The Beer of the Tiger – Crew Republic Roundhouse Kick Imperial Stout

Welcome, Ladiiiiiiiiiieeeees and Geeeentlemeeeeeeen! In der linken Ecke, mit einem leichten Kampfübergewicht, aber unendlicher Motivation, der Titelverteidiger, der Bezwinger vieler Spirituosen, sowohl im amerikanisch-mexikanischen, wie auch dem schottisch-italienischen Stil: schlimmerdurst!

In der rechten Ecke der Herausforderer! Gut gekühlt, frisch geöffnet, und mit einigen Vorschusslorbeeren aus der Fachpresse versehen: Das Crew Republic Roundhouse Kick Imperial Stout, aus München, von dem selbst Chuck Norris noch was lernen kann! Wie wird dieser ungleiche Kampf ausgehen? Ring frei!

056019-black-paint-splatter-icon-food-beverage-drink-bottle1Runde 1! Die Kämpfer checken erstmal vorsichtig Farbe und Geruch ab! Das Roundhouse Kick ist schwarz wie Chuck Norris‘ Karategürtel, blickdicht, und weist einen leichten Schaum auf, wie ihn die Loser, die früher vom Titelträger schon Prügel bezogen haben, vor dem Mund hatten. Selbst in einer verschwitzten Trainingshalle schafft es der Geruch gegen jeden Aromagegner: recht hopfig, Amateurboxer hätten es allein vom Geruch vielleicht für ein Pale Ale gehalten, und entsprechend sind neben dem dunklen Malz dann fruchtige, zitronige Aromen im Vordergrund.

Crew Republic Roundhouse Kick Imperial Stout

056019-black-paint-splatter-icon-food-beverage-drink-bottle1Runde 2! Der erste brutale Geschmackskontakt! Nur zurückhaltend, kein guter Kämpfer protzt mit seinen Fähigkeiten, schlägt das Roundhouse Kick mit Röstmalz und Kaffee zu, den wahrscheinlich zwei bekanntesten Geschmacksrichtungen bei Imperial Stouts; vordergründig sind eher die Jabs mit der gerochenen Zitrone, vielleicht Grapefruit, beides natürlich dem Hopfen in den Handschuhen geschuldet. Sehr erfrischend für die anstehende Kampfpause, während der Trainer motivierend auf beide Kombattanten einquasselt.

056019-black-paint-splatter-icon-food-beverage-drink-bottle1Runde 3! Ein Raunen geht durch die Menge! War das ein Tiefschlag? Ein schnelles K.O. in der dritten Runde, der Titelverteidiger geht zu Boden! Leicht und unbeschwert, wie Karate Kid beim Autopolieren, tänzelt der Sieger durch den Ring. Ansprechend, fein und gelungen, mit einer sehr guten Note im Ausdruck, selbst vom russischen Ringrichter, für ein etwas ungewohntes, überraschend süßes Imperial Stout.

Crew Republic Roundhouse Kick Imperial Stout Glas

056019-black-paint-splatter-icon-food-beverage-drink-bottle1Nach dem Kampf! Die Kampfanalyse. Verwendete Hopfensorten: Columbus, Tradition. Verwendetes Malz: Pilsener Malz, Chocolate Malt, Karamellmalz, Röstmalz. Kampfgewicht 71 IBU mit 9.2% in 330ml.

Kein Wunder, dass der Kampf so schnell vorbei war. Das Roundhouse Kick hat mich hinterrücks mit hinterlistigen Kampftaktiken und ungewohnten Aromen für ein Stout überrumpelt, und mit seinen kaum schmeckbaren 9.2% ausgeknockt, ohne dass ich den Schlag habe kommen sehen. Doch sei gewarnt: Es gibt noch einen Rückkampf, und da werde ich mir meinen Titel zurückholen!

Zarte Delikatesse – Hendrick’s Gin

Ich finde Gin persönlich eine recht langweilige Spirituose und verstehe den aktuellen Gincraze nicht wirklich. Meine Cocktailbar des Vertrauens räumt leider Stück für Stück hochwertige Rums und Whiskeys aus dem Sortiment, um allen möglichen Gins dafür Platz zu machen. Vielleicht ist es die Zurückhaltung eines Gins, was Aromen angeht, die ihn so beliebt macht – ähnlich wie bei Vodka, bei dem es ein Qualitätskriterium ist, wenn er nach nichts schmeckt (dazu habe ich meine Meinung etwas geändert, siehe den Grasovka Vodka).

hendricksgin-flascheGin ist aber dann halt doch eine Stufe über Vodka, denn er wird, je nach Hersteller, vor, nach oder während dem Destillieren aromatisiert – Gin ist also letztlich aromatisierter Vodka, auch wenns manche nicht hören wollen. Früher ganz klassisch mit Wacholder, heutzutage kommt jeden Monat eine neue Geschmacksrichtung auf den Markt.

Eine der besseren, für mich persönlich vielleicht sogar die beste überhaupt, ist der schottische Hendrick’s Gin – das sage ich nach ausgiebiger, jahrelanger, mühe- und aufopferungsvoller Verkostung von dutzenden Sorten mehr oder weniger hochwertigen Gins. Sehr zart, floral, mit reduziertem Wacholderaroma ist er ein delikates Pflänzchen im Spirituosenregal. Gut, dass er durch diese massive, dunkle Apothekerflasche mit dem 19.-Jahrhundert-Retro-Etikett und den schönen, eingelassenen Details geschützt wird.

hendricksgin-detailsWer einen starken, dominanten Wacholdergeschmack sucht, ist hier falsch. Daher muss man auch ein bisschen mehr Sorgfalt beim Vermischen dieses Gins walten lassen – ein leichtes Tonic Water ist meist schon das stärkste, was man ihm antun darf, trotz der 44%, sonst geht die feinen Anklänge von Gemüsearoma sofort unter und er schmeckt nicht anders als ein 08/15-Gin. Perfekt allerdings wirkt er in einem modernen Klassiker, dem Gin Basil Smash, in dem er seine einzigartigen Geschmackskomponenten voll vorzeigen kann; oder einem Prohibitionszeit-Darling, dem Last Word.

Last Word


Last Word
¾ oz Hendrick’s Gin
¾ oz Maraschino-Likör
¾ oz Chartreuse Verte
¾ oz
Limettensaft


Ein feiner, edler Tropfen, dieser Gin. Auch wenn er in einem lokalen Geschäft, das neben Zigarren noch exklusive Spirituosen anbietet, vom Verkäufer etwas verächtlich als „Supermarktgin“ abgetan wurde, kann ich ihn jedem empfehlen, der sich wegen (oder trotz?) des Ginhypes auf die Suche nach neuen Geschmäckern begibt.

Von Belgien nach Thüringen – Köstritzer Witbier

Die Bierrevolution ist in vollem Gange. Inzwischen erreichen ausländische Bierspezialitäten, die man früher mühevoll organisieren musste, selbst die großen Supermarktketten, ein Zeichen dafür, dass genügend Interesse vom Verbraucher an Alternativen zu den üblichen deutschen Massenbiersorten wie Pils und Export besteht. Und die großen deutschen Hersteller nehmen diesen Faden auf und stellen selbst Varietäten her, wie es der thüringische Brauer Köstritzer mit seinem Witbier tut. Nach den eher schlechten Erfahrungen, die ich mit halbherzigen Experimenten anderer deutscher Hersteller gemacht hatte, bin ich aber erstmal skeptisch, wenn ein urbelgisches Produkt wie ein Witbier so plötzlich aus deutschen Kesseln träufelt.

Bei einem Witbier erwarte ich mir im Glas eine trübe, helle Farbe, und das ist beim Köstritzer schonmal auch direkt gegeben. Vom optischen Eindruck her könnte man es für ein Hefeweizen halten.

koestritzerwitbier-flaschePositiv überrascht ein sehr angenehmer Geruch, und ein aromatisch sehr ähnlich gelagerter Geschmack zu Beginn; fruchtig, hell, bitter. Dann doch überhaupt nicht wie ein Hefeweizen, mehr wie ein belgisches Blonde. Man erkennt die Orangenschale; man ahnt den Koriander, typische Zusätze in belgischen Witbieren, die der deutsche Hersteller laut Etikett auch einsetzt. Dieses Bier macht wirklich Spaß.

Schnell abgestanden ist es dann aber; die letzten Schlucke, nach ca. 20 Minuten, schmecken nur noch hefig, schal und leer. Eine ähnliche Erfahrung mache ich inzwischen mit einigen Bieren, vor allem Pale Ales. Eventuell muss ich die Biere einfach schneller trinken, obwohl mir das widerstrebt; vielleicht habe ich auch, wie auf dem ersten Foto erkennbar, ein bisschen zu optimistisch schnell eingegossen – ist ein vorsichtigeres Eingießen empfehlenswert?

koestritzerwitbier-glasDie zweite Flasche, zwei Wochen später, habe ich dann direkt so getrunken, ohne Glas; da ist das Mundgefühl was die Perlage angeht, etwas besser, doch die schnell einsetzende Schalheit ist auch hier gegeben. Es liegt also am Bier, nicht am Eingießen. Ein Bier für Schnelltrinker also.

Mir gefällt die hübsche, elegante, schwungvolle Flasche außerordentlich, davon können sich die meisten Hersteller eine Scheibe abschneiden mit ihren langweiligen Standardflaschen. Man sieht hier: Man kann alles falsch machen, wie Beck’s, oder alles richtig, wie Köstritzer. Ich hoffe, die Branche hält sich für die Zukunft eher an letzteres Vorbild.

Horrido! Auf die Pirsch! Teil 3: Bisonjagd mit Grasovka Vodka

Die Jagdsaison neigt sich dem Ende, und nach Hirsch und Geflügel verlangt es dem erfahrenen Wildtöter nun nach einem Stück Fleisch in Westernart. Wir brauchen Waffen nach  Art von Old Shatterhands Bärentöter, um endlich dem Gral des Fleischessers, dem Bison, ans Leder zu gehen. Nun, ich als Tierfreund ziehe dann wie gewohnt aber eine artenschützende, alkoholische Lösung vor und widme mich dem Grasovka Vodka, der einen Bison im Markenlogo und einen Bisongras-Halm in der Flasche trägt.

grasovka-flascheIch habe kein besonders gutes Verhältnis zu Vodka. Besonders die westliche Form des Vodka, der in Europa und den USA gern getrunken wird, bekannt durch Marken wie Smirnoff und Absolut, deren einziges Ziel es ist, nach nichts zu schmecken, ist für mich der Abgrund, in den Wirkungstrinker schauen. Ich als Genusstrinker verlange nach Aromen, vielleicht bin ich da altmodisch, und will meine Drinks, wie Cocktailhistoriker David Wondrich es in seinem Buch Imbibe! schreibt…

… based not on a thin and anodyne tipple like vodka, but rather on something robust and flavorful, like cognac, rye whiskey, Holland gin, or brown sherry (…).

Doch, so habe ich in diversen Lektüren zumindest erzählt bekommen, gibt es auch Vodka, der anders ist. Der aromatisch und kräftig schmeckt, und auch für Purtrinker nicht nur zum Runterkippen geeignet ist – kein dürres Impala-Antilöpchen, sondern halt ein massiver Büffel. Gehört der Grasovka Vodka dazu?

Ein klares, aber doch leicht cremefarbenes Tarnmuster trägt der Vodka auf seinem täglichen Revierabgrasen ins Glas. Ebenso gut tarnt sich das schlaue Biest vor meinem Geruchssinn, doch ich kann dann schon eine schwache Alkoholnote, und eine tatsächlich leicht grasige, zitronige Teenote erahnen. Stammt das vom Grashalm oder vom Vodka selbst?

grasovkavodka-glasDer erste Mundkontakt ist dann erstmal überraschend: ölig und schwer rinnt er in den Mund. Ein seltsamer Geschmack, ungewohnt, schwer, nur leicht alkoholisch, trotz 40%. Sehr dunkel im Aroma, das passt so gar nicht zur hellen Farbe. Leicht salzig, würzig, vielleicht sogar etwas fleischig, oder umami. Ich kann diesen Geschmack nur schwer einordnen, auf jeden Fall ist da ein Geschmack, und zwar nicht zu knapp. Kein Vergleich zu Smirnoff & Co.

Ja, das ist ein Vodka, der sich als Jagdziel gerade für den saisonierten Jägermeister, der auf Qualität aus ist, lohnt. Lange bleibt der Grasovka am Gaumen, sorgt für Speichelfluss wie es sonst nur guter Whiskey tut, und ist schließlich warm und weich in Kehle und Magen. Ungewöhnlich, aber gut. Sicherlich eine wunderbare Ergänzung zu fettigem Fingerfood, wie es die Polen gern essen.

grasovka-strohhalm

Die Frage, die sich mir beim respektvollen Betrachten der Flasche mit dem transparenten Etikett stellt, ist, ob der Strohhalm darin nicht nur ein Gimmick ist, wie der Wurm im Touristenmezcal. Ich bezweifle, dass so ein einzelner Strohhalm für diese Aromenvielfalt verantwortlich sein kann, insbesondere ist eine Dauermazeration ja auch nicht unbedingt gewünscht. Wahrscheinlich ist er dann doch die polnische Variante des gusano.

Ein halber Liter des Bisonglücks ist für unter 10€ zu bekommen, und auch wenn dieser aromatische Vodka sicher eher mühevoll in Cocktails, die immer noch nach nichtsschmeckendem Schnaps verlangen, wenn Vodka im Rezept steht, unterzubringen ist, so ist er doch als Anschauungsobjekt und Ausstellungsstück für den echten Spirituosenfreund unersetzlich; Vorurteile gilt es auch in der Welt der Alkoholika abzubauen, und wer einmal diesen Vodka getrunken hat, sagt nicht mehr, dass Vodka grundsätzlich nach nichts schmeckt. Wie so oft gilt: Man muss einfach nur den guten trinken.

Ich finde, er gibt auch einem alten Bekannten, dem Moscow Mule, einen kleinen, gemüsigen Touch. Faszinierend!

moscowmule-cocktail


Moscow Mule
2 oz Grasovka Vodka
½ oz Limettensaft
4 oz Ginger Beer


Für mich ist die Jagd damit erstmal zuende; drei wirklich schöne Trophäen habe ich mir erarbeitet, und ich hoffe, nächstes Jahr wieder ähnlich Waidmannsheil zu haben. Bis dahin nun aber winterliche Schonzeit für die armen Schnapstierchen!

Die Vitalienbrüder trinken kein Pils – Störtebeker Whisky-Bier

Hohoho! Und ne Buddel voll… Bier! Wir Fans von Piraten mussten uns bisher mit Tafia, Rum und anderem Hochprozentigem rumschlagen, und konnten uns nicht mit Landratten-Getränken wie Bier vergnügen. Es wurde Zeit, dass eine Brauerei sich endlich erbarmt und ein Piratenbier herstellt. Wer könnte einer norddeutschen Brauerei aus der Hansestadt Stralsund dann besser Pate stehen als Klaus Störtebeker, der der Hanse so manche schlaflose Nacht auf See bereitete? Das Störtebeker Whisky-Bier ist eines der neuen Produkte des Herstellers, gebraut mit britischem Whisky-Malz.

stoertebekerwhiskybier-glasDie Farbe ist hübsches Hennarot, das sehr gut im Glas wirkt. Im Glas ist schon nach wenigen Sekunden kein Schaum mehr vorhanden; die kräftige Kohlensäure sorgt dafür, dass das Bier dennoch erfrischend kitzelt.

Geruch ist ebenso praktisch keiner erkennbar, vielleicht eine kleine metallische Note. Sehr süß und malzig ist dann der Geschmack, und mit einem leichten Hopfen nur wenig bitter, minimal fruchtig ist es, und hat eine schwache Säure. Insgesamt finde ich enttäuschend wenig Körper und Dichte, für ein Bier mit 9% und der Vermarktung als Whiskybier ist das recht schwach.

stoertebekerwhiskybier-flascheDer Geschmack ist tatsächlich deutlich rauchig, ich empfinde ihn aber als nicht wirklich angenehm. Er geht mehr in die Richtung eines speckigen Rauchs, der zum Räuchern eingesetzt wird. Schwarzwälder Schinken mag ich eigentlich, aber wenn man den Geruch auf ein Bier überträgt, hält sich meine Begeisterung stark in Grenzen. Den torfigen Rauch eines Whiskys, oder Whiskyaromen, finde ich hier nicht. Bei jedem Schluck denke ich an geräucherten Hering – vielleicht ist die Etikettenillustration kein Vitalienbrüder-Schiff, sondern ein Fischkutter?

Erneut, alle Kritikpunkte, die ich auch bei einem anderen Piratenbier, dem Hornbeer Caribbean Stout, äußerte, sind auch hier zu finden: Eine Halbliterflasche ist zu groß für ein Spezialitätenbier, den Zuckerzusatz, immerhin auf dem Etikett ausgewiesen, finde ich zumindest fragwürdig. Leider hat das Störtebeker Whisky-Bier keinen der positiven Punkte, die ich beim Caribbean Stout fand. In Mixology 5/2015 wurde es gelobt, unter anderem ein Kaufgrund für mich, aber das bin ich inzwischen gewohnt bei diesem Magazin, dass unsere Geschmacksmeinungen sehr oft weit auseinander gehen.

stoertebekerwhiskybier-flaschenpackNun habe ich noch 3 Flaschen dieses Biers, gekauft im 4-Flaschen-Paket, für 7€, von denen ich fast sicher bin, sie selbst nicht zu trinken; das überzeugt mich davon, nie wieder Gebinde zu kaufen, sondern nur noch Einzelflaschen, wenn ich das Produkt nicht kenne. Ich werde die Flaschen wahrscheinlich an Kollegen als Probe verschenken – vielleicht findet sich da einer, der dieses Bier mehr zu schätzen weiß als ich. Und vielleicht entdeckt dann ein mutiger Bierkolumbus darunter auch den namensgebenden Whisky, den ich nicht finden konnte auf meiner Expedition.

Nachtrag 06.11.2015: Keiner der Beschenkten konnte meine Meinung widerlegen. Leider stimmten alle darin überein, dass dieses Bier eher nicht erneut ins Glas kommt. „Die eingeschlafenen Füße eines schottischen Bierbrauers“ war ein Kommentar über den Geschmack. Ich stimme zu.

Kandierter Zuckerorangenextrakt – Chadess Liqueur d’Orange Bitterorangenlikör

Discounter haben ihren Ruf bezüglich Qualität deutlich aufpoliert in den letzten Jahren, insbesondere seit bekannt ist, dass viele ihrer Waren umfirmierte Markenprodukte sind. Da liegt es nahe, sich auch im Spirituosenbereich mal in der Auslage eines Aldi-Markts umzuschauen; Sparfüchse wie ich erhoffen sich davon eine günstige Alternative zu Markensprit. Eine Zutat, die man bei klassischen Cocktails häufig braucht und man einen entsprechenden Verbrauch hat, ist Triple Sec. Wie passend, dass Aldi auch einen Bitterorangenlikör im Angebot hat, unter dem Namen Chadess Liqueur d’Orange.

chadess-flascheDie Flasche hat etwas klassisches: Langhalsig und dickbäuchig. Ein schönes Etikett und ein Siegel dazu, und schon ahnt niemand mehr, dass diese Flasche aus dem Discounter stammen könnte (für die Heimbarmixer, die einen Ruf zu wahren haben, zwinker zwinker).

Die Farbe ist, wie für einen Triple Sec zu erwarten war, klar; die Konsistenz recht dickflüssig. Ein sehr schöner, süßlicher, milder Orangengeruch entströmt dem Verkostungsglas, es erinnert an vorweihnachtliche Kindertage, als Mandarinen zum ersten Mal ins Haus kamen, und diese nicht das ganze Jahr über erhältlich waren.

Geschmacklich ist dieser Chadess nur bedingt pur trinkbar. Klebrig süß, der Orangengeschmack geht unter all dem Zucker unter, es bleibt nur ein Hauch davon auf der Zunge. Keinerlei Säure oder Bitterkeit, was man vielleicht von Orangen erwartet. Vielleicht etwas wie die orangefarbenen Nimm-2-Bonbons. Uff, das klebt am Gaumen, und nichts von der schönen Nase ist übriggeblieben.

Letztlich ist ein einfacher Triple Sec wie der Chadess halt eine Cocktailzutat, dessen Aufgabe oft nur ist, eine gewisse Fruchtsüße in den Cocktail zu bringen. Moderne Rezepte verzichten gern auf diese Komponente und ersetzen sie durch andere Süßungsstoffe, wie der Triple Sec ersetzt wird durch Agavendicksaft in Tommy’s Margarita. Da der Triple Sec seine Cocktailarbeit meist im Hintergrund verrichtet, und praktisch nie als definierender Geschmacksträger vorkommt, ist die Angabe eines Signatur-Cocktailrezepts etwas schwierig; der bekannteste Cocktail mit Triple Sec ist aber wahrscheinlich die Margarita.

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Margarita
1½ oz Tequila Blanco (z.B. Agavita Platinum)
½ oz Chadess Bitterorangenlikör
1 oz Limettensaft
In einem Glas mit Salzrand servieren


Als Fazit halte ich fest: Der Chadess von Aldi ist ein halbwegs passabler Triple Sec, der über den Preis (7€) und die leichte Erhältlichkeit punkten kann, allerdings schon extrem süß ist, selbst für einen Likör. Wem Aldi-Sprit zu poplig ist, kann durch geringen Aufpreis zu Le Favori wechseln, der etwas weniger süß und geschmacklich spannender ist; und wer für die die höhere Gesellschaft mixt, greift zu Grand Marnier Cordon Jaune, oder Cointreau, der erkennbar feiner und vielschichtiger vom Geschmack ist.

Bergsteigen für Genießer – Underberg

Wer hat sie nicht noch im Ohr, die Werbung von Underberg aus den 90ern. Dass der beliebte Bitter es nicht geschafft hat (oder nicht gewillt ist), sein „semper-idem“-Altherrengetränk-Image seitdem abzulegen (im Gegensatz zu beispielsweise Jägermeister, das zum Partygetränk mutiert ist), ist schade; gerade in Zeiten, in denen Bitter auf den Cocktailkarten wieder zurückkehren, ist das eine vertane Chance gewesen. Nur mit dem „nach-dem-Essen“-Motto kann man heutzutage keinen mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Dabei hat Underberg eigentlich schon was zu bieten, was auch modernen Genusstrinkern gefallen kann.

underberg-doseDer Bitter als Spirituosenkategorie hat eine sehr alte Geschichte. Die ultrabittere Konkoktion aus Kräutern, Fruchtteilen und natürlich Alkohol wurde zunächst als Tonikum, zur Stärkung und Kräftigung von Körper und Geist, verkauft. Man denkt dabei gern an den Schlangenölhändler Docteur Doxey aus Lucky Lukes siebtem Abenteuer.

Docteur Doxey
Lucky Luke: L’élixir du Docteur Doxey © Dupuis

Ob es nun wirklich, wie gern und oft beworben, gut für den Magen nach dem Essen ist („Magenbitter“ wurde ja besonders in Deutschland zu einer eigenen Spirituosenkategorie), sei dahingestellt – diese Annahme ist wohl auch ein Relikt aus dieser Zeit. Irgendwann entdeckte man, dass das Zeug, wenn man sich mal daran gewöhnt hat, auch ganz gut schmecken kann; und mit Aufkommen der Cocktailkultur ab Mitte des 19. Jahrhunderts war der Bitter als feiner Twist in einem Cocktail nicht mehr wegzudenken.

Der Underberg selbst riecht sehr herbal, mit Kardamom, Muskat und Nelken im Vordergrund; sehr gefällig und angenehm. Im Mund ist eine starke Lakritznote, ein eher süßlicher Ton, dann vorherrschend. Dagegen kommen nicht viele andere Gewürzanklänge an, doch die Nelke ist wieder da, ein Eukalyptus-Gefühl und der Alkohol erzeugen einen beeindruckend räumliches Mundgefühl. Auf jeden Fall einzigartig und mit hohem Wiedererkennungswert.

Dass man Underberg auch heute in einer Bar gut einsetzen kann, zeigt der überraschende Underberg Sour. Eine sehr faszinierende Mischung, die man auch nach dem Essen trinken kann. Oder vor dem Essen. Bei diesem tollen Geschmack wahrscheinlich beides – Kenner erkennen vielleicht den Trinidad Sour dahinter.

Underberg Sour


Underberg Sour
1 Fläschchen Underberg
1 oz Mandelsirup
1 Spritzer Orange Flower Water
½ oz Rye Whiskey (z.B. Rittenhouse Rye BiB)
¾ oz Limettensaft


Persönlich gefällt mir die Aufmachung, in den kleinen Fläschchen, mit Packpapier umwickelt, und einem Medikamentenbeipackzettel nachahmenden Etikett. Wenn man die Fläschchen dann noch schön in einem Glashalter präsentiert, greift selbst der härteste Bitterhasser bestimmt zu.

underberg-border

…und wenn einem dann doch der Schnaps zuviel Alkohol enthält, oder ein „Teatotaller“ nach dem Essen dennoch gern den Geschmack dieses Bitters verkosten würde, biete man einfach die entsprechenden, in der Apotheke erhältlichen Kräuterbonbons an – sie werden tatsächlich als „Digestifbonbons“ vermarktet und schmecken wirklich sehr ähnlich wie der Bitter. Und sie sind garantiert alkoholfrei.

Kräuterberg Kräuterbonbons

Linus‘ Kuscheldecke kann nicht flauschiger sein – Woodford Reserve Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Ein durchdringendes Vanille-Aroma steigt einem direkt in die Nase, wenn man den Korken von einer Flasche Woodford Reserve Kentucky Straight Bourbon Whiskey zieht. Sehr zart, und gleichzeitig fast ein bisschen fruchtig. Und im Mund zeigt sich, wie weich ein Whiskey sein kann. Der Bourbon legt sich wie eine Kaschmir-Wolldecke in den Mundraum, kuschlig und warm. Der Abgang zeigt dann die Volumenprozente schon, aber auch hier ist der Woodford Reserve zurückhaltend, und komplettiert den sonst fast zu femininen Geschmackseindruck mit einer maskulinen Schärfe, die am Ende durch eine nussige Note abgeschlossen wird.

Woodford Reserve Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Im Regal macht sich die Flasche natürlich auch toll. Sehr zeigefreudig dient nur ein winziges Etikett mit aufgedruckter Batch- und Fassnummer, sowie ein dezentes Labelling als Feigenblatt – die glorreiche Farbe strahlt für sich in der schmalen, extravaganten Flasche.

Insgesamt also eher ein Feingeist unter den Bourbons, und entsprechend muss man ihn einsetzen. Der Woodford Reserve hat es schwer gegen grobe Cocktailzutaten, er ist mehr ein Snooker- als ein Rugby-Spieler. Doch gerade seine heftige Vanille macht ihn perfekt für zum Beispiel einen Kentucky Buck.

Kentucky Buck Cocktail

Kentucky Buck
2 oz Woodford Reserve Kentucky Straight Bourbon Whiskey
  ¾ oz Limettensaft
  ½ oz Zuckersirup
1 gemuddelte Erdbeere
2 Spritzer Celery Bitters
…und das ganze aufgießen mit einem Schuss Ginger Beer.


Der Woodford Reserve ist auch der klassisch verwendete Bourbon für einen der ikonischsten Cocktails Amerikas überhaupt: den Mint Julep. Wer einen davon machen will, stilgerecht in einem Silberbecher serviert, sollte zumindest diesen Whiskey in die engere Wahl einbeziehen.

Wenn man einen weichen Bourbon sucht, vielleicht als Geschenk, kann man mit dem Woodford Reserve nichts falsch machen. Er ist oft in Supermärkten erhältlich, zu moderaten Preisen für die gelieferte Qualität.

Ich mach mir den Punsch wiede-wiede-wie-der mir gefällt – Swedish Punsch

Die Hintergrundgeschichte für dieses neue Experiment ist zweigeteilt. Einerseits habe ich eine große Flasche Arrak im Regal stehen, der nur wenig Einsatzzeit im Cocktailspiel bei mir bekommt. Andererseits habe ich in Ted Haigh’s Cocktailbuch den einen oder anderen klassischen Cocktail gesehen, den ich gern nachkochen würde – doch es fehlt mir eine vergessene Zutat: Swedish Punsch. Da ich keine Ahnung habe, wie Swedish Punsch aussieht oder schmeckt, und er zwar in Flasche in Europa gut zu bekommen ist (Carlshamns Flaggpunsch wäre ein Beispiel), ich aber gern experimentiere, versuche ich ihn heute mal selbst herzustellen, gemäß dem Pippi-Langstrumpf-Motto im Titel.

swedishpunsch-zutaten

Ich halte mich grob an das DIY Swedish Punsch-Rezept von Marcia Simmons, allerdings verwende ich natürlich Arrak statt Cachaça, den sie benutzt, weil an Arrak in den USA scheinbar noch schwerer heranzukommen ist als an Swedish Punsch, lasse den Rum nicht weg, und nutze chinesischen Qualitätsschwarztee statt einem Darjeeling-Teebeutel.

swedishpunsch-arrackbasis


Arrak-Zitronen-Infusion
1 Zitrone, ein dünne Scheiben geschnitten
1 Nelke
1 gute Prise gemahlener Kardamom
8 oz Arrak (z.B. Boven’s Echter Arrak)
2 oz Demerara-Rum (z.B. El Dorado 12)


Alle Zutaten der Arrak-Zitronen-Infusion in ein Glas geben, schütteln und einen Tag stehen lassen. Am nächsten Tag kann man schonmal beginnen, den Schwarztee-Sirup herzustellen.

swedishpunsch-teesirup


Schwarztee-Sirup
1 Teelöffel Schwarztee (z.B. Keemun Superior von Tea Pavilion)
4 oz heißes Wasser
150g Zucker


Den Tee mit dem Wasser aufbrühen und ziehen lassen, abfiltern, und den Zucker einrühren, dann abkühlen lassen.

Nun seihe man die Arrak-Zitronen-Infusion durch ein Teefilter oder Passiertuch, um Zitronenfruchtfleisch und Gewürzreste zu entfernen; dann wird die gefilterte Infusion mit dem Schwarztee-Sirup gut vermischt und in eine Flasche oder Karaffe abgefüllt. Erneut über Nacht ruhen lassen. Die eingelegten Zitronen werfe ich nicht weg; ich habe eine Dose Pfirsiche inklusive Sirup aus der Dose dazu ins Glas gekippt, und habe damit einen Tag später eine perfekte Auflage für ein Toast Hawaii mit gewürzten Pfirsichen.

swedishpunch-karaffe

Geschmacklich hat diese Mischung doch einiges zu bieten – für Likörfreunde ist die sehr süße Mischung aus Zitrus-, Tee- und Rumaroma vielleicht ansprechend. Ich kann mangels Vergleich nicht beurteilen, ob er so schmeckt, wie Swedish Punsch schmecken soll, aber die hergestellte Mixtur ist doch schonmal lecker. Ansonsten habe ich mir den Swedish Punsch natürlich als Cocktailzutat, wie eingangs erzählt, hergestellt. Beginnen kann man mit dem Diki-Diki-Cocktail (das Rezept ist nach Vintage Spirits and Forgotten Cocktails, andere Quellen haben leicht andere Mengenangaben).

Diki Diki Cocktail


Diki-Diki
1½ oz Calvados
 ½ oz Swedish Punsch
 ¾ oz Grapefruit-Saft
Auf Eis shaken.
[Rezept nach Robert Vermiere]


Ein wirklich angenehmer Drink, der durch den Calvados und den Swedish Punsch einen schönen süßen Apfelgeschmack erhält.

Manchmal gehen Experimente bei der eigenen Spirituosenherstellung schief; oft sind sie es den Aufwand nicht wirklich wert. Beim Swedish Punsch aber hat alles funktioniert und einen tollen Likör ergeben.

Das ist (fast) die perfekte Welle – Kona Brewing Big Wave Golden Ale

Aloha, liebe Genusstrinker! Bei der Weltumrundung in flüssiger Form kann man wohl nicht weiter weg von Deutschland als Hawaii, und seinem Kona Brewing Big Wave Golden Ale. Rentiert sich der weite Weg, den das Bier hinter sich hat? Wird uns eine goldene Welle von Glückseligkeit überspülen? Werden wir nach dem Genuß die Swingin‘ Hula Girls tanzen sehen?

Kona Brewing Big Wave Golden Ale

Direkt nach dem Eingießen sehe ich keinerlei Schaumwelle, fühle aber dennoch eine überraschende Menge an Kohlensäure. Ein Bier, äußerst fruchtig, Orange, Grapefruit, und vielleicht bilde ich mir das aufgrund der Thematik dieses Biers nur ein, aber ich meine, Ananas zu schmecken. Mit Sicherheit eins der fruchtigsten Biere, die ich bisher getrunken habe. Vom zugrundeliegenden Charakter erinnert es etwas an ein Weizen- oder Witbier.

Im Mund habe ich ein seltsames Gefühl bei diesem Bier, als wäre es schal. Eine starke Trockenheit ist schon direkt beim ersten Schluck da, und eine dezente, ansprechende Bitterkeit mit 20 IBU. Aber zwischen bitter-trockenem Abgang und superfruchtigen Aromen fehlt irgendwas. Kaum Körper oder Volumen, es ist wie bei einem Musikstück, das nur aus Höhen und Bässen besteht, und die ganzen mittleren Tonspuren, die die Melodie tragen, fehlen.

Dennoch ein leichtes, sehr erfrischendes Bier; als Beigabe zum Essen ist es ungeeignet, weil es durch andere Aromen überfordert ist. Es hält auch nicht lange vor, die Aromen verschwinden schnell wieder vom Gaumen. Ein schönes Bier als exotische Abwechslung für den privaten Biergarten, oder auch, mit 4,4%, als verrücktes Bürobier fürs „Bier um Vier“, mehr aber leider nicht. Das Brauereimotto „fresh, responsible, always aloha“ kann ich allerdings bedingungslos unterschreiben.

Und die schönen, ins Glas eingelassenen hawaiianischen Inseln bei der Flaschenversion finde ich auch toll, auch wenn mir persönlich die Dose tatsächlich noch hübscher gestaltet vorkommt.

Kona Brewing Big Wave Golden Ale Vergleich mit Flasche

In Deutschland ist es für meinen Geschmack mit 3€ aber viel zu teuer für das, was es liefert. Für die Hälfte des Preises würde ich es öfters trinken – mit dieser Preisstruktur, natürlich durch den Import begründet und letztlich auch verständlich, wird dieser Ausflug ins hawaiianische Bierparadies ein einmaliger Urlaub bleiben.