Ich mach mir den Punsch wiede-wiede-wie-der mir gefällt – Swedish Punsch

Die Hintergrundgeschichte für dieses neue Experiment ist zweigeteilt. Einerseits habe ich eine große Flasche Arrak im Regal stehen, der nur wenig Einsatzzeit im Cocktailspiel bei mir bekommt. Andererseits habe ich in Ted Haigh’s Cocktailbuch den einen oder anderen klassischen Cocktail gesehen, den ich gern nachkochen würde – doch es fehlt mir eine vergessene Zutat: Swedish Punsch. Da ich keine Ahnung habe, wie Swedish Punsch aussieht oder schmeckt, und er zwar in Flasche in Europa gut zu bekommen ist (Carlshamns Flaggpunsch wäre ein Beispiel), ich aber gern experimentiere, versuche ich ihn heute mal selbst herzustellen, gemäß dem Pippi-Langstrumpf-Motto im Titel.

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Ich halte mich grob an das DIY Swedish Punsch-Rezept von Marcia Simmons, allerdings verwende ich natürlich Arrak statt Cachaça, den sie benutzt, weil an Arrak in den USA scheinbar noch schwerer heranzukommen ist als an Swedish Punsch, lasse den Rum nicht weg, und nutze chinesischen Qualitätsschwarztee statt einem Darjeeling-Teebeutel.

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Arrak-Zitronen-Infusion
1 Zitrone, ein dünne Scheiben geschnitten
1 Nelke
1 gute Prise gemahlener Kardamom
8 oz Arrak (z.B. Boven’s Echter Arrak)
2 oz Demerara-Rum (z.B. El Dorado 12)


Alle Zutaten der Arrak-Zitronen-Infusion in ein Glas geben, schütteln und einen Tag stehen lassen. Am nächsten Tag kann man schonmal beginnen, den Schwarztee-Sirup herzustellen.

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Schwarztee-Sirup
1 Teelöffel Schwarztee (z.B. Keemun Superior von Tea Pavilion)
4 oz heißes Wasser
150g Zucker


Den Tee mit dem Wasser aufbrühen und ziehen lassen, abfiltern, und den Zucker einrühren, dann abkühlen lassen.

Nun seihe man die Arrak-Zitronen-Infusion durch ein Teefilter oder Passiertuch, um Zitronenfruchtfleisch und Gewürzreste zu entfernen; dann wird die gefilterte Infusion mit dem Schwarztee-Sirup gut vermischt und in eine Flasche oder Karaffe abgefüllt. Erneut über Nacht ruhen lassen. Die eingelegten Zitronen werfe ich nicht weg; ich habe eine Dose Pfirsiche inklusive Sirup aus der Dose dazu ins Glas gekippt, und habe damit einen Tag später eine perfekte Auflage für ein Toast Hawaii mit gewürzten Pfirsichen.

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Geschmacklich hat diese Mischung doch einiges zu bieten – für Likörfreunde ist die sehr süße Mischung aus Zitrus-, Tee- und Rumaroma vielleicht ansprechend. Ich kann mangels Vergleich nicht beurteilen, ob er so schmeckt, wie Swedish Punsch schmecken soll, aber die hergestellte Mixtur ist doch schonmal lecker. Ansonsten habe ich mir den Swedish Punsch natürlich als Cocktailzutat, wie eingangs erzählt, hergestellt. Beginnen kann man mit dem Diki-Diki-Cocktail (das Rezept ist nach Vintage Spirits and Forgotten Cocktails, andere Quellen haben leicht andere Mengenangaben).

Diki Diki Cocktail


Diki-Diki
1½ oz Calvados
 ½ oz Swedish Punsch
 ¾ oz Grapefruit-Saft
Auf Eis shaken.
[Rezept nach Robert Vermiere]


Ein wirklich angenehmer Drink, der durch den Calvados und den Swedish Punsch einen schönen süßen Apfelgeschmack erhält.

Manchmal gehen Experimente bei der eigenen Spirituosenherstellung schief; oft sind sie es den Aufwand nicht wirklich wert. Beim Swedish Punsch aber hat alles funktioniert und einen tollen Likör ergeben.

Das ist (fast) die perfekte Welle – Kona Brewing Big Wave Golden Ale

Aloha, liebe Genusstrinker! Bei der Weltumrundung in flüssiger Form kann man wohl nicht weiter weg von Deutschland als Hawaii, und seinem Kona Brewing Big Wave Golden Ale. Rentiert sich der weite Weg, den das Bier hinter sich hat? Wird uns eine goldene Welle von Glückseligkeit überspülen? Werden wir nach dem Genuß die Swingin‘ Hula Girls tanzen sehen?

Kona Brewing Big Wave Golden Ale

Direkt nach dem Eingießen sehe ich keinerlei Schaumwelle, fühle aber dennoch eine überraschende Menge an Kohlensäure. Ein Bier, äußerst fruchtig, Orange, Grapefruit, und vielleicht bilde ich mir das aufgrund der Thematik dieses Biers nur ein, aber ich meine, Ananas zu schmecken. Mit Sicherheit eins der fruchtigsten Biere, die ich bisher getrunken habe. Vom zugrundeliegenden Charakter erinnert es etwas an ein Weizen- oder Witbier.

Im Mund habe ich ein seltsames Gefühl bei diesem Bier, als wäre es schal. Eine starke Trockenheit ist schon direkt beim ersten Schluck da, und eine dezente, ansprechende Bitterkeit mit 20 IBU. Aber zwischen bitter-trockenem Abgang und superfruchtigen Aromen fehlt irgendwas. Kaum Körper oder Volumen, es ist wie bei einem Musikstück, das nur aus Höhen und Bässen besteht, und die ganzen mittleren Tonspuren, die die Melodie tragen, fehlen.

Dennoch ein leichtes, sehr erfrischendes Bier; als Beigabe zum Essen ist es ungeeignet, weil es durch andere Aromen überfordert ist. Es hält auch nicht lange vor, die Aromen verschwinden schnell wieder vom Gaumen. Ein schönes Bier als exotische Abwechslung für den privaten Biergarten, oder auch, mit 4,4%, als verrücktes Bürobier fürs „Bier um Vier“, mehr aber leider nicht. Das Brauereimotto „fresh, responsible, always aloha“ kann ich allerdings bedingungslos unterschreiben.

Und die schönen, ins Glas eingelassenen hawaiianischen Inseln bei der Flaschenversion finde ich auch toll, auch wenn mir persönlich die Dose tatsächlich noch hübscher gestaltet vorkommt.

Kona Brewing Big Wave Golden Ale Vergleich mit Flasche

In Deutschland ist es für meinen Geschmack mit 3€ aber viel zu teuer für das, was es liefert. Für die Hälfte des Preises würde ich es öfters trinken – mit dieser Preisstruktur, natürlich durch den Import begründet und letztlich auch verständlich, wird dieser Ausflug ins hawaiianische Bierparadies ein einmaliger Urlaub bleiben.

Bananensaft, die zweite – Jack Daniel’s Single Barrel Select Tennessee Whiskey

Ich wurde gefragt, ob man den Jack Daniel’s Single Barrel Select mögen kann, wenn einem der „normale“, also wahrscheinlich Old No. 7, nicht schmeckt. Ich würde sagen, nein, denn letztlich ist der Single Barrel eine stärkere Version der Old No. 7 mit seinen bekannten Geschmacksnoten. Wie ich schon zu jener bekanntesten Abfüllung der Firma Jack Daniel sagte, ist für mich das beherrschende Aroma Banane – und auch hier, im Single Barrel, ist das der Fall, nur noch einen Tick intensiver.

Jack Daniel's Single Barrel Select Tennessee Whiskey

Intensiver ist auch die Farbe – ein sehr schönes Gold, das im Glas glitzert. Die sehr kräftige, aromatische Nase setzt sich dann auch im Mundgefühl fort – da hat man was im Mund, einerseits süß und karamellig (und, ich kann es nicht oft genug sagen, bananig), andererseits ist der Alkohol, mit 45% nicht gerade wenig, etwas zu deutlich im Vordergrund, gerade beim Abgang – da spürt man schon die Prozente den Rachen runtergurgeln. Da gibt es Bourbons, die bei gleicher Alkoholmenge diese zarter abliefern. Jack Daniel’s Single Barrel Select gehört für mich deshalb zu den kräftigeren, wuchtigeren amerikanischen Whiskeys, etwas für den Gaumen, der mit Alkoholziepen zurechtkommt und das schätzen kann – und dann mit einer edlen, angenehmen Trockenheit, ungewöhnlich für amerikanische Whiskeys, belohnt wird.

jackdanielssinglebarrel-farbeGerade diese erhöhte Alkoholmenge und der doch deutlich intensivere, würzigere, kräftigere Geschmack sorgen dafür, dass man diesen Whiskey auch perfekt in Cocktails einsetzen kann, die nach Bourbon verlangen, auch wenn man hier einen Tennessee-Whiskey vor sich hat, und nicht nur in Longdrinks. Zum Beispiel in einer Naughty Belle-Variation. Auch wenn eigentlich Georgia der Pfirsich-Staat der USA ist, passt die Kombination doch perfekt.naughtybelle-cocktail


Naughty Tennessee Belle
1½ oz Jack Daniel’s Single Barrel Select Tennessee Whiskey
½ Dosenpfirsich
1 oz Sirup aus der Pfirsichdose
½ oz Limettensaft
Pfirsich mit allen Zutaten gut muddeln und mit Crushed Ice servieren


jackdanielssinglebarrel-barrelnumberDie Flasche selbst ist sensationell – ein sehr schöner „Decanter“-Stil, mit Glasprägung der Unterschrift des Unternehmensgründers, einem edlen Holzstöpsel auf dem Korken und einem edlen, zurückhaltenden Etikett. Am Flaschenhals dann die in einer Einzelfassabfüllung obligatorischen Angaben über Fass- und Regalnummer.

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Ein Hingucker und, da der Preisunterschied zum Old No. 7 nicht so wirklich groß ist, eine Empfehlung für Whiskeykenner, denen der schwarzgelabelte Jack zu weicheirig ist.

Die Rumkanonenkugel – Pampero Aniversario Reserva Exclusiva

Natürlich muss man bei einem solch extrovertierten Rum wie dem Pampero Aniversario Reserva Exclusiva als allererstes das ansprechen, was einem als Käufer sofort ins Auge springt: die Aufmachung. Eine dicke, kleine Flasche mit Kunstsiegel, ein hübsches Etikett und der sehr repräsentative Lederbeutel, der die Flasche eng umschmiegt machen diesen Rum zu einem Hingucker im Regal. Dieser Aufmachung ist ein langsamer Unboxing-Report durchaus angemessen.

pampero1Der Lederbeutel ist das Markenzeichen dieses Rums. Eingeprägt ist eine Reproduktion des Flaschenetiketts, mit dem aufsteigenden Pferd als Logo der Marke. Ein Lederzugriemen hält den Beutel oben am Flaschenhals zusammen. Das Leder des Beutels fühlt sich sehr weich, fast samtig an.

pampero2Vorsichtig öffnen wir den Zugriemen, und legt den Inhalt frei. Ich hoffe, ich höre mich nicht an, wie jemand, der den BH einer Stripperin öffnet und vor dem freigelegten Anblick erstarrt; es hat aber schon was sinnliches, diesen Rum auszupacken. Sowas gibt in der Endbewertung Extrapunkte, das bietet wirklich nicht jede Spirituose.

pampero-flascheNun steht die Flasche vor uns, wie Gott sie schuf – kurz und etwas kugelig, eine Rumkugel sozusagen. Ein hübsches, altmodisches Etikett, ein Siegel, und die Farbe des Rums, schön kräftig dunkel, wissen insgesamt sehr zu überzeugen.

Der Geruch dieses venezuelanischen Rums ist verwirrend – man könnte ihn eigentlich für einen Bourbon halten, so karamellig und trotzdem eichenwürzig kommt er daher. Auch vom Geschmack her bekommt man eine sehr spannende Dosis von Aromen ab – und obwohl er natürlich durchaus süß ist, sind es diese leichten Seitenaromen von Nuss, Karamell, Schokolade und Pflaumen, die zusammen mit der sehr angenehmen Schärfe (ganz ohne ist dann halt doch langweilig) ein insgesamt spannendes Mundgefühl ergeben, das neben dem Purgenuss den Pampero Aniversario mit seinen ca. 4 Jahren Reifung zu einem hervorragenden Qualitäts-Mixrum macht. Das eigentlich fast perfekte Preisleistungsverhältnis sorgt schließlich dafür, dass man diesen Rum nicht auslassen kann – ein Schnäppchen für Sipper und eine hochqualitative Zutat für Mixer.

Was für ein Cocktail könnte für diesen dunklen, süßschokoladigen Rum besser passen als ein Jackie Brown?

Jackie Brown Cocktail


Jackie Brown
2 oz / 60ml gereifter Rum
¼ oz / 10ml Ahornsirup
¼ oz / 10ml Bénédictine
2 Spritzer Xocolatl Mole Bitters
Auf Eis rühren.
[Rezept nach unbekannt]


Allerdings muss man zuguterletzt eine Sache ansprechen: um die 12g/L Zucker werden auch hier, wie bei vielen „Premium“-Rums üblich, nach dem Destillieren zugesetzt, um das Produkt süßer, qualitativer und hochwertiger erscheinen zu lassen – 12 Gramm sind im Vergleich zu anderen Rums, wie dem Botucal, Zacapa, El Dorado oder Vizcaya allerdings fast wenig. Das entschuldigt natürlich nicht das Vorgehen; zumindest tut aber Pampero mit diesem Rum nicht so, als sei es die Krone der Rumwelt, wie die Vorgenannten es gern machen; und auch preislich liegt dieser Rum in einer Kategorie, dass ich sage: Wenn schon gesüßt, dann der Pampero Aniversario Reserva Exclusiva.

Vornehme belgische Blässe – Corsendonk Blanche d’Ardenne

Der vielleicht dem einen oder anderen bekannte Name Corsendonk ist in Bezug auf Bier heutzutage nur noch ein Markenname. Andere Brauereien, hauptsächlich die Brasserie Du Bocq, haben die Namen der beliebten Biere nach der Schließung der Corsendonk-Brauerei in den 50er Jahren gekauft und vertreiben verschiedene Biere bis heute weiterhin unter dieser Marke. Bei einem dieser Biere, dem Corsendonk Blanche d’Ardenne, handelt es sich um belgisches Witbier, das entfernt mit dem bayerischen Weizenbier verwandt ist.

blanchedardenne-borderDie Farbe ist wirklich sehr hell und bleich, passend zum Namen, und trübe, einem ungefilterten Bier angemessen. Schon direkt nach dem Zapfen ist nur dünner Schaum auf dem Bier, und auch dieser löst sich bald auf. Eine feine Perlage sorgt dafür, dass es trotzdem nicht schal wird, auch wenn insgesamt gefühlt nur wenig Kohlensäure vorhanden ist.

Beim belgischen Witbier sind diverse Zusätze beim Brauprozess üblich, wie Koriander und Orangenschalen, die dem Bier eine für deutsche Reinheitsgebotsbiertrinker ungewohnte Note verleihen. Ein feiner, leichter Duft, fast blumig, auf jeden Fall fruchtig, ist daher zwar überraschend, aber keineswegs unangenehm. Das geht auch in den Mund über – Beeren und wilde Früchte, aber auch ganz leicht pfeffrig, und ich bilde mir ein, Muskatnuss zu schmecken. Insgesamt ist aber eine süße Note doch klar im Vordergrund, mehr noch als bei einem Hefeweizen.

Interessant ist jedenfalls, dass das Blanche d’Ardenne ein etwas raues Gefühl am Gaumen hinterlässt, vielleicht von einer erst spät erkennbaren, von anderen Aromen überdeckten Säure. Es erinnert etwas an Milchsäure, wie bei der echten Berliner Weißen, noch so einem Verwandten des Witbier.

Die belgische Bierwelt ist eine praktisch unüberschaubare. Die belgische Kneipe bei uns in Saarbrücken, das Tempelier, hat Dutzende von belgischen Bieren in Flaschen und Fasszapfung im Angebot, und ich versuche, bei jedem Besuch dort ein anderes auszuprobieren. Viele davon vergesse ich relativ schnell wieder; das Blanche d’Ardenne dagegen ist eins, das ich immer wieder gern trinke. Keine Krone der Braukunst, aber ein idealer, erfrischender Durstlöscher zum Essen oder an heißen Tagen.

Damit kann man Diabetiker lähmen – Glossnerbräu Neumarkter Bio-Gold Heller Radler

Im Sommer im Biergarten sitzen, ein feines Radler zischen – früher habe ich das gern gemacht. Ich sitze immer noch gern im Biergarten, zum Beispiel am Staden in Saarbrücken, wenn nicht ganz so viel los ist, aber inzwischen bin ich umgestiegen auf das reine Bier; Radler ist mir nun oft zu süß. Dennoch habe ich mir beim letzten Besuch in einem Biomarkt ein Glossnerbräu Neumarkter Bio-Gold Heller Radler in den Korb gelegt; so abends, vor dem Fernseher, ist das ein bisschen leichter als all die schweren Stouts und bitteren IPAs, die ich sonst inzwischen trinke, dachte ich mir. Leider ist dieses Bio-Radler, eine 50:50-Mixtur aus Bio-Bier und Bio-Zitronenlimonade, das geschmacksärmste Getränk, das ich seit langem getrunken habe.

neumarkterbiogold-radler-completeGeruchlich völlig neutral. Geschmacklich völlig neutral. Nein, das ist falsch, man schmeckt schon was: eine extreme künstliche Süße auf der Zunge. Auf dem Etikett ist eine große Zitrone abgebildet, und das ist auch schon das einzige, was diese Mixtur mit Frucht gemein hat – nach Frucht schmecken tut es jedenfalls nicht, nur nach Zucker. Das Spannende: Es hat auch keinerlei Biergeschmack, erst ganz spät merkt man ein leichtes Bierkratzen im Rachen. Ich bin verblüfft – wie kann sich so ein ultralangweiliges Getränk überhaupt verkaufen? Am positiven Ende bleibt entsprechend nicht viel übrig: Die Farbe ist schön, wenn auch sehr hell, wie für Radler allerdings üblich, und die Perlage ist durchaus angenehm.

Das Titelzitat stammt natürlich, wer kennt es nicht, vom „Stefan“ aus der Fernsehserie „Familie Heinz Becker“. Er hat das in Staffel 3, Episode 4 („Alle Jahre wieder“ – 23:40) zwar über einen Sekt gesagt, es passt aber auch wunderbar auf diese Zuckerbrühe.

Schade, und etwas überraschend, weil das originale Bio-Gold vom selben Hersteller eigentlich ein vernünftiges, wenn auch etwas konventionelles Bier ist, das ich gern und öfters trinke. Das Radler dagegen lasse ich in Zukunft weg, sei es nun Bio oder nicht.

Arg viel besser wirds nicht – Blanton’s Original Single Barrel Bourbon Whiskey

Blanton’s Whiskey gibt es in verschiedenen Ausführungen. Das beginnt bei der Special Reserve, geht über zum Original Single Barrel, dem also, den wir hier besprechen. Darüber hinaus findet man ihn in Fassstärke (Barrel Proof), und in der Silver– und Gold-Ausführung. Je weiter nach hinten in der Liste wir kommen, desto teurer und exklusiver wird er.

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Letztlich ist für mich aber schon diese Single Barrel-Ausführung eine Wucht, der man sich kaum entziehen kann. Ich habe nun schon wirklich viele Bourbons und Single Malts getrunken, doch dieser hier ist für mich das Highlight, eine Geschmackssensation voller Aromen. Schon der Geruch lässt den Bourbonkenner träumen, vielschichtig, kraftvoll, überraschend fruchtig, eichig und dabei verliert er nie das Bourbon-typische. Und im Mund weiß man dann gar nicht, wohin man zuerst schmecken soll, das ist, als hätte man 5 verschiedene Whiskeys im Mund, die miteinander harmonisch und glücklich Ringelreihen spielen.

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Doch man soll nicht denken, man hätte hier eine liebliche Zuckerbrühe vor sich: Er ist bei aller Harmonie doch sehr würzig und kräftig, mit deutlicher Alkoholnote – das geht schon fast in die Single-Malt-Richtung (aber ohne Torf oder Rauch), und behält dabei aber die Bourbon-eigene Süße und Vanille. Ich würde empfehlen, diesen Whiskey pur und handwarm zu trinken, und dazu eine schöne cremige Zigarre zu rauchen. Alternativ ein edler Cocktail – ja, auch diesen außergewöhnlichen Whiskey kann man für Cocktails hernehmen, er macht den Cocktail dann zu einem Highend-Wohlfühlprodukt; gerade seine 46,5% lassen ihn da besonders leuchten. Natürlich bietet sich hier etwas Klassisches an, dem Rahmen angemessen. Ich denke da an einen einfachen Old Fashioned, oder einen The Chapel Hill.

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The Chapel Hill
1½ oz Blanton’s Original Single Barrel Bourbon Whiskey
1 oz Cointreau
½ oz Limettensaft


Selbstverständlich gehört bei diesem Spitzenwhiskey die Flasche mit zum Gesamtpaket. Eine Flasche mit einem facettenähnlichen Schliff, ein sehr reduktionistisches Etikett mit handgeschriebenen Details, wie Faß-, Regal- und Lagerhausnummer, und der wirklich spektakuläre Stopfen mit dem Rennpferd aus Metall. Das ganze in einem schönen Karton. Wow, eine Präsentation, die dem Inhalt angemessen ist. Wer ein Geschenk für einen Whiskey-Kenner sucht – hier ist die Freude garantiert.

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Wie gesagt – da ist nach oben nicht mehr viel Luft. Muss man probiert haben. Das ist ein Bourbon, den ich mir für die besonderen Momente reserviere. Und dann lasse ich das leergetrunkene Glas noch eine ganze Weile stehen und schnuppere daran, denn die Aromen schweben noch lange im leeren Glas…

Das dichtet jeden Magen ab – Hornbeer Caribbean Rumstout

Ich trinke ganz gern Rum. Ich trinke auch ganz gern Bier. Wenn nun ein Produkt daherkommt, das von sich behauptet, ein Rumstout zu sein, und so das beste aus beiden Welten miteinander zu vermählen, werde ich aufmerksam. Ich kann mir das gut vorstellen – bei Biercocktails funktioniert die Heirat von Gerstensaft mit hochgeistiger Spirituose oft sehr gut; warum sollte nicht ein Tröpfchen Rum in einem Bier dem Gemisch einen, je nach verwendeter Rumsorte, rauchigen, süßen oder aromatischen Twist geben können? Das Hornbeer Caribbean Rumstout verspricht auf jeden Fall eine neue Erfahrung für den Stout-gewohnten Trinker.

hornbeer-caribbeanrumstout-flascheViele Biere machen ein helles „gluckgluckgluck“ beim Einschenken. Dieses Imperial Stout macht dagegen „plockplockplock“, es sieht aus und fühlt sich an, als ob Teer bröckchenweise ins Glas schlabbert. Unglaublich dick, fest und pechschwarz. Ein Geruch nach Honig verbreitet sich, und die für Stouts üblichen Aromen nach Malz und Röstung.

Ich traue mich, von der schwarzen Brühe einen ersten Schluck zu nehmen. Ein starksüßer Ansatz beginnt, dann aber kommt schnell eine salzige, rauchige Komponente dazu; vollcremig und dicht kalfatert das Bier die Mundplanken aus.

hornbeer-caribbeanrumstout-glasSelbst für die Verhältnisse eines Imperial Stouts ist das Rumstout des dänischen Herstellers Hornbeer ultramalzig. Man erkennt zusätzlich die Würzigkeit der Fasseiche, mit der das Bier gereift wurde – den Rum, der dem Bier seinen Namen gibt, schmecke ich allerdings nicht wirklich heraus. Wahrscheinlich ist er nur ein kleiner Baustein in der Gesamtaromatik. Mit 85 IBU, einem exorbitanten Wert, der nur dank des Malzes erträglich ist, ist das Bier auch entsprechend bitter-hopfig, und weist einen trotz der süßen Malzigkeit recht trockenen Abgang auf.

Bei einem dermaßen strengen Bier wundere ich mich etwas, dass sowas in einer Halbliterflasche verkauft wird. Das ist eigentlich viel zu viel für eine Biersitzung für eine Person, und mit 10% Alkoholgehalt auch etwas, das man in einer solchen Menge nicht am Stück trinken sollte; ich präferiere bei Spezialitätenbieren eigentlich den Drittelliter, daher habe ich mir nur die Hälfte eingegossen und den Rest am nächsten Tag konsumiert (positiv: gut wiederverschlossen hält sich die Qualität mindestens bis zum nächsten Tag). Und wenn wir schon am Meckern sind, stört mich etwas, dass Zucker als Zutat zugesetzt wird. Immerhin wird der Zucker auf dem Etikett ausgezeichnet, doch die Frage stellt sich, warum das sein muss in einem Bier.

hornbeer-caribbeanrumstout-etikettDas Caribbean Rumstout sprang mir schon in der Auslage eines Spezialitätengeschäfts ins Auge, hauptsächlich wegen der hübschen Etikettenillustration des dicken, zahnlosen, holzbeinigen, hakenhandigen Klischeepiraten, der mit der Laterne das Rumfass entdeckt, während sein Schiff im Hintergrund untergeht. Alle Produkte des Herstellers sind mit ähnlichen, charmanten, verrückten Bildern ausgestattet und sorgen für einen Anreiz, sich auch die anderen Biere von Hornbeer anzuschauen (besonders die Black Magic Woman hat es mir angetan). Was ich natürlich tun werde, sobald ich den Stout-Teerklumpen in meinem Magen verdaut habe.

…and when I reached Jamaica I made a stop – Appleton Estate Extra 12 Years Jamaica Rum

Harry Belafonte entdeckte ich schon als Kind für mich. Auf Ausflugsreisen im Auto mit meinen Eltern lief eine Kassette mit seinen Liedern rauf und runter, ich kann heute noch viele der Lieder mitsingen. Das prägte, es weckte in mir ein Faible für die Karibik und die Sehnsucht nach Exotik. Vielleicht interpretiere ich sein Lied Jamaica Farewell, das ich im Titel zitiere,  etwas weit, doch für mich gilt es: Was Rum angeht, muss man nicht groß weitersuchen, wenn man einmal Jamaica für sich entdeckt hat. Und eins der schönsten Exemplare jamaikanischen Rums ist der Appleton Estate Extra 12 Years*.

Manche mögen die ganz eigenen Esternoten der jamaikanischen Rums nicht, die durch eine spezielle Fermentationsmethode entstehen: das Zufügen von „dunder“, einem Abfallprodukt aus vorangegangenen Fermentationsgängen,  zur aktuellen Maische; einem Vorgang, der nur in Jamaica durchgeführt wird. Wer nur solche künstlich nachgesüßten Likörrums wie Zacapa 23 oder Botucal kennt, oder andere ähnlich zurückhaltende Rums was Charakter angeht, welche den tatsächlichen Rumcharakter zugunsten der Süße als alleinigem Kriterium und einer etwas unverbindlichen Aromatik verloren haben, wird sich beim Appleton Estate Extra 12 glatt überfahren fühlen. Dabei ist dieser Rum durchaus auch sehr süß, ohne klebrig-zuckrig-süß zu sein, im Abgang dann aber überraschend trocken.

appletonestate-flasche-hellToffee, Butter und Popcorn – ein herrliches Aroma, schon in der Nase vorhanden, mit Tönen von dunkler Schokolade und Cappuccino.  Vollmundig, cremig, etwas würzig-brennend, brummend, stark. Das ist kein lieblicher Rum, sondern eine Buttergranate mit viel Kraft. Der Alkohol versteckt sich nicht hinterm Zucker, sondern ist klar riech-, schmeck- und spürbar. Das ist nicht notwendigerweise schlecht, denn manchmal hat man eben Lust auf ein bisschen mehr Power und will die Volumenprozente schmecken.

Selbstverständlich ist so ein charakterstarker Rum auch in Cocktails eine Wunderwaffe. In Trader Vic’s Mai Tai beispielsweise bringt er genau die Note ein, die diesen Cocktail so besonders macht.

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Trader Vic’s Mai Tai
1 oz Heller Rum (z.B. Havana Club Añejo 3 Años)
1 oz Appleton Estate Extra 12
1 oz Limettensaft
½ oz Orgeat (oder Monin Mandelsirup plus einem Spritzer Orange Flower Water)
½ oz Cointreau


Für mich ein ganz außergewöhnlicher Rum. Man muss aber vielleicht, wenn man noch unerfahren in Rumdingen ist, ein bisschen experimentierfreudig sein und nicht ausschließlich auf Süße aus – dann wird man üppig belohnt. Wer sich einmal an diesen Geschmack gewöhnt hat (und das geht dann doch sehr viel schneller, als man es beim ersten Schluck vermuten mag!), will nichts mehr von den langweiligen Süßrums wissen.

Dies ist darüberhinaus ein Rum, der tatsächlich mindestens die 12 Jahre, die auf dem Etikett stehen, im Fass geruht hat, und nicht nur höchstens, wie viele seiner Rumkonkurrenten, die im Solera-Verfahren hergestellt werden und entsprechend nur einen winzigen Bruchteil an Rums des Alters, das auf dem Etikett beworben wird, aufweisen.

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Dazu eine hübsche Flasche und eine sehr schön anzusehende, dekorative Flaschendose in ungewöhnlichem Format, sowie ein beinahe unglaubliches Preisleistungsverhältnis: Ein Spitzenprodukt in jeder Beziehung. Je öfter ich davon trinke, um so begeisterter bin ich: Mein Lieblingsrum, und einer, den ich insbesondere Purtrinkern bedingungslos ans Herz lege. Wer wissen will, wie wirklich guter und vor allem unmanipulierter Rum schmeckt, probiert diesen Jamaikaner, denn Harry Belafonte singt voll zu Recht über seine Insel in der Sonne: „The rum is fine any time a year“.

*Nachtrag 18.06.2016: Appleton führte vor einer Weile eine Umbenennung ihrer Produkte ein. Der neue Name für diesen wunderbaren Rum ist Appleton Estate Rare Blend 12 Year Old. Laut Pressemitteilung ist aber derselbe Inhalt in der nur neu designeten Flasche.

Die eiserne Jungfrau – Tea Pavilion Tie Guan Yin Oolong-Tee

In einem meiner Allzeit-Lieblingsbücher, einem der vier großen Klassiker der chinesischen Literatur aus dem 16. Jahrhundert, der Reise nach Westen (西遊記 xiyouji), spielt die chinesische Göttin der Gnade Guanyin eine wichtige Rolle. Sie ist es, die erkennt, dass die weite, gefährliche Reise, die Mönch Sanzang auf sich nehmen will, um buddhistische Schriftrollen aus Indien nach China zu bringen, nur mit Hilfe gewitzter und mächtiger Begleiter zu schaffen ist – der wichtigste davon ist Sun Wukong, der Affenkönig, eine der großen ikonischen Figuren der chinesischen Kultur und Literatur.

Zwar wird Guanyin immer mit ihrer zarten, gnadenvollen Art assoziiert und ist als Boddhisattva als Hilfe für geplagte Menschen ein oft genutzter Ansprechpartner, doch, wie man in der Reise nach Westen sieht, kann sie auch anders: Sie setzt dem widerborstigen Affenkönig den Kopfreif auf, durch den er kontrollierbar wird, und ist recht streng. Eisern, sozusagen. Womit wir beim Namen dieses Tees wären: Tie Guanyin (铁观音), die eiserne Guanyin.

tieguanyin-beutelTie Guanyin ist auch einer der klassischen, großen Tees Chinas. Als Oolong-Tee, also einem halboxidierten (früher sagte man „fermentierten„) Mittelding zwischen unoxidiertem Grüntee und stark oxidiertem Schwarztee, bietet er das beste aus zwei Welten. Die holzig-grasigen Noten eines Grüntees, seine Frische und Blumigkeit, wird ergänzt durch den Körper, das Volumen und die süße Malzigkeit eines Schwarztees.

Wenn man sich den Tea Pavilion Tie Guan Yin anschaut, ist er erstmal unansehnlich: Kleine, braungraue Brocken, fest gerollt. Man glaubt kaum, dass es sich um Tee handelt.

tieguanyin-trockenNatürlich wickelt sich der Tee beim Brühen auf, und expandiert. Wie üblich bei Tea Pavilion ist die Blattqualität sehr gut; es sind große, ganze Blätter, wie man auf dem Foto sieht, mit dem 20ct-Stück als Vergleichsgröße.

tiegunanyin-aufgegangenNachdem der Tee kurz gezogen hat, gieße ich ihn aus der Yixing-Kanne in den Gaiwan um, wo man die attraktive blassgoldene Farbe, fast ein Tick grünlich, schön genießen kann. Trotz des metallischen Namensbestandteil des Tees ist der Geruch dann allerdings eher süß- und pflanzlich.

tieguanyin-gaiwanSehr süß im Mund, weich, leicht pflanzlich, leicht bitter im Mund, im Abgang trocken. Ein erfrischendes und gleichzeitig vollmundiges Erlebnis. Ein Tee, den man, wie alle Qualitätstees aus China, nicht mehr süßen muss.

Einen Tee dieser Qualitätsstufe kann man leicht 3-5 mal aufbrühen; das Preisleistungsverhältnis, das eh schon sehr gut ist, muss daher noch zusätzlich aus dieser Sicht bewertet werden. Für Tees gilt, was für alle Genusswaren gilt: Lieber etwas weniger, dafür höhere Qualität. Bei den Berlinern von Tea Pavilion bin ich in Bezug auf letzteres noch nie enttäuscht worden; und die kleinen Aromabeutel mit geringer Füllmenge sorgen dafür, dass der Tee lange sein einmaliges Aroma behält.