Märchen aus Tausendundeiner durchzechten Nacht – Butlers 1001 Cocktails

»O meine Schwester! wenn du nicht schläfst, so erzähle uns von deinen schönen Geschichten, daß wir die Nacht dabei durchwachen, vor Tagesanbruch will ich dir dann Lebewohl sagen, denn ich weiß ja nicht, wie es morgen mit dir enden wird.« Schehersad fragte den Sultan um Erlaubnis, und als er diese erteilte, ward sie hocherfreut und begann…

Wenn der Sultan aus Tausendundeiner Nacht nun aber gern statt Geschichten jeden Abend einen neuen Drink gehabt hätte, wäre Schehersad schön aufgeschmissen gewesen. Doch für Leute wie sie hat der Hausverlag der Butlers-Heimdekorationskette eine Lösung: Ein dickes Cocktailbuch mit 1001 Rezepten.

Artikelnummer: 10189854Das Hardcover weist 320 Seiten aus dickem Hochglanzpapier auf. Die Bindung ist relativ locker, so dass man das Buch aufgeklappt hinlegen kann; das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil für ein Rezeptbuch, da man beim Mischen selten eine Hand freihat, um das Buch aufzuhalten.

Das besondere an diesem Buch ist, dass tatsächlich auch für jeden Cocktail zumindest ein Teilfoto gemacht wurde; ein Aufwand, den sich die allermeisten anderen Cocktailbücher gern sparen. Letztlich gehört zu einem Cocktail aber immer der optische Eindruck – ein Rezept ohne Foto ist für mich daher immer nur zweitklassig.

butlers-1001cocktails-seitenbeispiel1Jedes Rezept besteht aus der Zutatenliste, einem anekdotischen Untertitel und einer kurzen Anmerkung, die Zubereitungshinweise enthält. Der eine oder andere Cocktail bekommt dann sogar ein ganzseitiges Foto spendiert.

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Das Buch ist in Hauptspirituosen unterteilt – also nicht unbedingt die mengenmäßig größte Zutat, sondern die definierende. Alkoholfreie Cocktails bekommen auch einen Abschnitt (man vergebe mir, dass ich so etwas perverses nicht lese und beurteile). Der Index am Ende des Bands schlüsselt dann nach jeder beteiligten Spirituose auf – wenn man also beispielsweise noch einen Rest Dubonnet im Schrank hat, kann man im Register die Cocktails finden, mit denen man den Rest auch vollends loswird. Die Mengenangaben sind in cl gehalten.

Persönlich halte ich nicht viel von reinen Rezeptebüchern. Sie wirken wahllos und helfen nicht, sich einen Cocktail für den Abend herauszusuchen – es geht nur darum, den Wettbewerb um die meisten Rezepte zu gewinnen. Meist landen solche Bücher schnell im Regal zum Verstauben. Ein gutes Cocktailbuch dagegen führt den Leser, es hat einen Fokus auf eine bestimmte Art von Cocktail, auf eine Epoche der Cocktailgeschichte oder eine spezielle Spirituose. Für mich ist das Butlers-Buch daher mehr ein Schmöker, den man hin und wieder so ein bisschen durchblättert, und sich von den vielen, hübschen Fotos inspirieren lässt – für mich der einzige Pluspunkt dieses Buchs.

Die Geschichten Schehersads dagegen haben den Sultan königlich unterhalten und aus ihm einen besseren Menschen gemacht; wenn man die 1001 Drinks in diesem Buch durch hat, ist man bestimmt auch verändert, zumindest die Leber.

Am folgenden Morgen schenkte der König in Anwesenheit aller Truppen seinem Schwiegervater, dem Vezier, ein prachtvolles Ehrenkleid und dankte ihm dafür, daß er ihm seine Tochter zur Frau gegeben, welche ihn von ferneren Mordtaten abhielt. Er beschenkte dann auch die übrigen Veziere, Emire und Großen des Reiches und ließ die Stadt auf seine Kosten beleuchten, allerlei öffentliche Spiele und Belustigungen veranstalten und den Armen viele Almosen aus seiner Schatzkammer austeilen. Er herrschte dann noch viele Jahre in Glück und Freude, bis ihn der Tod überraschte, mit dem alles irdische endet.

Und damit auch diese Rezension. Wer mehr über die Tausendundeine Nacht erfahren will, schaue sich statt der kostenlosen, hier zitierten, veralteten Weil-Übersetzung aber besser die moderne Übersetzung von Claudia Ott an, oder die von Enno Littman. Wer auf viktorianische Sprache und üppige Wortwahl steht, greife zu Richard Burtons epochaler Übertragung. Ein bisschen Sekundärliteratur schadet bei einem so zentralen Text der Weltliteratur auch nicht.

Einen Echten, du Schurke! Rhum Negrita

Im Magazin Spiegel erschien 1964 ein Bericht über den Rumkrieg in Deutschland, der zwischen den alteingesessenen Rumverschnitt-Herstellern und den Verkäufern unverschnittenen Rums, inbesondere des französisch-kolonialen Rhum Negrita, ausbrach.

Auf dem TV-Bildschirm flimmert das Interieur einer Hafenspelunke. Vor der Theke schäkert ein blonder Seemann mit einer offenherzigen Kreolin und bestellt: „Einen Rum!“ Der fette, schmierige Wirt füllt ein Glas, doch der Seebär schlägt es ihm wütend aus der Hand: „Du Schurke, einen echten Rum habe ich verlangt.“

Mit derart harter Werbung für „echten Rum“ von den tropischen Inseln Martinique, Guadeloupe und Reunion sind die Franzosen in den gehegten Markt eingebrochen, über dem bislang allein „die Sonne Jamaicas“ aus Flensburg schien.

Das ganze ging 1966 noch weiter; es dauerte also eine erkleckliche Weile, bis auch deutsche Rumfreunde lernen konnten, wie Rum tatsächlich schmeckt. Noch heute findet man Rumverschnitt in Supermärkten; meist sind es aber nur kleine Fläschchen, die bei den Backzutaten liegen, oder als Grog-, Koch- oder Teezutat genutzt werden; er hat den Kampf gegen den „echten“ Rum also klar verloren. Gottseidank, wer will schon einen Rum trinken, der nur zu 5% tatsächlich aus echtem Rum bestehen muss, und der Rest aus Primasprit und Wasser kommt darf.

Rhum Negrita

Der Rhum Negrita, der in den sechziger Jahren so über Deutschland hereinbrach, ist also ein wichtiger Teil der deutschen Rumgeschichte. Bis heute findet man ihn in Supermärkten, mit der alten, namensgebenden Titelfigur auf dem Etikett, bei der es wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die ausufernde political correctness auch diese Traditionsfigur aus unserem Blickfeld verbannt. Ich halte es da mit Capn Jimbo: Es ist gar nicht so schlecht, wenn man hin und wieder an die Vergangenheit erinnert wird, denn gerade der Sklavenhandel lebte lange Zeit vom Rum.

Beim Negrita handelt es sich um einen Blend aus Rums aus den französischen Überseedépartements Martinique, Guadeloupe und Réunion – dabei ist es aber kein „rhum agricole“, wie viele von dort, sondern ein „rhum traditionnel“, also ein Brand auf Melassebasis. Man muss keine feine Nase haben, um diesen Rum nach dem Eingießen im Glas zu erkennen: Die hocharomatischen, überwältigend süß-fruchtigen Noten, wie ich sie bei noch kaum einem anderen Rum gerochen habe, springen einem regelrecht ins Gesicht; dazu holzig-grasige Gerüche, die man als Rumfreund schon kennt.

Der Rum liegt mit einer öligen Konsistenz süß auf der Zunge und am Gaumen. Ich meine, Banane und Ananas herauszuschmecken. Ein leichtes Alkoholbrennen, eine gewisse Schärfe, die nicht unangenehm ist, gleicht die Süße sehr gut aus. Man schmeckt später eine deutliche Bitterkeit am Gaumen und Zäpfchen. Der Abgang ist sehr trocken mit Marzipan-Anklängen. Ein Hauch Lakritz. Ein stärkerer Hauch Lebkuchen: Sehr vielfältig und spannend im Spektrum ist dieser Rum, er erinnert an Jamaica-Rum mit seinen vielen Estern.

Ein Rhum traditionnel, der wunderbar auch in Cocktails verarbeitet werden kann, die einfach nach „dunklem Rum“ verlangen, und diesen dann einen verruchten kleinen Twist gibt. Selbstverständlich sind aber auch agricole-Rezepte, wie der Süßspeisenersatz Whispers in the Cane, ein ideales Einsatzgebiet.

Whispers in the Cane Cocktail


Whispers in the Cane
1½ oz gereifter Rhum agricole
¼ oz Chartreuse Jaune
¼ oz Kirschlikör
2 Spritzer Peychaud’s Bitters (alternativ The Bitter Truth Créole Bitters)
Auf Eis rühren.
[Rezept nach Chemistry of the Cocktail]


Es ist, ehrlich gesagt, kein Wunder, dass so ein Rum die Spirituosenwelt der 60er Jahre aufmischen konnte. Schade, dass er heute selbst vom Hersteller mit Kochrezepten auf dem Rückseitenetikett und einer auf Kochverwendung ausgerichteten Website in eine Nische gedrängt wird, die ein so charismatischer, attraktiver Rum keineswegs verdient.

Der Rhum Negrita ist ein netter Einstieg in die Welt des ungewohnten französisch-karibischen Rumstils. Wenn man noch wenig Erfahrung mit dieser ganz eigenen Gattung des Rums hat, weist dieser Rum einem sanft den Weg,  da er zwar schon den Charakter, aber nicht die Zähne, die ein weißer rhum agricole durchaus zeigen kann, aufweist; dazu mit einem brillianten Preisleistungsverhältnis. Darauf einen Echten, Ihr Schurken!

Man kann es drehen und wenden wie man will – Schweppes Dry Tonic Water

Im Zuge des modernen Gincrazes, in dem jede Woche neue Ginmarken auf die Verbraucher losgelassen werden – kein Wunder, ein Gin ist leicht und billig herzustellen, braucht nicht zu lagern und verspricht daher schnelle und gigantische Gewinnspannen – erlebt auch der Gin Tonic, oder neudeutsch Gin and Tonic, ein unerhörtes Revival. Für hippe Ginfreunde ist das Tonic Water die einzig erlaubte Kombination von Gin mit einer anderen Flüssigkeit, alles andere ist scheinbar Banausentum.

Wenn man teilweise absurde Preise von 40€ und mehr für eine Flasche Gin auf den Tisch legt, will man dann aber auch nur das Beste vom Besten als Filler in seinem Drink haben – das kann ich dann wiederum gut nachvollziehen und finde es auch richtig. Ebenso, wie die Ginmarken zahlenmäßig explodieren, wächst daher auch der Tonic-Markt entsprechend. Und eine traditionsreiche Marke wie Schweppes kann da nicht tatenlos zusehen, insbesondere, weil ihr Standardprodukt, das Indian Tonic, bei den Ginistas keinen besonders guten Ruf genießt. Das Dry Tonic Water ist eine neue Marke, die seit kurzem ausgerollt wird: ein Versuch, das gegenüber den kleineren Tonic-Herstellern verlorene Terrain wieder gut zu machen.

schweppesdrytonicwater-flaschenEin frisches, kühles Silber ist die Basisfarbe des neuen Tonics, in seltsam geformten Flaschen wird es verkauft. Doch man kann es drehen und wenden, wie man will, neue Etiketten und minimal andere Rezepturen entwickeln: Es ist und bleibt pappsüß. Das Dry Tonic Water hat einen recht trockenen Nachgeschmack, das gebe ich gern zu, doch im Mund pappt und klebt es erstmal, dass man glauben könnte, man hätte eine 7up oder eine Sprite im Mund.

Auch wenn es knapper Gewinner im Tonic-Water-Test der Mixology war: Das ist mir einfach zu süß, und ich kann mir die dortige Bewertung, ehrlich gesagt, nicht so recht erklären (wie das bei vielen Bestenlisten aller möglichen Produkte in der Mixology und sonstwo oft so ist). Aber Geschmäcker sind halt verschieden.

Ich jedenfalls bin froh, dass mein Barkeeper Dennis mich davor bewahrt hat, das neue, selbst in die Bar mitgebrachte Dry Tonic Water direkt auf den bestellten Leopold’s Small Batch Gin zu kippen – das wäre eine Verschwendung gewesen. Ein so feiner, wunderbarer Gin wäre durch den zuckrigen Overkill des Dry Tonic Water glatt desintegriert worden.

Im Einzelhandel sind die Flaschen noch nicht überall angekommen, man ist auf den Fachhandel angewiesen. Letztlich ist mir das aber egal – ich greife lieber zum Fentimans, Fever Tree oder zum Thomas Henry. Meiner persönlichen Meinung nach alles Tonics, die dem Dry Tonic Water mit deutlichem Abstand überlegen sind. Wenn man auf starksüße Tonics steht, die vielleicht dann doch einen Tick trockener als das altbekannte Süßmonster Indian Tonic daherkommen, kann man gern einen Blick auf das neue silbergraue Produkt von Schweppes werfen.

Diese Meinung bezieht sich zunächst mal fast ausschließlich auf die Verwendung dieses Tonics in einem Gin Tonic. Die süße Komponente des Dry Tonic Water kann aber in einem Cocktail eine schöne Dichte erzeugen. Ein Versuch ist beispielsweise der Game Room Highball.

Game Room Highball Cocktail


Game Room Highball
1 oz Amaro
½ oz Overproof Rum
¼ oz Limettensaft
4 oz Schweppes Dry Tonic Water

Im Glas bauen und mit Crushed Ice auffüllen
[Rezept nach Paul McGee]


Tatsächlich kann das Dry Tonic Water hier punkten, kontert mit seiner leichten Süße die Bitterkeit der restlichen Zutaten, und setzt dann mit seiner Trockenheit ein Ausrufezeichen. Letztlich hängt es also, wie immer, vom Einsatzgebiet ab, ob eine Zutat passt oder nicht. Wer also das beste aus seinen Cocktails herausholen will, hat immer mindestens zwei Sorten Tonic Water im Haus. Eins davon darf dann durchaus das Schweppes Dry Tonic Water sein.

Soll man Äpfel und Birnen vergleichen? Bulmers Nº10 Pear Cider

Mein erster Versuch mit Bulmers Cider war ein echter Erfolg: Ein sehr angenehmes Getränk, das mich dazu verleitete, auch mal einen Blick auf die anderen Sorten, die Bulmers zuhauf anbietet, zu werfen. Da ich ein großer Birnenfan bin, war die Wahl klar: Bulmers Nº10 Pear Cider muss probiert werden!bulmerspear-flascheLaut Etikett ist die Birne die Frucht, mit der bei Bulmers alles anfing – die Website des Herstellers legendiert allerdings mit den Äpfeln, die Fred and Percy Bulmer aus dem Familiengarten zu Cider pressten. Wie immer bei solchen „origins“-Mythen bei Industrieherstellern muss das alles mit Vorsicht geglaubt werden. Meist ist es nur ein Marketingstratege, der meinte, dass ein Familienhintergrund immer gut ankommt, der so eine Geschichte erfunden hat.

Es gibt schon einen Grund, warum man selten Birnensaft pur findet, sondern meist mit Äpfeln oder anderen Früchten vermischt: Birnensaft hat nicht den starken Eigengeschmack, den der moderne Verbraucher von Fruchtsäften erwartet. Das merkt man auch beim Birnencider von Bulmers, der immer noch einen Anteil an Apfelsaft enthält (69% Birnen- und 12% Apfelsaft). Relativ neutral, was Geruch angeht, kommt er ins Glas. Da muss schon angestrengt riechen, um Aromen zu entdecken. Die Farbe ist, wie beim Apfelcider dieses Herstellers auch, künstlich erzeugt, sagt also nichts über den Inhalt aus.

Geschmacklich ist der Pear Cider vielleicht etwas milder als der Apfelcider, aber insgesamt überzeugt er mich nicht. Kaum Birnengeschmack. Da kann ich auch gleich beim Apple Cider bleiben; farblich, geruchlich und geschmacklich ist der Unterschied nur minimal, eher zu Lasten der Birnenvariante: Der Pear Cider ist meiner Meinung nach deutlich langweiliger und aromaärmer. Praktisch gleich ist aber die Eigenschaft, dass man die viereinhalb Volumenprozent Alkohol so gut wie nicht herausschmeckt.

bulmerspear-farbeIch wundere mich: Vielleicht ist meine Nase und mein Geschmackssinn nicht scharf genug kalibriert, um diese Unterscheidung zwischen Äpfeln und Birnen wahrzunehmen.

Wenn man ihn im Supermarkt in Griffnähe sieht, kann man als Birnenfreund gern zugreifen und selbst versuchen, die Birne in diesem Getränk zu entdecken; den Aufwand, ihn irgendwo zu bestellen oder mühevoll anders zu organisieren würde ich mir allerdings selbst als Hardcore-Birnenfan sparen.

Vier Rosen für ein Halleluja – Four Roses Single Barrel Kentucky Straight Bourbon

Eine sehr schöne, goldbraune Farbe hat der Four Roses Single Barrel Kentucky Straight Bourbon. Eine durchaus erkennbare Klebstoffnote zu Beginn, Vanille und eine gewisse dunkle Würze dominieren die Nase. Im Mund explodieren dann die 100 proof – ein sehr voluminöser, dichter Geschmack, mit ähnlichen Aromen, die die Nase schon gerochen hat. Etwas gemüsig, habe ich das Gefühl: Karotten und Sellerie. Nie kratzig oder wirklich scharf, aber doch durchaus ein fetter Alkoholbums. Ein sehr trockener Abgang, danach ein angeregter Speichelfluss, und die Vanille verbleibt mit einer langanhaltenden Wärme im Mund, und wird mit einem späten Anflug von Kakao abgerundet.

Four Roses Single Barrel Kentucky Straight Bourbon

Mir gefällt dieser Single Barrel sehr – das ist ein Bourbon, den man schon zu den kräftigeren zählen kann, der aber gleichzeitig zeigt, dass selbst starke Whiskeys immer noch weich und gefällig sein können, und dass 50%-Spirituosen nicht immer kratzbürstige Monster sein müssen. Trotzdem ein Whiskey für echte Männer.

So starke Whiskeys machen sich meist auch gut in Cocktails, und der Four Roses Single Barrel ist da keine Ausnahme. Wie wäre es mal mit einem Millionaire Cocktail?

Millionaire Cocktail


Millionaire Cocktail
2 oz Four Roses Single Barrel Kentucky Straight Bourbon
¾ oz Triple sec
¼ oz Grenadine
1 Spritzer Absinth
½ Eiweiß
Auf Eis shaken.
[Rezept nach unbekannt]


Ein auch deswegen überraschender Whiskey, weil die „einfache“ Variante, der gelbgelabelte Four Roses, so ein zartes, ätherisches Pflänzchen ist.

Außergewöhnlich ansprechend finde ich auch die Flasche – ein schöner Karaffen-Stil mit einer hübschen Glasprägung, ein Korkstopfen mit Holzdeckel, der über den Flaschenhals hinausragt (sehr schön gemacht, das), ein Lederbändchen um den Flaschenhals und ein kleines Etikettchen mit Single-Barrel-üblichen Angaben zur Fassnummer etc. Selbst wenn die Flasche leer sein wird, was nicht lange dauern kann, werde ich die aufbewahren.

Löwe gegen Bär – Firestone Walker Union Jack IPA

Die Craft-Beer-Welle kommt immer mehr ins Rollen. Einige Einzelhändler haben nun tatsächlich schon dedizierte Kühlschränke, die diverse Sorten der „neuen“ Biersorten für den geneigten Käufer vorgekühlt bereitstellen. In einem mit BraufactuM-Produkten gefüllten solchen Kühlschrank habe ich mir das Firestone Walker Union Jack IPA herausgegriffen.

Firestone Walker Union Jack IPA

Farblich ist das Bier für ein India Pale Ale nicht ungewöhnlich; ein schöner Safranton war zu erwarten. Die wahre Kunst der Hersteller zeigt sich erst beim Geruch: Unglaublich fruchtig, ich würde sagen milde Zitrusfrucht, und ein sehr attraktiver leichter Anklang von Weihrauch. Etwas ganz eigenes, das ich so bei noch keinem anderen Bier gerochen habe.

Und im Gegensatz zu manch anderem Bier, das mich durch die Nase verzaubert, im Mund dann aber enttäuscht hat, punktet das Union Jack auch bei der Verkostung. Sehr fruchtig, wie in der Geruchsprobe schon angekündigt, dann vom Mundgefühl her noch cremig und malzig-süß: eine sehr dichte Aromatik.

Warum trinkt man ein IPA? Wegen der Bitterkeit. Hier fühlt sich der IPA-Freund wie zu Hause, eine wirklich äußerst kräftige Bitterkeit überzeugt in dieser Beziehung. Die Perlage ist kräftig, der Schaum hält sich lange, und das Bier bleibt immer frisch, wird nicht schal. 7.5% Alkohol sind auch nicht von schlechten Eltern.

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Üppig ist die Rezeptur gestaltet: 3 Malzsorten und 7 Hopfensorten (Magnum, Cascade, Centennial, Amarillo, Citra, Chinook und Simcoe) sind für die wirklich ungewöhnliche Dichte dieses IPAs verantwortlich. Kein Wunder, dass auf dem Weltmarkt der Hopfen langsam rar wird, wenn er so verschwenderisch eingesetzt wird. Beim Namen „Union Jack“ mag man denken, dass man hier ein britisches Bier vor sich hat – doch es handelt sich um ein kalifornisches Bier aus der Firestone Walker Brewing Company. Die Amis schrecken auch vor nichts zurück, George Washington dreht sich im Grabe um. Ein weiteres interessantes Detail ist die Etikettierung: Da das Union Jack IPA scheinbar durch die Craft-Beer-Spezialisten von BraufactuM importiert wird (Danke dafür!), weist die Flasche ein zweites Aufklebeetikett auf, das die Inhaltsstoffe noch auf deutsch wiedergibt, inklusive eines Pfandlogos.

Biercocktails sind nicht arg weit verbreitet, aber ich liebe sie. Einer der besten ist für mich The Last Pontoon. Ein wirklich spannender Mix, der rauchigbittersüß daherkommt – außergewöhnlich!

The Last Pontoon


The Last Pontoon
112 oz Cognac (z.B. Hennessy VS)
12 oz Orgeat (oder Mandelsirup)
14 oz Dunkler Rum (z.B. Zacapa 23 Sistema Solera)
14 oz Mezcal (z.B. San Cosme)
14 oz Sherry (z.B. Osborne Sherry Golden)
34 oz Union Jack IPA


Wie bei allen sprudeligen Zutaten, schüttelt man erst den Rest auf Eis auf, ohne das Bier, und mischt es dann zusammen. Meine Empfehlung: Erst das Bier ins Glas, dann den Rest aufgießen, nicht andersrum – so  hält das Bier die Kohlensäure etwas besser und länger.

Horrido! Auf die Pirsch! Teil 1: Hirschjagd mit Jim Beam Red Stag

Es ist Herbst! Es ist Jagdsaison! Damit nicht unnötig Tiere ihr Leben lassen müssen, werde ich in dieser mehrteiligen Miniserie Spirituosen bejagen, die das Objekt der Jagdlust nur auf ihrem Etikett tragen. Beginnen wir mit einer amerikanischen Spezies, dem Cervus elaphus bourbonensis, im Supermarkt erhältlich unter dem Vulgärnamen Jim Beam Red Stag.

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Gewarnt werden muss der Schnapsjäger zunächst vor der Verwechselungsgefahr dieses Whiskeylikörs mit einem „echten“ Bourbon wie dem Jim Beam (White Label). Da die beiden Getränke in identischen Flaschen, mit ähnlichem Etikett, abgefüllt sind, lohnt sich ein zweiter Blick durchs Zielfernrohr, bevor man abdrückt. In diversen Rezensionen wird dieser Likör entsprechend von kurzsichtigen Jungjägern als „Whiskey“ bezeichnet (und als Lieblingswhiskey gefeiert, da er im Vergleich zu anderen Whiskeys so schön süß ist!); da wurde bei der Spirituosenjagdscheinprüfung wohl nicht richtig aufgepasst.

Auch die Farbe von Bourbon und Red Stag ist ähnlich: Vielleicht etwas dunkler, kupferfarben ist der Red Stag. Die wahrscheinlich enorme Menge an Zucker, die einem Bourbon zugeführt wird, um diesen Likör herzustellen, sorgt für eine dickflüssige, schwere Konsistenz .

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Rotwild ist bekannt für sein undezentes, unzivilisiertes Geruchsaroma. Auch der Red Stag ist diesbezüglich kein feinduftendes Einhorn, sondern ein üppig aromatisches, stark die Nase kitzelndes Whiskeytier. Der markante Geruch durchzieht schnell den Raum.

Eine Biopsie im Glas bringt erstmal typisches Bourbonaroma im Vordergrund zum Vorschein. Eine dunkle Fruchtigkeit, eher süßlich als frisch oder sauer, dazu ein seltsamer Anklang von feuchtem Beton, zeigt die Fruchtaromazusätze (ich gehe trotz der Etikettankündigung „infused with natural flavors“ davon aus, dass es künstliche Aromen sind).

Im Mund überrascht der Red Stag zunächst: erstmal ist er gar nicht so extrem süß, wie die Nase vermuten ließ, und enthält sogar noch erkennbare Bourbonaromen. Ein cremiges Mundgefühl entsteht, und die erschnupperte Frucht und Süße kommt erst spät, schon eher beim Abgang – dann aber volle Kanone: klebrig, fruchtig, supersüß. Die Bourbonbasis kommt im kurzen Nachhall nochmal hervor. Insgesamt sehr mild, kaum ein Brennen.

Eher unangenehm ist dann aber das sehr lange in der Kehle verbleibende süßklebrige Gefühl, als hätte sich etwas wie Harz an die Speiseröhre gehaftet. Dieses Gefühl, und der Geschmack des Red Stag, überleben selbst ein großes Glas Cola, danach getrunken. Da muss schon was deftiges her, um den roten Hirsch aus dem Maul zu bekommen. Angenehm ist das nicht, und für mich der größte Kritikpunkt an diesem Likör, denn je länger man dem Zuckerkirscharoma unerwünscht ausgesetzt ist, umso abstoßender findet man es.

redstag-containerIn einem Sonderangebot gab es eine schöne Thermojacke als Ersatz für ein Fell für den Red Stag. Vielleicht kann man ihn warm machen und so mit auf den Weihnachtsmarkt nehmen? Für mich ist Jim Beam Red Stag auf jeden Fall eher ein Wintergetränk, in einem winzigen Gläschen vor dem Kamin (oder der Kaminfeuer-DVD, in meinem Fall).

Mein erster Kontakt mit dieser Spirituose war eine Dose Red Stag, Ginger & Lime, ein Premix, den sich Beam exorbitant teuer bezahlen lässt. In der Kombination mit Ginger Beer und Limettensaft werden die schlimmsten Mängel des Likörs ausgeglichen, und er kann sich von der besten Seite zeigen. Natürlich kann man sich das auch selbst mischen – da die Dosenversion nur wenig Red Stag enthält und mit Primasprit aufgeputscht wird, ist das eh die bessere, ehrlichere Variante.

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Red Stag, Ginger & Lime
1½ oz Jim Beam Red Stag
1 oz Limettensaft
mit Ginger Beer (z.B. Thomas Henry Spicy Ginger) auffüllen


Der erste Jagdtag ist somit zu Ende, die Glieder sind müde von all dem Durch-die-Wildnis-Pirschen, und ich gönne mir nun auch etwas selbstgemischten Wildbret-Eintopf mit dem erlegten Red Stag. In Teil 2 wartet dann das nächste Viehzeug darauf, als ausgestopfte Dekoration in meiner Hausbar zu enden! Wen wird es wohl treffen?

Die Welt dreht sich um Rum – Ian Williams‘ Rum: A Social and Sociable History of the Real Spirit of 1776

Wenn man heute an die USA denkt, an die Spirituose, die man am meisten mit den USA verbindet, so fällt einem natürlich Whiskey ein, im speziellen Bourbon. 1964 wurde diese Einordnung von Bourbon als „America’s Native Spirit“ sogar in eine Resolution gegossen: So wie Scotch für Schottland oder Cognac für Frankreich, sollte Bourbon als repräsentativ für die USA gelten und entsprechend vermarktet und gehandhabt werden.

Now, therefore, be it
Resolved by the Senate (the House of Representatives concurring),
That it is the sense of Congress that the recognition of Bourbon whiskey as a distinctive product of the United States be brought to the attention of the appropriate agencies of the United States Government (…).

Doch das war nicht immer so. Vor dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, und auch noch eine lange Weile danach, war es nicht Whiskey, der für die gute Laune der Amerikaner sorgte, sondern Rum, als der „wahre Geist von 1776“, wie man Williams‘ Untertitelwortspiel auch genauso zweideutig passend auf Deutsch wiedergeben kann.

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Williams‘ These ist, dass durch die starke Verzahnung der neuen britischen Kolonien auf dem nordamerikanischen Kontinent mit dem Handel von Rum aus der Karibik ein Spannungsfeld entstand, das zu immer weiter steigenden Unabhängigkeitsidealen bei den Kolonisten führte, und letztlich in der amerikanischen Unabhängigkeit endete. Rum spielte dabei in allen Beziehungen eine wichtige Rolle: Als extrem geschätzte Alltagsdroge, von der sich die Amerikaner nicht mehr abbringen lassen wollten, insbesondere als britische Gesetzentwürfe wie der Molasses Act und der Sugar Act vorgebracht wurden, die die Kolonien gegen das Mutterland aufbrachten; als Ersatzzahlungsmittel für Arbeitskraft und Lebensmittel; als Ass im politischen Kartenspiel zwischen England, Frankreich, Spanien und den karibischen und nordamerikanischen Kolonien; als Wirtschaftsmotor, der den Dreieckshandel mit Sklaven und den wirtschaftlichen Handel zwischen Nordamerika und der Karibik voll am Brummen hielt; und als sozialer Dämpfer, mit dem man Soldaten und Matrosen wie auch Sklaven und Arbeiter unter dauerbedüselter Kontrolle halten konnte – auf Kriegsschiffen besonders relevant, und da Rum einfach haltbarer als Bier und Wasser ist, eine naheliegende Lösung besonders für die Royal Navy bis in die 1970er Jahre.

Ein besonders interessantes, für heutige Ohren abstrus klingendes Einsatzgebiet war übrigens die Verwendung von Rum als Balsamierungsflüssigkeit; so manch hochstehender englischer oder französischer Admiral ließ sich in einem Fass Rum aufs letzte Geleit in die Heimat schippern (zur Freude der Matrosen, die sich so, so schaurig sich das anhört, das eine oder andere Extraglas an Grog herstellen konnten).

Die Mäßigungsbewegung, die die frühen USA später umklammerte, erklärte den Rum zum „demon spirit“ und Lieblingsfeind, der für alle Übel verantwortlich war, und bekämpfte ihn als Stellvertreter für alle Spirituosen besonders. Die Prohibition sorgte schließlich, auch wenn sie ihr tatsächliches Ziel, die Abschaffung des Alkoholkonsums, verfehlte, für den Untergang des Rums in der Gunst der US-Amerikaner. Whiskey war billiger und einfacher zu bekommen, und Nationalismus, der eigene Produkte bevorzugte, und von der Qualität her immer besser werdender Bourbon besiegelten das ganze.

Eine Einsicht habe ich auch durch dieses Buch gewonnen. In diversen Cocktailbüchern findet man den Hinweis, dass ein klassischer Cocktail morgens getrunken wurde. Da stellte sich mir die Frage, wieso Leute schon morgens sich einen Alkoholschub geben müssen. Die Antwort ist die: In der Zeit um den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg tranken die Leute viel Rum. Wirklich viel Rum. Unglaublich viel Rum sogar. Rund einen halben Liter pro Person und Tag war scheinbar keine Seltenheit, fast anderthalb Liter pro Woche der Durchschnitt. Dass man bei so einer Menge schon früh anfangen muss, und dann vielleicht einen dezenteren Einstieg sucht als den reinen Rum, ist klar – da ist ein Cocktail doch schon zurückhaltend und beißt nicht ganz so, morgens um acht in Pennsylvania.

Natürlich gefällt mir nicht, wie Williams französischen rhum agricole, der schon früh als Guildive oder Killdevil bezeichnet wurde, runterputzt. Gewiss ist ein rhum agricole nicht auf Anhieb so genehm wie ein melassebasierter Rum (oder Tafia, wie auf diese Art hergestellter Rum damals genannt wurde), doch je mehr man sich mit der Gattung Rum auseinandersetzt, um so deutlicher wird einem, dass die gewöhnungsbedürftigen Jamaikaner, Haitianer und Martiniquaner eigentlich die „guten“ sind, während die süßen, massenkompatiblen Dessertrums Anfängerrums für Leute sind, die eigentlich gar keinen Rum wollen, sondern Likör. Doch da Williams grundsätzlich nicht mit Hohn und Spott spart, und im 17. Jahrhundert die Produktionsbedingungen gewiss andere waren als heute, will ich ihm das durchgehen lassen.

Interessant ist daher der Verdacht, den Williams gegen Ende gegenüber Bacardi äußert: er vermutet Zusatzstoffe in deren Rum. Einerseits hat Williams Recht, denn viele Rums verwenden heutzutage, und wohl schon länger, einen „beaker of ‚essence‘ of Añejo“, in Form von Zucker, Glycerin und Aromastoffen. Doch es ist weniger Bacardi als vielmehr der von Williams gern gelobte venezuelanische, guatemaltekische und guyanische Rum, der hier besonders mit Zusatzstoffen zaubert.

Trotz ein paar Längen, in denen vielleicht ein Tick zu detailverliebt erzählt wird, ist dies ein äußerst spannendes Geschichtsbuch, das mit einer plakativen These mitreißt, ohne zu boulevardesk zu werden, und vor Einsichten fast platzt, und, fast selten heutzutage, auch Position bezieht. Eine wirklich unterhaltsame, ironielastige Sprache lässt es nie langweilig werden – und es ist nicht so schwierig, dass man nicht zur Lektüre einen leckeren Rum trinken könnte.

Hufeisen bringen Geschmacksglück – Herradura Añejo Tequila

Es ist eine Faustregel, dass Spirituosen, die in Holz reifen, mit zunehmendem Alter immer weicher, aromatischer und weniger beißend werden. Durch die Durchlässigkeit des Fasses verdunstet der gröbste Alkohol, gleichzeitig findet ein Filterungsprozess mit dem Fassholz statt und schließlich gibt ein Holzfass auch noch Aromastoffe des vorher darin enthaltenen Geists oder zumindest der Baumart an die Spirituose ab. So entsteht mit der Zeit ein rundes Ergebnis, das sich im Falle des Herradura Añejo wirklich sehen lassen kann.herradura-anejo-flascheNichts von dem, was der Supermarkttequila-gewohnte Trinker an Tequila normalerweise fürchtet, findet sich hier, im Gegenteil: Eine erfrischende Fruchtigkeit, dazu zarte Gewürznoten und die Eiche, die man sonst von Bourbons kennt, verbunden mit der mit dieser Holzart immer gewohnten leichten Vanille, sorgen für ein wunderbares Geruchsspektrum.

herradura-anejo-detail

Geschmacklich erkennt man ganz klar die fruchtige Agave, aber kein bisschen der sonst oft im Verbund laufenden Metalligkeit. Auch wenn die blassgoldene Flüssigkeit vielleicht einen dunklen Geschmack erwarten lässt, ist dieser gereifte Tequila eher frisch und leicht, ohne Lösungsmittelnoten oder Alkoholbrennen. Ein wirklich angenehmes, duftiges und erfrischendes Mundgefühl machen diesen Tequila für mich zum König der gereiften Tequilas.

Die Agavennote lässt entsprechend dann auch den Cocktail All the King’s Men wunderbar leuchtend im Mund strahlen. In dieser Form, bin ich sicher, schmeckt Tequila jedem und jeder.

All the King's Men


All the King’s Men
1½ oz Herradura Añejo
½ oz Amaro (z.B. Fernet Branca, oder Averna, wenn man es süßer mag)
½ oz Tawny Port
1 oz Zitronensaft
1 Barlöffel Agavensirup
1 oz Ginger Beer (z.B. Thomas Henry Spicy Ginger)


Die Flasche an sich weiß durchaus zu gefallen, besonders das im Glas eingesetzte Hufeisenlogo, mit einem passenden aufgeklebten Etikett, zeugt von Detailverliebtheit. Der Plastikschraubverschluss dagegen – naja, man kann nicht alles haben.

Ein wirklich hervorragender Tequila, mit dem man selbst eingefleischteste Agavenschnaps-Hasser bekehren kann.

Neugier ist der Pepsi Tod – Fentimans Curiosity Cola

Der Name verspricht nicht zuviel: Beim Vorbeilaufen am Getränkeregal im Feinkostmarkt blieben meine Augen an einer Flasche hängen, und der Name Fentimans Curiosity Cola machte mich in der Tat neugierig. Hübsch aufgemacht ist die schöne 275ml-Flasche mit Schraubverschluss und einem Retro-Etikett auf jeden Fall schonmal.

fentimanscuriositycola-flascheOptisch unterscheidet sich die Cola selbst nicht von den großen amerikanischen Cola-Marken wie CocaCola oder Pepsi. Der Geruch ist dann aber schon eine Offenbarung: Zimt, Vanille, Nelken. Im Mund dann ein angenehmer Ingwergeschmack, aber mehr der von Ginger Ale als Ginger Beer – mehr die süße Ingwerinterpretation als die scharfe also. Die Curiosity Cola ist recht süß, aber nicht pappsüß wie CocaCola, sie hinterlässt kein klebriges Gefühl am Gaumen. Eine milde Säure und leichte Würze entsteht vielleicht durch die schwache Fermentierung der Inhaltsstoffe: Das ist das „botanically brewed“, das auf dem Etikett und im Glas der Flasche selbst angepriesen wird. Mit 50kcal pro 100ml schlägt das Getränk auf der Kalorienwaage zu Buche.

Gut gekühlt empfinde ich die Fentimans Curiosity Cola als sehr erfrischend – „full-bodied“ ist nicht zuviel versprochen. Auch der angenehme Kohlensäuregehalt, nicht übertrieben und nicht zuwenig, ist perfekt eingependelt, so dass sie gut pur zu trinken ist. Allerdings überlegt man sich beim Preis von rund 2,50€ für diese kleine Flasche schon, ob man so ein teures Getränk wirklich als Durstlöscher runterstürzen will.

Natürlich ist diese Cola daher für mich vor allem als Cocktailzutat ein Traum. Statt dem altbekannten Jacky-Cola versuche ich mal hier meinen eigenen Twist auf einen alten Klassiker – man vergebe mir den sperrigen Namen.

The Curious Incident of Mr Daniel at Night-Time Cocktail


The Curious Incident of Mr Daniel in the Night-Time
3 oz Fentimans Curiosity Cola
2 oz Jack Daniel’s Single Barrel Select Tennessee Whiskey
1 Spritzer Jerry Thomas‘ Own Decanter Bitters
3 große Blätter Minze
Den Whiskey mit dem Bitter und den Minzblättern gut auf Eis shaken, dann im Glas mit der Cola aufgießen.
[Rezept nach unbekannt]


Die süße Cola geht mit dem milden Jack Daniel’s Single Barrel eine sehr harmonische, runde Beziehung ein. Die Minze gibt einen kleinen Frischekick in die vanillig-cremige Mixtur.

Wie gesagt, für den alltäglichen Einsatz ist diese Spezialitätencola bei weitem zu teuer. Für Mixgetränke dafür brilliant, und wenn man mal wissen will, wie gut Cola schmecken kann, wenn sie mit Liebe zum Detail hergestellt wird statt in 100-Hektoliter-Stahltanks.