Ein komplexer Name für ein komplexes Bier: Das Brewfist The Bad Sentenza Barrel Aged Imperial Chocolate Coffee Stout hat viel zu bieten, bevor man es probiert hat. „The Bad“ ist eine Homage an die Italowestern, insbesondere natürlich „The Good, the Bad, and the Ugly“ mit Clint Eastwood. „Sentenza“ ist in dem Film „der Böse“, gespielt von Lee Van Cleef (er ist auch stilisiert auf dem Etikett abgebildet). Das Basisbier ist dann natürlich das Spaghetti Western, auch aus dem Hause Brewfist, das mit einem ordentlichen Set an Malzen ausgestattet ist: Pale, Hafer, Carafa Special, DRC, Crystal, Chocolate und „geröstete Gerste“ sind aufgeführt. Magnum ist dagegen als einziger Hopfen eingesetzt. Nach der dreimonatigen Fassreifung in Ex-Laphroaig-Fässern wird das Bier noch mit Kaffee und Kakaobohnen aromatisiert, was sich dann auch in der Stilbezeichnung äußert. Mit imperialen 8,7% Alkoholgehalt ist es auch diesbezüglich gut versorgt. Ich ahne schon voraus, dass das hier kein aromatisches Leichtgewicht sein wird!
Der Stil lässt mich nichts anderes erwarten als die espressoähnliche, fast schon ins schwärzliche übergehende Farbe, und auch die schwer schwappende Textur beim Eingießen. Ein haselnussbrauner Schaum entsteht ganz kurz, bleibt nur als Tonsur und feinster Flaum in einer großen Insel erhalten.
Manche Fassreifungen riecht man kaum, hier ist das klar anders – die drei Laphroaigfassmonate äußert sich deutlichst, die medizinischen, mineralischen und maritimen Noten des Islay-Whiskys liegen über allen anderen Eindrücken. Erst lang danach kommt das schwere, dunkle Röstmalz, und dann danach die Aromatisierung mit Kakao und Kaffee. Eine sehr komplexe Nase, vielschichtig mit sich freudig abwechselnden Eindrücken. Ein bisschen nasses Holz kommt auch noch vor – ich könnte an dem Bier echt richtig lang schnuppern.
Im Mund ist das alles auch vorhanden, aber noch viel runder ineinander verflochten, die einzelnen Komponenten, die ich aufgezählt hatte, sind hier nun schwerer voneinander abgrenzbar. Was nichts schlechtes ist, im Gegenteil, so hat man ein Bier, das seine Komplexität in einer absolut verrundeten Form anbietet, unterstützt von einer richtig fetten Textur, die sich an den Gaumen legt, ohne sirupartig schwer zu werden: Rezenz bleibt vorhanden, auch durch eine milde Säure, die auf der Zunge prickelt. Sehr schöne, expressive Fruchttöne von Trockenobst kommen vor. Angenehm salzig, angenehm bitter. Der Abgang ist lang, deutlich vom Kakao gesteuert, mit feinem Espressopulvernachhall.
Puh, das ist eine Granate, ein extrem ausdrucksstarkes, wuchtiges, schweres Bier, das sich dennoch mit frischen Aspekten aufhellt. Irre komplex, wahnsinnig unterhaltsam, ein Bier, mit dem man einen Dialog sowohl über Semiotik als auch Bronson-Western führen kann. Vielleicht sogar beides zur gleichen Zeit. Einen Schluck davon hab ich mir für einen links abgebildeten Black and Yellow aufgehoben (für das Rezept siehe meine Cocktailrezeptseite), darin glänzt das Sentenza nochmal ein bisschen anders.
Man sieht es immer öfter selbst in Supermärkten – alkoholfreie Varianten von bekannten Spirituosen. Mit Gin hat es angefangen, inzwischen bekommt man auch nullprozentige Rums, Wermuts und Bitterliköre. Ich hatte vor einer ganzen Weile mal eine kleine Versuchsreihe gestartet, alkohol- und zuckerfreie Cocktails herzustellen (hier nachzulesen), und dabei alkoholfreien Gin und Wermut vorgestellt. Die Zeit geht vorbei, die Hersteller werden immer besser darin, und auch wenn ein Tanqueray 0.0 immer noch kein echter Ersatz für Gin ist, macht er sich doch ganz gut als Zutat in einem Mixed Drink. Wie gesagt, das Backboard des alkoholfreien Mixologen erweitert sich, und heute stelle ich eine weitere Expansion dieser Produkte vor: den Polly Alcohol-Free Mexican Classic Blanco Agave, in Zusammenarbeit mit Ben Teeuwsen von tequiladealer.de.
In Köln werden für die Produktrange von Polly Botanicals destilliert und konzentriert, um sich dem Vorbild, natürlich ist in diesem Falle hier Tequila gemeint, sensorisch anzunähern. Die Destillate von Polly sind explizit fürs Mixen angelegt, man rät ausdrücklich vom Purgenuss ab, ich wäre froh, manche andere Produzenten wären ähnlich klar diesbezüglich, das würde manche Enttäuschung ersparen. Ein kleiner Anteil Restalkohol bleibt bei dieser Herstellungsweise zurück, unter 0,5%, wie das bei manchen alkoholfreien Bieren auch der Fall ist. Da der Konservierungsstoff Alkohol praktisch fehlt, muss man mit reduzierter Haltbarkeit rechnen, 8 Wochen geben die Hersteller für den Mexican Classic an, und man sollte es gekühlt lagern nach Öffnen. Ich bin als großer Tequilaliebhaber natürlich sehr gespannt, was hier möglich ist – schnell ins Glas damit!
Man erkennt eine schöne Viskosität beim Schwenken, es bildet sich aber kaum ein Film an der Glaswand, nur eine leicht fettige Schicht, die schnell am Stück abläuft, ohne Beinchen zu bilden. Die Flüssigkeit ist glasklar, wirkt aber im Vergleich zu einem Brand etwas stumpf.
In der Nase kommen mehrere Assoziationen hervor, zunächst eine rotapfelige Seite, die mich sehr stark an Sake erinnert, danach direkt eine ordentliche Dosis Vanille, gefolgt von etwas Zimt. Ja, man kann erahnen, dass hier etwas Agave mitspielt, ein bisschen grün scheint hervor und eine ganz, ganz dezente Mineralität, nie auf dem Niveau, das ein Agavenbrand erreicht. Im Gesamtbild riecht Polly wie ein ordentlich mit Abocantes (im Tequila erlaubte Aromastoffe) versetzter Tequila, etwas erinnert mich anSparkle Donkey. Zuckerwatte, Karamellbonbons, ein bisschen Frucht – definitiv unterhaltsam, wenn auch doch ein gutes Stück entfernt von einem guten Tequila.
Die Hersteller weisen, wie gesagt, überraschend deutlich darauf hin, dass Polly nicht für den Purgenuss geeignet ist, dennoch probiere ich sie natürlich einfach so. Im Antrunk verstärkt sich die Erinnerung an Sake, schnell überholt aber eine gewisse Säure diese Assoziation. Aus dem rotbackigen Apfel wird ein Granny Smith, darunter liegt eine leichte Teerigkeit, verschmortes Plastik und Gummi. Die Textur ist weich, im Anflug ölig. Die Aromen sind ausdauernd, gegen Ende kommt die Agave dann wieder etwas mehr hervor – und im Nachklang könnte man wirklich fast, wirklich fast, wirklich fast meinen, man hätte eben einen Tequila im Mund gehabt. Eher ein Mixto als ein 100%-de-Agave, leicht vanillig, etwas zuckerwattig, aber durchaus überraschend nah am Original in dieser Phase.
Natürlich ist Polly im Purgenuss dennoch nie ein Ersatz für einen Tequila, das ist aber auch gar nicht beabsichtigt, die Hersteller erklären dies, wie erwähnt, sehr deutlich sowohl auf ihrer Webpage als auch auf dem Rücketikett. Ich mag diese Ehrlichkeit, und bin aber gerade vom Nachhall beeindruckt, wie nah sie sich dem Vorbild annähern konnten.
Der geplante Einsatzzweck ist also der Mixed Drink. Was probiert man da? Zunächst mache ich natürlich die Klassiker nach, eine Margarita und einen Tequila Sunrise, um zu schauen, wie gut man hier mit der Polly fährt. Meine Erfahrung: ja, das geht, und erinnert mich schon an die Drinks, die man oft in mexikanischen Restaurants bekommt, die meistens mit José Cuervo oder noch billigerem Mixto gemacht wurden; man muss aber die Säure (z.B. den Anteil des Limettensafts in der Margarita) reduzieren. Mit dem The Noble Experiment wagen wir uns dann, passend zum Namen des Drinks – hier wird natürlich auf die Prohibition angespielt – und dem alkoholfreien Mexican Classic, an einen beinahe komplett alkoholfreien Cocktail, wenn man den Tequila durch Polly ersetzt. Die 2 Spritzer Bitters kann man, will man ganz konsequent sein, dann auch noch weglassen. Egal wie, hier glänzt Polly wirklich richtig schön.
The Noble Experiment 1½oz / 45ml Tequila Blanco ¾oz / 23ml Zitronensaft ½oz / 15ml Orgeat ½oz / 15ml Ginger Ale 2 Spritzer Peychaud’s Bitters Auf Eis shaken. [Rezept nach Joe Valdovinos]
Kurz zum Flaschendesign: Bei der Flasche an sich hat man sich für ein Standardmodell mit Kunststoffkorken entschieden, eine gute Wahl, die angenehm in der Hand liegt und praktisch zu handhaben ist. Das Etikett ist mit einer flächigen Illustration versehen, die in bunten Farben eine Art Urlaubsfeeling verbreiten soll, nun, das ist gut gemacht, für die Zielgruppe sicher besser passend als für den Agavennerd.
Wer einen alkoholfreien Ersatz für seinen Mixto für Cocktails sucht, also zum Beispiel José Cuervo oder Sierra Tequila ersetzen will, kann hier durchaus zugreifen. Ein Ersatz für einen guten Artesanal-Tequila ist Polly sicherlich nicht, aber man muss bei so einem Produkt auch die Kirche im Dorf lassen. Ich jedenfalls bin positiv überrascht. Was vor 10 Jahren noch undenkbar war für mich, ist inzwischen Realität – wir nähern uns mit den Alkoholfreien immer mehr den alkoholhaltigen Getränken an. Es ist noch ein weiter Weg, doch wenn man offen für diese Entwicklungen ist, sieht man die Fortschritte sehr deutlich.
Offenlegung: Ich danke der Polly GmbH für die kosten- und bedingungslose Zusendung einer Flasche dieses Produkts.
Glühwein, Weihnachten, Weihnachtsmärkte und schmierige Lieder – das ist alles nichts für mich. Ich bin der Grinch, was dieses psychologisch und emotional völlig überladene, exorbitant kommerzialisierte und schlicht stressigste Fest des Jahres angeht, und je schneller es vorbei ist, umso besser. Manchmal braucht es auch schlicht Alkohol, um es besser zu überstehen. Und statt dem zuckrigen Industrieglühwein, den es meistens gibt, greife ich dann gerne zu etwas ungewöhnlicherem, das ich bei einem Stand auf dem Weihnachtsmarkt in Kaiserslautern gefunden hatte, das Liefmans Glühkriek. Es ist ein klassisches Kriek, zunächst als Bruin eingebraut und dann mit 6% Kirschenanteil (~13kg Kirschen auf 100 Liter) für 6-12 Monate nachgereift, und am Ende versetzt mit natürlichen Gewürzen, in diesem Fall Sternanis, Nelken und Zimt; 2 Jahre wird es gereift, bevor es mit 6% Alkoholgehalt abgefüllt wird. Serviert wird es idealerweise auf 70°C erwärmt. Man kann es auch in Flaschen erwerben, für das Erlebnis zuhause – in der Adventszeit ist es oft nasskalt, so dass ein warmes Bier sicher unabhängig von der Stimmung für gute Laune sorgt.
Optisch steht es deutlich in der Tradition von Glühwein – mahagonifarben, mit rubinroten Lichtreflexen, die sich wunderbar im Gegenlicht zeigen. Von Trübung keine Spur, nur die dunkle Farbe verhindert das Durchblicken. Ein feiner Schaum entsteht beim Eingießen, der sich aber schnell auf eine dünne, weiße Linie am Glasrand zurückzieht.
Wunderbar würzig und angenehm ist die Nase, ein recht natürliches Kirscharoma geht die Verbindung mit den Gewürzen ein, Nelken geben eine leichte Bitterkeit, Sternanis etwas weihnachtstypisch-würziges, und der Zimt ist ganz dezent eingesetzt, so dass er das Getränk nicht übernimmt. Ein bisschen seifig wirkt das Gemisch, aber nicht auf unangenehme Weise. Wer am Weihnachtsmarkt normalerweise den sich überall verströmenden Duft des allgegenwärtigen Würzweins mag, ist hier richtig – die Frucht und Gewürze überdecken das Bier im Geruch, wie es ein gutes Kriek auch tut.
Die Zusammenstellung ist auch am Gaumen gelungen. Initial ist da eine schöne Säure, die das weiche Mundgefühl auffrischt. Sofort sind Kirschen und Nelken da, sie bestimmen für lange Zeit die Aromatik. Im Gegensatz zu vielen Glühweinen ist hier keine pappige Süße da, die den Gaumen belegt, das für das Basiskriek eingesetzte Lambik liefert genug Rezenz, um für leichte Unterhaltung zu sorgen. Erst spät kommt der Zimt auf, auch hier ganz vorsichtig, im Nachhall, mehr eine Idee. Gute Bitterkeit, leichter Körper, kurzer, unaufdringlicher Abgang, ja, das trinkt sich süffig und unkompliziert, sowohl warm als auch kalt funktioniert das Glühkriek ganz ausgezeichnet.
Man hat schon herausgehört, dass ich überhaupt kein Weihnachtsmarktfreund bin, ich mache das manchmal mit, wenn Freunde oder Bekannte mich dazu nötigen. Der überbordende Kommerz, klebrige Pseudoatmosphäre und der billige Glühwein, der normalerweise ausgeschenkt wird, tun ihr übriges dazu, das Erlebnis eher mäßig werden zu lassen. Wenn wenigstens so etwas wie das Liefmans Glühkriek als Alternative angeboten wird, nehme ich das als positives Element dann aber gerne mit, um zuhause die echte Gemütlichkeit anfangen zu lassen. Lieber dann sogar an lauen Sommerabenden gut gekühlt!
Der Charme mancher Spirituosen entsteht bereits, wenn man über die Technik berichtet, wie sie hergestellt werden. Dazu reichen manchmal schon die Namen der Brennapparate aus, um eine Aura von Exotik und Mystik zu erschaffen, die dem Kenner Gänsehaut über den Körper laufen lässt, wenn er sie hört: Port Mourant. Enmore. Versailles. Savalle. Und, natürlich, Vendôme, die Brennblase, mit der auf der kleinen Karibikinsel Saint Lucia der Saint Lucia Distillers Chairman’s Reserve Master Selection Vendôme Pot Still 2004, Selected by Rum&Co destilliert wird. Er liegt für 18 Jahre in Ex-Bourbon-Fässern, wird dann nach der Auswahl der Experten von Rum&Co in 277 Flaschen mit der Fassstärke von 59,2% abgefüllt, und steht nun vor mir. Kann der Rum dieser geheimnisvollen Aura des klangvollen Namens gerecht werden?
In der Flasche wirkt der Rum fast dunkelbraun, im Glas dafür heller und rötlicher, leuchtendes Kirschbaumholz ist als Farbton gar nicht so falsch. Beim Schwenken zeigen sich orangene Lichtreflexe und eine deutliche Viskosität, einzelne Wellen schwappen dabei weit oben an die Glaskante und hinterlassen dabei eine fette Linie, aus der sich einzelne Tröpfchen bilden, die sehr langsam ablaufen.
Nach einer ersten direkten Geruchsprobe lasse ich dem Chairman’s Reserve ein paar Minuten Zeit, sich zu öffnen, denn direkt aus der Flasche wirkt er erstmal ein bisschen kratzbürstig. Während der Wartezeit merkt man, wie sich der Duft über das Glas hinaus weit verströmt. Dann kann man die Nase vorsichtig ins Glas halten – der initiale Lack ist teilweise abgebaut, eine sehr edle Holzigkeit kombiniert sich nun mit prägnanter Frucht. Ich entdecke nasses Fassholz, leichte Heuigkeit, Honig und rote, süße Äpfel, leichte Traubentöne, die an Armagnac erinnern. Esterig, ja, aber nicht wild, die Früchte sind gut reif, aber nicht matschig. Begleitet wird das alles durchgängig durch eine strenge Kante, die beständig zwischen Klebstoff und kaltem Menthol wabert.
Am Gaumen werden direkt von Anfang an keine Gefangenen gemacht – andere Rums zeigen sich zumindest initial freundlich, bevor sie ihre Kraft auspacken, beim Chairman’s Reserve ist das anders. Schon der Antrunk ist sofort trocken, und das wird im Verlauf noch stärker, stark astringierend, verbunden mit kräftiger Säure und Bitterkeit. Honigsüße und -würze gleichen das zum Teil aus, Feigen und Pflaumen bieten eine kleine Abwechslung, Melasse bringt Volumen. Die Textur ist voll und extrem dicht, dabei nicht wirklich weich, aber auch nicht kratzig. Milde Esterigkeit macht den Rum komplex, sie verfliegt schnell und macht Platz für eine Würze aus Anis, Süßholz und Karamell, was schließlich in eine sehr elegante Floralität voller Kornblumen und blühender Wiesenkräuter übergeht. Der Nachhall ist sehr lang, hier präsentiert der Chairman’s Reserve seine größte Stärke, er bleibt präsent und sehr aromatisch, wird hier nun einen Ticken gemütlicher und dieser wirklich wunderbare, kühle Eukalyptushauch, mit dem er die Zunge belegt und aus dem Rachen heraus weiter wirkt ist sehr beeindruckend.
Man muss es sagen – das ist kein easy-drinking-Rum. Man muss sich Zeit für ihn nehmen, ihn langsam erforschen, kleine Schlucke, die man im Mundraum hin- und herbewegt, jeder für sich braucht Aufmerksamkeit, mit 2cl kann man sich mühelos eine halbe Stunde beschäftigen. Man wird dann aber für diese Geduldsinvestition mehr als belohnt.
Für den Tiki-Cocktail At the Gates of Hell wird, neben dem als Hauptzutat eingesetzten starken Rum, noch eine halbe Unze Jamaica-Rum gefordert. Nun, verwendet man den hier vorgestellten Chairman’s Reserve als Hauptzutat, kann man sich diese Zugabe eigentlich sparen und statt dessen 75ml des Chairman’s Reserve nehmen, da verliert man kein bisschen an Aroma, dieser Rum steht der Dichte und Würze eines Jamaica-Rums in keinster Form nach – und seine Charakteristik bleibt selbst gegen die große Anzahl anderer Zutaten bis zum letzten Schluck erkennbar.
At the Gates of Hell 2oz / 60ml gereifter Overproof-Rum ½oz / 15ml gereifter Jamaica-Rum ½oz / 15ml Himbeerlikör ½oz / 15ml Falernum 1½oz / 45ml Ananassaft ½oz / 15ml Zimtsirup ½oz / 15ml Limettensaft ½oz / 15ml Zitronensaft Auf Eis shaken. Dirty Dump in eine Tiki-Mug. [Rezept nach Chad Austin]
Geliefert wird der Chairman’s Reserve in einer halboffenen Kartonumverpackung. Sehr charmant wirkt der Holzaufkleber, auf dem der Rum&Co-Schriftzug eingebrannt ist, mit dem diese limitierte und exklusive Sonderabfüllung markiert ist. Ein paar Details auf dem edel in schwarz-weiß-gold gestalteten Etikett erfreuen dann auch das Herz des an solchen kleinen Informationen interessierten Genießers.
Ich freue mich sehr, dass dieser Artikel in der 29. Ausgabe des Schnapsblatts, der Hauspostille von Rum&Co, abgedruckt wurde – wer in diesem Zeitraum etwas bei dem großen deutschen Rumversand bestellt hatte, wird ihn also schon kennen.
Wer gehört zur Zielgruppe dieser Abfüllung? Sicherlich der Rumkenner, der charaktervolle, wuchtige, schwere Rums bereits zu schätzen weiß – aber vielleicht auch der interessierte Neuling mit Vorkenntnissen, der mal ausprobieren will, wie dicht und aromatisch ein natürlich hergestellter Rum ohne jede Zusätze sein kann!
Offenlegung: Ich danke Rum&Co für die Zusammenarbeit für den Artikel im Schnapsblatt, für den ich eine Flasche des Rums, den ich hier beschreibe, als Verkostungsexemplar erhalten habe.
Man sieht es schon in der Überschrift – die Agavenart Agave karwinskii hat im nichtbotanischgeprägten Sprachgebrauch unterschiedliche Ausprägungen. Madrecuishe, Madre Cuishe und Madre-Cuixe sind drei nur orthographisch unterschiedliche Schreibweisen für dieselbe Pflanze, kleinere weitere Unterschiede gibt es dazu. So wie es auch viele Arten gibt, diese Agave zu Mezcal zu verarbeiten. Heute stelle ich drei Produkte vor, die zumindest zum Teil die Madrecuishe enthalten und genau darstellen, wie unterschiedlich sich die eigentlich ähnliche Materialbasis sensorisch dann äußert: Fruto del Sol Espadín-Madrecuishe, Topanito Maguey Madre Cuishe, und Real Minero Barril Madrecuishe. Beim ersten und letzten handelt es sich um sogenannte Ensambles, also Zusammenstellungen von Agavenarten, etwas in der Mezcalwelt sehr übliches; der mittlere ist ein reinsortiger Mezcal.
Alle drei liegen mir als offizielle Samples des Herstellers vor. Spannend ist natürlich, dass bei Mezcal oft Batches deutlich variieren. Bei Fruto del Sol und Topanito hat man genug Material für die Samples, um dedizierte Labels inbesondere bezüglich Alkoholgehalt zu drucken; Real Minero lässt die Prozente handschriftlich eintragen, um diesbezüglich flexibler zu sein.
Wir beginnen mit dem Fruto del Sol Mezcal Artesanal Blanco Espadín-Madrecuishe. Die zwei Agavensorten im Namen latinisieren sich zu Agave angustifolia und Agave karwinskii, im Verhältnis 7:3 werden sie gemischt. Er ist mit 42% Alkoholgehalt milde und einsteigerfreundlich eingestellt. Als Blanco hat er natürlich keine Färbung, doch die schöne Öligkeit, die man beim Schwenken des Glases sieht, ist schon einen Blick für sich wert. In der Nase wird man direkt belohnt für diese Geduld, wunderbar, wie ohne Verzug die grasig-grüne Agaventypizität präsent ist. Nichts lenkt davon ab, ein Duft, wie ich ihn liebe. Hier ist kein gemüsiger Nebenton, kein übermäßiger Rauch, einfach die reine Agave. Leicht erdig, leicht kiesig, mit kleinen Erinnerungen an grünen Blattschnitt, ganz dezente Anklänge von frisch zerdrücktem Kardamom. Das ist so eine Spirituose, die muss ich gar nicht trinken, da schnuppere ich einfach sehr lange gern dran. Im Mund ist eine leicht laktische Säure das erste, was auffällt. Die Textur wirkt rund und voll, aber nicht schwer, trotz der unterschwelligen Süße, die bis zum Schluss da ist. Da sind leicht brotige Aspekte im Geschmack, nach Baguettekruste, die aber im Verlauf durch die Agave abgelöst werden. Danach findet sich auch eine gewisse Parfümkomponente, leicht floral, etwas Rosenwasser vielleicht. Angenehm trocken und mit feiner Pikanz und erst hier mit einem Anflug von Rauch klingt der Fruto del Sol aus, lässt die Agave lange am Gaumen am Leben, mit einem frischen, hellen Gefühl und etwas erdiger Salzigkeit. Sehr angenehm zu trinken, sehr unkompliziert, und dafür volle Agave, die Sortenmischung passt richtig gut.
Das ist ein guter Zeitpunkt, zu einer sortenreinen Abfüllung überzugehen: im Topanito Mezcal Artesanal Blanco Maguey Madre Cuishe ist namensgebende Agave allein verwendet worden. Mit 49% haben wir auch einen höheren Alkoholgehalt, was bei Mezcal eher typisch ist. Klar ist natürlich auch er, und bewegt sich lebendig im Verkostungsglas, viele kleine Tropfen an der Wand hinterlassend. Man denkt zunächst, ehrlich gesagt, an Obstbrand, wenn man die Nase in dieses Glas hält. Da sind Kirschen, Pflaumen, sogar ein paar tropische Früchte, sehr aromatisch und rund. Die Agave wird dabei nicht unterdrückt, man spürt selbst bei den prominenten Kirschen, dass hier eine vegetabile Ursache vorliegt, dies macht den Brand komplex und interessant, weil irgendwie vertraut und doch fremd. Süß und voll, ein schwerer Duft, der Lust aufs Probieren macht. Tut man das dann, geht der Fruchtreigen weiter, erneut finde ich richtig deutliche Kirschen, etwas Vogelbeere dazu, und dann Agavenfrucht. Deutlich salzig liegt das am Gaumen, dabei immer noch süß, mit angenehmer Sauerbitter-Komponente, da hat wirklich jeder Teil der Zunge was zu tun. Der Körper wirkt schwer, Rauch spürt man praktisch keinen, alles geht im Verlauf in ein leichtes Chilibrennen auf der Zunge über, und erzeugt dadurch am Ende ein frisches, minziges Mundgefühl, das von viel Agavenaromen gestützt wird. Wunderbar, wie sich im Topanito Maguey Madre Cuishe die Kulturen verbinden – wer gern ein hochwertiges Kirschwasser trinkt, sollte definitiv beim Topanito vorbeischauen.
Der dritte im Bunde ist wieder ein Ensamble – im Real Minero Ancestral Barril Madrecuishe kommen, wie man sieht, diesmal Barril und Madrecuishe zusammen, in einem pro Batch unterschiedlichen Verhältnis, bei meinem Sample ist es wohl rund 60:40. Das passt, denn beides sind Unterarten der Gattung Agave karwinskii. 53% Alkoholgehalt machen den Real Minero zum stärksten im Trio. Das Schwenken im Glas zeigt entsprechend einen deutlichen Film an der Glaswand, der sich in regelmäßige, dicke Beine aufspaltet. Die Nase findet hier eine ausgesprochen feine Eleganz, die Frucht drängt sich nicht wild nach vorne, sie will hier entdeckt werden. Kirschen, Pflaumen, reifer Pfirsich, man merkt, dass diese Agavenarten sehr fruchtig ausgelegt sind. Etwas Wachsmalstift, ein bisschen Süßholz, ein bisschen Koriander, hier ist Komplexität angelegt, die sich nicht direkt offenbart. Weiße Schokolade, fast cremig, unterstützt alles von der tiefen Basis aus. Der Gaumen muss ähnlich arbeiten – dezente laktische Säure, milde Süße, alles sehr elegant in ein Gesamtbild eingebettet. Man meint fast, eine Art Fruchtmousse im Mund zu haben, mit milder Frucht, etwas Sahne, alles natürlich mit der Vegetabilität und Grünheit der Agave. Später wird der Real Minero dann deutlich trocken, sehr prickelnd, stark würzig-salzig, und ein bisschen astringierend, während er dann die Agave in ihrer reinen Form aufblühen lässt und algige Aromen hinterlässt. Angenehm mentholisch und warm klingt er dann auf lange Zeit aus. Grandios im initialen Understatement, dramatisch im Ausklang.
Ich muss es sagen: das sind alles drei wirklich gut gemachte Agavenbrände, und alle haben ihre Stärken, die für mich für unterschiedliche Stimmungen bestens geeignet sind. Will ich einen unkomplizierten, aber trotzdem sehr aromatischen Mezcal, nehme ich den Fruto del Sol. Für einen schweren, wuchtigen, fruchtlastigen Moment nehme ich den Topanito. Und will ich Zeit mit einem Brand verbringen und Finesse genießen, ist der Real Minero das Mittel der Wahl. Mit keinem der drei kann man auch nur ansatzweise etwas falsch machen.
Es ist schon eine Weile her, dass Duty Free an Flughäfen das Versprechen für besondere, exklusive Produkte zu guten Preisen war, darüber habe ich mich ja schon bei anderen Artikeln hier auf meinem Blog etwas ausgelassen. Irgendwie ist es aber dennoch etwas angenehmes, durch so einen Shop zu streifen und zu schauen, was da so rumsteht an Spirituosen. Und bei einem meiner Flüge hatte ich dann tatsächlich etwas gefunden, was damals recht exklusiv war und nicht so selbstverständlich zu bekommen wie heute – Campari Cask Tales stand da und lächelte mich an, in der großen, pompös gestalteten Literflasche und dem in Holzimitat gestaltetem Präsentkarton. Mir als großem Camparifreund war das kein Angebot, sondern ein klarer Kaufbefehl aus dem Herzen, bei dem ich nicht zweimal nachdachte.
Was ist das besondere an Campari Cask Tales im Vergleich zum doch deutlich günstiger erhältlichen Standardprodukt? Man nimmt dafür eben diesen klassischen Campari und reift ihn noch eine gewisse Zeit in Ex-Bourbon-Fässern (es war wohl Wild Turkey, der zuvor in den Fässern lag). Eigentlich eine verständliche Sache, und es gibt diverse Liköre, die schon immer fassgereift werden, wie das Elixir d’Anvers, also ist die Idee nicht so dramatisch ungewöhnlich, wie sie zunächst klingen mag. Der Alkoholgehalt ist gleich geblieben, die 25% sind in Deutschland Standard. Für mich ist die Kombination Bourbon-Campari darüber hinaus auch eine ganz selbstverständliche, der Boulevardier ist einer meiner absoluten Lieblingsdrinks, wer ihn nicht kennt, sollte diese Lücke im Lebenslauf schnellstmöglich füllen. Vielleicht sogar mit einer Unze des Cask Tales? Nun, schauen wir mal, ob sich der ordentliche Aufpreis lohnt.
Das Rot ist natürlich eine der drastischen Eigenschaften dieses Bitterlikörs. Früher wurde es aus Karmin erzeugt, also Schildläusen; doch schon seit mehr als 15 Jahren ist dies durch einen künstlichen Farbstoff ersetzt, womit der nette Nebeneffekt eintritt, dass man auch als Vegetarier einen Negroni trinken kann, was vor 2006 nicht möglich gewesen wäre. Im Glas verhält der Cask Tales sich so, wie man es von einem Likör mit rund 260g/L Zucker erwartet, viskos und mit einer leicht rosafarbenen Einfärbung der Glaswand, wenn die dicken Schlieren sich bilden.
Ich tue mich schwer, hier den Geruch von Campari zu beschreiben, einfach weil er für mich so archetypisch ist – durch die lange Auseinandersetzung mit diesem Likör ist der Geruch für mich selbst zu einer Duftrichtung geworden, mit der ich andere Dinge beschreibe. Die Kräuterkombination, die eingesetzt wird, lässt schon die Nase vor der Süßbittere erzittern, die nachher den Gaumen erwartet; es wirkt in interessanter Weise gleichzeitig grasig, frisch und hat diese gewisse Kante, die ihn von anderen Amaros absetzt. Sehr angenehm dominiert dabei aber natürlich die Bitterorange mit dieser eckigen Zitrusnote. Leichte Fassreifungseffekte sind bereits erkennbar – ich erzähle dazu später, wenn ich den normalen Campari mit dem Cask Tales direkt vergleiche, mehr.
Zunächst spürt man die schwere Süße, wenn man den Cask Tales trinkt, fast schon überwältigend – hart an der Grenze zur Pappigkeit, so ehrlich muss man sein, aber ohne sie dann wirklich zu überschreiten. Schnell kommt dann aber die heftige Bittere dazu, die mit der orangigen Zestigkeit und einem Anflug von ätherischen Ölen dagegen anspielt. Kräuter bilden die Basis, ich meine etwas Wermutkraut herauszuschmecken. Zusammen wirkt das ganze dann aber aus einem Guss, auch wenn man nicht von einem wirklich abgerundeten Bild sprechen kann – das ist aber auch nicht das Ziel eines solchen Bitterlikörs. Süßliche Vanille ist ganz dezent aus der Fassreifung eingeflossen. Der Abgang ist lang, bitter mit Erinnerungen an Radicchio und Espressobohnen, und belegt Mund, Rachen und Lippen für eine ganze Weile.
Egal, ob man sich für den klassischen Campari oder den Cask Tales entscheidet, das Zeug ist einfach geil und eine der zwei Spirituosen, die in meiner Heimbar nie ausgehen dürfen (die andere ist Chartreuse). Und wenn man die beiden dann zusammenbringt, bin ich im Cocktailnirvana. Vom Love and Murder könnte ich viel schwärmen, doch ich muss berücksichtigen, dass hier zwei Aroma- und Strukturbomben aufeinandertreffen, und die daraus folgende Gaumenexplosion ist dann nichts für zarte Gemüter. Balanciert ist dieser Cocktail ganz sicher nicht, aber schmecken tut er wie himmlischer Nektar.
Love and Murder 1oz / 30ml Campari 1oz / 30ml Chartreuse Verte 1oz / 30ml Limettensaft ¾oz / 23ml Zuckersirup 4 Tropfen Salzlösung Auf Eis shaken. [Rezept nach Nick Bennett]
Im Vergleich sieht man, wenn man genau hinschaut, dass der Cask Tales ein bisschen weniger rot ist, einen orangenen Ton angenommen hat, und dieser haftet dann auch etwas dichter an der Glaswand. Die Fassreifung hat etwas von der harten Kante, die der normale Campari hat, abgerieben, und ein paar Vanilletöne dazugefügt; so wird er in der Nase erkennbar weicher und sanfter, und hat sogar fast einen parfümigen Seitenaspekt bekommen. Das spürt man auch am Gaumen, der Cask Tales wirkt abgerundeter, milder, verliert auch hier etwas von der Strenge, die der ungereifte Likör hat. Das spielt sich alles im kleinen Rahmen ab, man erwarte also keine komplette Charakterveränderung – auch der Cask Tales ist und bleibt ein Campari, mit der typischen Bittere und Aromatik.
Persönlich würde ich sagen, dass sich für Campariliebhaber der Versuch ganz sicher lohnt, insbesondere, wenn man den italienischen Bitter gern pur auf Eis trinkt, oder einfach nur mit Sprudel zu einem Americano aufgießt. Hier zeigen sich die Veränderungen, die eine Fassreifung mit sich bringen, am besten. Wer Campari als Cocktailzutat sieht, muss wahrscheinlich nicht unbedingt den Wechsel vollziehen, außer, man verwendet Campari eh schon nur wiederwillig in Drinks: in dem Fall wäre die minimal weichere Art des Cask Tales vielleicht ein Gewinn. Ja, gewiss, ich kenne auch Menschen, die keinen Campari mögen – aber ich begreife sie nicht.
Eigentlich bespreche ich viel zu wenige Weizenbiere hier, im Vergleich dazu, wie gern ich die mag und wie oft ich die trinke, zumindest. Allerdings ist die Bandbreite an verschiedenen Marken bei mir eingeschränkt, ich habe ein paar Favoriten, die trinke ich sehr oft, und da dachte ich mir, das muss mal ausgeweitet werden mit weiteren klassischen Weissbieren, aber auch verrückten Varianten. Schneider Weisse ist ja bekannt dafür, experimentierfreudig zu sein, und das zeigen sie auch mit dem Schneider Weisse LoveBeer. Es ist in Zusammenarbeit mit der Neu-Volksmusik-Gruppe LaBrassBanda entstanden – ich kenne deren Musik nicht und habe auch wenig Spaß an diesem Musikstil im Allgemeinen, das soll mich aber nicht davon abhalten, das Bier zu probieren und mir die Melodien im Kopf dazu selbst auszudenken.
Ein klassischer Weißbierlook begrüßt uns, safrangelbes, volltrübes Bier, weder filtriert noch pasteurisiert. Der Schaum ist etwas dünner als erwartet, doch immerhin dafür sehr feinblasig und ausdauernd, das kommt ab und zu einfach auch durchs Eingießen zu Unterschieden.
Nicht mehr ganz so klassisch ist die Nase, hier merkt man schon sehr deutlich die Aromahopfenbeigaben, Hallertauer Tradition und Herkules machen das LoveBeer zu keiner Hopfenbombe, verschieben die Aromatik aber schon erkennbar weg vom traditionellen Nelken- oder Bananeneindruck, hin zu fruchtigeren, herberen Tönen. Beerig und grasig wirkt es, mit Ansätzen von Sommerheu.
Das Mundgefühl ist wieder voll getroffen, weich und voll legt sich der Weizen an den Gaumen, kauig und trinkig zugleich, das ist einfach diese Textur, die ich an gut gemachten Hefeweizen so mag. Etwas Nelken scheinen noch durch, der Hopfen gibt einen Ticken, aber nur einen Ticken an zusätzlicher Bittere (20 IBU immerhin!), und sorgt für eine freche Abwechslung mit einer schönen Kante, die aber noch abgerundet ist, es besteht nie die Gefahr, hier ins ale-ige abzugleiten. Der Abgang ist mittellang, die Rezenz gut, im Nachklang wirken die heuigen Noten des Hopfen nochmal extra lang nach, das finde ich sehr apart.
Ein gelungener Twist auf das Weizen, wie man es in- und auswendig schon kennt. Diese Spur zusätzliche Herbe und leicht gewandelte Aromatik, ohne den Stil zu verletzen, ist wirklich gut gemacht. Auch wenn ich mit der Musik nichts anfangen kann, das Bier mag ich.
Was macht man aus Trauben, wenn sie nicht als Nahrungsmittel geplant sind? Nun, natürlich wird hauptsächlich dann Wein daraus gemacht. Nebenprodukte der Weinherstellung sind Weinbrand, also ein Destillat aus einem vergorenen Traubensaft, und Tresterbrand, der aus den dabei anfallenden Resten (Häute, Kerne, Stiele, je nach Art) gebrannt wird. Der bekannteste Weinbrand ist wahrscheinlich Cognac, der bekannteste Tresterbrand Grappa, die aromatischen Profile sind hier schon erstaunlich unterschiedlich. Selten findet man noch eine dritte Kategorie, einen echten Traubenbrand, bei dem die ganzen Früchte verwendet werden und nicht nur Teile davon wie bei Weinbrand oder Tresterbrand. Ein Mitglied dieser seltenen Gruppe von Destillaten stelle ich heute vor: den Bonaventura Maschio Prime Uve Bianche. Erst 1984 wurde in Italien eine Regelung und Gesetzgebung für diese Art Brand geschaffen, und Bonaventura Maschio waren mit die ersten, die das Potenzial dieser neuen Möglichkeit erkannten.
Es gibt eine Menge ungewöhnlicher Dinge, die es über die Herstellung zu berichten gibt, die sich deutlich von denen bei anderen Spirituosen unterscheiden. Die ganzen Früchte hauptsächlich der lokal sehr beliebten Rebsorte Glera werden zwischen 15 und 18 Tagen fermentiert, ohne sie vorher auszupressen. Wie bei Pisco Mosto Verde wird die Fermentation zu einem gewählten Zeitpunkt unterbrochen, bevor alle Zucker in Alkohol umgearbeitet wurden. Die dann enstandene Maische wird komplett, sogar mit allen Festbestandteilen, in den besonderen Brennapparat der Destillerie gegeben. Dieser ist ähnlich einer Bain-Marie, die mit einem Vakuumdestillierapparat kombiniert wurde – hier macht sich die Grappaerfahrung der Region bezahlt. Einmal wird nur destilliert, bei der niedrigen Temperatur von 60°C, und man nutzt den kompletten Lauf für das Endprodukt, es ist aufgrund der ungewöhnlichen Herstellungsart nicht nötig, Vor- und Nachlauf abzutrennen, weder die Problemstoffe des Vorlaufs noch die des Nachlaufs entstehen bei Prime Uve. Das Destillat wird am Ende dann auf 39% Alkoholgehalt eingestellt und, in der vorliegenden Variante, ungereift abgefüllt – und ein kleines Fläschchen davon ist bei mir gelandet, und virtuell will ich es nun mit meinen Leser*innen teilen.
Im speziellen Grappaglas, hergestellt in Italien nach wissenschaftlichen Erkenntnis zusammen mit der Lebensmittelfakultät einer Universität, lässt sich die kristallklare und erkennbar viskose Flüssigkeit am besten optisch genießen. Die dicken Beine, die beim Drehen des Glases entstehen, kleben lange an der konvexen Innenform.
Das verlockt, die Nase in jenes Glas zu halten. Dort findet man einen angenehm parfümierten Duft, traubig und fruchtig-aromatisch, direkt sehr an Pisco oder ungarischen Traubenpálinka erinnernd, beides natürlich sehr verwandte Destillate. Eine unterschwellige Würzigkeit, vielleicht milde Hefe oder leichte Brotteignoten, ergänzt die floralen Kopfnoten um etwas tiefe Basisschwere, die dann in Kakaopulver übergeht. Rosenwasser und Orangenblütenwasser finde ich da, auch hier sehr bereits an Parfüm erinnernd, ohne künstlich oder aufdringlich zu sein. Schnuppert man lange, entdeckt man eine ganz vorsichtige ethanolische Komponente, doch auch diese ist gut eingebettet und liefert eher zusätzliche Komplexität denn Störfaktoren. Ein wirklich duftend-elegantes Destillat, an dem meine Nase gern viele Minuten hängen bleibt.
Auch der Antrunk ist ähnlich bezaubernd, mit einer schweren Süße als Basis, die (so erzählten die Besitzer bei der Destillerietour) leider zum Teil von etwas Nachsüßung, 5g/L laut eigener Aussage, herrührt – meiner Meinung nach braucht dieser Brand diese Süßung nicht. Die Textur ist ölig am Gaumen und legt sich breit an, und aus ihr entsteht eine sehr elegante Mischung aus Frucht und Blüten. Weiße Trauben natürlich, aber gefühlt auch Weinbergpfirsich, nicht ganz reife Aprikose sowie ein Anflug von Honigmelone. Im Verlauf bricht die Süße auf und lässt pikante Wärme entstehen, die insbesondere die Zunge kitzelt und dafür sorgt, dass der Brand nicht zu gemütlich wird. Die floralen Noten, nun auch beinahe ins Rosenwasser und Parfümaspekte übergehend, erblühen regelrecht und bleiben ausdauernd und kräftig bei uns. Der lange und warme Abgang schließlich ist dann versehen mit etwas grüner Banane und fast schon schokoladigen Noten.
Wie man sieht, ein abwechslungsreiches Destillat mit Vielschichtigkeit, die bei der der Verkostung nie Langeweile aufkommen lässt, und das dennoch ordentlich Körper und Bumms hat. Ohne Süßung wäre ich restlos begeistert, der kleine Wermutstropfen drückt die Stimmung etwas, und ich hoffe, die Familie erkennt das selbst irgendwann und lässt sie in Zukunft weg.
Für ein Nischenprodukt wie dieses ist es natürlich schwierig, ein explizit darauf abgestelltes Cocktailrezept zu finden. Die aromatische Nähe zu Pisco bringt mich dazu, hier den Pini zu empfehlen, das Ersetzen des Pisco durch Prime Uve funktioniert herausragend gut, und der Schokoladenlikör unterstützt die süßlichen Aspekte des Brands noch. Idealerweise nimmt man als Brandy auch hier einen italienischen, milden, der nicht die frische Fruchtigkeit des Prime Uve unterdrückt, Vecchia Romagna oder so etwas. Der Drink ist insgesamt dadurch eher auf der süßen Seite, und genießt sich perfekt aus dieser wunderbaren Muranoglas-Sektflöte, die ich vom Trip ins Veneto mitgebracht hatte.
Pini 1 ⅔oz / 50ml Prime Uve Bianche (im Original Pisco) ½oz / 15ml italienischer Brandy ¼oz / 7ml Crème de Cacao 1 Teelöffel Zuckersirup Auf Eis shaken. [Rezept nach unbekannt]
Es war ein schöner Ausflug zur Brennerei, den wir als Juroren von Spirits Selection by CMB bei der Auflage #Treviso2023 erleben konnten. Wir wurden direkt vom Besitzer Andrea Maschio begrüßt, der uns seine Destillerie zeigte, die Hintergründe erklärte und etwas über Geschichte und Motivation erzählte. Eine durchaus kleine Anlage hat er sich da aufgebaut, die Brennkessel sind ursprünglich Tomatenmark-Extraktoren, die fürs Destillieren umgebaut wurden – das allein ist schon eine verrückte Geschichte, finde ich.
Nach der Führung durch die Brennerei wurde noch ein Tasting angeboten, durchgeführt vom Master Distiller Stefano Baseotto und Anna Maschio, eine unglaublich unterhaltsame Show in Good-Cop-Bad-Cop-Manier boten uns die beiden, mit viel Humor, man merkt, dass die ein eingespieltes Team sind. Die Grappe von Bonaventura Maschio, die zwei Varianten von Prime Uve und ein kleiner Einblick in ihre Likör-Range zeigen das Potenzial dieser Brennerei. Ich bin mir sicher, dass ich noch über andere Produkte schreiben werde – bis dahin genieße ich in angenehmer Erinnerung noch die letzten Schlückchen vom Prime Uve.
Was sind schöne Souveniers aus Belgien? Nun, andere bringen so Kruscht mit, Schlüsselanhänger, Kühlschrankmagneten, Postkarten. Ich bin der Typ, der gern stattdessen Lebens- und Genussmittel in den Koffer packt – und aus Belgien, und hier im besonderen Brügge, brachte ich natürlich dann ein paar lokale Produkte der Brauereien aus der Stadt mit. Heute mache ich eins davon auf, das Brouwerij Bourgogne des Flandres Blonden Os. Es handelt sich dabei um ein obergäriges Bier mit dem Stilnamen „Flemish Blond Ale“, gebraut mit 6,5% Alkoholgehalt und dem dezenten Einsatz von Gewürzen, hergestellt natürlich in klassischer Flaschengärungsweise.
Der „blonde Ochse“, der Name passt zu dem, was man im Glas sieht. Zwischen Senf und Ocker liegt das kräftige, leuchtende Gelb, mit deutlicher Trübung, und einem feinblasigen Schaum, der sich zügig auf einen dünnen Flaum reduziert.
In der Nase erkennt man zunächst angenehme, weichwürzige Getreidenoten, ohne dass es sehr malzig wirkt. Sehr schnell ist dann aber schon eine feine, irgendwo zwischen Apfelessig und Verjus verortbare Säure, leicht laktisch, erschnupperbar, die sich gut integriert. Dahinter schließlich meint man, etwas Holz zu riechen, nur in Form von zusätzlicher Komplexität.
Wer hier auf ein klassisches Sauerbier spekuliert hat, wie ich nach der Geruchsprobe, wird überrascht durch die natürliche Süße und weiche Textur, die den Antrunk definiert. Das Getreide spielt klar die Hauptrolle, unterstützt von klug gewähltem Hopfeneinsatz, der sich aromatisch zeigt, aber nicht nach vorne drängt, eher mit eleganter Bittere arbeitet. Leicht floral wirkt das alles im Zusammenspiel, sehr ansprechend, mit dann noch im Verlauf entwickelter, zarter Säure, viel weicher, als erwartet, mit einem feinherben, trockenen Abgang.
Ein sehr rundes, elegantes Bier, das sich wirklich süffig trinkt, und dabei jedem Aspekt genug Raum lässt, sich zu präsentieren. Ein idealer Bierbotschafter Brügges, ganz ohne Extreme oder Dramatik, dafür integrativer Eleganz.
Heute haben wir wieder einmal ein Trio im Angebot, und weil ich darüber hinaus schon viel über das Set Verticale Velier Rhum Vieux A.O.C. Martinique Millésimes Saint-James erzählt hatte, halte ich mich ausnahmsweise mal zurück, mir einen elaborierten Spannungsbogen aus den Fingern zu saugen, kommen wir einfach mal direkt zur Sache (man gewöhne sich nicht daran, ich werde meine Leser in Zukunft weiter mit mehr oder weniger unterhaltsamen Anekdoten aufs Thema lenken, keine Sorge!). Saint-James Très Vieux Rhum Agricole Millésimes 2000, 2002 und 2006 sind drei weitere der Jahrgänge, die man im wunderbaren Verticale-Set finden konnte. Saint James gehört durchaus zu den von mir öfter besprochenen Brennern, man kann hier auf meinem Blog ein paar Eindrücke anderer Sorten des Herstellers sammeln, über dieses Set hinaus. Diese Lektüre lege ich natürlich jedem ans Herz, der sich nach diesen Jahrgangsrums, die nun folgen, weiter für die Destillerie auf Martinique interessiert.
Beginnen wir mit dem jüngsten des Trios, dem Saint-James Très Vieux Rhum Agricole Millésime 2006, der nach der elften Zuckerrohrernte seit Einführung der AOC 2006 und dem gleichjährigen Brennen dann im Oktober 2021 abgefüllt wurde. Farblich gefällt mir das schonmal sehr, 15 Jahre tropische Reifung haben einen wunderschönen Palisanderton erzeugt, der strahlt und leuchtet, wenn man das Glas dreht. Dass sich die Flüssigkeit dabei sehr ölig bewegt, tut sein übriges dazu. Initial ist die Nase von Klebstoff beherrscht, das erinnert mich an meine vergangenen Modellbautage. Lässt man dem Rum etwas Zeit, bilden sich schwere Karotten- und Vanilletöne heraus, die mich stark an Bourbon erinnern. Erst darunter findet man leicht grasige Noten, und auch eher ganz vorsichtig – das ist sensorisch ein Rum, bei dem das Holz wirklich voll zugeschlagen hat und den Zuckerrohrsaft beinahe komplett verdrängt.
Man ahnt noch den Fehler, den ich für die 2015-2008er Jahrgänge bei dieser Abfüllung ausgemacht habe, diesen parfümigen Lavendel-Weichspüler, das die genannten Brände für mich praktisch untrinkbar gemacht hatten; doch es ist nur noch eine Idee davon da, darum ist das hier eher ein Teil des Bilds denn ein Fehler. Das Mundgefühl ist staubtrocken, stark astringierend, bitter und mit ordentlich Säure versehen: definitiv kein Rum, der schmeichelt, eher ein Brett aus Holzspänen, grünem Gras, Estragon und Süßholz. Charaktervoll, ja, wuchtig, ja, und auch vollmundig – aber hart an der Grenze zum Kantigen. Der Abgang ist lang und entschädigt dann aber voll, hier klingt leichte Minzefrische auf, das Holz geht in Karotte über, die Spucke fließt nach und verbindet sich dann mit den Rumresten zu einem wirklich attraktiven, algig-kiesigen Finish. Also eher was zum bedächtigen Explorieren denn zum gemütlichen Genießen!
Zurück, vier Jahre in die Vergangenheit vom eben probierten Rum, zum Saint-James Très Vieux Rhum Agricole Millésime 2002, der damit aus der siebten Ernte nach Einführung der AOC stammt und ebenfalls Oktober 2021 abgefüllt wurde. Der optische Eindruck ist sehr imponierend, ein strahlkräftiges Pariser Rot, mit orangenen und fuchsiafarbenen Lichtreflexen. Sehr stattlich ist auch das Schwenkverhalten, mit satter Öligkeit und einem Beinchengitter zum Träumen. Und ohne Pause geht dieser Rum weiter, in der Nase ist ultraviel Frucht, dunkle Trauben, Feigen, Aprikosen, aber auch Weinbergpfirsich und süße Aromen von Toffee, Haselnusscreme und Vanille. Etwas Karottiges erinnert erneut an Bourbon, aber in einer trockeneren, herberen Art. Voluminös, kraftvoll, stark – ein Duft, in den man sich aufs erste Schnuppern verlieben kann.
Leider ist schon im Antrunk wieder der Weichspüler da, sehr stark sogar, mehr, als beim 2006er. Das ist wirklich zum Heulen. Es ist einfach mehr als eine florale, blumige Note, das ist wie Softlan in der lila Plastikflasche. Alles andere leidet darunter, ich muss die Verkostung hier schlicht abbrechen, erst im Abgang kommt ein eiskalter Minzhauch auf, der mit der trockenen Textur und dem holzigen Charakter wieder etwas Freude aufkommen lässt. Aber was soll ich sagen. Ein Jammer. Ein Jammer. Ich weiß nicht, was da passiert ist – wenn es beabsichtigt ist, dass der Rum so schmeckt, dann ist er schlicht gruslig und so überhaupt nicht typisch für Rhum Agricole; wenn es ein Fehler ist, muss jemand zur Rechenschaft gezogen werden, der für diesen Schaden verantwortlich ist. Ich weiß nicht wer, aber das ist wirklich ein Verbrechen. Da ich dies in unterschiedlichen Abfüllungen so schmecke, und in manchen nicht, auch bei wiederholten Versuchen, schließe ich eine Kontamination auf meiner Seite aus.
Nach dem Schreck zurück in den Sattel, und nochmal zwei Jahre weiter zurück. Lassen wir uns nun den Saint-James Très Vieux Rhum Agricole Millésime 2000 hoffentlich besser schmecken. Die fünfte Zuckerrohrernte seit Einführung der AOC brachte den Saft für ihn hervor. Wir sind optisch noch einen Ticken dunkler inzwischen, das ist starkes Mahagoniholz, vielleicht gebrannte Siena. Trotz des Alters von 21 Jahren (er ist damit der älteste Rum des Vertikalsets, denn der 1998er war ein paar Jahre zwischengereift, und die zählen dann nicht) wirkt er lebendig und frisch im Glas. Die Nase ist direkt edel und elegant, dabei aber vergleichsweise zurückhaltend – man findet einiges an dunklem, getrockneten Obst, aber auch frische Orange und Kirsche. Gestärkt, aber niemals überlagert, wird das vom Holz, mit Vanille und ledrigen Tönen, etwas Estragon und Süßholz, minimalst Gras, insgesamt fein und rund.
Am Gaumen wirkt der 2000er auch ähnlich zurückhaltend wie in der Nase, da zeigt sich erstmal weiche, leichte Textur, ein wirklich sauberes, klares Mundgefühl, ohne den Gaumen zu belegen. Frisch, hell, fruchtig – sehr unerwartet, da ist das Holz wirklich sauber eingesetzt, es zeigt sich zwar, lässt aber der Orange, der Mango, der Kirsche viel Spielraum, sich auszuleben. Trocken, ohne zu astringieren, herb, ohne bitter zu werden, rund, ohne sich wirklich auszudehnen – das ist ein sehr eleganter Rum, toll strukturiert und konstruiert, vielschichtig, ohne dass sich ein Aspekt nach vorne drängt und andere überdeckt. Der Nachhall ist lang, fruchtig und holzig, hier kommt das Zuckerrohr klar hervor und dominiert dann doch, aber natürlich mag ich es, wenn das Basismaterial erkennbar ist. Minimalst floral (und überhaupt nicht weichspülerig!) und mit deutlichen, mineralischen Algentönen klingt die Verkostung aus. Ein hervorragender Rum, archetypisch für Martinique, ohne jeden Fehler oder Kritikpunkt. Ich liebe ihn.
Ohne das VSGB-Projekt, über das ich nun schon sehr oft berichtet habe, wäre diese Verkostung wieder einmal nur sehr schwer möglich gewesen, vor allem wäre für mich persönlich der haptisch-taktile Eindruck ein ganz anderer gewesen, wenn ich neutrale Sampleflaschen statt der wunderbaren, liebevollen Kleinflaschen mit hochwertigen, dickmaterialigen Etiketten und Kartons zuhause gehabt hätte.
Mit dieser zweiten Runde der Saint-James-Rums aus dem Vertikalset beschließe ich auch die Besprechungen für dieses Set; die schon probierten aber noch unreviewten Jahrgänge 2014, 2012 und 2008 halte ich zusammen mit dem hier vorgestellten 2002 persönlich (wie auch schon 2015 und 2010, die ich im vorherigen Artikel diskutiert hatte) für schlicht nicht trinkbar, weil fehlerhaft abgefüllt, und sehe keinen Sinn, sie zu besprechen. Aber vielleicht stehe ich da allein mit meiner Meinung. Das trübt aber insgesamt den Gesamteindruck dieses Sets doch extrem, da die Hälfte der Fläschchen für mich ungenießbar sind. Dennoch: Ich habe es sehr genossen, zum kleinen Kreis derer zu gehören, die so eine ambitionierte Reihe probieren durften. Und vielleicht ist es halt einfach eine Geschmacksrichtung, die mir widerstrebt. Ich wäre gespannt, von Leuten zu hören, die das Set auch kennen!