Kurz und bündig – Hanscraft & Co. & Stone Quince-Essential Hazy Ale

Sie machen ihr Vorhaben wahr – Stone Brewing bringt nun innerhalb kürzester Zeit schon das zweite Bier in der „Uniqcan“ (eine Erklärung dazu ist in meinem Artikel zum ersten Uniqcan-Bier verfügbar) heraus. Dieses ist ein „Collaboration Brew“, wie sie seit einiger Zeit durchaus beliebt sind bei den hippen, jungen Brauern; Stone hat sich Hanscraft & Co. mit in die Dose geholt, und das etwas rumpelig benamte Hanscraft & Co. & Stone Quince-Essential Hazy Ale aus der Taufe gehoben.

Wie schon beim Vorgänger wurde für dieses Hazy Ale ein Fruchtpüree während der Fermentation eingesetzt – diesmal sind es, dem Namen nach nicht überraschend, 5% Quittenpüree, die den Weg ins Bier gefunden haben. Als wäre das nicht genug, findet man als Zutat noch Haferflocken. Der Bierstil des Hazy Ale mag dem einen oder anderen noch unbekannt sein – er wurde erst vor kurzem als offizieller Bierstil anerkannt. Spannend, ich erinnere mich noch deutlich an die Zeit, in der sauberes Pils oder Kristallweizen und ähnliches das Maß der perfekten Optik waren; so schwingt nun das Pendel in die andere Richtung.

Hanscraft & Co. & Stone Quince-Essential Hazy Ale

Die Farbe ist Eigelb, und bierstiltypisch ist es blickdicht, milchig trüb. Es ist hier wahrscheinlich die Mischung aus Weizen und Haferflocken, die die extrem stark ausgeprägte Trübung erreicht. Trotzdem sieht man eine sehr starke Perlage und deutliche Partikel, wahrscheinlich vom Quittenpüree. Sehr feiner Schaum bleibt lange dünn als Krone erhalten. Im Geruch dominiert kantiger Hopfen, viel Frucht ist entsprechend da. Die Quitte schafft es nur in Ansätzen, sich der Hopfengewalt entgegenzusetzen.

Hatte ich beim Stone Tangerine Express IPA noch etwas die fehlende Kante bemeckert, kann man das hier nicht mehr behaupten – das fühlt sich an wie ein Stone-Bier. Da ist viel Hopfenbittere, schöne Limette, etwas Grapefruit. Die Cremigkeit eines Ales ist immer noch da, aber die hohe Rezenz und die Frucht sorgt für tolle Erfrischung; insgesamt bewegt sich das Hazy Ale durchweg  im hohen Klangregister. 6,3% Alkohol sind nahezu perfekt eingebunden. Der Abgang ist frisch, mittellang, ideal im Bitter-Mild-Verhältnis (45 IBUs), und hier kommt die Quitte dann schön durch.

Das ist ein sehr attraktives Bier, in Kühlschranktemperatur getrunken bei 35° Außentemperatur war es ein Genuss sondergleichen. Auch an kühleren Tagen, bin ich mir sicher, bietet das Hazy Ale alles, was man sich von einem fruchtlastigen Ale erwarten kann im Überfluss. Toll gemacht, Hanscraft und Stone!

Offenlegung: Ich danke Stone Brewing für die kostenlose Zusendung von 2 Dosen des Hazy Ale.

Regionalität und Nachhaltigkeit – Warndt Brand

Die Spirituosenwelt dreht sich nicht schnell. Es sind viele konservative Kräfte am Werk, die den Status Quo, der sich seit Jahrzehnten aufgebaut hat, erhalten wollen. Der Kunde in diesem Bereich hat sich aber auch sehr bereitwillig, völlig analog zur Lebensmittelindustrie, davon überzeugen lassen, dass das, was gut für die Industrie ist (Preisgünstigkeit, geradeso ausreichende Qualität, Standardisierung, Convenience) auch gut für ihn ist. Dass dies ein toller Coup für die verarbeitende Lebensmittelindustrie war, mit dem der Kunde Schritt für Schritt abgestumpft wurde, so dass die echten Qualitäten eines Produkts, die für Hersteller unerwünscht weil nicht gewinnbringend sind, gar nicht mehr nachgefragt wurden, wird vielen erst so langsam klar. Um so spannender, dass sich in den letzten Jahren überraschend viel bewegt.

Auch hier hat die Bewegung, die sich für mehr Natürlichkeit einsetzt in dem, was wir essen, die Pionierarbeit getan. Spirituosen gelten weiterhin, mit einem gewissen Recht, als Gift, daher hängt dieser Bereich dahingehend hinterher – wenn man eh schon ein Nervengift zu sich nimmt, ist die Zusammensetzung der Trägerflüssigkeit ja dann egal, so die Idee der Gesundheitsfreunde. Nun, dieser Argumentation kann der Genießer natürlich nicht folgen. Alkohol ist neben Gift auch ein Kulturgut, das mit uns seit dem Ursprung der Menschheit verbunden ist und, verantwortlich genutzt, viele schöne Aspekte hat.

Aktuell entstehen viele Spirituosen, die neben dem Genussaspekt auch den der Qualität, Tradition, Nachhaltigkeit und Handwerklichkeit in den Vordergrund stellen, etwas, was die oben angesprochene Industrie nicht bieten kann und auch nicht will. Dazu braucht es nichtmal viele Ressourcen – ein Kleinstbetrieb wie Genuss aus dem Warndt stellt beispielsweise den Warndt Brand her. Dabei handelt es sich um einen selbstgebrannten, handgemachten Korn aus lokalem Weizen von der Saar (der Warndt ist eine deutschfranzösische Region hier in der Ecke), der 9 Monate in einem Weinfass aus Eiche reifen konnte – und, der Twist dabei, das zusammen mit Koriander. Man erhält also keinen klassischen Korn, sondern einen aromatisierten – sowas reizt mich schonmal rein vom Hören.

Warndt Brand
Foto © Eva Klein. Verwendung mit Erlaubnis der Fotografin.

Die leichte, blasse Farbe, die an Weißwein erinnert, könnte einerseits aus der Fassreifung, andererseits aus der Aromatisierung mit Koriander entstanden sein. Eine Trübung ist erkennbar – filtriert wurde hier offensichtlich nicht, etwas, was auf die Handarbeit und Naturbelassenheit hindeutet und grundsätzlich eine gute Sache ist. Nach einer Weile nimmt die Trübung zu, ich vermute, der in der Flüssigkeit eingelegte Korianderzweig verstärkt dies.

Viele aromatisierte Spirituosen geben ihren Basischarakter zugunsten der neuen Komponente beinahe vollständig auf, beim Warndt Brand ist das nicht der Fall. Hier riecht man zwar auch zunächst die vor allem blumige, daneben auch kräuterige Schicht, die durch den Koriander entsteht. Doch darunter ist klar der malzige, süßliche, teigige Korncharakter vorhanden, den man von höherwertigen Korns kennt. Eine gewisse initiale Pattexnote kennen wir ja von vielen Spirituosen, auch hier verfliegt sie wie dort mit Offenstehzeit.

Der Antrunk ist sehr mild, fast schon wässrig. Hier dominiert der Koriander sehr stark. Das Mundgefühl ist weich, erst im späteren Verlauf entsteht ein leichtes Kribbeln. Ich bin mir sicher – dieser Brand könnte von mehr als den 40% Alkoholgehalt, mit denen er abgefüllt wird, profitieren; ihm fehlt für meinen Geschmack etwas die Wucht. Eine leichte Seifigkeit ist stiltypisch, darüber liegt dann eine unerwartete, aber doch frappierend starke Wassermelonennote.

Der Abgang ist mittellang, Koriander, Korn und Wassermelone streiten sich um die Dominanz. Zungenseite und -spitze sind leicht belegt, deutliche Adstringenz am Gaumen hält an. Ein feines Feuer macht sich breit, das für die fehlende Wucht entschädigt. Der Nachklang ist lang und angenehm kräuterig.

Beim Dr. Fleming, dem Cocktail, den ich für diese Spirituose ausgewählt habe, wird wieder deutlich, dass es manchmal die unerwarteten Kombinationen sind, die einen gewissen Charme haben: Birne und Koriander gehen sehr schön zusammen. Die Koriandernote des Warndt Brand wird noch durch den Zweig Koriander, der im Shaker mitgeschüttelt wird, und noch zusätzliche Aromen abgibt, verstärkt.

Dr Fleming


Dr. Fleming
1½ oz Korn
⅔ oz Birnenbrand
⅔ oz Zitronensaft
⅓ oz Amontillado-Sherry
¾ oz Honigsirup
1 Korianderzweig
Auf Eis shaken.

[Rezept adaptiert nach GQ Magazine]


Neben der handwerklichen Herstellung dieses aromatisierten Korns möchte ich auf weitere Aspekte hinweisen. Der Produzent präferiert den Verkauf über den „Unverpackt“-Laden in Saarbrücken, in dem Waren für alle möglichen Lebensbereiche ohne unnötige Verpackung erwerbbar sind; man bringt einfach Gläser, Flaschen, Dosen, Becher oder Kartons selbst mit, in die dann vor Ort abgefüllt wird. Ein tolles Konzept, das auch gut angenommen wird. Die Spirituosen von Genuss aus dem Warndt werden dort in Pfandflaschen angeboten, etwas, das recht neuartig für Spirituosen ist in einer Welt, in der Einwegflaschen Usus sind. Selbst das Etikett des Warndt Brand ist mit nachhaltigen Werkstoffen handgemacht – man sieht, ein rundes Produkt mit einer Idee dahinter. Der Hersteller bietet auch Liköre an, auf Basis des selbst hergestellten Kornbrands (ohne den Koriander, dann, natürlich); ein paar kleine Schlucke konnte ich schon probieren, und ich verspreche nicht zuviel, wenn ich sage, dass ich mich auf den ausführlichen Test dieser Liköre jetzt schon sehr freue.

Offenlegung: Ich danke Genuss aus dem Warndt (warndtshop.de) für die kostenlose Bereitstellung einer Flasche des Warndt Brand.

Kurz und bündig – Stone Tangerine Express IPA

Stone Brewing  und die Dose – das gehört untrennbar zusammen. Sehr offensiv wird diese Verpackungsart für Bier von Stone beworben, und sie gehen nun auf diesem Weg konsequent noch einen Schritt weiter, indem sie für ihre nun in Zukunft erscheinenden, nicht zum Stammportfolio gehörenden Biere statt dem individuellen Design eine Standarddose nutzen, die nur mit einem Wechseletikett beklebt wird. Das Konzept wird im Marketingsprech Uniqcan genannt, und das Stone Tangerine Express IPA ist das erste Bier, das in ihr erhältlich ist.

Obwohl es laut eigener Aussage eines der beliebtesten Stone-Biere in den USA ist, wird es für unseren Markt in Deutschland gebraut, in Berlin um genauer zu sein. Das besondere des Tangerine Express IPA ist der Einsatz von Mandarinen- und Ananaspürree im Brauprozess – den Unterschied zu einem aromatisierten Bier muss ich, so hoffe ich, für regelmäßige Leser meines Blogs nicht nochmal extra hervorheben.

Stone Tangerine Express IPA

Das Eingießen wird durch den starken, großblasigen, grober Schaum, der sehr langlebig ist, verlangsamt. Man sieht eine leichte Ausflockung (sind es Reste des verwendeten Fruchtpürees?), deren Partikel von der sehr starken Perlage wild im Glas bewegt werden. Ich rieche Ananas, Orange, interessanterweise etwas Pfeifentabak. Letzteres wird mit zunehmender Zeit im Glas sogar immer prägnanter.

Die Mundeindrücke sind Kategorie „Wolldecke“ – schon beim sehr süßen, weichen, anschmeichelnden Antrunk. Im gesamten Verlauf bleibt das Tangerine Express sehr cremig und flauschig. Dazu passt die milde Aromatik nach Tropenfrucht, reifer Ananas, Orange. Genehm und unauffällig, nicht laut anbiesternd wie der eine oder andere Stone-Tropfen. Dennoch ein solider, runder, unkantiger Geschmack. Die sehr ausgeprägte Cremigkeit und Süße geht schnell in ein Gefühl der Schaligkeit über, weil trotz der Perlage nur wenig Rezenz vorhanden ist. 6,5% Alkoholgehalt laut Dosenetikett der Uniqcan, 6,7% auf der neuen, kleineren Dose, beides ist nicht spürbar.

Stone Tangerine Express IPA neue Dose

Im Abgang erfährt man erstmals, dass man hier ein IPA trinkt – aber selbst die nun aufkeimende Bittere bleibt zunächst zurückhaltend und dezent. Eine leichte Säure klingt nach, mit dazugehörender Adstringenz, die den insgesamt aromatisch eher kurzen Abgang überdauert, der am Ende dann doch noch aus Bittere besteht, bei 75 IBU nicht verwundernd.

Man muss schon süße Biere mögen, um diese Art von IPA schätzen zu können. Mir persönlich ist es etwas zu stumpf für ein IPA, es fehlt mir der Frischekick, den ich durchaus will, wenn ich ein Bier trinke, das mit diesen 3 Buchstaben versehen ist. Stone ist in dieser Beziehung normalerweise für mich eine Bank, wenn ich nicht geschont werden will; das Tangerine Express ist dahingehend überraschend, weil es so schmeichelt und cremelt und süßelt. Ich bin mir sicher, dass allerdings gerade dieser Aspekt dafür sorgt, dass das Bier viele Freunde finden kann.

Ein absolut vorbildliches, kleines Detail hebe ich zum Schluss hervor: Das Abfülldatum ist auf den Dosenboden gedruckt (hier: 14.06.2018). Gerade für hopfenlastige Biere, die sich mit zunehmender Entfernung von diesem Datum doch deutlich verändern können, ist dies eine sehr wertvolle Information.

Offenlegung: Ich danke Stone Brewing für die kostenlose Zusendung von 2 Dosen dieses Bieres.

Farbenspiel – Rozès Porto 10 Years Old Colors Collection Gold

„Je brauner desto besser, oder?“ – Eine Frage, die mir häufig gestellt wird. Letztlich gilt das nie, auch die abgewandelte Form, „je brauner desto älter, oder?“, trifft in den seltensten Fällen zu. Farbe ist bei Spirituosen ein Thema, das erstaunlicherweise selbst Profis nur wenig bewegt, obwohl wir als optische Wesen dazu neigen, etwas auf den ersten Blick schnell zu beurteilen und in Kategorien einzuordnen – und für Laien ist dieser erste Blick eben sehr oft der Färbung des Flascheninhalts gewidmet.

Das gilt für Whisky, Rum, Tequila und viele andere Spirituosen, die destilliert werden, und damit zunächst immer klar sind, und nur durch Reifung (oder eben künstliche Färbung) einen Farbton annehmen. Bei anderen Produkten, die nicht destilliert werden, sondern auf Basis von zum Beispiel Wein entstehen, ist die Farbe aber nicht weniger spannend – Portwein beispielsweise gibt es in unterschiedlichen Färbungen, die der Tawny-gewohnte Laie wahrscheinlich noch nie zu Gesicht bekommen hat. Um so interessanter ist daher, wenn ein Hersteller eine Auflage von Ports herausbringt, die diese Varianz besonders deutlich macht.

Die „Colors Collection“ des Herstellers Rozès besteht aus drei Primärfarben, die die Bandbreite von Portwein aufzeigen – Rot, Weiß und Gold. In diesem Artikel beschäftige ich mit einer Farbe, die mir persönlich noch am unbekanntesten war: also dem Rozès Porto 10 Years Old Colors Collection Gold.

Rozès Porto Gold Flasche

Das „Gold“ im Namen und im Flaschendesign spiegelt sich im Glas wieder. Weder ist dieser Port so hell wie ein weißer, noch so dunkel wie ein Tawny Port – tatsächlich würde ich sagen, dass er farblich genau in der Mitte liegt. Beim Schwenken wirkt er ölig, bildet einen schnell ablaufenden Schleier an der Glasinnenseite.

Die Nase ist von Anfang an stark nussig, erinnert schon mehr an Sherry als an Port, leicht rotweinig, Kirsche, etwas rauchig. Süßlich, fruchtig. Vanille. Voll und dicht, sehr vielschichtig und unterhaltsam. Eine gewisse Ethanolnote ist unterschwellig da, aber nur ein Hauch – 20% Alkoholgehalt sind für einen Port zwar normal, hier riecht man sie aber etwas; dies verfliegt mit Offenstehzeit.

Geschmacklich ist der Rozès Gold süß und weich im Antrunk, ohne aber dabei klebrig oder anbiedernd zu sein, im Verlauf baut sich eine feine, dezente Säure dazu als Gegenspieler auf. Getrocknete Pflaumen, Datteln und eine gewisse nussige Holzigkeit ergänzen sich zu einem ausgesprochen schönen Geschmacksensemble, das durch Orangenschale aufgefrischt und durch Nelkenaromen vertieft wird.

Rozès Porto 10 Years Old Colors Collection Gold Glas

Der Abgang ist extrem nussig, vom Eindruck her sehr trocken und adstringierend, mild aber effektiv bitter, ohne die Süße dabei komplett aufzugeben, im Gegenteil – hier kommt eine schwere, nun doch schon etwas klebrige Komponente zu Vorschein. Der Rozès Gold belegt damit Zunge und Gaumen für eine ganze Weile, die Säure kitzelt etwas im Nachhall. Lang und aromatisch.

Sehr komplex und differenziert in den unterschiedlichen Phasen des Genusses. Wirklich spannend und interessant, gleichzeitig sehr trinkbar und freundlich. Ein Spitzenporto für Freunde der schweren, aber natürlichen Süße.

Port ist eine leichter verderbliche Zutat in Cocktails, was oft dazu führt, dass sie unter den Tisch fällt. Allzuviele Rezepte mit Porto sind daher nicht im Umlauf. Einen Klassiker mag ich gern – den The A.B.C. Cocktail. Manchmal muss man aufpassen bei Zutaten, besonders, wenn in englischsprachigen klassischen Rezepten so etwas wie „Cherry Brandy“ angegeben ist. Das kann, je nach Kontext, ein süßer Kirschlikör wie Cherry Heering sein, oder ein trockener Kirschlikör wie Maraschino, oder sogar ein Kirschwasser. In diesem Fall hatte ich mich für die erste Variante entschieden, um dem ganzen etwas süßen Bumms zu geben – der Standard ist aber wohl Maraschino.

The A.B.C. Cocktail


The A.B.C. Cocktail
1 oz Portwein
1 oz Brandy de Jerez
¼ oz Kirschlikör (z.B. Cherry Heering)
⅛ oz Zuckersirup
7 Blätter Minze
Auf Eis shaken.
[Rezept nach unbekannt]


Ungewohnt ist auch die Verpackung der Flasche. Man ist ja gewohnt, dass Whisky oft in den typischen Pappdosen mit Blechverschluss daherkommt, Rum hin und wieder in Kartons – hier hat man sich für einen transparenten Plastikkasten entschieden, der die Flasche zeigt und mit Produktdetails bedruckt ist. Ganz ehrlich, schön ist was anderes, vor allem, weil der Plastikkarton sehr instabil und wabbelig ist, und durch die Bedruckung darüber hinaus  fürs Auge sehr unruhig und zappelig wirkt.Rozès Porto Gold Karton

Nun, das Plastik war schnell entsorgt, die Flasche selbst wirkt dafür edel und passend, und sie hat einen der vorderen Plätze in meiner Heimbar ergattern können; einen Porto wie den Rozès Porto 10 Years Old Colors Collection Gold trinke ich gerne, der muss griffbereit stehen.

Kurz und bündig – Brewbaker Berliner Weisse Schankbier

Totgesagte leben länger, heißt es. Die echte Berliner Weisse war schon praktisch tot, man kannte sie eigentlich außerhalb Berlins nur noch als das Zeug, das man so hübsch mit Waldmeister- oder Himbeersirup aufgießen musste, mehr ein Gag als ein ernsthaftes Bier. Wir leben in Zeiten, in denen das Interesse an alten, authentischen Dingen wieder wächst – und dazu gehören einst beliebte Bierstile, und die Berliner Weisse ist einer davon. Aktuell wird sie wiederbelebt. Ein Beispiel dafür ist das Brewbaker Berliner Weisse Schankbier. Eingebraut wird es mit den für den Stil typischem niedrigem Alkoholgehalt (hier 2,5%) und ist darüber hinaus sogar mit einem Öko-Siegel versehen.

Brewbaker Berliner Weisse Schankbier

Komplett schaumfrei von Anfang an. Nur wenig Mousseux, die einzelnen Perlen kann man an der Oberfläche zählen. Mit aufgeschwenkter Hefe so gut wie blickdicht. Ockerfarben. Optisch seltsam und ungewohnt für ein Bier, erinnert mehr an naturtrüben Apfelsaft. Die Hefe ist als erstes präsent, wenn man am Bier riecht. Eine sehr würzige, röstige Note kommt als nächstes, danach erst eine milde Zitrusfrucht. Das Ungewohnte geht hier also direkt weiter.

Das typische der Berliner Weissen ist die Säure, und die ist vom Antrunk an direkt da. Für ein Sauerbier ist sie recht fein und mild, à la grüner Apfel,  mit nur kleinen Säurespitzen von Zitrone im Hintergrund. Kandiszucker und viel Apfel bilden das Gerüst, auf das aufgebaut wird. Der Abgang ist hefig, trocken, mittellang. Vielleicht etwas muffig im Nachhall. Über Rezenz brauchen wir uns bei einem Sauerbier nur wenig unterhalten, die Frische kommt aber noch extremer als bei anderen Bieren dieser Art allein über die Säure, nicht über die nichtvorhandene Kohlensäure.

Ich bin seit einiger Zeit, schon zu Sirupzeiten eigentlich, ein Fan dieses Bierstils, und bin persönlich sehr glücklich, dass es nun eine gewisse Auswahl an Herstellern gibt, die sich um diese sträflichst vernachlässigte Berliner Spezialität kümmern.

Wettbewerb der Witbier-Testsieger – La Trappe Witte Trappist vs Blanche de Namur

Witbier hatte ich zum ersten Mal getrunken, als ich in der Saarbrücker Innenstadt das belgische Restaurant „Le Templier“ besuchte. Dort gibt es eine schöne Auswahl belgischen Biers, das man zusammen mit doppelt frittierten Pommes und anderen Snacks genießen kann; unter anderem eben das bleiche Bier, das ich auf einem anderen Tisch sah und entsprechend neugierig auch bestellte.

Inzwischen kenne ich diverse Witbiersorten, und auch in der Breite der Biertrinkergesellschaft ist es angekommen, zumindest vom Angebot her – selbst deutsche Brauereien, die sich sonst so gern auf das Reinheitsgebot beziehen, stellen es her, wie zum Beispiel Köstritzer. Und Fachzeitschriften veröffentlichen Tests, in denen unterschiedliche Marken verglichen und bewertet werden, so geschehen in der Barkulturzeitschrift Mixology, und im Bierfachmagazin Meiningers Craft. Ich mache nun hier einen Metatest, habe mir also die jeweiligen Bestplatzierten aus diesen zwei Tests für einen Direktvergleich herangezogen – La Trappe Witte Trappist stellt sich dem Blanche de Namur.

La Trappe Witte Trappist vs Blanche de Namur

Beginnen wir mit dem Sieger des Tests in Meiningers CraftLa Trappe Witte Trappist. Auch Mixology fand dieses Bier gut, es landete dort im Test auf Platz 2. Es stammt aus der Koningshoeven-Brauerei der Zisterzienser-Abtei Onze Lieve Vrouw van Koningshoeven – ein schöner Name. Es wird, wie von der Vorgabe für Trappistenbiere gefordert, von trappistischen Mönchen gebraut.

Im Glas ist es blass und trüb, wie von einem Wit gewünscht. Extrem starke Schaumbildung entsteht beim Eingießen, daher dauert das etwas länger. Starke Perlage hält den Schaum auch dann noch eine Weile aufrecht.

Weichspüler. Das ist das erste, was mir beim Riechen einfällt. Blumig könnte man es auch nennen, wenn man positiver, aber nicht ganz so treffend formulieren will; es erinnert mich auch entfernt an die chlorige Käsenote beim Kronenbourg 1664. Ein leichter Anflug von Hefe.

La Trappe Witte Trappist Glas

Hm, im Mund muss ich nun schon wieder nach Begriffen suchen, die mir helfen, die deutliche Neutralität dieses Biers zu beschreiben. Da ist kaum etwas, was es zu beschreiben gibt, eine minimale Zitrusnote und leichte Würze ist das höchste, was man findet – ansonsten gibt es nur Aromenarmut, belangloses Mundgefühl, keine nennenswerte Säure oder Süße, mittlere Rezenz. 5,5% Alkohol schmeckt man ebensowenig. Wirkt sehr wässrig. „Extremely aromatic varieties of hop“ kündigt das Etikett an? Hopfen ist manchmal etwas flüchtig – hier hat er sich aber komplett verdrückt, und das, obwohl das MHD mit Mitte 2017, also noch ein Jahr vom Testzeitpunkt, eine unveränderte Frische verspricht.

Der Abgang passt sich dem an: Da ist einfach nichts, außer einer eher unangenehmen Mischung aus Bittere und pappiger Süße (Glukosesirup steht als Zutat auf dem Etikett). Ich bin am Verzweifeln – habe ich eine schlechte Flasche erwischt? Die zweite Flasche solls entscheiden. Einige Tage später wird sie geöffnet – und das Erlebnis wiederholt sich. Nein, in dieser Form brauche ich das nicht, selbst bei den recht annehmbaren 1,50€ Flaschenpreis bei 330ml.

Mal schauen, ob der zweite Kandidat des heutigen Tests, das Blanche de Namur, sich hier besser präsentieren kann. Testsieger Mixology, auch sehr gut platziert bei Meiningers Craft – also genau umgekehrte Vorzeichen. Es ist mit 4,5% Alkoholgehalt etwas leichter und weist ein ähnliches Haltbarkeitsdatum auf. Auch dieses Bier trinke ich, wie auf dem Rücketikett empfohlen, gut gekühlt aus dem Kühlschrank.

Blanche de Namur

Auch hier ist die Farbe sehr typisch, blass bis hin zur Bleiche, in Kombination mit starkem, großblasigem Schaum, der nicht lange lebt und das Bier in Kürze unbedeckt lässt.

Es weist eine schöne, zitronig-luftige Nase, mit Hefeanklängen auf. Etwas Banane gibt dem ganzen eine gewisse Rundheit. Orange, als eine Komponente der witbiertypischen Zutaten, ist erkennbar.

Im Mund ist es sehr frisch und rezent, mit perfekter Säure und milder Süße, aromatisch nach Zitronen, vom Gefühl her vollmundig, dicht und feinherb. Nach dem Antrunk kommt allerdings nicht mehr viel – praktisch kein Körper, eine extrem steil abfallende Aromakurve, wow, das ist wie Achterbahnfahren. Das gipfelt dann im praktisch nicht vorhanden Abgang – bis auf den Erfrischungseffekt und eine leichte Bittere ist da kaum mehr was.

Nun ist dieser Bierstil nicht für Aromenexplosionen gedacht – es ist ein frischer, leichter, weizenlastiger Bierstil, daher muss man das in die Betrachtung natürlich mit aufnehmen. Für mich persönlich schlägt das vergleichsweise dichte Blanche de Namur das leider selbst für diesen Bierstil völlig aromalose Witte Trappist um viele Längen – beide sind aber gut gemachte Biere, die auf ihre Art zu gefallen wissen und gerade in der Sommerhitze beide perfekte Erfrischungsgetränke darstellen.

Ich habe seit einiger Zeit keine Biercocktails mehr gemacht – das ist für mich persönlich eine saisonale Geschichte. Im nun aufkommenden Sommer wird das Thema wieder aktueller; gerade leichte Drinks, in denen Bier die Hauptzutat ist, werden nun wieder häufiger in meinem Glas landen. Der White Night kann trotz des Namens sicherlich auch in der Hitze eines Sommertags punkten.

White Night


White Night
8 oz Witbier
1 oz Gin (z.B. Eifel Gin)
½ oz Maraschino-Likör (z.B. Bols)
Alle Zutaten in ein Glas mit Eis geben und leicht umrühren.
[Rezept nach craftedpours.com]


Für mich ist klar, dass ich über die heiße Jahreszeit immer mindestens eine Flasche Witbier im Kühlschrank haben werde, idealerweise von unterschiedlichen Herstellern. Leicht, frisch, unkompliziert und ideal sowohl als kühlende Erfrischung als auch als Essensbegleiter – Wit ist einfach ein toller Allrounder.

Kurz und bündig – Rum Nation Ilha da Madeira Natural Rum Agricole da Madeira

Rhum agricole, das verbinden die meisten mit den französischen Überseekolonien. Doch die EU-Verordnung 110/2008, die einen Großteil der Vorgaben bezüglich Spirituosen der Union regelt, sieht vor, dass neben diesen auch eine dem europäischen Festland näher gelegene Insel den Begriff tragen darf – Madeira. Hier wird, als einziger Bereich des geografischen Europas (die Insel gehört zu Portugal und liegt noch halbwegs so nahe, dass man davon sprechen kann), tatsächlich auch Zuckerrohr angebaut, fast ausschließlich für den Eigengebrauch allerdings.

Bis vor einiger Zeit dämmerte der madeiranische Rum allerdings, zumindest in meiner Wahrnehmung, etwas vor sich hin. Im Zuge des gestiegenen Interesses an Rumneuheiten rücken nun auch solche Gebiete wieder in den Fokus – ich habe diverse Rumsorten aus Madeira ausprobiert, und werde sie in kleinen Häppchen hier präsentieren. Den Anfang macht ein ungereifter Rum; der Rum Nation Ilha da Madeira Natural Rum Agricole da Madeira.

Rum Nation Ilha da Madeira Natural Rum Agricole da Madeira

Die Farbe ist klar und sauber, ohne Trübung oder Einschlüsse. Im Glas schwingt er lebendig, nur mit leichter Viskosität. Am Glasrand ablaufende Beine bewegen sich langsam nach unten.

In der Nase meint man initial, den typischen Agricole-Geruch, den man von Martinique oder Guadeloupe kennt, wiederzuerkennen. Doch schnell kommt eine andere Komponente dazu, die eine stärkere Süße, eine höhere Fruchtigkeit andeutet – der Ilha da Madeira unterscheidet sich dann doch von den viel grasigeren französischen Verwandten, geht mehr in die Clairin-Richtung. Er darüberhinaus kann eine deutliche, alkoholische, stark getreidige Vodka-Note nicht verbergen – eventuell eine Folge der Destillation in einer nicht-traditionellen Column Still.

Im Mund ist letztere dann auch klar im Vordergrund. Getreide, Malz, nur ein Hauch von Frucht im Hintergrund – ich fühle mich an Korn erinnert, oder an Roggenvodka. Sehr warm, süß und rund im Eindruck. Eine milde Salzigkeit ergänzt das Bild, das insgesamt für einen ungereiften Rum erstaunlich dunkel und schwer daherkommt. 50% Alkoholgehalt machen sich durchaus bemerkbar, nicht unbedingt aber wirklich negativ. Der Abgang ist sehr feurig, heiß und scharf. Ist diese Schärfe verklungen, macht sie einem heißen, langen, malzigen Mundgefühl Platz. Beerenaromen klingen nach.

Es ist klar festzustellen, dass sich dieser Agricole-Rum von Madeira im Geschmack doch sehr deutlich von den Zuckerrohrsaftbränden aus der Karibik unterscheidet; Individualität ist natürlich eine gute Sache. Ich finde diesen ungereiften Inselportugiesen, der bei Rum Nation als Limited Release 2017 erscheint, durchaus interessant, ihm fehlt es für meinen Geschmack etwas an Komplexität und Spannung, doch das grundsätzliche Mundgefühl und die Aromatik wissen schon zu gefallen.

Offenlegung: Ich danke Rum Nation für die kostenlose Zusendung dieses Samples.

Summer Dreamin‘ – Bacardí 8 (Ocho) Años

Das „Bacardi-Feeling“ beschreibt ein Lebensgefühl. Natürlich lebt das alles von einer sehr guten Marketingmasche, mit Fernweh-Werbespots und einem sensationellen One-Hit-Wonder-Song, der, kaum angespielt, einen schon in die Karibik versetzt. Leider konnte man die tatsächliche Ausprägung dieses Gefühls dann meist nur mit anderen Rums kennenlernen – Bacardí hat unter Rumkennern nicht den allerbesten Ruf, sie leben von anspruchsloser, geschmacksarmer, billiger Massenware für den All-You-Can-Drink- und Happy-Hour-Markt. Dennoch muss man natürlich hin und wieder auch als Kenner einen Blick auf die Produkte der großen Rumindustrie werfen, und so setzte ich als Rumfreund alles auf eine Karte und legte mir den Bacardí 8 Años zu, ehrlicherweise in der vorschadenfrohen Erwartung, von diesem Experiment enttäuscht zu werden.

(Dieser Artikel ist eine Komplettüberarbeitung einer mehrere Jahre alten Rezension von mir).

Bacardi 8 Años Flasche

Farblich haben wir einen dunklen Ton vor uns, der gewiss nach 8 Jahren Fassreifung natürlich entstanden sein kann. Färbung ist vorhanden, etwas, was ich nicht befürworte, aber auch kein Kopfweh deswegen kriege – alle tun es, und es beeinflusst den Geschmack zumindest nicht.

Die Nase ist dagegen umso interessanter. Tabak, leicht rauchig, Lösungsmittel, Karamell, Vanille, Rosinen. Ein wirklich attraktiver Geruch, an den man sich gewöhnen kann. Im ersten Ansatz vom Mundgefühl her recht weich, rund und mild. Mit Verweildauer setzt ein mittleres Feuer den Mund in Brand (ich übertreibe etwas, es ist mehr ein zartes Brennen). Ich liebe diese Art Abwechslung, so lange das Feuer aromatisch bedingt ist, und nicht aus Alkoholschärfe entsteht. Nun ist der Rum plötzlich würzig und leicht nussig, und vielleicht sogar etwas kräuterig, insgesamt herrscht dennoch eine sehr süße und cremige Eindruck vor.

Der Abgang ist mittellang, Vanille und Tabak verbleiben etwas am Gaumen. Dazu eine milde Süße, die nicht hundertprozentig angenehm ist. Woher kommt die? Auch dieser Rum ist künstlich nachgesüßt. Die Messungen schwanken zwischen 12 und 20 g/L. Der „normale“ Bacardí Superior hat keinen künstlichen Zuckerzusatz – wie seltsamerweise oft sind es also die Pseudo-„Premium“-Marken innerhalb eines Sortiments, die gezuckert werden.

Mein Fazit – ja, so kann man sich täuschen. Sehr fruchtig und gleichzeitig rauchig; ein durchaus überraschender Geschmack für einen Rum. Er geht schon eher in die Tabak- oder Leder-Richtung, ist auf jeden Fall aromatisch und rund. Kein Aromenwunder natürlich, aber gut trink- und mixbar, insbesondere für den Preis, den man bezahlt.

Immerhin hat er Wucht, selbst z.B. in einem fruchtig-süßen Havana Sail kommt er gegen den dicken Maracujasaft an. Das witzige an diesem Cocktail ist, dass er, je nach verwendeter Grenadine, unterschiedliche Farben hat. Im Foto unten habe ich einen Riemerschmid-Granatapfelsirup verwendet; dieser färbt den Cocktail dunkelrot. Eine andere Grenadine, die ich sonst verwende, gibt dem ganzen nur einen Hauch eines Rottouches, der Cocktail bleibt dunkelgelb. Was man nicht alles so entdeckt beim Cocktailmixen.

Havana Sail


Havana Sail
1 oz Bacardi 8 Años Reserva Superior
2 oz Maracuja-Saft
½ oz Grenadine
[Rezept nach unbekannt]


Die sehr schöne Präsentation in einer edlen Flasche rundet das ganze ab – seit der Zeit, in der ich meine Flasche erwarb und austrank, hat sich ein Flaschenredesign ergeben. Die neue Flasche sowie das neue Etikett, das im Zuge der Vereinheitlichung der Produktreihen des Herstellers stattfand, hat diesem Aspekt allerdings keinen Abbruch getan, die neue Präsentation weiß ebenso zu gefallen wie die alte.

Bacardi 8 Años Ausgießer

Wer sich bei meinem Produktfoto über den seltsamen Aufsatz gewundert hat – er wird natürlich nicht standardmäßig mitgeliefert, sondern muss separat erworben werden. So skeptisch ich den Rums von Bacardí gegenüberstehe, so mag ich deren Markenpräsentation (das geht mir mit diversen anderen Spirituosen auch so; man sieht, wir sind doch etwas von der Optik getrieben, selbst wenn wir es nicht wollen). Das Wappentier der Firma, die Fledermaus, ist einfach zu goldig, als dass ich sie einfach so abtun könnte. Man muss einfach für sich aus jeder Spirituose das beste machen. Dann kommt das Karibik-Feeling vielleicht auch mit.

Kurz und bündig – Saarbrückator Doppelbock

Man sieht sie öfters in den Bierregalen überall – Salvator, Celebrator, Animator.  Starkbiere unterschiedlichster Machart mit einem Namen, der immer auf dieselbe Silbe endet. Das kleine Saarland, das sich was Bier angeht in den letzten Jahrzehnten nicht mit besonders viel Innovationsruhm ausgezeichnet hat, gleicht diesen Mangel nun langsam aber sicher aus und hat inzwischen auch seinen eigenen –ator: den Saarbrückator Doppelbock. Eine Bieridee der Saarbrücker Beer Society, gebraut von der ortsansässigen Brauerei Bruch. Das Bier ruht zweieinhalb Monate im Lagertank, und wird darüber hinaus kaltgehopft.

Saarbrückator Doppelbock

Ohne viel Gewese direkt zum Eindruck. Deutlich opalisierend, fast schon trüb, bei einer kräftigen Bernsteinfarbe, die fast schon ins bräunliche übergeht.Starke Perlage. Schaum ist nach dem Eingießen vorhanden, baut sich aber trotz des Mousseux schnell ab. Ich rieche einiges an Frucht, Honigmelone, Feige, vielleicht etwas Stachelbeere. Eine sehr präsente Hefenote überlagert das etwas. Insgesamt ansprechend.

Wirklich sehr cremig im Mundgefühl, dabei auch süß im Antrunk. Voluminös. Interessant ist, dass die starke Karbonisierung sowohl zur Frische als auch zu diesem Volumen beiträgt – man hat wirklich ordentlich was im Mund bei einem Schluck. Das gefällt mir sehr, und dieses tolle Mundgefühl hilft mir, über die etwas gedämpften Aromen hinwegzusehen. Ein sehr ausgewogenes Süße-Säure-Verhältnis trägt weiterhin dazu bei. Ebenso, dass die 9% Alkoholgehalt, passend für einen Doppelbock, sehr sauber eingebunden sind. Der Abgang ist mittellang, hefig, leicht bitter, etwas adstringierend.

Ja, das kann man sehr schön trinken, das läuft runter wie Butter. Ein sehr gelungenes Bier, und das sage ich nicht nur aus Lokalpatriotismus – von so etwas in dieser Art würde ich gern mehr sehen; bis dahin habe ich mir neulich bei einem Tasting, in dem der Saarbrückator auch gefeatured wurde, nochmal 2 Fläschchen davon mitgeholt. Mir gefällt dabei besonders, dass die relativ junge Saarbrücker Beer Society so viel Schwung in die Saarländische Bierwelt bringt. Eine tolle Sache.

Über manche Sachen scherzt man nicht – Revolte Spiced

Ich habe neulich erfahren müssen, dass man sich gegenseitig vor mir warnt, wenn ich mit Herstellern einfach so reden will. Nicht ernsthaft, aber schon mit einem gewissen scharfen Humor. Dass ich „starke Meinungen“ hätte, und so. Einerseits ist das natürlich ein Kompliment, immerhin muss man sich so einen Ruf erarbeiten. Andererseits hinterfrage ich mich dabei natürlich schon – ich will ja nicht als der Stinkstiefel gelten, der nur darauf aus ist, den Süßrumtrinkern den Spaß zu verderben. Gerade aktuell meine ich feststellen zu können, dass das Pendel, das einige Jahre stark zugunsten der Rumtransparenz ausgeschlagen hatte, nun wieder etwas in die andere Richtung schwingt – Süßrum findet nun plötzlich offensive Verteidiger, und man bekommt Begriffe wie „Taliban“, „Rumpolizei“ oder „Spaßbremse“ an den Kopf geworfen. Nun – aus gegebenem Anlass wird es Zeit, dass ich mir klarmache, dass das nicht eine Attitüde ist, die ich aufbaue, sondern mir das Thema wirklich etwas bedeutet, und darum haue ich jetzt mal eine ungefilterte Meinung raus.

Ganz ehrlich – mir ist es mistegal, was jemand trinkt. Ich will niemand den Zacapa 23 mies machen, will niemand seinen Botucal ausreden oder gar jemandem den Don Papa klauen. Trinkt die Brühe, wenn es Euch lustig macht, und haltet Euch dabei für die Verteidiger der freien Meinungs – und Geschmacksäußerung, wenn Ihr auch noch stolz drauf seid. Freut Euch über Palmen, Piraten und Papageien, habt Spaß mit der Spaßspirituose. Vergesst dabei aber nicht, Euch gleichzeitig über Havana Club und Bacardí mit lustig zu machen – nur „Premium“ ist guter Rum, nicht Supermarktrum, auch wenn letzterer oft ehrlichere Qualität aufweist als die in der edel aufgemachten Flasche. Macht Eure Privattastings mit 10 Pseudorums, um einen möglichst breiten Eindruck dessen zu bekommen, was die Aromenindustrie zu bieten hat. Mir alles egal. Nun flatterte mir aber Ende März ein Paket mit einer unetikettierten Flasche und einem Brief ins Haus. Man lese diesen Brief bitte, um meine Reaktion darauf, und den Ton dieses Artikels, zu verstehen.

Revolte Spiced Pressemitteilung

Verdammte Kacke, dachte ich mir, ich kann gar nicht so viel saufen, wie ich im Strahl kotzen möchte. Nicht wegen dem neuen Produkt, im Gegenteil, das ist eine interessante Reaktion auf den Markt – vielleicht der schrille Aufschrei eines Produzenten, der mit besten Ambitionen gestartet ist und nun von diesem beschissenen Markt auf den Boden heruntergeholt wird. Nein, es ist wegen Produkten, die dasselbe wie Revolte tun, es aber über Jahre heimlich und verstohlen gemacht haben, und so den Boden bereiteten für Konsumenten, die nicht mehr wissen, wie Rum zu schmecken hat – und damit das Leben für die Kaltenthalers dieser Welt schwer machen. Und, ja, ich schaue damit auch Euch an, liebe offensive Süßrumfreunde, die dabei mithelfen, dass es so weitergehen wird und die zarte Transparenzknospe, die so schön am Aufblühen war, unter dem Stiefel der Marktmacht der Betupper zerdrückt wird. So, und jetzt habt Ihr Grund, Euch gegenseitig vor mir zu warnen.

Revolte Spiced

Ende der Wutrede. Es war der 1. April, und das ganze kaltenthalerische Getue, inklusive Brief und allem, war ein Aprilscherz. Ja, ich gebe es gern zu, ich bin voll drauf reingefallen. Felix, das war verdammt gut gemacht, ich hasse und verfluche Dich dafür, dass Du mir dieses Magengeschwür bereitet hast.

Die Farbe des Revolte Spiced, so heißt er offiziell, ist für einen massiv gefärbten Rum noch halbwegs erträglich. Ein schrilles Kotzgelb, etwas an das erinnernd, was Mücken hinterlassen, wenn man sie auf der Autobahn an der Scheibe aufsammelt. Die Nase erinnert an Spülmittel, das billige aus dem Aldi, mit etwas Zitrone und behandelter Orange im Hintergrund. Künstlich und oberflächlich, sehr plakativ, aber mit irgendwas muss man als Hersteller seine Kunden ja ködern. Ich rieche Ingwer, aber das bilde ich mir sicher nur ein. Im Mund setzt sich die Einbildung fort, da ist Ingwer en masse. Eine schrecklich klebrige Süße pappt den Mund zu. Viel Frucht, Zitrone, Orange, können das Spüli etwas überdecken. Die Rumbasis ist noch leicht erkennbar, die Blender haben es nicht geschafft, sie vollends zu verhunzen. Der Abgang ist mittellang, schade, ich hatte auf etwas kürzeres gehofft. So muss ich damit leben, den Revolte Spiced länger als die meisten anderen Spiced Rums am Gaumen haften zu haben.

Gerne zitiere ich nach meiner nicht ganz ernst gemeinten Verkostungsnotiz noch den nachgelagerten Hinweis, dass der Aprilscherz sich nicht nur auf die Motivation, sondern auch auf den Herstellungsprozess bezogen hatte: „Hohe Zuckergehalte, chemische Zusätze wie Glycerin oder die Zugabe von künstlichen Aromen sind uns mehr als fremd. Stattdessen haben wir bei unserem kleinen Aprilscherz mit der Mazeration den natürlichen Weg gewählt, um verschiedene Noten wie z.B. Rosinen, Orangen und Zimt zu erzielen. Und 37,5 % vol. und 99 Gramm Zucker? Zugunsten der Steuern den Alkoholgehalt zu senken und mit 99 Gramm pro Liter den Startschuss zur Diabetes zu geben? Die Frage kann sich wohl jeder selbst beantworten.“

Nun, ehrlich gesagt, für einen Spiced Rum ist das Zeug echt gut trinkbar, und ich hoffe, dass meine Leser im Gegensatz zu mir nicht auf obigen Müll reinfallen und stattdessen ihre Captain Morgans und Sailor Jerrys rausschmeißen und dafür den Revolte Spiced ins Haus holen – ich rate dazu, auch wenns mir echt schwerfällt. Der Haupteinsatzzweck für diesen Spiced Rum wird bei mir, wie es allen gewürzten Rums ergeht, die Vermischung in Cocktails sein. Zu Ehren des wirklich bösen Aprilscherzes habe ich einen Cocktail auf Basis des klassischen Zombie gemixt, praktisch ausschließlich mit Revolte-Zutaten – vom German Zombie Punch brauchte ich aber auch wirklich 3 Stück, um mich wieder von der Wutwolke runterzuholen. Ich gebe zu, ich rege mich leicht auf.

German Zombie Punch


German Zombie Punch
1½ oz Revolte 2014 MTQ
1½ oz Revolte Spiced
1 oz Revolte Overproof
¾ oz Limettensaft
½ oz Revolte Falernum
½ oz Don’s Mix (Zimtsirup und Grapefruitsaft)
1 Teelöffel Grenadine
1 Spritzer Absinthe
1 Spritzer Angostura
Auf Eis shaken und auf Eis mit einem Minzzweig servieren.
[Rezept adaptiert nach Don the Beachcomber]


Natürlich wird der Revolte Spiced in derselben Flasche und derselben Aufmachung geliefert wie der Rest der Reihe (den es natürlich weiterhin geben wird). Freundlicherweise schickte mir der Hersteller in einem Entschuldigungsbrief sogar ein Aufklebeetikett mit, das die Wahrheit zeigt. Nicht, dass ich Revolte deswegen weniger hassen würde – der Zug ist abgefahren, mit Tempo 200.

Revolte Spiced Etikett

Offenlegung: Ich danke Revolte für die unaufgeforderte und kostenlose Zusendung einer Flasche des Revolte Spiced. Vielen Dank. VIELEN DANK, Ihr Mistkerle.