Bier am Freitag – Maisel & Friends Muscatel IPA Barrel Aged 2020

Maisel & Friends Muscatel IPA Barrel Aged 2020 Titel

Ende 2020 hatte Maisel & Friends eine Miniserie mit mehreren fassgereiften Bieren herausgebracht, die sich über ungewöhnliche Fassauswahlen auszeichnete. Ein IPA, „mehrere Monate“ im Muscatel-Dessertwein-Fass nachgereift? Klingt das gut? Ich finde, das klingt ausgesprochen gut. Also direkt bei Erscheinen rein in den Online-Warenkorb mit dem Maisel & Friends Muscatel IPA Barrel Aged 2020, bestellt, und dann nach etwas Ausruhzeit an einem entspannten Wochenendtag ausprobiert. So eine 750ml-Flasche trinkt man ja schließlich nicht mal einfach so, da hat man den ganzen Tag was davon.

Maisel & Friends Muscatel IPA Barrel Aged 2020

Ich gieße mir die erste Hälfte der Dreiviertelliterflasche ins Glas. Farblich sehe ich ein strahlendes Terracotta, mit einem Touch von Pariser Rot, jedenfalls sehr ansprechend, insbesondere im Kontrast zur sehr feinblasigen Blume, die ausdauernd dem Bier erhalten bleibt. Das feine Mousseux sieht man in einem großen Glas besonders gut.

Mit einem entsprechend gewählten Glas erkennt man auch den besonderen Duft dieses IPAs besser. Er erinnert an Erdbeermarmelade, Litschis (diese werden auf dem Rücketikett erwähnt, und sie sind tatsächlich sehr präsent hier) und etwas Honig. Sehr weich und mild für ein IPA, die ganze limettige Kratzigkeit, die man sonst oft bei diesem Bierstil findet, ist durch die Fassreifung stark eingebremst worden. Das Weinfass hat ordentlich für dunklere Töne gesorgt, und auch eine vorsichtige Holzigkeit kann man im Gesamtbild erriechen.

Die Textur ist von Beginn an supercremig, mit sehr viel Kau- und Lutschpotenzial, und sie sorgt für ein voll ausgefülltes und sehr breites Mundgefühl. Eine leichte Salzigkeit gibt Charakter, und Süße und Säure ringen miteinander, wobei die Säure sicherlich etwas Oberhand behält. Die Hopfigkeit geht bei vielen fassgelagerten Bieren schnell verloren, hier findet man sie noch, ihre Spitzen und Ecken wurden allerdings erkennbar abgeschliffen; es ist von der Bittere und Aromatik aber sicherlich immer noch ein IPA. Beeren und Litschis sind das Hauptaroma, man meint, noch dunkles Malz und Pflaumen durchzuschmecken. Die Rezenz hält sich, produktionsbedingt, in Grenzen, ist aber auch kein wirkliches Ziel eines solchen Biers.

Im Abgang erkennt man den Alkoholgehalt von 8,9%, da entsteht ordentlich Wärme und eine milde Glut, die sowohl im Mund als auch in der Speiseröhre bis in den Magen verfolgbar ist. Dabei wird das Bier knackig bitter, mildtrocken, klar holzig und stärker salzig, ohne aber ins wirklich hart Adstringierende oder Kantige zu kippen. Lang und weiterhin voll bis zum Ende, wo würzige und holzige Effekte noch etwas den Gaumen und die Zunge kitzeln und leicht betäuben.

Ah, sowas trinke ich einfach gerne. Es ist anspruchsvoll, ja, und kein Bier für Zwischendurch. Sowas genießt man, wie oben schon gesagt, an einem schönen Sonntagnachmittag in langsamen Schlucken, bei Zimmertemperatur. Ein sehr gelungenes Experiment, schade, dass sowas nur als limitierte Edition erhältlich und nach kurzer Zeit ausverkauft war. Ich rate allen Freunden fassgelagerter Biere, die Augen immer offen zu halten – da muss man schnell und konsequent zuschlagen, langes Überlegen ist da nicht drin. Es lohnt sich jedoch in den allermeisten Fällen!

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

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