Lovely day for a Guinness – Guinness Draught

Dass man inzwischen auch Draught, also eigentlich gezapftes Fassbier, in einer Dose kaufen kann, ist widersinnig. Dennoch traut sich Guinness, mit all seiner Erfahrung als weltgrößter irischer Bierhersteller, dieses Fass aufzumachen.

guinnessdoseGeschmacklich ist schnell beschrieben, was das Guinness Draught so liefern kann: Schwarze Farbe mit crèmefarbenem, sich schnell abbauendem Schaum, ganz schwaches Röstaroma, etwas Kaffeegeschmack, sehr malzig-süß. Fließt angenehm die Kehle runter, der Erfrischungsfaktor ist zwar gegeben, aber für mich bei weitem nicht so hoch wie bei einem untergärigen Pils.

Natürlich musste ich die Dose nach dem Einschenken mit einem Dosenöffner aufmachen, um mir anzuschauen, was da so drin rumklappert. Eine Plastikkugel, ca. halb so groß wie ein Tischtennisball, das sogenannte Widget. Auf der Seite der Dose ist beschrieben, dass es sich hierbei um eine Stickstoffkartusche handelt, die beim Öffnen der Dose nochmal das ganze so richtig schön aufschäumen soll, um das Pub-Erlebnis sicherzustellen.

guinness-widgetTatsächlich ist das wohl auch der Grund dafür, dass nur 440ml in der Dose enthalten sind – die Kugel plus etwas Sicherheitsraum fürs Schäumen, damit nicht alles aus der Dose rausquillt. Ich habe den Eindruck, es funktioniert: Eine wirklich fette Schaumschicht krönt das Bier nach dem Einschenken, und im Glas sieht man die enorme Menge an Kleinstbläschen, die dieses Bier auszeichnen, aufsteigen.

guinnessschaumSehr hübsch designt, in edlem Schwarz, mit einer hübschen goldenen Harfe und einem Schriftzug – das macht was her. Für unter 1,50EUR plus 25ct Pfand pro Dose in einem großen saarländischen Kaufhaus erstanden, wird das bestimmt nicht das letzte Guinness Draught sein, auch wenn es im Vergleich zum Guinness Extra Stout, und ganz besonders zu Imperial Stouts, eigentlich eine dünne, lasche, mir zu süße Brühe ist.

guinnessherrengedeckAber als Teil eines irischen Herrengedecks mit einem guten Dram Bushmills Black Bush – da kann der Abend kommen!

Hopfenkaffee to go – Fuller’s London Porter

In Deutschland trinkt der eine oder andere hin und wieder ein Schwarzbier. Man mag denken, dass das ein ähnliches Geschmackserlebnis wäre – doch weit gefehlt. Das Porter ist im Gegensatz zu Schwarzbier sehr sämig, und praktisch blickdicht, nur vereinzelte tiefbraune Reflexe deuten die tatsächliche Farbe an, die man sonst für komplett schwarz halten könnte.

londonporter1Ein mittelfeiner Schaum, der schnell komplett weg ist, krönt das Fuller’s London Porter für kurze Zeit; doch im Gegensatz zu einem dunklen Haus- und Hofbier wird das Porter durch das längere Stehen trotzdem nicht schal – milde Säure und perliges Mundgefühl bleiben auch ohne Schaum gut erhalten.

londonporter2Der erste Geruchseindruck ist ganz eindeutig Kaffee, ich glaube, man könnte, wenn man nur nach Geruch und optischem Eindruck geht, dieses Bier für einen starken, abgekühlten Kaffee halten. Der Geschmack ist ähnlich deftig, zum Kaffee kommt eine leichte Dunkelkakaonote. Röstaromen und eine kräftige Malzigkeit werden aufgehellt durch eine sehr frische Würze und einen wunderbar fruchtigen Hopfen – kaum zu glauben, dass das zusammenpasst.

Ein bittersäuerlicher, sehr langanhaltender Nachgeschmack schließlich hebt zusammen mit dem vorgenannten dieses Bier für mich persönlich ganz hoch in den Gerstensaftolymp: Kaum sonst bekommt man bei einem Bier ein derart breites Spektrum an verschiedensten Aromen geboten. Um diese Vielfalt nicht abzutöten, sollte man das London Porter zwar leicht gekühlt, aber nicht zu kalt trinken. Auch zum Essen ist es eine wunderbare Ergänzung, man muss nur aufpassen, dass das kräftige Bier ein zartes Essen nicht komplett unterbuttert.

Dennoch steht das Porter eine Stufe unter einem Imperial Stout, das all die Aromen des Porter trägt, und noch wuchtiger, kräftiger und für manche dann vielleicht etwas zu sehr bombastisch daherkommt. Doch während man ein Imperial Stout doch eher selten trinkt, kann ich mir das London Porter sehr gut als Gebrauchsbier für den Alltag vorstellen.

Eine sehr hübsche Flasche, mit kurzem Hals und etwas kantiger Form, ist auch im Bierregal etwas, an dem das Auge kurz hängen bleibt. Ich bin gespannt auf die anderen Biere von Fuller’s, die ich schon bereit stehen habe.

Bierbildung für die tumben Massen – Hopfenstopfer Comet IPA

Eine alte Tradition bei uns in der Firma – das in unregelmäßigen Abständen stattfindende „Bier um Vier“ bekam diesesmal eine Rosskur verabreicht. Statt dem sonst gereichten Pils habe ich still und heimlich den Kollegen ein IPA untergeschoben. Man hat ja auch einen Bildungsauftrag als Gourmet!

comet2Das Hopfenstopfer Triple Hop Comet IPA hatte einen gemischten Erfolg. Die meisten der pilsgestählten Trinker äußerten so zweifelhafte Komplimente wie „interessant“ und „ja, gut, aber“. Ich hoffe, ich konnte wenigstens den einen oder anderen davon überzeugen, sich auch mal außerhalb des saarländischen Karlsberg-Imperiums nach alternativen Biergeschmäckern umzuschauen. Der Hauptkritikpunkt war, dass es zwar sehr gut schmeckt, aufgrund der Bitterkeit dann aber nicht für den „täglichen Gebrauch“ tauge – für Saarländer ein wichtiges Kriterium beim Bier!

Persönlich ist das Comet IPA für mich aber durchaus ein interessanter Geschmack: Schon der Geruch ist klar zitronig und fruchtig. Im Mund tauchen diese Aromen auch so stark im Vordergrund auf, dass ich den Kollegen erklären musste, dass dieses Aroma nicht künstlich zugesetzt wird, wie das bei Biermischgetränken à la Mixery geschieht, sondern allein natürlich durch den Hopfen entsteht. Die Zutatenliste auf dem Etikett, die keine Fruchtaromen auflistet, hilft bei der Argumentation, denn rein vom Geschmack her könnte man wirklich glauben, dass da das eine oder andere „E“ oder andere geheimnisvolle Wunderwässerchen der BASF ihr dunkles Werk verrichten.

comet155 IBU, ein respektabler Wert, der auch klar im Rachen wahrgenommen wird. Wie üblich bei einem IPA ist im Mund die Aromenvielfalt zu groß, als dass man dies schon auf der Zunge spüren würde. Dennoch kommt es mir recht mild vor – ich kenne IPAs, die noch deutlich bitterer sind. 6,8 Volumenprozent Alkohol sind dagegen für ein Bürobier schon eine Ansage, zum Glück ist das Comet IPA in einer Drittelliterflasche abgefüllt.

Gut gekühlt empfehle ich auch aufgrund des recht niedrigen Preises für so ein Craft-Bier das Hopfenstopfer Comet IPA daher auch für Ihre nächste Büroparty!

Fassanstich mit einem Horn – Licorne Black

Ich hielt das Licorne Black, das schwarze Einhorn, das ich in Saarbrücker Kneipen immer eigentlich ganz gern getrunken habe, für ein belgisches Bier, bis ich eine Flasche davon erwarb und feststellte: es kommt aus dem Elsass. Das soll dem Genuss natürlich keinen Abbruch tun, auch wenn die Franzosen nicht gerade berühmt für ihre Bierkultur sind.

licorne1Insgesamt hat man einen dunklen Eindruck – die Flasche ist dunkelbraun, das Etikett großteils schwarz, das Bier selbst tiefbraun, geht fast ins rötliche. Man könnte an ein Stout denken, doch die Konsistenz des Schaums ist grobperliger, das Bier selbst erkennbar kohlensäurehaltiger und, wenn man ein bisschen Licht hinters Glas legt, klar durchsichtiger.

licorne2Sowohl geruchlich als auch geschmacklich ist das Licorne Black dann auch ganz eindeutig kein Stout, sondern ein Schwarzbier. Sehr süß und leicht fruchtig, eine minimale Säure, etwas, aber nur etwas malzig, und erinnert eher an ein Vollbier als an das angloamerikanische Urgewächs. Es trinkt sich erfrischend, wenn auch eher etwas zu leicht und körperlos – ruckzuck fließt es durch Mund und Rachen, man merkt später kaum, dass was da war. Für manche ist das vielleicht ein Qualitätskriterium: Wer auf leichte, fast schon dünne Biere steht, wird hier zufriedengestellt.

Irgendwie schmeckt es mir frischgezapft im Schnokeloch in Saarbrücken besser als aus der Flasche. Wahrscheinlich werde ich meinen Konsum dieses elsässischen Biers in Zukunft auch auf Kneipenbesuche beschränken.

Sanfter Dickhäuter – Riedenburger Brauhaus Dolden Sud Bavarian IPA

Zur Zeit bekommt man an vielen Orten plötzlich Craft-Biere, an denen man es erstmal nicht vermutet hätte. Selbst Getränkemärkte, mit ihrem sonst eher konventionellen Sortiment, haben schon das eine oder andere IPA oder Stout auf Lager. Und Bioläden zeigen sich auch sehr interessiert an diesem neuen, nicht-industriellen und ökologischen Bieren – insbesondere, wenn es, wie das Riedenburger Dolden Sud, dazu noch ein EU-Bio-Siegel aufweisen kann.

doldensud1Das besondere dieses IPAs sind die Schweb- und Trübstoffe, die wirklich spektakulär in kleinen Flöckchen durchs Glas schweben, und bei jedem Schluck aufgewirbelt werden. Gegen das Licht gehalten sieht man es auch schon in der Flasche.

doldensud2Dennoch: Trotz 6,5 % und 55 IBU lässt mich das Bier ein bisschen kalt. Es ist mir für ein IPA einen Tick zu mild und süß, die 55 IBU spürt man kaum – wieder ein Beweis dafür, wie subjektiv selbst eine so scheinbar objektive Skala wahrgenommen werden kann. Beim Dolden Sud bleibt kaum Bitterkeit zurück, selbst nicht im Rachen. Der Geruch dagegen weiß zu überzeugen: Sehr hopfig, aromatisch, typisch für ein IPA. Mit zunehmender Stehdauer verfliegt er aber (oder liegt es daran, dass ich das Glas so schnell leergetrunken hatte?) und lässt einen leicht schalen Geruch übrig.

Wer mal ein Bio-IPA mit einem sehr typischen Geruch, schöner Optik und annehmbaren Geschmack probieren will, kann sich den Dolden Sud gönnen. Es passt, wie alle India Pale Ales, sehr gut zu würzigem Essen, zum Beispiel einer knusprig gebackenen Ente mit Salat, wie sie mir heute abend von der besten aller Ehefrauen kredenzt wurde. Das „wahre“ IPA-Hopfenerlebnis findet man hier zwar nicht, dafür aber so einige andere Aromen, die es wahrlich wert sind, verkostet zu werden; insbesondere Freunde eher milderer Biere können hier sanfte erste Schritte in Richtung des indischen Blassbiers machen.

Orden Wider den Tierischen Durst – Ale-Mania India Pale Ale

IPAs sind zu einem meiner Lieblingsbiere geworden. Frischer als ein Pils, dabei nicht so dumpf und vordergründig bitter; fruchtiger als ein Weizenbier, aber nicht so süß und kohlensäureüberquellend. Ein ideales Bier zum Essen und Genießen.

Das Ale-Mania India Pale Ale ist ein perfektes Beispiel dafür. Fruchtig ist eigentlich aber gar kein Ausdruck: Der Hopfen gibt Aromastoffe ab, die wir als Aprikosen, Äpfel, Orangen und Grapefruit, und vielleicht sogar noch einen Korb voller anderer Früchte wahrnehmen. Selbst für IPA-Verhältnisse empfinde ich das als herausragend, mit anderen Biersorten wage ich es gar nicht zu vergleichen.

Hopfig, wie gesagt, dabei aber kaum bitter auf Zunge und vorderem Gaumen – trotz der 54 IBU; der interessante Effekt ist, dass die Bitterkeit tatsächlich aber da ist. Man erkennt sie dann erst im Rachen, wo das Ale-Mania IPA dann für einen Neuling einen spannenden Effekt erzeugt.

alemaniaGegessen habe ich zum Bier ein paar schöne, knusprige, fettig-frittierte KFC-Hühnchenschenkel. So ein Foodpairing bringt das beste in beiden Produkten hervor: Die süßwürzige Maispanade des alten Colonels passt bestens zur hopfig-bitteren Art des IPA, und die 5,8% Alkoholvolumen kümmern sich darum, Fettreste im Mund wegzuputzen, ohne zu sehr zu Kopf zu steigen.

Die Drittelliter-Flasche selbst ist nichts ungewöhnliches, das Logo im Graffiti-Stil dagegen sehr plakativ. Die Industriebrauer setzen immer noch auf diese altbackenen, goldenen, im Wappenstil gehaltenen Prunketiketten; die Mikrobrauereien setzen sich dankenswerter Weise auch optisch davon ab, mit all den frechen, modernen, jugendlicheren Etiketten – die auch kundenfreundlicher sind, da sie verwendetes Malz und Hopfensorten auflisten, und im Fall des Ale-Mania sogar Plato-Stärke und IBU.

Ein ideales Einsteiger-IPA, auch wenn diese beim Einstiegspreis von rund 2,50€ vielleicht erstmal die deutsche Billigbierpreishürde gedanklich überspringen müssen. Und dennoch ist dieses Bier auch gleichzeitig eins für Kenner. Was sich offensichtlich nicht gegenseitig ausschließen muss.

Schnell austrinken – Glossnerbräu Neumarkter Bio-Gold

Die Bügelflasche des Glossnerbräu Neumarkter Bio-Gold macht leise „plopp“ und gibt ihren safran-kupferfarbenen Inhalt gemächlich ins Verkostungsglas. Schon direkt beim Eingießen hält sich die Schaumbildung in Grenzen – und schnell ist auch dieses Bisschen an Schaum verschwunden. Trotzdem gibt das untergärige Bier immer kleine Bläschen von sich, die dafür sorgen, dass das Getränk nicht abgestanden schmeckt.

bio-goldGeruchlich muss man schon die Nase tief ins Glas stecken und schwer Luft holen, um das Bier wahrzunehmen – da ist praktisch nichts da; das kann schon etwas enttäuschen. Dafür holt der Geschmack, fein, sehr angenehm würzig, nur leicht hopfig und etwas malzig, so einiges wieder heraus: Ein erfrischendes Vollbier nach bayerischer Art, sehr typisch und aromatisch. Man muss es aber kalt und schnell trinken. Mit zunehmender Stehdauer wird es überraschend zügig schal. Dann geht die Erfrischungswirkung auch dahin.

5,1% Alkoholgehalt ist wohl Standard, die Herstellungsweise nicht: Wie der Name schon sagt, handelt es sich beim Neumarkter Bio-Gold um ein ökologisch achtsam hergestelltes Bier. Nach dem Reinheitsgebot mit deutschem Siegelhopfen und Malz gebraut, ist das Rücketikett mit einem EU-Bio-Logo verziert. Bis auf den Bügel ist sonst auch nicht viel außergewöhnliches an dieser Flasche.

Ein Bier, das, wenn sehr kalt serviert, wunderbar zur Erfrischung im Garten, oder zu einem leichten Essen getrunken werden kann. Für den Gourmet allerdings ist trotz der Bio-Herstellung kaum etwas vorhanden, was Begeisterungsstürme auslösen könnte – dazu ist es viel zu konventionell, unspannend und gewöhnlich. Ich werde es trotzdem weiterhin öfters trinken, denn als Alltagsbier taugt es, und man muss so nicht die Industrieplörre der großen Hersteller saufen.

My goodness! Guinness Extra Stout

Das Extra Stout des wohl bekanntesten irischen Herstellers von Bier ist dunkel espressofarben, mit nur minimaler Transparenz, und einer sich schnell abbauenden Schaumkrone – allein direkt am Glas verbleibt ein crème-farbener Rand. Geruchlich vergleichsweise unauffällig, etwas Kaffee, leicht biertypisch-metallisch. Mit zunehmender Temperatur erkennt man dann die geröstete Gerste.

extra-stoutNicht nur schnuppern, sondern trinken! Röstaromen, Kaffeepulver, süß auf der Zunge und recht hopfig-bitter im Abgang am Gaumen, ein speckig-grillgutähnlicher Touch schleicht sich ein. Im Vergleich zu Imperial Stouts ist das Guinness Extra Stout aber einen Tick körperloser und schwächer. Der Nachklang ist dann nur noch bitter, ohne die anderen Aromen.

Ein einfaches, ehrliches Bier, daraus machen wir einen einfachen, ehrlichen Cocktail! Und noch einfacher als ein Black Velvet geht es nicht.

Black Velvet


Black Velvet
½ Glas Stout (z.B. Guinness Extra Stout)
½ Glas Champagner oder Prosecco, je nach Vorliebe


Ein gut trinkbares, aber für mich zu langweiliges Stout, in einer gewöhnlichen Bierflasche abgefüllt. Massenware für den alltäglichen Genuss ohne Anspruch – es kann wegen der Bitterkeit aber gut zu deftigem und würzigem Essen getrunken werden (mein thailändisches rotes Curry wurde gut ergänzt durch das Guinness), und funktioniert auch sehr zufriedenstellend als Durstlöscher, ohne allzusehr zu Kopf zu steigen; mit 4,1% auch schwer möglich. Für um die 1,50€ pro 0,33l-Fläschchen legt man auch nicht allzuviel auf den Tisch – kriegt halt auch nur ein entsprechendes Gegenangebot.

Noch schnell auf den fahrenden Zug aufgesprungen – Beck’s Pale Ale

Auch meine Cocktailbar des Vertrauens wurde modernisiert: Ein neuer, cooler Kühlschrank, blickdicht, mit großen Logos der neuen Beck’s-Produkte drauf. Und in der Karte taucht auch nun das Beck’s Pale Ale auf, passend zur steigenden Nachfrage nach alternativen Biersorten.

Beck's Kühlschrank

Ich mach’s kurz. Das, was Beck’s hier unter dem aktuell beliebten Etikett des Pale Ale verkauft, ist sensorisch ein Pils. Es riecht wie ein Pils, es schmeckt wie ein Pils, es sieht aus wie ein Pils. Ein leicht säuerliches, hopfiges Pils, aber dennoch.

becks-pale-ale

Natürlich musste ein so großer Bierhersteller noch irgendwas ins Programm nehmen, um den aktuell so Craft-Beer-verrückten Konsumenten etwas bieten zu können, das sie sonst woanders suchen würden. Und es verwundert nicht, dass ein Hersteller seine industrielle Produktion nicht auf einen anderen Biertyp umstellen will, mit all dem Risiko, das damit verbunden wäre. Daher nehmen sie einfach ein Pils, kippen noch ein wenig Extrahopfen dazu, lassen einen Designer ein fesches Etikett machen, und bumm! Hat Beck’s eine Spezialitätenbier-Nische aus dem Boden gestampft. Ich übertreibe hier natürlich, ich glaube schon, dass Beck’s ein „echtes“ Pale Ale anbietet – nur ist es halt ein extrem langweiliges, auf den Massengeschmack gebürstetes, bloß nicht zu extravagantes Pale Ale ohne jeglichen eigenen Charakter.

Geschmack ist hier zweitrangig, es geht darum, nicht mehr Boden zu verlieren. Und ein paar Leute, die ihr Pils gewohnt sind und außer diesem Pils eh nur selten was anderes trinken würden, werden mit diesem Produkt dazu verleitet, zu glauben, sie wüssten nun, wie ein Ale zu schmecken hat – nur um in den Schoß der Familie und zum Pils zurückzukehren.

Ich hoffe, dass möglichst viele diese Masche durchschauen und stattdessen lieber handwerklich hergestelltes Bier aus Brauereien, die echteres Pale Ale herstellen, trinken, und diese Industriebrühe links liegen lassen.

Dunkle Farbe, helle Seele – Sierra Nevada Stout

Selbst, wenn man das Sierra Nevada Stout gegen das helle Sonnenlich hält: Kein Strahl schafft es durch die pechschwarze Flüssigkeit. Nur Reflexe am Boden des Glases deuten an, dass dieses Stout eigentlich „nur“ dunkelbraun ist. Eine cremige Schaumkrone bildet ein spannendes Kontrastprogramm dazu.

sierra-nevada-stoutKurz geschnuppert, und schon erkannt: Der typisch malzig-metallische Geruch eines Stouts, ganz leicht eine mulchig-würzige Komponente, Pferdestall könnte man sagen. Feinperlig blubbert es nur dezent vor sich hin, wenn man das Glas schwenkt. Im Mund gibt es dann eine dichte Schwade von Röstaromen, malzig-süß, aber auch eine klar schmeckbare deftige Hopfennote, die für die angenehme Bitterkeit im Rachen und im Nachgang sorgt und sich schön gegen die Süße des Malz durchsetzt. Gut gekühlt ist dieses Stout auch ein wunderbarer Durstlöscher, und passt zu deftigem Essen. Fein, aber nicht aufdringlich, und mit 5,8 Volumenprozent auch nicht übermäßig stark.

sierra-nevada-stout-2Die Flasche ist etwas gedrungen, aber nicht zu „fancy“ für ein Bier, mit einem schön gestalteten Etikett, das wohl die Lagerhäuser der Firma, hübsch umrahmt von Gersten- und Hopfendolden. Auf dem Kronkorken steht, dass man einen Flaschenöffner benutzen soll – drehverschlussverwöhnten Amerikanern erspart das vielleicht ein paar Handflächenwunden.

Und da sage noch einer, die Amis könnten kein Bier brauen! Dieser kalifornische Hersteller gehört inzwischen zu meinen Lieblingsbierbrauern, hochqualitative Produkte, naturnah hergestellt.