Gangs of Chicago – Kristone Handmade Vodka

Wodka muss man verstehen lernen, wie jede Spirituose. Hierzulande hat er weiterhin flächig den Ruf, als reiner Alkohollieferant zu dienen, für Vodka Lemon und andere Partydrinks. Anspruchslos, an der Supermarktkasse legen ihn die Alkoholiker in kleinen Portionen aufs Förderband. Neutralsprit. Vorurteile halt! Nicht nur der Laie, auch viele Kenner haben noch nicht begriffen, dass es bei Wodka, wie bei allen Kategorien, solche und solche gibt. Wer im Discounter den 5€-Gorbatschow kauft, darf nicht damit rechnen, eine Geschmacksexplosion vorzufinden – und man sollte dieses Erlebnis nicht als Standard für eine ganze Kategorie hernehmen. Beim Spirituosenwettbewerb ISW in Neustadt/Weinstraße habe ich inzwischen mehrfach Flights aus Wodka mitgemacht, die die Spannbreite dieser Spirituose aufzeigen, und da bei solchen Wettbewerben eher die ein Produkt einreichen, die stolz darauf sind als die, die mit anonymer Massenware Geld verdienen wollen, sieht man in solchen Flights eben erst das Licht, das einem beim Probieren aufgeht.

Die Crystal Rain Distillery in Wheeling in den USA legt erkennbar Wert auf die Herstellung und fällt damit sicherlich eher unter die erste Gruppe denn die zweite. Das beginnt mit einem Biosiegel, das man sich bei Spirituosen nicht leistet, wenn man nicht davon überzeugt ist, dafür ist es zu teuer. Der Bio-Winterweizen für den Kristone Handmade Vodka wird fermentiert und dann 6-fach destilliert, ich danke dem Hersteller hiermit für eine Zahl, die nicht dreistellig ist, und man so eines der Probleme dieser Kategorie umschifft, nämlich, dass das Marketing lächerlich geworden ist. Mit der eingesetzten Silber- und Platinfiltrierung habe ich auch so meine Probleme, sicherlich sind beide Stoffe Oxidierungshilfsmittel, mit denen unerwünschte Störstoffe aus dem Destillat gefiltert werden, das ginge sicherlich auch mit schlichter Kohlefiltration, doch das klingt dann halt nicht so gut. Nun, manche Dinge muss man einfach machen, da die Kunden darauf anspringen, darum kritisiere ich das nicht wirklich, und es schadet ja auch kein bisschen. Mit 40% wird der Kristone Handmade Vodka dann abgefüllt. Holen wir ihn wieder raus aus dem Glasknast und genießen ihn so, wie man es auch bei Wodka tun soll – im Stielglas statt im Shotbecher!

Kristone Handmade Vodka

Klar, rein und sauber – ich hätte auch nichts anderes erwartet. Die Konsistenz ist dagegen schon beschreibungswürdiger, man spürt beim Schwenken die Viskosität sehr deutlich, das schwappt schwer und hinterlässt auch viele Artefakte an der Glaswand, die schnell ablaufen.

Ich sage es bei jeder Besprechung von Wodkas hier auf meinem Blog: ein guter Wodka ist kein Neutralsprit. Jeder Zweifel wird auch beendet, wenn man die Nase ins Glas hält, da findet man direkt würzige Getreidigkeit, der Weizen ist sehr deutlich ausgeprägt, aromatisch, leicht zitrusfruchtig, frisch und hell. Minimalste Gewürztöne spielen da noch rein, ein Hauch von Zimt, ein bisschen ein floraler Aspekt, alles aber klar dem Weizen untergeordnet, wie es sein soll. Riecht man tief, findet man ganz dezent Lack, aber wirklich nur wenig, eine gewisse Alkoholizität lässt sich nicht verneinen, aber auch sie ist gehört für mich dazu und stört keine Sekunde.

Kristone Handmade Vodka Glas

Man hat es bereits gesehen, im Mund bestätigt sich die Öligkeit dieses Wodkas dann deutlich. Eine runde, schwere, dichte Textur breitet sich aus, legt sich über den ganzen Gaumen, ohne ihn zu beschweren. Stark ausgeprägte Süße unterstützt das, mir ist das stellenweise fast zu viel, denn sie macht den Kristone schwer und ein bisschen stumpf, weil auch ein gewisser Anteil Vanille dazukommt. Die Aromatik dagegen punktet voll, Weizen ist klar erkennbar, sauber, rein und dabei trotzdem sensorisch durchaus spannend. Mildfruchtige Töne kommen im Verlauf, Grapefruitzeste dazu, danach entsteht eine ganz feine, brummende schwarzpfeffrige Wärme, der kräftigen Würze entspringend, nicht brennend oder alkoholisch. Diese Wärme begleitet uns lange und bis zum Schluss, wenn der Kristone langsam, gemütlich und mit viel dichtem Nachhall ausklingt.

Ein Wodka mit eigenem Charakter, ganz sicher – für mich ist bei dieser Kategorie das Mundgefühl mit das wichtigste, und da enttäucht mich dieser Wodka überhaupt nicht, im Gegenteil, das liegt echt gut am Gaumen, ohne Ecke und Kante. Etwas, so verrückt sich das für manche anhören mag, die sonst nur die dünnen und billigen Supermarktwodkas kennen, das man einfach so vor sich hin schlürfen kann.


Entsprechend dieser Eigenschaften kann man den Kristone durchaus nicht nur als Alkohollieferant in Cocktails einsetzen, sondern als aromatische Zutat. Der Absolute Gangster ist gefühlt eine gewisse Variation auf einen Vodka Martini, grenzt sich aber schon deutlich von seinem Vorbild ab. Mit dem Kristone und unterstützenden Zutaten trinkt sich das, dem Namen gemäß, sehr gefährlich! Und er passt natürlich zur Region, aus der der Wodka kommt: Chicago und Gangster, das gehört einfach zusammen.

Absolute Gangster Cocktail

Absolute Gangster
2oz / 60ml Wodka
½oz / 15ml Lillet blanc
1/6oz / 5ml Zuckersirup
4 Tropfen Abbott’s Bitters
Auf Eis rühren. Auf einem großen Eiswürfel servieren.

[Rezept nach Ricardo Dynan]


Ich mag mattierte Flaschen, das fühlt sich einfach gut an – hier hat man ein aufwändiges Verfahren genutzt, um sowohl klare als auch mattierte Teile zu haben. Hübsches Detail, das erst auf den zweiten Blick auffällt. Die Standardflasche wird dadurch durchaus aufgewertet, so wie durch das stilsichere Design mit Schwarz und einzelnen Goldapplikationen.

Ich hatte damit eingeleitet, dass man Wodka verstehen muss, um ihn wirklich genießen zu können. Vielleicht wäre der Kristone Handmade Vodka ein guter Kandidat, sich mal mit einer Flasche hinzusetzen und ihn schlückchenweise zu genießen statt ihn runterzustürzen in Shots oder Longdrinks. Tauglich dafür ist er!

Offenlegung: Ich danke FFL -Spirit Brands- für die kosten- und bedingungslose Zusendung einer Flasche dieses Wodkas.

Bier am Freitag – Chimay Pères Trappistes Dorée Blonde Légère, Rouge Brune, Triple Blonde und Bleue Brune Forte 2023

Einer der lokalen Edekas bei mir in der Region hat sich zum wahren Freudenquell entwickelt, was Biere angeht. Da stehen immer wieder neue Sachen herum, die man ausprobieren kann, und zwar nicht das Standardsortiment, sondern auch interessante Klassiker aus England, Österreich und vor allem Belgien, die man sonst nicht so in Supermärkten sieht. Als neulich das fast komplette Set an Bieren von Chimay Pères Trappistes dort zu finden war, habe ich natürlich sofort an eine Tastingreihe gedacht und mir alle vier vorhandenen in mehrfacher Ausfertigung aus dem Regal gegriffen. Die Fläschchen sind nicht ganz billig, aber, ich nehme das vorweg, sicherlich ihren Preis wert. Also, ran an Chimay Pères Trappistes Dorée Blonde Légère, Rouge Brune, Triple Blonde und Bleue Brune Forte 2023!

Chimay Pères Trappistes Blonde dorée, Brune, Triple, 2023

Vier Biere, offensichtlich voneinander abgegrenzt durch ihre Etikettenfarbe. Wir trinken uns von links nach rechts durch, wie man das bei Verkostungen machen sollte: mit steigendem Alkoholgehalt und zunehmender Malzigkeit.


Chimay Pères Trappistes Blonde dorée

Der Name des Chimay Dorée Blonde Légère / Goud Blond passt sicher zu diesem leicht milchigblassen, teiltransparenten Gold mit feinblasiger, weißer Schaumkrone. Man hat aber wenig Zeit, diesen Anblick zu genießen, denn beim Eingießen verströmt das Blonde Dorée sofort weitflächig eine sehr bezaubernde Blumigkeit, der man kaum entgehen kann – keine wirklichen Blütennoten, mehr diese Art, die bei frisch zerdrücktem Getreide entsteht, mit Stärke-, Teig- und Kuchenaromen. Wunderbar, wirklich etwas, was ich gerne rieche. Am Gaumen wird das konsequent fortgeführt, auch hier ist diese streuselige Mischung aus Aprikosen, Rosenblättern, süßem Windbeutel und einem leicht grünen Geranieneinschlag vorhanden. Eine dickflüssige Textur unterstützt das, und eine freche Säurekante und prickelnde Karbonisierung machen das Bier dann erfrischend. Diese über allem liegende Floralität dominiert auch den Abgang, süßbitter, auf der Zunge leicht astringierend. Besonders und extrem eigen, das Bier erkennt man unter Hunderten wieder, garantiert. Und mit 4,8% Alkoholgehalt ist das was, was man zwischendurch auch gut öfters trinken kann.


Chimay Pères Trappistes Brune

Auch beim Chimay Rouge Brune / Brun habe ich am Namen nichts auszusetzen: haselnussbraun, dabei praktisch blickdicht, mit sehr kräftiger Schaumentwicklung beim Eingießen. Im Gegensatz zu vielen anderen Flaschengärungsbieren ist der sehr grobblasige Schaum hier aber recht stabil und bleibt lange in zentimeterdicker Schicht erhalten. Der Geruch ist sowohl frisch, aber auch extrem malzig und würzig. Da sind viele rostige Nägel, nasses Holz und feuchtes Getreide. Röstaromen findet man auch, die aber von einer leichte Zitrusnote aufgefangen werden. Sehr attraktiv und stimmungsaufhellend für Menschen wie mich, die malzige Biere mögen. Im Antrunk ist das Brune weich, später frischer und mit dan kontrapunktierender kräftiger Säure. Vollmundig und rund, natürlich malzig auch im Geschmack, und ebenso leicht zitronig. Man hat für die meinen Geschmack perfekte Bittere getroffen, und es bleibt durchgängig rezent und erfrischend. Der mittellange Abgang wirkt mildherb, leicht trocken. 7% Alkoholgehalt sind gut gewählt und eingebunden, die angegebenen 10-12°C eine Trinktemperatursempfehlung, die ich voll unterstütze. Aromatisch nicht begeisternd, eher zurückhaltend, dafür in seinen Frischeeigenschaften gut. Ein tolles Genussbier für den lauen Sommerabend.


Chimay Pères Trappistes Triple

Den Alkoholgehalt hat man für das Chimay Triple Blonde/ Tripel nochmal einen Ticken auf 8% hochgefahren. Man sieht zunächst kräftiges, trübes Gold, fast in Terracotta übergehend. Wie schon bei den Vorgängern ist der Schaum beim Eingießen sehr stark, eher grobblasig, und darum sackt die initial grandiose Schaumhaube zwar zusammen, bleibt aber grundsätzlich gut erhalten. Die Nase findet zwei Komponenten: einerseits klare Getreiderostigkeit, andererseits milde Tropenfrucht, die ganz dezent Banane und Mango kombiniert, ohne dass das auch nur ansatzweise Pale-Ale-Ausmaße annimmt; frisch und leicht riecht das. Auch das Geschmackserlebnis ist deutlich zweitgeteilt. Im Antrunk ist das Triple leicht süß, malzig, mit Anklängen von würzigsüßem Honig. Nur wenig später wird es kräftig bitter und eher säuerlich. Grapefruit ist die nächste Assoziation, diese mittlere Bittere und Zestigkeit der Frucht finde ich hier wieder, das macht das Triple beinahe etwas kantig, stellenweise gefühlt holzig. Interessant! Frisch und rezent sind beide Aspekte, vielleicht nicht ganz so wie beim Brune. Das Mundgefühl mag ich sehr, es liegt gut im Mund und hat eine feste Textur, wird aber nie wirklich weich, das kühlt den Gaumen mit einer fast minzigen Eigenschaft. Der Abgang passt sich dem an, ist sehr trocken, knackig bitter, mittellang. Sicher ist das Triple nicht so gefällig und rund wie das Brune oder trinkig wie das Blonde – aber spannender und komplexer.


Chimay Pères Trappistes 2023

Kommen wir zum letzten des Quartetts, dem Chimay Bleue Brune Forte 2023. Dies ist ein Jahrgangsbier, das jedes Jahr neu speziell eingebraut wird. Ich habe hier nun ein fastaktuelles aus 2023 vor mir, im Kopf behalte ich die Tasting Notes, die ich mir vor langer Zeit für das 2016er-Bleue gemacht hatte. Mit 9% Alkoholgehalt ist es das stärkste, und mit seiner Mahagoniholzfarbe und kompletter Blickdichte auch das dunkelste. Der Schaum ist kräftig, unten fein, oben großblasig, und er bleibt lange auf dem Bier stehen. Die „starke Ausflockung von Heferesten“, die ich beim 2016er gesehen hatte, sind hier nicht sichtbar. Gleichgeblieben ist aber der extrem metallische Geruch, sehr rostig, danach erst kommt das dunkle Malz. Leichte Grapefruitschalenzestigkeit riecht man, und durchaus eine gewisse Note von Suppengrün. „Auch im Mund sehr stark metallisch, wirklich wie frische Stahlnägel aus dem Baumarkt“, hatte ich mir fürs 2016er notiert, bei der 2023er-Auflage ist das Malz sehr viel mehr im Vordergrund dafür, röstig, schokoladig, hefig, bananig, fast holzig. Die knackige Bittere spürt und schmeckt man, sie wird von schwerer Süße etwas aufgefangen. Rezenz ist trotz allem gut, auch durch die milde Säure, die alles aufhellt. Man hat fast den Eindruck von Zuckerwatte oder Fruchtkaugummi, da ist eine schöne Mischung aus tropischer Frucht und Floralität (letzteres ist ja bei allen Chimays erkennbar). Der Abgang ist süß und weich, malzig und mit sich erhaltender sanfter, dickflüssiger Textur. Hier bekommt man was, an dem man lange schlürfen kann!


Das ist ein schönes Quartett an sehr unterschiedlichen Bieren, bei denen es insbesondere Spaß macht, eben diesen Bogen vom leichten Blonden bis zum süßschweren Blauen nachzuvollziehen. Und jedes für sich ist aber auch süffig und unterhaltsam, alleinstehend. Diese Testrunde werde ich noch öfters machen – und dann noch die ausstehenden 150 Blonde Forte (im grünen Mantel) und Grande Réserve Fermentée en barriques (in der schwarzen Flasche und besonderem Etikett) dazu mitaufnehmen.

Imperiale Ambitionen – Carlos I Imperial X.O. Solera Gran Reserva Brandy de Jerez

Spanien ist Europameister im Herrenfußball, und hat im Finale gegen ein doch erkennbar unterlegenes England gewonnen. Hatte ich neulich noch über die alten Beziehungen zwischen England und Frankreich philosophiert, so muss man auch die Geschichte dieser beiden Länder ansprechen – sie ist ähnlich bewegt und weist dramatische Feindschaften auf, die glücklicherweise heutzutage auf dem grünen Rasen ausgetragen werden statt auf hoher See mit Kriegsschiffen. Abgesehen davon, dass die ganzen Renaissance-Königshäuser eh eigentlich alle nur unwesentlich weit voneinander durch Verwandschaftsgrade getrennt (oder vereint) sind, tun sich auch auf wirtschaftlicher Ebene einige interessante Gemeinsamkeiten auf. So wie Mitte des 18. Jahrhunderts ein gewisser Richard Hennessy in Südfrankreich ein kleines Cognachaus gründete, machte das Thomas Osborne Mann nur wenige Jahre später in Südspanien ihm nach – er exportierte hauptsächlich vinos generosos von der neuen in seine alte Heimat.

Heute ist das Unternehmen ein weiterhin familiengeführter Konzern und hat viele bekannte Marken unter seinem Schirm vereint; eine der bekanntesten ist wahrscheinlich der Weinbrand Veterano, aber direkt danach ist die Marke Carlos I Imperial X.O. Solera Gran Reserva Brandy de Jerez vielen Lesern hier sicherlich schon eine ganze Weile auf dem Radar. Man findet ihn in vielen Supermärkten, die edel aufgemachte Schachtel und die schwere Flasche sorgen sicherlich für viele Spontankäufe, wenn man etwas besonderes haben will – hält der Inhalt der Flasche, was die edle Verpackung und der große Name versprechen? Der vor vielen Jahren von mir bereits besprochene Carlos I Solera Gran Reserva (nur ohne das „Imperial“) war diesbezüglich ja eine Luftpumpe, geben wir dem größeren Bruder aber trotzdem noch eine ehrliche Chance!

Carlos I Imperial X.O. Solera Gran Reserva Brandy de Jerez

Die Form der Flasche betont die Farbe – direkt aufs Glas sind die goldenen Schriftzüge angebracht, ohne jedes Klebeetikett, da sieht man die gebrannte Siena, beinahe schon Espresso. Im Glas wirkt der Brandy deutlich heller, bleibt aber natürlich weiterhin dunkelbraun mit rötlichen Einschlägen, vielleicht hier dann Pariser Rot. Mittlere Viskosität zeigt sich beim Schwenken, mit dicken Beinen, die schnell abfließen, aber weiterhin einen öligen Film an der Glaswand hinterlassen.

Die Nase überzeugt mich dann aber schon erkennbar weniger, da kommt einem erstmal eine dicke Ladung dünnpieksendes Ethanol entgegen, etwas Plastikkleber, das legt sich bis auf die Bronchien, überhaupt kein Vergnügen. Auch mit etwas Offenstehzeit bleibt der Carlos I Imperial X.O. geruchlich dünn, schmal und voller Lösungsmittel und störender Destillationsartefakte. Erst, wenn man das aktiv ausblendet, findet man Trockenobst, Orange, Mandarine und dunkle Sherry-Fruchtigkeit, begleitet von erkennbaren Nusstönen. Schade, das könnte sehr aromatisch und angenehm sein, ist es aber nicht. Da hätte man sehr, sehr viel mehr erwartet – mich erinnert das an einen der günstigeren Drei-Sterne-Metaxas.

Carlos I Imperial X.O. Solera Gran Reserva Brandy de Jerez Glas

Im Mund versöhnt einen der Carlos X.O. dann aber direkt wieder etwas, hier wirkt er viel voller und dichter, als die Nase das vermuten ließ. Angenehme Balance zwischen Süße und Trockenheit zeigt sich, im Verlauf gewinnt letztere, ohne wirklich astringierend zu werden. Der Körper bleibt sehr leicht, und unterschwellige Anis- und Süßholznoten betonen das noch, auf eine sehr erfrischende, unterhaltende Art und Weise. Gedörrte Aprikosen, saftige Datteln und etwas Orange bilden die kräftige Fruchtbasis, die durch sehr viel Pflaumen und mehr als ein Touch Melasse noch etwas dunkler getönt wird. Leichte Anklänge an Kaffee und Bitterschokolade fallen nun auf. Hier gefällt mir der Brandy richtig gut, ich nutze die Chance ihn zu genießen, bevor er am Ende wieder alkoholischer, feuriger und pfeffriger wird, alles eher unrund und kantig, und er mit einem beinahe kratzigen, holzigen Gefühl im Rachen ausklingt und Jasminblütigkeit hinterlässt, die irgendwie unmotiviert den Nachhall bestimmt.

Mir fällt schwer, hier eine wirklich positive Note zu finden, auf die ich mich einigen könnte – die Ecken, Kanten und irgendwie gefühlten Fehler dominieren das Erlebnis im Endeffekt für mich zu sehr. Das ganze wirkt nicht angenehm und balanciert, sondern unreif, derb und handwerklich wenig überzeugend. Mein Fazit – ein Massenprodukt ohne echten Charme, das seine Highlights nur kurz zeigen kann.


Ich trinke sowas nicht pur, das ist mir zu unausgereift, um alleinstehend im Glas wirklich Freude zu bereiten. Und so ist der Carlos I X.O. eine Mixzutat geworden, bei der andere Zutaten die Mängel ausgleichen, und er selbst seine Stärken allein vorstellen kann – diese paar Momente der wunderbaren Dunkelfruchtigkeit, so wie im Call Me Ish, wo der Körper, die Dichte und die Samtigkeit von den Mitspielern kommt. Am Ende dieses Drinks weiß man, warum es sich vielleicht doch lohnt, so eine Flasche zuhause zu haben.

Call me Ish Cocktail

Call me Ish
1oz / 30ml spanischer Brandy
1oz / 30ml Bourbon
1oz / 30ml Amaro
3 Spritzer Orange Bitters
Auf Eis rühren. Mit einer Kirsche servieren.

[Rezept nach Drew Nemetz]


Viele, die dieses Produkt kaufen, werden dies aufgrund der üppigen Präsentation tun – die Flasche und der Karton machen ganz sicher was her, ohne Frage, das zieht auch die Blicke auf sich und macht den Brandy zu einem Hingucker. Persönlich ist das für mich aber reine Augenwischerei, wahrscheinlich kostet die Flasche, die wirklich toll ist, in der Herstellung nur unwesentlich weniger wie der Inhalt. Nun, das ist zumindest eine Flasche, die nicht ins Altglas geht, sondern als Behältnis für hauseigene Blends oder ähnliches weiterhin bei mir zuhause ihr Dasein fristen wird.

Wie ich schon bei italienischem Brandy festgestellt hatte, und was so eigentlich auch für französischen gilt: man muss etwas mehr Geld in die Hand nehmen, um vernünftige Qualität zu bekommen. Wer in der Preisklasse um die 30€, die man für den Carlos I X.O. meist hinlegt, etwas besseres haben will, sollte sich eher in Deutschland oder Armenien umschauen. Da findet man dann schon sehr viel unterhaltsameres als diesen mäßig überzeugenden Spanier.

Bier am Freitag – Diekirch Premium und Grand Cru Bière Ambrée

Ich war 2023 öfters in Luxemburg, der Flughafen dort liegt einfach sehr günstig für mich und man fliegt mit LuxAir sehr komfortabel in viele Regionen Europas, die letzte Propellermaschine brachte mich nach Venetien, davor war Lissabon das Ziel. Jedesmal probiere ich ein lokales Bier, und diesmal habe ich mich für zwei Produkte der Brasserie de Luxembourg Mousel Diekirch entschieden; Diekirch ist ein Ort in Luxemburg. Mich faszinierte der Spruch „Zu Lëtzebuerg gebraut – Zanter 1871“, dazu ein paar französische Wörter drauf, die das Sprachmischmasch in Luxemburg gut wiederspiegeln, sowas fasziniert mich. Also stelle ich heute das Diekirch Premium und das Grand Cru Bière Ambrée vor.

Diekirch Premium und Grand Cru Bière Ambrée

Probieren wir erstmal die kleinere Dose. Das Diekirch Premium wird als „bière blonde“ oder Lager deklariert, ganz klar ist das nicht, wir wollen aber auch nicht päpstlicher sein als der Papst. Jedenfalls weist es 4,8% Alkoholgehalt auf und ist im Glas kristallklar, strahlend blond, ohne jeden Anflug von Trübung. Reinweißer Schaum bildet sich fingerdick, bleibt halb so stark eine ganze Weile stehen. Man sieht leichtes Mousseux. Ein optisch sehr ansprechendes Bier.

Diekirch Premium

Die Nase ist vergleichsweise zurückhaltend, typisch für ein Helles oder ein Export, etwas hopfig, etwas hefig, nur leicht malzig – na, da gibts eigentlich, wenn man ehrlich sein will, nicht wirklich viel darüber hinaus zu berichten.

Im Mund fällt zunächst eine weiche Textur auf, sehr rund und dabei trotzdem klar bleibend. Eine minimale blumige Note ist da, gar nicht unangenehm oder als Fehlton wahrnehmbar, dazu die hopfige Frische und feine Herbe. Im Verlauf spürt man letztere etwas deutlicher, dennoch bleibt es ein eher mildes Bier, da kratzt nichts. Die Exportaromatik ist klar definiert, ein sehr typisches und traditionelles Bier ohne viel Experiment – das ist aber auch nicht schlecht zwischendurch, vor allem, wenn es so ein tolles Erfrischungserlebnis bietet mit ordentlich Rezenz.


Das Diekirch Grand Cru Bière Ambrée hat im Gegensatz zum hellen Vorgänger Hopfenextrakt und Zuckersirup als Zutaten auf der Liste, ersteres kann funktionieren, wenn man es gut macht, zweiteres darf für mich höchstens für die Flaschengärung eingesetzt werden, bei einer Dose bin ich da skeptisch. 5,1% Alkoholgehalt gebe ich einfach mal so weiter.

Diekirch Grand Cru Bière Ambrée

Die Farbe des Biers ist fast identisch zur Dosenfarbe, ein rostiges Haselnussbraun, würde ich sagen, sehr klar, minimalst opalisierend vielleicht. Der Schaum ist kräftig, bleibt auch lange erhalten, in sehr gemischtblasiger Form. Die Nase wirkt ebenso rostig wie die Farbe, ein bisschen malzig, ein bisschen hopfig, aber beides ist mehr erahnbar denn wirklich handfest sensorisch festmachbar. Ein kleiner Fruchtanteil schimmert durch.

Am Gaumen merkt man direkt, dass der Zuckersirup nicht den Hefen als To-Go-Nahrung während der Flaschenreifung diente, sondern im Bier erhalten bleibt und dieses doch ein bisschen süßer macht, als ich es bei Bier wirklich mag. Nicht dramatisch aufdrängend, doch es ist ein durchgängiger Störfaktor, der mich den Rest des Biers nur wenig genießen macht. Ein bisschen Säure gleicht die allergröbsten Pappattacken aus, doch sensorisch ist außer diesen beiden Aspekten kaum etwas vorhanden. Im Abgang kratzt es sogar ein bisschen, und der Rostnagel wird voll ausgepackt. Kein Bier, das ich mir nochmal holen werde – den Sirup verzeihe ich in dieser Form nicht.


Man sieht – keine wirklichen Knaller, für die man extra nach Luxemburg fahren müsste. Da bietet das Land bessere Alternativen.

Geschichten aus 1001 karibischer Nacht – Foursquare Raconteur Single Blended Rum

„Did you know? [The word] Raconteur has old French roots.“ Ach! Das Wörterbuch von Merriam-Webster ist hier vielleicht ein bisschen platt direkt, aber wenigstens machen einem solche Wörter, die tatsächlich zur englischen Sprache gehören, etwas klarer, was das moderne Englisch ist: eine wilde Mixtur aus britonischen, germanischen und französischen Bestandteilen, mit etwas Latein angereichert, erklärt natürlich durch die bewegte Eroberungsgeschichte der britischen Inseln. Insbesondere die historischen Verbindungen zwischen England und Frankreich haben dafür gesorgt, dass es dermaßen viele französische Lehnwörter im Englischen gibt, dass man ohne sie praktisch keinen Satz schreiben kann – das läuft aber unter dem Radar, und kaum ein native speaker ist sich dessen bewusst. So musste ich neulich lachen, als eine Petition für die „Reinheit der englischen Sprache“ veröffentlicht wurde, in deren Text ein humorvoller Kommentator jedes zweite Wort als Lehnwort markiert hatte; solche Dinge zeigen einem die Futilität jeder präskriptiven Sprachpolizei. Pardon my French.

Die Wortgeschichte ist aber hier nur von untergeordneter Bedeutung, man hat sich bei Foursquare schon vor ein paar Jahren entschieden, seltsame Wörter für ihre Abfüllungen zu verwenden, mit mehr oder weniger Sinn dahinter. Die „Geschichtenerzähler“, so die Übersetzung des Worts, die man mit dem Foursquare Raconteur Single Blended Rum ehren möchte, sind Luca Gargano und Stephen Remsberg, zwei wohlbekannte Namen in der Rumwelt. Entsprechend hat man hier zwei Rums verblendet, die beide für sich schon ein Blend sind: aus einem Destillat der typischen Foursquare-Kombination von Double Retort Pot Still und traditioneller Coffey-Doppelsäule hat man einen Teil 17 Jahre in Ex-Bourbon-Fässer gelegt, und einen zweiten Teil erst für 5 Jahre in ähnliche Ex-Bourbon-Fässer, danach weitere 12 Jahre in Ex-Sherry-Oloroso-Fässer. Kompliziert und verschachtelt wie die Geschichten aus 1001 Nacht, so eine Mixtur hätte man auch „Sheherazade“ nennen können! Am Ende steht jedenfalls das älteste Endprodukt, das Foursquare bisher mit Velier abgefüllt hat. Genug Geschichten erzählt, ab ins Geschmacksprofil.

Foursquare Raconteur Single Blended Rum

Ich bin zu voreilig – wir schauen uns einen solchen Brand ja immer erstmal rein optisch an. Hier würde ich farblich ein Terracotta zuordnen, mit hellorangenen Lichtreflexen, die fast ins Weiße übergehen. Im Schwenkverhalten gefällt mir die Schwere, mit der sich die Flüssigkeit bewegt, die kleinen Strudel, die sich dabei bilden, und der Flocatiteppichrand, den man danach an der oberen Glaswand findet; er bleibt lange so stehen.

Barbados-Rum hat, wenn tatsächlich rein auf Barbados hergestellt, gereift und abgefüllt (nein, das ist nicht so selbstverständlich, insbesondere die letzten zwei Punkte sind durch gewisse Abfüller leider stark aufgeweicht), eine extrem hohe Typizität in der Nase. Raconteur bildet das wirklich extrem gut ab: Ein mildes Fruchtkompott aus Orange, ältere Mandarinenschale und einem Tick Litschi bildet die Basis, darüber kommt ordentlich Kokosfleisch aus einer frisch geöffneten Nuss, Macadamia-Nüsse und etwas buttriges Shortbread. Voll und weich, nur ein minimalster Lackanflug ist vorhanden, ohne wirklich sich aktiv zu melden. Ganz sanft blitzt im Detail ein bisschen schwere Lilie auf, bei der die Blütenblätter schon abfallen. Ausgesprochen angenehm.

Foursquare Raconteur Single Blended Rum Glas

Wer mag, füge gern ein paar Tropfen Wasser hinzu, bei einer Alkoholstärke von 61% nehme ich das niemand krumm – brauchen tut es der Rumfreund allerdings nicht. Wie schon optisch beobachtet legt sich der Raconteur richtig breit in den Mund, vom Antrunk an spürt man die Dichte und Schwere dieses Rums, die Textur ist fett und ölig. Starksüß, natürlich wirkend in dieser Beziehung, mit Eindrücken von Honig, etwas warmem Vanillepudding, ganz dezent Zimt und Krokant, fast wie eine Praline wirkt das in manchen Momenten auf mich. Pistazien, vielleicht sogar leicht gesalzene, brauner Kandis und etwas Karamell geben weiterhin Süße und gleichzeitig Würze. Heller Tabak, Kokosnussschale, ein Hauch Estragon, ein noch kleinerer Hauch Nelke und dann noch gebrannte Mandeln – die Balance zwischen Salz und Süß ist wirklich hervorragend getroffen, erinnert mich fast etwas an Salted Caramel, mit all den Suchtfaktoren, die diese Süßigkeit für mich so unwiderstehlich macht. Dabei gibts aber auch kräftige Wärme, das ist kein Spiel, dieser Rum, der hat Power, die man lange am Gaumen mit viel Kribbeln und gegen Ende guter, nicht überhand nehmender Trockenheit, spürt, und tief im Rachen. Zum Schluss kommt eine gewisse Grünheit dazu, Geranien vielleicht, und der Ausklang ist lang, effektvoll und ausdauernd.

Ein Rum, der einen zum Verweilen einlädt. Nicht, weil er irrsinnig komplex wäre, sondern einfach weil er einfach alle Aspekte perfekt in sich integriert. Hier kann selbst der Analyst, wie ich einer bin, für ein paar Minuten das Hirn abschalten und dieses großartige Mundgefühl in Kombination mit breiter Aromatik genießen. Das geschieht mir selten genug, umso dankbarer bin ich dem Raconteur dafür.


So ein Rum macht sich natürlich in jedem Cocktail gut, der eine gute Rumbasis braucht, ohne wirklich mit extremen Aromen alles zu übernehmen. Der La Luna baut auf so eine Basis, ergänzt noch leicht mit Kräuterlikör und Sherry, die hier nur bereits grundsätzlich vorhandene Eindrücke verstärken, und etwas Armagnac, der wirklich gut zum Raconteur passt. Ein wirklich dickes Ding, sowohl vom Aroma als auch der Stärke her, ein richtig guter Absacker nach einem harten Tag.

La Luna Cocktail

La Luna
1½oz / 45ml gereifter Rum
½oz / 15ml Armagnac
½oz / 15ml PX Sherry
⅓oz / 10ml Bénédictine
1 Spritzer Salzlösung
Auf Eis rühren. In ein mit Absinthe ausgesprühtes Glas abseihen.

[Rezept nach Nicklas Jørgensen]


Die liebevolle Gestaltung der Miniaturflaschen des VSGB-Projekts erwähne ich einfach immer wieder bei Rezensionen dieses tollen Projekts, weil ich es unglaublich schätze, wieviel Aufwand da offensichtlich reingeht. Auch hier findet man eine exakte Replikation der Vollflasche, mit allem was dazugehört, vom fühlbar strukturierten Etikett bis zum Karton, der weiterhin natürlich nummeriert ist und die Limitierung der VSGB-Flaschen klar macht.

Ich sage es mal so: die Aromatik ist klar ähnlich der, die man zum Beispiel im Doorly’s XO findet; nur eben hundertmal runder, dichter und feiner. Da besteht gar keine Konkurrenz, die zwei spielen in unterschiedlichen Ligen. Wer sich also schonmal mit so einem Rum aus Barbados (tatsächlich rein von dort!) beschäftigt und die Erfahrung genossen hat, der kann mit dem Foursquare Raconteur dieses Erlebnis vielfach verstärkt wiederholen. Dem Geschichtenerzähler zuzuhören macht Spaß, versprochen, und lohnt jeden Aufpreis.

Bier am Freitag – Jungle Joy Passion & Mango Ale

Das Brussels Beer Project bringt immer wieder mal überraschende Dinge hervor, die ich als bekennender Belgienbierfan sehr gerne im Glas sehe; dazu gehört auch das Jungle Joy Passion & Mango Ale. Der Name ist Programm – auf Basis eines Ales, das mit erstaunlichen 5 Malzsorten angelegt ist (ich zitiere das Rücketikett: „Pale, Munich I, Pilsner, Vienner, Caramunich“) und dazu mit 3 Hopfensorten (auch hier: „Hersbrucker, Magnum, Mosaic“), was schon für sich ein üppiges Genussbier ergeben könnte, verwenden die Brüsseler noch tropische Früchte. Passionsfrüchte und Mangos werden mitgebraut, tatsächliche Früchte, man besteht darauf, weder Aromastoffe noch Zucker beizugeben, und damit gewinnt man mich bereits. Ein Fruchtbier mit 5,9% Alkoholgehalt ist dazu schon kraftvoll, oder? Schauen wir es uns an.

Jungle Joy Passion & Mango Ale

Zwischen Kupfer und Terracotta steht das Bier volltrüb im Glas, komplett blickdicht, selbst bei Gegenlicht sind nur die Glasränder minimalst durchscheinend. Der Schaum entsteht üppig, bleibt einige Minuten streichholzschachteldick da, fällt dann in einen großblasigen Zentimeter etwas zusammen.

In der Nase erkennt man bereits das Fruchtbier, das ist klar mehr als Hopfenfrucht, die man da riecht – die Passionsfrucht vielleicht einen Ticken mehr als die Mango. Beides wird dann aber doch von frisch-leichtem Hopfen unterstützt und aufgehellt, während die Getreidebasis immer noch erkennbar bleibt und Würze dazu beisteuert. Insgesamt frisch und angenehm.

Auch am Gaumen bleibt die Rezenz der erste Eindruck, frisch, hell, klar zum Säuerlichen hin tendierend, mit Zitrone und etwas Essig als Treiber dafür. Direkt kommt eine überraschende florale Note dazu, die dann in die Passionsfrucht übergeht. Mango ist eher unterschwellig als Idee da, vor allem ist nichts der Süße, die man von dieser Tropenfrucht erwarten mag, vorhanden – das Bier ist trocken, herb, sauer und dabei sogar etwas astringierend und kantig im Rachen, was man im Abgang dann deutlich spürt. Der Nachhall ist sehr kurz, leicht fruchtig.

Ein interessant gemachtes Fruchtbier, das nicht auf vordergründige Fruchtaromen setzt, sondern diese in ein Sauerbier einbettet und die Geschmäcker nur dezent wirken lässt. Das meine ich durchaus als Kompliment für das Jungle Joy Passion & Mango Ale, das ist kein Radler oder Aromabier, sondern ein erwachsenes, starkes Ding!

Fernsehen bildet – Wild Turkey 101 Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Ich hasse es, wenn das passiert – als angeblicher Spirituosenkenner stolpert man bei seiner Lieblingssendung über eine Frage, die sich um dieses Thema dreht. Schnell ist man ratlos und wird auf seine eigene Unwissenheit gestoßen. Allerdings muss man schon zugeben, dass es eine sehr spezielle Frage war, die bei „Wer weiß denn sowas?“ gestellt wurde. Ich nehme es Elton nicht krumm, dass er es nicht wusste, ich bezweifle sogar, dass viele Experten es richtig beantworten hätten können (außer durch Raten, natürlich) – alle Antworten sind für mich gleichermaßen plausibel.

Wer weiß denn sowas - Whiskeyfrage

Scheinbar haben amerikanische Forscher wirklich herausgefunden, dass, wenn ein Bourbon verdunstet, dessen Mizellen platzen und dadurch die Schwebstoffe, die an ihnen gefangen waren, freisetzen. Diese Schwebstoffe setzen sich auf einer Petrischale ab und erzeugen ein eindeutiges Muster, aus dem man ablesen kann, welcher Bourbon es war, der hier verdunstet ist. Spannend, was man im Fernsehen lernen kann, auch im Schnapsbereich, da zahlt man doch gern seine GEZ-Gebühren.

Wie das Verdunstungsmuster des Wild Turkey 101 Kentucky Straight Bourbon Whiskey aussieht, kann ich hier leider nicht wiedergeben. Wir haben ja zum Glück eine ganze Flasche mit Etikett und allem, was dazugehört, so dass wir keine obskuren chemischen Experimente brauchen, um zu identifizieren, dass wir hier einen Bourbon mit High-Rye-Mashbill vor uns haben, der „up to 6 to 8 years“ in neuen Eichenfässern gelagert wurde, die mit der Stufe „deepest char“ ausgebrannt wurden. Das sollte viel Farbe, viel karamellisiertes Holz und Vanillin und ähnliche Effekte erzeugen – probieren wir es mal aus.

Wild Turkey 101 Kentucky Straight Bourbon Whiskey

Straight Bourbon darf nicht gefärbt werden, daher ist das tolle, leuchtende Orange mit leichter Tendenz zu Terracotta natürlich aus Fassholz entstanden – für mich ist so etwas dann immer doppelt attraktiv. Gemächlich und schwer bewegt sich der Whisky im Glas, hinterlässt dabei fette, dicke, ölige Schlieren. Geruchlich finde ich den Wild Turkey 101 holzig, leicht fruchtig, es gibt doch erkennbar viel Plastikkleber, was man von einigen guten Bourbons kennt. Wie oben schon vermutet riecht man viel Vanille, ein Anflug von feuchtem Stein. Karotte. Honig.

Superweich im Antrunk, „smooth“ ist ein verbotenes Wort, ich gebrauche es hier trotzdem. Cremig, voll, fett und breit, von Anfang bis Ende. Richtig schwere Süße, nach Honig und Agavendicksaft, dann Frucht, ein bunter Korb tropischer Früchte, schließlich viel Vanille und süße, buttrige Weißschokolade, dann Kaffee. Gegen Ende entsteht ein mildes, auf der Zunge kribbelndes Feuer, das rein durch Roggenwürze gespeist wird, und nie durch die nirgends spürbaren 50,5% Alkoholgehalt, die als 101 Proof dem Wild Turkey 101 den Namen gegeben haben.

Wild Turkey 101 Kentucky Straight Bourbon Whiskey Glas

Der Abgang ist lang, sehr warm, sehr hauchig, mit etwas an Karotte, Plastikkleber und Eisen im Nachhall. Im Mund verbleiben die Aromen, hauptsächlich Vanille und Schokolade, lange, kaum Astringenzeffekte, ein wirklich rundes Bild findet seinen passenden Ausklang mit viel natürlicher, schwerer Süße. Nicht übermäßig komplex, dafür aber wuchtig und charakterstark.

Der starke Puter kann völlig überzeugen – ein richtiges Vanilleschokoladenbonbon mit Kraft und Power. Ein Bourbon, den man wunderbar sowohl pur genießen kann, der aber auch im Cocktail seinen Mann steht. Dazu das großartige Preisleistungsverhältnis – ich bin ein Fan.


Der Left Hand Cocktail ist ein Twist auf einen meiner absoluten Lieblingscocktails, den Boulevardier. Die veränderten Mengenverhältnisse, plus die Verwendung der sehr expressiven und wirklich aktiv den Drinkcharakter ändernden Xocolatl Mole Bitters erlauben es, dem Cocktail einen neuen Namen zu geben – auch wenn ich kein Fan davon bin, mit dem Namen kreativ zu werden, wenn das Rezept selbst gar nicht so übermäßig kreativ ist.

Left Hand Cocktail


Left Hand Cocktail
1½ oz Bourbon
¾ oz roter Wermut
¾ oz Campari
2 Spritzer Xocolatl Mole Bitters
Auf Eis rühren. Mit Cocktailkirschen servieren.

[Rezept nach Sam Ross]


Dieser Brand zeigt mir einfach wieder, dass Bourbon selbst im günstigen Preissegment einfach eine sehr hochwertige Spirituosenkategorie ist. Die staatliche Kontrolle und die strikten Regeln zahlen sich erkennbar aus – für um die 20€ bekommt man eine Top-Qualität, von welcher anderen Kategorie kann man das schon sagen. Da verzeiht man den Verzicht auf Schnickschnack gern, eine einfache Flasche, ein vernünftig aufwändig gestaltetes Etikett, das passt. Wer es etwas aufregender will, kann den wilderen Verwandten dieses Bourbons, den Wild Turkey Rare Breed, ausprobieren, da ist dann auch die Verpackung geschenktauglicher. Dennoch – wem es nur um den Geschmack geht, der ist beim Wild Turkey 101 bestens aufgehoben.

Bier am Freitag – Stanley Park Brewing Trail Hopper IPA

In Kanada, zumindest aber British Columbia, ist Alkohol strengst reguliert. Man kann ihn nur in Liquor Stores kaufen, so wie das zum Beispiel in Schweden ja auch ist. Dazu gehört auch Bier, das ist für den deutschen Besucher, der sich noch schnell ein Abendbierchen auf dem Hotelzimmer gönnen möchte, manchmal ein kleines Problem. Und sogar in den den Brauereien angegegliederten Shops, bei denen man das lokale Bier mitnehmen kann, ist es manchmal so, dass die Lizenz nur gilt, wenn auch etwas zu Essen mitgekauft wird, und so musste ich beim Shop von Stanley Park Brewing tatsächlich noch eine Tüte Chips miterwerben, um das Bier überhaupt mitnehmen zu dürfen. Andere Länder, andere Sitten! Doch auch so ungewohnte (und, wie man sieht, absurd leicht umgehbare) Regelungen hielten mich natürlich nicht davon ab, eine Dose des Stanley Park Brewing Trail Hopper IPA als Urlaubssouvenir mitzubringen, nachdem ich die schönen Biere dort in einem netten Flight probiert hatte. Das Trail Hopper IPA ist mit stiltreuen 6,8% Alkoholgehalt abgefüllt, und aus Gerste und Weizen gebraut.

Stanley Park Brewing Trail Hopper IPA

Klar, mit einer erkennbaren Tendenz zum Opalisieren, in leuchtendem Sonnengelb – so sieht das Bier aus, und so habe ich den Tag im Stanley Park in Erinnerung, eine tolle Remineszenz für mich. Der Schaum ist mittelgroßblasig, zunächst fingerdick, danach sich auf eine feine Schaumschicht reduzierend.

Ein IPA muss man riechen können, aber selbst für diese Vorgaben wirkt das Trail Hopper auf mich extrafruchtig. Fetter Pfirsich, reife Aprikosen, etwas Ananas und viel Mango, und richtig deutliche Passionsfrucht – hier haben die Brauer ihren Aromahopfenbestand wohl vollends geplündert. Darunter findet sich eine Schicht Hefe, die das ganze etwas zum Bitteren hin tendieren lässt, und ein Hauch von Getreide sorgt dafür, dass man es noch als Bier erkennt, wenn man es geschafft hat, die Fruchtwolke zu durchdringen.

Am Gaumen zeigt es sich zunächst rezent und frisch, mit runder Ale-Textur, die viel Volumen aufweist; im Verlauf kippt es dann Schritt für Schritt zur brutalen, das Zäpfchen kitzelnden 65-IBU-Bittere, die einem die Spucke aus dem Mund zieht. Leicht astringierend wirkt es dabei dazu noch. Dennoch bleibt das Trail Hopper durchaus süffig, denn die Bittere zieht schnell wieder ab wie eine Regenwolke über dem sonnigen Stanley Park, und lässt dann eine edle, feine Herbe am Gaumen zurück, mit viel Jasmin und Blütigkeit, die aus der weiterhin bestehenden Gerstenwürze wie Kornblumen erblüht.

Das ist wirklich ein trotz der Zahlen leichtes Erfrischungsbier, ohne jeden Zweifel, nichts für den Genießer, der nach komplexen Strukturen sucht. Dennoch ist es nach einer Wanderung über 25km durch den Stanley Park, zu den Totempfählen, dem Beaver Lake, dem Squirrel Trail und am Ende über die English Bay blickend am Third Beach sich sonnend, ein ideales Getränk für die Umgebung, aus der es stammt. Das sollte man erlebt haben.

Zimtzauber – Weber Haus Cachaça Envelhecida em Canela Sassafrás

Das schöne an Samples ist, dass man sich erstmal einen Überblick über eine Spirituose verschaffen kann, und nicht direkt in die Investition in eine ganze Flasche gehen muss. Allerdings kann das Problem entstehen, dass sich Samples zuhause anstauen – ich zum Beispiel habe aktuell drei bis vier Dutzend unberührte kleine Fläschchen rumstehen, die mir entweder zugeschickt wurden oder die ich von diversen Quellen angefordert hatte, weil mich der jeweilige Schnaps interessierte. Und kaum hat man es daheim, wechselt die Spannung zu etwas anderem hin, und der arme Brand rutscht im Regal nach hinten. Jeder, der sich mit Spirituosen über Samples beschäftigt, kennt die Situation, da muss ich nicht weiter reden.

Wenn es dann ein Sample doch mal nach (wie hier) jahrelanger Wartezeit in mein Verkostungsglas schafft, frage ich mich oft, warum ich das so lange habe rumstehen lassen. Das Cachaça-Tastingset, das ich neulich hier vorgestellt hatte, ist das beste Beispiel dafür – und in dem Set fand ich eine Spirituose, die mich in wenigen Schlucken so begeistert hatte, dass ich dann doch die ganze Flasche davon haben musste; und dementsprechend stelle ich heute die Weber Haus Cachaça Envelhecida em Canela Sassafrás vor. Sie wurde in der Destillerie Weber Haus in Ivoti, das liegt im südlichsten brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul, gebrannt, und das besondere ist die Reifung für ein Jahr in einem Fass („envelhecida“), das aus dem Holz des Baums Canella Sassafrás (Ocotea odorifera) hergestellt wurde. Es handelt sich dabei um eine bedrohte Spezies, etwas, worüber man sich beim Kauf einer in nativem brasilianischem Holz gereiften Cachaça immer mit Gedanken machen sollte – Weber Haus ist biozertifiziert, das bezieht sich erstmal hauptsächlich auf den Anbau des Zuckerrohrs, doch ich habe damit schon ein gewisses Vertrauen, dass auch das Sourcing des Holzes für die Fässer mit einer diesbezüglich angemessenen Vorsicht und Nachhaltigkeit geschieht. Jedenfalls sieht man wirklich nicht viele Cachaças, die in dieser Holzart gereift wurden, um so besonderer ist dieses Produkt, das nehme ich schonmal vorweg, und wer meine Rezension zu oben erwähntem Tasting-Set gelesen hat, weiß ja schon, dass ich hier etwas zur Begeisterung neigen werde.

Weber Haus Cachaça Envelhecida em Canela Sassafrás

Farblich schlägt hier das Fass voll zu, irgendwie passend zu dem Namen des Holzes, das an Zimt erinnert, ist auch die Färbung nun deutlich, ein richtig kräftiges orange-braun, das man schon in der Flasche gut sieht, im Glas beim Schwenken noch mehr. Das gefällt dem Auge, wie auch die Viskosität, bei der sich hübsch anzusehende Schlieren bilden.

Hält man das Glas dann an die Nase, ist man direkt irgendwie entrückt – der Duft ist durchaus erstaunlich, da ist viel Honig, Zimt, schwersüße Tropenfrucht, vielleicht sehr reife Sternfrucht, aber auch eine erdig-holzige Seite, die ein bisschen an Grappa erinnert. Darüber liegt ein parfümartiger Geruch, etwas Moschus, etwas Zedernholz, Zypresse, und ein Hauch schwerer Lilienduft. Unglaublich komplex und interessant, was zum lange dran schnüffeln, wenn man zwischendurch kurze Pausen einlegt, ist der Überraschungseffekt jedesmal neu da. Man spürt inzwischen, man hat hier eine durchaus besondere Spirituose im Glas, einfach, weil es wirklich „etwas anderes“ ist, das man so nicht schon hundertmal gerochen hat.

Weber Haus Cachaça Envelhecida em Canela Sassafrás Glas

Im Mund ist das auch schwer greifbar, sehr holzig, fast an Latschenkiefer-Saunaaufguss erinnernd, Zypressenholz und Eukalyptusblätter. Dann richtig deutlich Zimt, mit einer klaren Anisunternote, Leder, Tonkabohne, Kokosnussschale, heller Tabak und Geranie. Auch hier ultrakomplex, ich könnte noch ein Dutzend Impressionen aufzählen, das würde aber schon fast albern wirken im Text hier, ich garantiere aber, dass es nicht fantasiert wäre. Leichte Textur, schmaler Körper, frisch, mit klarem, grünen Nachhall, und deutlicher Bitterkomponente im Rachen; ein Brand, der einen ständig zwingt, sich mit ihm auseinanderzusetzen. Unglaublich, atemberaubend! Man vermisst auch kaum einen höheren Alkoholgehalt als die vorhandenen 38%, für Cachaça ist das manchmal völlig ausreichend, die Direktheit, mit der sie hergestellt wird, liefert genug Aromen – allein der Körper würde dadurch vielleicht etwas gewinnen. Das ist aber nun wirklich meckern auf höchstem Niveau!


In letzter Zeit hatte ich nicht viel Glück mit Floats, oft rutschte die Wunschschicht einfach durch bis auf den Boden; natürlich weiß ich, dass das mit den relativen Dichten zusammenhängt, ich habe aber noch nicht eruieren können, dieses Verhalten wirklich vorherzusagen bei unterschiedlichen Mixturen. Nun, beim Red-Head Saint hat es jedenfalls offensichtlich geklappt – die Peychaud’s Bitters schwimmen schön obenauf und geben dem Drink natürlich ihren Namen. Auch geschmacklich fühlt es dieser Cocktail irgendwie „rot“ an, vielleicht wegen dem Zimtholz in der Hauptspirituose. Wer weiß.

Red-head Saint Cocktail

Red-Head Saint
2oz / 60ml gereifte Cachaça
¾oz / 23ml Limettensaft
½oz / 15ml Agavendicksaft
¼oz / 7ml Chartreuse jaune
4 Spritzer Bitters
Auf Eis shaken. Im Glas voll Eis servieren. Mit 4 Spritzern Peychaud’s Bitters toppen.

[Rezept nach David Slope]


Die Flasche ist von der Form her unauffällig, leicht amphorenförmig, jedenfalls aber gut in der Hand liegend. Das Etikett ist transparent gedruckt und lässt viel von der rötlichen Flüssigkeit durchscheinen, sowas finde ich immer sehr apart. Und ich hoffe, man bemerkt den „Spirits Selection by CMB“-Aufkleber; zu dem Zeitpunkt, als diese Cachaça diese Goldmedaille gewann, war ich noch nicht Juror dort, bin also unvoreingenommen – aber ich nehme es durchaus als Bestätigung für die Qualität, denn ich weiß, wie dieser Wettbewerb läuft.

Natürlich gilt, dass die Weber Haus Cachaça Envelhecida em Canela Sassafrás kein absolut typisches Beispiel für ihre Kategorie ist, wer sich also erstmal in den brasilianischen Zuckerrohrbrand eintrinken will, sollte definitiv zunächst ein paar andere Produkte probieren, um eine stabile Baseline zu bekommen. Danach aber lege ich jedem diese ganz besondere Variante ans Herz, um zu erkennen, wie faszinierend so eine spezielle Holzart auf ein Destillat einwirken kann und die Kombination einen Zauber entfaltet, dem man sich nur schwer widersetzen kann – oder will.

Bier am Freitag – Wasseralfinger Bock

Wieder mal ein Bier aus einer Brauerei, die ich sehr schätzen gelernt habe – das Wasseralfinger Bock aus der alten Heimat, dem Härtsfeld, von dem ich nun doch schon so einige schöne Biere in die Welt hinausgetragen habe. Die schönen kleinen schnuckeligen Fläschchen sind üppig gestaltet, mit dem ganzen Gold und folienbestückten Flaschenhals; das Bier selbst ist auch mit 7,5% Alkoholgehalt gar nicht so leicht, wie man es auf den äußeren Eindruck hin vermuten möchte. Ein heller Bock ist durchaus ein Genuss, den ich mir gerne gönne, mal schauen, ob dieser hier sich in die Riege sehr guter Bockbiere einreihen kann, die ich dieses Jahr schon getrunken habe.

Wasseralfinger Bock

Ockerfarbene Kristallklarheit mit nur wenig Schaum beim Eingießen, und nach einer Minute ist auch der fast vollständig verschwunden, nur dünne Inseln bleiben. Langsame, ausdauernde Perlage ist erkennbar. Metallisch, leicht hopfig, minimalst fruchtig – sonst ist das Bier praktisch neutral in der Nase

Diese letzte fruchtige Note, die die Nase wahrgenommen hat, erscheint als erstes am Gaumen. Ein bisschen Ananas, ein bisschen Pfirsich, ein bisschen Aprikose, alles nur dezent angedeutet. Danach kommt getreidige Würze und deutlich Hopfenbittere, die das Bier sehr klar dominiert. Der metallische Aspekt ist auch im Mund deutlich vorhanden. Klare, stringente Struktur lässt nur wenig Raum für Spielereien; die Textur ist frisch und kantig. Erst im Nachhall findet sich ein Anflug von Jasminblüte.

Das ist ein sehr reduktionistisch gestaltetes Bier. Ich mag gerade meine Böcke eigentlich ein bisschen lebendiger, expressiver, voluminöser; hier muss man nach allem eher suchen. Dennoch bleibt es süffig und trinkig: ein strukturgetriebenes Bier, das deutlich von mehr Aromatik profitieren würde.