Wenn Dir das Leben Zitrusfrüchte gibt… mach Konzentrat draus!

Mit diesem Beitrag werde ich mir ein paar Feinde machen. Ich gebe zu, ich verwendete früher des öfteren Limettensaft aus Konzentrat für meine Cocktails. Zu Beginn meines Cocktail-Fandoms hätte ich einen Limettenarm bekommen, wenn ich all die Limetten für all die Cocktails, die ich gemischt habe, hätte ausdrücken müssen. Wenn man Cocktails über längeren Zeitraum mischt, und immer eine unregelmäßige Menge an Limettensaft benötigt, fällt es einem manchmal etwas schwer, sich an frische Früchte zu halten – die zusätzliche Arbeit lässt man gern mal sein und gibt sich mit dem bequemen Fertigprodukt aus der Flasche zufrieden.

Im Marktcheck im NDR lief heute ein Vergleichstest von Direktsaft und Saft aus Konzentrat, und das Ergebnis war klar: Weder von gesundheitlichen, noch von ernährungsspezifischen noch von sensorischen Aspekten her ist der Konzentratsaft dem Direktsaft wirklich unterlegen. Doch wie sieht es mit dem härteren Kampf aus, dem zwischen Limettensaftkonzentrat und Frischsaft?

Limettensaft 1

Für den Vergleich nehme ich meine „Hausmarke“, das Limettensaftkonzentrat von Rewe zur Hand, und vergleiche es mit frisch ausgepressten brasilianischen, unbehandelten Limetten.

 

Farbvergleich

Limettensaft 2

Ansprechender ist klar der Frischsaft – heller, voller Fruchtfleisch, und mit einer minimal erkennbaren sprudeligen Säure. Der Konzentratsaft ist dunkler und von der Konsistenz her dicklicher.

 

Geruchsvergleich

Das Konzentrat riecht etwas muffig. Die Säure ist erkennbar, bleibt aber dumpf. Ganz im Gegensatz zum frischgepressten Saft: Leicht, ätherische Zitrusöle fliegen einem zu, die Säure ist zwar mild, aber fruchtig. Hier gibt es einen ganz klaren Gewinner, und zwar mit Abstand. Der frischgepresste Saft atmet einfach die ätherischen Öle der Frucht, etwas, was dem Konzentrat völlig fehlt.

 

Geschmacksvergleich

Ganz so klar sind die Unterschiede beim Geschmack dann aber nicht mehr. Das Konzentrat hat eine starke Säure, leicht beißend, und eine gewisse Süße im Hintergrund. Der frische Saft hat fast identische Säure, die etwas leichter, weniger süß, dafür minimalst fruchtiger daherkommt. Es sind aber wirklich, von der Süße abgesehen, nur Nuancen.

Da man bei so starker Säure Probleme hat, Unterschiede zu erkennen, verdünne ich beide noch 1:1 mit Leitungswasser. Hier verdeutlicht sich nun, was schon ansatzweise erkennbar war: Konzentrat ist süßer und dumpfer, frischer Saft fruchtiger und leichter.

 

Fazit

Letztlich ist das Verwenden von Konzentratsaft nach meinem Geschmacksvergleich aber noch legitim, denn die Hauptarbeit des Zitrussafts ist eben, Säure in den Drink zu bringen, und es geht weniger um die Fruchtigkeit, die nur in Nuancen vorhanden ist; dafür sind andere Komponenten zuständig. Die ätherischen Öle, die den Hauptunterschied in Geruch und Geschmack ausmachen, kann man auch durch angedrückte Schalenzesten in einen Drink transportieren. [Nachtrag 2016: Diesen Absatz kann ich heute, nach viel mehr Erfahrung, nicht mehr stehen lassen – meine einzige Entschuldigung dafür ist, dass ich jung und dumm war.]

Mit dem Limettensaftkonzentrat von Rewe, das lange haltbar, mit Abstrichen zu frischem Limettensaft dennoch halbwegs mithalten kann, und von der Handhabung sehr einfach ist, werde ich weiterhin arbeiten, doch meine grundsätzliche Pro-Konzentrat-Überzeugung bezüglich Limettensaft ist ins Wanken geraten. Gewiss werde ich die Cocktails, die ich bisher mit Konzentrat machte, nun nochmal mit frischem Saft nachmixen.

Letztlich will ich endgültig bald zu frischem Saft wechseln, und die Faulheit besiegen – denn diese ist, ehrlich gesagt, der einzige Grund, warum man Konzentrat verwendet, auch wenn es noch so gut ist. Das Erlebnis des frischen Safts ist doch ein anderes, helleres, frischeres.

P.S. 2016: Heute verwende ich keine Konzentrate mehr. Die Faulheit ist besiegt (war gar nicht so schwer!), Cocktails sind mit Frischsaft einfach viel aromatischer, und ich empfehle jedem, der noch Konzentrat benutzt, den Umstieg zu wagen. Es lohnt sich mehr, als ich Mitte 2015 noch ahnen konnte.

Nach dem dritten Glas balanciere ich auch Fässer auf der Nase – Gosling’s Black Seal Rum

Bermuda ist ein wichtiges Finanzzentrum – also haben die Einwohner guten Grund, sich in der Finanzkrise ab und an einen hinter die Binde zu kippen. Mit dem vielleicht bekanntesten Exportprodukt der Inselgruppe ist das dann aber auch ein Genuss, der so manche Baisse vergessen macht: Gosling’s Black Seal-Rum, abgefüllt in einer etwas langweiligen Flasche, die allerdings durch ein witziges Logo, das mit dem Namen wortspielt („seal“ für „Siegel“ und „Robbe“), stark aufgewertet wird.

goslingsIch rieche unter anderem Lebkuchen und Lakritze, ein traumhaftes Bouquet; passend zur sehr dunklen, rötlich-bräunlichen Farbe. Im Mund sind dann übliche Rumaromen vorherrschend – Vanille, ein bisschen Eiche, Karamell. Das Highlight für mich ist dann aber ein recht kurzer, extrem trockener, überraschend bitterer Abgang. Mir persönlich gefällt das sehr – ich finde diese so beliebten, ultrasüßen Dessertrums ein bisschen langweilig. Da schlägt die schwarze Robbe von Gosling genau in die richtige Kerbe bei mir.

Ich trinke diesen Rum gern pur, doch ist er auch ein exzellenter Mixer, der eine interessante Note in Cocktails einbringt. Ich empfehle mal nicht den Signatur-Cocktail dieses Rums, den Dark’n Stormy, das wäre ein bisschen einfach. Dieser gewürzreiche Rum ist auch in einem Jungle Bird gut aufgehoben.

goslings-2


Jungle Bird
1 1/2 oz Gosling’s Black Seal Rum
2 oz Ananassaft
1/2 oz Campari
1/2 oz Limettensaft
1/2 oz Zuckersirup


Tatsächlich habe ich für diesen Drink alle Zutaten bis auf den Campari im Shaker auf Eis geschüttelt, bis dieser herrliche Schaum, der rein natürlich aus dem Ananassaft kommt, entstand – und dann einen meiner selbstgemachten Campari-Eiswürfel darin schmelzen lassen. Wie üblich ein toller Effekt – erst ist der Drink süß und fruchtig, durch Ananassaft und Rum, und mit zunehmender Trinkdauer wird er immer bitterer. Im Foto erkennt man, wenn man genau hinschaut, die große rote Eiskugel im Drink.

Ein toller, dunkler, stürmischer Rum, der andere, sehr viel teurere und exklusivere Rums mit großen Namen weit hinter sich lässt – wenn man spannende, expressive Rums mag, die nicht nur süß sind. Dass trotzdem 11g/l Zucker zugesetzt werden, ist aber ein Makel, den ich gern ausgemerzt sehen würde.

Wie bei allen meinen Spirituosenrezensionen hoffe ich, Hinweise geben zu können, dass Sie nicht mehr, sondern besser trinken – trotz meines übermütigen Rezensionstitels.

Noch schnell auf den fahrenden Zug aufgesprungen – Beck’s Pale Ale

Auch meine Cocktailbar des Vertrauens wurde modernisiert: Ein neuer, cooler Kühlschrank, blickdicht, mit großen Logos der neuen Beck’s-Produkte drauf. Und in der Karte taucht auch nun das Beck’s Pale Ale auf, passend zur steigenden Nachfrage nach alternativen Biersorten.

Beck's Kühlschrank

Ich mach’s kurz. Das, was Beck’s hier unter dem aktuell beliebten Etikett des Pale Ale verkauft, ist sensorisch ein Pils. Es riecht wie ein Pils, es schmeckt wie ein Pils, es sieht aus wie ein Pils. Ein leicht säuerliches, hopfiges Pils, aber dennoch.

becks-pale-ale

Natürlich musste ein so großer Bierhersteller noch irgendwas ins Programm nehmen, um den aktuell so Craft-Beer-verrückten Konsumenten etwas bieten zu können, das sie sonst woanders suchen würden. Und es verwundert nicht, dass ein Hersteller seine industrielle Produktion nicht auf einen anderen Biertyp umstellen will, mit all dem Risiko, das damit verbunden wäre. Daher nehmen sie einfach ein Pils, kippen noch ein wenig Extrahopfen dazu, lassen einen Designer ein fesches Etikett machen, und bumm! Hat Beck’s eine Spezialitätenbier-Nische aus dem Boden gestampft. Ich übertreibe hier natürlich, ich glaube schon, dass Beck’s ein „echtes“ Pale Ale anbietet – nur ist es halt ein extrem langweiliges, auf den Massengeschmack gebürstetes, bloß nicht zu extravagantes Pale Ale ohne jeglichen eigenen Charakter.

Geschmack ist hier zweitrangig, es geht darum, nicht mehr Boden zu verlieren. Und ein paar Leute, die ihr Pils gewohnt sind und außer diesem Pils eh nur selten was anderes trinken würden, werden mit diesem Produkt dazu verleitet, zu glauben, sie wüssten nun, wie ein Ale zu schmecken hat – nur um in den Schoß der Familie und zum Pils zurückzukehren.

Ich hoffe, dass möglichst viele diese Masche durchschauen und stattdessen lieber handwerklich hergestelltes Bier aus Brauereien, die echteres Pale Ale herstellen, trinken, und diese Industriebrühe links liegen lassen.

καφέ ντεμοντέ – Griechischer Old-Fashioned

Griechischer Kaffee ist eine herrliche Sache. Dicht und kräftig, mit ordentlich Zucker, belebt er bei großer Hitze Körper und Geist. In Urlaubshotels kriegt man ihn eher selten, denn man kann ihn nicht vorbereiten und hunderte Portionen davon raushauen, doch ein Schritt aus der Tür in die nächste Taverne, und eine Matrone macht Ihnen diesen Kaffee innerhalb weniger Minuten Wartezeit. Er wird immer frisch gebrüht, das ist das Geheimnis des Geschmacks.

Diesen Urlaubsgeschmack möchte ich natürlich auch in meiner Heimbar wieder aufleben lassen. Ein recht bekanntes Rezept für einen kaffeebasierten Cocktail ist der Espresso Old-Fashioned; doch warum nicht den Italiener durch den Griechen ersetzen?

Greek Oldfashioned 1

Den griechischen Kaffee, aus dem Kreta-Urlaub mitgebracht, idealerweise in einem griechischen briki, einem kleinen Topf mit Ausgusslippe und Stiel, aufkochen. Ein Löffel pro 6cl / 2oz Wasser, dem Fassungsvermögen meines kleinen Souvenirs, reicht aus – praktisch, denn das ist genau die Menge an Kaffee, die wir für den Cocktail brauchen.

Greek Oldfashioned 2

Wenn der Kaffee aufkocht, vom Feuer nehmen und auf Zimmertemperatur abkühlen lassen (ich bitte das verschommene Foto zu entschuldigen, in dem Moment musste es schnell gehen).

Greek Oldfashioned 3

Da der griechische Mokka einen starken Satz hat, den Kaffee etwas stehen lassen und dann vorsichtig ins Cocktailglas abgießen – falls es nicht so recht klappt, einfach filtern, obwohl ich es gern habe, wenn noch etwas vom Satz vorhanden ist; das ist einfach die griechische Art des Kaffee.

Die restlichen Zutaten dazufügen, einen großen Eiswürfel dazulegen und etwas umrühren. Die leichte Zitronennote am Rand sorgt für einen gewissen Auffrischungseffekt beim Trinken. Greek Oldfashioned 4


καφέ ντεμοντέ

2 oz Griechischer, frischgebrühter Mokka, auf Zimmertemperatur abgekühlt
1 oz Koval Bourbon Whiskey
1/4 oz Zuckersirup
1 Spritzer The Bitter Truth Créole Bitters
Den Rand mit einer Zitronenzeste abreiben


Der Bourbon geht eine sehr feine Beziehung zum griechischen Kaffee ein. Wer Eiskaffee mag, oder Irish Coffee, sollte diese südliche Variante mal ausprobieren. Kali orexi, wie man in Griechenland sagt!

Der Jüngste der Familie hat noch zu lernen – Ron Botucal Añejo 4 Jahre

Ein leuchtendes Goldgelb verspricht uns beim Ron Botucal Añejo 4 Jahre bereits ein ähnlich kräftiges Aroma. Die Nase ist herrlich würzig, voller Karamell, etwas Vanille, einer gewissen aromatischen Note (manche sagen dazu Lösungsmittel). Im Mund wird dann ein Großteil der Aromen erstmal vom starken, brennenden Alkoholgeschmack neutralisiert, bevor sie eine Chance haben, sich auszubreiten. Man ahnt und fühlt mehr die Dichte und die Würze, als dass man sie schmeckt – erst mit dem Nachgeschmack kommen Eiche, Nüsse, dunkle Früchte und Pfeffer zum Vorschein; die süßen Anklänge der Nase sind fast völlig verschwunden. Der Abgang ist, wie nach dem Mundgefühl schon zu erwarten war, recht kurz und eher bitter-trocken.
botucal-1 Als Rum zum Purtrinken empfehle ich diesen vierjährigen Venezuelaner daher nicht: Zu forsch, zu brennend, zu jung, um wirklich für einen Gourmet interessant zu sein. Man erkennt aber durchaus schon das Potenzial, das in ihm schlummert, und nur darauf wartet, durch weitere Reifung zur Blüte zu kommen (was im Reserva Exclusiva des gleichen Herstellers dann gipfelt – auch was Zucker angeht ist da eine Steigerung drin). Durch die dunklen Aromen, und seine starke Ader, ist er letztlich dann eher als Qualitäts-Mixrum geeignet.
botucal-2 Aber auch aus einem so würzigen Rum kann man einen luftig-erfrischenden Drink machen: Der Air Mail ist ideal als spannender Apéritif, in dem die Trockenheit und Frucht des Crémants mit der dunklen Würzigkeit des Botucal Añejo spielt.

Air Mail


Air Mail
2 oz Botucal Añejo 4 Jahre
½ oz Limettensaft
1 Teelöffel Honig
…aufgießen mit ca. 5 oz Crémant oder trockenem Sekt


Die Botucal-Flaschen gefallen mir sehr in ihrer Form, bauchig, rund, kraftvoll. Eine nette Idee, die Flaschen mit zunehmender Reifung des Inhalts immer undurchsichtiger zu machen – so erkennt man sofort, welche Alterungsstufe man im Regal vor sich hat. Ein guter Korkstopfen, ein sehr hübsches Etikett: Ein rundes Paket für Mixologen, und mit Einschränkungen auch für Rumliebhaber mit Hang zum Kräftigen.

Dunkle Farbe, helle Seele – Sierra Nevada Stout

Selbst, wenn man das Sierra Nevada Stout gegen das helle Sonnenlich hält: Kein Strahl schafft es durch die pechschwarze Flüssigkeit. Nur Reflexe am Boden des Glases deuten an, dass dieses Stout eigentlich „nur“ dunkelbraun ist. Eine cremige Schaumkrone bildet ein spannendes Kontrastprogramm dazu.

sierra-nevada-stoutKurz geschnuppert, und schon erkannt: Der typisch malzig-metallische Geruch eines Stouts, ganz leicht eine mulchig-würzige Komponente, Pferdestall könnte man sagen. Feinperlig blubbert es nur dezent vor sich hin, wenn man das Glas schwenkt. Im Mund gibt es dann eine dichte Schwade von Röstaromen, malzig-süß, aber auch eine klar schmeckbare deftige Hopfennote, die für die angenehme Bitterkeit im Rachen und im Nachgang sorgt und sich schön gegen die Süße des Malz durchsetzt. Gut gekühlt ist dieses Stout auch ein wunderbarer Durstlöscher, und passt zu deftigem Essen. Fein, aber nicht aufdringlich, und mit 5,8 Volumenprozent auch nicht übermäßig stark.

sierra-nevada-stout-2Die Flasche ist etwas gedrungen, aber nicht zu „fancy“ für ein Bier, mit einem schön gestalteten Etikett, das wohl die Lagerhäuser der Firma, hübsch umrahmt von Gersten- und Hopfendolden. Auf dem Kronkorken steht, dass man einen Flaschenöffner benutzen soll – drehverschlussverwöhnten Amerikanern erspart das vielleicht ein paar Handflächenwunden.

Und da sage noch einer, die Amis könnten kein Bier brauen! Dieser kalifornische Hersteller gehört inzwischen zu meinen Lieblingsbierbrauern, hochqualitative Produkte, naturnah hergestellt.

Südamerika ist nicht nur Rum – Pisco Barsol Primero Quebranta

Nein, ich will mich nicht über den Staatsstreit zwischen Peru und Chile auslassen, wer nun den „echten“ Pisco herstellt, wer damit angefangen hat und wer nur kopiert. Persönlich ist mir das egal – ich mag beide Sorten.

barsolBeim Pisco Barsol handelt es sich um einen peruanischen 100%-QuebrantaPisco (so das Rückseitenetikett). Pisco selbst ist ein Weinbrand, hergestellt aus Trauben. Die Farbe ist glasklar, und vom Geruch könnte man ihn durchaus für einen sehr leichten, fruchtigen Brandy halten. Er ist etwas, aber wirklich nur etwas, süßlich, sehr fruchtig, mit wenig Alkoholnoten, den Mund wärmend, mit einem trockenen Nachgeschmack. Pur als Digestif gewiss sehr ansprechend, oder um ein „trou normand“ im südamerikanischen Stil zu machen. Für mich ist er hauptsächlich frische, leichte, helle und nicht allzu süße Cocktailkomponente.

Nun könnte ich hier natürlich als Cocktailrezept den Pisco Sour, das Nationalgetränk Perus, anpreisen. Doch ich mag Rezepte, die bekannten Gesichtern eine eigene, sich erstmal verrückt anhörende Note geben. Probieren Sie also mal den Mardi Gras Pisco Sour.

Mardi Gras Pisco Sour


Mardi Gras Pisco Sour
1 oz Pisco Barsol
1 oz Bourbon (z.B. Maker’s Mark)
½ oz Süßer Wermut (z.B. Carpano Antica Formula)
½ oz Starker, abgekühlter Kaffee
¾ oz Limettensaft
1 oz Zuckersirup
3 Spritzer The Bitter Truth Celery Bitters
1 Eiweiß


Das ganze sehr sehr gut auf Eis shaken, und am Ende den Schaum mit den 3 Spritzern Selleriebitter garnieren; diese sorgen für einen interessanten Geruch beim Trinken.

Zum Gesamtpaket einer Qualitätsspirituose gehört immer auch die Präsentation, das heißt die Flasche und das Etikett. Barsol überzeugt auf voller Linie in diesem Aspekt – die Flasche ist ausgesprochen edel, mit eingelassenem Logo und sehr ansprechender Form, das Etikett lässt mich an südamerikanische Bars der 30er Jahre denken, wie man sie aus Schwarzweißfilmen kennt. Eine Präsentation, die zum Inhalt passt.

Zartes Bourbonpflänzchen in der harten Welt – Four Roses Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Die Farbe dieses Bourbonklassikers ist blassgolden, die Nase hefig, etwas säuerlich; Eigenschaften, die ein Qualitätswhiskey eigentlich durch lange Fasslagerung abgestellt hat. Dafür riecht man kaum Alkohol, insgesamt wirkt er vom Geruch her aber dann doch sehr mild und süß mit den typischen Bourbonaromen.

Im Mund schießt erstmal ein leichtes Alkoholbrennen vor, das aber schnell durch eine sehr feine, zurückhaltende, dezente Süße abgelöst wird. Vanille, Karamell und ein Anflug von Eiche geben dem Four Roses Kentucky Straight Bourbon Whiskey eine durchweg angenehme, klassische Note. Der Abgang ist kurz, praktisch komplett ohne das Brennen des ersten Antritts – äußerst mild und sanft, dafür aber auch ähnlich zurückhaltend, was die Aromenvielfalt angeht.

Four Roses Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Zum Purtrinken finde ich diesen Whiskey, ehrlich gesagt, dann aber doch im Gesamtbild zu langweilig. Ein paar Jahre mehr im Fass, und die leichte Schärfe wäre weg, immer ein Zeichen junger Spirituosen. Doch trotzdem empfehle ich den Kauf – als Cocktailmixer ist dieser Whiskey einfach unschlagbar. Er bringt ein zartes Bourbonaroma in jeden Whiskey-Cocktail, ohne zu aggressiv vorzugehen: Zum Beispiel in meiner persönlichen The Avenue-Variation, in der Bourbon und Calvados sehens- und schmeckenswert um die Vorherrschaft kämpfen.

The Avenue


My Avenue
1 oz Four Roses Kentucky Straight Bourbon Whiskey
1 oz Calvados (z.B. Couperne Fine Calvados VSOP)
1 oz Orangensaft (eigentlich: Maracujasaft)
1 Spritzer Grenadine
1 Spritzer Orangenbitter (eigentlich: Orange Flower Water)


Die Geschichte dieser „Variation“ ist die Not: Ich hatte bereits Bourbon und Calvados in meinem Shaker zusammengeführt, und als ich das Tetrapack mit Maracujasaft, der eigentlich reingehört, öffnete, starrte mir der Schimmel entgegen. Was tun? Orangensaft her. Kein echter Ersatz, aber bevor ich die guten Spirituosen wegschütte… dann stelle ich fest, ich habe auch kein Orange Flower Water (hätte das Rezept vorher besser lesen sollen). Naja, ein Spritzer Orangenbitter, zusammen mit dem Orangensaft, ist ja auch genug Orange. So entstehen Kultgetränke. Meine Variation ist kein Knaller, aber man kanns gut trinken.

(Nachtrag 04.01.2016: Ich habe in der Zwischenzeit das Originalrezept nachgemixt, und muss sagen: Es ist besser als meine Variante. Es geht halt nichts über ein gutes Rezept, wenn man sich daran hält!)

Meine Lehre? Ich kaufe nur noch Säfte in transparenten Flaschen, da sieht man wenigstens direkt, woran man ist. Und keine Literflaschen, sondern die kleinste Größe, die es gibt. Im Cora in Frankreich gibt es beispielsweise 0,2-Liter-Grapefruitsaft im Glas; und im Bioladen um die Ecke ungesüßten Ananassaft in der gleichen Flaschengröße.

Zurück zum Thema: Four Roses ist trotz aller Kritikpunkte zu meinem Standard-Gebrauchswhiskey geworden. Hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis, und damit eine Empfehlung für jede Hausbar, die noch einen Bourbon braucht. Aber man kann ihn auch gut pur trinken, wenn man nicht extrem anspruchsvoll ist – ein Alleskönner also. Kenner werden sich aber doch eher die Small-Batch– oder Single-Barrel-Abfüllungen dieses Herstellers anschauen müssen.

Die schöne schwarze Blechdose, in der die Flasche verpackt war, ist hübsch verziert mit dem Firmenlogo, den Rosen. Diese Edition gab es eine Weile im Metro-Großhandel für knapp 15€ zu kaufen.

Rauchzeichen aus der Karibik – Balmoral Aged 3 Years Coronita

Hin und wieder ergänze ich meinen Alkoholgenuss durch Tabak. Während des Studiums hatte ich mal ein paar Jahre Zigaretten geraucht, das dann aber schnell wieder abgestellt. Nun genieße ich die eine oder andere Zigarre pro Woche. Dadurch, dass man nicht täglich raucht, und wenn, dann qualitativ höherwertigen Tabak, ist dies überhaupt nicht mit Zigarettenrauchen vergleichbar: Hocharomatisch, elegant und traditionsbewusst.

Die Balmoral Aged 3 Years Coronitas sind erstmal eine Augenweide. Jede einzelne Shortfiller-Zigarre ist separat zellophan-verpackt. In der wirklich schön gestalteten Schachtel mit Schubfach liegen die 5 Zigarren mit Banderole nach oben, bereits vorgeschnitten, sehr repräsentativ vor einem.

balmoral-packungZur Größe – die Coronita ist eine Abart der Corona, und noch kleiner als die Petit Corona. Mit 14mm Durchmesser und Länge 98mm  ist sie eine schmucke, kleine Perle unter den Zigarren. Man raucht ungefähr eine halbe Stunde an ihr.

balmoral-grc3b6c39feDer Abbrand ist völlig gerade, der Zugwiderstand perfekt: nicht zu schwer, nicht zu leicht. Das Rauchvolumen füllt den Mund wunderbar aus, ein cremig-dichter Rauch fühlt sich gut am Gaumen an. Auch optisch macht die Zigarre was her, mit der schönen Banderole. Das dunkle, etwas dickadrige Deckblatt sieht aber nicht nur gut aus, sondern fühlt sich auch fein an. Der Kaltgeruch ist mild und typisch für diese Tabaksorten.

balmoral-gerauchtSie passt perfekt zu einem Tag im Biergarten, mit einem Bruch Zwickel dazu. Ein sehr milder Geschmack aus den dominikanischen Tabaken, mit Ansätzen von Schokolade durch das brasilianische Mata-Fina-Deckblatt, wird ergänzt durch eine leicht würzige Note: Gegen Ende, in der zweiten Hälfte, nimmt die Würze stärker zu und erreicht fast pfeffrige Qualitäten. Dabei kann man sie wirklich bis zum Schluss, dem letzten Drittel, gut rauchen, denn der Rauch wird nicht heiß oder unangenehm durch die kürzere Länge.

Eine Zigarre, die ich gewiss wieder kaufen werde. Eine ideale Mischung aus leichtem Genuss mit einem gewissen Ansatz von Anspruch, auch wenn sie den wahren Zigarren-Aficionados vielleicht etwas zu leicht daherkommt. Persönlich finde ich alle Zigarren und Zigarillos mit Mata-Fina-Deckblatt köstlich: Überraschend, wie das Deckblatt den Gesamtgeschmack so stark beeinflussen kann.

Für 7,50€ pro Fünferpackung in fast jedem halbwegs vernünftigen Tabakladen erhältlich – auch das ein Pluspunkt für eine Zigarre für Zwischendurch. Ein Schnäppchen.

Karibischer Rosstäuscher – Relicario Ron Dominicano

Ich will gleich zu Beginn ehrlich sein – der Relicario Ron Dominicano ist ein Rum, den ich allein aufgrund der äußerst ansprechenden Verpackung gekauft habe. Wem geht das nicht so, dass das Äußere den ersten Impuls auslöst, der dann zu mehr führt, als man eigentlich will?

relicario-2Die wunderbare, eckige Flasche (übrigens dieselbe, die auch für das Gold of Mauritius als Behältnis dient) mit wirklich schönen, edlen Aufdrucken sowohl auf der Vorderseite, als auch mit einem herrlichen Schifffahrtsmotiv, das durch die Flasche scheint, auf der Rückseite; einer sehr schönen Holzverkleidung für den Plastikdrehverschluss sowie einem üppig gestalteten Pappkarton als Hülle – und dann noch ein tolles Booklet dazu.

relicario-bookletDazu die tiefdunkle, kräftig-braune Farbe. Das Auge hat echt was von diesem Rum aus der Dominikanischen Republik. Was will man mehr.

Genug vom Oberflächlichen geschwärmt. Ich gieße mir einen guten Schuss in ein Verkostungsglas, und nun darf auch die Nase schwelgen. Sehr aromatisch, kräftig, karamellig und dunkel riecht der Rum ähnlich, wie einem das Auge verspricht. Eine minimale Klebstoffnote, die mit der Zeit verfliegt – das sehe ich nicht kritisch, das ist üblich für gealterte Qualitätsspirituosen. Sehr trockenfruchtig, nussig, leicht schokoladig. Ein wirklich sehr schönes, angehmes Geruchsspektrum.

relicarioIm Mund dann der erste Eindruck: Durchaus süß, aber auch hier schon etwas salzig. Schnell setzt dann endgültig die herbe Komponente ein, und ein starkes Alkoholbrennen – kaum zu glauben, wie sehr ein Rum mit „nur“ 40% brennen kann. Das überrascht dann doch sehr, weil man es sonst eher von Billigrums kennt, und der Alkohol dominiert dann schließlich jede andere Geschmacksnote. Insgesamt nur wenig Körper, kaum Volumen, enttäuschend eindimensional verbleibt er dann am Gaumen. Die herbe Note übernimmt am Ende und kann noch etwas mit nussiger, lederner Trockenheit punkten – man muss so einen Geschmackseindruck bei Rums aber mögen; wer eher auf Süßes steht, wird wenig Freude haben. Ich mag das eigentlich schon, wäre da nicht die zungenbetäubende Alkoholstrenge.

Ich bin nur mäßig begeistert. Ich sehe bei diesem Rum nur wenig „Sipping“-Potenzial, sondern werde ihn als Premium-Mixrum nutzen. Gerade die Trockenheit macht ihn dann für manche Cocktails spannend, wie dem Cool Orchard, in dem er toll gegen die süßen Säfte auftrumpfen kann.coolorchard-cocktail


Cool Orchard
1½ oz Relicario Ron Superior
1 oz Ananassaft
½ oz Ingwersirup
½ oz Limettensaft
¼ oz Mandelsirup
¼ oz Vanilleschnaps


Insgesamt bin ich immer geneigt, das Gesamtpaket zu sehen, und das ist beim Ron Relicario am Ende in der Bilanz dann doch positiv, auch wenn ein Großteil davon rein das Auge und die Nase erfreut. Doch ein paar Jahre mehr im Fass hätten diesem Blend aus drei Rums ganz gewiss die endgültige Reife gegeben, das gröbste Brennen entfernt, was ihn zu einem großen Rum gemacht hätte.

Nachtrag 06.02.2016: Wie so vielen Rums wird auch diesem Rum Zucker zugesetzt, ohne dass es auf dem Etikett vermerkt ist. Nachdem ich nun mein Aräometer selbst auch einsetze, um meine Rums zu vermessen, musste ich hier leider 12 g/L Zucker nachweisen. Es ist ein Wunder, dass selbst mit soviel Zucker dieser Rum noch so körperlos daherkommt. Irgendwie kann ich mir nicht erklären, warum jemand, wenn er schon manipuliert, es dann nur so halbherzig tut. Echte Rumfreunde hat er schon bei einem Gramm verloren, da hätte er mit einer Handvoll mehr Zucker wenigstens die Rumlikörfreunde erfreuen können.

Dazu kommt, dass der Master Blender dieses Rums just zugegeben hat, dass dieser Rum aromatisiert ist – hier nachzulesen (auf Französisch): In der Rumbasis werden Trockenfrüchte und anderes mazeriert. Damit ist der Relicario für mich kein Rum mehr.