Das wilde Kanada – The Liberty Distillery Trust Anniversary Cask Strength Whiskey

Kanada und Whiskey, das ist eine lange und spannende Geschichte. Die weiten Weiten der kanadischen Landschaften erlauben natürlich, riesige Getreidefelder zu bewirtschaften, die Grundlage ist also da. Insbesondere während der US-amerikanischen Prohibition war Kanada der illegale Lieferant für die gesetzlich ausgetrockneten Gaumen der nahen Nachbarn, und viele unterhaltsame Geschichten drehen sich um die Schmuggler, die den guten kanadischen Stoff von der Quelle bis in die Münder der durstigen Trinker auf der anderen Seite der Grenze brachten. Bis heute hat Kanada seinen Whiskey hochgehalten, und tatsächlich einen eigenen Stil hervorgebracht, meist deutlich roggenlastig. Aber das ist keine Pflicht – auch Gerste ist ein gern gesehener Gast in den Mashbills der kanadischen Brenner.

Ein Beispiel dafür habe ich von meiner Reise nach Vancouver mitgebracht: den The Liberty Distillery Trust Anniversary Cask Strength Whiskey. Anniversary? Ja, der Whiskey wurde zum 10-jährigen Jubiläum der Brennerei auf Granville Island im Stadtgebiet gebrannt. Dafür wird reine Biogerste aus British Columbia herangezogen, ein kleiner Anteil davon getorft. Dreifach in Kupfersäule gebrannt, Bilder der (aus Deutschland stammenden, darauf ist man stolz dort) Apparate sind weiter unten angehängt. Ex-Bourbon-Fässer mit 200 Liter Fassungsvermögen nahmen das Destillat dann für etwas über 7 Jahre auf, schließlich folgte die unverdünnte Abfüllung in Flaschen mit einer Fassstärke von 62,5% Alkoholgehalt; das war letztlich auch der Grund, warum ich diese Flasche dringend haben wollte – kanadischer Whiskey von einer jungen, modernen Brennerei, unverfälscht. Nichts hält mich davon ab, den Korken zu ziehen und ihn nun mit meinen Lesern gemeinsam zu probieren!

The Liberty Distillery Trust Anniversary Cask Strength Whisky

Ocker ist die Farbe im Glas, wo sich der Whiskey etwas heller präsentiert als in der Flasche – ein ganz üblicher Effekt, den man oft sieht. Goldene Lichtreflexe zeigen sich beim Schwenken, eine ehrliche Färbung für das Alter des Brands. Die Schlieren, die sich bilden, laufen schnell ab, wirken dabei aber sehr ölig.

Die Nase zeigt sich in einer Mischung aus Frucht und Getreide: zunächst finde ich viel rotbackigen Apfel, süßlich und saftig, mit sogar etwas Zwetschgenkuchen darunter. Vanille und Zimt wirken mit, dem ersten Schnuppern eine Erinnerung an süße Backwaren zu verleihen. Im zweiten Ansatz kommt die Gerste deutlicher hervor, und bildet dann eine angenehme Melange aus Eindrucken von karottigem Bourbon und Highland Scotch, man meint wirklich, einen Grenzgänger vor sich zu haben. Etwas reife Banane entdecke ich noch, und ein gerüttelt Maß an Pattex. Gerade letzteres in Kombination mit dem hohen Alkoholgehalt zwickt dann doch etwas in der Nasenschleimhaut, man muss kleine, kurze Duftproben nehmen und den Riechkolben nicht zu tief dabei ins Glas halten.

The Liberty Distillery Trust Anniversary Cask Strength Whisky Glas

Das veranlasst mich dann doch dazu, für den Trust Anniversary ein paar Tropfen Wasserbeigabe zu empfehlen, denn auch am Gaumen fühlt er sich unverdünnt etwas harsch und alkoholisch an; ich kenne Spirituosen, die das doch sehr viel besser handhaben, da bin ich doch etwas enttäuscht. Die Wasserbeigabe lässt leider die Aromen in der Nase fast vollständig verschwinden, dafür wird das Mundgefühl etwas voller, die Textur dicht und schwer. Man merkt trotzdem, dass man einen kantigen, eckigen Brand vor sich hat, der wird nie wirklich weich oder zart, bleibt herb und bitter, sehr würzig und leicht salzig. Der Nachklang ist dafür sehr lang und hitzig, nein, eher schon feurig, mit einem dichten Hauch von Würze, der sehr lange im Mundraum bleibt – das wird dann richtig angenehm, mildaromatisch nur, aber effektvoll und spannend. Minimalst floral, definitiv aber getreidelastig, klingt er dann endgültig aus, das heißkalte Kribbeln auf Zunge und Gaumen geht erst nach 10 Minuten weg.

Nun, das ist kein Whiskey, mit dem man die feine Kunst des Brennens demonstriert, oder zeigt, wie feine, elegante Spirituosen man bei Liberty Distillery machen kann. Das ist eine explosive Würzbrumme, aromatisch nicht wirklich aufregend, aber unterhaltsam in seiner ungezähmten Wildheit. Mir macht das Spaß, mit Einschränkungen, kann mir aber vorstellen, dass Menschen mit zarterem Gaumen mein Amüsement nicht teilen werden können.


Ich habe den Granville Island Sour so genannt, weil die Hauptzutaten von der kleinen, voll ins Stadtgebiet integrierten Insel im südlichen Vancouver stammen, auf der die Liberty Distillery beheimatet ist. Auf dem Public Market dort habe ich auch den kandierten Chinook-Lachs gekauft, der mehr als nur Dekoration in diesem Drink ist – die süßsalzige Komponente passt wunderbar zur Säure und leichten Bittere des Cocktails selbst, da bekommt die Zunge wirklich was zu tun! Der Trust Anniversary bringt hier darüber hinaus ordentlich Power rein.

Granville Island Sour Cocktail

Granville Island Sour
1½oz / 45ml kanadischer Whisky
¾oz / 23ml Zitronensaft
¾oz / 23ml Ahornsirup
1 Eiweiß
3 Spritzer Aromatic Bitters
Auf Eis shaken. Dirty dump.

Aufgießen mit kanadischem IPA.
Mit kandiertem Lachs servieren.
[Rezept nach Helmut Barro]


Die Flasche liegt gut in der Hand, mit schwungvoller Form und einem toll kontrastreichen, himmelblauen Etikett. Sie hat die Rückreise von der kanadischen Westküste gut überstanden, ich hatte sie aber auch sorgsam eingepackt – was man nicht will, sind Spirituosen, die im Koffer platzen und dann den gesamten Kofferinhalt verseuchen. Der Duft ist gut, sicherlich, bei Whiskey ist das bestimmt weniger schlimm als bei Baijiu, wie es einem Bekannten neulich passierte.

Wer in Vancouver unterwegs ist, muss eh Granville Island besuchen, das ist Pflicht. Die Öffnungszeiten der Liberty Distillery, die man dann dort besuchen kann, sollte man vorher aber abfragen. Auch wenn sie nicht ultraspektakulär ist, bietet sie demjenigen, der eigentlich eh lieber den Charme genießen will als Brennapparate aus der direkten Nähe zu besichtigen, doch so einiges. Das Personal ist freundlich und aufgeschlossen, man kann viel probieren und am Ende was einpacken. So wie ich das gemacht habe.

Das tolle an solchen Urlaubsmitbringseln ist für mich einfach, dass man mit jedem Schluck, den man davon trinkt, nochmal ein bisschen in Nostalgie schwelgen kann, und sich gedanklich an den Ort zurückversetzen. Für mich war die Reise nach Vancouver ein einschneidendes Erlebnis – Kanada ist ganz oben auf meiner Wunschliste für weitere Reisen gelandet, und für nächstes Jahr ist ein weiterer Trip bereits in Planung. Kanada hat diesen Charme, dem man sich nicht mehr entziehen kann, wenn man ihn einmal erlebt hat; und der Whiskey von der Liberty Distillery tut sein übriges dazu.

Bier am Freitag – Ur-Krostitzer Feinherbes Pilsner

Um Bier in Deutschland zu verkaufen, muss man sich irgendwie abgrenzen. Manchmal greift man dann nach dem letzten Strohhalm, und holt sich Anekdoten aus Zeiten ins Boot, bei denen schwer nachprüfbar ist, ob es sich dabei um Fantasie oder eine tatsächliche historische Tatsache handelt. Gustav Adolf von Schweden hat im Dreißigjährigen Krieg ein Bier aus Krostitz in Sachsen bestellt und mit einem goldenen Ring bezahlt? Für mich klingt das eher nach ersterem, aber ich gönne jedem Ort seinen kleinen „Claim to Fame“, und eine dann doch klar nachweisbare Braugeschichte bis zurück ins Jahr 1534 ist ganz sicher etwas, auf das man stolz sein kann. Dass das heute hier vorgestellte Ur-Krostitzer Feinherbes Pilsner dennoch nichts mit dem Bier zu tun hat, das der schwedische Gustl getrunken hat, sollte außer Frage stehen – Hopfenextrakt ist eine moderne Erfindung, und wahrscheinlich hatte das Bier auch weniger als die hier eingeflaschten 4,9% Alkoholgehalt. Rein ins Glas, ab in die Vergangenheit!

Ur-Krostitzer Feinherbes Pilsner

Optisch ist es genau das, was ich von einem Pils erwarte, sonnenblumengelb, kristallklar, feines Mousseux, und eine stabile, feinblasige Schaumkrone. Da gibts nichts zu meckern, aber sonst auch nichts zu berichten.

Die Nase ist erkennbar herb, sehr würzig und stark hopfengetrieben, ohne auf Aromahopfen zu setzen. Klassisch. Leicht metallisch mit Erinnerungen an rostige Nägel.

Bei diesem Bier hat man eine gelungene Melange aus weichem, runden und viskosem Mundgefühl und trotzdem durchaus herber Hopfenkante getroffen. Das liegt sauber im Mund, fühlt sich klar und frisch an, ohne aromatisch von der Definition eines Pils abzuweichen. Stringent und definiert, wenn ich schon als kein großer Pilsfreund eins trinken soll, dann so. Herb, aber nicht bitter, mit schöner Süßsauerbalance, bei der gegen Ende die Säure schön den Gaumen klärt. Im Nachhall erblüht deutlich, aber nicht überwältigend, Jasmin und gibt dem Bier einen überraschend langen Verlauf.

Wie gesagt, Pils ist nicht mein Lieblingsbierstil, doch das Ur-Krostitzer trinkt sich einfach gut in seiner Klarheit. Keine Experimente, einfach ein gutes, sauberes Bier. Gustav Adolf würde es sicher auch wieder bestellen.

Zurück nach China – Renhuai 1935 Baijiu (仁怀酱香酒 1935)

Bis zur Song-Dynastie im 12. Jahrhundert reicht die Geschichte der Stadt Renhuai in Südwestchina zurück, doch bekannt ist sie hauptsächlich durch eine vergleichsweise moderne Erfindung – 2004 erhielt sie den Titel „Chinas Baijiu-Stadt“. Sie ist Zentrum des Produktionsgebiets für Soßenaroma-Baijiu, wer meinen Blog hin und wieder verfolgt, hat bereits diverse Produkte dieser ungewöhnlichen Spirituosenkategorie vorgestellt bekommen. Über 1000 Betriebe auf 1800km², das ist typisch chinesisches Skalieren in die Breite, was auch nötig ist, denn die Herstellung von Soßenaroma-Baijiu ist notorisch komplex, aufwändig und nur in Ansätzen automatisierbar, da wird wirklich noch vieles rein von Hand gemacht. Die Besonderheiten von Jiangxiang-Aroma-Baijiu, so der chinesische Name, locken Nachahmer – und so versucht die Region aktuell, eine ggA (geschützte geographische Angabe) dafür auf internationaler Ebene zu erreichen. Dieses Jahr wurden auch die Vorgaben erstmals klar niedergelegt, als ersten Schritt zu diesem Ziel.

Aus dieser Stadt jedenfalls kommt der Renhuai 1935 Baijiu (仁怀酱香酒 1935). Informationen über die Details sind wie immer schwer zu bekommen, verborgen hinter der Geheimniskrämerei der chinesischen Produzenten, und dazu noch hinter der Sprachbarriere. Was ich weiß ist, dass Weizen und Hirse als Basismaterialien genutzt werden, und die übliche Qu-Fermentationsstartmethode, über die ich bereits mehrfach berichtet hatte. Genaueres werde ich erst nach meiner Rückkehr aus Renhuai erzählen können (ja, im September geht es mit meinen lieben Kollegen von Spirits Selection by CMB dorthin!), denn für Saucearoma-Baijiu ist mein Wissen noch rein theoretisch, wir werden dort aber sicher die eine oder andere Brennerei besichtigen. Ungefähr 3 Jahre reift der Baijiu und weist nach dem Blenden den hochtypischen Alkoholgehalt von 53% auf. Noch ein Wort zur Jahreszahl im Namen – dies ist das Jahr, in dem die Brennerei (oder eine ihrer direkten Vorgänger) einen prestigeträchtigen Wettbewerb gewann und damit erstmals nationales Aufsehen erregte. Klingt doch nach einem Grund zum Feiern! Aufgeschraubt, rein ins Glas, probiert!

Renhuai 1935 Baijiu (仁怀酱香酒 1935)

Man könnte sich einbilden, eine minimalste Tönung erkennen zu können – ein feinster Hauch von Farbe, nichts, was ich jetzt wirklich belegen könnte. Das Schwenkverhalten ist viskos, dicke Schlieren bilden sich, die ineinander übergehen. Kleine Blasen, die beim Eingießen entstanden sind, bleiben lange erhalten.

Die Nase des Renhuai 1935 fasziniert mich – sofort erkennt man sehr stiltypische Aromen, teigig, leicht brotig, ein Anflug von Weichkäse, dazu sehr ausgeprägte Hirsetöne, die noch leicht grün wirken. Ein bisschen Pattex spielt mit, aber ohne Pieksen oder Ziepen. Ingesamt ein wirklich rundes Geruchsbild, das sogar milden Tropenfruchtaspekten und einer gewissen, sehr unerwarteten und ausgesprochen charmanten Floralität nach Blüten im warmen Wetter Raum gibt. Der Duft ist vorsichtig komplex und lädt zum Verweilen ein, weil die doch unterschiedlichen Seiten toll ineinander verwoben sind.

Renhuai 1935 Baijiu (仁怀酱香酒 1935) Glas

Am Gaumen präsentiert sich erstmal eine Salzigkeit, die die gesamte Verkostung verbleibt und sogar im Verlauf noch stärker wird – am Ende ist es sie, die sogar noch etwas Spucke vom Gaumen zieht, ohne astringent zu sein. Sie wird begleitet von starker Säure, limettig bitter; zusammen ist das etwas, was man sicherlich nicht direkt versteht, wenn man es zum ersten Mal trinkt. Deutliche Ester bilden sich heraus, mit Reminiszenzen an jamaikanischen Rum, weniger fruchtig, aber „quietschig“, wie ich es immer nenne. Das Mundgefühl ist trocken, dabei weich und voll, mit dichter Textur, die sich wie Sirup an den Gaumen schmiegt, und nun auch eine gewisse Süße zeigt. Natürlich ist der Abgang, wie bei allen guten Baijius, die Krönung: hier spielen sich die geschilderten Eindrücke ein, kommen zusammen und man denkt gar nicht mehr über Säure, Süße, Salzigkeit oder Bittere nach, denn alle fügen sich ein und lassen eine sehr milde, feine Wärme zurück. Mit Anflügen von Nussigkeit und Hirse klingt der Renhuai 1935 schließlich aus.

Dieser Soßenaroma-Baijiu hat Charakter, das muss man sagen – der erste Schluck ist sehr gewöhnungsbedürftig in seiner Salz- und Säurehaltigkeit. Im Gegensatz zu vielen anderen Baijius, die ein ähnliches Profil aufweisen, spürt man aber, dass dies hier sinnhaftig ist, und am Ende ein großes Gesamtbild ergibt. Nicht viele Spirituosen bilden auf der Zunge diese Vielfalt so ab, dass man alles wahrnimmt, und am Ende schätzt, auch wenn der Weg nicht direkt und gerade ist.


Der Cocktail, den ich hier zusammen mit dem Renhuai 1935 präsentiere, ist der Gewinner der französischen Cocktailmeisterschaft („Championnat de France de Cocktails“) 2024. Ich habe nicht herausfinden können, wie Pierre Munier ihn genannt hat – das ist aber auch letztlich egal, denn hier zeigt sich, dass Baijiu in der Hochklassebarwelt endgültig angekommen ist. Nicht in der Breite, sicher, aber in der Spitze. Und, dass man die Aromen von Baijiu zu schätzen lernt, denn hier kommen nur ein bisschen Aprikosenlikör und Bitters dazu; die Zeit, in der man Baijiu verstecken musste hinter anderen Zutaten, ist vorbei.

Pierre Munier Gewinnercocktail Cocktail

Unbenannt
1½oz / 45ml Sauce-Aroma-Baijiu
⅓oz / 10ml Apricot Brandy
3 Spritzer Old Fashioned Bitters
1 ausgedrückte Orangenzeste
Auf Eis rühren. Auf einen großen Eiswürfel abseihen.

Mit Orangenzeste, Kirsche und einer Kornähre servieren.
[Rezept nach Pierre Munier]


Baijius werden eigentlich immer in opulenten Flaschen abgefüllt, mal in leicht standardisierten, aber immer noch hochwertigen Tonflaschen, mal in richtig luxuriös wirkenden Vasen; hier geht man den Mittelweg. Die Flasche des Renhuai 1935 fühlt sich haptisch extrem gut an, und selbst der Plastikdrehverschluss mit Goldlackierung hat Wertigkeit und wirkt nicht, wie bei anderen, billig. Liegt toll in der Hand, und mit dem bei Baijiu absolut üblichen Nachfüllstop im Flaschenhals hat man auch keinerlei Probleme.

Die Flasche habe ich mir beim Dinner der chinesischen Delegation, die bei der Flaggenübergabezeremonie bei Spirits Selection by CMB 2023 in Treviso stattfand, gemopst. Es gab auch wieder mal schöne Geschenke, wie eine sehr hübsche Jianzhan-Keramikteetasse mit metallisch wirkender Glasur. In wenigen Tagen geht es für mich los nach Südchina, wenn Spirits Selection by CMB 2024 dann in Renhuai stattfindet, wo dieser Baijiu, den ich hier vorgestellt habe, herkommt, um mir all das theoretische Wissen auch mal in echt anzuschauen – ich werde berichten, natürlich!

Bier am Freitag – Maisel & Friends Rum Bock Barrel Aged 2020

Die Haltbarkeit von Bier ist eigentlich besser, als viele denken. Natürlich verlieren viele leichte Biere an Spannung, wenn man sie lange aufbewahrt, und stark auf Hopfen setzende Produkte, insbesondere wenn kalt- und frischgehopft, sollten zeitnah getrunken werden, weil der Hopfengeschmack als erstes verfliegt. Andere Biere, gerade stärkere, eher malzlastige, können dagegen über viele, viele Jahre, teils sogar Jahrzehnte aufbewahrt werden, und reifen dabei sogar, statt schlecht zu werden. Für den Maisel & Friends Rum Bock Barrel Aged 2020 habe ich einen Mittelweg gewählt und öffne ihn nach 4 Jahren, die er bei mir zuhause kühl und dunkel ruhte. Das besondere hier ist natürlich die Fasslagerung im Rumfass, da ist man gespannt, was die Interaktion zwischen Rum, Holz und Bier so hervorbringt!

Maisel & Friends Rum Bock Barrel Aged 2020

Gießen wir uns den Bock ein – „mehrere Monate“ reifte es in Rumfässern von den französischen Antillen, genauer spezifiziert ist das leider nicht, schade, darüber hätte ich gern mehr Infos gehabt. Haselnussbraun, mit kräftiger Schaumentwicklung beim Eingießen. Lange zischt und knistert der gemischtblasige Schaum, während er etwas in sich zusammenfällt, dennoch für ein fassgereifter Bier ausdauernd erhalten bleibt. Durch die dunkle Färbung und die Opalisierung sieht man dennoch die starke Perlage.

Das erste, was ich erschnuppere, ist tatsächlich der unverkennbare Duft eines gereiften Zuckerrohrsaft-Rums. Frisches Zuckerrohr und teils schon etwas überreife Frucht, insbesondere Guave und Mango, kombinieren sich mit feuchtem Holz, Malz und Hefe. Dabei entsteht eine sehr angenehme und komplexe Mischung, an der die Nase auch nach ein paar Minuten noch keine Langeweile empfindet. Später kommen sehr erdige Töne dazu, erinnernd an einen Pferdestall und nassen Waldboden. Diese Aspekte wechseln beständig, mal dominiert die fruchtige Mango, mal die dunkle Erde.

Auch am Gaumen hat man keinen klaren, deutlichen Einzeleindruck. Erdbeermarmelade und Marzipan vermitteln eine süße Seite, während die Erdigkeit eine schwere, dunkle Basis darunter legt. Grüne Banane, etwas Lakritze. Auch der Rum scheint durch, mit einer gewissen Grasigkeit und der typischen Zuckerrohrsaftaromatik – das ist erkennbar mehr als nur ein Nebenton, der Rum hat gefühlt die Hälfte der sensorischen Bühne für sich, etwas, was ich als sehr angenehm empfinde. Malz und Hopfen teilen sich die Aufmerksamkeit, und eine zischende Säure macht das Bier richtig frisch und rezent, während 9,6% Alkoholgehalt für Kraft sorgen. Auch strukturell überzeugt das Bock Barrel Aged 2020, in der Textur spürt man eine gewisse Dichte, dennoch ist viel prickelnde Klarheit zu spüren. Im langen und herben Abgang klingen Mango, Zuckerrohrsaft und Malz gleichberechtigt nach.

Maisel & Friends Rum Bock Barrel Aged 2020 und 2021

Fassgereifte Biere werden manchmal etwas dumpf, das ist hier nie der Fall – toll gemacht, das Basisbier wird nicht erdrückt, der Fasscharakter ist beständig erkennbar. Genau so wünsche ich mir derartige Fassreifungsbiere, beide Aspekte sollen da sein. Wirklich spannend und unterhaltsam!

Zuhause wartet auch noch der Maisel & Friends Rum Bock Barrel Aged 2021, den ich aber noch ein paar Jahre liegen lassen will, um zu schauen, ob sich die bei dem aktuell probierten Bier ausgeprägte Rumfass-Charakteristik vielleicht noch etwas steigert. Schlecht werden wird es jedenfalls nicht, da bin ich mir sicher, und ich denke mal, so 2031 wäre ein gutes Jahr, um zurückzublicken. Da wird es meinen Blog sicher nicht mehr geben, aber das private Vergnügen gönne ich mir dann trotzdem!

Gangs of Chicago – Kristone Handmade Vodka

Wodka muss man verstehen lernen, wie jede Spirituose. Hierzulande hat er weiterhin flächig den Ruf, als reiner Alkohollieferant zu dienen, für Vodka Lemon und andere Partydrinks. Anspruchslos, an der Supermarktkasse legen ihn die Alkoholiker in kleinen Portionen aufs Förderband. Neutralsprit. Vorurteile halt! Nicht nur der Laie, auch viele Kenner haben noch nicht begriffen, dass es bei Wodka, wie bei allen Kategorien, solche und solche gibt. Wer im Discounter den 5€-Gorbatschow kauft, darf nicht damit rechnen, eine Geschmacksexplosion vorzufinden – und man sollte dieses Erlebnis nicht als Standard für eine ganze Kategorie hernehmen. Beim Spirituosenwettbewerb ISW in Neustadt/Weinstraße habe ich inzwischen mehrfach Flights aus Wodka mitgemacht, die die Spannbreite dieser Spirituose aufzeigen, und da bei solchen Wettbewerben eher die ein Produkt einreichen, die stolz darauf sind als die, die mit anonymer Massenware Geld verdienen wollen, sieht man in solchen Flights eben erst das Licht, das einem beim Probieren aufgeht.

Die Crystal Rain Distillery in Wheeling in den USA legt erkennbar Wert auf die Herstellung und fällt damit sicherlich eher unter die erste Gruppe denn die zweite. Das beginnt mit einem Biosiegel, das man sich bei Spirituosen nicht leistet, wenn man nicht davon überzeugt ist, dafür ist es zu teuer. Der Bio-Winterweizen für den Kristone Handmade Vodka wird fermentiert und dann 6-fach destilliert, ich danke dem Hersteller hiermit für eine Zahl, die nicht dreistellig ist, und man so eines der Probleme dieser Kategorie umschifft, nämlich, dass das Marketing lächerlich geworden ist. Mit der eingesetzten Silber- und Platinfiltrierung habe ich auch so meine Probleme, sicherlich sind beide Stoffe Oxidierungshilfsmittel, mit denen unerwünschte Störstoffe aus dem Destillat gefiltert werden, das ginge sicherlich auch mit schlichter Kohlefiltration, doch das klingt dann halt nicht so gut. Nun, manche Dinge muss man einfach machen, da die Kunden darauf anspringen, darum kritisiere ich das nicht wirklich, und es schadet ja auch kein bisschen. Mit 40% wird der Kristone Handmade Vodka dann abgefüllt. Holen wir ihn wieder raus aus dem Glasknast und genießen ihn so, wie man es auch bei Wodka tun soll – im Stielglas statt im Shotbecher!

Kristone Handmade Vodka

Klar, rein und sauber – ich hätte auch nichts anderes erwartet. Die Konsistenz ist dagegen schon beschreibungswürdiger, man spürt beim Schwenken die Viskosität sehr deutlich, das schwappt schwer und hinterlässt auch viele Artefakte an der Glaswand, die schnell ablaufen.

Ich sage es bei jeder Besprechung von Wodkas hier auf meinem Blog: ein guter Wodka ist kein Neutralsprit. Jeder Zweifel wird auch beendet, wenn man die Nase ins Glas hält, da findet man direkt würzige Getreidigkeit, der Weizen ist sehr deutlich ausgeprägt, aromatisch, leicht zitrusfruchtig, frisch und hell. Minimalste Gewürztöne spielen da noch rein, ein Hauch von Zimt, ein bisschen ein floraler Aspekt, alles aber klar dem Weizen untergeordnet, wie es sein soll. Riecht man tief, findet man ganz dezent Lack, aber wirklich nur wenig, eine gewisse Alkoholizität lässt sich nicht verneinen, aber auch sie ist gehört für mich dazu und stört keine Sekunde.

Kristone Handmade Vodka Glas

Man hat es bereits gesehen, im Mund bestätigt sich die Öligkeit dieses Wodkas dann deutlich. Eine runde, schwere, dichte Textur breitet sich aus, legt sich über den ganzen Gaumen, ohne ihn zu beschweren. Stark ausgeprägte Süße unterstützt das, mir ist das stellenweise fast zu viel, denn sie macht den Kristone schwer und ein bisschen stumpf, weil auch ein gewisser Anteil Vanille dazukommt. Die Aromatik dagegen punktet voll, Weizen ist klar erkennbar, sauber, rein und dabei trotzdem sensorisch durchaus spannend. Mildfruchtige Töne kommen im Verlauf, Grapefruitzeste dazu, danach entsteht eine ganz feine, brummende schwarzpfeffrige Wärme, der kräftigen Würze entspringend, nicht brennend oder alkoholisch. Diese Wärme begleitet uns lange und bis zum Schluss, wenn der Kristone langsam, gemütlich und mit viel dichtem Nachhall ausklingt.

Ein Wodka mit eigenem Charakter, ganz sicher – für mich ist bei dieser Kategorie das Mundgefühl mit das wichtigste, und da enttäucht mich dieser Wodka überhaupt nicht, im Gegenteil, das liegt echt gut am Gaumen, ohne Ecke und Kante. Etwas, so verrückt sich das für manche anhören mag, die sonst nur die dünnen und billigen Supermarktwodkas kennen, das man einfach so vor sich hin schlürfen kann.


Entsprechend dieser Eigenschaften kann man den Kristone durchaus nicht nur als Alkohollieferant in Cocktails einsetzen, sondern als aromatische Zutat. Der Absolute Gangster ist gefühlt eine gewisse Variation auf einen Vodka Martini, grenzt sich aber schon deutlich von seinem Vorbild ab. Mit dem Kristone und unterstützenden Zutaten trinkt sich das, dem Namen gemäß, sehr gefährlich! Und er passt natürlich zur Region, aus der der Wodka kommt: Chicago und Gangster, das gehört einfach zusammen.

Absolute Gangster Cocktail

Absolute Gangster
2oz / 60ml Wodka
½oz / 15ml Lillet blanc
1/6oz / 5ml Zuckersirup
4 Tropfen Abbott’s Bitters
Auf Eis rühren. Auf einem großen Eiswürfel servieren.

[Rezept nach Ricardo Dynan]


Ich mag mattierte Flaschen, das fühlt sich einfach gut an – hier hat man ein aufwändiges Verfahren genutzt, um sowohl klare als auch mattierte Teile zu haben. Hübsches Detail, das erst auf den zweiten Blick auffällt. Die Standardflasche wird dadurch durchaus aufgewertet, so wie durch das stilsichere Design mit Schwarz und einzelnen Goldapplikationen.

Ich hatte damit eingeleitet, dass man Wodka verstehen muss, um ihn wirklich genießen zu können. Vielleicht wäre der Kristone Handmade Vodka ein guter Kandidat, sich mal mit einer Flasche hinzusetzen und ihn schlückchenweise zu genießen statt ihn runterzustürzen in Shots oder Longdrinks. Tauglich dafür ist er!

Offenlegung: Ich danke FFL -Spirit Brands- für die kosten- und bedingungslose Zusendung einer Flasche dieses Wodkas.

Bier am Freitag – Chimay Pères Trappistes Dorée Blonde Légère, Rouge Brune, Triple Blonde und Bleue Brune Forte 2023

Einer der lokalen Edekas bei mir in der Region hat sich zum wahren Freudenquell entwickelt, was Biere angeht. Da stehen immer wieder neue Sachen herum, die man ausprobieren kann, und zwar nicht das Standardsortiment, sondern auch interessante Klassiker aus England, Österreich und vor allem Belgien, die man sonst nicht so in Supermärkten sieht. Als neulich das fast komplette Set an Bieren von Chimay Pères Trappistes dort zu finden war, habe ich natürlich sofort an eine Tastingreihe gedacht und mir alle vier vorhandenen in mehrfacher Ausfertigung aus dem Regal gegriffen. Die Fläschchen sind nicht ganz billig, aber, ich nehme das vorweg, sicherlich ihren Preis wert. Also, ran an Chimay Pères Trappistes Dorée Blonde Légère, Rouge Brune, Triple Blonde und Bleue Brune Forte 2023!

Chimay Pères Trappistes Blonde dorée, Brune, Triple, 2023

Vier Biere, offensichtlich voneinander abgegrenzt durch ihre Etikettenfarbe. Wir trinken uns von links nach rechts durch, wie man das bei Verkostungen machen sollte: mit steigendem Alkoholgehalt und zunehmender Malzigkeit.


Chimay Pères Trappistes Blonde dorée

Der Name des Chimay Dorée Blonde Légère / Goud Blond passt sicher zu diesem leicht milchigblassen, teiltransparenten Gold mit feinblasiger, weißer Schaumkrone. Man hat aber wenig Zeit, diesen Anblick zu genießen, denn beim Eingießen verströmt das Blonde Dorée sofort weitflächig eine sehr bezaubernde Blumigkeit, der man kaum entgehen kann – keine wirklichen Blütennoten, mehr diese Art, die bei frisch zerdrücktem Getreide entsteht, mit Stärke-, Teig- und Kuchenaromen. Wunderbar, wirklich etwas, was ich gerne rieche. Am Gaumen wird das konsequent fortgeführt, auch hier ist diese streuselige Mischung aus Aprikosen, Rosenblättern, süßem Windbeutel und einem leicht grünen Geranieneinschlag vorhanden. Eine dickflüssige Textur unterstützt das, und eine freche Säurekante und prickelnde Karbonisierung machen das Bier dann erfrischend. Diese über allem liegende Floralität dominiert auch den Abgang, süßbitter, auf der Zunge leicht astringierend. Besonders und extrem eigen, das Bier erkennt man unter Hunderten wieder, garantiert. Und mit 4,8% Alkoholgehalt ist das was, was man zwischendurch auch gut öfters trinken kann.


Chimay Pères Trappistes Brune

Auch beim Chimay Rouge Brune / Brun habe ich am Namen nichts auszusetzen: haselnussbraun, dabei praktisch blickdicht, mit sehr kräftiger Schaumentwicklung beim Eingießen. Im Gegensatz zu vielen anderen Flaschengärungsbieren ist der sehr grobblasige Schaum hier aber recht stabil und bleibt lange in zentimeterdicker Schicht erhalten. Der Geruch ist sowohl frisch, aber auch extrem malzig und würzig. Da sind viele rostige Nägel, nasses Holz und feuchtes Getreide. Röstaromen findet man auch, die aber von einer leichte Zitrusnote aufgefangen werden. Sehr attraktiv und stimmungsaufhellend für Menschen wie mich, die malzige Biere mögen. Im Antrunk ist das Brune weich, später frischer und mit dan kontrapunktierender kräftiger Säure. Vollmundig und rund, natürlich malzig auch im Geschmack, und ebenso leicht zitronig. Man hat für die meinen Geschmack perfekte Bittere getroffen, und es bleibt durchgängig rezent und erfrischend. Der mittellange Abgang wirkt mildherb, leicht trocken. 7% Alkoholgehalt sind gut gewählt und eingebunden, die angegebenen 10-12°C eine Trinktemperatursempfehlung, die ich voll unterstütze. Aromatisch nicht begeisternd, eher zurückhaltend, dafür in seinen Frischeeigenschaften gut. Ein tolles Genussbier für den lauen Sommerabend.


Chimay Pères Trappistes Triple

Den Alkoholgehalt hat man für das Chimay Triple Blonde/ Tripel nochmal einen Ticken auf 8% hochgefahren. Man sieht zunächst kräftiges, trübes Gold, fast in Terracotta übergehend. Wie schon bei den Vorgängern ist der Schaum beim Eingießen sehr stark, eher grobblasig, und darum sackt die initial grandiose Schaumhaube zwar zusammen, bleibt aber grundsätzlich gut erhalten. Die Nase findet zwei Komponenten: einerseits klare Getreiderostigkeit, andererseits milde Tropenfrucht, die ganz dezent Banane und Mango kombiniert, ohne dass das auch nur ansatzweise Pale-Ale-Ausmaße annimmt; frisch und leicht riecht das. Auch das Geschmackserlebnis ist deutlich zweitgeteilt. Im Antrunk ist das Triple leicht süß, malzig, mit Anklängen von würzigsüßem Honig. Nur wenig später wird es kräftig bitter und eher säuerlich. Grapefruit ist die nächste Assoziation, diese mittlere Bittere und Zestigkeit der Frucht finde ich hier wieder, das macht das Triple beinahe etwas kantig, stellenweise gefühlt holzig. Interessant! Frisch und rezent sind beide Aspekte, vielleicht nicht ganz so wie beim Brune. Das Mundgefühl mag ich sehr, es liegt gut im Mund und hat eine feste Textur, wird aber nie wirklich weich, das kühlt den Gaumen mit einer fast minzigen Eigenschaft. Der Abgang passt sich dem an, ist sehr trocken, knackig bitter, mittellang. Sicher ist das Triple nicht so gefällig und rund wie das Brune oder trinkig wie das Blonde – aber spannender und komplexer.


Chimay Pères Trappistes 2023

Kommen wir zum letzten des Quartetts, dem Chimay Bleue Brune Forte 2023. Dies ist ein Jahrgangsbier, das jedes Jahr neu speziell eingebraut wird. Ich habe hier nun ein fastaktuelles aus 2023 vor mir, im Kopf behalte ich die Tasting Notes, die ich mir vor langer Zeit für das 2016er-Bleue gemacht hatte. Mit 9% Alkoholgehalt ist es das stärkste, und mit seiner Mahagoniholzfarbe und kompletter Blickdichte auch das dunkelste. Der Schaum ist kräftig, unten fein, oben großblasig, und er bleibt lange auf dem Bier stehen. Die „starke Ausflockung von Heferesten“, die ich beim 2016er gesehen hatte, sind hier nicht sichtbar. Gleichgeblieben ist aber der extrem metallische Geruch, sehr rostig, danach erst kommt das dunkle Malz. Leichte Grapefruitschalenzestigkeit riecht man, und durchaus eine gewisse Note von Suppengrün. „Auch im Mund sehr stark metallisch, wirklich wie frische Stahlnägel aus dem Baumarkt“, hatte ich mir fürs 2016er notiert, bei der 2023er-Auflage ist das Malz sehr viel mehr im Vordergrund dafür, röstig, schokoladig, hefig, bananig, fast holzig. Die knackige Bittere spürt und schmeckt man, sie wird von schwerer Süße etwas aufgefangen. Rezenz ist trotz allem gut, auch durch die milde Säure, die alles aufhellt. Man hat fast den Eindruck von Zuckerwatte oder Fruchtkaugummi, da ist eine schöne Mischung aus tropischer Frucht und Floralität (letzteres ist ja bei allen Chimays erkennbar). Der Abgang ist süß und weich, malzig und mit sich erhaltender sanfter, dickflüssiger Textur. Hier bekommt man was, an dem man lange schlürfen kann!


Das ist ein schönes Quartett an sehr unterschiedlichen Bieren, bei denen es insbesondere Spaß macht, eben diesen Bogen vom leichten Blonden bis zum süßschweren Blauen nachzuvollziehen. Und jedes für sich ist aber auch süffig und unterhaltsam, alleinstehend. Diese Testrunde werde ich noch öfters machen – und dann noch die ausstehenden 150 Blonde Forte (im grünen Mantel) und Grande Réserve Fermentée en barriques (in der schwarzen Flasche und besonderem Etikett) dazu mitaufnehmen.

Imperiale Ambitionen – Carlos I Imperial X.O. Solera Gran Reserva Brandy de Jerez

Spanien ist Europameister im Herrenfußball, und hat im Finale gegen ein doch erkennbar unterlegenes England gewonnen. Hatte ich neulich noch über die alten Beziehungen zwischen England und Frankreich philosophiert, so muss man auch die Geschichte dieser beiden Länder ansprechen – sie ist ähnlich bewegt und weist dramatische Feindschaften auf, die glücklicherweise heutzutage auf dem grünen Rasen ausgetragen werden statt auf hoher See mit Kriegsschiffen. Abgesehen davon, dass die ganzen Renaissance-Königshäuser eh eigentlich alle nur unwesentlich weit voneinander durch Verwandschaftsgrade getrennt (oder vereint) sind, tun sich auch auf wirtschaftlicher Ebene einige interessante Gemeinsamkeiten auf. So wie Mitte des 18. Jahrhunderts ein gewisser Richard Hennessy in Südfrankreich ein kleines Cognachaus gründete, machte das Thomas Osborne Mann nur wenige Jahre später in Südspanien ihm nach – er exportierte hauptsächlich vinos generosos von der neuen in seine alte Heimat.

Heute ist das Unternehmen ein weiterhin familiengeführter Konzern und hat viele bekannte Marken unter seinem Schirm vereint; eine der bekanntesten ist wahrscheinlich der Weinbrand Veterano, aber direkt danach ist die Marke Carlos I Imperial X.O. Solera Gran Reserva Brandy de Jerez vielen Lesern hier sicherlich schon eine ganze Weile auf dem Radar. Man findet ihn in vielen Supermärkten, die edel aufgemachte Schachtel und die schwere Flasche sorgen sicherlich für viele Spontankäufe, wenn man etwas besonderes haben will – hält der Inhalt der Flasche, was die edle Verpackung und der große Name versprechen? Der vor vielen Jahren von mir bereits besprochene Carlos I Solera Gran Reserva (nur ohne das „Imperial“) war diesbezüglich ja eine Luftpumpe, geben wir dem größeren Bruder aber trotzdem noch eine ehrliche Chance!

Carlos I Imperial X.O. Solera Gran Reserva Brandy de Jerez

Die Form der Flasche betont die Farbe – direkt aufs Glas sind die goldenen Schriftzüge angebracht, ohne jedes Klebeetikett, da sieht man die gebrannte Siena, beinahe schon Espresso. Im Glas wirkt der Brandy deutlich heller, bleibt aber natürlich weiterhin dunkelbraun mit rötlichen Einschlägen, vielleicht hier dann Pariser Rot. Mittlere Viskosität zeigt sich beim Schwenken, mit dicken Beinen, die schnell abfließen, aber weiterhin einen öligen Film an der Glaswand hinterlassen.

Die Nase überzeugt mich dann aber schon erkennbar weniger, da kommt einem erstmal eine dicke Ladung dünnpieksendes Ethanol entgegen, etwas Plastikkleber, das legt sich bis auf die Bronchien, überhaupt kein Vergnügen. Auch mit etwas Offenstehzeit bleibt der Carlos I Imperial X.O. geruchlich dünn, schmal und voller Lösungsmittel und störender Destillationsartefakte. Erst, wenn man das aktiv ausblendet, findet man Trockenobst, Orange, Mandarine und dunkle Sherry-Fruchtigkeit, begleitet von erkennbaren Nusstönen. Schade, das könnte sehr aromatisch und angenehm sein, ist es aber nicht. Da hätte man sehr, sehr viel mehr erwartet – mich erinnert das an einen der günstigeren Drei-Sterne-Metaxas.

Carlos I Imperial X.O. Solera Gran Reserva Brandy de Jerez Glas

Im Mund versöhnt einen der Carlos X.O. dann aber direkt wieder etwas, hier wirkt er viel voller und dichter, als die Nase das vermuten ließ. Angenehme Balance zwischen Süße und Trockenheit zeigt sich, im Verlauf gewinnt letztere, ohne wirklich astringierend zu werden. Der Körper bleibt sehr leicht, und unterschwellige Anis- und Süßholznoten betonen das noch, auf eine sehr erfrischende, unterhaltende Art und Weise. Gedörrte Aprikosen, saftige Datteln und etwas Orange bilden die kräftige Fruchtbasis, die durch sehr viel Pflaumen und mehr als ein Touch Melasse noch etwas dunkler getönt wird. Leichte Anklänge an Kaffee und Bitterschokolade fallen nun auf. Hier gefällt mir der Brandy richtig gut, ich nutze die Chance ihn zu genießen, bevor er am Ende wieder alkoholischer, feuriger und pfeffriger wird, alles eher unrund und kantig, und er mit einem beinahe kratzigen, holzigen Gefühl im Rachen ausklingt und Jasminblütigkeit hinterlässt, die irgendwie unmotiviert den Nachhall bestimmt.

Mir fällt schwer, hier eine wirklich positive Note zu finden, auf die ich mich einigen könnte – die Ecken, Kanten und irgendwie gefühlten Fehler dominieren das Erlebnis im Endeffekt für mich zu sehr. Das ganze wirkt nicht angenehm und balanciert, sondern unreif, derb und handwerklich wenig überzeugend. Mein Fazit – ein Massenprodukt ohne echten Charme, das seine Highlights nur kurz zeigen kann.


Ich trinke sowas nicht pur, das ist mir zu unausgereift, um alleinstehend im Glas wirklich Freude zu bereiten. Und so ist der Carlos I X.O. eine Mixzutat geworden, bei der andere Zutaten die Mängel ausgleichen, und er selbst seine Stärken allein vorstellen kann – diese paar Momente der wunderbaren Dunkelfruchtigkeit, so wie im Call Me Ish, wo der Körper, die Dichte und die Samtigkeit von den Mitspielern kommt. Am Ende dieses Drinks weiß man, warum es sich vielleicht doch lohnt, so eine Flasche zuhause zu haben.

Call me Ish Cocktail

Call me Ish
1oz / 30ml spanischer Brandy
1oz / 30ml Bourbon
1oz / 30ml Amaro
3 Spritzer Orange Bitters
Auf Eis rühren. Mit einer Kirsche servieren.

[Rezept nach Drew Nemetz]


Viele, die dieses Produkt kaufen, werden dies aufgrund der üppigen Präsentation tun – die Flasche und der Karton machen ganz sicher was her, ohne Frage, das zieht auch die Blicke auf sich und macht den Brandy zu einem Hingucker. Persönlich ist das für mich aber reine Augenwischerei, wahrscheinlich kostet die Flasche, die wirklich toll ist, in der Herstellung nur unwesentlich weniger wie der Inhalt. Nun, das ist zumindest eine Flasche, die nicht ins Altglas geht, sondern als Behältnis für hauseigene Blends oder ähnliches weiterhin bei mir zuhause ihr Dasein fristen wird.

Wie ich schon bei italienischem Brandy festgestellt hatte, und was so eigentlich auch für französischen gilt: man muss etwas mehr Geld in die Hand nehmen, um vernünftige Qualität zu bekommen. Wer in der Preisklasse um die 30€, die man für den Carlos I X.O. meist hinlegt, etwas besseres haben will, sollte sich eher in Deutschland oder Armenien umschauen. Da findet man dann schon sehr viel unterhaltsameres als diesen mäßig überzeugenden Spanier.

Bier am Freitag – Diekirch Premium und Grand Cru Bière Ambrée

Ich war 2023 öfters in Luxemburg, der Flughafen dort liegt einfach sehr günstig für mich und man fliegt mit LuxAir sehr komfortabel in viele Regionen Europas, die letzte Propellermaschine brachte mich nach Venetien, davor war Lissabon das Ziel. Jedesmal probiere ich ein lokales Bier, und diesmal habe ich mich für zwei Produkte der Brasserie de Luxembourg Mousel Diekirch entschieden; Diekirch ist ein Ort in Luxemburg. Mich faszinierte der Spruch „Zu Lëtzebuerg gebraut – Zanter 1871“, dazu ein paar französische Wörter drauf, die das Sprachmischmasch in Luxemburg gut wiederspiegeln, sowas fasziniert mich. Also stelle ich heute das Diekirch Premium und das Grand Cru Bière Ambrée vor.

Diekirch Premium und Grand Cru Bière Ambrée

Probieren wir erstmal die kleinere Dose. Das Diekirch Premium wird als „bière blonde“ oder Lager deklariert, ganz klar ist das nicht, wir wollen aber auch nicht päpstlicher sein als der Papst. Jedenfalls weist es 4,8% Alkoholgehalt auf und ist im Glas kristallklar, strahlend blond, ohne jeden Anflug von Trübung. Reinweißer Schaum bildet sich fingerdick, bleibt halb so stark eine ganze Weile stehen. Man sieht leichtes Mousseux. Ein optisch sehr ansprechendes Bier.

Diekirch Premium

Die Nase ist vergleichsweise zurückhaltend, typisch für ein Helles oder ein Export, etwas hopfig, etwas hefig, nur leicht malzig – na, da gibts eigentlich, wenn man ehrlich sein will, nicht wirklich viel darüber hinaus zu berichten.

Im Mund fällt zunächst eine weiche Textur auf, sehr rund und dabei trotzdem klar bleibend. Eine minimale blumige Note ist da, gar nicht unangenehm oder als Fehlton wahrnehmbar, dazu die hopfige Frische und feine Herbe. Im Verlauf spürt man letztere etwas deutlicher, dennoch bleibt es ein eher mildes Bier, da kratzt nichts. Die Exportaromatik ist klar definiert, ein sehr typisches und traditionelles Bier ohne viel Experiment – das ist aber auch nicht schlecht zwischendurch, vor allem, wenn es so ein tolles Erfrischungserlebnis bietet mit ordentlich Rezenz.


Das Diekirch Grand Cru Bière Ambrée hat im Gegensatz zum hellen Vorgänger Hopfenextrakt und Zuckersirup als Zutaten auf der Liste, ersteres kann funktionieren, wenn man es gut macht, zweiteres darf für mich höchstens für die Flaschengärung eingesetzt werden, bei einer Dose bin ich da skeptisch. 5,1% Alkoholgehalt gebe ich einfach mal so weiter.

Diekirch Grand Cru Bière Ambrée

Die Farbe des Biers ist fast identisch zur Dosenfarbe, ein rostiges Haselnussbraun, würde ich sagen, sehr klar, minimalst opalisierend vielleicht. Der Schaum ist kräftig, bleibt auch lange erhalten, in sehr gemischtblasiger Form. Die Nase wirkt ebenso rostig wie die Farbe, ein bisschen malzig, ein bisschen hopfig, aber beides ist mehr erahnbar denn wirklich handfest sensorisch festmachbar. Ein kleiner Fruchtanteil schimmert durch.

Am Gaumen merkt man direkt, dass der Zuckersirup nicht den Hefen als To-Go-Nahrung während der Flaschenreifung diente, sondern im Bier erhalten bleibt und dieses doch ein bisschen süßer macht, als ich es bei Bier wirklich mag. Nicht dramatisch aufdrängend, doch es ist ein durchgängiger Störfaktor, der mich den Rest des Biers nur wenig genießen macht. Ein bisschen Säure gleicht die allergröbsten Pappattacken aus, doch sensorisch ist außer diesen beiden Aspekten kaum etwas vorhanden. Im Abgang kratzt es sogar ein bisschen, und der Rostnagel wird voll ausgepackt. Kein Bier, das ich mir nochmal holen werde – den Sirup verzeihe ich in dieser Form nicht.


Man sieht – keine wirklichen Knaller, für die man extra nach Luxemburg fahren müsste. Da bietet das Land bessere Alternativen.

Geschichten aus 1001 karibischer Nacht – Foursquare Raconteur Single Blended Rum

„Did you know? [The word] Raconteur has old French roots.“ Ach! Das Wörterbuch von Merriam-Webster ist hier vielleicht ein bisschen platt direkt, aber wenigstens machen einem solche Wörter, die tatsächlich zur englischen Sprache gehören, etwas klarer, was das moderne Englisch ist: eine wilde Mixtur aus britonischen, germanischen und französischen Bestandteilen, mit etwas Latein angereichert, erklärt natürlich durch die bewegte Eroberungsgeschichte der britischen Inseln. Insbesondere die historischen Verbindungen zwischen England und Frankreich haben dafür gesorgt, dass es dermaßen viele französische Lehnwörter im Englischen gibt, dass man ohne sie praktisch keinen Satz schreiben kann – das läuft aber unter dem Radar, und kaum ein native speaker ist sich dessen bewusst. So musste ich neulich lachen, als eine Petition für die „Reinheit der englischen Sprache“ veröffentlicht wurde, in deren Text ein humorvoller Kommentator jedes zweite Wort als Lehnwort markiert hatte; solche Dinge zeigen einem die Futilität jeder präskriptiven Sprachpolizei. Pardon my French.

Die Wortgeschichte ist aber hier nur von untergeordneter Bedeutung, man hat sich bei Foursquare schon vor ein paar Jahren entschieden, seltsame Wörter für ihre Abfüllungen zu verwenden, mit mehr oder weniger Sinn dahinter. Die „Geschichtenerzähler“, so die Übersetzung des Worts, die man mit dem Foursquare Raconteur Single Blended Rum ehren möchte, sind Luca Gargano und Stephen Remsberg, zwei wohlbekannte Namen in der Rumwelt. Entsprechend hat man hier zwei Rums verblendet, die beide für sich schon ein Blend sind: aus einem Destillat der typischen Foursquare-Kombination von Double Retort Pot Still und traditioneller Coffey-Doppelsäule hat man einen Teil 17 Jahre in Ex-Bourbon-Fässer gelegt, und einen zweiten Teil erst für 5 Jahre in ähnliche Ex-Bourbon-Fässer, danach weitere 12 Jahre in Ex-Sherry-Oloroso-Fässer. Kompliziert und verschachtelt wie die Geschichten aus 1001 Nacht, so eine Mixtur hätte man auch „Sheherazade“ nennen können! Am Ende steht jedenfalls das älteste Endprodukt, das Foursquare bisher mit Velier abgefüllt hat. Genug Geschichten erzählt, ab ins Geschmacksprofil.

Foursquare Raconteur Single Blended Rum

Ich bin zu voreilig – wir schauen uns einen solchen Brand ja immer erstmal rein optisch an. Hier würde ich farblich ein Terracotta zuordnen, mit hellorangenen Lichtreflexen, die fast ins Weiße übergehen. Im Schwenkverhalten gefällt mir die Schwere, mit der sich die Flüssigkeit bewegt, die kleinen Strudel, die sich dabei bilden, und der Flocatiteppichrand, den man danach an der oberen Glaswand findet; er bleibt lange so stehen.

Barbados-Rum hat, wenn tatsächlich rein auf Barbados hergestellt, gereift und abgefüllt (nein, das ist nicht so selbstverständlich, insbesondere die letzten zwei Punkte sind durch gewisse Abfüller leider stark aufgeweicht), eine extrem hohe Typizität in der Nase. Raconteur bildet das wirklich extrem gut ab: Ein mildes Fruchtkompott aus Orange, ältere Mandarinenschale und einem Tick Litschi bildet die Basis, darüber kommt ordentlich Kokosfleisch aus einer frisch geöffneten Nuss, Macadamia-Nüsse und etwas buttriges Shortbread. Voll und weich, nur ein minimalster Lackanflug ist vorhanden, ohne wirklich sich aktiv zu melden. Ganz sanft blitzt im Detail ein bisschen schwere Lilie auf, bei der die Blütenblätter schon abfallen. Ausgesprochen angenehm.

Foursquare Raconteur Single Blended Rum Glas

Wer mag, füge gern ein paar Tropfen Wasser hinzu, bei einer Alkoholstärke von 61% nehme ich das niemand krumm – brauchen tut es der Rumfreund allerdings nicht. Wie schon optisch beobachtet legt sich der Raconteur richtig breit in den Mund, vom Antrunk an spürt man die Dichte und Schwere dieses Rums, die Textur ist fett und ölig. Starksüß, natürlich wirkend in dieser Beziehung, mit Eindrücken von Honig, etwas warmem Vanillepudding, ganz dezent Zimt und Krokant, fast wie eine Praline wirkt das in manchen Momenten auf mich. Pistazien, vielleicht sogar leicht gesalzene, brauner Kandis und etwas Karamell geben weiterhin Süße und gleichzeitig Würze. Heller Tabak, Kokosnussschale, ein Hauch Estragon, ein noch kleinerer Hauch Nelke und dann noch gebrannte Mandeln – die Balance zwischen Salz und Süß ist wirklich hervorragend getroffen, erinnert mich fast etwas an Salted Caramel, mit all den Suchtfaktoren, die diese Süßigkeit für mich so unwiderstehlich macht. Dabei gibts aber auch kräftige Wärme, das ist kein Spiel, dieser Rum, der hat Power, die man lange am Gaumen mit viel Kribbeln und gegen Ende guter, nicht überhand nehmender Trockenheit, spürt, und tief im Rachen. Zum Schluss kommt eine gewisse Grünheit dazu, Geranien vielleicht, und der Ausklang ist lang, effektvoll und ausdauernd.

Ein Rum, der einen zum Verweilen einlädt. Nicht, weil er irrsinnig komplex wäre, sondern einfach weil er einfach alle Aspekte perfekt in sich integriert. Hier kann selbst der Analyst, wie ich einer bin, für ein paar Minuten das Hirn abschalten und dieses großartige Mundgefühl in Kombination mit breiter Aromatik genießen. Das geschieht mir selten genug, umso dankbarer bin ich dem Raconteur dafür.


So ein Rum macht sich natürlich in jedem Cocktail gut, der eine gute Rumbasis braucht, ohne wirklich mit extremen Aromen alles zu übernehmen. Der La Luna baut auf so eine Basis, ergänzt noch leicht mit Kräuterlikör und Sherry, die hier nur bereits grundsätzlich vorhandene Eindrücke verstärken, und etwas Armagnac, der wirklich gut zum Raconteur passt. Ein wirklich dickes Ding, sowohl vom Aroma als auch der Stärke her, ein richtig guter Absacker nach einem harten Tag.

La Luna Cocktail

La Luna
1½oz / 45ml gereifter Rum
½oz / 15ml Armagnac
½oz / 15ml PX Sherry
⅓oz / 10ml Bénédictine
1 Spritzer Salzlösung
Auf Eis rühren. In ein mit Absinthe ausgesprühtes Glas abseihen.

[Rezept nach Nicklas Jørgensen]


Die liebevolle Gestaltung der Miniaturflaschen des VSGB-Projekts erwähne ich einfach immer wieder bei Rezensionen dieses tollen Projekts, weil ich es unglaublich schätze, wieviel Aufwand da offensichtlich reingeht. Auch hier findet man eine exakte Replikation der Vollflasche, mit allem was dazugehört, vom fühlbar strukturierten Etikett bis zum Karton, der weiterhin natürlich nummeriert ist und die Limitierung der VSGB-Flaschen klar macht.

Ich sage es mal so: die Aromatik ist klar ähnlich der, die man zum Beispiel im Doorly’s XO findet; nur eben hundertmal runder, dichter und feiner. Da besteht gar keine Konkurrenz, die zwei spielen in unterschiedlichen Ligen. Wer sich also schonmal mit so einem Rum aus Barbados (tatsächlich rein von dort!) beschäftigt und die Erfahrung genossen hat, der kann mit dem Foursquare Raconteur dieses Erlebnis vielfach verstärkt wiederholen. Dem Geschichtenerzähler zuzuhören macht Spaß, versprochen, und lohnt jeden Aufpreis.

Bier am Freitag – Jungle Joy Passion & Mango Ale

Das Brussels Beer Project bringt immer wieder mal überraschende Dinge hervor, die ich als bekennender Belgienbierfan sehr gerne im Glas sehe; dazu gehört auch das Jungle Joy Passion & Mango Ale. Der Name ist Programm – auf Basis eines Ales, das mit erstaunlichen 5 Malzsorten angelegt ist (ich zitiere das Rücketikett: „Pale, Munich I, Pilsner, Vienner, Caramunich“) und dazu mit 3 Hopfensorten (auch hier: „Hersbrucker, Magnum, Mosaic“), was schon für sich ein üppiges Genussbier ergeben könnte, verwenden die Brüsseler noch tropische Früchte. Passionsfrüchte und Mangos werden mitgebraut, tatsächliche Früchte, man besteht darauf, weder Aromastoffe noch Zucker beizugeben, und damit gewinnt man mich bereits. Ein Fruchtbier mit 5,9% Alkoholgehalt ist dazu schon kraftvoll, oder? Schauen wir es uns an.

Jungle Joy Passion & Mango Ale

Zwischen Kupfer und Terracotta steht das Bier volltrüb im Glas, komplett blickdicht, selbst bei Gegenlicht sind nur die Glasränder minimalst durchscheinend. Der Schaum entsteht üppig, bleibt einige Minuten streichholzschachteldick da, fällt dann in einen großblasigen Zentimeter etwas zusammen.

In der Nase erkennt man bereits das Fruchtbier, das ist klar mehr als Hopfenfrucht, die man da riecht – die Passionsfrucht vielleicht einen Ticken mehr als die Mango. Beides wird dann aber doch von frisch-leichtem Hopfen unterstützt und aufgehellt, während die Getreidebasis immer noch erkennbar bleibt und Würze dazu beisteuert. Insgesamt frisch und angenehm.

Auch am Gaumen bleibt die Rezenz der erste Eindruck, frisch, hell, klar zum Säuerlichen hin tendierend, mit Zitrone und etwas Essig als Treiber dafür. Direkt kommt eine überraschende florale Note dazu, die dann in die Passionsfrucht übergeht. Mango ist eher unterschwellig als Idee da, vor allem ist nichts der Süße, die man von dieser Tropenfrucht erwarten mag, vorhanden – das Bier ist trocken, herb, sauer und dabei sogar etwas astringierend und kantig im Rachen, was man im Abgang dann deutlich spürt. Der Nachhall ist sehr kurz, leicht fruchtig.

Ein interessant gemachtes Fruchtbier, das nicht auf vordergründige Fruchtaromen setzt, sondern diese in ein Sauerbier einbettet und die Geschmäcker nur dezent wirken lässt. Das meine ich durchaus als Kompliment für das Jungle Joy Passion & Mango Ale, das ist kein Radler oder Aromabier, sondern ein erwachsenes, starkes Ding!