Die Vitalienbrüder trinken kein Pils – Störtebeker Whisky-Bier

Hohoho! Und ne Buddel voll… Bier! Wir Fans von Piraten mussten uns bisher mit Tafia, Rum und anderem Hochprozentigem rumschlagen, und konnten uns nicht mit Landratten-Getränken wie Bier vergnügen. Es wurde Zeit, dass eine Brauerei sich endlich erbarmt und ein Piratenbier herstellt. Wer könnte einer norddeutschen Brauerei aus der Hansestadt Stralsund dann besser Pate stehen als Klaus Störtebeker, der der Hanse so manche schlaflose Nacht auf See bereitete? Das Störtebeker Whisky-Bier ist eines der neuen Produkte des Herstellers, gebraut mit britischem Whisky-Malz.

stoertebekerwhiskybier-glasDie Farbe ist hübsches Hennarot, das sehr gut im Glas wirkt. Im Glas ist schon nach wenigen Sekunden kein Schaum mehr vorhanden; die kräftige Kohlensäure sorgt dafür, dass das Bier dennoch erfrischend kitzelt.

Geruch ist ebenso praktisch keiner erkennbar, vielleicht eine kleine metallische Note. Sehr süß und malzig ist dann der Geschmack, und mit einem leichten Hopfen nur wenig bitter, minimal fruchtig ist es, und hat eine schwache Säure. Insgesamt finde ich enttäuschend wenig Körper und Dichte, für ein Bier mit 9% und der Vermarktung als Whiskybier ist das recht schwach.

stoertebekerwhiskybier-flascheDer Geschmack ist tatsächlich deutlich rauchig, ich empfinde ihn aber als nicht wirklich angenehm. Er geht mehr in die Richtung eines speckigen Rauchs, der zum Räuchern eingesetzt wird. Schwarzwälder Schinken mag ich eigentlich, aber wenn man den Geruch auf ein Bier überträgt, hält sich meine Begeisterung stark in Grenzen. Den torfigen Rauch eines Whiskys, oder Whiskyaromen, finde ich hier nicht. Bei jedem Schluck denke ich an geräucherten Hering – vielleicht ist die Etikettenillustration kein Vitalienbrüder-Schiff, sondern ein Fischkutter?

Erneut, alle Kritikpunkte, die ich auch bei einem anderen Piratenbier, dem Hornbeer Caribbean Stout, äußerte, sind auch hier zu finden: Eine Halbliterflasche ist zu groß für ein Spezialitätenbier, den Zuckerzusatz, immerhin auf dem Etikett ausgewiesen, finde ich zumindest fragwürdig. Leider hat das Störtebeker Whisky-Bier keinen der positiven Punkte, die ich beim Caribbean Stout fand. In Mixology 5/2015 wurde es gelobt, unter anderem ein Kaufgrund für mich, aber das bin ich inzwischen gewohnt bei diesem Magazin, dass unsere Geschmacksmeinungen sehr oft weit auseinander gehen.

stoertebekerwhiskybier-flaschenpackNun habe ich noch 3 Flaschen dieses Biers, gekauft im 4-Flaschen-Paket, für 7€, von denen ich fast sicher bin, sie selbst nicht zu trinken; das überzeugt mich davon, nie wieder Gebinde zu kaufen, sondern nur noch Einzelflaschen, wenn ich das Produkt nicht kenne. Ich werde die Flaschen wahrscheinlich an Kollegen als Probe verschenken – vielleicht findet sich da einer, der dieses Bier mehr zu schätzen weiß als ich. Und vielleicht entdeckt dann ein mutiger Bierkolumbus darunter auch den namensgebenden Whisky, den ich nicht finden konnte auf meiner Expedition.

Nachtrag 06.11.2015: Keiner der Beschenkten konnte meine Meinung widerlegen. Leider stimmten alle darin überein, dass dieses Bier eher nicht erneut ins Glas kommt. „Die eingeschlafenen Füße eines schottischen Bierbrauers“ war ein Kommentar über den Geschmack. Ich stimme zu.

Kandierter Zuckerorangenextrakt – Chadess Liqueur d’Orange Bitterorangenlikör

Discounter haben ihren Ruf bezüglich Qualität deutlich aufpoliert in den letzten Jahren, insbesondere seit bekannt ist, dass viele ihrer Waren umfirmierte Markenprodukte sind. Da liegt es nahe, sich auch im Spirituosenbereich mal in der Auslage eines Aldi-Markts umzuschauen; Sparfüchse wie ich erhoffen sich davon eine günstige Alternative zu Markensprit. Eine Zutat, die man bei klassischen Cocktails häufig braucht und man einen entsprechenden Verbrauch hat, ist Triple Sec. Wie passend, dass Aldi auch einen Bitterorangenlikör im Angebot hat, unter dem Namen Chadess Liqueur d’Orange.

chadess-flascheDie Flasche hat etwas klassisches: Langhalsig und dickbäuchig. Ein schönes Etikett und ein Siegel dazu, und schon ahnt niemand mehr, dass diese Flasche aus dem Discounter stammen könnte (für die Heimbarmixer, die einen Ruf zu wahren haben, zwinker zwinker).

Die Farbe ist, wie für einen Triple Sec zu erwarten war, klar; die Konsistenz recht dickflüssig. Ein sehr schöner, süßlicher, milder Orangengeruch entströmt dem Verkostungsglas, es erinnert an vorweihnachtliche Kindertage, als Mandarinen zum ersten Mal ins Haus kamen, und diese nicht das ganze Jahr über erhältlich waren.

Geschmacklich ist dieser Chadess nur bedingt pur trinkbar. Klebrig süß, der Orangengeschmack geht unter all dem Zucker unter, es bleibt nur ein Hauch davon auf der Zunge. Keinerlei Säure oder Bitterkeit, was man vielleicht von Orangen erwartet. Vielleicht etwas wie die orangefarbenen Nimm-2-Bonbons. Uff, das klebt am Gaumen, und nichts von der schönen Nase ist übriggeblieben.

Letztlich ist ein einfacher Triple Sec wie der Chadess halt eine Cocktailzutat, dessen Aufgabe oft nur ist, eine gewisse Fruchtsüße in den Cocktail zu bringen. Moderne Rezepte verzichten gern auf diese Komponente und ersetzen sie durch andere Süßungsstoffe, wie der Triple Sec ersetzt wird durch Agavendicksaft in Tommy’s Margarita. Da der Triple Sec seine Cocktailarbeit meist im Hintergrund verrichtet, und praktisch nie als definierender Geschmacksträger vorkommt, ist die Angabe eines Signatur-Cocktailrezepts etwas schwierig; der bekannteste Cocktail mit Triple Sec ist aber wahrscheinlich die Margarita.

margarita-cocktail


Margarita
1½ oz Tequila Blanco (z.B. Agavita Platinum)
½ oz Chadess Bitterorangenlikör
1 oz Limettensaft
In einem Glas mit Salzrand servieren


Als Fazit halte ich fest: Der Chadess von Aldi ist ein halbwegs passabler Triple Sec, der über den Preis (7€) und die leichte Erhältlichkeit punkten kann, allerdings schon extrem süß ist, selbst für einen Likör. Wem Aldi-Sprit zu poplig ist, kann durch geringen Aufpreis zu Le Favori wechseln, der etwas weniger süß und geschmacklich spannender ist; und wer für die die höhere Gesellschaft mixt, greift zu Grand Marnier Cordon Jaune, oder Cointreau, der erkennbar feiner und vielschichtiger vom Geschmack ist.

Bergsteigen für Genießer – Underberg

Wer hat sie nicht noch im Ohr, die Werbung von Underberg aus den 90ern. Dass der beliebte Bitter es nicht geschafft hat (oder nicht gewillt ist), sein „semper-idem“-Altherrengetränk-Image seitdem abzulegen (im Gegensatz zu beispielsweise Jägermeister, das zum Partygetränk mutiert ist), ist schade; gerade in Zeiten, in denen Bitter auf den Cocktailkarten wieder zurückkehren, ist das eine vertane Chance gewesen. Nur mit dem „nach-dem-Essen“-Motto kann man heutzutage keinen mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Dabei hat Underberg eigentlich schon was zu bieten, was auch modernen Genusstrinkern gefallen kann.

underberg-doseDer Bitter als Spirituosenkategorie hat eine sehr alte Geschichte. Die ultrabittere Konkoktion aus Kräutern, Fruchtteilen und natürlich Alkohol wurde zunächst als Tonikum, zur Stärkung und Kräftigung von Körper und Geist, verkauft. Man denkt dabei gern an den Schlangenölhändler Docteur Doxey aus Lucky Lukes siebtem Abenteuer.

Docteur Doxey
Lucky Luke: L’élixir du Docteur Doxey © Dupuis

Ob es nun wirklich, wie gern und oft beworben, gut für den Magen nach dem Essen ist („Magenbitter“ wurde ja besonders in Deutschland zu einer eigenen Spirituosenkategorie), sei dahingestellt – diese Annahme ist wohl auch ein Relikt aus dieser Zeit. Irgendwann entdeckte man, dass das Zeug, wenn man sich mal daran gewöhnt hat, auch ganz gut schmecken kann; und mit Aufkommen der Cocktailkultur ab Mitte des 19. Jahrhunderts war der Bitter als feiner Twist in einem Cocktail nicht mehr wegzudenken.

Der Underberg selbst riecht sehr herbal, mit Kardamom, Muskat und Nelken im Vordergrund; sehr gefällig und angenehm. Im Mund ist eine starke Lakritznote, ein eher süßlicher Ton, dann vorherrschend. Dagegen kommen nicht viele andere Gewürzanklänge an, doch die Nelke ist wieder da, ein Eukalyptus-Gefühl und der Alkohol erzeugen einen beeindruckend räumliches Mundgefühl. Auf jeden Fall einzigartig und mit hohem Wiedererkennungswert.

Dass man Underberg auch heute in einer Bar gut einsetzen kann, zeigt der überraschende Underberg Sour. Eine sehr faszinierende Mischung, die man auch nach dem Essen trinken kann. Oder vor dem Essen. Bei diesem tollen Geschmack wahrscheinlich beides – Kenner erkennen vielleicht den Trinidad Sour dahinter.

Underberg Sour


Underberg Sour
1 Fläschchen Underberg
1 oz Mandelsirup
1 Spritzer Orange Flower Water
½ oz Rye Whiskey (z.B. Rittenhouse Rye BiB)
¾ oz Limettensaft


Persönlich gefällt mir die Aufmachung, in den kleinen Fläschchen, mit Packpapier umwickelt, und einem Medikamentenbeipackzettel nachahmenden Etikett. Wenn man die Fläschchen dann noch schön in einem Glashalter präsentiert, greift selbst der härteste Bitterhasser bestimmt zu.

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…und wenn einem dann doch der Schnaps zuviel Alkohol enthält, oder ein „Teatotaller“ nach dem Essen dennoch gern den Geschmack dieses Bitters verkosten würde, biete man einfach die entsprechenden, in der Apotheke erhältlichen Kräuterbonbons an – sie werden tatsächlich als „Digestifbonbons“ vermarktet und schmecken wirklich sehr ähnlich wie der Bitter. Und sie sind garantiert alkoholfrei.

Kräuterberg Kräuterbonbons

Linus‘ Kuscheldecke kann nicht flauschiger sein – Woodford Reserve Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Ein durchdringendes Vanille-Aroma steigt einem direkt in die Nase, wenn man den Korken von einer Flasche Woodford Reserve Kentucky Straight Bourbon Whiskey zieht. Sehr zart, und gleichzeitig fast ein bisschen fruchtig. Und im Mund zeigt sich, wie weich ein Whiskey sein kann. Der Bourbon legt sich wie eine Kaschmir-Wolldecke in den Mundraum, kuschlig und warm. Der Abgang zeigt dann die Volumenprozente schon, aber auch hier ist der Woodford Reserve zurückhaltend, und komplettiert den sonst fast zu femininen Geschmackseindruck mit einer maskulinen Schärfe, die am Ende durch eine nussige Note abgeschlossen wird.

Woodford Reserve Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Im Regal macht sich die Flasche natürlich auch toll. Sehr zeigefreudig dient nur ein winziges Etikett mit aufgedruckter Batch- und Fassnummer, sowie ein dezentes Labelling als Feigenblatt – die glorreiche Farbe strahlt für sich in der schmalen, extravaganten Flasche.

Insgesamt also eher ein Feingeist unter den Bourbons, und entsprechend muss man ihn einsetzen. Der Woodford Reserve hat es schwer gegen grobe Cocktailzutaten, er ist mehr ein Snooker- als ein Rugby-Spieler. Doch gerade seine heftige Vanille macht ihn perfekt für zum Beispiel einen Kentucky Buck.

Kentucky Buck Cocktail

Kentucky Buck
2 oz Woodford Reserve Kentucky Straight Bourbon Whiskey
  ¾ oz Limettensaft
  ½ oz Zuckersirup
1 gemuddelte Erdbeere
2 Spritzer Celery Bitters
…und das ganze aufgießen mit einem Schuss Ginger Beer.


Der Woodford Reserve ist auch der klassisch verwendete Bourbon für einen der ikonischsten Cocktails Amerikas überhaupt: den Mint Julep. Wer einen davon machen will, stilgerecht in einem Silberbecher serviert, sollte zumindest diesen Whiskey in die engere Wahl einbeziehen.

Wenn man einen weichen Bourbon sucht, vielleicht als Geschenk, kann man mit dem Woodford Reserve nichts falsch machen. Er ist oft in Supermärkten erhältlich, zu moderaten Preisen für die gelieferte Qualität.

Ich mach mir den Punsch wiede-wiede-wie-der mir gefällt – Swedish Punsch

Die Hintergrundgeschichte für dieses neue Experiment ist zweigeteilt. Einerseits habe ich eine große Flasche Arrak im Regal stehen, der nur wenig Einsatzzeit im Cocktailspiel bei mir bekommt. Andererseits habe ich in Ted Haigh’s Cocktailbuch den einen oder anderen klassischen Cocktail gesehen, den ich gern nachkochen würde – doch es fehlt mir eine vergessene Zutat: Swedish Punsch. Da ich keine Ahnung habe, wie Swedish Punsch aussieht oder schmeckt, und er zwar in Flasche in Europa gut zu bekommen ist (Carlshamns Flaggpunsch wäre ein Beispiel), ich aber gern experimentiere, versuche ich ihn heute mal selbst herzustellen, gemäß dem Pippi-Langstrumpf-Motto im Titel.

swedishpunsch-zutaten

Ich halte mich grob an das DIY Swedish Punsch-Rezept von Marcia Simmons, allerdings verwende ich natürlich Arrak statt Cachaça, den sie benutzt, weil an Arrak in den USA scheinbar noch schwerer heranzukommen ist als an Swedish Punsch, lasse den Rum nicht weg, und nutze chinesischen Qualitätsschwarztee statt einem Darjeeling-Teebeutel.

swedishpunsch-arrackbasis


Arrak-Zitronen-Infusion
1 Zitrone, ein dünne Scheiben geschnitten
1 Nelke
1 gute Prise gemahlener Kardamom
8 oz Arrak (z.B. Boven’s Echter Arrak)
2 oz Demerara-Rum (z.B. El Dorado 12)


Alle Zutaten der Arrak-Zitronen-Infusion in ein Glas geben, schütteln und einen Tag stehen lassen. Am nächsten Tag kann man schonmal beginnen, den Schwarztee-Sirup herzustellen.

swedishpunsch-teesirup


Schwarztee-Sirup
1 Teelöffel Schwarztee (z.B. Keemun Superior von Tea Pavilion)
4 oz heißes Wasser
150g Zucker


Den Tee mit dem Wasser aufbrühen und ziehen lassen, abfiltern, und den Zucker einrühren, dann abkühlen lassen.

Nun seihe man die Arrak-Zitronen-Infusion durch ein Teefilter oder Passiertuch, um Zitronenfruchtfleisch und Gewürzreste zu entfernen; dann wird die gefilterte Infusion mit dem Schwarztee-Sirup gut vermischt und in eine Flasche oder Karaffe abgefüllt. Erneut über Nacht ruhen lassen. Die eingelegten Zitronen werfe ich nicht weg; ich habe eine Dose Pfirsiche inklusive Sirup aus der Dose dazu ins Glas gekippt, und habe damit einen Tag später eine perfekte Auflage für ein Toast Hawaii mit gewürzten Pfirsichen.

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Geschmacklich hat diese Mischung doch einiges zu bieten – für Likörfreunde ist die sehr süße Mischung aus Zitrus-, Tee- und Rumaroma vielleicht ansprechend. Ich kann mangels Vergleich nicht beurteilen, ob er so schmeckt, wie Swedish Punsch schmecken soll, aber die hergestellte Mixtur ist doch schonmal lecker. Ansonsten habe ich mir den Swedish Punsch natürlich als Cocktailzutat, wie eingangs erzählt, hergestellt. Beginnen kann man mit dem Diki-Diki-Cocktail (das Rezept ist nach Vintage Spirits and Forgotten Cocktails, andere Quellen haben leicht andere Mengenangaben).

Diki Diki Cocktail


Diki-Diki
1½ oz Calvados
 ½ oz Swedish Punsch
 ¾ oz Grapefruit-Saft
Auf Eis shaken.
[Rezept nach Robert Vermiere]


Ein wirklich angenehmer Drink, der durch den Calvados und den Swedish Punsch einen schönen süßen Apfelgeschmack erhält.

Manchmal gehen Experimente bei der eigenen Spirituosenherstellung schief; oft sind sie es den Aufwand nicht wirklich wert. Beim Swedish Punsch aber hat alles funktioniert und einen tollen Likör ergeben.

Das ist (fast) die perfekte Welle – Kona Brewing Big Wave Golden Ale

Aloha, liebe Genusstrinker! Bei der Weltumrundung in flüssiger Form kann man wohl nicht weiter weg von Deutschland als Hawaii, und seinem Kona Brewing Big Wave Golden Ale. Rentiert sich der weite Weg, den das Bier hinter sich hat? Wird uns eine goldene Welle von Glückseligkeit überspülen? Werden wir nach dem Genuß die Swingin‘ Hula Girls tanzen sehen?

Kona Brewing Big Wave Golden Ale

Direkt nach dem Eingießen sehe ich keinerlei Schaumwelle, fühle aber dennoch eine überraschende Menge an Kohlensäure. Ein Bier, äußerst fruchtig, Orange, Grapefruit, und vielleicht bilde ich mir das aufgrund der Thematik dieses Biers nur ein, aber ich meine, Ananas zu schmecken. Mit Sicherheit eins der fruchtigsten Biere, die ich bisher getrunken habe. Vom zugrundeliegenden Charakter erinnert es etwas an ein Weizen- oder Witbier.

Im Mund habe ich ein seltsames Gefühl bei diesem Bier, als wäre es schal. Eine starke Trockenheit ist schon direkt beim ersten Schluck da, und eine dezente, ansprechende Bitterkeit mit 20 IBU. Aber zwischen bitter-trockenem Abgang und superfruchtigen Aromen fehlt irgendwas. Kaum Körper oder Volumen, es ist wie bei einem Musikstück, das nur aus Höhen und Bässen besteht, und die ganzen mittleren Tonspuren, die die Melodie tragen, fehlen.

Dennoch ein leichtes, sehr erfrischendes Bier; als Beigabe zum Essen ist es ungeeignet, weil es durch andere Aromen überfordert ist. Es hält auch nicht lange vor, die Aromen verschwinden schnell wieder vom Gaumen. Ein schönes Bier als exotische Abwechslung für den privaten Biergarten, oder auch, mit 4,4%, als verrücktes Bürobier fürs „Bier um Vier“, mehr aber leider nicht. Das Brauereimotto „fresh, responsible, always aloha“ kann ich allerdings bedingungslos unterschreiben.

Und die schönen, ins Glas eingelassenen hawaiianischen Inseln bei der Flaschenversion finde ich auch toll, auch wenn mir persönlich die Dose tatsächlich noch hübscher gestaltet vorkommt.

Kona Brewing Big Wave Golden Ale Vergleich mit Flasche

In Deutschland ist es für meinen Geschmack mit 3€ aber viel zu teuer für das, was es liefert. Für die Hälfte des Preises würde ich es öfters trinken – mit dieser Preisstruktur, natürlich durch den Import begründet und letztlich auch verständlich, wird dieser Ausflug ins hawaiianische Bierparadies ein einmaliger Urlaub bleiben.

Bananensaft, die zweite – Jack Daniel’s Single Barrel Select Tennessee Whiskey

Ich wurde gefragt, ob man den Jack Daniel’s Single Barrel Select mögen kann, wenn einem der „normale“, also wahrscheinlich Old No. 7, nicht schmeckt. Ich würde sagen, nein, denn letztlich ist der Single Barrel eine stärkere Version der Old No. 7 mit seinen bekannten Geschmacksnoten. Wie ich schon zu jener bekanntesten Abfüllung der Firma Jack Daniel sagte, ist für mich das beherrschende Aroma Banane – und auch hier, im Single Barrel, ist das der Fall, nur noch einen Tick intensiver.

Jack Daniel's Single Barrel Select Tennessee Whiskey

Intensiver ist auch die Farbe – ein sehr schönes Gold, das im Glas glitzert. Die sehr kräftige, aromatische Nase setzt sich dann auch im Mundgefühl fort – da hat man was im Mund, einerseits süß und karamellig (und, ich kann es nicht oft genug sagen, bananig), andererseits ist der Alkohol, mit 45% nicht gerade wenig, etwas zu deutlich im Vordergrund, gerade beim Abgang – da spürt man schon die Prozente den Rachen runtergurgeln. Da gibt es Bourbons, die bei gleicher Alkoholmenge diese zarter abliefern. Jack Daniel’s Single Barrel Select gehört für mich deshalb zu den kräftigeren, wuchtigeren amerikanischen Whiskeys, etwas für den Gaumen, der mit Alkoholziepen zurechtkommt und das schätzen kann – und dann mit einer edlen, angenehmen Trockenheit, ungewöhnlich für amerikanische Whiskeys, belohnt wird.

jackdanielssinglebarrel-farbeGerade diese erhöhte Alkoholmenge und der doch deutlich intensivere, würzigere, kräftigere Geschmack sorgen dafür, dass man diesen Whiskey auch perfekt in Cocktails einsetzen kann, die nach Bourbon verlangen, auch wenn man hier einen Tennessee-Whiskey vor sich hat, und nicht nur in Longdrinks. Zum Beispiel in einer Naughty Belle-Variation. Auch wenn eigentlich Georgia der Pfirsich-Staat der USA ist, passt die Kombination doch perfekt.naughtybelle-cocktail


Naughty Tennessee Belle
1½ oz Jack Daniel’s Single Barrel Select Tennessee Whiskey
½ Dosenpfirsich
1 oz Sirup aus der Pfirsichdose
½ oz Limettensaft
Pfirsich mit allen Zutaten gut muddeln und mit Crushed Ice servieren


jackdanielssinglebarrel-barrelnumberDie Flasche selbst ist sensationell – ein sehr schöner „Decanter“-Stil, mit Glasprägung der Unterschrift des Unternehmensgründers, einem edlen Holzstöpsel auf dem Korken und einem edlen, zurückhaltenden Etikett. Am Flaschenhals dann die in einer Einzelfassabfüllung obligatorischen Angaben über Fass- und Regalnummer.

jackdanielssinglebarrel-stopper
Ein Hingucker und, da der Preisunterschied zum Old No. 7 nicht so wirklich groß ist, eine Empfehlung für Whiskeykenner, denen der schwarzgelabelte Jack zu weicheirig ist.

Die Rumkanonenkugel – Pampero Aniversario Reserva Exclusiva

Natürlich muss man bei einem solch extrovertierten Rum wie dem Pampero Aniversario Reserva Exclusiva als allererstes das ansprechen, was einem als Käufer sofort ins Auge springt: die Aufmachung. Eine dicke, kleine Flasche mit Kunstsiegel, ein hübsches Etikett und der sehr repräsentative Lederbeutel, der die Flasche eng umschmiegt machen diesen Rum zu einem Hingucker im Regal. Dieser Aufmachung ist ein langsamer Unboxing-Report durchaus angemessen.

pampero1Der Lederbeutel ist das Markenzeichen dieses Rums. Eingeprägt ist eine Reproduktion des Flaschenetiketts, mit dem aufsteigenden Pferd als Logo der Marke. Ein Lederzugriemen hält den Beutel oben am Flaschenhals zusammen. Das Leder des Beutels fühlt sich sehr weich, fast samtig an.

pampero2Vorsichtig öffnen wir den Zugriemen, und legt den Inhalt frei. Ich hoffe, ich höre mich nicht an, wie jemand, der den BH einer Stripperin öffnet und vor dem freigelegten Anblick erstarrt; es hat aber schon was sinnliches, diesen Rum auszupacken. Sowas gibt in der Endbewertung Extrapunkte, das bietet wirklich nicht jede Spirituose.

pampero-flascheNun steht die Flasche vor uns, wie Gott sie schuf – kurz und etwas kugelig, eine Rumkugel sozusagen. Ein hübsches, altmodisches Etikett, ein Siegel, und die Farbe des Rums, schön kräftig dunkel, wissen insgesamt sehr zu überzeugen.

Der Geruch dieses venezuelanischen Rums ist verwirrend – man könnte ihn eigentlich für einen Bourbon halten, so karamellig und trotzdem eichenwürzig kommt er daher. Auch vom Geschmack her bekommt man eine sehr spannende Dosis von Aromen ab – und obwohl er natürlich durchaus süß ist, sind es diese leichten Seitenaromen von Nuss, Karamell, Schokolade und Pflaumen, die zusammen mit der sehr angenehmen Schärfe (ganz ohne ist dann halt doch langweilig) ein insgesamt spannendes Mundgefühl ergeben, das neben dem Purgenuss den Pampero Aniversario mit seinen ca. 4 Jahren Reifung zu einem hervorragenden Qualitäts-Mixrum macht. Das eigentlich fast perfekte Preisleistungsverhältnis sorgt schließlich dafür, dass man diesen Rum nicht auslassen kann – ein Schnäppchen für Sipper und eine hochqualitative Zutat für Mixer.

Was für ein Cocktail könnte für diesen dunklen, süßschokoladigen Rum besser passen als ein Jackie Brown?

Jackie Brown Cocktail


Jackie Brown
2 oz / 60ml gereifter Rum
¼ oz / 10ml Ahornsirup
¼ oz / 10ml Bénédictine
2 Spritzer Xocolatl Mole Bitters
Auf Eis rühren.
[Rezept nach unbekannt]


Allerdings muss man zuguterletzt eine Sache ansprechen: um die 12g/L Zucker werden auch hier, wie bei vielen „Premium“-Rums üblich, nach dem Destillieren zugesetzt, um das Produkt süßer, qualitativer und hochwertiger erscheinen zu lassen – 12 Gramm sind im Vergleich zu anderen Rums, wie dem Botucal, Zacapa, El Dorado oder Vizcaya allerdings fast wenig. Das entschuldigt natürlich nicht das Vorgehen; zumindest tut aber Pampero mit diesem Rum nicht so, als sei es die Krone der Rumwelt, wie die Vorgenannten es gern machen; und auch preislich liegt dieser Rum in einer Kategorie, dass ich sage: Wenn schon gesüßt, dann der Pampero Aniversario Reserva Exclusiva.

Vornehme belgische Blässe – Corsendonk Blanche d’Ardenne

Der vielleicht dem einen oder anderen bekannte Name Corsendonk ist in Bezug auf Bier heutzutage nur noch ein Markenname. Andere Brauereien, hauptsächlich die Brasserie Du Bocq, haben die Namen der beliebten Biere nach der Schließung der Corsendonk-Brauerei in den 50er Jahren gekauft und vertreiben verschiedene Biere bis heute weiterhin unter dieser Marke. Bei einem dieser Biere, dem Corsendonk Blanche d’Ardenne, handelt es sich um belgisches Witbier, das entfernt mit dem bayerischen Weizenbier verwandt ist.

blanchedardenne-borderDie Farbe ist wirklich sehr hell und bleich, passend zum Namen, und trübe, einem ungefilterten Bier angemessen. Schon direkt nach dem Zapfen ist nur dünner Schaum auf dem Bier, und auch dieser löst sich bald auf. Eine feine Perlage sorgt dafür, dass es trotzdem nicht schal wird, auch wenn insgesamt gefühlt nur wenig Kohlensäure vorhanden ist.

Beim belgischen Witbier sind diverse Zusätze beim Brauprozess üblich, wie Koriander und Orangenschalen, die dem Bier eine für deutsche Reinheitsgebotsbiertrinker ungewohnte Note verleihen. Ein feiner, leichter Duft, fast blumig, auf jeden Fall fruchtig, ist daher zwar überraschend, aber keineswegs unangenehm. Das geht auch in den Mund über – Beeren und wilde Früchte, aber auch ganz leicht pfeffrig, und ich bilde mir ein, Muskatnuss zu schmecken. Insgesamt ist aber eine süße Note doch klar im Vordergrund, mehr noch als bei einem Hefeweizen.

Interessant ist jedenfalls, dass das Blanche d’Ardenne ein etwas raues Gefühl am Gaumen hinterlässt, vielleicht von einer erst spät erkennbaren, von anderen Aromen überdeckten Säure. Es erinnert etwas an Milchsäure, wie bei der echten Berliner Weißen, noch so einem Verwandten des Witbier.

Die belgische Bierwelt ist eine praktisch unüberschaubare. Die belgische Kneipe bei uns in Saarbrücken, das Tempelier, hat Dutzende von belgischen Bieren in Flaschen und Fasszapfung im Angebot, und ich versuche, bei jedem Besuch dort ein anderes auszuprobieren. Viele davon vergesse ich relativ schnell wieder; das Blanche d’Ardenne dagegen ist eins, das ich immer wieder gern trinke. Keine Krone der Braukunst, aber ein idealer, erfrischender Durstlöscher zum Essen oder an heißen Tagen.

Damit kann man Diabetiker lähmen – Glossnerbräu Neumarkter Bio-Gold Heller Radler

Im Sommer im Biergarten sitzen, ein feines Radler zischen – früher habe ich das gern gemacht. Ich sitze immer noch gern im Biergarten, zum Beispiel am Staden in Saarbrücken, wenn nicht ganz so viel los ist, aber inzwischen bin ich umgestiegen auf das reine Bier; Radler ist mir nun oft zu süß. Dennoch habe ich mir beim letzten Besuch in einem Biomarkt ein Glossnerbräu Neumarkter Bio-Gold Heller Radler in den Korb gelegt; so abends, vor dem Fernseher, ist das ein bisschen leichter als all die schweren Stouts und bitteren IPAs, die ich sonst inzwischen trinke, dachte ich mir. Leider ist dieses Bio-Radler, eine 50:50-Mixtur aus Bio-Bier und Bio-Zitronenlimonade, das geschmacksärmste Getränk, das ich seit langem getrunken habe.

neumarkterbiogold-radler-completeGeruchlich völlig neutral. Geschmacklich völlig neutral. Nein, das ist falsch, man schmeckt schon was: eine extreme künstliche Süße auf der Zunge. Auf dem Etikett ist eine große Zitrone abgebildet, und das ist auch schon das einzige, was diese Mixtur mit Frucht gemein hat – nach Frucht schmecken tut es jedenfalls nicht, nur nach Zucker. Das Spannende: Es hat auch keinerlei Biergeschmack, erst ganz spät merkt man ein leichtes Bierkratzen im Rachen. Ich bin verblüfft – wie kann sich so ein ultralangweiliges Getränk überhaupt verkaufen? Am positiven Ende bleibt entsprechend nicht viel übrig: Die Farbe ist schön, wenn auch sehr hell, wie für Radler allerdings üblich, und die Perlage ist durchaus angenehm.

Das Titelzitat stammt natürlich, wer kennt es nicht, vom „Stefan“ aus der Fernsehserie „Familie Heinz Becker“. Er hat das in Staffel 3, Episode 4 („Alle Jahre wieder“ – 23:40) zwar über einen Sekt gesagt, es passt aber auch wunderbar auf diese Zuckerbrühe.

Schade, und etwas überraschend, weil das originale Bio-Gold vom selben Hersteller eigentlich ein vernünftiges, wenn auch etwas konventionelles Bier ist, das ich gern und öfters trinke. Das Radler dagegen lasse ich in Zukunft weg, sei es nun Bio oder nicht.