Wer hat den Kokosschnaps geklaut? Kokosrum selbstgemacht, der erste Versuch

Ich bin immer dafür zu haben, auf natürliche Art und Weise Spirituosen zu aromatisieren. Ich habe schon Fat Washing versucht, was ziemlich in die Hose ging; das Räuchern von Getränken hat bessere Ergebnisse erzielt.

Nun hier eine neue Idee. Eine beliebte Mischung ist Rum mit Kokosnussaromen. Verschiedene Hersteller bieten das schon flaschenabgefüllt an, das in Deutschland wahrscheinlich bekannteste Exemplar ist Malibu. Nun ist in solchen Premixes meist neben künstlichen Aromen auch Zucker und allerlei anderes, garstiges Zeug enthalten. Daher will ich mir meinen Kokosrum selbst herstellen.

Was braucht man dazu? Etwas Rum, eine Kokosnuss, ein bisschen minimales handwerkliches Geschick und, wie immer bei solchen Experimenten, Geduld.

Der erste Schritt besteht darin, zwei Löcher in die Kokosnuss zu bohren. Mit einem Korkenzieher oder einer Ahle geht das ganz gut, wenn man sich an die von Mutter Natur vorgegeben, leicht erkennbaren Stellen auf der Nussoberseite hält. Das Wasser in der Nuss wird abgegossen.

kokosrum-verschlüsseAus Aststücken aus dem Garten habe ich mir rustikale Stöpsel gebastelt, mit denen die Nuss nachher wieder verschlossen werden sollen. Mit ein bisschen Schnitzarbeit passen die Stöpsel perfekt in die Löcher.

havana-club-smallNun fülle man etwas Rum in die Nuss. Ich habe für den ersten Test Havana Club-Rum verwendet. Mit einem Trichter geht das ganze leichter; ca. 100 bis 200ml passen in so eine Nuss. Ich fülle sie wirklich bis zum Rand.

kokosrum-geschlossen

Rein mit den Stöpseln, und zwar so fest, dass keine Flüssigkeit austritt, wenn man die Kokosnuss dreht und wendet. Wenn man die Nuss schüttelt, hört man das Blubbern des Rums.

kokosrum-fertig

Und nun kommt der härteste Teil der Arbeit: Die Warterei. Mein Plan war, den Rum für ein halbes Jahr in der Kokosnuss einzulagern, damit er die Aromen aus dem Fruchtfleisch schön annehmen kann. Ich stelle die Nuss auf einen Glas-Teelichthalter. So ist das ganze stabil, und sehr dekorativ für die Heimbar darüberhinaus.

Da steht sie nun, die Nuss, und ruht. Ab und zu habe ich sie zu Beginn der Wartezeit noch bewegt, um den Inhalt zu prüfen. Nach einem Monat ließ ich sie komplett in Ruhe. Dann kam der Tag, nach 3 Monaten, als ich sie kurz bewegen musste – und dabei feststellte, dass kein Gluckern mehr zu hören war. Kurz geschüttelt, und tatsächlich: Die Nuss ist leer.

Es gibt einen Effekt bei Fasslagerung, den die schottischen Whiskyhersteller seit Beginn dieser Reifungsart kennen, und als Angels‘ Share bezeichnet haben. Dadurch, dass Fässer aus Holz bestehen, und Alkohol recht flüchtig ist, verdunstet immer ein gewisser Anteil aus dem Fass, ich habe mal von je nach Klima mindestens 2% bis teilweise sogar 10% gelesen. Poetisch wie Whiskytrinker und -hersteller nun mal sind, waren sie es zufrieden, den Engeln, die vom Verdunstungsschnaps profitieren, diesen ihren Anteil zu gönnen.

Nun hat mir also ein Engel meinen Kokosrum weggeschlürft. Naja, man muss nun halt das beste daraus machen, verklagen kann ich ihn ja schlecht. Wenigstens das Fruchtfleisch hat hoffentlich einen kleinen Rest vor dem versoffenen Engel retten können und gespeichert.

kokosnuss-geknacktDie Kokosnuss ist mit ein paar festen, assertiven Schlägen mit einem haushaltsüblichen Hammer schnell geknackt. Man sieht sehr schön, wie sich der Alkohol an manchen Stellen des Fruchtfleischs zu schaffen gemacht hat. Mit einem kurzen Messer kann man das Fruchtfleisch leicht aus der Schale lösen.

kokosnuss-stücke

Geschmacklich überzeugt mich das Rumkokos-Fleisch sehr: Es ist schön saftig, hat immer noch seinen typischen Kokosgeschmack (ohne die künstliche Süße, die man in Kokosprodukten sonst oft findet), und ein feines, deutlich erkennbares Rumaroma. Als Dessert in Stücken gereicht kann man Gäste damit überraschen; alternativ kann man es natürlich kleinraspeln und auf Eis, Gebäck oder Pudding streuen, oder als Cocktailglas-Verzierung bei der nächsten Piña Colada verwenden.

Obwohl dieser Versuch eigentlich ganz anders ausging als geplant, bin ich doch begeistert. Und so werde ich bald einen zweiten Versuch unternehmen, um doch noch an den Kokosrum zu kommen, den ich eigentlich haben wollte, und den die Engel mir geklaut haben. Bis dahin kaue ich ein paar Stücke leckeres Kokosrum-Fruchtfleisch als Wegzehrung.

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