Saugkraftverstärker gesucht – Montecristo Open Junior

Kubanische Zigarren haben einen fast schon mythischen Ruf, sie gelten als die besten der Welt. Früher war das wahrscheinlich so, in modernen Zeiten haben andere Länder, insbesondere Nicaragua und die Dominikanische Republik, deutlich aufgeholt, und in manchen Bereichen Kuba vielleicht schon überholt. Das US-Embargo auf kubanische Produkte sorgt dafür, dass der riesige US-Markt bedient werden muss, und die Amerikaner sind nicht weniger anspruchsvoll als die Europäer, wenn es um einen guten „smoke“ geht – da wird entsprechend in Alternativen investiert.

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Der heutige „smoke“ ist aber nun doch ein moderner Vertreter aus einem der beliebtesten kubanischen Zigarrenhäuser, eine Montecristo Open Junior, erhältlich im Einzeltubo. Schon sehr schnell nach dem Anzünden fallen mir erstmal die Negativpunkte auf. Sehr fester Zugwiderstand, der auch mit abnehmender Länge nicht abnimmt – die Zigarre ist zu fest gestopft, gerade am Mundstück. Tatsächlich scheint Montecristo ein Problem mit der Herstellung zu haben; in einigen Onlineforen habe ich die Beschwerde gelesen, dass sie zu fest oder zu lose gerollt ist, während andere die perfekte Dichte loben. Das ist halt die Schwierigkeit bei Zigarren, die „hecho a mano“, handgerollt, sind – eine gleichbleibende Qualität ist schwierig einzuhalten. Durch Tasten findet man die Unregelmäßigkeiten; in der Mitte ist mein Exemplar weicher als am Anfang und am Ende.

Ein ähnliches Symptom ist schiefer Abbrand. Leider brennt die Open Junior nicht gerade ab, wie man es von guten Zigarren erwartet.

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Und wenn wir schon dabei sind, zu meckern: Die Zigarre bringt, vielleicht wegen der strengen Stopfung, nur ein sehr geringes, klar unbefriedigendes Rauchvolumen hervor. Die Asche ist dann sehr locker und lose – fällt ab und auf die Hose. Dazu ist sie mir ein mal beim Rauchen ausgegangen.

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Nun aber genug der Kritik. Die kleine Montecristo im Trabuco-Format hat auch etwas zu ihrer Verteidigung aufzubringen, denn optisch ist sie sehr ansprechend, weist ein wunderbar glattes, feinadriges Deckblatt auf, sowie einen angenehmen Kaltgeruch.

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Der Geschmack ist fein, hocharomatisch, würzig und dabei trotzdem sehr mild, hat kaum unerwünschte Teer- oder Störnoten. Das geringe Rauchvolumen lässt leider nur einen dünneren Geschmack zu, als es möglich wäre; ich glaube, ein weniger dicht gerolltes Exemplar würde mich zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Der hervorragende Geschmack wird komplettiert durch praktisch keine Schärfe oder Pfeffrigkeit, selbst nicht im letzten Drittel, in dem andere milde Zigarren gern mal ein bisschen Power zulegen. Etwas über eine halbe Stunde Vergnügen bietet sie.

Der Tubo ist stabil, und hat als besonderes Schmankerl ein innenliegendes Zedernholzblatt, das wohl dem Aroma- und Feuchtigkeitsschutz dient. Ein sehr nettes Detail, ebenso wie die doppelte Banderole.

Für den Preis von über 7€ gibt es allerdings in der Gesamtbetrachtung klar bessere Zigarren was die Raucheigenschaften angeht. Eventuell ist es, wie eingangs angesprochen, auch nur mein Exemplar – gerne werde ich der Montecristo Open Junior noch eine zweite Chance geben, denn der Geschmack überzeugt mich schon.

Ein Apfel am Tag – Bulmers Original Cider

In den Irish Pubs meiner Studentenzeit gab es zwei Typen von Trinkern. Die einen, die sich das malzig-süße Guinness runterstürzten, und die, die mit dieser Art Bier nichts anfangen konnten, aber trotzdem ein bisschen Suff gebrauchen konnten. Letztere, zu denen ich meist gehörte, wandten sich oft dem irischen Apfelschaumwein, genannt Cider, zu. Abgesehen vom schlimmen Sodbrennen am nächsten Tag, wenn man mal eineinhalb Liter davon weggezogen hat, empfand ich das Getränk als sehr verträglich und weniger katerig als Bier.

bulmers-bottleBei uns im Saarland ist man mehr frankophil veranlagt, der französische Cidre aus der Normandie ist daher vielen vielleicht eher ein Begriff, aber mit der britischen Variante natürlich eng verwandt. Auch der saarländische Viez gehört in diese Gruppe von leicht fermentierten Apfelgetränken mit oder ohne Kohlensäure.

Allen diesen Getränken, auch denen aus meiner Erinnerung, hat der Bulmers Original Cider eins voraus: Er ist sehr angenehm mild. Zurückhaltende, nur leicht schmeckbare Säure, zusammen mit der feinen, wirksamen Perlage, ergibt ein süßes, aber nicht übersüßes, Mundgefühl, das trotzdem üppig nach Apfel schmeckt. Die Schaumkrone direkt nach dem Eingießen ist fett, und bleibt überraschend lange erhalten. Über die herrliche Farbe lasse ich mich nicht aus, da sie durch Farbstoffe (unter anderem das etwas problematische Cochenillerot A) entsteht.

bulmers-glasGut gekühlt ist der Bulmers Original Cider ein wunderbarer Begleiter zum Essen, oder erfrischt als Sommergetränk ganz hervorragend – wenn man auf die viereinhalb Volumenprozent Alkohol achtet, die man praktisch überhaupt nicht herausschmeckt. Bulmers stellt auch noch eine Reihe von anderen Cider-Getränken her, vom Birnencider bis hin zum Blutorangencider. Das eine oder andere davon werde ich mir bestimmt noch mal in den Kühlschrank legen, für die ganz heißen Tage… oder Nächte.

Wer braucht schon Limette und Salz – Agavita Platinum Tequila Blanco

Tequila, Limette und Salz – ein Ritual, das viele aus Jugendzeiten und Saufgelagen kennen. Letztlich dient es nur dazu, den Fuselgeschmack billigsten Schrott-Mixto-Tequilas (wie dem mit dem Hut) zu überdecken. Das braucht man beim Agavita Platinum Tequila Blanco nun wirklich nicht, im Gegenteil.

Beginnen wir außen: Die Flasche selbst ist sehr formschön, wuchtig, mit einem elegant zurückhaltenden Etikett ohne Firlefanz. Kaum zieht man den Plastikkorken ab, strömt einem auch schon der typische Tequiladuft entgegen – ich verwende bei Tequila tatsächlich das Wort „Duft“, denn im Gegensatz zu den meisten anderen Spirituosen ist der Geruch des Tequila, fein, ätherisch, floral, edel; mehr ein Parfüm denn ein vulgärer Geruch.

agavitaplatinum-borderDer Agavita Platinum Tequila Blanco ist ein 100%-Agave-Brand, das riecht man direkt. Wie es für weiße, ungereifte Weber-Agavenschnäpse üblich ist, sind fruchtige, süße, leicht mineralische und manchmal metallische Aromen im Vordergrund. Keinerlei Alkoholdunst schwillt auf.

Da Tequila im Gegensatz zu Rum, Whisky oder Vodka aus den lebenden Fruchtteilen einer Pflanze hergestellt wird, zeigt sich die Fruchtnote auch bei guten Tequilas: Der Platinum ist keine Ausnahme. Extrem süß liegt er ölig auf der Zunge, fruchtig, nach grünen Pflanzen schmeckend, etwas mineralisch, mit Gewürznoten nach Nelken und einem Hauch Pfeffer. Sehr voluminös füllt er den Mundraum gut aus, und bringt nur ein leichtes Alkoholbrennen im Abgang mit sich. Eine feine, zarte Spirituose, und ganz gewiss etwas für die Süßmäuler unter uns.

Für rund 17€ gibt es den Agavita Platinum im Metro-Großmarkt; sehr selten habe ich ihn in Online-Shops gefunden. Wenn Sie also jemand mit Zugangskarte für die Metro kennen, denken Sie daran, sich beim nächsten Einkauf eine Flasche mitbringen zu lassen. In normalen Supermärkten findet man oft den „kleinen Bruder“ dieses Tequilas, den Agavita Blanco, mit der Hornisse auf dem Etikett und in anderer Flaschenform. Im Gegensatz zum Platinum ist der Hornissen-Agavita ein Mixto, also nicht aus 100% Agavenzucker fermentiert.

Die besondere Süße des Agavita Platinum ist in Cocktails ein gern gesehener Gast; ganz im Gegensatz zu seinem brutalen Namen nutzt der Charo’s Kick noch weitere süße Zutaten, um einen Gaumenschmeichler mit Dessertpotenzial zu zaubern.

Charo's Kick


Charo’s Kick
1½ oz Agavita Platinum
½ oz Mezcal (z.B. San Cosme)
¾ oz Zitronensaft
¾ oz Orgeat (oder Mandelsirup)
2 Barlöffel Crème de Menthe (z.B. Olando Pfefferminz)


Wer die Chance hat, diesen wunderbaren Einstiegstequila auszuprobieren, sollte dies tun: Ein würdiger Vertreter seiner Gattung, mit einem sensationellen Preisleistungsverhältnis, da Tequila in Deutschland leider immer noch völlig überteuert verkauft wird.

10 Flaschen Bier an der Wand – Die Hausbar, Kapitel 1: Die hochgeistige Grundausstattung

In dieser Reihe von Artikeln möchte ich angehende Heimmixologen dabei beraten, wie man sich effektiv eine kleine, aber feine Hausbar einrichtet. Im ersten Teil geht es um die Grundspirituosen, die man braucht, um vernünftige erste Schritte zu tun.

Der erste Einkauf wird den Geldbeutel recht stark belasten, denn schon für simple Cocktails benötigt man mehrere Zutaten. Ist aber der erste Schritt mal getan, kann man je nach persönlicher Präferenz die Bar in kleineren Schüben immer weiter ausbauen – tendiert man mehr zu klassischen Cocktails, wird die Whiskey- und Tequila-Schiene wohl immer größer; bei Tiki-Cocktails die Rum-Schublade; bei modernen Drinks das Vodka-Regal. Für die meisten Gruppen habe ich noch Ergänzungen angeboten, falls es neben dem Basissortiment auch eine feinere, besondere Variante sein soll.

Letztlich ist zur Vorsicht geraten: Schnell kann so eine Hausbar zum Kaufrausch verleiten, und die aus einer Laune heraus gekauften Spirituosen im Regal ein tristes Dasein fristen, weil der fünfte Bourbon oder siebte Rum dann eben kaum zum Einsatz kommt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es manchmal extrem schwierig ist, der Versuchung von Sonderangeboten zu widerstehen – daher empfehle ich nur, sich eine Wunschliste anzulegen, und das neue Objekt der Begierde erstmal auf die Liste zu legen und ein bisschen „reifen“ zu lassen. Hin und wieder verschwindet der Kaufdrang dann mit der Zeit.

Wo kauft man am besten Spirituosen? Für diese erste Einkaufsliste ist der Gang in den Supermarkt ausreichend – das meiste davon wird man ohne Schwierigkeiten finden. Wer sich dann später ausweiten will, ist bei Online-Shops deutlich besser beraten; gerade Spezialitäten sind dort klar billiger, trotz der Versandkosten. Manche Schnäpse findet man eh überhaupt nur dort. Sammelbestellungen helfen, die Versandkosten zu reduzieren.

Rum

Obwohl meine Zuneigung zu Rum einen Dämpfer erfahren hat, gehört Rum in jede Hausbar. Gerade für Anfänger ist Rum eine dankbare Spirituose – daher gibt es auch  Empfehlungen für die unterschiedlichen Sorten.

havana-club-smallWeißer Rum, spanisch blanco, wird selten pur getrunken. Er ist hauptsächlich der Mixer für klassische Longdrinks und Cocktails. Eine Flasche Havana Club Añejo 3 Años darf in keiner Hausbar fehlen, auch wenn es eigentlich kein blanco ist – er wird zumindest wie einer verwendet.

oldpascas-smallDunklen, gealterten Rum bekommt man in vielen Abstufungen, vom (für Rumverhältnisse) leicht gealterten Vierjährigen bis zum extragealterten Zwölfjährigen. Für die ersten Schritte tut es ein Old Pascas Ron Negro, der ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis bietet.

Ergänzung: Obwohl ich die heimlich gesüßten Rums nicht wirklich weiterempfehlen will, für den tiefen, süßen Zuckerkick gibt es kaum einen geeigneteren Süßrum als den Botucal Reserva Exclusiva. Das ist was zum Lutschen und zum Mixen für die süßeren Cocktails.

Ergänzung: Damit man aber auch für die Purtrinker und Kenner, die vielleicht als Gast aufschlagen, was zu bieten hat, stelle man sich eine Flasche Appleton Estate Extra 12 ins Regal. Für Cocktails, die nach Jamaica-Rum verlangen, ist er ebenso das Nonplusultra.

Whiskey

Für eine Heimbar, die sich hauptsächlich an Cocktails orientiert, lassen wir einfach den kompletten Bereich des nicht-amerikanischen Whisk(e)ys aus – Scotch, japanischer, kanadischer und irischer Whisk(e)y sind dann später gern gesehene Gäste.

bulleitbourbon-smallFür viele klassische Prohibition-Era-Cocktails ist Bourbon unverzichtbar. Jeder kennt den weißetikettierten Jim Beam – und wer was vernünftiges trinken oder mischen will, lässt ihn auch weg. Stattdessen eine Flasche Bulleit Bourbon ins Regal, und der erste Schritt in die richtige Richtung des hauptsächlich Mais-basierten Getränks ist getan.

jimbeamrye-smallLange war Rye-Whiskey vom Markt verschwunden. Doch diese eigentlich recht ursprüngliche Roggen-Whiskey-Sorte ist inzwischen wieder sehr beliebt. Für den Anfänger empfiehlt sich der überraschend gute Jim Beam Rye, der sich gut in Manhattans oder Sazeracs macht.

Ergänzung: Wer einem Gast, der auch mal pur trinkt, einen Gefallen tun will, stellt sich noch eine Flasche Woodford Reserve Kentucky Straight Bourbon ins Regal.

Tequila

In Deutschland hat Tequila einen schweren Stand, obwohl er so ganz langsam, im Zuge des steigenden Interesses an qualitativ hochwertigen Spirituosen, das mit dem Gincraze einhergeht, an Boden gewinnt. Für Tequila gibt es drei Alterungsstufen: blanco, reposado und añejo. Wichtig dabei: es sollte auf jeden Fall ein 100%-Agave-Tequila sein. Die Mixtos wie Sierra Tequila oder José Cuervo Especial lasse man besser im Supermarkt stehen, wenn man Qualität in seiner Bar haben möchte.

agavitaandsauza-smallDer Heimmixer, der hauptsächlich die üblichen Verdächtigen mischt, wie Tequila Sunrise und Margarita, ist wahrscheinlich mit einem blanco oder reposado als erster Flasche gut bedient. Wer in einem Großmarkt wie Metro einkaufen kann, sollte sich den Agavita Platinum Tequila für einen sehr moderaten Preis holen; wer dies nicht kann, greife zum Sauza Hornitos Reposado.

agavitablanco-smallFalls die Tequila-Liebe (unverständlicherweise) eher begrenzt ist, und man dann halt doch einen Mixto aus Preis- oder Erhältlichkeitsgründen kaufen muss, ist der Agavita Blanco noch eine der unschlimmsten Varianten.

Ergänzung: Tequila ist eine erstklassige Purgenießer-Spirituose. Wer sich damit auseinandersetzen will, probiert mal einen Herradura Añejo aus.

Wermut

Wermut ist eine weinbasierte Spirituose, bei der der Wein verstärkt und mit Kräutern, Gewürzen und anderen meist geheimen Zutaten aromatisiert wird. In einer ungeheuren Menge von Cocktails wird Wermut, entweder weiß/trocken/französisch oder rot/süß/italienisch, eingesetzt. Von beiden Varianten wird eine Flasche gebraucht.

martiniandnoilly-smallMartini Rosso ist ein hervorragender, preisgünstiger und leicht erhältlicher süßer Wermut; Noilly Prat diene als Beispiel für einen trockenen Wermut mit ähnlichen Eigenschaften.

Bei Wermut muss die im Vergleich zu stärkeren Spirituosen beschränkte Haltbarkeit berücksichtigt werden. Also möglichst kleine Flaschen kaufen, und diese mit Weinpumpe versiegelt im Kühlschrank aufbewahren, sonst droht das Schimmelfiasko.

Vodka

Persönlich bin ich kein Vodka-Fan. Die langweiligste aller Spirituosen ist für mich, selbst mit meiner nun recht großen Bar, nur mit einer Sorte vertreten. Daher gibt es eigentlich für mich wenig Empfehlungen, die ich aussprechen kann.

smirnoff-smallIch bevorzuge Smirnoff, Absolut oder Russian Standard. Meist die Sorte, die gerade im Angebot zu haben ist.

Lassen Sie die Billigpräsidenten Jelzin, Gorbatschow und andere Superbilligmarken im Regal, die sind voller Fuselstoffe mit Kopfweh- und Katergarantie.

Gin

Der Gincraze ist im vollen Gange – jeden Monat tauchen neue Sorten von Gin auf dem Markt auf, da kann man schnell den Überblick verlieren. Da sich die Ginsorten aber, ähnlich wie beim Vodka, nur in Marginalien unterscheiden, die vielleicht für Purtrinker oder Hipster interessant sind, reicht auch hier eine Flasche.

gordons-smallIch hoffe, man prügelt aus dem Gindom nicht zu sehr auf mich ein, wenn ich als ersten Standardgin den Klassiker Gordon’s London Dry Gin empfehle.

Ergänzung: Für den feineren Gaumen ist der nächste logische Schritt ein edler Hendrick’s Gin, der mit feinem Gurkenaroma und floralen Noten aufwarten kann.

Likör

Die Kategorie der Liköre ist riesig und völlig unterschiedlich – und für Cocktails kaum erschöpfend zu behandeln, zumindest für den angehenden Heimbartender.

chadess-smallDennoch ist ein Triple Sec ein zwingender Kauf – diese Orangenlikörgruppe ist eine Standardzutat in unendlich vielen alten und neuen Cocktails. Zum Beispiel den günstigen Chadess von Aldi Süd, oder den preislich ähnlich gelagerten Le Favori, den man in vielen Supermärkten bekommt.

campari-smallCampari kann man mögen oder hassen; wer Cocktails mixen will, kommt nicht ohne ihn aus.

Das gute an dieser Kategorie ist, dass man meist eh schon etwas davon im Haus hat – Ramazotti, Amaretto, Aperol und ähnliches sind auch ohne Hausbar beliebte Getränke, die auch gut in Cocktails verarbeitet werden können.

Sonstige Zutaten

angostura-smallLange waren sie totgesagt, inzwischen kommt selbst die Heimbar nicht mehr ohne sie aus: Bitter. Letztlich ein Thema für sich und hauptsächlich für den etwas ambitionierteren Privatbartender interessant, ist dennoch ein Fläschchen Angostura unbedingt nötig.

zuckersirup-smallZuckersirup kann man selbst herstellen, indem man Rohrzucker mit Wasser einkochen lässt; wer diese Mühe scheut, holt sich eine Großflasche Zuckersirup, beispielsweise von Monin. Großflasche deshalb, weil sie lange haltbar und gleichzeitig ein großer Bedarf nach Zuckersirup in Cocktails vorhanden ist.

säfte-smallSäfte können ein Problem darstellen, weil sie nur sehr begrenzt haltbar sind, vor allem, wenn die Packung einmal geöffnet wurde. Auch hier, wie beim Wermut, empfehle ich daher möglichst kleine Portionen, idealerweise in durchsichtigen Flaschen, damit man den Zustand (zum Beispiel die dicke, auf dem Saft schwimmende Schimmelschicht) ohne Taschenlampe vor dem Ausgießen erkennt.

Orangensaft beispielsweise, selbstverständlich absolut unverzichtbar, gibt es statt den Liter-Tetrapacks auch in 0,2-Liter-Plastikfläschchen.

Ich garantiere, dass einer der ersten von Ihnen erwünschten Cocktails für einen Gast ein Cosmopolitan sein wird – Sex and the City sei dank. Cranberrysaft muss daher immer vorrätig sein.

Grapefruitsaft ist ein gern gesehener Spieler, der eine schöne Bitterkeit und gleichzeitig freche Fruchtsäure mitbringt.

Ananassaft schließlich findet man in vielen tropischen Cocktails. In meinem Bioladen gibt es ungesüßten Ananassaft in idealen 0,2-Liter-Glasflaschen.

Wer den Aufwand, Limetten und Zitronen auszupressen, scheut, kann sich nach entsprechenden Konzentraten umsehen. Aus eigener Erfahrung empfehle ich aber ganz klar, diese sauren Fruchtsäfte, die man in praktisch jedem Cocktail braucht, aus frischen Früchten selbst auszupressen.

früchte-smallUnd schließlich frische Zutaten, die man ständig nachkaufen muss – die eine oder andere Zitrone, viele viele viele Limetten, und einen Balkontopf mit Minze und Basilikum.

Endgültige erste Einkaufsliste für den Anfang

1 x 0,7l-Flasche Havana Club Añejo 3 Años Rum

1 x 0,7l-Flasche Old Pascas Ron Negro Rum

1 x 0,7l-Flasche Agavita Platinum Tequila

1 x 0,7l-Flasche Bulleit Bourbon Whiskey

1 x 0,7l-Flasche Jim Beam Rye Whiskey

1 x möglichst kleine Flasche Martini Rosso Wermut

1 x möglichst kleine Flasche Noilly Prat Wermut

1 x 0,7l-Flasche Smirnoff Vodka

1 x 0,7l-Flasche Gordon’s London Dry Gin

1 x 0,7l-Flasche Le Favori Triple Sec

1 x 0,7l-Flasche Campari Likör

1 x 0,1l-Flasche Angostura Bitter

1 x 0,7l-Flasche MoninZuckersirup (falls man ihn nicht selbst herstellt)

Säfte in möglichst kleinen Behältnissen nach Wunsch und Bedarf

Frische Zutaten nach Wunsch und Bedarf

Das schwarze Loch des Grauens – Lausitzer Porter Schwarzes

Die Biergattung des „Porter“ ist wohl nicht geregelt. Jeder kann sein eigenes Süppchen als „Porter“ vermarkten, wenn er es will – selbst, wenn es eigentlich Cola mit leichtem Bierzusatz ist. Wie beim Lausitzer Porter Schwarzes.

Lausitzer Porter Schwarzes

Ich hatte untenstehende Rezension schon vor vielen Jahren geschrieben, mich seitdem nicht mehr an dieses Bier herangetraut – und nun, an einem entspannten Sonntag, hat es dann doch seinen Weg in ein Glas gefunden. Ich muss den optischen Eindruck komplett korrigieren, da hatte ich wohl ein unsauberes Glas oder einen anderen Umstand, der den Schaum an der Entwicklung hinderte. Natürlich verschwindet die Schaumkrone immer noch schnell, das ist für ein Schwarzbier aber nicht ungewöhnlich.

Ich würde heute auch die Wortwahl überdenken, das Lausitzer Porter ist immer noch kein Porter, aber doch ein Schwarzbier. Der Zucker ist überflüssig und macht das Bier aromatisch langweiliger und schlechter, als es sein müsste, und der Eindruck eines Colamischgetränk bleibt bestehen, aber die krassen Vergleiche will ich etwas relativieren. Nicht, dass ich es groß empfehlen würde – aber für den unanspruchsvollen Drink zwischendurch, statt eines Colaweizens oder eines Radlers, taugt das Getränk. Mehr aber nicht.


Ich denke, das Foto, geschossen wenige Sekunden nach dem Eingießen, sagt alles aus. Keinerlei Schaum, keinerlei Perlage, nicht blickdicht. Ein Porter sieht für mich anders aus. Rein vom optischen her würde ich das für Cola, die schon eine Weile steht, halten.

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Und auch geschmacklich ist es dann eine sehr überzeugende Abfüllung von abgestandenem Cola. Warum schreibt die Brauerei nicht einfach „Stale Coke“ aufs Etikett? Dann wäre die Konsumentenverdummung, die ich bei diesem Bier, das mit Porter überhaupt nicht einmal im entferntesten etwas zu tun hat, durchaus schon erkenne, nicht ganz so schamlos.

Das wahrscheinlich auffälligste an diesem „Bier“ ist der Zuckerzusatz, der wenigstens bei den Inhaltsstoffen angegeben ist. Da ich bei einem als Porter deklarierten Bier niemals Zucker als Zusatzstoff vermutet hätte, habe ich leider den Blick auf die Zutatenliste vor dem Kauf ausgelassen – das wird mir nicht mehr passieren. So habe ich rund 1,50€ für mit Zucker versetztes Toilettenspülwasser ausgegeben.

Jeder Porter-Freund und -brauer, und auch sonst jeder, der auch nur ansatzweise ein Interesse an vernünftigen Bieren hat, wendet sich mit Grauen von diesem Bier – ich schaudere, das Wort „Bier“ in Zusammenhang mit dieser Brühe zu gebrauchen.

Es werde Schnaps – Amy Stewart’s „The Drunken Botanist“

Eines meiner Hasswörter in der Welt der Spirituosen ist das von Gin-Hipstern immer gern verwendete Wort „botanicals“ geworden, das zusammen mit der Ächtung der im deutschsprachigen Raum bis vor wenigen Jahren üblichen Wortkombination „Gin Tonic“ – wer nur ansatzweise etwas auf sich hält, bestellt heutzutage einen britisch-korrekten „Gin and Tonic“ – in die Bars Einzug gehalten hat. Was an dem kantig-klobigen Wort „Pflanzenextrakt“ die hippe Szene stört, ist klar, es ist nicht cool genug. Nun lasse ich sie das englische Wort im deutschen Satz gern gebrauchen – unter der Voraussetzung, dass sie wenigstens wissen, wovon sie reden. Mit dem Buch von Amy Stewart lässt sich ein gewisser Bildungsbedarf schnell, unterhaltsam und umfassend nachholen.

drunkenbotanistcover-borderThe Drunken Botanist: The Plants that Create the World’s Great Drinks ist eine Reiseerzählung, nicht durch die Länder der Welt, obwohl man in diesem Buch auch viel herumkommt, sondern durch die Welt der Pflanzen, die uns Freunden des hochgeistigen Genusses so viel Freude bereiten.

Wir verwenden Pflanzenextrakte in unseren Spirituosen und Cocktails in drei unterschiedlichen Varianten, die Stewart in den drei Teilen ihres Buchs auch so aufgreift: Die Pflanzen, die schon seit alters her fermentiert und destilliert werden, wie Zuckerrohr, Weizen, Roggen, Mais und Agave. Eine andere Art, Pflanzengeschmäcker in die Drinks zu bekommen, ist die Mazeration und Infusion – Nelken, Wacholderbeeren, Holunder oder Aprikosen können durch handwerkliche Prozesse dazu genötigt werden, ihre Aromen in eine bereits vorhandene Schnapsbasis abzugeben. Und zu guter letzt sehen wir als Cocktailfreunde auch gern das eine oder andere Pflanzenteil in natura in unserem Glas; Pfefferminzblätter, Kirschen oder Zitronenzesten lockern den Drink auf und geben den letzten, hocharomatisch-frischen Twist.

Von Pflanze zu Pflanze, und damit auch von aus dieser Pflanze typisch hergestellter Spirituose, hangelt sich Stewart so durch die Botanik, und lässt bei all den hochinteressanten Informationen die Unterhaltung nicht außen vor. Anekdoten, wie zum Beispiel zur wirklich spannenden Geschichte des Angostura-Bitters, und eine mit einem sehr wirksamen, aber zurückhaltenden Humor durchzogene Schreibe, machen das Buch zu einem unerwarteten Pageturner.

Spannend sind auch die eingestreuten Wissensbröckchen, wie der kleine Ausflug über Essigherstellung (ein echtes Bakterien-vs-Hefe-Deathmatch), oder wie der Vodka und die Kartoffel zusammenkamen. Und schließlich hat Stewart auch den einen oder anderen, äußerst klugen Ratschlag zum Konsum der beschriebenen pflanzenbasierten Spirituosen auf Lager.

Now carry your julep to the porch and remain there until bedtime; there will be nothing else to your day but the slow draining of the glass and the pleasant drone of the cicadas.

Genau das werde ich wahrscheinlich am Wochenende tun. Ein schöner Mint Julep, lange auf Eis gerührt, und mit viel hausgezogener Minze darin, auf dem Balkon im Liegestuhl. Das Leben kann so schön sein, wenn man die richtigen Lebensratgeber liest.

mintjulep

Fruchtmaggi – The Bitter Truth Lemon Bitters

Mein Bitterregal ist schon schön anzuschauen – die meisten der Bitter stammen von The Bitter Truth, und deren Flaschendesign, mit dem markanten, hübschen Etikett, ist ein edler Blickfang für jede Hausbar. Ähnlich wie die Bitter selbst in Getränken ein eleganter, abrundender Touch.

The Bitter Truth Lemon Bitters

Der Geruch der Lemon Bitters ist hauptsächlich erstmal bitter und würzig – erinnert mich etwas an die Maggi-Flüssigwürze, nur im Hintergrund scheint ein limoniger Anflug durch. Die erwartete fruchtige Komponente bleibt auch beim Geschmackstest, mit einem Spritzer auf dem Finger, überraschenderweise etwas aus. Ganz klar: Hier wurden wohl statt Zitronensaft Zitronenschalen zur Aromatisierung verwendet. Die Bitterkomponente überwiegt bei weitem, und nur dezent fühlt man die Zitrone; lässt man die Flasche etwas offen stehen, durchdringt dann aber nach einer Weile ein angenehmer, fruchtwürziger Geruch den ganzen Raum, als würde man unter einem wilden Zitrusfruchtbaum im Sommer liegen.

Aufgrund dieser Zusammensetzung ist dieser Zitronenbitter auch durchaus in Getränken einsetzbar, die von sich aus schon einen säuerlichen Grundcharakter aufweisen, wie der Old Cuban.

Old Cuban


Old Cuban
6-8 Minzblätter, sanft gemuddelt mit ½ oz Zuckersirup
¾ oz Limettensaft
1½ oz Kubanischer Rum (die kubanischen Wurzeln von Bacardi erlauben einen sehr gut passenden Bacardi 8 Años)
2 Spritzer The Bitter Truth Lemon Bitters
Auf Eis shaken. Aufgießen mit Champagner.
[Rezept nach Audrey Sanders]


Die Lemon Bitters runden das Getränk schön ab und geben ihm eine Fruchtigkeit, die nicht wirklich auf Säure beruht – die hat er schon durch Limettensaft und Sekt, und trotzdem ist da plötzlich was im Drink, das vorher nicht da war.

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Ein sehr klassischer Bitter, der statt dem inzwischen allgegenwärtigen Angostura eingesetzt werden kann, gerade wenn man eine etwas herbere Zitrusfruchtkomponente will oder die Färbeeigenschaft des Angostura, der alles rötlich färbt, nicht gebrauchen kann. Ein Beispiel für letzteres wäre die Rosita – eh schon leicht rötlich würde der Angostura die namensgebende zurückhaltende Rosigkeit zerstören.

Rosita Cocktail


Rosita
1½ oz Tequila Reposado (z.B. Calle 23 Reposado)
½ oz Süßer Wermut (z.B. Martini Rosso)
½ oz Trockener Wermut (z.B. Noilly Prat)
½ oz Campari
1 Spritzer Zitronenbitter


Ein schöner neuer Zugang zu meinem Bitters-Regal, und wer sich für diese Art des minimalen Korrektureingriffs bei Cocktails interessiert, darf durchaus einen Blick riskieren.

Malzigkeit kennt keine Grenzen, Malzigkeit kennt kein Pardon – Riegele Robustus 6

Das Robustus 6, ein Porter des Augsburger Craftbierbrauers, kommt schon auf den ersten Blick tiefdunkel, espresso-farben daher. Beim Eingießen fühlt man schon die schwere Konsistenz, und bewundert, wie sich die erstmal fette Schaumkrone langsam in einen feinperligen, dünnen Schaum setzt.

Robustus-borderGeruchlich unauffällig, mit der für das Porter bekannten leichten Kaffeenote, spielt das Robustus seine Fähigkeiten erstmal ein bisschen runter. Geschmacklich lässt es die Untertreibung dann aber schnell sein: Im Mund sehr mild und weich, wartet es mit einer kräftigen Malzigkeit auf, die schon im Namen niedergelegt ist: die 6 Malzsorten ergeben ein nur angenehm wenig aber erkennbar süßliches, mehr würziges Gesamtbild. Mit frischer Säure ausgestattet ist es dabei nicht so lau und belanglos-süß wie zum Beispiel das Guinness Draught.

robustus-flasche-borderDie wahren Stärken des Robustus 6 kommen aber erst auf den zweiten Schluck zum Tragen: Milder Kaffee, erst spät am Gaumen wahrnehmbar, eine deutliche Bitterkeit mit Schoko- und Kaffeearomen im Rachen, und ein mittellanger, recht trockener Abgang.

robustus-etikett-borderBis auf die für Bier recht ungewohnte Menge von 0,66l, letztlich für mich eigentlich eher 2 Portionen, bleibt die Flasche selbst etwas langweilig. Sehr ungewohnt dagegen das Etikett; äußerst ausführlich beschreibt der Hersteller eigentlich alles, was man wissen muss, und nimmt mir als Rezensenten die Worte aus dem Mund. Ich bin entsetzt – wenn das so weitergeht, werden wir Schnapsblogger arbeitslos! Ich hoffe, Riegele hat bald ein Einsehen und sorgt dafür, dass nicht jeder Konsument plötzlich soviele Informationen über sein Bier aus erster Hand bekommt, sondern sie sich weiterhin mühsam im Internet aus fragwürdigen Quellen wie meinem Blog zusammensuchen muss…

T.C. Eliot hatte Geschmack – Noilly Prat Vermouth

Die Farbe ist sehr blond, fast klar; der Geruch fruchtig und süß, mit Honignoten, und ganz typischen Wermutgewürzen. Der Geschmack ist trotz der Süße dann sehr trocken, es staubt fast im Mund, dabei Anklänge von Kräutern und Gemüse, deutlich säuerlich, und hinterlässt dann aber ein warmes Gefühl am Gaumen – viel Speichelfluss folgt, um die Trockenheit auszugleichen. Noilly Prat FlascheIm Vergleich zum Hauptkonkurrenten, Martini Extra Dry, hat der Noilly Prat etwas mehr Körper und Volumen, ist meiner Meinung nach aber nicht so exorbitant viel besser, wie manche Gourmet-Seiten ihn machen – ich hatte eine Geschmacksexplosion erwartet. Das ist aber schon allein aufgrund der Wunschstruktur eines Wermuts, der immer eher zurückhaltend, leicht und fein sein sollte, und sich nicht mit Aromen in den Vordergrund drängen darf, auch gar nicht möglich.

T.S. Eliot benannte seine Katze nach diesem Getränk – wahrscheinlich nach einigen Gläsern des Wermuts, dessen Stil man wahlweise als französisch, trocken oder weiß bezeichnen kann. Besonders in Cocktailrezepten werden diese Begriffe gern wild durcheinander verwendet, in Abgrenzung zum italienischen, süßen, roten Stil.

Cocktailzutat ist dann wohl neben Kochzutat das Haupteinsatzgebiet eines Wermuts, denn pur kann man ihn zwar trinken, doch finde ich den Wermutgeschmack allein etwas langweilig. Dass es dann trotzdem nicht viel braucht, um diesen Wermut auch in einem Cocktail glänzen zu lassen, zeigt der leichte, extra-trockene, fruchtige Bamboo Cocktail.

Bamboo Cocktail


Bamboo Cocktail
1½ oz Noilly Prat
1½ oz Fino Sherry (z.B. von Sandeman)
2 Spritzer Pfirsichbitter


Eine wirklich edle Flasche im Retro-Stil präsentiert den Wermut in einer passenden Form und lässt ihn herrlich grün strahlen.

Stellen Sie ihn kühl, am besten im Kühlschrank und versiegelt durch ein Weinpumpen-Vakuum, denn Wermut verdirbt relativ schnell für eine Spirituose; nach ein paar Monaten verliert ein geöffneter Wermut einen Großteil seiner Aromen (mein Martini Extra Dry sammelte dann sogar Schimmel). Daher, wenn Sie ihn nur eher selten brauchen, kaufen Sie lieber eine Dreiviertelliterflasche oder noch kleiner, und lassen die ebenfalls erhältliche Literflasche im Regal.

Horny, horny, horny – Sauza Hornitos Tequila Reposado

Tequila ist in Deutschland kaum bekannt. Nur selten findet man eine Bar, in der tatsächlich vernünftiger Tequila angeboten wird, dazu muss man oft in ein mexikanisches Restaurant gehen (wie ins Café Especial in Saarbrücken mit seiner unglaublichen Tequilakarte). Wer glaubt, zu wissen, wie eine Margarita oder ein El Diablo schmeckt, und diese bisher nur mit Mixtos wie José Cuervo Especial oder Sierra Tequila getrunken hat, hat keine Ahnung, wie gut diese Cocktails in Wahrheit sind. Mit diesem 100%-Agave-Reposado (also einem vollständig auf Basis von Agavenzucker destillierten Tequila, der leicht gealtert ist, im Gegensatz zum ganz jungen blanco und zum stärker gealterten añejo) kann man diese Wissenslücke auf preisgünstige Weise ausgleichen.

sauzahornitosreposado-borderDer Sauza Hornitos Tequila Reposado ruht 2 Monate in Eichenfässern – das mag sich für einen Rum- oder Whiskeyfreund nach sehr wenig anhören, doch Tequila wird generell eigentlich nur sehr selten über einem Jahr eingelagert. Die Farbe ist entsprechend hell strohfarben, und man schmeckt immer noch die jungen, frischen Aromen der Agavenfrucht heraus; gleichzeitig wurde ihm durch die kurze Fassreifung der gröbste Alkoholbrand entzogen.

Er macht sich fantastisch in einem Tequila Sunrise, wegen seiner ungewöhnlich stark ausgeprägten Fruchtnoten, aber auch in einem etwas ungewöhnlichen, sehr trockenen, aber extrem spannenden Mexican Fix (kein Cocktail für Anfänger oder Pappelriedchen!) wirkt er großartig.

Mexican Fix


Mexican Fix
1½ oz Tequila Reposado (z.B. Sauza Hornitos Reposado)
½ oz Chartreuse (grün)
1 Teelöffel Maraschino-Likör
⅔ oz Limettensaft

⅓ oz Ananassaft
Auf Eis shaken.
[Rezept nach Robyn Gray]


Das Flaschen- und Etikettendesign gefällt mir sehr, es hat etwas eigenes, ist aber nicht so gequetscht wie die Flaschen von Don Julio. Ein Blechschraubverschluss verdeckt eine ungewohnte, aber gut funktionierende „Ausgießhilfe“ – ein Euphemismus für den auch als „Nachfüllstop“ bekannten Plastikeinsatz, der verhindern soll, dass billige Spirituosen in die Markenflasche „nachgefüllt“ werden.

Wer bisher nur Sierra Tequila kannte, wird überrascht sein, wie gut ein Tequila schmecken kann. Fruchtig, aromatisch, interessant. Das mit dem 100% Agave auf dem Etikett ist keine Marketingmasche – es ist das Merkmal, das Rotz von Qualität unterscheidet. Mixtos müssen nur zu 51% aus Agavenzucker destilliert werden, der Rest können andere Zuckerarten, meist billigster Rohrzucker sein; und man schmeckt diesen Unterschied. Wer es probiert hat, weiß, wovon ich rede – wer es nicht weiß, sollte es dringend mit diesem wunderbaren Tequila herausfinden