Bier am Freitag – Maisel & Friends Bajuwarus Aquavit Barrel Aged 2021

Maisel & Friends Bajuwarus Aquavit Barrel Aged 2021 Titel

Die Brauerei Maisel in Bayreuth lässt keine Ruhe aufkommen – immer wieder gibt es neue Ideen, die die Braumeister dort umsetzen. Meist in in der „Maisel & Friends“-Subkategorie, die hauptsächlich Drittelliterflaschen mit Kreativbieren anbietet. Einmal im Jahr erscheinen aber auch Sonderprojekte, meist fassgereifte Bierspezialitäten, in limitierter Auflage und in der Dreiviertellitergroßflasche, ich habe bereits ein paar davon hier und hier besprochen. 2021 wurde etwas sehr ungewöhnliches gemacht, das ich natürlich haben musste: Maisel & Friends Bajuwarus Aquavit Barrel Aged 2021, ein Weizenbock mit 8,4% Alkoholgehalt, der 2 Jahre im Aquavit-Fass gelagert wurde. Aquavitfass! Nun, ich habe keinerlei Vorstellungen, wie das schmecken soll. Meine Leser:innen wahrscheinlich auch nicht, darum mache ich meine Flasche jetzt auf, probiere es und erzähle ein bisschen was darüber!

Maisel & Friends Bajuwarus Aquavit Barrel Aged 2021

Zwischen minimal opalisierend und kristallklar steht das Bier im Glas. Die Farbe ist kräftig dunkel, gebrannte Siena oder Haselnussbraun, wie man es möchte; im Gegenlicht in einem großen Glas sieht man hübsche Farbverläufe. Der Schaum ist kontrastreich weiß und gemischtblasig, für ein so lange fassgelagertes Bier sehr ausdauernd, und man sieht nur feinste Perlage in winzigen Perlchen.

Geruchlich ist man erstmal wirklich überrascht, da findet sich eine Mischung aus Röstaromen, Holz und Rauch, mit einem Anflug von vegetaler Krautigkeit. Etwas Kümmel, etwas Agave, eine wirklich außergewöhnliche Aromatik, die in ihrer trockenen, herben Art sehr zu gefallen weiß. Noten von Zitrusfrucht hellen alles etwas auf. Im Untergrund findet sich eine Idee einer Parfümigkeit, vielleicht Lavendel, vielleicht aus dem Aquavitfass stammend, sehr apart und spannend, vor allem im Gegenspiel zu den würzigen Tönen.

Auch im Mund geht die wilde Jagd nach ungewohnten Aromen weiter. Zunächst beginnen wir mit marmeladigen Aprikosen und in Honig getauchten Orangen sowie gekochtem Agavenfleisch, dann taucht diese parfümige Floralität auf, die dann schnell wieder von dunklen Röstaromen eingefangen wird, bis zum Schluss etwas Holz, Kaffee und deutlich rauchiger Kohle komplett die Überhand übernehmen. Das Mundgefühl ist weich und cremig, voll aber nicht übermäßig satt, da ist noch genug Frische und Rezenz drin, um das Bier süffig zu machen. Das Ganze ist mit einer milden, aber erkennbaren Salzigkeit versehen, die sich zum Ende hin mit einer zitronigen Säure wirklich visibel macht, sowas mag ich bei Bier ja immer. Die Säure bleibt im dann eher kurzen Abgang noch eine Weile da, mit einer Aquavit-Kräutermischung und hier erst auftauchender schöner Bittere, und etwas grasigem Holz – man sieht, dem Gaumen wird hier keine Ruhe gegönnt, da ist immer was Neues, nach dem man schmecken kann.

Allein schon die Verwendung eines Aquavit-Fasses ist mutig, dieser Mut hat sich ausgezahlt, hier ist wirklich Spannung, Spaß und Spiel drin, ein Bier, das man nicht einfach so zum Essen trinkt, sondern bei dem man sich Zeit und Muße gönnen sollte. Dabei ist es zu keinem Zeitpunkt kompliziert oder anstrengend, sondern immer angenehm. Ein wirklich außergewöhnliches und gelungenes Bierprojekt.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

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