Am letzten Abend von Spirits Selection by CMB 2024, das in Guizhou in China stattfand, dachte man sich, komm, laden wir die 100 Langnasen aus aller Welt noch schnell in einer Shopping Mall ab. Das war ein Erlebnis! Weniger für uns allerdings als für die großen Gruppen von Chinesen, die diese Gelegenheit nutzten, mal ein paar Ausländer aus nächster Nähe sehen zu können. Da wurden auf der Straße Freundschaften geschlossen, gemeinsame Fotos geschossen, einem Kinder dafür auf den Arm gedrückt und man angeschaut, als ob man vom Mars käme. So oft sieht man als Einwohner von Guizhou offenbar nicht Fremde, und man hat viel weniger natürliche Scheu als in Europa, diesen Mangel für sich zu beheben. Das klingt wie ein abgedroschener Quatsch, in der globalisierten Welt von 2024, doch die Wahrheit, das erfahre ich oft auf Reisen in abgelegenere Weltregionen, sieht tatsächlich so aus. In China kann man das noch erleben, doch wohl fühlt man sich als vorgeführtes Zootier nicht. Nun, in der Shopping Mall sollten wir einfach nur die Gelegenheit haben, ein paar Souvenirs zu kaufen; ich habe mir eine auffällige Dose Bier geholt, weil mir das Design so gefallen hat. Nun probieren wir es, das Jintaishan aus Weifang (Shandong), das aus Gersten- und Weizenmalz, Hopfen und Rohweizen hergestellt wird und 4,3% Alkoholgehalt aufweist.
Das Öffnen der Dose ist schon an sich ein Trip in die Vergangenheit – der Abreißverschluss der großen 1-Liter-Dose wirkt inzwischen sehr ungewohnt. Danach gießt man ein, das Bier wirkt in seinem Ockerton deutlich trüb, baut praktisch nie wirklich Schaum auf, Perlage ist passend dazu nur in kleinen Mengen vorhanden.
Geruchlich gibt es nur Anflüge zu entdecken, ein bisschen Malz, ein bisschen Gerste, ein bisschen Grapefruit, ein bisschen Metall. Aber, wie gesagt, alles nur in homöopathischen Dosen, da braucht man etwas Fantasie und Erfahrung mit so leichten Bieren, um das wirklich wahrzunehmen.
Die Textur ist weich, deutlich voller als erwartet, mit einem angenehmen, milden und runden Mundgefühl, das Süße und Säure schön gegeneinander aufwiegt, mit leichter Tendenz zum ersteren, und auch trotz des optischen Eindrucks schon frische Rezenz aufweist. Das liegt gut im Mund, ja, aromatisch hat das Jintaishan aber am Gaumen ebensowenig zu bieten wie in der Nase oder fürs Auge. Irgendwo zwischen einem Hellen und einem Weizenbier würde ich das verorten, aber definitiv bei beiden eher eine unspannende Variante. Der sehr kurze, mildbittere Abgang fügt sich in dieses Gesamtbild ein.
Nun, ich habe es natürlich, wie gesagt, wegen der Dosengestaltung als Erinnerung an einen faszinierenden Ausflug in die chinesische Supermarktwelt gekauft. Und dafür taugt es wirklich gut. Niemand muss mich allerdings um das Bier selbst beneiden!
Sie kam plötzlich und unerwartet, die Einladung zu México Selection by CMB 2024 in San Luis Potosí, aber so etwas schlägt man natürlich niemals aus. México Selection by CMB ist eine Hybridveranstaltung, bei der ausschließlich mexikanische alkoholische Produkte verkostet und bewertet werden; Wein ist der Hauptfokus, doch viele Spirituosen sind natürlich in Mexiko beheimatet und werden hier behandelt. Für mich bedeutete das, an drei Tagen jeweils rund 30 Spirituosen zu verkosten, beschreiben und zu bewerten; ein ähnlicher Aufwand, wie es bei anderen Wettbewerben der Fall ist. Natürlich genoss ich es sehr, eigentlich ausschließlich Spirituosen vor mir zu haben, die ich vom Stil her grundsätzlich mag: Mezcal war der Löwenanteil, gefolgt von Tequila, Sotol, Bacanora, Raicilla und Destilado de Pulque. Hidromel (also Met) war dabei, und viele „destilado con“, also mit zusätzlichen Zutaten destillierten Agavebränden, das bekannteste davon ist wahrscheinlich Pechuga. Ich wäre ein Idiot, würde ich mich beklagen, die paar Gins und Wodkas, die dabei waren, waren auch von hoher Qualität.
Der Júrame Mezcal Artesanal Joven hat, wie schon öfters zuvor, bei der Veranstaltung eine Goldmedaille gewonnen. Da die Verkostungen natürlich blind erfolgen, habe ich keine Ahnung, ob ich ihn vor mir im Glas hatte, und wenn ja, wie ich ihn bewertet hatte; im Nachhinein bin ich mir aber fast sicher, dass es nur gut sein konnte. Ich habe eine Flasche vom Besuch der Taberna dort mitgebracht, und zuhause die Verkostung wiederholt und mir ein paar Tasting Notes, wie immer, niedergeschrieben. Er ist aktuell nicht leicht in Deutschland zu bekommen, doch jeder Aufwand, den man betreibt, ihn zu sich nach Hause zu holen, ist es sicher wert, da nehme ich nichts vorweg. Wie er hergestellt wird, beschreibe ich am Ende des Artikels, das konnte ich direkt und live miterleben, großartige, unvergessliche Eindrücke. Genug geschwärmt, ab ins Glas damit.
Normalerweise benutze ich für meine Tasting Notes ein Nosing-Glas, das ist klar. In diesem Fall habe ich mich aber dafür entschieden, die kleine Schale, die wir als Gastgeschenk vor Ort bekommen haben, einzusetzen. Man sieht auch darin, dass die Flüssigkeit klar und transparent ist, Beine kann ich so nicht direkt beurteilen, doch eine vorsichtige Viskosität schon.
Die Typizität der Salmiana-Agave springt einen aus der Schale dafür umso deutlicher an. Wer das einmal gerochen hat, erkennt es sofort; kaum eine andere Agavenart hat eine so prägnante Note mit extrem hohem Wiedererkennungswert. Eine Mischung aus ausgeprägter, milder tropischer Frucht, zusammengesetzt aus unreifer Ananas, überreifer Mango und Litschi, dazu eine gewisse, überhaupt nicht unangenehme Gumminote, viel Harz (das geht fast in die Richtung von Mastiha), Tannennadeln und verharztes Pinienholz, und schließlich eine volle Blütigkeit, die an Hyazinthen und Veilchen erinnert, und etwas Frangipani. Sehr vegetal, sehr grün, mit mineralischen Aspekten, ein wirklich besonderer Duft, und innerhalb der Agavenbrände klar ausmachbar. Rauch ist nur als eine Idee von Kaltrauch vorhanden, ganz zart, wenn man danach sucht. Insgesamt sind diese Komponenten perfekt ineinander integriert, da schnuppert man gern und lange dran.
Im Mund denkt man initial, dass man einen Kirsch- oder vielleicht Vogelbeerbrand vor sich hat, wirklich extrem weich und zart, dabei aber aromatisch schwer und dicht. Die Textur nimmt sich Zeit, sich über den Gaumen zu legen, rund und voll, dabei nicht beschwerend, eher leicht. Ja, das erinnert verdammt an Vogelbeere. Süß ist der Antrunk, trockener wird es im Verlauf, der Júrame bleibt aber weich, zeigt keine Spur von Astringenz. Die 37% Alkoholgehalt mögen dem Nerd theoretisch zu niedrig erscheinen, im Mund sind sie für mich perfekt gewählt und bringen nur ein leichtes Kribbeln auf die Zunge und angenehme Wärme an Gaumen und Rachen. Leichte Pfeffrigkeit entsteht später, wenn die Agave ihre volle Aromatik ausspielt, mit angenehmer Grüne aus Blattschnitt, aber auch einer sich braun anfühlenden, erdigen Würze, die gerade im Schluss dunkle Kakaonoten, Kokosnussschale und Tabak mit sich bringt. Komplex und schillernd, angenehm zu trinken, im Finish frisch mit leichten Mentholaspekten und edler Bittere.
Das ist einfach wunderbar. Vielleicht bin ich beeinflusst, weil ich die Herstellung vor Ort miterlebt habe, doch ich glaube, dass das jedem gefällt, der Agavenbrände gern trinkt. Mild und trotzdem vollaromatisch, rund und trotzdem mit Spannung, ein wirklich herausragend gut gemachter Brand. Die mehrfach wiederholten Prämierungen für Júrame bei México Selection by CMB wie auch bei Spirits Selection by CMB sind kein Fake, mich wundert das kein bisschen.
Ein Eisbär in Mexiko? Das ist schon ein gewisser Kontrast, und gerade sowas spricht mich an. Dieser Riff auf einen Stinger braucht einen starken Mezcal als Hauptzutat, und alle Eigenschaften eines Salmiana-Mezcals drängen mich, diesen in so einer Rezeptur einzusetzen, und das klappt hervorragend, erst schmeckt man die Salmiana, die dann sehr rund in Minze übergeht. Im November war es nicht so heiß in San Luis Potosí, dass man eine wirkliche Erfrischung gebraucht hätte, aber ich kann mir vorstellen, dass ein Drink wie der Polar Bear im Sommer dort gut ankommen könnte.
Polar Bear 1½oz / 45ml Mezcal joven ¾oz / 23ml weißer Wermut ½oz / 15ml Crème de menthe 6 Tropfen Angelika-Tinktur (oder Celery Bitters) Auf Eis shaken. [Rezept nach Josh Harris]
Im folgenden zeige ich ein paar der hunderten von Bildern, die ich beim Besuch der Taberna (so nennt man in der Region San Luis Potosí eine Mezcal-Brennerei, nicht Palenque, wie weiter im Süden Mexikos) geschossen habe. Sie sollen einen groben Blick ermöglichen, wie so ein Artesanal-Mezcal hergestellt wird. Man wird schnell erkennen, dass die Kriterien des CRM, der offiziellen Regulierungsbehörde für Mezcal, hier leicht eingehalten werden: kein Autoklav beim Kochen, ausschließlich Agavenzucker und keine Fremdzucker, diese werden durch wilde Hefen fermentiert, und schließlich das Destillieren mittels einer Kupferbrennblase.
Der erste Schritt, die Ernte der Agaven, war natürlich schon erfolgt, als wir vor Ort waren. Man sieht die Agavenherzen, piñas genannt, die bereits von den spitzen, dornigen Blättern getrennt wurden. Meine Hand diene als Größenvergleich. Es handelt sich bei Júrame rein um die Art Agave salmiana subsp. crassispina, vor Ort oft auch einfach „Agave verde“ betitelt, historisch wird diese Art schon seit langer Zeit in der Region von San Luis Potosí verwendet.
Diese Agavenherzen müssen nun gekocht werden. Bei Júrame verwendet man dafür einen Steinofen („horno“). Er besteht aus einem gemauerten Raum, der mit Feuer beheizt wird. Die Befüllung des Ofens erfolgt von oben herab, denn so kann man den Raum besser nutzen. Mit Brettern wird der Ausgang geschlossen, aus diesem Ausgang werden die gekochten Agaven später herausgeholt.
Die Farbe ändert sich durch das Kochen von weißgrün nach braungelb. Mit Schubkarren werden die Herzen nun zur ersten Zerkleinerung transportiert. Für uns wurde eine herausgeholt und in kleinen Häppchen zum Probieren angeboten; man merkt, wie die Zucker in der Agave nun karamellisiert sind. Supersüß und aromatisch, die ausgekauten und ausgelutschten Fibern kann man ausspucken.
Die erste Zerkleinerung findet mit einem Doppelmühlstein statt, der maschinell angetrieben wird. Die Agavenherzen werden dabei zerdrückt und in kleinere Brocken aufgespalten. Man hilft mit Äxten aus, die Hauptarbeit der Arbeiter hier besteht darin, die Teile immer wieder unter die Mühlsteine zu platzieren, mit Mistgabeln und Harken, eine anstrengende Tätigkeit.
Den Saft der Agave extrahiert man dann in der zweiten Pressung. Die bereits zerkleinerten Stücke werden zum zweiten Mühlstein transportiert, und dort solange zermahlen, bis der Saft mehr als knöchelhoch steht. Der Mühlstein wird bei Júrame von einem Traktor bewegt, weiterhin gilt es, die Agavenstücke mit einer Mistgabel so zu schichten, dass der Mühlstein was zu mahlen hat.
Was geschieht mit den ausgepressten, vom Saft befreiten Fibern? Sie haben immer einen Einsatzzweck, sei es als Ausgangsmaterial für Stoff, als Zunder oder Brennmaterial, oder, wie bei Júrame, als beliebtes Futter für die Schweine, die hinter der Brennerei leben. Da immer noch genug Süße vorhanden ist, sind die Schweine ganz verrückt danach und schon als Frischling genießen sie diese nahrhafte und gesunde Speise.
Der Saft dagegen ist das wahre flüssige Gold. Er geht in die Fermentation, mit wilden Hefen, die die offenen Tanks einfach so inokulieren. Der Schaum ist dick auf dem breiten Tank, man sieht aus einem der runden, hohen Tanks noch den Dampf aufsteigen, der andeutet, wie warm die Fermentation abläuft. Hier endet die Produktionstour für uns, den Destilliervorgang konnten wir leider nicht sehen, doch da muss man auch nichts Ungewöhnliches erwarten – eine kleine Kupfer- und eine Edelstahlbrennblase mit refrescadera sind im Einsatz.
Im Gastraum, der außergewöhnlich hübsch gestaltet ist, bekommt man neben dem Mezcal selbst auch noch ein paar kleine Häppchen, toller regionaler authentischer Fingerfood. Im Nebenraum sieht man die kleinen Barriques, die hier für die Reifung genutzt werden; ein Reposado ist von Júrame im Portfolio. Für mich eine nette Ergänzung, aber die wahre Schönheit eines Mezcals sollte meines persönlichen Erachtens nicht durch generische Holzung gemindert werden.
Der Empfang war sehr herzlich und aufwändig; der Besitzer der Taberna, José Eduardo Lomelí Robles, führte uns persönlich herum und erklärte alles. Das Anstoßen am Ende der Tour war selbstverständlich.
Eine sehr schöne Seite des Besuchs waren sicher auch die mit bunten Kostümen ausgestatteten Folklore-Tanzgruppen, die zu traditioneller, sehr rhythmuslastiger Musik die charmante Begleitung unserer Gruppe vornahmen. Diese Gruppen werden von der Brennerei unterstützt, es ist ein Teil des „Zurückgebens“ an die Gemeinschaft, ein Thema, das dem Besitzer sehr wichtig ist.
Wenn ich mir selbst die Bilder anschaue, kommen die Eindrücke sofort zurück; die laute, klappernde Musik, die angenehme Wärme des ausgehenden mexikanischen Novembers, die leicht staubige Luft, der Geschmack der frisch karamelisierten Agaven, der Geruch der Kräuter… und natürlich die unvergleichliche Gastfreundschaft der Mexikaner, die mich wie einen der ihren aufgenommen haben. „Nunca nos vamos a ir“, den Trinkspruch habe ich immer noch im Ohr, und ich merke, dass ich mich in das Land, seine Landschaft, seine Leute und sein Flair schockverliebt habe. Ich werde dorthin nochmal zurückkehren, das ist nur eine Frage der Zeit.
Cognac ist in den meisten Fällen ein Blend, darüber haben wir schon oft gesprochen. Selten ist es möglich, Details über die Blendbestandteile zu erfahren, das ist sicherlich eine Mischung aus Geheimniskrämerei der Hersteller und Mangelinteresse an solchen nerdigen Zusatzinformationen von Konsumentenseite, wie so oft. Im Zuge des Abbaus beider Aspekte findet man heutzutage aber immer mehr Produkte, bei denen man sogar ohne dedizierte Nachfrage mehr und mehr solche Informationen bekommt und damit das Endprodukt doch besser verstehen kann und erkennt, dass hier manchmal ganz spannende Sachen passieren. So ist der Cognac, den ich heute vorstelle, ein gutes Beispiel dafür. Gebrannt 1975, 1978 und 1980 aus Ugni-Blanc-Trauben aus den Fins Bois, dann in Fass 757880-1 eingelegt und dort für 43 Jahre in einem feuchten Lagerhaus vergessen, bevor er im Mai 2024 dann in Fassstärke mit 48,1% Alkoholgehalt abgefüllt wurde. 298 Flaschen gab das Fass her, und wir probieren ihn nun, den Grape of the Art Vaudon Lot 75/78/80 Cognac.
Zwischen Terracotta und Hennarot liegt die Farbe, die sich im Glas leuchtend und strahlend präsentiert. Eine elegante Öligkeit kommt dazu, mit hübschen, langen, dünnen Beinen, die sich bilden und ablaufen.
Vollfruchtig geht es in der Nase weiter, mit schönem floralen Seitenaspekt, ein bisschen seifig vielleicht, aber in keiner störenden Weise. Rote, sehr reife Trauben, Aprikose, ein Hauch Schwarzkirsche, ein bisschen Pflaume; Veilchen und Löwenzahnblüten, sehr sanft integriert darin. Zimt scheint durch, ein minimalster Touch Anis und Lakritz, nur soviel, um Spannung in die Fruchtbombe einzubringen. Leicht, luftig, spielerisch, ein angenehmer Duft!
Am Gaumen findet man erstmal die fast schon sirupartige Textur, die sich im Antrunk anschmiegt. Aus ihr baut sich eine interessante Struktur auf, im Verlauf immer mehr zum Trockenen hin tendierend, warm und kalt im Wechsel, mit aus der Süße hier nun sehr viel deutlicher aufsteigendem Anis, Muskatnuss und Zimt. Eine feine Ledrigkeit kommt dazu, wenn ein ganz sanftes Astringieren einsetzt. Dieses leitet ins Finish über, warm, blumig mit viel Jasmin im Nachklang, effektvoll am Gaumen bleibend, hell und klar.
Rund und sanft, aber mit einem wirklich spannenden Finish, das mich voll überzeugt und sicherlich das Highlight des Vaudon 75/78/80 ist. Der Blend funktioniert hervorragend in seiner Gesamtheit, da gibt es absolut nichts zu meckern. Nach vielen Minuten hat man immer noch Teile der Aromen im Mund, und ich höre jetzt auf zu schreiben und lutsche diese genüsslich vor mich hin.
Offenlegung: Ich danke Grape of the Art für die kosten- und bedingungslose Zusendung dieses Samples.
Zur Fußball-Europameisterschaft 2024 ließ sich die immer rührige Rügener Insel-Brauerei etwas unterhaltsames einfallen – neben den Fußballern konnten durch sie die Nationen auch im Bierbereich miteinander in Wettbewerb treten. Diverse Länder wurden ausgewählt, und extra für sie ein Bier gebraut, in einem Stil, der irgendwie mit dem Land in Verbindung gebracht werden kann. 10 Biere gab es, und man konnte online mitabstimmen, wer der Europameister werden würde. Ich habe mir einfach 4 davon ausgesucht, die ich besonders spannend fand, und stelle sie hier nun vor: das Dutch Wit für die Niederlande, das English Special Bitter für England, das Spanish Lemon Lager für Spanien und das French Season für Frankreich. Wie immer üblich bei der Insel-Brauerei werden sie in traditioneller Flaschenreifung hergestellt, und alle haben zwecks Chancengleichheit 5,6% Alkoholgehalt.
Gehen wir von links nach rechts durch und starten also mit dem Dutch Wit, das als besondere Zutat etwas generisch „Gewürz“ aufweist; bei einem Wit hat man ja recht klare Vorstellungen, was sich dahinter normalerweise verbirgt. Volltrüb ist es jedenfalls, bei Gegenlicht sieht man gerade noch so Lichtspiele hinter dem safranfarbenen Bier. Ein sehr attraktiver, sehr feinblasiger Schaum bildet sich auf der Oberfläche.
Ich finde den Duft sehr typisch für den Stil, mildgetreidig aus der Basis, leichtaromahopfig mit Tönen von Aprikose und Mango, und vor allem schön mit ganz dezenten Tönen von Orangenschale und Koriander versehen. Das schnuppert sich jedenfalls richtig toll, ein Duft zum Genießen. Auch am Gaumen setzt sich die Rundheit fort, da passt alles ineinander wie Rädchen im Uhrwerk – die Textur ist superweich und fett, ohne schwer zu werden, bietet dank sauberer Säure und fein ausgeprägter Karbonisierung ein echt schönes Mundgefühl. Die Aromatik bleibt dezent, aber erkennbar, milde Aromahopfentöne gehen Hand in Hand mit der vegetabilen Seite des Korianders und einer zestigen Herbe. Ganz vorsichtig klingt im Abgang ein pfeffriger Aspekt, sowohl vom Effekt als auch vom Geschmack her, nach, wenn das Bier feinherb und leicht trocken ausschwingt. Nichts zu kritisieren, schlicht ein großartiges Bier.
Am meisten gespannt war ich auf das English Special Bitter. Es wird mit Gerste- und Weizenmalz gebraut, hat sonst nur noch den Traubenzucker für die Flaschenreifung als Zutat und wird zu Beef Wellington empfohlen – ich probiere es alleinstehend. Deutlich trübes Senfgelb in Kombination mit sehr feinblasigem Schaum, auf dem einzelne Großblasen wie Inseln schwimmen, machen das Bier jedenfalls zu einem Eyecatcher. Der Geruch ist dagegen eher zurückhaltend, erinnernd an ein klassisches Helles, getreidelastig, ohne, dass irgendetwas sich in den Vordergrund drängt. Ein Hauch von Blumigkeit vielleicht, durchaus angenehm.
Am Gaumen merkt man schon beim Antrunk, warum das Bier so heißt, die Bittere ist klar vorhanden, und steigert sich im Verlauf weiterhin, bis sie im Abgang am Zäpfchen dann richtig kribbelt und grapefruitig wirkt – ohne, dass man den Eindruck bekommt, ein IPA oder Pale Ale vor sich zu haben, das ist schon eigenständig. Natürlich dominiert der Hopfen hier, geschmacklich wird es aber nicht aromahopfig fruchtig, sondern eher bitterhopfig, mit ordentlicher Trockenheit. Aufgefangen durch eine runde Struktur und kauige Textur hat man hier ein Bier, das als Essensbegleiter ganz sicher hervorragend funktioniert, und für den Liebhaber herber Biere sicher auch alleinstehend.
Etwas Besonderes ist ohne Frage das Spanish Lemon Lager – ich habe noch nie von so einem Stil gehört, es wird als „New Style Lager“ deklariert. Mais, Gewürz und Meersalz kommen zu den gewohnten Zutaten. Blasses Zitronengelb ergibt das, leicht trüb, mit einem eher grobblasigen Schaum, der einen halben Zentimeter eine Weile erhalten bleibt.
Neben der Farbe ist auch der Geruch mit für den Namen verantwortlich – zu der klassischen Lagercharakteristik, die stark auf Getreide setzt, kommt ein Touch, aber nur ein Touch von Zitronenschale. Spanische Biere sind oft aromatisch eher schwachbrüstig, hier findet die Nase was zu tun, ohne den erwarteten Stil zu verletzen. Sehr vollmundig, rund und sehr voll, beinahe schon kauig, das Lemon Lager liegt echt fett im Mund, das überrascht zunächst. Die Textur ist dicht, ohne das Bier schwer zu machen, es bleibt ein wolkiges, frisches Lager, rezent und leicht, mit klar stringentem Getreidegeschmack, bei dem die Zusatzzutaten nur noch winzige Details steuern. Großartig, trinkig, mit viel Sommerpotenzial!
Zum Schluss gönnen wir uns noch das French Season, das neben Gersten- und Weizenmalz auch die heute hier schon gehörte Zutat „Gewürz“ listet. Da wünsche ich mir für die Zukunft etwas mehr Transparenz, dahinter kann sich ja alles mögliche verbergen. Der optische Eindruck ist definitiv schonmal spicy – opalisierend und leicht trüb, mit kräftiger Safranfarbe und einem lebendigen, mittelgroßblasigen Schaum, dazu sehr starke und feine Perlage.
Frische und leicht blumige Nase, mit einer deutlichen Erinnerung an Witbier und einem gewissen Zitrusfruchttouch. Das Getreide scheint auf sehr angenehme Art und Weise durch, ein Bier, bei dem man sofort Lust auf einen Schluck bekommt. Da wird man dann auch nicht enttäuscht, der Körper ist doch voller und texturierter als bei einem Wit, mit einem klassischen Weizenbier-Mundgefühl. Auch aromatisch ist es ähnlich dicht, bleibt dabei durchgängig leicht und frisch, klar und sauber. Sehr angenehm in der Rezenz, ohne säuerlich zu werden, erst im Abgang zeigt sich herbe Bittere und das Gewürz. Großartig, süffig, geschmackvoll. Das muss ich definitiv öfters haben.
Die wissen bei der Rügener Insel-Brauerei einfach, was sie machen. Diese Bier sind besonders, im besten Wortsinn, und nicht nur exotisch oder auf den Gag der Meisterschaften hin gemacht; ich würde alle vier, die ich heute hier vorgestellt habe, echt gern in einem Dauersortiment sehen. Aber die Alternative, immer wieder mit etwas Neuem von der Ostsee positiv überrascht zu werden, hat natürlich auch ihren Charme. Ich bin mit beidem zufrieden, und würde mir echt schwertun, aus diesen vier hier einen eindeutigen Gewinner auszuwählen, zum Glück muss ich das nicht sondern genieße alle für sich mit ihren Qualitäten.
Leider hat keines davon den Wettbewerb gewonnen, sondern das Czech Lager, gefolgt vom Austrian Märzen. Nun, ich hatte eh vor, mir die anderen Mitbewerber auch noch zu gönnen.
Seit 2021 in der Mainzer Straße in Saarbrücken? Ich musste wirklich grübeln, wieso eine Brauerei in Saarbrücken komplett unter meinem Radar fliegen konnte, noch dazu an einem Ort, an dem ich nun wirklich oft vorbeikomme. Doch Martin Rolshausen, ein alter Bier-Freund, hat mir dann mit seinem Interview bei hopfenhelden.de tatsächlich die Details geliefert, die mir gefehlt haben – ich käue das nun hier nicht wieder, sondern verweise einfach auf den Artikel dort. Wie auch immer: wir reden heute über das Zum WØL BrauArt Du Geila! New England IPA. Der Name spielt auf einen mundartlichen Spruch an, mit dem man sich hier selbst (mehr oder weniger ironisch gemeint) auf den Rücken klopft, „Saarbrigge, du geila!“. Die Gestaltung des Etiketts zeigt unter anderem die Alte Brücke, die Schloss und Staatstheater heute als Fußgängerbrücke über die Saar verbindet, in einem sympathischen Grafitti-Stil. Das Bier selbst ist ein NEIPA, klassisch mit Hafer hazy gemacht, dazu die Hopfensorten Sabro, Simcoe, Citra, Bru-1 und Idaho 7.
Beim Eingießen entsteht durch die Hefe ein sehr hübsch anzusehender, opalisierender Effekt mit leichter Schlierenbildung, der sich durch die Volltrübe und die kräftige Safranfarbe deutlich abzeichnet. Der Schaum ist stark, großblasig und bleibt eine ganze Weile erhalten.
Sehr fruchtig ist der erste Schnuppereindruck, extrem sogar, würde ich sagen, voller Aromen von Guave, Zuckerrohrsaft, Granatapfel und Grapefruit, und auch milderen Anflügen von Litschi, Pfirsich und Mango. Selten hatte ich bisher ein Bier, an dem ich so lange und gerne rieche, wirklich wunderbar.
Die Textur des Zum WØL BrauArt Du Geila! ist spannend, trifft genau einen guten Punkt zwischen Kauigkeit und rezenter Frische, man meint fast, auf einer Blubberansammlung herumzulutschen. Das prickelt angenehm, hat aber dennoch genug Breite und Tiefe, um nicht kantig zu werden. Die Aromen transportieren sich gut von der Nase an den Gaumen, natürlich viel herber und säuerlicher, aber nicht weniger angenehm. 6,0% Alkoholgehalt passen gut rein, geben auch etwas Kraft und Volumen. Der Abgang ist lang, fast schon minzig frisch, schon deutlich bitter, wie es vom Stil her sein soll. Der Nachhall klingt lange mit fruchtig-Blumen Noten nach, hinterlässt am Ende ein sauberes Mundgefühl.
Ich muss sagen, ich bin kein Extremfan des NEIPA als Stil, aber beim Zum WØL BrauArt Du Geila! gefällt mir das sehr. Sauber, rund, hocharomatisch, knackig und frisch, aber gut integriert und handwerklich top gemacht. Mehr davon, bitte!
Wenn man durch Budapest schlendert, findet sich an jeder Ecke irgendwie ein Hinweis auf den Kräuterlikör, der schon seit 230 Jahren in der Stadt gemacht und geschätzt wird – Zwack Unicum. Auch weit über die Stadt hinaus findet der besondere Likör seine Liebhaber, gerade in Deutschland ist er heutzutage eigentlich in jedem Markt mit etwas größerer Spirituosenauswahl zu finden. Vor ein paar Jahren hat Zwack sein Portfolio etwas erweitert, um zwei besonders aromatisierte Ausprägungen, die ich nun heute vorstellen will: Zwack Unicum, Unicum Szilva und Unicum Barista.
Der Likör wird auf Basis von 40 Kräutern hergestellt, natürlich nach geheimem Rezept, wie das so üblich ist in der Branche. 6 Monate wird er in Eichenfässern gereift, nachdem er zusammengestellt ist, und dann in die sehr auffälligen Kugelflaschen mit dem goldenen Kreuz auf rotem Grund abgefüllt. Davon gibt es auch kleinere Varianten, und diese hatte ich mir bei meinem letzten Budapesttrip mitgenommen.
Natürlich stelle ich erstmal die Eindrücke für das Basisprodukt vor, auch wenn das wahrscheinlich etwas ist, was viele bereits seit langem kennen. Farblich bietet das Zwack Unicum jedenfalls eine zunächst ein dunkelbraunes Mahagoni, fast schon Ebenholz, das beim Gegenlicht aber schöne rubinrote Lichtspiele bietet. Schöne Beine bilden sich beim Drehen des Glases.
Der typische Kräuterlikör-Geruch begrüßt uns dann, schon in der Nase herb und bitter, mit einer schwer festzumachenden Aromenzusammenstellung; kein Wunder, es sind doch wirklich viele Kräuter drin, siehe dazu ein paar Sätze und Bilder am Ende des Artikels. Ich rieche oberflächlich jedenfalls Süßholz und Enzian, Orangenzeste und etwas Anis, auf einem runden, schweren Frucht- und Kakaobett mit leichten Anklängen von geröstetem Kaffee und einem Anflug von Floralität. Eigentlich von allem etwas, und das ganze gut vermählt.
Die Textur wirkt zunächst weich und rund, schwer und dicht, präsentiert aber einen spannenden Verlauf am Gaumen hin zu würzig, säuerlich und mit leichter Schärfe, die die Zungenspitze kitzelt. Natürlich dominieren die herbvegetabilen Kräuteraromen, wurzelig-erdige Töne und dazu die bittere Zestigkeit. Man fühlt sich in ein Zwischending aus italienischem Amaro und einem deutschen Magenbitter versetzt, ich denke, das trifft den Eindruck am besten; die Süße, die alles begleitet, fällt überraschenderweise gar nicht so sehr auf. Der Abgang ist weiterhin knackig bitter und herb, mit leichter Astringenz, und einem chilihaften Feuer, das lange bleibt und den gesamten Mundraum angenehm wärmt.
Mir liegt das Unicum sehr, eben weil die Süße von anderen Faktoren mehr als aufgefangen wird und sich ein wirklich buntes Aromen- und Geschmacksspiel bietet. Das ist ein idealer Absacker nach dem Essen, oder ein toller Drink für Zwischendurch.
Eine Variante, die erst vor vergleichsweise kurzer Zeit auf den Markt gekommen ist, ist das Unicum Szilva. „Szilva“ ist das ungarische Wort für „Pflaume“, und das erklärt sich schnell, wenn man erfährt, dass ein Kräuterlikör hier die oben erwähnten 6 Monate in Eichenfässern zusammen mit getrockneten Pflaumen gelagert wurde. Farblich macht das jedenfalls keinen Unterschied, zumindest keinen, den ich erkennen könnte – sogar die rubinroten Lichtreflexe sind erhalten.
Die Nase dagegen ist doch etwas modifiziert, neben der schwerkräuterigen Amaro-Typizität findet sich hier tatsächlich etwas mehr dunklere Frucht, sehr reife Pflaumen eben, aber auch viel süße, vor Naturzucker klebrige Datteln. Brauner Kandiszucker kommt dazu, und ein Tick Toffee. Ja, insgesamt wirkt der Unicum Szilva sehr viel schwerer und süßer, soweit das die Nase eben wahrnehmen kann.
Aber auch im Mund merkt man den Unterschied. Im Antrunk ist erstmal wirklich die Süße da, sehr viel präsenter als beim Normalprodukt, und auch die Pflaumen und Datteln erscheinen direkt und ohne Umschweife. Deutlicher kommt auch interessanterweise die Bittere hervor, zusammen mit einem Anflug von Salzigkeit. Die Textur wirkt trotz der stärkeren Süße schmaler, und trotz des niedrigeren Alkoholgehalts von 34,5% scheint das Unicum Szilva etwas ethanolischer daherzukommen, was sich insbesondere im späteren Verlauf zeigt. Der Abgang ist dann kurz, bitter, mit einer hier nun schon fast pappig wirkenden Süße, die sich auf die Lippen legt, und einem oberflächlichen Feuer.
Aromatisch ist das durchaus unterhaltsam, die Struktur kann aber nicht mehr mithalten, was meines Erachtens am reduzierten Alkoholgehalt liegt, und der etwas überbordenden Süßbittere, die die Kräuteraromatik in den Hintergrund drängt. Schade; nett, aber nicht ans Original heranreichend.
Ein Blend aus Unicum und einem Extrakt aus 100%-Arabica-Kaffee, das ist Unicum Barista. Ein Teil des Kaffees stammt aus einer Plantage in Costa Rica, die von einem ungarischen Jungunternehmerteam geführt wird. Auch hier ist der Alkoholgehalt etwas reduziert auf 34,5%, und Unterschiede in Farbe oder Viskosität zum Original sind allerhöchstens Nuancen.
Sehr angenehm kommt direkt der milde aber expressive Kaffeeduft zum Vorschein, eher ganze geröstete Bohnen als gebrühter Kaffee, mit leichten Röstaromen und einem Anflug von Rauch. Das geht geruchlich wunderbar zusammen mit dem Kräuterbeet des Unicum, sehr erwachsen und ausgereift und etwas, an dem man eine Weile schnuppern kann.
Im Geschmack ist der Kaffee zunächst zurückgenommen, der Kräuterlikör lässt ihm erstmal wenig Raum, mit all den Eigenschaften, die oben bereits beschrieben wurden. Seine Besonderheit entwickelt sich beim Barista im Verlauf, wenn die gerösteten Bohnen sich langsam nach vorne arbeiten, deutlich würzig und sogar mit milder Chilischärfe. Die Textur bleibt weich, deutlich weniger süß als der Szilva, was ich sehr angenehm empfinde. Der Nachklang ist noch pikanter, hier schon recht scharf, im Zusammenspiel mit der Kaffeewürze hat man da ein ordentlich heißes Paket im Mund – die Vermählung klappt aber dennoch echt gut. Das trinkt sich angenehm, man muss aber mit der Kraft umgehen können. Gefällt mir!
Für Cocktails eignet sich das Unicum natürlich extrem, in vielerlei Form. Wer wirklich Spaß haben will, probiert eine ganz einfache Mixtur aus Unicum und Tonic, auf Eis, das erfrischt herrlich. Ein bisschen komplexer und schwerer wird es im Sneaky Pete #1, einem meiner absoluten Lieblingscocktails. Ich habe hier als Amaro Fernet Branca eingesetzt, und den Adriatico Amaretto, dazu den Unicum Barista – diese Kombination ist eine echte Wucht, das ist wie eine Faust ins Gesicht. Auf diese verrückte angenehme Weise.
Sneaky Pete #1 ¾oz / 23ml Zwack Unicum ¾oz / 23ml Amaro ¾oz / 23ml Amaretto Auf Eis shaken, und in ein mit Eis gefülltes Glas abseihen. Aufgießen mit Coca Cola. [Rezept nach Chris Neustadt]
Die Flaschen sind natürlich toll gestaltet, mit dieser Kugelform sind sowohl die große Variante als auch die Kleinflasche ein Augenfänger. Es gibt sie auch in einem ungewöhnlichen Plastikgebinde, ein Foto ist im Folgenden zu sehen; erstmal gebe ich hier ein paar Bilder aus dem Unicum Ház wieder, das in Budapest steht. Es ist gleichzeitig Produktionsort des Likörs als auch ein Museum, und offen für Besucher. Ein schöner Besuch, wenn man eh mal in dieser besonderen Stadt ist!
In dem Museum gibt es auch einen Schaubereich, in dem ein Großteil der Kräuter, Gewürze und Wurzeln zu finde ist, die im Unicum eingesetzt werden. Zum Anfassen, Beschnuppern und Schmecken. Natürlich verlieren sie in dieser offenen Ausstellung deutlich an Aroma durch die lange Offenstehzeit, aber man bekommt doch einen Eindruck, was in dem Likör alles drin ist, und welche Zutat für welchen Aspekt verantwortlich ist. Sehr spannend und gut gemacht!
Unicum bleibt im Fazit für mich ein sehr schöner Kräuterlikör, der genug Eigenstellungsmerkmale hat, um einen Platz in einer Heimbar zu finden; der Barista hat darüber hinaus auch genug Spannung, um separat davon Aufmerksamkeit zu gewinnen. Wer die Heimatstadt des Likörs besucht, findet auch außerhalb der rein sensorischen Betrachtungsweise genug Motivation, ihn zu sich nach hause zu holen, da bin ich mir sicher.
1988, das war ein Jahr! Verbleites Normalbenzin wird in Deutschland verboten, Ayrton Senna wird das erste Mal Formel-1-Weltmeister, die Ausstrahlung von Alf beginnt im deutschen Fernsehen. Und in der Region Armagnac Ténarèze wird von Patrick Michalouski im Oktober der heute unter dem Namen Grape of the Art Pellehaut 1988 bekannte Armagnac gebrannt, rein aus der Rebsorte Ugni Blanc, und landet dann für 35 Jahre im feuchten Keller. Alf war nach 4 Staffeln zuende, Alain Prost löste Senna nach einem Jahr ab, selbst das unverbleite Normalbenzin mit 91 Oktan heutzutage ist nicht mehr erhältlich. Aber der Pellehaut von Patrick Michalouski ist nun immer noch da, abgefüllt in Cask Strength von 49,7% Alkoholgehalt im September 2024 in nur 230 Flaschen. Ein bisschen Kontext macht klar, dass wir hier schon ein Stück Geschichte trinken!
Der optische Eindruck bietet tatsächlich eindrucksvolles, leuchtendes dunkles Terracotta, mit orangenen Lichtreflexen. Lebendig bewegt sich die Flüssigkeit beim Schwenken, hinterlässt dabei kleine Tropfen, die schnell ablaufen.
Ein feiner Duft bietet sich der Nase, eine attraktive Mischung aus traubigen Weinnoten und sauber platzierten Gewürzen. Die 35 Jahre im Holz haben es nicht geschafft, die Fruchtigkeit des Pellehaut 1988 einzuschränken, im Gegenteil, hier bilden sie ein stabiles Basisfundament, auf dem die edlen Tannine ihre beste Seite zeigen können und Anflüge von Vanille und Zimt ins Destillat abgeben. Eine leichte Floralität, mit einer gewissen Seifigkeit, macht das Gesamtbild noch milder und runder. Insgesamt bleibt der Duft aber zart und fein, völlig ohne Alkoholpieksen, und ohne die Wucht manch anderer Armagnacs.
Das transportiert sich auch gut auf den Gaumen, der Antrunk ist wirklich süß und voll, mit viel Cremigkeit und Anflügen von vanilligem Streuselkuchen. Die Textur ist dabei sehr weich und breit, passt hervorragend zu den Geschmackseindrücken. Im Verlauf baut sich doch noch Kraft auf, viel weißer Pfeffer und deutlich spürbares Menthol kühlt die gesamte Zunge runter. Hier entsteht auch trockene aber nicht astringierende Bittere, ohne die Süße je zu verdrängen, sondern sie um Komplexität zu ergänzen. Der Abgang ist mittellang, weiterhin eiskalt auf der Zunge, warm im Rachen, und mit einer schönen Kombination aus Traubenfrucht und Blumigkeit, mit einem Touch von grünen Aspekten und etwas feuchtem Holz.
Der Pellehaut 1988 ist ein faszinierender Armagnac, dezent und zurückhaltend in seiner initialen Art, mit einem in seiner Eiseskälte dann doch überraschenden Finish. Sauber gemacht, und man muss es erstmal hinbekommen, dass nach 35 Jahren das Holz nicht deutlicher übernimmt. Eine schöne Ergänzung für das eh schon sehr abwechslungsreiche Portfolio bei Grape of the Art.
Offenlegung: Ich danke Grape of the Art für die kosten- und bedingungslose Zusendung dieses Samples.
Ich erinnere mich noch genau, vor ein paar Jahren hatte ich an einem kleinen Wettbewerb teilgenommen, in dem der beste Toast für den Black Tot Day prämiert werden sollte; meine Einreichung, gedreht irgendwann im Spätsommer 2020 am Saarbrücker Osthafen, hat es nicht in die Endrunde geschafft, Spaß gemacht hat es trotzdem. Die Flasche des Black Tot Rums, den ich natürlich dafür nutzte, ist seit langem schon aufgebraucht und nur noch in Erinnerungen vorhanden, um so interessierter war ich, als Kirsch Import nun dem deutschen Publikum eine neue Variante dieses Rums präsentierte und ich die Möglichkeit nutzen konnte, diese alten Erinnerungen wiederaufzufrischen. Der Unterschied der Eindrücke ist aber, da nehme ich etwas der Geschmacksverkostung vorweg, durchaus dramatisch, das war mir selbst nach der langen vierjährigen Überbrückungsperiode sofort klar, nachdem ich die Flasche geöffnet hatte.
Das wundert dann aber außer mir auch sonst keinen, wenn man den Namen des neuen Produkts sieht, und wie es hergestellt wird. Der Black Tot Historic Solera Rum nutzt zumindest ähnliche Basisdestillate wie das Original, Rums unterschiedlicher Alter, destilliert und gereift in der Karibik in Barbados, Guyana und Jamaica, wie man das von einem Rum, der sich im Namen auf die Geschichte der britischen Marine beruft, auch irgendwie erwartet. Nach dem Blending der in Ex-Bourbon- und Ex-Sherry-Fässern durchgereiften Grundzutaten kommt der besondere Schritt: ein Durchlaufen einer historischen, echten, dreistufigen Solera, bestehend aus Fässern, die zuvor für Oloroso– und Pedro-Ximénez-Sherry in Jerez im Einsatz waren und nun in Schottland bei Elixir Distillers eine neue Heimat gefunden haben. Dieses Verfahren hat durch viele schlechte Nachahmer keinen guten Ruf im Rumbereich, da wurde der Begriff einfach auf mehr oder weniger aufwändige Alternativverfahren draufgeklebt. Über Solera-Systeme im Nicht-Sherry-Einsatz habe ich hier vor Urzeiten schonmal etwas geschrieben (den Artikel würde ich so heute nicht mehr veröffentlichen, da war ich noch naiv), und bin nun gespannt, was die Schotten aus dem System herausholen.
Herbstliches Kastanienbraun glänzt im Glas, und auch wenn die Flüssigkeit komplett klar ist, wirkt sie durch die dunkle Tönung fast opak. Terracottafarbene Lichtreflexe mit gelben Spitzen glitzern. Beim Schwenken zeigt sich deutliche Viskosität, die Glaswandartefakte, die sich dabei bilden, laufen langsam ab.
Der Sherry ist der erste Eindruck, den man bekommt, wenn man das Glas an die Nase führt. Sehr nussig, sehr trockenfruchtig, mit sogar einem Touch Rancio. Letzteres wird durch eine buttrige Seite des Rums unterstützt, mit hellem Karamell, würzigem Kandiszucker, etwas Marzipan und etwas Shortbread. Dabei kommt eine süßliche Zuckerrohrsaftnote nicht zu kurz, sie sorgt für eine saftige Frischfruchtnote, so dass die Trockenfrucht des Sherrys nicht allein dasteht. Das klärt das Erlebnis etwas auf, Töne von Pfirsich und Mango klingen so mit. Das Holz ist natürlich sehr präsent, mit sowohl herben, gewürzigen Tanninen, als auch grünfeuchten, mineralischen Aspekten. Ein erkennbarer Alkoholhauch aus den 46,2% Alkoholgehalt versteckt sich nicht.
Im Antrunk zeigt sich eine extrem weiche, fast schon zarte Textur, schwersüß, dunkeltönig, fett und breit, die sich über den Gaumen legt. Im Verlauf dehnt sich das Volumen des Black Tot Historic Solera sogar noch aus, expandiert effektvoll mit nun gut strukturierter Herbe, Säure und Bittere, die die Süße kontern, ohne astringierend oder kantig zu werden, die Rundheit bleibt durchgängig bestehen. Dabei blühen die würzigen Aspekte immer weiter auf, leichter schwarzer Pfeffer, ganz mildes Chili, holzigherb und warm. Der Sherry ist nun deutlich weniger dominant, der Rum zeigt sich klarer und weniger beeinflusst; erst im Abgang geht die Nussigkeit nochmal voll auf, der Oloroso macht sich aromatisch bemerkbarer als der Pedro Ximénez, letzterer sorgt eher für diese dichte Süße, die dann mentholisch frisch auf der Zunge liegen bleibt, während leichte florale Nachklänge das Erlebnis abschließen.
Ein wuchtiger Rum, schwer und dicht, dabei aber nicht pappig oder langweilig. Das Zusammenspiel des Basisrums und der Sherry-Solera funktioniert sehr gut und macht Spaß beim Genießen. Das trinkt sich echt gut, ein geschmeidiger Drink für den gemütlichen Abend, das Sobriquet „decadent marriage“, das man auf dem Etikett findet, ist nicht übertrieben.
Das Rezept, das ich für diesen Rum ausgewählt habe, ist der Prinsessan Rosenkind. Ich hatte diesen Cocktail in einem schwedischen Cocktailbuch, Vilda Drinkar, gefunden und mich sofort in ihn verliebt. Er ist absolut nicht trivial herzustellen, weil er viele hausgemachte Zutaten erfordert; schwedische Hagebuttensuppe zum Beispiel, oder ein Hibiskus-Rosen-Sirup. Der Aufwand ist es wert, versprochen – allein, den warmen, kräftigen Cocktail dann nach all der Arbeit gemütlich zu genießen, ist schon toll. Und der Black Tot Historic Solera passt richtig gut rein.
Prinsessan Rosenkind 1⅔oz / 50ml gereifter Rum 1⅓oz / 40ml Nyponsoppa (schwedische Hagebuttensuppe) ⅔oz / 20ml Rosenblüten-Hibiskus-Sirup (2:1 Rosenblätter zu Hibiskusblüten, Wasser und Blütenhonig) Das Gästeglas mit heißem Wasser anwärmen. Die Zutaten erwärmen und dann ins Glas geben und mit geschlagener Sahne toppen. Mit einem Mandelbiskuit servieren. [Rezept nach Bella Porcile]
Die mattierte Braunglasflasche gefällt vom Design her (es ist die gleiche, in der auch der „normale“ Black Tot abgefüllt ist, nur eben mattiert), mit den kleinen Einlassungen im Glas, ohne zu protzig zu werden. Dazu passt das bordeaux-gold-farben gestaltete Etikett und der Echtkorken mit Holzverkleidung; eine Produktpräsentation, die in einer Heimbar auffällt, und auch durchaus dem Inhalt gerecht wird. Auch, dass man ein paar Informationen über den Rum in der Flasche auf dem Etikett findet, ist immer gern gesehen.
Tatsächlich wird der Black Tot Historic Solera seine Liebhaber vielleicht sogar eher außerhalb des klassischen Rumbereichs finden, denn in ihm gehen viele Eindrücke auf. Bourbon-Trinker werden die reife Struktur mögen, Weinbrand-Trinker die fast schon traubige Fruchtigkeit. Sherryfreunde können explorieren, was das Solera-System mit Rum macht. Aber wer einfach hin und wieder einen fetten, angenehmen Rum trinkt, darf sich natürlich gern zu den anderen gesellen, da gibt es genug Gesprächsstoff für langen Austausch. Oder man schlürft den Stoff einfach gemütlich für sich selbst, übelnehmen würde ich das niemand.
Offenlegung: Ich danke Kirsch Import für die kosten- und bedingungslose Zusendung einer Flasche dieses Rums.
Neulich erst fand ich eine spannende Diskussion darüber, ob man das „I“ im Bierstil IPA nicht uminterpretieren sollte – es kann durchaus als eine Art koloniale Last gesehen werden, denn ein IPA wurde ja tatsächlich ursprünglich nicht für Inder oder in Indien gebraut, sondern um dem britischen Besatzer ein bisschen Heimat nahezubringen in dem fremden Land. In eine ähnliche Richtung geht auch die Bezeichnung „Indian Ocean Pale Ale“, die man beim Thirsty Fox Indian Ocean Pale Ale der Oxenham Craft Brewery auf Mauritius gewählt hat. Selbstbewusstsein und lokaler Stolz, das ist durchaus eine Initiative, die ich gerne unterstütze. Das Motto „Made in Moris“, auf dem Rücketikett zitiert, passt gut dazu. Ich hatte ja dank meiner Freundin Solveig Gertz, die Rums von der Insel nach Deutschland importiert, bereits Biere von der Brauerei im Indischen Ozean besprochen, und das Indian Ocean Pale Ale geselle ich gerne dazu – auch dieses hat sie unter viel Mühen extra für mich von ihrer letzten Reise mitgebracht. Da schmeckt das Bier sicher doppelt gut!
Leicht opalisierend, leicht trüb, in einem leuchtenden, hellen Kupfer, das passt zur exotischen Stimmung, die das Etikett mit dem bunten Fisch (ist das ein Red Snapper?) schon eh erweckt – sehr witzig, wie der Fischschwanz über das Etikett hinausragt. Der fingerdicke, feinblasige Schaum, der beim Eingießen dazu entsteht, und auch nach ein paar Minuten noch gut da ist, ergänzt einen sehr gelungenen optischen Ersteindruck.
Ich habe nicht erwartet, dass sich die Exotik auch in den Geruch transportiert, und das passiert auch nicht – man erhält einen stabilen, stiltypischen Hopfenduft. Der Hopfenwurde in Zusammenarbeit mit Africa Hops ausgewählt, auch hier sieht man den regionalen Bezug. Mildfruchtig, mit schöner Mischung aus zestiger Zitrusfrucht, die Frische und Frechheit erzeugt, und milder, rotbeeriger Marmeladigkeit, welche für eine süße, dichte Basis sorgt. Ein bisschen schimmert noch die Gerste durch, immer schön, wenn mehr als nur Hopfen in einem IPA zu erschnuppern ist.
Das geht ansatzlos an den Gaumen über, die Bitterkeit von 28 IBU ist gut gewählt und eingesetzt, die Bittere des Hopfens ist sehr hübsch eingebunden in den vollen, dicht texturierten Körper, ausgeglichen von der natürlichen Süße. Ein volles Mundgefühl, das aber nicht schwer wirkt durch die üppige Karbonisierung, entsteht. Frucht ist zurückgenommen, nun deutlich eher zestig und zugegebenermaßen im Rachen ein bisschen herbtrocken, doch die Rezenz, die in Kombination all dieser Faktoren entsteht, ist für ein Inselparadies sicher perfekt geeignet, wie auch die Leichtigkeit mit 4,8% Alkoholgehalt. Der Abgang ist dann gefühlt wirklich etwas maritim, mit ganz vorsichtiger Salzigkeit und einem Touch von Algen im Nachhall, sehr apart finde ich das.
Handwerklich makellos, interessant und sogar mit etwas Lokalkolorit. Es ist schade, dass es für meine Leser schwer wird, dieses Bier selbst ins Glas zu bekommen; aber vielleicht kann Solveig anfangen, neben Rum auch Bier durchgängig von Mauritius nach Deutschland zu schaffen. Ich rede mal mit ihr!
Seit 2021 bin ich stolzer Juror beim Internationalen Spirituosen-Wettbewerb ISW des Meininger-Verlags. Der Wettbewerb findet seit der Pandemie in drei Veranstaltungen statt, normalerweise im Januar, April und Juni, mit unterschiedlichen Schwerpunkten, was die verkosteten Spirituosen angeht. Also war ich die letzte Zeit oft in Neustadt, mehrmals im Jahr, und war meistens im Hotel Palatina untergebracht, das hat inzwischen Tradition. Ich muss dieses Hotel und die Crew dahinter einfach loben, denn hier treffen Freundlichkeit und Professionalität aufeinander. Alles ist immer reibungslos organisiert, die Zimmer sind angenehm, der Gewölbekeller grandios, der Wellnessbereich mit Sauna sehr modern und hübsch gestaltet, die Belegschaft sympathisch und bereit, selbst über die gewöhnliche Arbeitszeit hinaus zur Verfügung zu stehen.
Bei einem der längeren Abende, die sich bei so einem Spirituosentreffen immer ergeben, entspannte sich dann auch eine kleine Diskussion zwischen der Chefin des Hauses, Sara Wiedemann, und mir, bezüglich Lieblingsgetränken. Einer gestandenen Pfälzerin muss man natürlich mit nichts anderem als gutem Wein kommen, und so schenkte sie mir dann ganz unerwartet eine Flasche ihres Lieblingsweines. Diesen habe ich bei mir ein bisschen ruhen lassen, und stelle ihn nun heute vor: Oliver Zeter Sweetheart 2022 Sauvignon Blanc ist ein Süßwein aus spätgelesenen, sehr reifen Sauvignon-Blanc-Trauben, natürlich direkt aus Neustadt an der Weinstraße, mit 7,5% Alkoholgehalt. Ich schreibe sehr selten Notizen über Wein, man vergebe mir, wenn ich meinen diesbezüglich ungeschulten Gaumen und das Vokabular, das ich von Spirituosen kenne, dafür nutze.
Klares Pastellgold, schimmernd und leuchtend. Schöne Schwere beim Schwenken im Glas. Die Nase ist frisch und sehr fruchtig, insbesondere Honigmelone, Kiwi, und ein Hauch von Grapefruitzeste. Feine Herbe ist schon schnell erriechbar, mit einem Touch von Wermutkraut. Ein Anflug von Hefe gibt weitere Komplexität. Ein sehr angenehmer Duft, der Lust auf mehr macht.
Ganz kurz blitzt in den ersten Mikrosekunden des Antrunks frische Säure auf, die aber schnell von der Spätlese-Süße abgedrängt und überholt wird. Hier kommen dann schwersüße, sehr reife gelbe Früchte dazu, Nektarine und vielleicht sogar etwas Mango, ein bisschen Mandarine. Ein leichtes Prickeln entsteht auf der Zunge, während sich der Restzucker auf dem Gaumen breit macht und ihn etwas belegt. Die fette Textur unterstützt das natürlich. Gegen Ende entsteht ein ganz dezentes Gefühl von Pfeffrigkeit mit leichtem Kribbeln im Rachen, und die Säure erkämpft sich einen angenehmen Platz. Im Nachklang kehrt die Spucke erkennbar in den Mund zurück, man genießt noch die süße Frucht, die sogar etwas an den Lippen hängen bleibt.
Mir gefällt der Sweetheart sehr, gerade als gemütlicher Drink an einem sonnigen Herbstsonntagnachmittag. Die offizielle Empfehlung geht klassisch natürlich in die Dessertbegleitung und als Aperitif, persönlich bin ich aber nicht von den Gewohnheiten der Weinwelt so beeinflusst, dass ich mich sklavisch daran halten würde. Ein sehr süffiger Süßwein, der einfach unkompliziert Spaß macht und unangestrengt unterhält, gerade, weil er diese feine Pikanz und freche Frische trotz der Süße zeigt.
Er gibt diese Eigenschaften auch gerne in einem Cocktail weiter; im Paradise Burning sorgt der Oliver Zeter Sweetheart 2022 Sauvignon Blanc neben all den süßen und aromatischen Zutaten für etwas Frische. Man lasse sich nicht von dem Vollei abschrecken, das klingt erstmal seltsam, doch wie man auf dem Bild sieht, erzeugt das neben der cremigen Textur auch eine hübsche Farbe. Es gilt allerdings, Qualität zu verwenden, ein frisches Bioei sollte einem das schon wert sein!
Paradise Burning 1¼oz / 35ml rauchig-torfiger Scotch ⅔oz / 23ml gereifter Jamaica-Rum ⅓oz / 10ml Brandy ⅓oz / 10ml Süßwein 1 ganzes Ei 1 Teelöffel Zuckersirup Auf Eis shaken. In einem Glas mit Vanillezuckerrand servieren. [Rezept adaptiert nach Sepo Galumbi]
Ich freue mich darauf, bald wieder in Neustadt sein zu dürfen; die Gastfreundschaft und Professionalität sowohl des Meininger-Verlags als auch des Hotels Palatina sind einfach zu angenehm, als dass ich darauf verzichten wollen würde, und von Wein verstehen sie offensichtlich auch was. Der ISW weiß ganz genau, warum er sich und uns dort schon seit Urzeiten einquartiert!