Es muss nicht immer Whisky sein – Sasse Münsterländer Lagerkorn

Korn ist eine stark reglementierte Spirituose. Der Münsterländer Lagerkorn aus dem Hause Sasse macht es einem Neuling in dieser Spirituosensorte aber dennoch schwer, denn mit dem, was man sonst im Supermarkt an Korn zu kaufen erhält (oft direkt an der Kasse, in Griffnähe für die Wirkungstrinker), hat dieser Korn überhaupt nichts mehr zu tun. Was ist hier, wenn man die Herstellungshinweise liest, noch überhaupt der Unterschied zu einem Whisky? Ich war relativ ratlos, und setzte mich mit dem Hersteller in Verbindung.

Tatsächlich erhielt ich sehr schnell einen persönlichen Rückruf, in dem mir kompetent und freundlich der Herstellungsprozess des Lagerkorns und die Unterschiede zum Whisky erläutert wurde – das ist noch echte Kundennähe. Die Verwendung des ganzen Weizenkorns, und nicht nur ausgewählter Bestandteile, der leicht unterschiedliche Alkoholanteil und die Tatsache, dass man nur im deutschsprachigen Raum hergestellte Spirituosen auch Korn nennen darf, sind wahrscheinlich die Hauptunterschiede.

sasselagerkorn-glas

Schon in der Flasche ist die Farbe auffällig. Wer die Supermarktkorns kennt, erwartet eine klare Flüssigkeit; hier erleben wir eine sehr ansprechende Farbe irgendwo zwischen Mais- und Goldgelb. Ein erster Geruchstest offenbart eine sehr süßliche Nase, einen klaren Lackgeruch (das kennt der geneigte Spirituosenkenner allerdings von anderen Bränden schon, und empfindet es nicht als unangenehm). Persönlich lässt mich dieser Geruch an gealterten Rum denken, mit Anklängen an Melasse und Malz.

Mir läuft das Wasser im Munde zusammen. Und auch dort überrascht der Lagerkorn den Hartschnaps-Kipper. Sehr weich, ohne auch nur den Anklang von Schärfe, warm und voluminös, faszinierend süß und cremig, eine leise Fruchtigkeit. Wahrscheinlich bedingt durch den verwendeten Weizen sind die Aromen sehr hell, kaum tiefe, dunkle Schwermüter beeinflussen das Geschmacksbild. Der Lagerkorn erinnert mich diesbezüglich trotz der Ähnlichkeiten in Produktionsweise und Quellmaterial mehr an Vodka als an Scotch oder Wheat Whiskey – an sehr guten Qualitätsvodka allerdings, mit dem Vorteil der Reifearomen. Wer also vom Single Malt kommt, und sich aufgrund meiner Eingangsbeschreibung etwas ähnliches erwartet, wird überrascht werden, was aber ja nicht schlecht sein muss, nur anders, auf jeden Fall spannend und interessant.

Im Abgang gibt es nur beim ersten Schluck ein ganz leichtes Kratzen; sonst verbleibt eine angenehme Wärme und ein relativ kurzer Nachgeschmack nach Honig am Gaumen, und die milde Würze, einem Weizendestillat angemessen.

Als Cocktailzutat kann der Münsterländer Lagerkorn mit seiner Weichheit und seinem malzigen Charakter punkten. Der Aromatik folgend würde ich persönlich ihn als ausgesprochen attraktiven Ersatz für Vodka empfehlen – zum Beispiel im Clubland.

Clubland


Clubland
1½ oz Vodka (oder hier: Sasse Münsterländer Lagerkorn)
1½ oz weißer Port (z.B. Rozès 10)
2 Spritzer The Bitter Truth Old Time Aromatic Bitters
Auf Eis rühren und in ein eisgekühltes Glas abseihen.

[Rezept nach W.J. Tarling]


Der Lagerkorn wird in Limousineiche-Fässern gelagert, laut Hersteller für 2 bis 4 Jahre; da er die Bezeichnung VSOP auf dem Etikett trägt, muss man hier von einer Mindestreifezeit von 4 Jahren ausgehen – sehr respektabel, und man schmeckt es. Pot-Still-Destillation, VSOP, Eichenfässer: arg viel mehr kann man kaum noch für die Qualität eines Brands tun. Das ist ein äußerst gefährliches Wässerchen: Der Alkoholgehalt von 32% ist kaum wahrnehmbar. Verbunden mit der Milde erhält man ein sehr leicht trinkbares, aber hochprozentiges Getränk.

Ich finde es sehr entgegenkommend, wenn ein Hersteller Konsumenten eine Chance gibt, sein Produkt erstmal auszuprobieren, und ihm nicht direkt eine Dreiviertelliterflasche aufzwängt. Den Lagerkorn gibt es in verschiedenen Größen, und die 0,2l-Flasche, die ich erworben hatte, wird sicherlich irgendwann nochmal ersetzt. Hübsch aufgemacht sind die Flaschen aus dem Hause Sasse auf jeden Fall; sie tragen ein etwas konventionelles Etikett, aber ein kleines Booklet mit Informationen am Hals gleicht das aus.

Jeder, der mit Korn immer nur den Großvater, der einen Klaren zum Bier trank, assoziiert, sollte sich diesen außergewöhnlichen Brand holen, um sich davon zu überzeugen, dass auch ein Korn zu einer Spitzenspirituose werden kann, die sich hinter keinem Whisky oder Rum verstecken muss – Quality made in Germany.

Piraten sind keine Rumkenner – Captain Morgan Original Spiced Gold

Rum-Kenner machen sich oft lustig über diese Art Würzrums, oder sind indigniert, wie man sowas überhaupt trinken kann. Das ist natürlich kurzsichtig. So eine elitäre Sichtweise hat den Cognac und den Brandy für die jüngeren Generationen fast ins Aussterben getrieben, während aromatisierte Gins* und Vodkas das Feld der Partyspirituosen regelrecht überrannt haben.

Captain Morgan Original Spiced Gold

Gewiss ist Captain Morgan Original Spiced Gold keine Entdeckung, was Rumaromen angeht, denn diese werden, falls in der Basisspirituose überhaupt großartig vorhanden, durch die Aromatisierung überwältigt. Letztlich sollte man sich als Kenner eh von der Idee lösen, dass es sich hier um „Rum“ handelt. Es ist eine eigene Sorte Spirituose, die nur auf Rum basiert. Ein Vergleich mit hochklassigen Rums ist daher eigentlich recht sinnfrei und wird beiden nicht gerecht.

Nachdem ich nun aber erfahren musste, dass selbst hochwertigste Rums mit Zucker und anderen Zustatzstoffen, die nicht deklariert werden müssen, aufgepimpt werden, ziehe ich diese Einschränkung dann doch etwas zurück – wenn sich jemand in Zukunft bei Ihnen ausheult, dass er lieber „richtigen, guten“ Rum trinken will, fragen Sie ihn bitte, ob er weiß, wieviel Zucker seinem Lieblingsrum nachträglich zugesetzt wird, und was der Unterschied zur wenigstens offensichtlich, klar auf dem Rückseitenetikett kommunizierten Aromatisierung bei Captain Morgan Spiced Gold ist.

Eine nette Situation: Der verschmähte Piratenkapitän enthält tatsächlich weniger Zucker als die „Premium“-Rums Zacapa 23, Plantation 20th Anniversary, El Dorado 12 oder Vizcaya – und der von vielen so geliebte Botucal Reserva Exclusiva hat sogar doppelt(!) soviel Zuckerzusatz wie das Spiced Gold.

Für mich ist das Würzgold ein sehr interessanter Cocktailspieler, der gut mit vielen süßen und sauren Zutaten harmoniert und diese mit seinem Zimt- und Süßgewürzaroma unterstützt. Er gibt vielen Cocktails eine liebliche Note und Volumen, ohne mit starkem Rumantritt den Gesamtgeschmack zu entern. Mein Favorit unter den Cocktails mit Spiced Rum ist Hillbilly Bob’s Ruckus Juice.hillbillybobsruckusjuice-cocktail


Hillbilly Bob’s Ruckus Juice
1 oz Captain Morgan Original Spiced Gold
1 oz Limettensaft
1 oz Orgeat (oder Mandelsirup plus etwas Orange Flower Water)
Aufgießen mit gleichen Teilen…
Ginger Beer (z.B. Old Jamaican) und…
Bier (Karlsberg Urpils macht sich gut!)


captainmorgan-leuchtreklameUnd natürlich muss man am Ende die Aufmachung ansprechen – mir gefällt dieses Piratengehabe und die Etikettenillustration sehr. Wer könnte der Romantik von Karibikflair, Rum-trinkenden Piraten und dem wilden Gewürzcocktail des Spiced Gold schon widerstehen? Das gehört zu Rum für mich einfach dazu, auch wenn die modernen Produzenten sich teilweise etwas von der Geschichte der Spirituose distanzieren wollen. Natürlich ist es Kitsch, aber ich liebe Kitsch, wenn er gut gemacht ist.

Ich habe daher eine Leuchtreklame mit diesem Bild auf dem Arbeitstisch meiner Heimbar (der eine oder andere wird sie bei Fotos meiner anderen Rezensionen schon im Hintergrund erspäht haben), die mit wechselnden Farben ein nettes Flair in ein abgedunkeltes Zimmer bringt.

Wenn Sie dann aber mal einen feineren, spannenderen „craft“-Spiced-Rum probieren möchten, empfehle ich Ihnen den Meermaid Infused Rum.

Das süße Leben – Monin-Sirup „Weißer Rohrzucker“

In extrem vielen Cocktails findet sich Zuckersirup als Zutat; hin und wieder, bei englischsprachigen Rezepten, nennt sich das auch simple syrup. Mit dieser 0,7-l-Flasche eines Sirups auf Rohrzuckerbasis von Monin ist man als Cocktailmixer für eine ganze Weile ausgestattet – und die Haltbarkeit ist auch gut, selbst mit Ausgießer auf der Flasche nutze ich eine solche Flasche über mehrere Monaten ohne Probleme. Man hat ja essbaren Honig in Pharaonengräbern gefunden, warum sollte da dieser Zuckersirup nach ein paar Wochen schlecht werden.

zuckersirup-borderVersuchen Sie auch mal, selbst Kräutersirups herzustellen. Die aktuelle Welt der Mixologie ist ganz scharf auf solche Zutaten; wer die Rezepte in Fachblättern und Gewinnercocktails in Wettbewerben mal betrachtet, findet in praktisch jedem eine hausgemachte Sirupzutat, wie Papiersirup, Erde-Sirup, Rosmarinsirup oder Tannensirup. Ein guter Start zum Ausprobieren wäre zum Beispiel ein Sauerampfer-Sirup, den man in wenigen Minuten gebrauchsfertig produziert hat.


Sauerampfer-Sirup
6-8 Blätter Sauerampfer
3 oz Zuckersirup
ein kleiner Schuss Zitronensaft
pürieren, dann absieben und in eine kleine Flasche füllen


So ein Sirup ist aufgrund der frischen Zutaten dann natürlich nicht mehr ganz so lange haltbar wie der pure Zuckersirup. Dennoch, im Kühlschrank aufbewahrt, kann man damit den einen oder anderen Cocktail über die Zeit herstellen – zum Beispiel einen sehr aromatisch-kräuterigen Sauerampfer-Daiquiri.


Sauerampfer-Daiquiri
2 oz Weißer Rum (z.B. Captain Morgan White Rum)
1 oz Sauerampfer-Sirup
1 oz Limettensaft


Wenn man schon dabei ist und Monin-Sirups bestellt oder im Supermarkt, wo es meist eine riesige Auswahl an Sirupgeschmäckern dieses Herstellers gibt, kauft, lege man noch die Sorten Mandel, Cranberry und Schokolade in den Warenkorb (da reicht dann aber jeweils die kleine Flasche, während es beim Zuckersirup gern die große sein darf). Allesamt gute Qualität, allesamt für eine Hausbar dringend nötig.

Alternativen zur Süßung, wenn einem Rohrzucker nicht behagt, wären Honig (ein starker Eigengeschmack verändert dann aber die Richtung des Cocktails) oder Agavensirup (ca. anderthalb mal süßer als Rohrzucker, daher muss man ihn entsprechend niedriger dosieren).

Persönlich würde ich nicht künstliche Süßstoffe wie Aspartam, Cyclamat oder Stevia einsetzen. Weniger wegen deren künstlicher Natur, mehr wegen des Stils – in Nahrungsmitteln oder Alltagsgetränken machen diese Stoffe meiner Meinung nach durchaus Sinn, um den Brennwert zu senken. Ein Cocktail aber ist für mich per Definition die Krone des Genusses; und beim Genuss will ich mir selbst keinerlei Einschränkungen was die Kalorienzahl angeht auferlegen. Man trinkt ja auch nicht soviele Cocktails, dass das (vor allem, wenn man den eh schon vorhandenen Brennwert des Alkohols selbst berücksichtigt!) ins Gewicht fallen würde – im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Kutte hat er sich verdient – Basil Hayden’s Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Die Tendenz bei Whiskey wie auch bei Whisky geht zur Zeit in die Richtung, keine Altersangabe mehr auf die Flasche zu schreiben. Statt „8 years“ steht nun „artfully aged“ auf der Flasche des Basil Hayden’s Kentucky Straight Bourbon Whiskey; beim auch aus dem Hause Beam kommenden Knob Creek Rye steht in analogem Neusprech „patiently aged“. NAS (no age statement) nennt sich das im Fach. Die Diskussion darüber überlasse ich jenen, denen Alter wichtiger ist als Geschmack.

basilhaydens-front-borderLaut Beam ist trotz des geänderten Labels der Whiskey aber immer noch 8 Jahre gereift. Ein hohes Alter für einen Bourbon, und wenn dazu noch die Herstellung nicht im Massenbetrieb, sondern im „small batch“-Verfahren erfolgt, in dem nur relativ gesehen kleinere Mengen aus ausgewählten Fässern in die Flasche kommen, dann ist für den Bourbon-Freund Zungenschnalzzeit angesagt!

Basil Hayden ist einer der so beliebten Schutzpatrone des amerikanischen Destilliergeists. Ähnlich, wie das auch bei Elijah Craig oder Pappy van Winkle geschieht, lehnen die Hersteller ihre Produkte thematisch gern an historische Persönlichkeiten an. Beim Basil Hayden’s ist darüber hinaus auch die Flasche entsprechend designt. Ähnlich wie eine Priesterkutte liegt das Etikett über der Flasche, und ist mit einem Holzgürtel mit Metallschnalle am Bauch der Flasche befestigt. Das macht optisch echt was her und ist ein Alleinstellungsmerkmal wohl in jedem Spirituosenregal; ein kleiner Dämpfer dabei ist der Plastikkorken, der nicht so recht zum sonst hochwertigen Outfit passt, der aber immerhin unter einer Aluhülle verborgen ist.

basilhaydens-detail-borderNachdem wir also die Aluhülle gelöst und den Korken gezogen haben, können wir am altehrwürdigen Geist schnuppern. Wir nehmen dabei eine sehr milde Nase wahr, angenehm, nicht auffällig in irgendeine Richtung. Deutlich riecht man bourbontypischen Lack, etwas beamtypische Hefe. Die Grundpfeiler des Bourbon muss ich eigentlich nicht extra erwähnen: Eiche, Karamell, Vanille. Am Rande nehme ich eine leichte medizinale Note wahr, erinnernd an Scotch; dazu eine helle Komponente, kräuterig, wahrscheinlich vom hohem Roggenanteil herrührend.

basilhaydens-side-borderAuch im Mund ist der Basil Hayden’s dann hell, frisch, mild, leicht; nur mäßig süßlich, aber mit wirklich schmeckbaren ätherischen Ölen von Minze (wie schon die Produktbeschreibung ankündigt).

Im Abgang doch eher zurückhaltend, nach dem Geschmackstest erwartungsgemäß kein Kratzen oder Brennen. Trocken und kurz mit einem ebenso relativ kurzen Nachgeschmack – die erschmeckte Pfefferminz- oder Eukalyptusnote bleibt am längsten im Gedächtnis und auf den Geschmacksknospen.

Fazit: Ein wirklich feiner, eleganter Bourbon, ohne Wumms und Täterätätä, der die leisen Töne statt lautem Krawall ins Glas bringt. Dabei bleibt er aber immer noch interessant und hocharomatisch, in keinster Form schwach und wässrig, wie manche Rezensenten beklagen, und übertreibt es nicht mit der Süße.

Für Cocktails eignet sich der Basil Hayden’s vor allem in Mischungen, in denen er die klare Hauptzutat ist, in denen nicht die Gefahr besteht, dass er von irgendwelchen Bullies zu hart rangenommen wird – zum Beispiel in einem Proven Perfect, einem Cocktail, der mit seinem Namen nicht zuviel verspricht: Ein herrlich ausgewogener, unglaublich runder, fantastisch dichter und in jeder Hinsicht perfekter Cocktail – vielleicht der beste, den ich in meinem Leben getrunken habe.

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Proven Perfect
2 oz Basil Hayden’s Kentucky Straight Bourbon
1/2 oz Ruby Port
1/2 oz  Wolfberger Amer Bière Orange
1 Barlöffel Fernet Branca


Nachdem ich schon ein großer Fan der Small-Batch-Produktionen von Four Roses und Heaven Hill bin, gesellt sich auch Beam nun mit seinen Edelabfüllungen dazu. Ich kann nur wiederholen: Lasst die Massenwhiskeys im Regal, und gönnt Euch stattdessen lieber einen dieser hervorragenden Bourbons.

Pur kann man das eh nicht trinken – Das bedauernswerte Schicksal der Mischzutat

Rum hat einen Minderwertigkeitskomplex. Obwohl Rum eine der verbreitetsten und beliebtesten Spirituosengattungen ist, und kaum ein anderer Schnaps so gern in Cocktails und Longdrinks verwendet wird, ist Rum doch gleichzeitig auch etwas, das zumindest in Deutschland den Ruf hat, nicht pur getrunken werden zu können.

In diesem Zuge möchte ich nicht auf die erstklassigen, hocharomatischen Rumkönige hinweisen (ob nun künstlich gesüßt oder nicht), sondern auf die bemitleidenswerte, immer im Schatten stehende Gruppe der sogenannten Mixer, also der Rums, die man eigentlich nur in Mischgetränken runterkriegt, und die scheinbar für genau den oben angesprochenen schlechten Ruf des Rums verantwortlich sind. Angeblich.

Schauen wir uns mal, um einen Eindruck aus dem echten Leben zu gewinnen, ein paar der Rückseitenetiketten von Rumflaschen an – ich habe absichtlich Beispiele von Rums ausgesucht, die nicht No-name-Produkte aus dem Discounter sind, sondern teilweise „große Namen“ tragen oder traditionsreiche Marken darstellen, und die geschmacklich durchaus auch pur zu überzeugen wissen.

Der noch beste Fall ist, wenn die Konsumhinweise wenigstens die Möglichkeit einräumen, dass man Rum auch pur trinken kann. Manchem Rumverschnittgeschädigten muss man das wahrscheinlich tatsächlich sagen. Doch schon schnell folgt die erste Einschränkung, wie auf dem Etikett zu Bacardis sehr gutem Ron 8 Años zu lesen ist: „für den puren Genuss auf Eis“. Man soll also die Geschmacksstoffe mit Eis abtöten, um nicht zu viele davon abzukriegen. Kein Zeichen von großem Vertrauen ins eigene Produkt. Direkt anschließend noch der Hinweis, dass auch Cocktails und Longdrinks mit diesem Rum herstellbar sind. Nett! Fehlt noch der Hinweis, dass man es zum Gurgeln oder für die Scheibenwischanlage im Auto benutzen kann.

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Wie gesagt, das ist noch ein sehr selbstbewusstes Etikett. Manche Spirituosen werden aber scheinbar schon dazu geschaffen, ihr Leben als Mischzutat zu fristen. Captain Morgan White Rum beispielsweise pur zu trinken, wird vom Hersteller selbst   nicht empfohlen – „serve with Cola or in Mojitos“. Da stellt sich die Frage, warum das Produkt überhaupt pur angeboten wird, und nicht schon direkt als Cola-Premix.

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Oft sind ähnliche Aussagen nicht dermaßen klar formuliert, sondern in Sätzen und Hinweisen verklausuliert. „…the rum that makes a good drink even better“ schreibt beispielsweise der Hersteller von Old Pascas Ron Negro auf das Label. Prominent sind Cocktailbilder platziert, und Rezepte für ein paar der üblichen Verdächtigen des Rumcocktails. Auch hier traut man sich wohl kaum, dem Trinker einen Purgenuss nahezulegen.

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Die Höchststrafe erfahren manche Rums, wenn sie nichtmal mehr zu Cocktails empfohlen, sondern implizit zur Kochzutat degradiert werden. Der Rhum Negrita wirbt mit hübschem Baba au rhum und Waffeln – da fragt man sich als Käufer, warum die Flasche überhaupt im Spirituosenregal steht und nicht bei den Backzutaten, neben Puderzucker, Blockschokolade und dem Rumaroma in kleinen Röhrchen. Manch ein angehender Rumfreund wird dadurch auch abgeschreckt, denn man will ja schließlich vernünftigen Qualitätsrum kaufen, und keinen, der offensichtlich selbst vom Hersteller nur zum Kochen angepriesen wird.

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Dass es auch anders geht, und man selbstbewusst mit dem eigenen Produkt umgehen kann, sieht man am Etikett des Ron Arecha.  „Pur oder handwarm im Schwenker“ – abgesehen von dieser etwas seltsamen Unterscheidung wird hier zumindest klar gemacht, welchen Anspruch man hat. Über den Einsatz mit Eis, in Cocktails oder als Backzutat kann man ja dennoch selbst entscheiden, auch ohne Hinweis darauf.

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Warum wird gerade bei Rum eine so schlechte Meinung schon vom Hersteller aus propagiert? Ist es wirklich so, dass man manche Rums nicht pur trinken kann? Wenn das der Fall ist, wäre das ein Armutszeugnis für die Branche. Die Hersteller würden dann ja absichtlich ungenießbare, unfertige Produkte auf den Markt bringen und das sogar so aufs Etikett schreiben – etwas, zu dem sich kein Scotch- oder Weinproduzent erniedrigen würde. Gewiss gibt es in allen Spirituosengattungen Abstufungen, inwieweit der Purgenuss wirklich ein „Genuss“ ist, wenn man manche Sorten trinkt, doch letztlich sollte ein Destillat immer für sich stehen können, wenn auch vielleicht auf wackligen Beinen: Selbst gruslig schlechte Tequila-Mixtos werden zum Purgenuss (mich schüttelt es!) beworben.

Darüber hinaus ist die Klassifikation einer Spirituose als Mixer letztlich auch ein klares Abwertungsverhalten gegenüber der Misch- und Barkultur (oft genug von den Bewohnern und Führern dieses Paralleluniversums selbst!), das wir Genießer nicht zulassen sollten. Entweder die Spirituose ist gut, dann kann man sie pur trinken und als Mixer einsetzen, oder sie ist schlecht, dann taugt sie weder für das eine noch das andere. Eine Spirituose, die ich pur nicht trinken würde, kommt mir auch in keinen Cocktail – mir ist der Gedanke fremd, dass selbst eine geschmacklich furchtbare Spirituose immer noch gut genug sein soll für die „Panscherei“ in einem Mixgetränk, weil dort ja die Mängel vermeintlich durch andere Zutaten ausgeglichen werden können. Das ist nach meiner Erfahrung einfach nicht der Fall: Sierra Tequila verlahmt jede Margarita, Rumverschnitt jeden Daiquiri, Gorbatschow jeden Cosmopolitan.

In diesem Sinne: Probiert einfach mal, ob die verächtlich vom Bartender oder vorverurteilend vom Hersteller als Mixer deklarierte Spirituose wirklich pur so schlecht schmeckt, dass man sie nicht in einem Nosingglas schlürfen könnte, und bildet Euch Eure eigene Meinung über diese Pariahs der Barkultur. Manchmal wundert man sich, wie man lange so blind den Vorurteilen von Schnapssnobs oder den dümmlichen Ratschlägen auf Etiketten folgen konnte, wenn man dadurch einen eigentlich ganz leckeren Rum findet…

Wer hat den Kokosschnaps geklaut? Kokosrum selbstgemacht, der erste Versuch

Ich bin immer dafür zu haben, auf natürliche Art und Weise Spirituosen zu aromatisieren. Ich habe schon Fat Washing versucht, was ziemlich in die Hose ging; das Räuchern von Getränken hat bessere Ergebnisse erzielt.

Nun hier eine neue Idee. Eine beliebte Mischung ist Rum mit Kokosnussaromen. Verschiedene Hersteller bieten das schon flaschenabgefüllt an, das in Deutschland wahrscheinlich bekannteste Exemplar ist Malibu. Nun ist in solchen Premixes meist neben künstlichen Aromen auch Zucker und allerlei anderes, garstiges Zeug enthalten. Daher will ich mir meinen Kokosrum selbst herstellen.

Was braucht man dazu? Etwas Rum, eine Kokosnuss, ein bisschen minimales handwerkliches Geschick und, wie immer bei solchen Experimenten, Geduld.

Der erste Schritt besteht darin, zwei Löcher in die Kokosnuss zu bohren. Mit einem Korkenzieher oder einer Ahle geht das ganz gut, wenn man sich an die von Mutter Natur vorgegeben, leicht erkennbaren Stellen auf der Nussoberseite hält. Das Wasser in der Nuss wird abgegossen.

kokosrum-verschlüsseAus Aststücken aus dem Garten habe ich mir rustikale Stöpsel gebastelt, mit denen die Nuss nachher wieder verschlossen werden sollen. Mit ein bisschen Schnitzarbeit passen die Stöpsel perfekt in die Löcher.

havana-club-smallNun fülle man etwas Rum in die Nuss. Ich habe für den ersten Test Havana Club-Rum verwendet. Mit einem Trichter geht das ganze leichter; ca. 100 bis 200ml passen in so eine Nuss. Ich fülle sie wirklich bis zum Rand.

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Rein mit den Stöpseln, und zwar so fest, dass keine Flüssigkeit austritt, wenn man die Kokosnuss dreht und wendet. Wenn man die Nuss schüttelt, hört man das Blubbern des Rums.

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Und nun kommt der härteste Teil der Arbeit: Die Warterei. Mein Plan war, den Rum für ein halbes Jahr in der Kokosnuss einzulagern, damit er die Aromen aus dem Fruchtfleisch schön annehmen kann. Ich stelle die Nuss auf einen Glas-Teelichthalter. So ist das ganze stabil, und sehr dekorativ für die Heimbar darüberhinaus.

Da steht sie nun, die Nuss, und ruht. Ab und zu habe ich sie zu Beginn der Wartezeit noch bewegt, um den Inhalt zu prüfen. Nach einem Monat ließ ich sie komplett in Ruhe. Dann kam der Tag, nach 3 Monaten, als ich sie kurz bewegen musste – und dabei feststellte, dass kein Gluckern mehr zu hören war. Kurz geschüttelt, und tatsächlich: Die Nuss ist leer.

Es gibt einen Effekt bei Fasslagerung, den die schottischen Whiskyhersteller seit Beginn dieser Reifungsart kennen, und als Angels‘ Share bezeichnet haben. Dadurch, dass Fässer aus Holz bestehen, und Alkohol recht flüchtig ist, verdunstet immer ein gewisser Anteil aus dem Fass, ich habe mal von je nach Klima mindestens 2% bis teilweise sogar 10% gelesen. Poetisch wie Whiskytrinker und -hersteller nun mal sind, waren sie es zufrieden, den Engeln, die vom Verdunstungsschnaps profitieren, diesen ihren Anteil zu gönnen.

Nun hat mir also ein Engel meinen Kokosrum weggeschlürft. Naja, man muss nun halt das beste daraus machen, verklagen kann ich ihn ja schlecht. Wenigstens das Fruchtfleisch hat hoffentlich einen kleinen Rest vor dem versoffenen Engel retten können und gespeichert.

kokosnuss-geknacktDie Kokosnuss ist mit ein paar festen, assertiven Schlägen mit einem haushaltsüblichen Hammer schnell geknackt. Man sieht sehr schön, wie sich der Alkohol an manchen Stellen des Fruchtfleischs zu schaffen gemacht hat. Mit einem kurzen Messer kann man das Fruchtfleisch leicht aus der Schale lösen.

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Geschmacklich überzeugt mich das Rumkokos-Fleisch sehr: Es ist schön saftig, hat immer noch seinen typischen Kokosgeschmack (ohne die künstliche Süße, die man in Kokosprodukten sonst oft findet), und ein feines, deutlich erkennbares Rumaroma. Als Dessert in Stücken gereicht kann man Gäste damit überraschen; alternativ kann man es natürlich kleinraspeln und auf Eis, Gebäck oder Pudding streuen, oder als Cocktailglas-Verzierung bei der nächsten Piña Colada verwenden.

Obwohl dieser Versuch eigentlich ganz anders ausging als geplant, bin ich doch begeistert. Und so werde ich bald einen zweiten Versuch unternehmen, um doch noch an den Kokosrum zu kommen, den ich eigentlich haben wollte, und den die Engel mir geklaut haben. Bis dahin kaue ich ein paar Stücke leckeres Kokosrum-Fruchtfleisch als Wegzehrung.

Wie ein wilder Stier – Greene King Strong Suffolk Dark Ale

Ein Bier, das ins Auge sticht – das Etikett in mit der gekrönten Karikatur eines wilden Stiers in lila ist in jedem Bierregal auffällig. Ich finde es erfrischend; die deutschen Bierhersteller hängen immer noch sehr an ihren goldgeprägten Wappenetiketten aus dem 15. Jahrhundert, und trauen sich, bis auf die jungen, frechen Craftbeer-Brauer, nicht wirklich, so eine witzige Idee umzusetzen.

Beim Strong Suffolk Dark Ale aus dem Hause Greene King handelt es sich aber auch beim Inhalt um etwas für deutsche Biergewohnheiten ungewöhnliches: Es ist ein Blend aus verschiedenen Ales. Während man bei Spirituosen das Blending zweier oder mehrerer Spirituosen schon immer betreibt, ist das bei Bier nicht allzu üblich – spannend ist es auf jeden Fall. Eines der geblendeten Ales ist laut Beschreibung ein malzig-dunkles, das andere wurde 2 Jahre im Eichenfass gelagert (noch so etwas, das der Pilstrinker noch nie gehört oder gesehen hat).

Greene King Strong Suffolk Dark Ale

Tatsächlich sind auch sowohl bei Geruch als auch Geschmack dann Aromen erkennbar, die ich normalerweise amerikanischem Whiskey zuschreiben würde. Eiche und Karamell, die zwei Grundgeschmäcker des Bourbon. Natürlich sind diese Aromen doch deutlich im Hintergrund.

Der Gesamtgeschmack ist entsprechend sehr würzig, fast schon deftig, und sehr aromatisch – wer auf feingeistige, zarte Biere steht, und sich das Bier trotz des Namens und des wilden Stieretiketts zugelegt hat, sollte drüber nachdenken, es ungeöffnet zu verschenken. Entsprechend dem Blend-Malzale kommt ein leicht malziger, aber prakisch nicht süßer Geschmack dazu.

Auffallend ist noch eine milde Fruchtsäure, die zusammen mit der Frische der feinen Perlage ein gewisses Durstlöscherpotenzial erzeugt, das der Anblick erstmal nicht vermuten lässt. Beim Abgang kommt dann der Stier wieder zum Vorschein: die sehr kräftige Bitterkeit bringt das Zäpfchen zum vibrieren.

Das Strong Suffolk Dark Ale geht in der Gesamtbetrachtung mehr in die Richtung eines sehr kräftigen Dunkelbiers, als die eines Porters oder Stouts. Es passt hervorragend zu starkaromatischem Essen, wie dem Steinpilzomelett mit Rucola-Salat, das ich mir dazu zubereitet habe. Beim sündhaften Preis von Steinpilzen fällt auch der hocharomatische Kaufpreis von knapp 3€ im Galeria Kaufhof nicht mehr auf.

Willkommen im Club – Havana Club Añejo 3 Años Rum

Zunächst – der Havana Club Añejo 3 Años ist nur im erweiterten Sinne ein weißer Rum, wie sein Name schon eigentlich klarstellt, obwohl er meistens wie ein Weißrum verwendet wird. Das erkennt man auch, wenn man ihn gegen das Licht hält: eine leichte, hellblonde Farbe deutet die 3 Jahre an, die er im Fass lag.

havana-clubDie Nase ist fruchtig, aber auch sehr dumpf, klar erkennbar sind die jungen Rumaromen nach Gras. Schön: praktisch kein Alkohol ist riechbar. Leider kann sich die durchaus ansprechende Fruchtigkeit nicht im Geschmack fortsetzen. Scharf, grasig, pfeffrig, zunächst nur mäßig süß, leichte Vanille; im äußerst kurzen Abgang dann setzt sich die Süße doch durch, und auch ein Hauch der Fruchtigkeit. Ebenso schnell, wie man ihn runterschluckt, ist der Mund wieder frei – kaum etwas bleibt zurück. Ein junger Kubaner, wie er im Buche steht, mit Ecken und Kanten.

Der vielleicht bekannteste Rum in Deutschland wird meiner Schätzung nach zu 95% als Mixrum verwendet, und das, so muss ich sagen, wohl zu recht. Die Aromen sind zwar nett, aber der Rum hat keinerlei Volumen oder Komplexität und ist als „Sipping“-Rum daher ungeeignet (wer sich dafür interessiert, werfe einen Blick auf den großen Bruder dieses Rums, der 7 Jahre gereift ist). Und nur von der angenehmen Milde kann man als Gourmet nicht leben. Dennoch steht auch bei mir immer eine Flasche im Regal, meist eher sogar mehrere, die meist keine lange Lebensdauer haben. Wer aber mal wissen will, wie richtig guter weißer Rum schmecken kann, probiere den Brugal Titanium oder den El Dorado 3 Years – das ist dann aber schon eine andere Welt und mehrere Dimensionen bessere Qualität.

Ich spare mir hier mein übliches Cocktailrezept, denn der Havana Club 3 passt überall, wo weißer Rum gefragt ist; in Longdrinks wie dem Cuba Libre ebenso wie in Cocktails wie einem einfachen Daiquiri. Ein Gebrauchsrum für den alltäglichen Einsatz, ohne großen Anspruch – aber auch ohne Allüren oder prätenziöses Getue und, ohne jede Frage, sicherlich um Klassen besser als die Discounterrums.

Die US-Amerikaner, die diesen Rum aufgrund des Embargos immer noch nicht kaufen können, schlecken sich aber die Finger nach ihm. So unterschiedlich kann die Wahrnehmung sein: Vielleicht würden wir in Deutschland diesen Rum auch anders sehen, wenn er nicht in jedem Supermarkt und an jeder Tankstelle erhältlich wäre. Eine unbegrenzte Erhältlichkeit hat auch ihre negativen Seiten.

Auf die russisch-amerikanische Freundschaft – Smirnoff Vodka

Vodka Cocktails will never teach you anything.

Ted Haigh schrieb das in seinem Buch über vergessene Cocktails. In der Tat – in einer Bar gibt es außer Mineralwasser wahrscheinlich keine langweiligere Zutat als Vodka. Geschmacksarm und meist in Cocktails verwendet, die Alkoholbums kriegen sollen, bei denen man den Alkohol aber nicht rausschmecken soll – gähn.

Für mich ist Smirnoff, eine amerikanische Marke, die ihren russischen Namen 1939 von einem alten russischen Hersteller kaufte, eine Marke der Wahl – woran es genau liegt, kann ich nicht wirklich erklären, vielleicht ist es einfach das, dass mich die Aufmachung der Marke am meisten anspricht, auch wenn das oberflächlich klingt – doch das passt wunderbar zu einem oberflächlichen Getränk, oder?

Smirnoff Vodka FlascheNun braucht aber der geneigte Cocktailmixer eben eine Flasche davon für diverse halbklassische Cocktails, und für einige moderne, neue Klassiker, wie den Cosmopolitan – bekannt geworden durch „Sex & The City“, und ein sehr angenehmes, frisches Getränk. Vodka und Cranberry sind aber auch neben diesem allgegenwärtigen Drink eine tolle Combo; in Longdrinkform mit viel Eis ist der Woo Woo ein toller Sommerdrink. Wer könnte außerdem schon einem Getränk mit einem so sinnlichen Namen widerstehen?

Woo Woo


Woo Woo
1½ oz Vodka (z.B. Smirnoff Red Label)
1½ oz Pfirsichlikör
3½ oz Cranberrysaft
[Rezept nach unbekannt]


Bei nicht-aromatisierten Vodkas ist es meiner Meinung nach relativ egal, welche Marke man nimmt. Absolut, Smirnoff, Russian Standard, Grey Goose… sie schmecken alle für den in Vodkaverkostung ungeübten Gaumen praktisch identisch, und zwar nach nichts außer Alkohol. Für Profis ist es wohl auch eher die Konsistenz, die wichtig ist.

Schön ist die Literflasche auf jeden Fall, mit eingelassenem Schriftzug an der Seite.

Smirnoff Flasche DetailsUnter diese Preiskategorie sollte man aber wirklich nicht gehen. Denn die Billigpräsidenten wie Jelzin, Gorbatschow und andere Supermarktvodkas schmecken dann halt doch nach etwas – nach grausigen Fuselstoffen, Schmieröl und Scheibenklar. Da lobe ich mir dann doch das angenehme Nichtssagen des Smirnoff.

Nachtrag: Nachdem ich diese Rezension von Amazon hierher übertragen habe, fällt mir auf, wie arrogant das ganze gegenüber einer Spirituose geschrieben ist, vor allem, da ich mich ehrlicherweise noch kaum mit Vodka beschäftigt habe und als Schnapsblogger etwas offener sein sollte. Zum Ausgleich steht nun eine frische Flasche Grasovka Bison Vodka in meinem Regal, um neben den westlichen, hauptsächlich auf Non-Geschmack ausgerichteten Weizenvodkas auch mal einem polnischen Roggenvodka eine Chance zu geben. Vielleicht werde ich dann, wie schon so oft, noch eines besseren belehrt!

Ananaswein selbstgemacht – Mexikanisches Tepache

Der Auslöser für diesen Versuch war, wiedereinmal, ein Cocktailrezept. Die frischerworbene Flasche Olmeca Altos Tequila Plata wollte ich für einen besonderen Cocktail einsetzen, und dann stolperte ich über eine Zutat: Tepache. Nach kurzer Recherche war klar: Das ist mexikanisches, hausgebrauter, leicht fermentierter Ananasbierwein.

tepache-ananasSo eine appetitliche Idee konnte ich nicht auf mir sitzen lassen, und habe mir diverse Rezepte online dafür angeschaut. Gar nicht so schwer, und so präsentiere ich heute meinen ersten Versuch, Tepache selbst herzustellen.

Was braucht man dazu? Eine Ananas, Zucker, ein paar Gewürze, einen großen Topf, eine Flasche Bier. Und etwas Geduld.

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Tepache
1 schöne reife Ananas

500g brauner Zucker (das Originalrezept verlangt nach piloncillo)
1 Zimtstange
1 Stück Sternanis
5 Nelken
4 Liter Wasser


Wir bringen das Wasser in einem großen Topf, in dem zusätzlich zum Wasser noch genug Platz für ein Pfund Zucker und die Ananas später ist, zum Kochen, und lösen den Zucker darin auf. Die Zimstange, den Sternanis, die Nelken werfe man einfach dazu. Wenn das Gebräu kocht, die Temperatur herabsetzen und etwa 10 Minuten vor sich hin köcheln lassen.

tepache-addingsugarWährend dieser Wartezeit kann man die Ananas reinigen und in kleine, ca. 2x2cm große Stücke schneiden – inklusive Schale; diese ist wichtig, weil sie die Hefe liefert, um die Fermentation in Gang zu bringen.

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Die gewürfelte Ananas und den ausgetretenen Saft geben wir nun vorsichtig in den Topf mit dem Zucker-Gewürz-Sud. Aufpassen, dass die heiße Brühe nicht herumspritzt. Ich hoffe, Sie haben sich an meinen Rat gehalten, und genug Platz im Topf für die Ananasstücke freigelassen!

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Nun nehmen wir den Topf vom Herd und decken ihn ab. 2 Tage lassen wir ihn an einem warmen Ort stehen und warten darauf, dass die Fermentation beginnt, also dass die Hefe aus der Schale der Ananas den Frucht- und Rohrzucker in Alkohol und CO₂ umsetzt.

Tepache, nach dem KochenNach zwei Tagen tat sich nun immer noch nichts; wahrscheinlich liegt es am Klima – Saarbrücken ist halt nicht Mexiko. Um den Fermentationsprozess anzustarten, habe ich daher dann ein halbes Päckchen Backhefe in den Sud gebröselt und einmal gut umgerührt. Und tatsächlich, am nächsten Tag…

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Da zischt und blubbert es, dass es eine wahre Freude ist. Man nimmt allerdings nun auch den Geruch der Hefe etwas wahr; vielleicht würde ein Viertelpäckchen auch ausreichen. In Mexiko gibt es scheinbar auch den Brauch, noch eine Flasche Bier in den Sud zu kippen. Außer einer Verstärkung des Alkoholgehalts und einer Geschmacksänderung bringt das aber wohl nichts, was den Fermentationsprozess angeht, außer, man benutzt dafür ein Bier, das in Flaschengärung mit noch lebenden Hefen erzeugt ist. Ein normales Bier hat keine lebenden Hefen mehr, die fermentieren könnten. Da ich die Hefe so zugegeben habe, lasse ich das Bier erstmal weg (es hat später noch einen Gastauftritt).

tepache-filteringNachdem es inklusive Hefezugabe nun nochmal 12 Stunden gestanden ist, folgt das Abgießen. Bei einem so großen Topf ist das gar nicht so einfach; ein großes Küchensieb dient erstmal dazu, die Ananasstücke herauszuholen. Um nichts vom göttlichen Aztekengebräu zu verlieren, werden diese Stücke schön ausgequetscht. Schließlich filtrieren wird die Ananassuppe noch durch einen Filter, um die Schwebestoffe loszuwerden – ein Passiertuch täte gute Dienste dafür, denn mit Kaffeefiltern dauert es ewig. Ich habe schließlich auf eine doppelte Lage Papierhandtücher umgestellt, und dafür  dann zweimal filtriert.

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Wohl wegen der Hefe ist die Flüssigkeit ziemlich undurchsichtig und sieht nicht wirklich appetitlich aus – doch der Geruch, eine herrliche Mischung aus Zimt, Ananas und einem leichten Hefebier-Geruch ist schonmal sehr ansprechend. Nach dem zweiten Filtern ist das ganze noch deutlicher; die Hefe kommt nicht durch den Filterprozess, und so bleibt nur das wunderbare Fruchtaroma zurück.

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Nach dem Filtern kommt nun doch noch das Bier zum Einsatz – als Aromengeber, denn das reine Tepache war mir etwas zu mild. Ein herbes, hopfiges Bier, wie die Hopfenperle der saarbrücker Brauerei Bruch, kommt mir ideal geeignet vor. 330ml setze ich zu.

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Schließlich die Abfüllung. Ich habe 1,25l fassende Cola-PET-Flaschen gut ausgespült, und mittels Schöpfkelle und Trichter das Tepache in die Flaschen abgefüllt. Verschlossen, und in den Kühlschrank damit. Vorsicht – ähnlich wie Federweißer gärt auch dieses Getränk weiter vor sich hin und erzeugt Gas; wer die Flaschenexplosion vermeiden will, schraubt die Flasche nicht fest zu.

Ein Glas im Vorab konnte ich mir nicht verkneifen – in dieser Form sieht es nicht nur sehr schön aus, sondern schmeckt auch hervorragend. Es erinnert mich etwas an leicht vergorenen Apfelmost oder Federweißer, nur halt mit Ananas- und Zimtaroma. Eine leichte Säure, eine gewisse Bitterkeit und die Süßwürzigkeit kombinieren sich hervorragend.

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Ein erfolgreiches Experiment, das ich sicher irgendwann wiederholen werden. Nun steht allerdings der härteste Test noch an: Die Verkostungsprobe mit den Kollegen. Ich bin gespannt.

Nachtrag 1: Tatsächlich, und das habe ich erst beim Verkosten in der Diskussion mit den Leuten wirklich gemerkt, handelt es sich beim Tepache um Ananaswein, nicht –bier, da hier Zucker direkt vergoren wird und nicht erst Stärke in Zucker gewandelt wird. Der Zucker im Tepache ist einerseits Rohrzucker, andererseits Fruchtzucker aus der Ananas – also kein aus Stärke gewonnener Zucker, eine der Voraussetzungen für die Verwendung des Worts „Bier“.

Nachtrag 2: Tepache kam bei meinen Kollegen sehr gut an – bis auf eine Ausnahme haben alle das Aroma gelobt. Am Verkostungstermin hat das Tepache ein Aroma erreicht, das äußerst stark an Federweißer erinnert, die Ananas war stark zurückgenommen.

Nachtrag 3: Auch sehr lecker – als Zusatz in ein Bier. Hefeweizen im Verhältnis 2:1 mit Tepache vermischen – ein sehr süffiger Genuss.

Meine Verbesserungsvorschläge für die Zukunft: Statt Backhefe werde ich Champagner- oder andere Brauhefe verwenden, um die Trübung und den Hefegeschmack zu reduzieren. Und ich werde durch ein Passiertuch filtern.