Armagnac am Donnerstag – Grape of the Art Pellehaut 1988 Armagnac

Grape of the Art Pellehaut 1988 Armagnac Titel

1988, das war ein Jahr! Verbleites Normalbenzin wird in Deutschland verboten, Ayrton Senna wird das erste Mal Formel-1-Weltmeister, die Ausstrahlung von Alf beginnt im deutschen Fernsehen. Und in der Region Armagnac Ténarèze wird von Patrick Michalouski im Oktober der heute unter dem Namen Grape of the Art Pellehaut 1988 bekannte Armagnac gebrannt, rein aus der Rebsorte Ugni Blanc, und landet dann für 35 Jahre im feuchten Keller. Alf war nach 4 Staffeln zuende, Alain Prost löste Senna nach einem Jahr ab, selbst das unverbleite Normalbenzin mit 91 Oktan heutzutage ist nicht mehr erhältlich. Aber der Pellehaut von Patrick Michalouski ist nun immer noch da, abgefüllt in Cask Strength von 49,7% Alkoholgehalt im September 2024 in nur 230 Flaschen. Ein bisschen Kontext macht klar, dass wir hier schon ein Stück Geschichte trinken!

Grape of the Art Pellehaut 1988 Armagnac

Der optische Eindruck bietet tatsächlich eindrucksvolles, leuchtendes dunkles Terracotta, mit orangenen Lichtreflexen. Lebendig bewegt sich die Flüssigkeit beim Schwenken, hinterlässt dabei kleine Tropfen, die schnell ablaufen.

Ein feiner Duft bietet sich der Nase, eine attraktive Mischung aus traubigen Weinnoten und sauber platzierten Gewürzen. Die 35 Jahre im Holz haben es nicht geschafft, die Fruchtigkeit des Pellehaut 1988 einzuschränken, im Gegenteil, hier bilden sie ein stabiles Basisfundament, auf dem die edlen Tannine ihre beste Seite zeigen können und Anflüge von Vanille und Zimt ins Destillat abgeben. Eine leichte Floralität, mit einer gewissen Seifigkeit, macht das Gesamtbild noch milder und runder. Insgesamt bleibt der Duft aber zart und fein, völlig ohne Alkoholpieksen, und ohne die Wucht manch anderer Armagnacs.

Das transportiert sich auch gut auf den Gaumen, der Antrunk ist wirklich süß und voll, mit viel Cremigkeit und Anflügen von vanilligem Streuselkuchen. Die Textur ist dabei sehr weich und breit, passt hervorragend zu den Geschmackseindrücken. Im Verlauf baut sich doch noch Kraft auf, viel weißer Pfeffer und deutlich spürbares Menthol kühlt die gesamte Zunge runter. Hier entsteht auch trockene aber nicht astringierende Bittere, ohne die Süße je zu verdrängen, sondern sie um Komplexität zu ergänzen. Der Abgang ist mittellang, weiterhin eiskalt auf der Zunge, warm im Rachen, und mit einer schönen Kombination aus Traubenfrucht und Blumigkeit, mit einem Touch von grünen Aspekten und etwas feuchtem Holz.

Der Pellehaut 1988 ist ein faszinierender Armagnac, dezent und zurückhaltend in seiner initialen Art, mit einem in seiner Eiseskälte dann doch überraschenden Finish. Sauber gemacht, und man muss es erstmal hinbekommen, dass nach 35 Jahren das Holz nicht deutlicher übernimmt. Eine schöne Ergänzung für das eh schon sehr abwechslungsreiche Portfolio bei Grape of the Art.

Offenlegung: Ich danke Grape of the Art für die kosten- und bedingungslose Zusendung dieses Samples.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

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