Bier am Freitag – Cantillon Gueuze 100% Lambic Bio

Eine Reise hat ein Ziel – und einen Anfang. Wir beschäftigen uns hier oft mit sehr alten Dingen, 30 Jahre altem Armagnac oder ähnlich uralten Rums, doch heute machen wir mal ein Bier auf, das einen ähnlichen Lebenszyklus hat, sich aber statt am Ende einfach mal am Anfang dieser Reise befindet. Im Oktober 2020 wurde mein Cantillon Gueuze 100% Lambic Bio abgefüllt, und laut Brauer soll man es innerhalb von 20 Jahren trinken; eine Geschmacksentwicklung findet über die Zeit statt. Warum ich es so früh trinke? Wenn man die Entwicklung kennen lernen will, muss man ja schlicht mit einem vergleichsweise jungen Bier anfangen, und knapp 3 Jahre schienen mir ein angemessener Grundreifezeitraum für den Startpunkt zu sein. Eine weitere Flasche liegt im Keller, und ich bin gespannt, ob ich 2040 hier noch Artikel schreibe, wenn ich sie dann aufmache.

Das Cantillon wurde komplett aus Lambics geblendet, die aus Bioweizen (35%) und gemälzter Gerste (65%) gebraut wurden, unter Einsatz von Trockenhopfen und mittels echter Spontanfermentation, wie es eben typisch für diesen Bierstil ist. Auf Zuckerbeigabe wurde verzichtet, und man hat sich sogar ein Biosiegel geleistet. Hat man den unter dem Kronkorken verstecken Echtkorken gezogen, spricht nichts dagegen, das Jungbier zu probieren!

Cantillon Gueuze 100% Lambic Bio

Leicht trüb steht es dann da, mit Kupfer als Farbe. Beim Eingießen bildet sich ein paar Sekunden lang dünner Schaum, der aber schnell fast vollständig verschwindet und nur einen Rand an der Glaswand hinterlässt, eine einzelne feinstblasige Insel bleibt auf der Oberfläche. Perlage ist fast keine zu sehen. Roter Apfel, Grapefruit, milder Weinessig sind die ersten, typischen, sensorischen Eindrücke eines Geuze, danach ist da aber noch eine leicht holzige, fast schon erdige Würznote, die das ganze in ein tieferes Register verschiebt. Vielleicht stark oxidiertes Kaffeepulver, in diese Richtung, irgendwie schwer zu greifen.

Am Gaumen dann aber direkt starksauer und bitter, Zitronenzeste, Grapefruitsaft, beinahe schon limettig und essigsauer. Das kratzt dabei interessanterweise aber nicht, fühlt sich trotz der starken Säure weich und rund an, die Fruchtnoten sind milder, gehen von Apfel über Kirsche bis hin zu Pfirsich. Im Rachen wirkt das Cantillon sehr bitter, herb und trocken, doch auch hier scheint eine gewisse schwere Süße durch, die das alles etwas auffängt und rund macht. Die Textur wirkt dadurch weich, das Bier insgesamt körpervoll und dicht, ohne, dass die Rezenz darunter auch nur ansatzweise leidet. 5,5% Alkoholgehalt sind für belgisches Bier eher leicht, aber passend. Der Abgang ist lang, fruchtig, süßbitter, das Zäpfchen ist lange belegt mit Aromen und Effekten.

Ein volles, starkes Sauerbier, mit Charakter, das sich trotzdem von einer runden, weichen Seite zeigt, ohne dabei zart zu werden. Wunderbar gemacht! Ich bin sehr gespannt darauf, was in knapp zwei Jahrzehnten aus dem Bier geworden sein wird.

Haitianischer Lebkuchen – Florita Pete Panno Amer Traditionnel Haïtien

Ich hatte diese ungewöhnlichen karibischen Bitterspirituosen im Doppelpack gekauft – und über den Florita Amande-Pays Amer Traditionnel Haïtien wurde hier auf meinem Blog ja schon berichtet. Der Rumbrenner Berling, ansässig in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince, hat unter dem Gruppenmarkennamen Florita aber noch dieses andere Produkt im Portfolio, das ich aus vielerlei Gründen direkt aufregend fand und haben musste, den Florita Pete Panno Amer Traditionnel Haïtien. Das erste, was jedem auffällt, ist natürlich der erstaunliche Alkoholgehalt von 94,2%, sowas findet man normalerweise eher in der Drogerie oder der Apotheke, weniger im Endverbraucherbereich eines Spirituosenladens. Doch es sind auch die Inhaltsstoffe, die mich allein vom Namen her schon bezaubert und mich in ein geheimnisvolles Reich aus Botanik, Pharmakologie und diesem manchmal unscharf abgrenzbaren Mischgebiet aus Wissenschaft und Religion versetzt hatten – als großem Anhänger der Psychedelischen Anthropologie (ich verlinke darum gern meinen Gastbeitrag zu einem Aspekt dieses Themas auf meinedrogenpolitik.wordpress.com) ist das ein gefundenes Fressen für mich.

Über die in diesem Kräuterbitter eingesetzten Kräuter muss man darum einfach berichten – drei davon sind höchst exotisch für uns Westeuropäer, und die Namen, die auf dem Rücketikett aufgezählt sind, erfordern eine kurze Erläuterung. Es wird von „Clitorria Virginniaca“ (sic!) berichtet, damit ist wahrscheinlich eine Unterart der Clitoria ternatea gemeint, die eine blaue Blüte hat, die… nun, wenn man das Bild von ihr sieht, weiß man, warum sie so heißt, und warum man ihr aphrodisierende Wirkung nachsagt. „Rynchosa Phaseolides“ (auch hier sic!) ist sicher auch betippfehlert und meint Rhynchosia phaseoloides, die in der Karibik wächst – hier vermutet man Alkaloidgehalte, was euphorisierend und aufputschend wirken kann; auf Haiti gilt sie auch als Potenzmittel, derartige Pflanzen fasst man lose unter dem Begriff bois bandé zusammen. Für den dritten im Bunde brauche ich kein sic, Tetragastis Balsamifera ist ein Baum, der ein sehr aromatisches, weißes Harz abgibt; in Mexiko wird er in der Volksmedizin eingesetzt, darüber hinaus sind in einer direkt verwandten Gattung ebenso Alkaloide identifiziert worden, was ja immer spannend ist für die Psychonauten unter uns, das Holz ist aber wohl auch schlicht ein guter Werkstoff für die, die praktischer veranlagt sind. Nach all dem bin ich jedenfalls, das kann man sich denken, höchstgespannt auf diesen Likör und auf die Auswirkungen!

Florita Pete Panno Amer Traditionnel Haïtien

Schauen wir erstmal, nachdem die Flasche selbst nichts über die Farbe der beinhalteten Flüssigkeit preisgibt, auf den optischen Eindruck im Glas: Ich sehe hier dann Safrangold, sehr leuchtend und mit orangenen Lichtreflexen. Dem Alkoholgehalt angemessen ist dieser Brand extrem viskos, bewegt sich fast schon sirupartig schwer, und lässt dabei einen sich kaum mehr von der Glaswand lösenden, durchgängigen Film.

Die Nase beurteilen wir zunächst mal unverdünnt, wie der Pete Panno aus der Flasche kommt. Da rieche ich direkt mal Anklänge von Backgewürzen, das hat fast schon Lebkuchen-Charakter, Nelken, Anis, sehr viel Zimt, etwas Piment. Kolanuss und Tonkabohne im Ansatz. Gleichzeitig ist das aber etwas heller im Eindruck, mit leicht floralen Noten von Kamille, und sicher auch Ideen von Honig, Wiesenkräutern und einem Ticken Shortbread. Gar nicht so exotisch, wie man es anhand der Zutatenliste vermuten könnte, aber wer weiß auch schon, wie eine Rynchosia riecht, das kann ich nur schwer beurteilen. Ein süßer Tropfen, mit Streuselkuchenaroma, sehr apart, und Ethanol ist zwar bei der tiefen Geruchsprobe erkennbar, aber nicht stechend oder störend, was an sich schon leicht überraschend für mich ist.

Florita Pete Panno Amer Traditionnel Haïtien Glas

Den Gaumen werde ich aber ganz sicher nicht mit derartig Hochprozentigem abtöten, da wird verdünnt, und zwar ordentlich – ich setze das für mich mit Leitungswasser auf geschätzte 60% herab, das ist so die Grenze, die für mich noch vernünftig erscheint. Die Farbe wird dadurch erkennbar brasilholzrötlich, der Geruch schmaler, wermutkrautähnlich, herber und krautiger. Im Mund angekommen zeigt sich trotz der Verdünnung eine sehr weiche Textur, die sich zart und dennoch breit an den Gaumen legt, mit viel Volumen, ohne wirkliche Schwere zu präsentieren. Die Aromatik ist hier noch weniger exotisch, herbe Kräuter und eine mittlere Trockenheit ähneln einem klassischen deutschen Kräuterbitter, das geht dabei eher in Richtung Underberg als Jägermeister, deutlich gewürzlastig, nun eher Kardamom und Muskatnuss als Zimt und Vanille, auch wenn beide vielleicht erahnbar sind. Der Abgang ist weiterhin trocken, aber nicht astringierend, im Rachen deutlich bitter und das Zäpfchen kitzelnd. Zunge und Gaumendach sind lange betäubt, und mit einem eukalyptisch kühlen Hauch klingt das ganze aus.

Wirksam, würzigbitter, trocken – das Ding funktioniert, man merkt im Bauch, wie sich die Wärme langsam ausbreitet. Sicher spannend als Digestif auf Eis; ob aphrodisierende Effekte eintreten, prüfe ich noch eine Weile, außer, es kommen halluzinative Erscheinungen dazwischen: don’t hallucinate and write blogs, wie alle Schreiber wissen.


Für mich persönlich wird das Hauptgebiet dieser Spirituose sicherlich der Cocktail sein. Ich denke, das funktioniert gut in Drinks, die nach herbem Kräuterbitter verlangen; aber gerade die Lebkuchennase bringt mich dazu, das Spektrum auch auf andere, weichere Rollen auszuweiten. Ich ersetze zum Beispiel einfach im Café Colonial den Teelöffel Lebkuchenlikör durch eine doppelte Dosis des Pete Panno, und statt oberflächlicher Süße bekommt man dann wilde, haitianische Weihnachtszeitbackstubeneindrücke.

Café Colonial Cocktail

Café Colonial
1 Stück Würfelzucker mit…
5 Tropfen Schokoladenbitter und…
⅓oz / 20ml frischem Kaffee muddeln und verrühren
2oz / 60ml gereifter Rum
1 Teelöffel Lebkuchenlikör
Auf Eis rühren. Auf Eis servieren.

[Rezept adaptiert nach Alberto Martinez]


Erneut ist die Apothekerflasche und das Design einer der ursprünglichen Hauptgründe für mich gewesen, dieses Produkt zu erwerben; es ist einfach schön gestaltet und macht sich richtig gut in der Heimbar, eine passend exotische Verpackung für ein exotisches Produkt. Mir gefällt darüber hinaus das Etikett mit der Reproduktion eines unbenannten haitianischen Künstlers, etwas, worüber ich schon bei meiner Besprechung des Clairin Sonson berichtet hatte – ich finde es großartig, dass hier mit lokaler Kunst gearbeitet wird, und weiterhin wäre ich interessiert daran, die Namen der Maler zu erfahren, die diese eindrucksvollen, expressiven Motive kreiert haben.

Die Frage, die offen bleibt, ist, wer sich so etwas kauft. Das ist sicher eher was für die Nerds, die Hardcore-Bitterliebhaber, die neben den bekannten italoalpinen Amaros und den deutschen Halbbittern mal etwas aus einer völlig neuen Weltregion probieren wollen, und natürlich für die Mixologen, die auf der Suche nach verrückten Zutaten sind, mit denen man den eigenen Drink spektakulär signieren kann. Beide sind sehr gut bedient mit dem Pete Panno, meine ich.

Armagnac am Freitag – Grape of the Art Séailles 2004 Armagnac

Das 1. German Armagnac Festival war für mich persönlich ein voller Erfolg. Die Location in Stuttgart-Untertürkheim war gut gewählt, mit hübschem Blick auf die anliegenden Weinberge irgendwie besonders passend, ich freue mich besonders darüber, dass sich jemand auch mal mit solchen Veranstaltungen raustraut und es nicht einfach, wie scheinbar sonst jeder, in Berlin macht – die Anfahrt nach Stuttgart, für mich ungefähr drei Stunden, nehme ich da gern in Kauf, auch wenn es ein sehr heißer Tag war und die Klimaanlage in meinem Auto gestreikt hat. Bei den Ausstellern habe ich mich sehr gefreut, ein paar Bekannte wiederzutreffen: Hugues Amesland von Rounagle beispielsweise, den ich seit vielen Jahren als geschätzten Jurorkollegen bei Spirits Selection by Concours Mondial de Bruxelles kenne und mit dem ich manch einen lustigen Abend in Chile und China verbracht habe; endlich konnte ich mal seine Armagnacs probieren, der 1962 Rounagle ist wirklich spannend geworden, mit vielen holzig-harzigen Pinientönen. Über mein Treffen mit Vincent Cornu von L’Encantada (auch einer, den ich von Spirituosenwettbewerben kenne!) und die von ihm zusammen mit Nicolas Kröger durchgeführte Masterclass werde ich bei einem anderen Bericht noch erzählen. Ansonsten gab es tolle Abfüllungen von Darroze, Danis, Castarède und vielen anderen zu probieren, auch Séailles war natürlich vor Ort, und damit leite ich geschickt über zu dem Armagnac, den ich heute hier vorstellen will.

Grape of the Art Séailles 2004 Armagnac

Der Grape of the Art Séailles 2004 kommt aus der Armagnacregion Ténarèze, besteht rein aus der Rebsorte Ugni Blanc. 228 Flaschen in Cask Strength (hier 53,9%) entstanden aus dem von GotA ausgewählten Fass, und die Abfüllung trägt sogar ein Bio-Siegel. Je nach Lichteinfall wirkt der Séailles in meinem Glas eher kupferfarben oder hennarot. Man könnte sich darüber während des Schwenkens Gedanken machen, wäre da nicht diese wunderbare Öligkeit, die viel mehr Spaß macht – es bilden sich schwere Wellen, die die Oberfläche der Flüssigkeit schwungvoll aufrippeln, und am Glas findet sich eine Kante, die sehr lange stehen bleibt. Optisch ein Genuss.

Für die Nase ist es aber nicht weniger schön, diese würzige Mischung aus Lack, Holz und Frucht ist sehr attraktiv. Leichte Nussigkeit spielt mit rein, dunkle Trauben, PX-Sherry und Rosinen bilden die Fruchtbasis, das ist ein sehr weinbetonter Armagnac. Dunkel, reif, sehr aromatisch. Man spürt neben dem Lack auch den Alkohol, der ziept etwas im Riechkolben, wenn man ihn tief ins Glas hält, ein bisschen Offenstehzeit bändigt das aber. Man meint wirklich, ein feuchtes Fass und Keller zu riechen, das Holz ist sehr präsent, aber nicht auf eine unangenehme Weise, ich fühle mich ein ein Fasslager oder einen Weinkeller versetzt.

Dieser kurze Moment im Antrunk, in dem die Süße sich schnell erstmal ausbreitet, ist eigentlich eine Täuschung, die Ruhe vor dem Sturm, denn schon Sekundenbruchteile später detoniert der Séailles 2004 am Gaumen. Würze und Alkoholgehalt knallen rein, Trockenheit expandiert, Bittere drängt die Süße komplett zur Seite. Wild, ungezähmt, ohne jede Zurückhaltung erzählt dieser Brand dann eine Geschichte, die sicherlich nicht jugendfrei ist, Zimt, Chilischärfe, kräftige Holzigkeit, dunkler Wein – und er lässt sich Zeit damit, erst spät beginnt dann die Abkühlphase, die den gesamten Mundraum wie bei einem Eisbonbon zittern macht. Ein eiskalter Hauch, erneut mit Wein, Nuss und Holz, klingt dann extrem lange aus, ein Schluck reicht für 10 Minuten.

Holla, da hat man was im Mund, der Séailles 2004 ist sicher nichts für zarte Gemüter. Da knallt und brummt es, der hält sich nie zurück, ein Schrapnell von Armagnac. Das ist Glühmunition für den Abend vor dem Kamin. Richtig gut, aber nicht einfach. Ich liebe es jedenfalls.

Offenlegung: Ich danke Grape of the Art für die kosten- und bedingungslose Zusendung dieses Samples.

Gemeinsam Flaschen füllen – Papalin Jamaica Original Vatted Rum 7 Years Old

„The Tropical Dependent Bottler“ steht auf dem Etikett des Papalin Jamaica Original Vatted Rum 7 Years Old. Ich habe mich gefragt, was das bedeutet, und die Antwort nach kurzer Recherche in einem Interview gefunden, in dem Luca Gargano von Velier eben danach auch gefragt wurde. Kurz erklärt: es ist eine Wortkreation, die einen Gegensatz sowohl zu offiziellen Eigenabfüllungen der Brennereien, als auch zu einem „unabhängigen Abfüller“ aufbauen soll, denn Velier fühlt sich eng den Destillerien, deren Brände sie abfüllen, verbunden, mehr ein Freundeskreis als ein neutraler Geschäftspartner. „Co-Bottler“ ist laut Gargano ein passendes Synonym dafür.

Für diese Abfüllung hat er zwei Destillate aus Jamaica ausgewählt, die miteinander durchaus verwandt sind. Typische jamaikanische Herstellungsweise, traditionell gehandhabt, also beispielsweise rein in Potstills gebrannt und auf Zusätze jeder Art verzichtend: Worthy Park und Hampden sind inzwischen ja bekannt dafür, die Moderne und die Geschichte sehr effektiv miteinander zu verbinden. Diese beiden jamaikanischen Rums, beide komplett tropisch für mindestens 7 Jahre in ihren jeweiligen Destillerien gereift, wurden im Dezember 2021 in einem geheim bleibenden Verhältnis zueinander geblendet und abgefüllt, gemeinsam eingestellt auf die wunderbar krumme Zahl von 57,18% Alkoholgehalt. Kann dabei überhaupt etwas Schlechtes herauskommen? Ich kann es mir nicht vorstellen, aber verifizieren wir das einfach mal.

Papalin Jamaica Original Vatted Rum 7 Years Old

Klares, leicht blasses Gold sieht das erfreute Auge im Glas, das sich nicht ganz dem Metall entsprechend nur leicht viskos, eher sehr lebendig bewegt, setzt man es in Bewegung. Ein dünner Film entsteht an der Glaswand, der sich nur höchst widerstrebend in einzelne Bestandteile aufgliedert, stattdessen lieber en bloque abläuft, und sogar das nur langsam.

Der Duft von Jamaica liegt in der Luft, wenn man die Nase dazuzieht. Hier rieche ich die Worthy-Park-Komponente deutlicher als die von Hampden, dieses leicht Teigige, Mineralische, darunter erst tropische Frucht, vor allem überreife Mango, Banane und Ananas, mit etwas milderer Aprikose. Gewürze kommen deutlich vor, Nelken, Zimt, Vanille, etwas Muskatnuss sogar, die Mischung aus all dem Geschilderten ist höchst apart, charaktervoll, dabei rund und schwer – daran schnuppere ich gern und lang, ohne je einen echten Störfaktor zu entdecken; selbst das Ethanol, das man beim wirklich tiefen Riechen findet, äußert sich eher als helle Minznote denn als pieksende Chemie.

Papalin Jamaica Original Vatted Rum 7 Years Old Glas

Der Gaumen orientiert sich daran, ist im initialen Antrunk schwersüß und gewürzlastig, wechselt dann aber zügig zum einem astringierenden, trockenen Eindruck, der sowohl die Spucke wegsaugt, als auch die Zunge ganz leicht zum Vibrieren bringt, ohne sie je zu reizen. Insgesamt ist das Mundgefühl sensationell weich, insbesondere für den hohen Alkoholgehalt, die Textur ist sowohl breit als auch tief, füllt den ganzen Mundraum mit einem flauschigen Wattebausch aus. Die tropischen Früchte sind ebenso rund abgebildet, eher reif als überreif, eher sauber als superesterig, und später tauchen Muskatnuss und Vanille aus dem Gemisch auf, sorgen für Spannung und Abwechslung, lassen nie zu, dass der Papalin zu gemütlich und anschmiegsam wird. Zum Schluss kommt dann doch noch ein bisschen Feuer auf, auch hier aber eingebunden und ohne echtes Brennen, mehr ein kaltes Eukalyptusfeuer, das mit einem Eiseshauch den extrem langen Abgang begleitet.

Das ist ein Rum voller Kraft und Wucht, der sich selbst aber voll im Griff hat – kein WWF-Wrestler oder Schulhofschläger, obwohl er es rein von den Anlagen her sein könnte, nein, mehr ein geschulter, stilistisch ausgebildeter Boxer, der genau weiß, wo er seine Punches setzen muss, und wo er es lässt. Henry Maske im Spirituosenglas, sozusagen.


Warum schlage ich hier nun ein scheinbar langweiliges, abgekochtes Rezept vor, einen Daiquiri muss man ja eigentlich nicht mehr empfehlen, jeder weiß, dass das einer der wichtigsten und besten Drinks ist, die es gibt? Nun, der Dry Daiquiri hier hat eben diese kleinen Twists, die den Cocktail so spannend machen, Campari und Passionsfrucht ändern die Aromatik mehr gefühlt, das ist fein und subtil. Und der Papalin ist ein Rum, der in Kombination mit genau solchen subtilen Änderungen hervorragend umgehen kann. Ein wahnsinnig gutes Team.

Dry Daiquiri Cocktail

Dry Daiquiri
1½oz / 45ml leicht gereifter Rum
¼oz / 7ml Campari
½oz / 15ml Limettensaft
½oz / 15ml Zuckersirup
1 Spritzer Passionsfruchtsirup
Auf Eis shaken.

[Rezept nach Kevin Armstrong]


Wie man an den Fotos sieht, stammt meine Verkostungsprobe erneut, wie so oft, aus dem VSGB-Projekt, in dem Rumfreunde für vergleichsweise geringes Geld Rums ausprobieren können, an die man sonst nur schwer herankäme, sei es wegen der Seltenheit oder dem aufgerufenen Preis, oft sogar beidem. Die Aufmachung ist identisch zu den Großflaschen. Sicherlich ist dieser Papalin auch in der normalen Größe eine wertige Anschaffung für den Freund authentischen, ehrlichen Rums aus Jamaica.

Bier am Freitag – Brauerei Reichold Hochstahl Dunkel

Kurz vor Corona war ich auf einer kleinen Biertour unterwegs – ich habe meinen Freund Ulric Nijs in Bayreuth besucht, und wir haben die kleinen Brauereien in den noch kleineren Orten, die es dort in direkter Umgebung in erstaunlich großer Zahl weiterhin gibt, abgeklappert. Es war schönes Wetter, da setzt man sich gern vor den Brauerei Gasthof Reichold, und trinkt ein Reichold Hochstahl Dunkel in der Sonne. Und dann nimmt man ein auf Flasche gezogenes Exemplar natürlich als Andenken mit, um es daheim in aller Ruhe noch professionell zu verkosten. Nein, ich habe das Bier nicht bis heute aufbewahrt, die Tasting Notes stammen auch aus 2018; es ist aber hin und wieder einfach schön, diese uralten Dinger aus dem Archiv meines Blogs hervorzukramen und endlich dem Tageslicht auszusetzen.

Brauerei Reichold Dunkel

Selbst für ein Dunkelbier ist das Hochstahl Dunkel sehr dunkel (nein, ich bin jetzt schlicht zu faul, künstliche Synonyme dafür zu suchen), beinahe blickdicht, mit portweinroten Reflexen im Gegenlicht. Schaum steht ausdauernd in heller Crema, grobblasig, durch eine starke Perlage gespeist.

Im Biergarten nimmt man sich selten die Muße dafür, im stillen Kämmerlein lasse ich die Nase gern ein bisschen Vorarbeit leisten. Das Bier ist erwartungsgemäß sehr malzig im Geruch, dabei aber mit einer herben Frische, tatsächlich erinnert mich das etwas an Altbier, einen Bierstil, den ich sehr mag. Milde Frucht kommt noch dazu. Süß und sehr cremig wirkt es dann im Antrunk, dort ist aber bereits die schön ausgearbeitete Rezenz erkennbar. Feinherb, dezente Bittere, gut eingebundene, aber knackige Säure und saubere 5,2% Alkoholgehalt: Trotz seiner dunklen Farbe ist das Hochstahl Dunkel ein Erfrischungsbier, kein Zweifel. Voluminös im Mund und leicht in der Kehle im Abgang. Dieser ist kurz, an der Zungenspitze adstringierend. Ein Bier, das ich täglich trinken könnte; perfekt zum Essen.

Von der Tour habe ich noch andere Biere mitgebracht, einen Teil davon habe ich hier auf dem Blog sogar schon besprochen, andere zumindest verkostet, die Rezensionen grabe ich dann auch mal aus, wenn mir danach ist, mich an diese schöne Gegend um Bayreuth mit ihrer so unglaublich lebendigen Bierkultur zu erinnern.

Zweierlei von Bergamotte und Mandarine – Distillery Krauss London Dry Gin Bergamot Pepper und Barrel Aged Dry Gin

Beim Spirituosenwettbewerb ISW waren vor ein paar Wochen für mich als Juror Gins auf der Karte. Ein Haufen Gins. Ein richtiger Ozean an Gins. Vier Flights zu je mindestens 8 Gins, da hat man irgendwann einen gewissen Überlauf am Gaumen. Wundert mich die Menge? Nein. Weiterhin ist es halt einfach so, dass diese Spirituosenkategorie die mit Abstand beliebteste ist, der Hersteller produziert, der Kunde kauft, es kommen immer noch täglich neue Marken auf den Markt. Gin ist unkompliziert, trinkig und mixabel, und bietet in modernen Interpretationen immer neue Varianten, teilweise so frei gedacht, dass man sich fragt, ob man hier nicht doch einen Brombeerlikör im Glas hat. Nun, wohlfeile Kritik beiseite, wer heute als Brennerei keinen Gin im Portfolio hat, gehört wohl klar zu den Außenseitern und muss sich eher bezüglich dieses Fehlens erklären als einen Grund angeben, warum man auch einen Gin macht.

Auch die in der Steiermark beheimatete Distillery Krauss lässt sich da nicht lumpen, und macht ihren Gin. In zwei Varianten, um den bereits durch all die eben erwähnten Konkurrenzgins dem anspruchsvollen österreichischen Geschmackssinn etwas zu bieten, das auch eine gewisse Zeit erinnerbar bleibt: erstmal den mit exotischem Pfeffer und exklusiver Zitrusfrucht angereicherten Distillery Krauss London Dry Gin Bergamot Pepper, und im Anschluss einen fassgereiften Gin, gerade das ist auch heute noch, trotz des beschriebenen Gintsunamis, etwas besonderes, auf den Distillery Krauss Barrel Aged Dry Gin freue ich mich darum schon vorab besonders. Die Produktion eines solchen Fassgins treibt natürlich die Produktionskosten in die Höhe, etwas, das sich viele Massenginhersteller schlicht nicht zumuten wollen, um so gespannter bin ich, ob da was vernünftiges bei rüberkommt.

Distillery Krauss London Dry Gin Bergamot Pepper und Barrel Aged Dry Gin

Aber erstmal das ganz Klare – der Distillery Krauss London Dry Gin Bergamot Pepper. Kristallklar, ohne Partikel, und mit einer beim Schwenken deutlich sichtbaren Viskosität beginnt die Verkostung. In ganz regelmäßig verteilten Beinchen läuft die Flüssigkeit ölig ab.

Meine Leser kennen mich als strengen Verfechter der wacholderlastigen Gins. Da hier aber schon auf dem Etikett zwei besondere Zutaten herausgehoben werden, ist sicherlich mehr Spielraum da, den Wacholder hinter die namensgebenden Zutaten zurückzustellen, was auch schon im Duft passiert: Hier startet die Nase direkt mit dem exotischen Andaliman- und Urwald-Pfeffer, das erinnert schon an frischen, zestigen, schwarzen Pfeffer mit etwas Piment. Lässt man den Gin etwas atmen, drängt sich die Bergamotte immer deutlicher nach vorne, das riecht sich dann fast wie ein Zitrusgeist. Wacholder, ja, den muss man etwas suchen, er ist im zugrundliegenden Basiskräuter-Bouquet etwas verdeckt durch die zwei sehr prominenten Botanicals.

Am Gaumen zeigt er sich sehr viel deutlicher und spontaner, ich würde sogar sagen, der erste kurze Eindruck ist Wacholder. Herb entwickeln sich dann weitere Kräuter, bauen auf einer sehr weichen Textur auf, die den Mundraum gut ausfüllt und sich breit zeigt. Eine natürliche Süße ist unverkennbar, doch sie drückt den Gin nicht in ein pastorales F-Dur, sondern lässt ihm ein jubilantes D-Dur. Die zwar zitrische, aber nicht freche Frische der Bergamotte passt sich hier nun sehr gut ein, mit viel Volumen, bevor der Pfeffer mit plötzlicher Würze übernimmt, und bis zum Abgang dann dominiert, sowohl von pikanten Effekten her, die die Zunge fast zum Glühen bringen, als auch den exotisch-gewürzigen Aromen. Der Nachklang bleibt sehr warm, mittellang und rund, ganz spät entsteht etwas zestige, ätherische Astringenz, und insbesondere die Zungenspitze braucht dann lange, sich davon wieder zu beruhigen.

Ein kraftvoller Gin, nicht unbedingt grazil und filigran, eher voll und drängend, mit breiter Struktur. Die zwei Hauptbotanicals sind klar definiert, und zeigen sich von ihrer jeweilig besten Seite – und das sage ich als jemand, der Bergamotte nicht unbedingt zu seinen Lieblingsfrüchten zählt; hier funktioniert das einfach. Ja, den Wacholder vermisse ich etwas, doch ich habe bei Dutzenden von Verkostungen bei Spirituosenwettbewerben mit hunderten und aberhunderten von Gins halt auch gelernt, dass im modernen New-Western-Style das nicht stilverfälschend ist.


Also, klassischen New-Western-Gin können die Brenner aus der Steiermark schonmal, ganz offensichtlich. Mit dem Distillery Krauss Barrel Aged Dry Gin probiert man dann noch etwas ungewöhnlicheres. Ein speziell auf Fassreifung ausgelegtes Gin-Rezept hat man da sich bei Krauss ausgedacht, eine sehr gute Idee, denn manche Kräuter gehen nach Holzkontakt entweder völlig unter, oder beissen sich mit den vanilligen Tanninen, die damit ins Destillat übergehen. Das Jahr, das der Gin dann im gebrauchten Holzfass verbrachte, ist in der Farbe erkennbar – helles, leicht blasses Gelbgold, ohne Farbstoffe, und auch ohne Rückstände, und das ohne Kältefiltrierung. Lebendig präsentiert sich die Flüssigkeit, mit einer für den Alkoholgehalt typischen Schlierenbildung.

Mandarine, Orangenzeste, vielleicht noch roter Apfel – das sind die ersten Eindrücke, die der Riechkolben aufsammelt, sehr fruchtig, zitruslastig, aber ohne die Spitzen der Limette oder Zitrone. Sehr angenehm passt dazu eine kräftige Zimtnote, und ausgeprägter Kardamom, das riecht irgendwie wie Advent, selbst im inzwischen aufkeimenden Frühling. Außer dem Zimt und einem minimalsten Anflug von Vanille halten sich die Holzaromen zurück, lassen der Mandarine freie Bahn, ich hätte das blind vielleicht für einen fassgereiften Mandarinengeist gehalten.

Auch am Gaumen präsentiert sich zunächst die Zitrusfrucht, mit der Süße des Safts und der leichten Bissigkeit der ätherischen Öle der Schale in Kombination. Kardamom kommt schön heraus, nimmt eine starke Position ein, die er auch nicht mehr aufgibt bis zum Schluss, und dabei mit herbem Wacholder konkurriert. Die Textur ist initial weich und voll, im Verlauf dreht sich das aber, mit ordentlicher Pikanz und geht dabei fast ins Mildtrockene über. Der Alkoholgehalt, immerhin 50%, zeigt sich in Wucht und Würze, ist aber richtig sauber eingebunden und tut seinen Dienst ohne Murren. Insgesamt wirkt das Bild rund und gelungen, im Abgang kribbelt das dann noch etwas kalt, wenn die freche Zestigkeit das Gefühl wiedergibt, als beiße man in eine ungeschälte Mandarine oder Saftorange, und dann sogar doch noch der Wacholder zurückschlägt.

Das ist ein Grenzgänger für mich, mit klassischem Gin hat das für mich nur bedingt noch etwas zu tun, doch es ist als Produkt für sich einfach großartig gemacht und schmeckt mir als Obstgeistliebhaber ausgesprochen gut, weil es ein komplexes, aber dennoch frisches Aromabouquet liefert, das sowohl Nase als auch Gaumen wirklich erfreut. Kurz: Klare Kaufempfehlung!


Ja, es gibt sie, gar nicht so wenige sogar – die Tiki-Drinks mit Gin als Hauptspirituose. Der Opaka Raka ist einer davon. Viele Quellen geben als zweite Zutat „Donn’s Spices #2“ an, wie das auch in Beachbum Berry’s Buch angeführt wird, doch bei Kindred Cocktail hat man beim Erfinder Brian Miller nachgefragt, und unten findet sich das originale, korrigierte Rezept mit Don’s Mix. Der fruchtigschwere Gin der Distillery Krauss zeigt sich in solchen Drinks natürlich besonders gut, und man erkennt sogar weiterhin die exotische Pfeffernote durch all die anderen Zutaten.

Opaka Raka Cocktail

Opaka Raka
1½oz / 45ml Dry Gin
1½oz / 45ml Don’s Mix (2:1 Grapefruitsaft und Zimtsirup)
¾oz / 23ml Limettensaft
¼oz / 7ml Zuckersirup
1 Spritzer Bitters
Auf Eis shaken. Mit Eis in einem Highball-Glas servieren.

[Rezept nach Brian Miller]


Auch die Gins der Distillery Krauss sind im selben Format gestaltet wie schon die Rums, die ich neulich besprochen hatte; schöne Flaschenform, zurückhaltend und trotzdem elegant wirkende Etiketten im durchgängigen Design ohne Spielereien.

Für den Barrel Aged Dry Gin hatte ich, im Überschwang, oben ja schon die Kaufempfehlung ausgesprochen, das wiederhole ich einfach hier nochmal mit etwas Abstand – eine durch und durch tolle Spirituose für die, die etwas Ungewöhnliches im erweiterten Ginbereich suchen, wie auch für die, die Mandarine mögen. Den Bergamottenpfeffergin genieße ich ebenso, mit denselben Caveats für die Hardcore-Wacholderpuristen unter uns, denen ich aber auch sage, dass es nicht immer ausschließlich Wacholder sein muss, solange er erkennbar bleibt, bin ich zufrieden. Letztlich bin ich aber eh der Überzeugung, dass handwerkliche Qualität über mehr oder weniger willkürliche Regelung immer triumphiert, und hier schmeckt man ersteres einfach zu deutlich, als dass ich da das Haar in der Suppe suchen wollen würde.

Offenlegung: Ich danke der Distillery Krauss für die bedingungslose Zusendung je einer Flasche dieser Gins, und True Spirits für die Vermittlung.

Bier am Freitag – Hitachino Nest Real Ginger Ale

Wer trinkt eigentlich Ginger Ale? Ich probiere zwischendurch immer wieder mal Dinge, die ich vor zig Jahren das letzte mal getrunken hatte, und suche so nach spannenden Getränken aus alter Zeit, die man schlicht nur vergessen hatte. Doch bei den klassischen Ginger Ales der großen Hersteller frage ich mich schon – dieses pappsüße, klebrige, künstlich schmeckende Zeug ist doch nun wirklich aus der Zeit gefallen, sogar als Filler in einem Longdrink würde ich das ungern einsetzen. Bei der Auswahl der Probierprodukte fiel mir dann ein Produkt in die Hände, das mit der Limonade gar nichts zu tun hat, sondern ein „echtes Ginger Ale“ ist: das Hitachino Nest Real Ginger Ale, das in Japan von der Kiuchi Brewery hergestellt wird. Es wird als Bier gebraut, beim Brauen wird Ingwer eingesetzt, zusammen mit den Malzen Pale, Munich, Crystal und Chocolate, und den Hopfen Perle, Styrian Golding und Chinook. Bei üppigen 8% Alkoholgehalt sollte man es wirklich nicht mit einer Kinderlimo verwechseln, auch wenn das Etikett das Potenzial dazu bietet!

Hitachino Nest Real Ginger Ale

Im Glas ist die Verwechselungsgefahr dann schnell gebannt, denn statt dem blassgelben Ton eines Ginger Ales findet man hier eine sehr dunkle Färbung, naturtrüb, mit deutlich sichtbaren Partikeln – vielleicht vom Einsatz des Ingwers. Die leichte, aktive Perlage schafft es nicht, Schaum auf Dauer zu erzeugen.

Der Geruch ist leicht säuerlich, man hat Anklänge von Honig, ansonst bleibt es aber, ehrlich gesagt, fast neutral für die Nase. Am Gaumen kommen dann doch irgendwie vorsichtige Limoreminiszenzen auf, süß ist das Hitachino Nest jedenfalls im gesamten Verlauf, mit Honigaromen zu Beginn und einem begleitenden sehr cremigen Mundgefühl. Ein bisschen Colageschmack ist präsenter als sehr dezente Hopfen- und Malzaromen, ein durchaus eher schwerer Gesamteindruck – es fühlt sich an wie ein aromatisch leichter Doppelbock, würde ich sagen. Über einen Mangel an Rezenz und Frische braucht man sich aber sicher nicht beklagen. Im Abgang taucht dann endlich der Ingwer auf, sowohl geschmacklich als auf vom Effekt her – sehr milde Schärfe ist angenehm, am eher kurzen Ende kippt das Bier dann aber wieder leicht ins Pappige.

Ein nettes Bierchen für Zwischendurch, die Rezenz rettet es vor der frappanten Aromenärme. Immerhin, es ist durchaus etwas Exotisches, und unterhält damit schon eine Weile. Auf die Dauer braucht man es aber sicher nicht.

Flüssige Perfektion – Destillerie Kolonko Mirabelle Brand

In der Fizzz #5/2023 kann man wieder einen Artikel von mir lesen – ich freue mich ehrlich sehr, wenn es scheinbar auch bei Printmagazinlesern ankommt, was ich schreibe. Dieses mal geht es um Eindrücke, die ich gesammelt habe, als ich mit verschiedenen Leuten gesprochen hatte, denen Obstbrand wichtig ist, von Brennern bis Mixologen. Während der Recherche für diesen Artikel habe ich ein längeres Gespräch mit Johannes Kolonko geführt, in dem er mir viel mehr nahegebracht hat als einfache Informationen oder Fakten – wenn man mit ihm redet, spürt man regelrecht, dass er völlig aufgeht in dem, was er tut. Als Einmannbetrieb macht er alles selbst, von Ernte über Vorbereitung der Frucht und dem Maischen und Brennen bis hin zum Abfüllen, Etikettieren und Vermarkten. Was am Ende herauskommen soll sind Obstbrände auch höchstem Niveau, die Kolonkos eigenem Anspruch gerecht werden können, und der ist, das hört man in der Diskussion mit ihm sofort heraus, hoch. Ein Obstbrand ist ein „harmonisches Zusammenspiel zwischen Mensch und Natur“, wie Kolonko selbst betont.

Ausschnitt Fizzz #5/2023

Und nun steht sie vor mir, die Flasche des Destillerie Kolonko Mirabelle Brand, und fordert mich dazu heraus, zu überprüfen, was Johannes Kolonko mir berichtet hat. Es handelt sich dabei, leiten wir mal ganz offensichtlich ein, natürlich um einen Edelbrand aus Mirabellen, die 2019 von Kolonko eigenhändig in Südbaden von Streuobstwiesen geerntet wurden. Es wird darauf geachtet, dass dort keine Pestizide oder auch nur Dünger eingesetzt wurden. Fermentiert wird über natürliche wilde Hefen, in einer Kupferbrennblase wird dann gebrannt und das Destillat schließlich, nach einer Ruhephase in Glasballons, mit Quellwasser auf Trinkstärke herabgesetzt; wie gesagt, jeder einzelne Schritt vom Brenner selbst eigenhändig und ohne Pumpen, Filter oder andere verzichtbare Technik ausgeführt. Kann man schmecken, wieviel Arbeit in eine Spirituose geht? Riecht man, wie gut das Basismaterial behandelt wurde? Fühlt man im Brand, welche emotionale Energie hineingesteckt wird? Ich bin sehr gespannt.

Destillerie Kolonko Mirabelle Brand

Der Brand ist erwartungsgemäß kristallklar, ohne Fehler oder Einschlüsse oder Tönung. Deutliche Öligkeit sieht man beim leichten Drehen und Kippen des Verkostungsglases, das schwappt träge hin und her, nach einer Weile bilden sich gemächlich Beine heraus, die sich richtig viel Zeit lassen, nach unten wieder abzulaufen.

Auf Empfehlung des Brenners selbst habe ich das Glas etwas offen stehen lassen, bevor ich mich ihm mit der Nase genähert habe. Dann konnte ich es doch nicht mehr erwarten – und finde dort erstmal eine schwere, tiefe Steinfruchtsüße vor, ganz klar reife Mirabelle und Zwetschge, vielleicht etwas mandelige Aprikose als Unterlage. Es wirkt sehr klar und sauber, was man da riecht, außer der Frucht finden sich kaum Seitenaromen, die von der Mirabelle ablenken würden. Auch andere Störfaktoren, die man manchmal in Obstbränden findet, wie pieksendes Ethanol, eckige Spitzen oder gar stumpfe Flachheit, sind diesem Destillat völlig fremd, das riecht sich frisch, lebendig und aromatisch, ohne die runde Weichheit aufzugeben, oder dabei langweilig zu werden – 44% Alkoholgehalt sind angenehm gewählt. Es drängt sich aber auch nicht auf, überwältigt nicht, sondern bleibt vornehm zurückhaltend.

Destillerie Kolonko Mirabelle Brand Glas

Im Mund breitet sich der Brand dann sehr viel weniger zurückhaltend aus als in der Nase, da ist direkt der ganze Gaumen mit einer weichen, warmen, fetten Schicht belegt. Aus dieser speist sich dann erst langsam, aber schnell Fahrt aufnehmend, die höchstdichte Aromatik von zuvorderst Mirabelle und folgend verwandtem Steinobst, schön balanciert zwischen mildherber Bittere und fast schon zitrusfrischer Fruchtsüße. Im Verlauf entsteht dann pikante Würze, Gaumen und Zunge kitzelnd und deutlich erhitzend, ohne sie zu verbrennen oder anästhesieren. Die Textur ist fett und voll, sowohl tief als auch breit, man kann die Flüssigkeit im Mund fast kauen oder lutschen. Der Nachhall ist extrem lang, voller anhaltender Frucht und einer dazukommenden Veilchen- und Rosenfloralität, die als Kopfnote den gesamten Eindruck komplettiert. Kein Witz – 2 Stunden später, nach einer Quiche Lorraine mit Krautsalat und einer Tasse Kaffee, habe ich die Mirabelle immer noch retronasal vorhanden. So eine Ausdauer ist extremst beeindruckend.

Bei all der Spannung, die dieser Brand aufbaut, ist er gleichzeitig nicht kompliziert – er liefert schnurgerade ab, woraus und wie er gebrannt wurde, da sind keine Umleitungen, Tunnels, Überführungen oder Kreisverkehre im Weg. Auch wenn ich es sehr mag, die vielen verschiedenen Aromen eines alten Rums zu explorieren, so wertschätze ich mindestens ebenso die lineare Art, mit der Johannes Kolonko es schafft, die Mirabelle zu verflüssigen und damit auf eine neue Stufe zu heben.


Dementsprechend braucht es auch gar nicht viel eines solchen Destillats, um in einem Cocktail sofort eine Duftspur zu hinterlassen. Im Crillon ist weißer Wermut (hier empfehle ich einen aromatischen, spannenden, zum Beispiel den Dry Riesling Vermouth oder den Saar White Vermouth von Ferdinand’s) die Hauptzutat, und die Kolonko Mirabelle sorgt sowohl für Volumen als auch diese so herrlich beharrende Assiduität, die mir so außerordentlich gefällt an ihr. Ein klarer, leichter, feiner Drink, trocken und herb, ein Aperitif für Genießer.

Crillon Cocktail

Crillon
1⅓oz / 40ml weißer Wermut
½oz / 15ml Mirabellenbrand
½oz / 15ml Campari
Auf Eis shaken.

[Rezept nach unbekannt]


Ich erinnere mich noch gut an die ersten Exemplare dieser Glasstöpsel, die auf den Markt kamen – da waren sie noch schwer handzuhaben, das Öffnen erforderte eine gewisse Technik und auch Kraft. Heute hat sich das eingespielt, und der Glasstöpsel, der mit der Flasche hier mitgeliefert wird, funktioniert wunderbar. Es ist ja schon eine tolle Sache, dass man eine Alternative für den Echtkorken, mit dem die Flasche im Auslieferzustand verschlossen ist, an die Hand bekommt, eine schöne Geste. Das Etikett ist mit einer fast expressionistischen Darstellung der Frucht gestaltet, enthält kleine Informationen, ohne sich damit zu überladen. Die kleinen Auflagen, die Johannes Kolonko macht, zeigen sich in den wenigen 128 Flaschen aus der Mirabellenernte 2018, ich habe Nummer 71 davon.

Den rosa Elefanten im Raum muss man natürlich erwähnen – bei einem Literpreis von 700€ ist das eine sehr exklusive Spirituose. Liest man aber den Abschnitt über die Destillerie Kolonko in dem in der Einleitung angesprochenen Artikel über Obstbrände, wird einem schon klar, warum das kaum anders bepreisbar ist. Die Art, wie Johannes Kolonko Material aussucht und verarbeitet, ist monetär grundsätzlich nur schwer einzufangen, das Herzblut und die Philosophie dahinter gar nicht. Rein vom Geschmack her ist es das Geld jedenfalls wert, darüber müssen wir gar nicht erst zu diskutieren anfangen. Statt über schnöde Penunzen rede ich mit Johannes viel lieber über die Haptik reifer Pflaumen und den Geruch frischer Mirabellen.

Offenlegung: Ich danke Johannes Kolonko für die kosten- und bedingungslose Zusendung einer Flasche seines Mirabellenbrands.

Armagnac am Freitag – Jean-Luc Pasquet Cognac Grande Champagne Lot 84 for The Bottle Shop

Es gibt ja die Kenner, die einzelne Spirituosen so gut kennen, dass sie unterschiedliche Jahrgänge untereinander vergleichen – da bekommt man dann hin und wieder Aussagen wie „du hast Jahrgang 54 probiert? Jahrgang 55 ist aber so viel besser!“ Ich bin nicht der Typ, der sich so allzu gern äußert, das klingt manchmal etwas patronisierend, ich versuche, jede Spirituose für sich zu betrachten statt im Kontrast zu anderen. Stefan Glück von der Old Fashioned Bar in Heilbronn hat mich nun dazu gebracht, einen solchen Vergleich zumindest indirekt zu machen, indem er mir ein Sample des Jean-Luc Pasquet Cognac Grande Champagne Lot 84 for The Bottle Shop zukommen ließ. Vor einer Weile hatte ich ja bereits den Jean-Luc Pasquet Lot 79 und auch den Pasquet Lot 68-72 besprochen – dennoch will ich auch hier keine Kontrastreview machen, sondern die Heilbronner Abfüllung für sich sprechen lassen. Abgefüllt ist sie als Single Cask in Fassstärke mit 53,4% und limitiert auf 258 Flaschen.

Jean-Luc Pasquet Cognac Grande Champagne Lot 84 for The Bottle Shop

Kupfer, Terracotta, so in diesem Bereich schätze ich die Farbe dieses Cognacs ein. Eine strahlende, kräftige, lebendige Farbe, mit vielen orangenen und teils sogar weißen Lichtreflexen, die auch beim Schwenken für ein paar Sekundenbruchteile an der Glaswand haften bleibt. Durch die Viskosität läuft alles dann nur langsam von dort ab.

Man bekommt Lust, die Nase ins Glas zu halten, und wird dort dann nicht enttäuscht: sehr viel Frucht erwartet einen da, so in der Mitte zwischen noch recht frischen Rosinen und überreifen Trauben frisch vom Rebstock. Passend zur Farbe ist auch im Duft viel Lebendigkeit und Jugendlichkeit drin, hellklingend und leicht, aber ohne jede Frechheit oder Kante, die bei jüngeren Bränden dann oft auch mitschwingt. Gleichzeitig ist aber trotz der 39 Jahre keine Überalterung erkennbar, die Fässer haben viel Vanille, Honig und süße Zuckerwatte mitgegeben, aber keine harten Tannine oder Holzigkeit.

Am Gaumen spürt man dann, nachdem die initiale Freundlichkeitsoffensive leicht abgeklungen ist, das Alter doch – hier ist Trockenheit und Holzeinfluss klarer. Das fällt deutlicher auf, weil zu Beginn eine fruchtige Süße den Antrunk definiert, mit Ideen von Aprikosen und Birne. Der Wechsel ist dabei rund und nicht abrupt, ein bisschen Feuer blitzt dabei auf, das aber fast so schnell, wie es kommt, wieder abklingt und Platz für eine klare Aromatik macht. Im Abgang wird der Cognac gewürzig, Kardamom, Sternanis, Zimt – das geht fast in die Weihnachtsbäckerei über, bleibt dabei aber sehr frisch, mit Anklängen von Anis und Süßholz, die diese beinahe minzige Frische sogar noch betonen. Danach klingt er ganz langsam mit Impressionen von Zuckerrohr und mildbitterem Malz aus.

Dieser 84er Jean-Luc Pasquet trinkt sich sehr erwachsen, dabei unkompliziert – hier gehen Komplexität und Trinkigkeit sehr fein ineinander über. Kein Schmeichler, kein Prügler, einfach ein toll gemachter Cognac mit viel Charme für den Genießer, der zu schätzen weiß, wie schwierig es ist, diesen schmalen Grat ohne Taumeln beschreiten zu können.

Offenlegung: Ich danke The Bottle Shop für die kosten- und bedingungslose Zusendung dieses Samples.

Zurück nach Chile – Pisco Control Gran Pisco

Für den Brand, den ich heute vorstellen will, gibt es zwei voneinander unabhängige, aber trotzdem interessante, kleine Details zu berichten. Beginnen wir mit der Deklaration des Pisco Control Gran Pisco. „Gran Pisco“ ist eine geregelte Kategorie innerhalb des chilenischen Piscos – für die man allerdings keine seitenlangen AOCs oder ggAs durchwälzen muss, im Gegensatz zu vielen überregelten, mit Sonderbehandlungen gespickten Spirituosenkategorien, für die man studiert haben muss, um sie zu verstehen. „Gran Pisco“ bedeutet einfach, dass der Brand mit mindestens 43% Alkoholgehalt (und höchstens 50%) abgefüllt ist. Punkt. Ach, manchmal kann die Welt doch auch einfach sein. „Überwiegend Muskateller“ wird als Rebsorte auf diversen Seiten angegeben, ich würde sogar behaupten, dass hier, wie bei den allermeisten Piscos aus Chile, ausschließlich Trauben der Muscat-Rebsorten verwendet werden, auch wenn noch wenige andere erlaubt sind.

Der Control stammt, und damit kommen wir zum zweiten Detail, aus der Compañía Pisquera de Chile S.A., La Serena – wie viele Produktionsstätten in Chile ist dies eine Kooperative, in der viele Weinbauern ihre Trauben anliefern und damit sozusagen einen Gemeinschaftsbrand erzeugen. So eine Genossenschaft ist eigentlich eine wunderbare Einrichtung, insbesondere, wenn das Volumen der eigenen Produktion für einen Bauern sich nicht für Marktreife eignet, oder die finanziellen oder anderen Mittel dafür fehlen. Diese spezielle Kooperative ist darüber hinaus die größte in Chile, mit über 700 Lieferanten für Weintrauben, von denen 90% Kleinbauern sind und eine Fläche von über 2000 Hektar bearbeiten. Also, über die Region verliere ich am Ende des Artikels noch ein paar Worte, ich kann aber jetzt schon sagen, dass ich vielleicht eine gewisse Schwäche für Pisco (und Chile) habe.

Pisco Control Gran Pisco

Im Gegensatz zum peruanischen Pisco darf chilenischer Pisco fassgereift werden, darum erwähne ich, dass der Control klar und farblos ist. In dem Pisco-Verkostungsglas, das ich von ProChile als Geschenk erhalten hatte und mit etwas Glück unzerbrochen nach Deutschland transportieren konnte, zeigt sich auch ordentlich Viskosität und ein beim Schwenken entstehender, dickadriger Film an der Glaswand.

Bei Pisco spreche ich gern vom Duft anstatt vom Geruch – der südamerikanische Weinbrand, egal ob aus Chile oder Peru, ist grundsätzlich sehr floral angelegt und je nach eingesetzter Rebsorte auch recht fruchtig. Beim Control finden wir Veilchen, Nelken (die Blumen, nicht das Gewürz) und Rosenblüten, dazu ein Anflug von Jasmin. Diese frische, fast parfümige Kopfnote wird unterfüttert durch leichtes Steinobst, wie Kirschen oder Aprikosen, beide gerade so reif, und vielleicht etwas Mirabelle; man könnte das durchaus auch für einen klassischen deutschen Obstler halten, der ein bisschen ins Blumige geht. Die erkennbare Ethanolnote, die man beim tieferen Schnuppern findet, will ich allerdings nicht verschweigen – sie trübt das Gesamtbild etwas.

Pisco Control Gran Pisco Glas

Das Mundgefühl ist initial sehr weich, leicht, dabei rund und breit, ohne große Tiefe zu entwickeln, was eigentlich gut zum Geruchseindruck passt. Hell, frisch, dabei dennoch mit feiner Süße ausgestattet, zeigen sich die Muskatellertrauben von ihrer besten Seite, mit edler Aromatik, keinerlei Plumpheit oder Schwere ist spürbar, selbst wenn die Frucht etwas dunklere Komponenten dazubringt, die Struktur funktioniert wunderbar. Im Verlauf bildet sich erkennbar wärmende Würze heraus, die sich schwarzpfeffrig zum Abgang hin entwickelt, und dann Zunge wie Gaumen leicht zum prickeln bringt – die 43% Alkoholgehalt, die ein Gran Pisco zu haben hat, sind dabei sehr gut eingebunden und scheinen, im Gegensatz zur Nase, hier nie negativ durch. Der Abgang selbst ist lang, weiterhin klar vom Jasminblumigen getrieben, mit wirksamer Mirabelle und Aprikose im Nachhall, die lange verweilen.

Ich mag Pisco einfach, für mich ist das ein herrlicher Brand, und der Pisco Control verortet sich vielleicht nicht in der Spitzengruppe, aber sicher am oberen Band dessen, worüber ich mich freue, es im Glas zu finden. Besonders der Nachklang weiß sehr zu gefallen, mit erkennbarer, aber nicht überwältigender Komplexität – und wenn man das Preisleistungsverhältnis mit berücksichtigt, ist es geradezu ein Träumchen, was man da für kleines Geld sowohl als Purgetränk als auch als Cocktailzutat bekommen kann.


Ich gebe es zu, ich habe genau wegen letzterem die Flasche in einem Rewe-Markt gekauft. Selbst ich, der ich gerne auch extremst rare und teure Zutaten in einem Drink vermische, habe manchmal ein gewisses Zögern, die höchstwertigen Piscos, die ich sonst noch zuhause habe, in einen Cocktail zu kippen. Für einen Mixed Drink ist der Pisco Control nahezu ideal, mit seiner starken und dennoch filigranen Aromatik und dem gleichzeitig kräftigen Alkoholgehalt. Im 1931 zeigt sich dies aufs Beste.

1931 Cocktail

1931
1½oz / 45ml Pisco
½oz / 15ml Mezcal
¾oz / 23ml Orgeat
¾oz / 23ml Limettensaft
2 Spritzer Xocolatl Mole Bitters
1 Spritzer Angostura Bitters
Auf Eis shaken.
[Rezept nach Sterling Field]


Die sprachliche Verwirrung auf dem Etikett finde ich fast lustig, da findet sich Spanisch, Englisch und Deutsch bunt gemischt; ansonsten ist die Präsentation eher unspektakulär, eine einfache Flasche mit Blechdrehverschluss und ein hauptsächlich neutral gehaltenes Etikett machen diesen Pisco sicher nicht oft zu einem Spontankauf im Supermarkt, was schade ist, da kann man für die rund 15€ auch sehr viel schlechtere Warenkorbinhalte haben.


Wie in der Einleitung angesprochen, stammt dieser Pisco aus der Stadt La Serena in Chile und dem naheliegenden Valle del Elqui. Ich habe eine besondere Beziehung zu dieser Stadt, denn 2017 war ich im Zuge meiner ersten Jurortätigkeit für Spirits Selection by Concours Mondial de Bruxelles dort, und habe die südamerikanische Gastfreundschaft sehr genossen. Ein spektakuläres Land, voller Gegensätze, das ich nie vergessen werde – ich hoffe, irgendwann nochmal dorthin zu kommen. Hier erstmal ein paar Eindrücke von La Serena und der direkten Umgebung; ich wünschte, ich hätte damals eine bessere Kamera gehabt und Bilder geschossen, die dem grandiosen Pazifik mehr gerecht werden als meine.

Ich war damals wirklich schwer stolz und überrascht, als eine lokale Zeitung darüber hinaus mich als Bild für einen Artikel über den Wettbewerb auswählte; sowas ist ja schon was Feines. Ach, wenn ich darüber schreibe und die Bilder sehe, fühle ich mich direkt wieder nach Chile versetzt. Ich muss dieses außergewöhnliche Land nochmal besuchen, das steht fest.