Wie ein wilder Stier – Greene King Strong Suffolk Dark Ale

Ein Bier, das ins Auge sticht – das Etikett in mit der gekrönten Karikatur eines wilden Stiers in lila ist in jedem Bierregal auffällig. Ich finde es erfrischend; die deutschen Bierhersteller hängen immer noch sehr an ihren goldgeprägten Wappenetiketten aus dem 15. Jahrhundert, und trauen sich, bis auf die jungen, frechen Craftbeer-Brauer, nicht wirklich, so eine witzige Idee umzusetzen.

Beim Strong Suffolk Dark Ale aus dem Hause Greene King handelt es sich aber auch beim Inhalt um etwas für deutsche Biergewohnheiten ungewöhnliches: Es ist ein Blend aus verschiedenen Ales. Während man bei Spirituosen das Blending zweier oder mehrerer Spirituosen schon immer betreibt, ist das bei Bier nicht allzu üblich – spannend ist es auf jeden Fall. Eines der geblendeten Ales ist laut Beschreibung ein malzig-dunkles, das andere wurde 2 Jahre im Eichenfass gelagert (noch so etwas, das der Pilstrinker noch nie gehört oder gesehen hat).

Greene King Strong Suffolk Dark Ale

Tatsächlich sind auch sowohl bei Geruch als auch Geschmack dann Aromen erkennbar, die ich normalerweise amerikanischem Whiskey zuschreiben würde. Eiche und Karamell, die zwei Grundgeschmäcker des Bourbon. Natürlich sind diese Aromen doch deutlich im Hintergrund.

Der Gesamtgeschmack ist entsprechend sehr würzig, fast schon deftig, und sehr aromatisch – wer auf feingeistige, zarte Biere steht, und sich das Bier trotz des Namens und des wilden Stieretiketts zugelegt hat, sollte drüber nachdenken, es ungeöffnet zu verschenken. Entsprechend dem Blend-Malzale kommt ein leicht malziger, aber prakisch nicht süßer Geschmack dazu.

Auffallend ist noch eine milde Fruchtsäure, die zusammen mit der Frische der feinen Perlage ein gewisses Durstlöscherpotenzial erzeugt, das der Anblick erstmal nicht vermuten lässt. Beim Abgang kommt dann der Stier wieder zum Vorschein: die sehr kräftige Bitterkeit bringt das Zäpfchen zum vibrieren.

Das Strong Suffolk Dark Ale geht in der Gesamtbetrachtung mehr in die Richtung eines sehr kräftigen Dunkelbiers, als die eines Porters oder Stouts. Es passt hervorragend zu starkaromatischem Essen, wie dem Steinpilzomelett mit Rucola-Salat, das ich mir dazu zubereitet habe. Beim sündhaften Preis von Steinpilzen fällt auch der hocharomatische Kaufpreis von knapp 3€ im Galeria Kaufhof nicht mehr auf.

Willkommen im Club – Havana Club Añejo 3 Años Rum

Zunächst – der Havana Club Añejo 3 Años ist nur im erweiterten Sinne ein weißer Rum, wie sein Name schon eigentlich klarstellt, obwohl er meistens wie ein Weißrum verwendet wird. Das erkennt man auch, wenn man ihn gegen das Licht hält: eine leichte, hellblonde Farbe deutet die 3 Jahre an, die er im Fass lag.

havana-clubDie Nase ist fruchtig, aber auch sehr dumpf, klar erkennbar sind die jungen Rumaromen nach Gras. Schön: praktisch kein Alkohol ist riechbar. Leider kann sich die durchaus ansprechende Fruchtigkeit nicht im Geschmack fortsetzen. Scharf, grasig, pfeffrig, zunächst nur mäßig süß, leichte Vanille; im äußerst kurzen Abgang dann setzt sich die Süße doch durch, und auch ein Hauch der Fruchtigkeit. Ebenso schnell, wie man ihn runterschluckt, ist der Mund wieder frei – kaum etwas bleibt zurück. Ein junger Kubaner, wie er im Buche steht, mit Ecken und Kanten.

Der vielleicht bekannteste Rum in Deutschland wird meiner Schätzung nach zu 95% als Mixrum verwendet, und das, so muss ich sagen, wohl zu recht. Die Aromen sind zwar nett, aber der Rum hat keinerlei Volumen oder Komplexität und ist als „Sipping“-Rum daher ungeeignet (wer sich dafür interessiert, werfe einen Blick auf den großen Bruder dieses Rums, der 7 Jahre gereift ist). Und nur von der angenehmen Milde kann man als Gourmet nicht leben. Dennoch steht auch bei mir immer eine Flasche im Regal, meist eher sogar mehrere, die meist keine lange Lebensdauer haben. Wer aber mal wissen will, wie richtig guter weißer Rum schmecken kann, probiere den Brugal Titanium oder den El Dorado 3 Years – das ist dann aber schon eine andere Welt und mehrere Dimensionen bessere Qualität.

Ich spare mir hier mein übliches Cocktailrezept, denn der Havana Club 3 passt überall, wo weißer Rum gefragt ist; in Longdrinks wie dem Cuba Libre ebenso wie in Cocktails wie einem einfachen Daiquiri. Ein Gebrauchsrum für den alltäglichen Einsatz, ohne großen Anspruch – aber auch ohne Allüren oder prätenziöses Getue und, ohne jede Frage, sicherlich um Klassen besser als die Discounterrums.

Die US-Amerikaner, die diesen Rum aufgrund des Embargos immer noch nicht kaufen können, schlecken sich aber die Finger nach ihm. So unterschiedlich kann die Wahrnehmung sein: Vielleicht würden wir in Deutschland diesen Rum auch anders sehen, wenn er nicht in jedem Supermarkt und an jeder Tankstelle erhältlich wäre. Eine unbegrenzte Erhältlichkeit hat auch ihre negativen Seiten.

Auf die russisch-amerikanische Freundschaft – Smirnoff Vodka

Vodka Cocktails will never teach you anything.

Ted Haigh schrieb das in seinem Buch über vergessene Cocktails. In der Tat – in einer Bar gibt es außer Mineralwasser wahrscheinlich keine langweiligere Zutat als Vodka. Geschmacksarm und meist in Cocktails verwendet, die Alkoholbums kriegen sollen, bei denen man den Alkohol aber nicht rausschmecken soll – gähn.

Für mich ist Smirnoff, eine amerikanische Marke, die ihren russischen Namen 1939 von einem alten russischen Hersteller kaufte, eine Marke der Wahl – woran es genau liegt, kann ich nicht wirklich erklären, vielleicht ist es einfach das, dass mich die Aufmachung der Marke am meisten anspricht, auch wenn das oberflächlich klingt – doch das passt wunderbar zu einem oberflächlichen Getränk, oder?

Smirnoff Vodka FlascheNun braucht aber der geneigte Cocktailmixer eben eine Flasche davon für diverse halbklassische Cocktails, und für einige moderne, neue Klassiker, wie den Cosmopolitan – bekannt geworden durch „Sex & The City“, und ein sehr angenehmes, frisches Getränk. Vodka und Cranberry sind aber auch neben diesem allgegenwärtigen Drink eine tolle Combo; in Longdrinkform mit viel Eis ist der Woo Woo ein toller Sommerdrink. Wer könnte außerdem schon einem Getränk mit einem so sinnlichen Namen widerstehen?

Woo Woo


Woo Woo
1½ oz Vodka (z.B. Smirnoff Red Label)
1½ oz Pfirsichlikör
3½ oz Cranberrysaft
[Rezept nach unbekannt]


Bei nicht-aromatisierten Vodkas ist es meiner Meinung nach relativ egal, welche Marke man nimmt. Absolut, Smirnoff, Russian Standard, Grey Goose… sie schmecken alle für den in Vodkaverkostung ungeübten Gaumen praktisch identisch, und zwar nach nichts außer Alkohol. Für Profis ist es wohl auch eher die Konsistenz, die wichtig ist.

Schön ist die Literflasche auf jeden Fall, mit eingelassenem Schriftzug an der Seite.

Smirnoff Flasche DetailsUnter diese Preiskategorie sollte man aber wirklich nicht gehen. Denn die Billigpräsidenten wie Jelzin, Gorbatschow und andere Supermarktvodkas schmecken dann halt doch nach etwas – nach grausigen Fuselstoffen, Schmieröl und Scheibenklar. Da lobe ich mir dann doch das angenehme Nichtssagen des Smirnoff.

Nachtrag: Nachdem ich diese Rezension von Amazon hierher übertragen habe, fällt mir auf, wie arrogant das ganze gegenüber einer Spirituose geschrieben ist, vor allem, da ich mich ehrlicherweise noch kaum mit Vodka beschäftigt habe und als Schnapsblogger etwas offener sein sollte. Zum Ausgleich steht nun eine frische Flasche Grasovka Bison Vodka in meinem Regal, um neben den westlichen, hauptsächlich auf Non-Geschmack ausgerichteten Weizenvodkas auch mal einem polnischen Roggenvodka eine Chance zu geben. Vielleicht werde ich dann, wie schon so oft, noch eines besseren belehrt!

Ananaswein selbstgemacht – Mexikanisches Tepache

Der Auslöser für diesen Versuch war, wiedereinmal, ein Cocktailrezept. Die frischerworbene Flasche Olmeca Altos Tequila Plata wollte ich für einen besonderen Cocktail einsetzen, und dann stolperte ich über eine Zutat: Tepache. Nach kurzer Recherche war klar: Das ist mexikanisches, hausgebrauter, leicht fermentierter Ananasbierwein.

tepache-ananasSo eine appetitliche Idee konnte ich nicht auf mir sitzen lassen, und habe mir diverse Rezepte online dafür angeschaut. Gar nicht so schwer, und so präsentiere ich heute meinen ersten Versuch, Tepache selbst herzustellen.

Was braucht man dazu? Eine Ananas, Zucker, ein paar Gewürze, einen großen Topf, eine Flasche Bier. Und etwas Geduld.

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Tepache
1 schöne reife Ananas

500g brauner Zucker (das Originalrezept verlangt nach piloncillo)
1 Zimtstange
1 Stück Sternanis
5 Nelken
4 Liter Wasser


Wir bringen das Wasser in einem großen Topf, in dem zusätzlich zum Wasser noch genug Platz für ein Pfund Zucker und die Ananas später ist, zum Kochen, und lösen den Zucker darin auf. Die Zimstange, den Sternanis, die Nelken werfe man einfach dazu. Wenn das Gebräu kocht, die Temperatur herabsetzen und etwa 10 Minuten vor sich hin köcheln lassen.

tepache-addingsugarWährend dieser Wartezeit kann man die Ananas reinigen und in kleine, ca. 2x2cm große Stücke schneiden – inklusive Schale; diese ist wichtig, weil sie die Hefe liefert, um die Fermentation in Gang zu bringen.

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Die gewürfelte Ananas und den ausgetretenen Saft geben wir nun vorsichtig in den Topf mit dem Zucker-Gewürz-Sud. Aufpassen, dass die heiße Brühe nicht herumspritzt. Ich hoffe, Sie haben sich an meinen Rat gehalten, und genug Platz im Topf für die Ananasstücke freigelassen!

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Nun nehmen wir den Topf vom Herd und decken ihn ab. 2 Tage lassen wir ihn an einem warmen Ort stehen und warten darauf, dass die Fermentation beginnt, also dass die Hefe aus der Schale der Ananas den Frucht- und Rohrzucker in Alkohol und CO₂ umsetzt.

Tepache, nach dem KochenNach zwei Tagen tat sich nun immer noch nichts; wahrscheinlich liegt es am Klima – Saarbrücken ist halt nicht Mexiko. Um den Fermentationsprozess anzustarten, habe ich daher dann ein halbes Päckchen Backhefe in den Sud gebröselt und einmal gut umgerührt. Und tatsächlich, am nächsten Tag…

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Da zischt und blubbert es, dass es eine wahre Freude ist. Man nimmt allerdings nun auch den Geruch der Hefe etwas wahr; vielleicht würde ein Viertelpäckchen auch ausreichen. In Mexiko gibt es scheinbar auch den Brauch, noch eine Flasche Bier in den Sud zu kippen. Außer einer Verstärkung des Alkoholgehalts und einer Geschmacksänderung bringt das aber wohl nichts, was den Fermentationsprozess angeht, außer, man benutzt dafür ein Bier, das in Flaschengärung mit noch lebenden Hefen erzeugt ist. Ein normales Bier hat keine lebenden Hefen mehr, die fermentieren könnten. Da ich die Hefe so zugegeben habe, lasse ich das Bier erstmal weg (es hat später noch einen Gastauftritt).

tepache-filteringNachdem es inklusive Hefezugabe nun nochmal 12 Stunden gestanden ist, folgt das Abgießen. Bei einem so großen Topf ist das gar nicht so einfach; ein großes Küchensieb dient erstmal dazu, die Ananasstücke herauszuholen. Um nichts vom göttlichen Aztekengebräu zu verlieren, werden diese Stücke schön ausgequetscht. Schließlich filtrieren wird die Ananassuppe noch durch einen Filter, um die Schwebestoffe loszuwerden – ein Passiertuch täte gute Dienste dafür, denn mit Kaffeefiltern dauert es ewig. Ich habe schließlich auf eine doppelte Lage Papierhandtücher umgestellt, und dafür  dann zweimal filtriert.

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Wohl wegen der Hefe ist die Flüssigkeit ziemlich undurchsichtig und sieht nicht wirklich appetitlich aus – doch der Geruch, eine herrliche Mischung aus Zimt, Ananas und einem leichten Hefebier-Geruch ist schonmal sehr ansprechend. Nach dem zweiten Filtern ist das ganze noch deutlicher; die Hefe kommt nicht durch den Filterprozess, und so bleibt nur das wunderbare Fruchtaroma zurück.

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Nach dem Filtern kommt nun doch noch das Bier zum Einsatz – als Aromengeber, denn das reine Tepache war mir etwas zu mild. Ein herbes, hopfiges Bier, wie die Hopfenperle der saarbrücker Brauerei Bruch, kommt mir ideal geeignet vor. 330ml setze ich zu.

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Schließlich die Abfüllung. Ich habe 1,25l fassende Cola-PET-Flaschen gut ausgespült, und mittels Schöpfkelle und Trichter das Tepache in die Flaschen abgefüllt. Verschlossen, und in den Kühlschrank damit. Vorsicht – ähnlich wie Federweißer gärt auch dieses Getränk weiter vor sich hin und erzeugt Gas; wer die Flaschenexplosion vermeiden will, schraubt die Flasche nicht fest zu.

Ein Glas im Vorab konnte ich mir nicht verkneifen – in dieser Form sieht es nicht nur sehr schön aus, sondern schmeckt auch hervorragend. Es erinnert mich etwas an leicht vergorenen Apfelmost oder Federweißer, nur halt mit Ananas- und Zimtaroma. Eine leichte Säure, eine gewisse Bitterkeit und die Süßwürzigkeit kombinieren sich hervorragend.

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Ein erfolgreiches Experiment, das ich sicher irgendwann wiederholen werden. Nun steht allerdings der härteste Test noch an: Die Verkostungsprobe mit den Kollegen. Ich bin gespannt.

Nachtrag 1: Tatsächlich, und das habe ich erst beim Verkosten in der Diskussion mit den Leuten wirklich gemerkt, handelt es sich beim Tepache um Ananaswein, nicht –bier, da hier Zucker direkt vergoren wird und nicht erst Stärke in Zucker gewandelt wird. Der Zucker im Tepache ist einerseits Rohrzucker, andererseits Fruchtzucker aus der Ananas – also kein aus Stärke gewonnener Zucker, eine der Voraussetzungen für die Verwendung des Worts „Bier“.

Nachtrag 2: Tepache kam bei meinen Kollegen sehr gut an – bis auf eine Ausnahme haben alle das Aroma gelobt. Am Verkostungstermin hat das Tepache ein Aroma erreicht, das äußerst stark an Federweißer erinnert, die Ananas war stark zurückgenommen.

Nachtrag 3: Auch sehr lecker – als Zusatz in ein Bier. Hefeweizen im Verhältnis 2:1 mit Tepache vermischen – ein sehr süffiger Genuss.

Meine Verbesserungsvorschläge für die Zukunft: Statt Backhefe werde ich Champagner- oder andere Brauhefe verwenden, um die Trübung und den Hefegeschmack zu reduzieren. Und ich werde durch ein Passiertuch filtern.

Saugkraftverstärker gesucht – Montecristo Open Junior

Kubanische Zigarren haben einen fast schon mythischen Ruf, sie gelten als die besten der Welt. Früher war das wahrscheinlich so, in modernen Zeiten haben andere Länder, insbesondere Nicaragua und die Dominikanische Republik, deutlich aufgeholt, und in manchen Bereichen Kuba vielleicht schon überholt. Das US-Embargo auf kubanische Produkte sorgt dafür, dass der riesige US-Markt bedient werden muss, und die Amerikaner sind nicht weniger anspruchsvoll als die Europäer, wenn es um einen guten „smoke“ geht – da wird entsprechend in Alternativen investiert.

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Der heutige „smoke“ ist aber nun doch ein moderner Vertreter aus einem der beliebtesten kubanischen Zigarrenhäuser, eine Montecristo Open Junior, erhältlich im Einzeltubo. Schon sehr schnell nach dem Anzünden fallen mir erstmal die Negativpunkte auf. Sehr fester Zugwiderstand, der auch mit abnehmender Länge nicht abnimmt – die Zigarre ist zu fest gestopft, gerade am Mundstück. Tatsächlich scheint Montecristo ein Problem mit der Herstellung zu haben; in einigen Onlineforen habe ich die Beschwerde gelesen, dass sie zu fest oder zu lose gerollt ist, während andere die perfekte Dichte loben. Das ist halt die Schwierigkeit bei Zigarren, die „hecho a mano“, handgerollt, sind – eine gleichbleibende Qualität ist schwierig einzuhalten. Durch Tasten findet man die Unregelmäßigkeiten; in der Mitte ist mein Exemplar weicher als am Anfang und am Ende.

Ein ähnliches Symptom ist schiefer Abbrand. Leider brennt die Open Junior nicht gerade ab, wie man es von guten Zigarren erwartet.

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Und wenn wir schon dabei sind, zu meckern: Die Zigarre bringt, vielleicht wegen der strengen Stopfung, nur ein sehr geringes, klar unbefriedigendes Rauchvolumen hervor. Die Asche ist dann sehr locker und lose – fällt ab und auf die Hose. Dazu ist sie mir ein mal beim Rauchen ausgegangen.

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Nun aber genug der Kritik. Die kleine Montecristo im Trabuco-Format hat auch etwas zu ihrer Verteidigung aufzubringen, denn optisch ist sie sehr ansprechend, weist ein wunderbar glattes, feinadriges Deckblatt auf, sowie einen angenehmen Kaltgeruch.

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Der Geschmack ist fein, hocharomatisch, würzig und dabei trotzdem sehr mild, hat kaum unerwünschte Teer- oder Störnoten. Das geringe Rauchvolumen lässt leider nur einen dünneren Geschmack zu, als es möglich wäre; ich glaube, ein weniger dicht gerolltes Exemplar würde mich zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Der hervorragende Geschmack wird komplettiert durch praktisch keine Schärfe oder Pfeffrigkeit, selbst nicht im letzten Drittel, in dem andere milde Zigarren gern mal ein bisschen Power zulegen. Etwas über eine halbe Stunde Vergnügen bietet sie.

Der Tubo ist stabil, und hat als besonderes Schmankerl ein innenliegendes Zedernholzblatt, das wohl dem Aroma- und Feuchtigkeitsschutz dient. Ein sehr nettes Detail, ebenso wie die doppelte Banderole.

Für den Preis von über 7€ gibt es allerdings in der Gesamtbetrachtung klar bessere Zigarren was die Raucheigenschaften angeht. Eventuell ist es, wie eingangs angesprochen, auch nur mein Exemplar – gerne werde ich der Montecristo Open Junior noch eine zweite Chance geben, denn der Geschmack überzeugt mich schon.

Ein Apfel am Tag – Bulmers Original Cider

In den Irish Pubs meiner Studentenzeit gab es zwei Typen von Trinkern. Die einen, die sich das malzig-süße Guinness runterstürzten, und die, die mit dieser Art Bier nichts anfangen konnten, aber trotzdem ein bisschen Suff gebrauchen konnten. Letztere, zu denen ich meist gehörte, wandten sich oft dem irischen Apfelschaumwein, genannt Cider, zu. Abgesehen vom schlimmen Sodbrennen am nächsten Tag, wenn man mal eineinhalb Liter davon weggezogen hat, empfand ich das Getränk als sehr verträglich und weniger katerig als Bier.

bulmers-bottleBei uns im Saarland ist man mehr frankophil veranlagt, der französische Cidre aus der Normandie ist daher vielen vielleicht eher ein Begriff, aber mit der britischen Variante natürlich eng verwandt. Auch der saarländische Viez gehört in diese Gruppe von leicht fermentierten Apfelgetränken mit oder ohne Kohlensäure.

Allen diesen Getränken, auch denen aus meiner Erinnerung, hat der Bulmers Original Cider eins voraus: Er ist sehr angenehm mild. Zurückhaltende, nur leicht schmeckbare Säure, zusammen mit der feinen, wirksamen Perlage, ergibt ein süßes, aber nicht übersüßes, Mundgefühl, das trotzdem üppig nach Apfel schmeckt. Die Schaumkrone direkt nach dem Eingießen ist fett, und bleibt überraschend lange erhalten. Über die herrliche Farbe lasse ich mich nicht aus, da sie durch Farbstoffe (unter anderem das etwas problematische Cochenillerot A) entsteht.

bulmers-glasGut gekühlt ist der Bulmers Original Cider ein wunderbarer Begleiter zum Essen, oder erfrischt als Sommergetränk ganz hervorragend – wenn man auf die viereinhalb Volumenprozent Alkohol achtet, die man praktisch überhaupt nicht herausschmeckt. Bulmers stellt auch noch eine Reihe von anderen Cider-Getränken her, vom Birnencider bis hin zum Blutorangencider. Das eine oder andere davon werde ich mir bestimmt noch mal in den Kühlschrank legen, für die ganz heißen Tage… oder Nächte.

Wer braucht schon Limette und Salz – Agavita Platinum Tequila Blanco

Tequila, Limette und Salz – ein Ritual, das viele aus Jugendzeiten und Saufgelagen kennen. Letztlich dient es nur dazu, den Fuselgeschmack billigsten Schrott-Mixto-Tequilas (wie dem mit dem Hut) zu überdecken. Das braucht man beim Agavita Platinum Tequila Blanco nun wirklich nicht, im Gegenteil.

Beginnen wir außen: Die Flasche selbst ist sehr formschön, wuchtig, mit einem elegant zurückhaltenden Etikett ohne Firlefanz. Kaum zieht man den Plastikkorken ab, strömt einem auch schon der typische Tequiladuft entgegen – ich verwende bei Tequila tatsächlich das Wort „Duft“, denn im Gegensatz zu den meisten anderen Spirituosen ist der Geruch des Tequila, fein, ätherisch, floral, edel; mehr ein Parfüm denn ein vulgärer Geruch.

agavitaplatinum-borderDer Agavita Platinum Tequila Blanco ist ein 100%-Agave-Brand, das riecht man direkt. Wie es für weiße, ungereifte Weber-Agavenschnäpse üblich ist, sind fruchtige, süße, leicht mineralische und manchmal metallische Aromen im Vordergrund. Keinerlei Alkoholdunst schwillt auf.

Da Tequila im Gegensatz zu Rum, Whisky oder Vodka aus den lebenden Fruchtteilen einer Pflanze hergestellt wird, zeigt sich die Fruchtnote auch bei guten Tequilas: Der Platinum ist keine Ausnahme. Extrem süß liegt er ölig auf der Zunge, fruchtig, nach grünen Pflanzen schmeckend, etwas mineralisch, mit Gewürznoten nach Nelken und einem Hauch Pfeffer. Sehr voluminös füllt er den Mundraum gut aus, und bringt nur ein leichtes Alkoholbrennen im Abgang mit sich. Eine feine, zarte Spirituose, und ganz gewiss etwas für die Süßmäuler unter uns.

Für rund 17€ gibt es den Agavita Platinum im Metro-Großmarkt; sehr selten habe ich ihn in Online-Shops gefunden. Wenn Sie also jemand mit Zugangskarte für die Metro kennen, denken Sie daran, sich beim nächsten Einkauf eine Flasche mitbringen zu lassen. In normalen Supermärkten findet man oft den „kleinen Bruder“ dieses Tequilas, den Agavita Blanco, mit der Hornisse auf dem Etikett und in anderer Flaschenform. Im Gegensatz zum Platinum ist der Hornissen-Agavita ein Mixto, also nicht aus 100% Agavenzucker fermentiert.

Die besondere Süße des Agavita Platinum ist in Cocktails ein gern gesehener Gast; ganz im Gegensatz zu seinem brutalen Namen nutzt der Charo’s Kick noch weitere süße Zutaten, um einen Gaumenschmeichler mit Dessertpotenzial zu zaubern.

Charo's Kick


Charo’s Kick
1½ oz Agavita Platinum
½ oz Mezcal (z.B. San Cosme)
¾ oz Zitronensaft
¾ oz Orgeat (oder Mandelsirup)
2 Barlöffel Crème de Menthe (z.B. Olando Pfefferminz)


Wer die Chance hat, diesen wunderbaren Einstiegstequila auszuprobieren, sollte dies tun: Ein würdiger Vertreter seiner Gattung, mit einem sensationellen Preisleistungsverhältnis, da Tequila in Deutschland leider immer noch völlig überteuert verkauft wird.

10 Flaschen Bier an der Wand – Die Hausbar, Kapitel 1: Die hochgeistige Grundausstattung

In dieser Reihe von Artikeln möchte ich angehende Heimmixologen dabei beraten, wie man sich effektiv eine kleine, aber feine Hausbar einrichtet. Im ersten Teil geht es um die Grundspirituosen, die man braucht, um vernünftige erste Schritte zu tun.

Der erste Einkauf wird den Geldbeutel recht stark belasten, denn schon für simple Cocktails benötigt man mehrere Zutaten. Ist aber der erste Schritt mal getan, kann man je nach persönlicher Präferenz die Bar in kleineren Schüben immer weiter ausbauen – tendiert man mehr zu klassischen Cocktails, wird die Whiskey- und Tequila-Schiene wohl immer größer; bei Tiki-Cocktails die Rum-Schublade; bei modernen Drinks das Vodka-Regal. Für die meisten Gruppen habe ich noch Ergänzungen angeboten, falls es neben dem Basissortiment auch eine feinere, besondere Variante sein soll.

Letztlich ist zur Vorsicht geraten: Schnell kann so eine Hausbar zum Kaufrausch verleiten, und die aus einer Laune heraus gekauften Spirituosen im Regal ein tristes Dasein fristen, weil der fünfte Bourbon oder siebte Rum dann eben kaum zum Einsatz kommt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es manchmal extrem schwierig ist, der Versuchung von Sonderangeboten zu widerstehen – daher empfehle ich nur, sich eine Wunschliste anzulegen, und das neue Objekt der Begierde erstmal auf die Liste zu legen und ein bisschen „reifen“ zu lassen. Hin und wieder verschwindet der Kaufdrang dann mit der Zeit.

Wo kauft man am besten Spirituosen? Für diese erste Einkaufsliste ist der Gang in den Supermarkt ausreichend – das meiste davon wird man ohne Schwierigkeiten finden. Wer sich dann später ausweiten will, ist bei Online-Shops deutlich besser beraten; gerade Spezialitäten sind dort klar billiger, trotz der Versandkosten. Manche Schnäpse findet man eh überhaupt nur dort. Sammelbestellungen helfen, die Versandkosten zu reduzieren.

Rum

Obwohl meine Zuneigung zu Rum einen Dämpfer erfahren hat, gehört Rum in jede Hausbar. Gerade für Anfänger ist Rum eine dankbare Spirituose – daher gibt es auch  Empfehlungen für die unterschiedlichen Sorten.

havana-club-smallWeißer Rum, spanisch blanco, wird selten pur getrunken. Er ist hauptsächlich der Mixer für klassische Longdrinks und Cocktails. Eine Flasche Havana Club Añejo 3 Años darf in keiner Hausbar fehlen, auch wenn es eigentlich kein blanco ist – er wird zumindest wie einer verwendet.

oldpascas-smallDunklen, gealterten Rum bekommt man in vielen Abstufungen, vom (für Rumverhältnisse) leicht gealterten Vierjährigen bis zum extragealterten Zwölfjährigen. Für die ersten Schritte tut es ein Old Pascas Ron Negro, der ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis bietet.

Ergänzung: Obwohl ich die heimlich gesüßten Rums nicht wirklich weiterempfehlen will, für den tiefen, süßen Zuckerkick gibt es kaum einen geeigneteren Süßrum als den Botucal Reserva Exclusiva. Das ist was zum Lutschen und zum Mixen für die süßeren Cocktails.

Ergänzung: Damit man aber auch für die Purtrinker und Kenner, die vielleicht als Gast aufschlagen, was zu bieten hat, stelle man sich eine Flasche Appleton Estate Extra 12 ins Regal. Für Cocktails, die nach Jamaica-Rum verlangen, ist er ebenso das Nonplusultra.

Whiskey

Für eine Heimbar, die sich hauptsächlich an Cocktails orientiert, lassen wir einfach den kompletten Bereich des nicht-amerikanischen Whisk(e)ys aus – Scotch, japanischer, kanadischer und irischer Whisk(e)y sind dann später gern gesehene Gäste.

bulleitbourbon-smallFür viele klassische Prohibition-Era-Cocktails ist Bourbon unverzichtbar. Jeder kennt den weißetikettierten Jim Beam – und wer was vernünftiges trinken oder mischen will, lässt ihn auch weg. Stattdessen eine Flasche Bulleit Bourbon ins Regal, und der erste Schritt in die richtige Richtung des hauptsächlich Mais-basierten Getränks ist getan.

jimbeamrye-smallLange war Rye-Whiskey vom Markt verschwunden. Doch diese eigentlich recht ursprüngliche Roggen-Whiskey-Sorte ist inzwischen wieder sehr beliebt. Für den Anfänger empfiehlt sich der überraschend gute Jim Beam Rye, der sich gut in Manhattans oder Sazeracs macht.

Ergänzung: Wer einem Gast, der auch mal pur trinkt, einen Gefallen tun will, stellt sich noch eine Flasche Woodford Reserve Kentucky Straight Bourbon ins Regal.

Tequila

In Deutschland hat Tequila einen schweren Stand, obwohl er so ganz langsam, im Zuge des steigenden Interesses an qualitativ hochwertigen Spirituosen, das mit dem Gincraze einhergeht, an Boden gewinnt. Für Tequila gibt es drei Alterungsstufen: blanco, reposado und añejo. Wichtig dabei: es sollte auf jeden Fall ein 100%-Agave-Tequila sein. Die Mixtos wie Sierra Tequila oder José Cuervo Especial lasse man besser im Supermarkt stehen, wenn man Qualität in seiner Bar haben möchte.

agavitaandsauza-smallDer Heimmixer, der hauptsächlich die üblichen Verdächtigen mischt, wie Tequila Sunrise und Margarita, ist wahrscheinlich mit einem blanco oder reposado als erster Flasche gut bedient. Wer in einem Großmarkt wie Metro einkaufen kann, sollte sich den Agavita Platinum Tequila für einen sehr moderaten Preis holen; wer dies nicht kann, greife zum Sauza Hornitos Reposado.

agavitablanco-smallFalls die Tequila-Liebe (unverständlicherweise) eher begrenzt ist, und man dann halt doch einen Mixto aus Preis- oder Erhältlichkeitsgründen kaufen muss, ist der Agavita Blanco noch eine der unschlimmsten Varianten.

Ergänzung: Tequila ist eine erstklassige Purgenießer-Spirituose. Wer sich damit auseinandersetzen will, probiert mal einen Herradura Añejo aus.

Wermut

Wermut ist eine weinbasierte Spirituose, bei der der Wein verstärkt und mit Kräutern, Gewürzen und anderen meist geheimen Zutaten aromatisiert wird. In einer ungeheuren Menge von Cocktails wird Wermut, entweder weiß/trocken/französisch oder rot/süß/italienisch, eingesetzt. Von beiden Varianten wird eine Flasche gebraucht.

martiniandnoilly-smallMartini Rosso ist ein hervorragender, preisgünstiger und leicht erhältlicher süßer Wermut; Noilly Prat diene als Beispiel für einen trockenen Wermut mit ähnlichen Eigenschaften.

Bei Wermut muss die im Vergleich zu stärkeren Spirituosen beschränkte Haltbarkeit berücksichtigt werden. Also möglichst kleine Flaschen kaufen, und diese mit Weinpumpe versiegelt im Kühlschrank aufbewahren, sonst droht das Schimmelfiasko.

Vodka

Persönlich bin ich kein Vodka-Fan. Die langweiligste aller Spirituosen ist für mich, selbst mit meiner nun recht großen Bar, nur mit einer Sorte vertreten. Daher gibt es eigentlich für mich wenig Empfehlungen, die ich aussprechen kann.

smirnoff-smallIch bevorzuge Smirnoff, Absolut oder Russian Standard. Meist die Sorte, die gerade im Angebot zu haben ist.

Lassen Sie die Billigpräsidenten Jelzin, Gorbatschow und andere Superbilligmarken im Regal, die sind voller Fuselstoffe mit Kopfweh- und Katergarantie.

Gin

Der Gincraze ist im vollen Gange – jeden Monat tauchen neue Sorten von Gin auf dem Markt auf, da kann man schnell den Überblick verlieren. Da sich die Ginsorten aber, ähnlich wie beim Vodka, nur in Marginalien unterscheiden, die vielleicht für Purtrinker oder Hipster interessant sind, reicht auch hier eine Flasche.

gordons-smallIch hoffe, man prügelt aus dem Gindom nicht zu sehr auf mich ein, wenn ich als ersten Standardgin den Klassiker Gordon’s London Dry Gin empfehle.

Ergänzung: Für den feineren Gaumen ist der nächste logische Schritt ein edler Hendrick’s Gin, der mit feinem Gurkenaroma und floralen Noten aufwarten kann.

Likör

Die Kategorie der Liköre ist riesig und völlig unterschiedlich – und für Cocktails kaum erschöpfend zu behandeln, zumindest für den angehenden Heimbartender.

chadess-smallDennoch ist ein Triple Sec ein zwingender Kauf – diese Orangenlikörgruppe ist eine Standardzutat in unendlich vielen alten und neuen Cocktails. Zum Beispiel den günstigen Chadess von Aldi Süd, oder den preislich ähnlich gelagerten Le Favori, den man in vielen Supermärkten bekommt.

campari-smallCampari kann man mögen oder hassen; wer Cocktails mixen will, kommt nicht ohne ihn aus.

Das gute an dieser Kategorie ist, dass man meist eh schon etwas davon im Haus hat – Ramazotti, Amaretto, Aperol und ähnliches sind auch ohne Hausbar beliebte Getränke, die auch gut in Cocktails verarbeitet werden können.

Sonstige Zutaten

angostura-smallLange waren sie totgesagt, inzwischen kommt selbst die Heimbar nicht mehr ohne sie aus: Bitter. Letztlich ein Thema für sich und hauptsächlich für den etwas ambitionierteren Privatbartender interessant, ist dennoch ein Fläschchen Angostura unbedingt nötig.

zuckersirup-smallZuckersirup kann man selbst herstellen, indem man Rohrzucker mit Wasser einkochen lässt; wer diese Mühe scheut, holt sich eine Großflasche Zuckersirup, beispielsweise von Monin. Großflasche deshalb, weil sie lange haltbar und gleichzeitig ein großer Bedarf nach Zuckersirup in Cocktails vorhanden ist.

säfte-smallSäfte können ein Problem darstellen, weil sie nur sehr begrenzt haltbar sind, vor allem, wenn die Packung einmal geöffnet wurde. Auch hier, wie beim Wermut, empfehle ich daher möglichst kleine Portionen, idealerweise in durchsichtigen Flaschen, damit man den Zustand (zum Beispiel die dicke, auf dem Saft schwimmende Schimmelschicht) ohne Taschenlampe vor dem Ausgießen erkennt.

Orangensaft beispielsweise, selbstverständlich absolut unverzichtbar, gibt es statt den Liter-Tetrapacks auch in 0,2-Liter-Plastikfläschchen.

Ich garantiere, dass einer der ersten von Ihnen erwünschten Cocktails für einen Gast ein Cosmopolitan sein wird – Sex and the City sei dank. Cranberrysaft muss daher immer vorrätig sein.

Grapefruitsaft ist ein gern gesehener Spieler, der eine schöne Bitterkeit und gleichzeitig freche Fruchtsäure mitbringt.

Ananassaft schließlich findet man in vielen tropischen Cocktails. In meinem Bioladen gibt es ungesüßten Ananassaft in idealen 0,2-Liter-Glasflaschen.

Wer den Aufwand, Limetten und Zitronen auszupressen, scheut, kann sich nach entsprechenden Konzentraten umsehen. Aus eigener Erfahrung empfehle ich aber ganz klar, diese sauren Fruchtsäfte, die man in praktisch jedem Cocktail braucht, aus frischen Früchten selbst auszupressen.

früchte-smallUnd schließlich frische Zutaten, die man ständig nachkaufen muss – die eine oder andere Zitrone, viele viele viele Limetten, und einen Balkontopf mit Minze und Basilikum.

Endgültige erste Einkaufsliste für den Anfang

1 x 0,7l-Flasche Havana Club Añejo 3 Años Rum

1 x 0,7l-Flasche Old Pascas Ron Negro Rum

1 x 0,7l-Flasche Agavita Platinum Tequila

1 x 0,7l-Flasche Bulleit Bourbon Whiskey

1 x 0,7l-Flasche Jim Beam Rye Whiskey

1 x möglichst kleine Flasche Martini Rosso Wermut

1 x möglichst kleine Flasche Noilly Prat Wermut

1 x 0,7l-Flasche Smirnoff Vodka

1 x 0,7l-Flasche Gordon’s London Dry Gin

1 x 0,7l-Flasche Le Favori Triple Sec

1 x 0,7l-Flasche Campari Likör

1 x 0,1l-Flasche Angostura Bitter

1 x 0,7l-Flasche MoninZuckersirup (falls man ihn nicht selbst herstellt)

Säfte in möglichst kleinen Behältnissen nach Wunsch und Bedarf

Frische Zutaten nach Wunsch und Bedarf

Das schwarze Loch des Grauens – Lausitzer Porter Schwarzes

Die Biergattung des „Porter“ ist wohl nicht geregelt. Jeder kann sein eigenes Süppchen als „Porter“ vermarkten, wenn er es will – selbst, wenn es eigentlich Cola mit leichtem Bierzusatz ist. Wie beim Lausitzer Porter Schwarzes.

Lausitzer Porter Schwarzes

Ich hatte untenstehende Rezension schon vor vielen Jahren geschrieben, mich seitdem nicht mehr an dieses Bier herangetraut – und nun, an einem entspannten Sonntag, hat es dann doch seinen Weg in ein Glas gefunden. Ich muss den optischen Eindruck komplett korrigieren, da hatte ich wohl ein unsauberes Glas oder einen anderen Umstand, der den Schaum an der Entwicklung hinderte. Natürlich verschwindet die Schaumkrone immer noch schnell, das ist für ein Schwarzbier aber nicht ungewöhnlich.

Ich würde heute auch die Wortwahl überdenken, das Lausitzer Porter ist immer noch kein Porter, aber doch ein Schwarzbier. Der Zucker ist überflüssig und macht das Bier aromatisch langweiliger und schlechter, als es sein müsste, und der Eindruck eines Colamischgetränk bleibt bestehen, aber die krassen Vergleiche will ich etwas relativieren. Nicht, dass ich es groß empfehlen würde – aber für den unanspruchsvollen Drink zwischendurch, statt eines Colaweizens oder eines Radlers, taugt das Getränk. Mehr aber nicht.


Ich denke, das Foto, geschossen wenige Sekunden nach dem Eingießen, sagt alles aus. Keinerlei Schaum, keinerlei Perlage, nicht blickdicht. Ein Porter sieht für mich anders aus. Rein vom optischen her würde ich das für Cola, die schon eine Weile steht, halten.

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Und auch geschmacklich ist es dann eine sehr überzeugende Abfüllung von abgestandenem Cola. Warum schreibt die Brauerei nicht einfach „Stale Coke“ aufs Etikett? Dann wäre die Konsumentenverdummung, die ich bei diesem Bier, das mit Porter überhaupt nicht einmal im entferntesten etwas zu tun hat, durchaus schon erkenne, nicht ganz so schamlos.

Das wahrscheinlich auffälligste an diesem „Bier“ ist der Zuckerzusatz, der wenigstens bei den Inhaltsstoffen angegeben ist. Da ich bei einem als Porter deklarierten Bier niemals Zucker als Zusatzstoff vermutet hätte, habe ich leider den Blick auf die Zutatenliste vor dem Kauf ausgelassen – das wird mir nicht mehr passieren. So habe ich rund 1,50€ für mit Zucker versetztes Toilettenspülwasser ausgegeben.

Jeder Porter-Freund und -brauer, und auch sonst jeder, der auch nur ansatzweise ein Interesse an vernünftigen Bieren hat, wendet sich mit Grauen von diesem Bier – ich schaudere, das Wort „Bier“ in Zusammenhang mit dieser Brühe zu gebrauchen.

Es werde Schnaps – Amy Stewart’s „The Drunken Botanist“

Eines meiner Hasswörter in der Welt der Spirituosen ist das von Gin-Hipstern immer gern verwendete Wort „botanicals“ geworden, das zusammen mit der Ächtung der im deutschsprachigen Raum bis vor wenigen Jahren üblichen Wortkombination „Gin Tonic“ – wer nur ansatzweise etwas auf sich hält, bestellt heutzutage einen britisch-korrekten „Gin and Tonic“ – in die Bars Einzug gehalten hat. Was an dem kantig-klobigen Wort „Pflanzenextrakt“ die hippe Szene stört, ist klar, es ist nicht cool genug. Nun lasse ich sie das englische Wort im deutschen Satz gern gebrauchen – unter der Voraussetzung, dass sie wenigstens wissen, wovon sie reden. Mit dem Buch von Amy Stewart lässt sich ein gewisser Bildungsbedarf schnell, unterhaltsam und umfassend nachholen.

drunkenbotanistcover-borderThe Drunken Botanist: The Plants that Create the World’s Great Drinks ist eine Reiseerzählung, nicht durch die Länder der Welt, obwohl man in diesem Buch auch viel herumkommt, sondern durch die Welt der Pflanzen, die uns Freunden des hochgeistigen Genusses so viel Freude bereiten.

Wir verwenden Pflanzenextrakte in unseren Spirituosen und Cocktails in drei unterschiedlichen Varianten, die Stewart in den drei Teilen ihres Buchs auch so aufgreift: Die Pflanzen, die schon seit alters her fermentiert und destilliert werden, wie Zuckerrohr, Weizen, Roggen, Mais und Agave. Eine andere Art, Pflanzengeschmäcker in die Drinks zu bekommen, ist die Mazeration und Infusion – Nelken, Wacholderbeeren, Holunder oder Aprikosen können durch handwerkliche Prozesse dazu genötigt werden, ihre Aromen in eine bereits vorhandene Schnapsbasis abzugeben. Und zu guter letzt sehen wir als Cocktailfreunde auch gern das eine oder andere Pflanzenteil in natura in unserem Glas; Pfefferminzblätter, Kirschen oder Zitronenzesten lockern den Drink auf und geben den letzten, hocharomatisch-frischen Twist.

Von Pflanze zu Pflanze, und damit auch von aus dieser Pflanze typisch hergestellter Spirituose, hangelt sich Stewart so durch die Botanik, und lässt bei all den hochinteressanten Informationen die Unterhaltung nicht außen vor. Anekdoten, wie zum Beispiel zur wirklich spannenden Geschichte des Angostura-Bitters, und eine mit einem sehr wirksamen, aber zurückhaltenden Humor durchzogene Schreibe, machen das Buch zu einem unerwarteten Pageturner.

Spannend sind auch die eingestreuten Wissensbröckchen, wie der kleine Ausflug über Essigherstellung (ein echtes Bakterien-vs-Hefe-Deathmatch), oder wie der Vodka und die Kartoffel zusammenkamen. Und schließlich hat Stewart auch den einen oder anderen, äußerst klugen Ratschlag zum Konsum der beschriebenen pflanzenbasierten Spirituosen auf Lager.

Now carry your julep to the porch and remain there until bedtime; there will be nothing else to your day but the slow draining of the glass and the pleasant drone of the cicadas.

Genau das werde ich wahrscheinlich am Wochenende tun. Ein schöner Mint Julep, lange auf Eis gerührt, und mit viel hausgezogener Minze darin, auf dem Balkon im Liegestuhl. Das Leben kann so schön sein, wenn man die richtigen Lebensratgeber liest.

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