Man riecht und schmeckt, dass man es hier mit schottischem Whisky tun hat. Die etwas blasse Farbe macht nicht viel her, der Geruch erinnert zumindest an Lowland-Single Malt, der Geschmack ist dann zwar ähnlich zurückhaltend, aber doch erkennbar Scotch: Minimaler Rauch, minimaler Torf und ein Ansatz des medizinalen Aromas, den man an Scotch sonst so schätzt. Man muss auch die Milde hervorheben – kaum ein Brennen, dafür aber auch kein besonders langer Abgang, sogar eher recht kurz und gelangweilt. Leicht würzig, aber auch süß.
Natürlich trinken Scotch-Liebhaber sowas nicht pur, wenn überhaupt. Dennoch – ich habe viele Single Malts und Blends bei meinem Auslandsjahr in Schottland getrunken, und persönlich finde ich den Ballantine’s Finest Blended Scotch Whisky nicht so schlecht, wie ihn viele „Kenner“ machen. Das ist ein recht angenehmer, weicher und unaufdringlicher Blended Scotch, ohne viel Charakter und Ecken und Kanten, vielleicht etwas zu sehr weichgespült, aber sonst ganz gut trinkbar, wenn man nicht sonst auf Torfmonster steht; und gerade Einsteiger in den Scotch können hier vorsichtige erste Schritte machen, ohne von einer Rauchbombe erschlagen und dann für den Rest des Lebens abgeschreckt zu werden.
Aber auch ich habe ihn eigentlich nicht fürs Sipping gekauft, sondern als Zutat für Cocktails. Single Malts sind unangenehme, unangepasste und schwierig einzusetzende Spieler in Cocktails, sie übertünchen oft alles andere mit ihren deftigen Aromen. Daher ist ein Blend wie Ballantine’s Finest sehr gut geeignet, den Mittelweg zu nehmen: Zwar erkennbar Scotch, aber nicht so extrem.
Und wer mal einen Wildest Redhead getrunken hat, erkennt, dass so ein sonst geschmähter (interessanterweise aber trotzdem viel gekaufter) Blend auch seinen Sinn und Zweck hat – besonders bei dem recht guten Preisleistungsverhältnis. Witzig bei diesem Cocktail ist, dass der rote Kopf eigentlich ein roter Fuß ist – der Kirschlikör sinkt immer auf den Boden des Glases. Wenn jemand eine Idee hat, wie man ihn, namensgerecht, oben im Glas schwimmen lassen kann – her damit!

Wildest Redhead
1½ oz Ballantine’s Finest
¾ oz Limettensaft
¼ oz Allspice Dram (z.B. Pimento Dram von The Bitter Truth)
½ oz Ahornsirup
Das ganze gut mit Eis shaken und am Ende mit …
½ oz Kirschlikör (z.B. Cherry Heering)
…garnieren
Zur Aufmachung: Mir gefällt die eckige Flasche, mit dem edlen Etikett und der Kontrastfarbe weiß sehr. Eine Flasche, die sehr angenehm in der Hand liegt und die man gern anschaut.
Auch gern anschauen und benutzen tue ich die Gläser, die Ballantine’s in regelmäßigen Abständen veröffentlicht. Die am Boden ovalen und am Rand kreisrunden, schweren Tumbler mit dem schwungvollen, eingelassenen „B“ dienen als Cocktailglas für alle größeren Cocktails, die zusätzlich Eis brauchen; die kleinen, feinen zylindrigen Gläser fassen bequem die Menge, die ich für „normale“ Cocktails ohne Eis ansetze – ca. 3-4 oz / 90-120ml. Beide sind im Foto oben zu sehen. Klein aber fein.



Doch irgendwann muss dann doch der erste Schluck erfolgen. Die Aromen verwundern nicht: Die Honignote ist da, etwas vanilliges, eine sehr zurückhaltende Würze, und, und das ist für mich das überraschendste dieses Whiskys, wechselt auch die in der Nase noch etwas störende Acetonnote in den Mund über und lässt sich in einem leicht mentholartigen Mundgefühl wiederfinden. Dort ist sie aber dann plötzlich gar nicht mehr so unangenehm – es ist etwas besonderes, das ich sonst bei noch keinem Whisky schmecken konnte. Manchen wird das aber zu alkoholisch-brennend schmecken, oder die Assoziation von leichtflüchtigem Fusel geben. Purtrinken? Hm, eher selten.
Die 6-jährige Variante dieses Whiskys ist, das muss man dann dazusagen, die niedrigste Qualitätsstufe dieser Marke. Eventuell die zwölfjährige Variante, den großen Bruder sozusagen, werde ich noch ausprobieren. Da bei kanadischem Whisky auch geschmacksgebende Zusatzstoffe erlaubt sind, zum Beispiel Zucker und künstliche Aromen, halte ich das aber eher für unwahrscheinlich – es gibt zuviele reinere Spirituosen, als dass ich meine Zeit mit Schnäpsen voller undeklarierter Zusatzstoffe vertun wollte.



















