Subkultur und Gemeinwohl – Ambiq Bio Bitter Aperitif

„Unabhängige Spirituosen für eine freie Subkultur“ – ein Satz, den man erstmal verdauen muss. Was bedeutet das? Was ist eine unabhängige Spirituose, was eine freie Subkultur? Die Macher des Ambiq Bio Bitter Aperitif, auf dessen Rücketikett und den Pressetexten man diesen Satz findet, sparen nicht mit Erklärungen, wie sie es meinen. Nachhaltigkeit (kurze Lieferwege und Verzicht auf Unnötiges), soziale Verantwortung (Gemeinwohlökonomie, kooperatives und demokratisches Arbeiten) und Gerechtigkeit (selbstbestimmt und -organisiert, hierarchiefrei, Konsentverfahren bei Entscheidungen) sind nur ein paar der Schlagworte, die in einem manifestartigen Selbstbild zu finden sind. Aufklärung und Suchtprävention hat man sich darüber hinaus auf die Fahne geschrieben. Ein sympathisches, wenn auch auf den ersten Blick fast schon überfrachtet wirkendes Ensemble voller Ideen, deren reale Umsetzung die Welt aus meiner Sicht aber auch tatsächlich etwas besser machen könnten. Man braucht einfach Utopisten, müde Ironie und konservativer Pragmatismus werden nie etwas an der Situation ändern.

Eine Spirituose mit so einem Selbstbild bekommt bei mir schonmal etwas Vertrauensvorschuss, dennoch muss sie sich beweisen. Der Ambiq Bio Bitter Aperitif hat, neben den angesprochenen Metathemen, aber auch so eine interessante Grundstruktur zu bieten: Ein Basisdestillat aus Weizen wird mit sechs Botanicals, alle natürlich gemäß dem abgedruckten und im Namen enthaltenen Biosiegel biologisch zertifiziert gesourct, aromatisiert. Man findet hier Orange, Enzian, Chinin, Vanille, Wermut und Cassis. Das klingt für mich nach einer durchaus spannenden Mischung von erdigen, frischen, bitteren und süßen Aspekten. Probieren wir, ob sich das so im Glas auch bewahrheitet!

Ambiq Bio Bitter Aperitif

Farblich ist das sehr dramatisch eingestellt, tiefes, leuchtendes Rubinrot, dabei bleibt es kristallklar und durchsichtig. Im Glas bewegt sich der Aperitif leicht und geschmeidig, nicht wirklich offensichtlich ölig, aber mit einer erkennbaren Schwere.

In der Nase finde ich als allererstes einen sehr persönlichen Eindruck – schwarze Johannisbeeren und Holunderbeeren. Das erinnert mich gar nicht so entfernt an den Holundersaft, den meine Eltern früher eingekocht hatten. Danach kommt die Zeste einer Bitterorange, mit einem guten Anteil Albedo, und auch frischer Orangensaft klingt irgendwie mit. Natürlich wirkt das ingesamt bitter, so soll es auch sein, dabei aber fruchtiger als zum Beispiel Aperol oder Campari, zwei natürliche indirekte Konkurrenten in dieser Kategorie der Bitterspirituosen. Ganz milde und nur im Hauch vorhandene Anklänge von Lakritz und erdigem Enzian finde ich noch – ein insgesamt sehr ansprechendes und durchaus komplexes Geruchsbild soweit.

Ambiq Bio Bitter Aperitif Glas

Im Mund kommt das zunächst sehr mild an, angenehme Süße, kräftig ausgeprägt, aber nie pappig wirkend, definiert den ersten Eindruck. Dann spüre ich die schwarzen Johannisbeeren und den Holunder, sowohl von der Fruchtigkeit als auch von der diesen Beeren bereits inhärenten Bittere. Orange, vielleicht schon fast Bergamotte, erscheint aromatisch, mit dieser zestigen Seite. Leichte Gewürznoten spielen die Rolle des Komplexitätsgebers, nie wirklich klar definiert, einfach als zugrundeliegendes Bouquet. Spät bildet sich ein vorsichtiges Prickeln auf Zunge und Schleimhäuten, dem Alkoholgehalt angemessen, und dann erscheint auch eine gewisse Schärfe, mehr pikant und frisch, eine Mischung aus Minz- und Pfeffereffekt gewissermaßen, der dann den Abgang dominiert. Bittere, Süße und etwas Estragonfrische bilden den langen Nachklang.

Pur trinkt sich das sehr angenehm, viel weniger süß als die italienischen Produkte, dabei aromatisch voll und dennoch leicht, mit einer sehr hübschen herben Seite. Auf Eis, mit einer Zitronenscheibe, im Sommer würde das pur sicher richtig viel Spaß machen, darauf freue ich mich jetzt schon – der erste Sonnentag wird mit dem Ambiq Bio Bitter eingeleitet werden!


Neben dem Einsatz als herber Aperitif, wie der Name es ja schon vorschlägt, sehe ich den Ambiq durchaus auch als Variante auf bekannte Geschmäcker in Mixed Drinks. Wem zum Beispiel Campari zu bitter und Aperol zu süß ist, der findet hier eine Zutat, die in Rezepturen ähnlich verwendet werden kann und dem Gesamtbild dann einen neuen, interessanten Twist verleiht, sei es im Negroni, Jungle Bird oder dem Génération perdue, bei dem mit dem Ambiq alles passt.

Génération perdue Cocktail

Génération perdue
1oz / 30ml Dubonnet rouge
½oz / 15ml Cognac
½oz / 15ml Campari
Auf Eis rühren.

[Rezept nach unbekannt]


Die Literflasche mit Blechschraubverschluss ist einfach gehalten, hier zeigt sich, dass man sich wirklich daran hält, was man schreibt: der Verzicht auf unnötiges Chichi. Auch das Etikett ist ähnlich reduktionistisch. Über ein paar formulierte Gedanken hinaus, die auf dem Rücketikett zu finden sind, habe ich nicht das Gefühl, dass hier offensiv missioniert wird – gut gemacht, wenn das Produkt so wie hier überzeugt, findet die Ideenübertragung eh viel leichter über den Geschmack statt Laberei statt.

Mich haben sie jedenfalls überzeugt, und ich drücke der Firma Abyme alle Daumen, dass sich ihr Geschäftskonzept durchsetzt. Vielleicht steckt so eine Initiative auch andere an, statt dem großen Geld (das man als kleine Firma in der Spirituosenbranche eh nicht machen kann) etwas Nachhaltiges zu schaffen. Ich bin und bleibe Optimist, und würde es mir sehr wünschen, mehr Produkte dieser Art auf dem Markt zu finden.

Offenlegung: Ich danke Abyme für die kosten- und bedingungslose Zusendung einer Flasche des Ambiq Bio Bitter Aperitif.

Bier am Freitag – Leûp Cherry Brune

Das Leûp Cherry Brune stammt aus der Brasserie Artisanale Fredeber im belgischen Stembert. Man versucht sich da an der Herstellung eines kriekähnlichen Getränks, ich sage kriekähnlich, weil keine frischen Früchte verwendet werden, nichteinmal frischer Saft, sondern ein Kirschsirup aus Konzentrat. Dazu kommt laut Zutatenliste das Süßungsmittel E411 (Tamarindenkernmehl), das als ernährungstechnisch zwar unverdächtig, aber für mich als Bierfreund dennoch unnötig ist. Das Basisbier ist obergärig, flaschengereift, und mit 7% Alkoholgehalt ganz ordentlich kräftig eingestellt für so ein Fruchtbier – rettet dieser Wumms das Bier?

Leûp Cherry Brune

Im Glas wirkt es optisch erstmal mäßig begeisternd, ein etwas schmutziges Haselnussbraun, mit leicht rötlichem Touch. Starktrüb, nahezu blickdicht, aber auch ohne Schaum – das wenige, was beim Eingießen da ist, ist nach Sekunden weg, und nach einer halben Minute ist überhaupt nichts mehr da. In der Nase ist der eingesetzte Kirschsirup direkt dominant, fruchtig, leicht säuerlich im Eindruck, nur minimal darunter die Gerstenbasis. Bei empfohlenen 6°C muss man auch nicht wirklich weitersuchen nach Aromen, da findet man schlicht nichts.

Im Mund wirkt das ganze dann aber viel interessanter, da ist viel Würze, Getreide, schwere Frucht aus der Kirsche – und das ganze mit knackiger, britzelnder Säure versehen, so dass man sich über Rezenz keine Sorgen machen muss; die Kühle und trotz des Mangels an Schaum spürbare Karbonisierung kümmern sich weiterhin darum. Und auch wenn der Abgang dann sehr kurz und belanglos ist, muss man sagen – wenn man das Leûp Cherry als Erfrischungsbier betrachtet, macht es seinen Job ganz hervorragend, gerade, weil am Schluss noch eine echt derbe, fast schon holzige Bittere dazukommt.

Das ist kein wirkliches Kriek, mehr ein leicht aromatisiertes Bier, ohne viel Anspruch, aber mit dem frechen Kick, den man in der Sommerhitze genießen kann.

Trauben von der Insel – Camus Île de Ré Fine Island Cognac

Eine Insel in der Sonne, gut gelaunte Menschen, die zu Musik tanzen und dabei Gläser voller Schnaps in der Hand halten – das ist so das Klischeewerbungsbild, das wir kennen. Inseln sind eigentlich marketingtechnisch voll in der Hand von Rum, die Karibik legt da natürlich vor, Südostasien und der indische Ozean ziehen nach. Doch manchmal, ganz selten, ist eine Insel auch die Heimat einer Spirituose, die man nicht direkt mit Inselflair verbindet: Cognac. Dazu kommt, dass etwas, das sich „Cognac“ nennen will, natürlich aus der Gegend um die Stadt Cognac in Südwestfrankreich stammen muss, und da denkt man sich, naja, das ist Festlandsfrankreich, wo soll da auch eine Insel herkommen. Auftritt: Camus Île de Ré Fine Island Cognac.

Die Île de Ré liegt vor La Rochelle an der französischen Atlantik-Westküste im Département Charente-Maritime, und auch wenn auf der Insel Austernzucht und Fischerei die wichtigsten Wirtschaftszweige sind, wird dort doch auch Wein angebaut, aus dem ein Weinbrand hergestellt werden kann. Auf 650ha Anbaugebiet findet man die Rebsorten Sauvignon Blanc, Chardonnay, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot – und auch Colombard und Ugni Blanc, zwei Rebsorten, die für die Cognacherstellung erlaubt sind. Man hat also beides: die passenden Trauben, und man liegt im Cognac-Gebiet, nämlich in den Bois Ordinaires, aus denen man eher selten einen Cognac sieht. Nichts steht dem feinen Inselcognac des Maisons Camus im Wege!

Camus Île de Ré Fine Island Cognac

Wenn man die Altersangabe auf dem Etikett suchen muss (und, wie hier, nicht erkennbar findet), kann man von einem jungen Destillat ausgehen, das nur die minimal geforderte Reifungsdauer, bei Cognac 2 Jahre, aufweist. Dementsprechend helles Bernstein findet man im Glas, dafür aber eine durchaus ansprechende Öligkeit, mit der sich die Flüssigkeit schwer schwenkt und die dicke Artefakte an der Glaswand hinterlässt.

Während man den Cognac schwenkt, kann man dem Geruch bereits nicht entgehen, er wabert vorsichtig über die Glaskante. Nicht wirklich aufdrängend, aber erkennbar. Da sind Rosinen und etwas Trester, im Sommer offen liegende rote Trauben. Direkt spürt man etwas Marzipan, ein Anflug Vanille, etwas Ananas und Pfirsich – angenehm, aber nicht wirklich exotisch und spannend, wie man das von einem Inselcognac vielleicht erwartet hätte. Ein bisschen Lack und Ethanol schimmert am Ende noch durch, auch hier fühlt man, dass der Camus nicht viel Fasslagerung gesehen hat. Im Endeffekt wirkt der Duft frisch und hell, und irgendwie mag ich ihn in seiner Dezenz.

Camus Île de Ré Fine Island Cognac Glas

Am Gaumen fällt zunächst die Textur auf, richtig weich und flauschig legt sich dieser Cognac in den Mund, breit und voll, mit ausgeprägter, aber natürlich wirkender Süße. Milde Fruchtaromen erscheinen, Pfirsich und Aprikose zunächst, später Rosinen und Datteln, wie auch schon in der Nase eher dezent, aber trotzdem wirksam. Später bildet sich dann eine freche Pfeffrigkeit heraus, die Zunge und Schleimhäute zum Kribbeln bringt, ohne dabei zu brennen, hier könnte man auch eine gewisse marine Mineralität herausschmecken, die sich mit einer ganz, ganz vorsichtigen iodischen Torfigkeit verbindet und dem Camus hier etwas Charakter verleiht, den man bisher vergeblich gesucht hatte. Gegen Ende blüht wirklich hübsche Floralität auf, mit richtig viel Jasmin und etwas Wintergrün, und diese liegt dann lange im Mund, minutenlang.

Beim Camus Île de Ré Fine Island Cognac finde ich genau diese Abwechslung, die ich an feinen Bränden mag, diese Ausgewogenheit zwischen Feinheit und Charakter. Natürlich könnte man noch ein paar mehr Aromen einfordern, doch irgendwie passt für mich persönlich hier schon sehr viel gut zusammen. Kein dramatischer Wuchtbrand, mehr was für die edlen, leichten Momente zwischendurch.


Der Antrim Cocktail, in der abgewandelten Rezeptur, die hier vorgestellt wird, ist nagelneu, fühlt sich dabei aber weiterhin sehr klassisch, durchaus präprohibitionsartig an, wie er ursprünglich auch von Charles H. Baker erfunden wurde. Getrieben ist er von Weinbrand und Portwein, das ist also definitiv etwas, in dem man sich auf wenige Basismaterialien konzentriert, das hat durchaus schon für sich einen intellektuellen Charme, aber ich bin auch ein verkopfter Cocktailnerd, was sowas angeht. Abseits dieses Aspekts schmeckt er aber einfach hervorragend, und der Cocktail von der Insel passt richtig gut in die Mixtur.

The Antrim Cocktail

The Antrim Cocktail
1oz / 30ml Tawny Port
1oz / 30ml Cognac
2 Spritzer Orange Bitters
1 Teelöffel Gomme-Sirup
Auf Eis rühren.

[Rezept nach Selma Slabiak]


Die bauchige Flasche des Camus Île de Ré Fine Island Cognac liegt gut in der Hand, das Etikett ist üppig gestaltet mit sehr hübschen Illustrationen, die auch die scheinbar so paradoxe Situation gut darstellen – Weinreben und Sandstrand, das ist gut gemacht und erklärt vieles schneller als meine laberigen Einleitungsworte. Da kommt doch Feeling auf, muss ich sagen. Der Karton, in dem die Flasche geliefert wird, ist ähnlich attraktiv designt, das hat schon Geschenkpotenzial für den Weinbrandfreund, der sonst alles schon kennt.

Gerade jenem möchte ich diese Abfüllung auch empfehlen, das ist interessant und unterhaltsam, insbesondere weil man hier tatsächlich im Ansatz die in der sich doch etwas gesetzten Cognacwelt, die man mehr mit alten Herren assoziiert, oft vermisste Exotik findet. Aber auch, wer sich noch nie mit Cognac auseinandergesetzt hat und etwas Leichtes, oder einen wunderbar funktionellen Mix-Weinbrand für die exklusive Heimcocktailbar, sucht, macht bei einem Kauf nichts falsch!

Bier am Freitag – 7PK Blonde Tripel Haverbier

„7PK“ steht für 7 „paardenkracht“, also Pferdestärken, man greift damit das Bild von den in Limburg scheinbar weiterhin traditionell von Pferden an den Waldrand gezogenen Baumstämmen auf, mit denen man den Wald vor schweren Maschinen schützt. Ähnlich traditionell geht man in der Brouwerij Anders! in Halen, Belgien, an das Brauen des 7PK Blonde Tripel Haverbier heran, mit Aromahopfen und dem namensgebenden Zusatz von Hafer, das man dort für vzw De Winning Maatwerk herstellt. 7,0% Alkoholgehalt sind eben genau die 7PS, und wenn man auf dem Etikett nachliest, findet man noch „Karwij“ als Inhaltsstoff, also Kümmel. Das hört sich insgesamt nach einem starken Bier an!

7PK Blonde Tripel Haverbier

Terracotta, naturtrüb, wunderbar opalisierend. Sehr feines Mousseux, das man nur sieht, wenn man genau hinschaut. Der Schaum ist eierschalefarben, hauptsächlich sehr flaumig und fein, mit einzelnen Luftkammern dazwischen. Die Nase ist getreidelastig, malzig-weich und mit milden Tönen von Stroh und Cashewnüssen. Der Hafer ist nicht nur optisch erkennbar, auch im Geruch taucht er auf.

Im Mund fühlt sich das Bier an wie ein Marshmellow, so fett und fluffig, mit einer derart cremig-festen Textur, dass man das 7PK fast kauen kann, und dieses Gefühl steigert sich sogar im Verlauf. Aromatisch kommt hauptsächlich süßes, weiches Getreide vor, etwas Stroh, gegen Ende taucht noch ein bisschen Hopfenfrucht auf, ohne sich aber nach vorne zu drängen. Die Rezenz ist trotz des fetten Körpers klar gegeben, die Karbonisierung sorgt für ordentlich Aufstoßen. Der Abgang ist trocken und leicht säuerlich, mittellang, dann plötzlich vorbei und hinterlässt nur ein leichtes Belegungsgefühl auf der Zunge, mit einer Idee von Jasmin als Nachklang.

Das trinkt sich gut, unaufgeregt, und dieses kauige Gefühl hat schon was für sich. Mir gefällt das als Genussbier für Zwischendurch, man hat lange was daran, ohne sich gedanklich wirklich extrem daran aufhalten zu müssen. Ja, das ist ein Kompliment für jemanden, der Schwierigkeiten hat, sich von der Analyse lösen zu können beim Trinken!

Nullprozent Wildberry – Polly Alcohol-Free French Aperitif

Die moderne Gesellschaft ist zwiegespalten, in vielerlei Hinsicht. Auch beim Konsum von Genussmitteln zeigt sich das immer stärker. Tabak ist schon eine Weile ein Opfer dieses unaufhaltsamen Trends geworden, die schädlichen Aspekte von nicht unbedingt nötigen Dingen mehr zu berücksichtigen als die, wegen deren man überhaupt erst angefangen hat, sie zu sich zu nehmen; und das, obwohl es schon seit hundert Jahren oder mehr bekannt ist, was man sich mit Nikotin und Alkohol so antut. Bis vor ein paar Jahren war der Wunschasket allerdings in dem Dilemma, dass es keine Alternativen zum ungesunden Genuss gab, und so immer der Verzicht als einzige Lösung dieses Problems schien. Für Tabakfreunde ist es auch heute noch so, dass es nichts gibt, was das Erlebnis einer guten Zigarre oder sogar Zigarette (im Sinne des Genusses, nicht der Suchtbefriedigung) ersetzen könnte; beim Alkohol nähern wir uns dem dagegen schon langsam aber sicher an.

Bei Polly hat man inzwischen ein breites Portfolio an alkoholfreien Produkten entwickelt, das eben dieser Person, die auf schädlichen Alkohol verzichten will, dennoch aber dem Genuss nicht abgeneigt ist, einen Ausweg bieten soll. Der neueste Zugang ist hier der Polly Alcohol-Free French Aperitif, der, so vermute ich einfach mal frech, ein Ersatz für den weiterhin extrem beliebten Lillet Blanc darstellen soll. Ich dachte für diesen Fall einfach mal, dass ich für einen kleinen Abend unter Freunden, die gerne Lillet Wild Berry trinken, den French Aperitif mitbringe und ihn sozusagen in freier Wildbahn ausprobiere – es soll ja nicht nur der Gaumen des schon vorgeschulten Testers zu Wort kommen, sondern auch die tatsächliche Zielgruppe. Wie es ausging, erfahrt ihr am Ende des Artikels, erstmal will ich dann doch ein paar Notizen aus meinem Munde mitteilen.

Polly Alcohol-Free French Aperitif

Im Glas erkennt man, dass sich eine minimale Tönung zeigt, nichtmal strohig, eher crèmefarben. Die deutliche Viskosität, die sich beim Bewegen des Glases offenbart, weist für mich schonmal darauf hin, dass man hier nicht einfach nur aromatisiertes Wasser abgefüllt hat.

Die Nase gefällt mir auf eine verrückte Art und Weise sehr, auch wenn sie pur im Glas hart an der Grenze des Künstlichen liegt. Die Mischung aus Frucht, Gewürzen und Blumen erinnert schon sehr an Fruchtkaugummi. Dennoch ist da insbesondere diese an erdig-aromatische Parfüms erinnernde Gewürzkomponente, etwas Nelken, etwas Sternanis, etwas Muskat, dazu Zimt und Vanille, die mich wirklich sehr anspricht und alle Gedanken über Künstlichkeit wegwischt. Tatsächlich schnuppert sich der Polly French Aperitif für mich klar eher wie ein Parfüm als wie eine Spirituose – im positiven Sinne gesprochen. Sehr faszinierend!

Polly Alcohol-Free French Aperitif Glas

Wie bei allen Polly-Produkten ist der Purgenuss nicht Ziel der Übung, darüber macht einem der Hersteller nie Hoffnungen; ganz so weit sind wir mit alkoholfreien Spirituosenalternativen dann halt doch nicht. Dennoch probiere ich nun pur. Und, ich bin überrascht, das funktioniert beim French Aperitif im Gegensatz zum bereits probierten Mexican Classic auch so. Weiche und volle Textur, ausgeprägte Aromen von reifem Pfirsich und Kirschen, dazu Zwetschgen, schöne orangige Zestigkeit mit einer milden, aber effektiven Bittere, frische Blumigkeit von Rosen und Veilchen, und spät dann eben diese Gewürzaspekte, die ich bei der Nase schon angesprochen hatte – das geht richtig gut zusammen, eine tolle Kombination aus interessanten Aromen. Im Abgang klingt noch angenehm herbe Bittere nach, mit Eindrücken von Grapefruit und Zimt.

Na, was soll ich sagen, hier hat man einen echten Treffer gelandet. Das hat wirklich den Charakter eines milden, leichten Aperitifs, kräftige Aromen – und man hat dabei nie das Gefühl, als wäre da kein Alkohol drin, etwas, was mich wirklich überzeugt. Blind hätte ich das niemals als alkoholfreien Aperitif eingeordnet, low-abv sicher, aber komplett alkoholfrei? Irre, das ist wirklich gut gemacht.


Die „Milk Bar“ war einst in Saarbrücken eine Institution – nicht nur, weil ich dort zum ersten Mal einen El-Dorado-Rum getrunken hatte vor langer Zeit, und nicht nur, weil von dort ausgehend das am Sankt-Johanner-Markt jedes Jahr das Primeur-Fest mit Hektolitern des jungen Beaujolais auszuufern drohte, sondern einfach weil der Besitzer ein cooler Typ ist, der immer eine Drinkidee für einen hatte, entspannt war, wenn man das Essen in die Bar bestellte, und als einzigen Feind die Nachbarin im gleichen Haus hatte, die sich über den Lärm beschwerte; sogar im Fernsehen wurde das ausgetragen als Saarbrücken’s zeitweiser Claim to Fame, die Milk Bar bot alles. Auch diesen speziellen Drink: der La Perla wird meist mit anderen Rezepten angegeben, so wie unten steht wurde er dort serviert. Ein Low-ABV-Drink, mit dem French Aperitif als Ersatz für den Lillet Blanc noch ein bisschen leichter. Für die anderen Zutaten gibt es ja heutzutage auch Alternativen – wer es komplett alkoholfrei probiert, lasse mich bitte wissen, wie es lief!

La Perla "Milk Bar Style" Cocktail

La Perla „Milk Bar Style“
1oz / 30ml Martini Rosso
½oz / 15ml Lillet Blanc
¼oz / 7ml Lime Cordial
1 Spritzer Himbeerlikör
Auf Eis rühren. Aufgießen mit Crémant.

[Rezept nach der Milk Bar, Saarbrücken]


Die Flasche ist im bereits bekannten Polly-Format, das Etikettendesign orientiert sich auch hier am flächigen, holzschnittartigen Stil, der gefällt und nicht übertrieben wirkt. Ich habe ein Paket bekommen, in dem neben der French-Aperitif-Flasche noch zwei Kleinflaschen Schweppes Wild Berry, das als Filler für den empfohlenen Signature Drink dienen soll, und zwei Gläser enthalten waren, stilsicher hält man sich auch bei dem Karton an das Corporate Design. Da weiß jemand, was sie oder er tut.

Zurück zum Anfang – bei dem schönen Abend kam die Mischung aus Polly French Aperitif und Schweppes Wild Berry, mit ordentlich Eis und nur leicht umgerührt und etwas dekoriert, ausgesprochen gut an. Alle waren verblüfft, dass es sich um einen alkoholfreien Drink handelt, keiner vermisste irgendwas, und der Geschmack hat alle voll überzeugt, manche haben direkt ihr Smartphone gegriffen und nach einer Bezugsquelle gesucht. Ein größeres Kompliment kann man einem Produkt wohl kaum machen!

Offenlegung: Ich danke Polly für die kosten- und bedingungslose Zusendung des Probierpakets mit dem French Aperitif.

Bier am Freitag – BRŁO Berliner Weisse

Ich mag Sauerbier, seitdem ich meinen (zugegebenermaßen für Biernerds sehr späten) Erstkontakt damit hatte, und freue mich immer wieder, wenn ich ein gut gemachtes Bier dieses besonderen Stils im Glas finde. Den meisten ist er wahrscheinlich nur über die traditionelle Berliner Weisse bekannt, und das, obwohl der Stil am Aussterben ist. Ein paar einzelne Brauer versuchen weiterhin, sie am Leben zu erhalten – dazu gehören auch die Craftbrauer von BRŁO, die mit ihrer BRŁO Weisse das Projekt Biererhaltung unterstützen. „Unsere Berliner Weisse trinkt man kalt und pur“ sagen die Brauer, das ist schon ein anderes Selbstverständnis als das der Brauer, die eigentlich ihre Weisse nur als Basis für grüne und rote Mischgetränke sehen.

BRLO Berliner Weisse

Ein sehr lautes Bier beim Eingießen, da zischt und faucht es lange, selbst nachdem sich der zunächst feinblasige Schaum zügig und knisternd komplett abgebaut hat, die sehr kräftige Perlage sorgt weiterhin für ordentlich Geräuschkulisse. Deutliche Trübung sieht man, wenn man sich vom ohrenbetäubenden Lärm loslöst, farblich in blassem Bernstein gehalten. Der süßsaure Geruch ist sehr typisch für den Stil. Ich rieche hier Milchsäure, wie bei Naturjoghurt, aber das BRŁO hat auch eine deutlich fruchtige Seite, Zitrone und Himbeere, vielleicht Stachelbeeren. Bereits in der Nase ist es also als Sauerbier erkennbar, da freue ich mich als Liebhaber dieser Art von Biere schon auf den ersten Schluck.

Kräftig sauer ist es dann auch, sogar mit leichtem Kratzen im Nachgeschmack. Angenehm rezent durch die Säure und aber auch den starken Kohlensäuregehalt, dennoch wirkt es irgendwie weich und dicht im Mundgefühl. Saure Beeren sind der dominante Eindruck, Johannisbeeren, noch nicht durchgereifte Brombeeren, Stachelbeeren, ein Tick Limette dazu, und eine den angegebenen 5 IBU angemessene Bittere, unterstützt vom Cascade-Aromahopfen. Begleitet wird das von einer unterschwelligen fruchtzuckerlastigen Süße. Der für Weisse üblich reduzierte Alkoholgehalt, hier 4%, ist unschmeckbar, sorgt aber für gute Süffigkeit. Wenig Körper. Milde Bierwürze. Abgang trocken und leicht würzig, aber vom aromatischen Gesichtspunkt aus praktisch nicht existent. Die Säure bleibt als bestimmendes Element noch etwas im Rachen.

Es ist Samstag im Juli 2023, die Sonne brennt unerbittlich heute. Ich kann mir kein besseres Bier für diese Situation vorstellen als das BRLO Berliner Weisse. Ehrlich, das ist leicht genug und aromatisch trotzdem unterhaltsam, und erfrischt wunderbar. Toll gemacht.

Baum, Gras und Wurzel – Lechtaler Haussegen Zirben, Bergheu und Meisterwurz

Auch wenn in Deutschland die Brennkultur genauso traditionell verhaftet ist wie in Österreich, ist mir erst durch unseren südlichen Nachbarn so richtig klar geworden, wie gut traditionell gemachte Brände abseits von Rum, Whisky und Tequila sind. Regionale Zutaten, verarbeitet von handwerklich hervorragend ausgebildeten und engagierten Brennern, meist in kleinen, familiären Betrieben – sowas liebe ich inzwischen mit ganzem Herzen, es ist das völlige Kontrastprogramm zu den massenaustoßenden Großbetrieben, mit denen man als Spirituosenjournalist natürlich auch immer zu tun hat. Beim Lechtaler Haussegen in Elbigenalp, in der Mitte des Lechtals in Tirol, versucht man entsprechend, die Aromen der Natur, die die Brennerei direkt umgibt, in Flaschen abzufüllen. Heute stelle ich drei Produkte der Brennerei vor: Lechtaler Haussegen Zirben, Bergheu und Meisterwurz.

Spannend ist hier die Herstellung, da viele der Basismaterialien der drei Spirituosen nicht auch nur ansatzweise genug natürlichen Zuckeranteil haben, um daraus einen Brand herzustellen – hier kommt der hin und wieder völlig zu unrecht als minderwertiger angesehene Bruder des Brands, der Geist, ins Spiel. Die zuckerarmen Zutaten wie Heu und Zirbenholz werden mit Obst-Basisbränden vergeistet und geben dabei ihre wundervollen, dichten Aromen ab. Ein gut gemachter Geist ist für mich eine spannende Spirituose! Genug des Theoretisierens, wir gehen jetzt direkt mit diesen drei Spirituosen auf eine Wandertour durch die österreichische Bergwelt und lassen unseren Blick über alles, was da so wächst, schweifen: vom Baum zum Gras zur Wurzel.

Lechtaler Haussegen Meisterwurz, Bergheu und Zirben

Ich mag Zirbenholz sehr, immer, wenn ich irgendwo in Österreich unterwegs bin, begegnet einem dieses Holz, sei es in der Auskleidung der Hotelzimmer, in den überall vorhandenen Holzverarbeitungsanlagen oder in den Dekosouvenirs, die man von dort mitbringen kann. Der Zirbenholzgeist vom Lechtaler Haussegen ist darum ein höchst willkommener Gast in meiner Heimbar. Die Herstellungsweise ist anders als bei vielen verwandten Produkten, die Zirbenzapfen extrahieren – hier wird ein Geist aus dem geschnittenen Holz gemacht. Und schon beim Eingießen verbreitet sich entsprechend dieser herbstaubige Geruch des Zirbenholzes um das Glas herum, beim Schwenken der kristallklaren Flüssigkeit verstärkt sich das noch, ein halber Meter Abstand ist nötig, um den Geruch nicht mehr wahrzunehmen. Schnuppert man tiefer, ist das fast schon extrem: eine perfekte 1:1-Abbildung eines Stücks Holz, mit den Spänen und sogar dem Staub, der beim Sägen entsteht, mit viel ätherischem Öl, als würde man sich in einer Schreinerei befinden. Unglaublich und begeisternd, ich hatte mir ja vor ein paar Jahren ein Zirben-Duftspray fürs Kopfkissen gekauft, das riecht bei weitem nicht so intensiv nach Zirbenholz wie dieser Geist hier. Allein für den Duft liebe ich diese Spirituose bereits heiß und innig.

Lechtaler Haussegen Zirben

Und das verrückteste daran ist: hier kann man das ganze auch schmecken. Man stelle sich vor, man hat ein frisch geschnittenes Stück glatt gehobeltes Stück Zirbenholz vor sich, und schleckt dann mit der Zunge darüber. Das ist der Eindruck, den man von diesem Geist bekommt. Man kennt ja vielleicht diese Zirbenholzkugeln, die man auf Wasserkaraffen legen kann, die dann das Wasser ganz vorsichtig aromatisieren; wer eine hat, probiere mal aus, sie abzulecken, dann bekommt man eine Vorstellung davon, wie dieser Geist schmeckt. Es kommen noch im Nachklang vorsichtige Harznoten dazu, ein bisschen Fichtennadelaroma, das ergänzt sich wunderbar. All dem zugrunde liegt eine schwere, natürliche Fruchtsüße, und breite Textur, die den Gaumen ausfüllt, bis im Abgang ein dezentes Zirpen die Zungenspitze warmhält und den Mundraum lange belegt.

Einzigartig, fantastisch. Kreativität und handwerkliche Tradition spielen zusammen, um eine der für meinen Geschmack expressivsten Spirituosen zu erschaffen, die ich seit langer Zeit im Mund hatte: Ein alpiner Bergwald im Glas.


Vom Baum zur niedriger wachsenden Vegetation: Heugeiste sind gefühlt sehr beliebt in letzter Zeit, ich habe mindestens drei Varianten davon zuhause, aus Österreich, Südtirol und Deutschland. Das Original Lechtaler Bergheu zeigt sich glasklar im Verkostungsglas und schwenkt sich ordentlich viskos, dabei bleibt eine schöne, sich langsam ausfransende Ölkante an der Glaswand, und darunter dann ein Gefängnisgitter aus Beinchen.

Der Geruch erklärt einem eigentlich sofort, warum diese Heugeiste so beliebt sind, da fühlt man sich ohne Umschweife auf eine gemähte Wiese versetzt, nicht frisch gemäht, und ohne die Grasigkeit eines grünen Rasens, sondern eine Weide, schon leicht von der Sonne ausgetrocknet, mit Staub in der Luft, wenn man über sie geht, und den vielen kleinen Fliegen, die sich darauf tummeln. Man spürt das leichte Knirschen der trockenen, langen, braungelben Halme, riecht die vereinzelten Kornblumen, Kamille und schwarzen Tee. Dazu wirkt das Lechtaler Bergheu voll und dicht, mit durchaus auch einer gewissen, schweren, süßen Fruchtigkeit, wie in saftigen, roten Äpfeln, kandierten Pfirsichen oder sogar Mango. Urlaub in Österreich für die Nase! Bei der Dichte wird der Geist nicht stumpf, bleibt frisch und hell, ein bisschen Ethanol piekst zwar beim tiefen Schnuppern, dieses sorgt aber auch für die aufklärende Frische.

Lechtaler Haussegen Bergheu

Im Mund spürt man diese zwei Teile separat voneinander – es beginnt mit den milden Äpfeln und kandierten Pfirsichen, vermischt mit etwas Birne und Marille, eine volle Fruchtdosis, die durch die britzelnde Alkoholkante den Gaumen nicht belegt, sondern mit leichtem Kitzeln klärt. Die Textur ist weich, voll, dabei luftig und sauber. Erst im Abgang geht das dann ins namensgebende Heu über, dann aber so richtig, hier wirkt der Geist grasig, heuig, und weist eine sehr prickelnde Weißpfeffrigkeit auf, die ich nicht den 42% Alkoholgehalt zuschreibe, sondern einer wuchtigen Würze. Auch der Rachen wird beim Schlucken leicht gereizt, auf eine sehr angenehme Weise, ohne wirkliches Kratzen, während die Zunge in kaltem Feuer sehr lange glüht, und dabei leicht mentholische Effekte zeigt. Der Nachhall ist dann endgültig wieder die gerochene Bergweide im Spätsommer, mit all den Komponenten, die man daran liebt – und das bleibt dann eine richtig lange Weile bei uns, bis die Zunge gemächlich abkühlt.

Komplex, dicht und voller Eindrücke, gleichzeitig mit Kraft und Power versehen, da wird der Gaumen freigemacht und parallel mit Aromen bombardiert. Das ist wirklich gut gemacht, kein gemütlicher Absacker nach dem Essen, mehr vielleicht als ein Begleiter für einen Zwischengang nach dem Vorbild eines trou normand, oder zu einem grünen Salat mit Blüten und Kürbiskernöl.


Für den dritten Vertreter müssen wir nun sogar graben – der Lechtaler Haussegen Meisterwurz hat als prominente und namensgebende Zutat die Wurzeln der Pflanze, die sich in den österreichischen Bergregionen sehr wohl fühlt: Die Meisterwurz eben. Erneut sind wir bei einer ungereiften Spirituose ohne jede Färbung oder Einschlüsse, die sich an der Glaswand ölig und schlierig zeigt.

Ein verwandter Brand ist der Enzian, und hier erkennt man, schnuppert man am Meisterwurzbrand, tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit. Grün und erdig zugleich, mit einer erkennbaren Kiesigkeit, die an nassen Beton erinnert, aber nicht ganz so stark wie bei einem Enzian. Die Wurzeligkeit ist ausgeprägt, feuchte Erde, Liebstöckel und eine ganz dezente Heidekrautnote mit leichter Floralität, mehr von Lavendel als von Rosen, steigt schnell auf. Man findet auch etwas Obst darin, Quitte vielleicht, und eine milde Apfelkomponente. Der Alkohol gibt einen mentholischen Hauch dazu, und begleitet wird das von etwas Harz. Ein klarer, sehr strukturierter Duft, mit viel Komplexität.

Lechtaler Haussegen Meisterwurz

Initial spürt man aber erstmal eine kräftige, natürliche Süße, die im Verlauf vorhanden bleibt und erst ganz am Schluss in Trockenheit übergeht. Zusammen damit nimmt man zunächst die fruchtige Seite des Brands wahr, ohne dass eine spezielle Einzelfrucht erkennbar wird. Die Textur ist hier bereits sehr dicht und breit, legt sich am gesamten Gaumen ab und bringt ihn dabei zum Brummen, mehr wie von einer Hummel als von einer Wespe. Deutliche Noten von schwarzem Pfeffer bilden sich heraus, und dann kommt die Wurzel selbst, mit schöner Erdigkeit und einer frischen Eukalyptus-Seite, die mich an Latschenkiefer erinnert. Im Abgang betont sich die Meisterwurz nochmal, es entsteht fast feurige Wärme im Rachen, die von dort aus in den Magen und in den Mundraum ausstrahlt. Pfefferminzig frisch klingt der Brand dann sehr langsam aus, mit angenehmer Trockenheit, Würze und Frische, bevor ganz am Ende die Meisterwurz endgültig ankommt und lange verbleibt.

Ich mag Spirituosen, die mich überraschen, und beim Meisterwurz vom Lechtaler Haussegen schafft das mit seiner interessanten Kombination von Frucht und Wurzel. Das schöne daran ist eben, dass man so etwas sowohl als Digestif als auch einfach so für Zwischendurch trinken kann.


Für das nun wie immer folgende Cocktailrezept habe ich entschieden, den Zirbenholzgeist einzusetzen. Hier musste ich etwas kreativer werden als sonst, denn auch nach ausführlicher Recherche habe ich kein bereits fertiges Rezept gefunden, das diesem Brand gerecht werden würde. Der alte Holzmichl stellt ihn in den Vordergrund, füttert etwas Apfelfeuer dazu (Jersey Lightning von Laird’s ist perfekt dafür) und das Elixir d’Anvers bringt den Touch von süßer Herbalität als Ausgleich. Und optisch sieht er dann sogar aus wie ein Stück Holz!

Der alte Holzmichl Cocktail

Der alte Holzmichl
1oz / 30ml Zirbenholz-Spirituose
1oz / 30ml klarer Apfelbrand
¾oz / 23ml süßer, weißer Wermut
¼oz / 7ml Elixir d’Anvers
1 Spritzer Angostura Bitters
Auf Eis rühren. Auf frisches Eis abseihen.

[Rezept nach Helmut Barro]


Es scheint eine alte Tradition zu sein, dass Obstbrände gern in langen, hohen Flaschen abgefüllt wird, das sehe ich überall. Ich persönlich bin kein großer Fan davon, die sind manchmal beim Eingießen ein bisschen mit Vorsicht zu handhaben, da schwappt schnell mehr ins Glas, als man eigentlich will, und in einem Spirituosenregal wie bei mir passen die nur gerade so rein, von der Höhe her. Nun, immerhin sind sie sehr reduktionistisch gestaltet und machen was her, ich würde mir aber gerade bei so komplex hergestellten Bränden ein paar Informationen zum Beispiel auf einem Rücketikett wünschen. Geliefert wurden die drei Flaschen eingewickelt in mehrere Lagen angenehmen, leicht durchscheinenden Papiers, das dann noch ein paar kleine Anekdoten erzählt.

Ein kleines Detail – eine Zirbe und Bergheu kennt man ja doch irgendwie vom Sehen, bei der Meisterwurz ist das vielleicht ein bisschen anders. Bei meinem Urlaub im Pinzgau habe ich am „Berg der Sinne“ am Asitz in Leogang, wo sich ein großer Schaukräutergarten an der Mittelstation auf 1500m befindet, auch die Meisterwurz gefunden. Es ist doch immer schön, wenn man beim Genießen der Brände auch die Basismaterialien schonmal gefühlt, gerochen und vielleicht auch geschmeckt hat. Am Asitz hat die Meisterwurz noch nicht geblüht, doch der Brand wird ja auch aus den Wurzeln gemacht, nicht den Blüten – und ausgraben wollte ich im Schaukräutergarten ja nichts. Da lasse ich dann einfach den Brand vom Lechtaler Haussegen sprechen.

Offenlegung: Ich danke Lechtaler Haussegen für die kosten- und bedingungslose Zusendung dieser drei Spirituosen, und True Spirits für die Vermittlung.

Bier am Freitag – Original Schlüssel Alt

Neulich hatte ich von meiner Stockholm-Reise und dem davorigen Kurzaufenthalt in Düsseldorf berichtet, bei dem ich endlich mal ein paar der alteingesessenen Altbierhausbrauereien besuchen konnte. An dem Tag war das Wetter ziemlich feucht, dennoch konnte man vor der Brauerei bei Schlüssel im Freien an Tischen stehen und sich vom Köbes ein paar Gläschen des Original Schlüssel Alt auf den Tisch stellen lassen, was ich auch getan habe.

Regionale Braugerste und Original-Schlüssel-Hefe sorgen dafür, dass man hier ein wirklich regional verankertes Bier bekommt, mit Terroir, sozusagen, auch wenn das bei Gerste schwieriger als bei Trauben zu verargumentieren ist. 5,0% Alkoholgehalt lassen jedenfalls zu, dass man mehrere der kleinen Gläser trinkt, und im nebenan liegenden Fanshop gibt es auch Flaschen in unterschiedlichen Größen zum Mitnehmen. Eine der mitgenommenen Flaschen mit Bügelverschluss ploppe ich nun für Euch heute auf!

Original Schlüssel Alt

Das Schlüssel ist für mich ein gefühlt etwas helleres, mehr ins leicht roströtliche gehendes Alt. Dennoch bleibt es kristallklar, bildet eine feine Schaumschicht aus, die auch eine ganze Weile bestehen bleibt, in hübschem Kontrast zum dunklen Bier.

Sehr malzig, wie es sein soll, ist das Original Schlüssel, mit schöner Herbe aus dem Hallertauer Aromahopfen, der auch eine ganz vorsichtige Fruchtigkeit mitbringt, ohne, dass man sich an Pale-Ale-Dufte erinnern würde. Kleine Hefenoten sind beständig vorhanden, man verwendet eine eigene hauseigene Hefe bei Schlüssel. Zu guter letzt sind da minimalste, aber erkennbare Anklänge von kalter Holzkohle.

Die Textur ist voll und rund, direkt vom Antrunk an legt sich das Bier breit in den Mund, mit wunderbarer Süßsauer-Balance. Malz ist aromatisch vorne, der Hopfen versteckt sich aber nicht, bringt eine ordentliche, aber nicht astringierende Bittere mit sich. Durch die Mischung aus Säure und Karbonisierung ist das Bier richtig schön rezent, erfrischt toll, ohne dabei irgendwie anzuecken oder kantig zu werden, auch nach einiger Stehzeit. Der Abgang ist kurz, malzig, frisch und leicht, hinterlässt dann etwas bittere Hopfigkeit am Gaumen.

Richtig gut. Völlig unkompliziert, ohne jeden Störfaktor, milder als manch anderes Alt aus der Düsseldorfer Altstadt. Mein persönlicher Alt-Liebling!

Boden und Sonne – Appleton Estate Hearts Collection 1993 und 2002

„Terroir“ ist ein wichtiges Wort in der Welt des Weins. Von dort ist die Verwendung auch zu den Spirituosen herübergewandert, hier ist es allerdings durchaus kontrovers. Der Kritikpunkt an der Verwendung des Begriffs „Terroir“, wie er im Wein verwendet wird, ist letztlich, dass im Gegensatz zu Wein ein sehr dramatischer zusätzlicher Produktionsschritt dazukommt: die Destillation. Man kann durchaus der Meinung sein, dass das Brennen eines fermentierten Basismaterials sehr viel der Eigenheiten des Materials entfernt, insbesondere die feinen Strukturen, die im Wein genau das Terroir ausmachen. Robin Robinson, ein geschätzter Kollege von mir, propagiert darum, lieber den Begriff „Provenance“ zu verwenden, also „Herkunft“, was neben dem Boden auch die Produktionsanlagen und -orte, und die Menschen und ihr Handwerk miteinschließt. Natürlich könnte man einfach den Begriff des Terroir um diese Aspekte erweitern, doch genau das gehört mit zu den kontroversen Aspekten. Diskussion ist jedenfalls genug vorhanden.

Ich komme auf das Thema, das ich auf meinem Blog schon ein paarmal angesprochen habe, weil auf dem Begleittext zu den Appleton Estate Hearts Collection 1993 und 2002, die ich heute vorstelle, explizit erwähnt wird, dass diese Rums „one of the few rums to claim terroir“ sind. Es wird nicht weiter ausgeführt, warum ausgerechnet diese Rums nun Terroir aufweisen und beispielsweise andere von anderen Brennereien nicht – nimmt man die Robinsonsche Sichtweise an, wird das ganze aber selbstverständlich, denn, wie man als aufmerksamer Leser meiner Veröffentlichungen natürlich schon lange weiß, sind viele Rums aus Jamaica allein schon aufgrund der sehr dort besonderen Produktionsweise und der oftigen Verwendung hauseigenen Zuckerrohrs ganz sicher mindestens provenance-aufweisend. Die hier vorliegenden Rums tragen nun also das Terroir des Nassau Valley im Landesinneren von Jamaica in sich, als „Single Marque“ (also kein Blend aus verschiedenen Marques, die Appleton herstellt und die sich hauptsächlich durch ihre Estergehalte unterscheiden) speziell für diese Auflage ausgewählt von Master Blenderin Joy Spence.

Appleton Estate Hearts Collection 1993 und 2002

Gebrannt 2002, abgefüllt 2022, also runde 20 Jahre alt ist der Appleton Estate Hearts Collection 2002. Wie bei vielen Velier-Abfüllungen ist das Etikett bereits sehr sprechend, verzichtet auf Nostalgie und Kitsch, und listet schlicht Fakten über den Rum in der Flasche auf. „Total Congeners 834g/100 LAA“ liest man da, das sagt eigentlich ja nur den Rumnerds was, spielt aber auf das oben erwähnte Marque an, das ausgewählt wurde. Die Fässer, aus denen die Flüssigkeit nach den 20 Jahren komplett tropischer Reifung entnommen wurde, werden angegeben mit den Nummer 404082 bis 404101, da sieht man schonmal, dass bei Appleton kein schlampiges Warenhaus, in dem Fässer „vergessen“ werden (wie das manche Abfüller ja so behaupten), betrieben wird, sondern ein klares System. Wir haben eine von 1100 Flaschen bekommen, die für das VSGB-Projekt abgefüllt wurden, und zwar mit 63% Alkoholgehalt, also Fassstärke.

Appleton Estate Hearts Collection 2002 Single Estate Jamaica Rum

Hennarot im Glas, mit schönen orangenen Lichtreflexen – Farbstoff ist als Zusatz angegeben, er wird wohl für die gleichbleibende Farbe der Reihe genutzt, obwohl ich das für eine derartige, klar an Kenner orientierte Reihe für völlig unnötig halte. Die Konsistenz ist offensichtlich ölig, mit sehr rundem Schwenkverhalten und schweren Wellen. Unscharf abgegrenzte Beinchen laufen sehr langsam ab.

Ich mag die nicht ganz so extremesterigen Jamaikaner lieber als die Esterbomben, und hier wird mir das wieder vor Augen geführt. Wunderbare buttrige Marzipan-Noten, angenehme, milde mandelige Nussigkeit, dazu eine ganz ausgewogene Mischung aus reifer Ananas, grüner Banane und etwas Guave. Das Holz ist mit Vanilletönen vertreten, und man meint wirklich, etwas frischen Zuckerrohrsaft herauszuriechen. Minimalste Lacktöne sind vorhanden und fügen erwachsene Komplexität bei. Trotz der 63% Alkoholgehalt ziept und piekst da gar nichts in der Nase.

Das geht im Mund weiter, eine sehr weiche, runde Textur legt sich auf den Gaumen, initial ganz ohne jedes Feuer, natursüß und schwer. Die Fruchtigkeit übernimmt hier, eher in Richtung getrocknetes Obst allerdings, mit Erinnerungen an Kandiszucker, Bitterschokolade, gebrannten Mandeln, gebräunter Butter, dunklem Karamell und Sirop de Batterie. Ein paar quitschende Estertöne scheinen durch. Ein leichtes Prickeln auf der Zunge ist sehr angenehm und das einzige Zeichen des hohen Alkoholgehalts. Das Holz ist wirklich wunderbar integriert, zeigt sich sehr deutlich, aber ohne zu übernehmen.

Der Nachhall ist dann eisig-feurig, diese paradoxe Eigenschaft mancher Spirituosen fasziniert mich immer wieder. Leichtes Menthol kühlt den Gaumen und den Rachen, während ganz vorsichtig Jasminblüten und etwas grüner Blattschnitt sehr lange nachklingen.

Ein Träumchen, muss ich sagen, das trinkt sich herrlich entspannt und trotzdem mit ordentlich Wumms und Komplexität. So einen Rum wünscht man sich immer daheim zu haben – großartig.


Die Erwartungen an den Appleton Estate Hearts Collection 1993 sind entsprechend damit nun deutlich gestiegen. Erstmal führen wir uns aber auch hier die nackten Zahlen zu Gemüte. 63% Alkoholgehalt, wie schon zuvor, auch die 1100 Flaschen sind gleich geblieben. Sie wurden aber diesmal aus 13 statt aus 10 Fässern geholt, mit den Identifikationsnummern 413487 bis 413499. Die Fässer lagen 29 Jahre in einem Warehouse unter tropischen Bedingungen, nachdem der Inhalt der Fässer in einer Forsyth Pot Still gebrannt worden war. 1456g/hlpa Congeners sind dabei entstanden (man verwechsle nicht Congener mit Ester, letzteres ist eine Unterkategorie des ersteren).

Appleton Estate Hearts Collection 1993

Noch einen Ticken dunkler fühlt sich der ältere Rum an, Gebrannte Siena mit einem minimalen Rotstich. Das Leuchten, das sich im Glas dennoch zeigt, ist beeindruckend, mehr aber noch die Viskosität: in meinem Verkostungsglas verhält sich das wie Öl. Da schaut man einfach gern zu.

Noch lieber schnuppert man dann aber am Glas, da finden sich Banane, Shortbread, Marzipan, ein bisschen Asphalt, Wachsmalstifte und neues Leder, ein Hauch von Anis, viel frischer Zuckerrohrsaft, Kokosnussfleisch, gebrannte Mandeln und das daran klebende Karamell, viel Vanille und ein bisschen Butter, ein Anflug von Muskatnuss und etwas Ahornsirup. Man sieht, da ist verdammt viel Komplexität drin, wenn ich noch länger dran rieche, finde ich sicher noch mehr Eindrücke. Nicht jede Spirituose schafft es, soviel anzubieten – ein Angebot, das man nicht ausschlagen kann.

Ein alter Armagnac, könnte man meinen, findet sich dann im Antrunk am Gaumen, die Frucht ist herrlich ausgeprägt, dazu etwas Traubigkeit und der lange Fasseinfluss. Letzterer hat den Brand nicht übernommen, prägt ihn aber natürlich mit Vanille und Tanninen. Melasse taucht auf, mit voller Pflaumenwürze, und schwerer, dichter, natürlicher Süße, die an braunen Kandiszucker und braune Butter erinnert. Süß, ja, dabei aber nicht klebrig, im Gegenteil, hier ist angenehme Trockenheit, unterstützt von einer runden, gaumenausfüllenden Konsistenz. Im Verlauf taucht erstmals etwas Menthol auf, mit Eindrücken von Anis, ohne ins Lakritzige abzudriften, und der Frischeeffekt wird immer stärker bis zum langen, anhaltenden, frischen und vollaromatischen Finish, bei dem dann die Gewürze wieder auftauchen, von Muskatnuss über Kardamom bis zum Piment. Der Geschmack ist somit nicht weniger komplex als die Nase – ein rundes Gesamtpaket.

Beim 1993er spürt man die Komplexität deutlicher als beim 2002er, er ist etwas schwieriger zu verstehen, aber die Mühe lohnt sich. Kein Rum zum Trinken nebenbei, sondern etwas, auf das man sich einlassen und Zeit mitbringen sollte.

Ich erwähne es immer wieder, schlicht weil es so liebevoll gemacht ist – das Design der Auflagen im VSGB-Projekt (Velier Small Great Bottles) erfreut den Kenner einfach. Das Herz geht mir auf, wenn ich die feinen Details betrachte, die großartige Haptik der Etiketten und Kartons befühle, hier wird an keiner Stelle gespart, und diese oberflächliche Qualität der Materialien betont dann einfach die unzweifelhafte Qualität der Brände, die sich darin befinden, noch einen Ticken. Wer eine Chance hat, an diese Kollektion heranzukommen, sollte sie nutzen. Einfach guter Stoff.

Bier am Freitag – Battin Gambrinus

Luxemburg ist nur ein Katzensprung von mir entfernt, aber ich komme heutzutage nicht mehr so häufig hin wie früher – die Benzinpreisunterschiede sind nicht mehr ganz so dramatisch, Zigaretten werden nicht mehr gekauft und Kaffeepads brauch ich auch nicht mehr, seit ich selber mahle und eine French Press nutze. Wenn man doch mal durch- oder hinfährt, zum Beispiel neulich, als es mit LuxAir nach Treviso ging, nehme ich gern was Lokales mit. Zum Beispiel das bei der Brasserie Nationale in Niederkerschen (luxemburgisch Nidderkäerjeng, französisch Bascharage) gebraute Battin Gambrinus. 5,2% Alkoholgehalt, Zutaten aus der Region, da kann ja grundsätzlich nicht viel falsch laufen, oder?

Battin Gambrinus

Eine mimimalste Trübung ist sichtbar, das stört aber den ingesamt schönen Eindruck des ockergelben Biers nicht, wenn man es eingegossen hat. Der Schaum ist fluffig und gemischtblasig, eher zum Feinen tendierend, und bleibt durch eine attraktive Perlage auch eine gewisse Zeit in schönem Umfang erhalten.

Die Nase ist eher fruchtig, sehr reife Banane, deutlicher Pfirsich, direkt aber unterstützt von zugrundeliegender Getreidewürze. Das Malz lässt sich vom Hopfen nicht dreinreden, spielt eine große Rolle. Fast ein bisschen holzig riecht sich das, mit einem Anflug von hefigem Champagner. Ja, irgendwie hat dieses Bier einen Schaumweincharakter im Geruch. Gar nicht unangenehm.

Der Antrunk zeigt sich erstmal texturdefiniert, sehr weich, sehr rund, dabei aber durchaus schon mit etwas Säure versehen. Ein gewisses Prickeln legt sich an den ganzen Gaumen, die Zunge wird minimalst gereizt, so entsteht ein sehr angenehmes Frischegefühl. Gut eingebunden ist eine natürliche Süße, die dann die blumigen Aromen des Nachhalls vorbereitet – spät klingt so einiges an Jasmin nach.

Das Bier ist völlig unkompliziert, macht dabei aber auch richtig Spaß, hier passt irgendwie alles zusammen. Rund und süffig – wer mal nach Luxemburg kommt, sollte das Battin Gambrinus definitiv mit auf die Trinkliste setzen.