. Uff, das klebt am Gaumen, und nichts von der schönen Nase ist übriggeblieben.

Letztlich ist ein einfacher Triple Sec wie der Chadess halt eine Cocktailzutat, dessen Aufgabe oft nur ist, eine gewisse Fruchtsüße in den Cocktail zu bringen. Moderne Rezepte verzichten gern auf diese Komponente und ersetzen sie durch andere Süßungsstoffe, wie der Triple Sec ersetzt wird durch Agavendicksaft in Tommy’s Margarita. Da der Triple Sec seine Cocktailarbeit meist im Hintergrund verrichtet, und praktisch nie als definierender Geschmacksträger vorkommt, ist die Angabe eines Signatur-Cocktailrezepts etwas schwierig; der bekannteste Cocktail mit Triple Sec ist aber wahrscheinlich die Margarita.

margarita-cocktail


Margarita
1½ oz Tequila Blanco (z.B. Agavita Platinum)
½ oz Chadess Bitterorangenlikör
1 oz Limettensaft
In einem Glas mit Salzrand servieren


Als Fazit halte ich fest: Der Chadess von Aldi ist ein halbwegs passabler Triple Sec, der über den Preis (7€) und die leichte Erhältlichkeit punkten kann, allerdings schon extrem süß ist, selbst für einen Likör. Wem Aldi-Sprit zu poplig ist, kann durch geringen Aufpreis zu Le Favori wechseln, der etwas weniger süß und geschmacklich spannender ist; und wer für die die höhere Gesellschaft mixt, greift zu Grand Marnier Cordon Jaune, oder Cointreau, der erkennbar feiner und vielschichtiger vom Geschmack ist.