Kurz und bündig – Maisel & Friends Marc’s Chocolate Bock

Die Familie wächst – neulich hatte ich schon das Bier von „Stefan“ im Glas, nun darf „Marc“ ran. „Marc“, das ist Marc Goebel, der Brauchef von Maisel & Friends, und er hat einen deutlichen Gegenpunkt gegen Stefans helles, hopfiges IPA geschaffen und in die große, etwas ungewohnte Dreiviertelliterflasche gegossen: Maisel & Friends Marc’s Chocolate Bock.

Maisel & Friends Marc's Chocolate Bock

Dunkles Kaffeebraun, vollkommen blickdicht, mit einem feinen, langlebigen Schaum, begrüßt uns beim Eingießen. Kaum Perlage ist erkennbar. Bei meiner Flasche waren bei der zweiten Portion ein paar Ausflockungen erkennbar. Im Geruch muss ich etwas suchen, um Malz, Kaffee und einen leichten Cognachintergrund wahrzunehmen. Ansonsten bleibt das Chocolate Bock aromatisch vergleichsweise neutral.

Daher schnell übergehen zum Geschmack – die üblichen Verdächtigen stellen sich ein, die man bei einem Stout aufzählt. Kaffee, dunkler Kakao, schweres Malz, ein Anflug von Rauch. Erkennbar salzig und würzig. Schwer im Mundgefühl, sehr breit und wuchtig, dabei aber noch überraschend rezent. Eine gelungene Mischung aus dunkler Süße und frischer Säure, mal überwiegt das eine, dann das andere. Entsprechend der Klassifizierung als Bock finden wir eine passende Alkoholstärke von 7,5%. Der Abgang ist lang, sehr trocken, sehr adstringierend und knackig bitter, fast schon etwas kratzig. Viele Kaffeearomen hängen noch lange nach.

Wer die aktuellen Biere von Maisel & Friends verfolgt, hat vielleicht das jüngst in Flaschenform erschienene Choco Porter schon probiert – wem jenes zu leicht war, der sollte dieses Bier hier probieren: Marc’s Chocolate Bock ist noch dunkler, kräftiger und würziger im Geschmack.

Kurz und bündig – Crew Republic X 2.1 Barley Wine

Die „X“-Reihe aus dem Münchner Brauhaus Crew Republic ist deren Experimentalschiene; hier können die Brauer Einmalbiere, die nicht dauerhaft im Sortiment verbleiben sollen, einfach so mal spaßeshalber brauen, ohne sich Sorgen um Reproduzierbarkeit zu machen. Wenn sich jemand wundert, warum ich nun ein Bier bespreche, das so gar nicht mehr im Handel erhältlich ist – die lange Haltbarkeit eines derartigen Biers (hier noch bis Ende 2019) sorgt dafür, dass ich das Crew Republic X 2.1 Barley Wine, das ich irgendwann 2015 oder so kaufte, jetzt erst trinke.

Crew Republic X 2.1 Barley Wine

Die Farbe ist stiltypisch kakaobraun, blickdicht, mit nur sehr schwacher Perlage – beim Eingießen hatte ich sogar den Eindruck, dass dieses Bier überhaupt nicht karbonisiert ist, was sich aber kurz darauf etwas relativierte. Dennoch ist praktisch kein Schaum da.

Ich rieche Erdbeermarmelade, Orange, etwas reife Banane, Ananas. Recht fruchtig, dennoch mit starkem Malzcharakter. Toffee, Milchschokolade. Auch im Mund dominiert die Fruchtsüße: Ananas, Zwetschgen, Toffee, Malz. Schwer und dicht – die praktisch nicht vorhandene Karbonisierung wirkt sich für mich persönlich etwas störend aus, da das Bier so etwas schal und unrezent daherkommt. 60 IBU sind erst im Abgang erkennbar, wenn sich die Süße legt. 9,5% Alkoholgehalt, für ein Bier eine echte Hausmarke, gehen im Gesamtbild schön auf. Der Abgang ist lang, trocken und ganz leicht adstringierend. Die Süße pappt etwas am Gaumen.

Die Hopfensorten sind klassisch gehalten (Herkules, Fuggles und East Kent Golding) und lassen die amerikanischen Ultraaromahopfen mal außen vor; Pilsener und Crystal wurden als Malze verwendet.

Nun, das ist ein Bierstil, den man eh nicht oft vorgesetzt bekommt – entsprechend sehe ich es als Experiment für mich, so wie es eins für die Brauer von Crew Republic war, wenn man der Story auf dem Rücketikett glauben darf, die ich anfangs zitierte. Persönlich empfinde ich diesen Barley Wine als zu süß konzipiert, etwas mehr Frische könnte ihm auch guttun.

 

Kurz und bündig – Wadgasser Klosterbräu Hopfen Perle

Das Saarland war einst durchzogen von kleinen lokalen Brauereien. Inzwischen wurden alle von Konzernen geschluckt oder gingen insolvent. Nennenswert übrig ist neben dem allgegenwärtigen Karlsberg (dem mit „K“, nicht dem mit „C“) eigentlich nur noch die Saarbrücker Brauerei Bruch. Diese offeriert unter verschiedenen „Tarnnamen“ Produkte – wie die Wadgasser Klosterbräu Hopfen Perle, ein obergäriges Vollbier. Mir ist jede Abwechslung vom saarländischen Pilseinerlei recht, daher kommt sie zu mir ins Glas – wer könnte aber auch so einem Bild, das mein Kollege Gerhard Müller für mich mit seiner professionellen Fotoausrüstung an einem hübschen Tag machte, wiederstehen?

Wadgasser Klosterbräu Hopfen Perle Glas Gerhard Müller

Farblich tatsächlich sehr ansprechend ocker, naturtrüb, dezente Perlage. Schöner, kräftiger Schaum beim Eingießen, aletypisch bleibt nur wenig auf Dauer davon übrig. Geruchlich mild-, aber erkennbar aromahopfig. Leichte Malz- und Hefeanklänge. Vom Geruch her ist das tatsächlich ein Pale Ale. Da hüpft mir das Herz.

Geschmacklich ist die Freude leider weniger groß. Der Aromahopfen hat sich auf den Geruch beschränkt – im Mund ist nur noch ein Hauch von der Fruchtigkeit schmeckbar. Dafür tritt eine herbe Bitterkeit an seine Stelle, Hefegeschmack. Wir sind doch nicht bei einem Pale Ale, sondern bei einem Pils oder Zwickel. Ein etwas dumpfer Charakter stört mich sehr. Muss daher zügig getrunken werden, denn mit steigender Temperatur wird die Hopfen Perle immer dumpfer und seichter.

Wadgasser Klosterbräu Hopfen Perle Glas

Mittellanger Abgang mit Hopfenaromen, leichter Mundtrockenheit. Sehr erfrischend, wenn gut gekühlt, aber ein bisschen langweilig und mit dieser seltsamen Stumpfheit, die die Mundporen verstopft, als hätte man einen Belag darauf.

Schade, ich hatte mir da mehr erhofft, aber das ist halt genau das, was passiert, wenn ein Brauer, der jahrzehntelang nur Pils und Export hergestellt hat, plötzlich auf den fahrenden Craftbierzug aufspringen will, und gleichzeitig auch noch die pilsfanatische Bestandskundschaft mit glücklich machen will. So landet die Hopfen Perle bei mir in Mixgetränken, wie dem Weissen Sour.

Weissen Sour


Weissen Sour
2 oz Bourbon (z.B. Old Grand-Dad Kentucky Straight Bourbon)
¾ oz Zitronensaft
¼ oz Zuckersirup
1 Barlöffel Orangenmarmelade (z.B. von Zuegg)
2 Spritzer Orange Bitters (z.B. von The Bitter Truth)
Auf Eis shaken, dann aufgießen mit…
2 oz Wadgasser Klosterbräu Hopfen Perle

[Rezept nach Kevin Diedrich]


Immerhin – die Brauerei Bruch macht auch das für mich persönlich beste saarländische Bier, das Bruch Zwickel. Dieses würde ich dann auch dem Bierfreund, der sich fürs Saarland interessiert, eher ans Herz legen.

Kurz und bündig – Maisel & Friends Teleporter Imperial Porter

Maisel & Friends heißen nicht umsonst so – immer wieder treffen sie sich mit Brauern von anderen Brauereien und stellen Collaboration Brews, wie es auf bierneudeutsch heißt, her – die unterschiedlichen Sichtweisen auf Bier soll für eine gegenseitige Befruchtung in den Produkten sorgen. Nach dem in den USA bei Christian Moerlein Brewing (Cincinatti, Ohio) hergestelltem Spacetime kommt der deutschstämmige US-Brauer nun zurück in die alte Heimat: mit dem Maisel & Friends Teleporter Imperial Porter soll die zeitliche und räumliche Trennung der Brauerkollegen außer Kraft gesetzt werden. Beamt es mich up, oder hat der Teleporter eine Fehlfunktion?

Eine wirklich starke Schaumentwicklung grüßt, wenn man das Bier aus der großen Dreiviertelliter-Flasche, die auch schon als Heimat für andere Maisel-Biere diente, eingießt. Porter kenne ich sonst als diesbezüglich eher zurückhaltendes Bier, hier ist der Schaum gemischtporig, und bleibt lange erhalten, später dann als helle, dichte, flache Krone auf dem Bier. Das Bier selbst ist dunkelbraun bis rubinrot, nicht ganz blickdicht.

Maisel & Friends Teleporter Imperial Porter

Die Nase erfreut sich an holzig-rauchigen dunklen Kakao- und Kaffeenoten, insbesondere letzteres ist sehr präsent, wie eine Schale schon eine Weile offen dastehendes Kaffeepulver. Die Aromatik ist darunter dann eher süßlich, Beeren, Vanille, Orangen.

Das Mundgefühl ist weich, mild, cremig. Süße Anflüge von Karamell werden kombiniert mit einer dezenten Bittere, die keine Kanten hat – 39 IBU würde man wohl kaum vermuten, wüsste man es nicht. Dasselbe gilt für die Rezenz, das Teleporter ist frisch und leicht, auch etwas, was man von der Optik her nicht unbedingt annehmen würde. Die Hopfensorte Phoenix kümmert sich schließlich darum, die Gesellschaft der dunklen Gerstenmalze nicht zu stumpf werden zu lassen. 9% Alkoholgehalt machen das Teleporter zum Imperial Porter, diesen Stil sieht man nicht häufig – mir als Porterfreund gefällt das sehr.

Der Abgang hat eine attraktive dezente Schärfe, die auf der Zunge kitzelt. Feinherbe, mäßige Trockenheit, schöne Säure, leicht grasige Aromen und etwas Mineralität lassen das Bier sehr langsam und mit Bedacht ausklingen.

In diesem Bier findet man alles, was den Porter-Stil für mich so liebenswert macht, und das nicht zu knapp. Ein wirklich schön gestaltetes, rundes Bier, mit einer herrlichen Retro-Videospiel-Etikettierung, die Blicke auf sich zieht. Meine Empfehlung: Zugreifen, solange die limitierte Edition erhältlich ist!

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kostenlose Zusendung einer Flasche dieses Biers.

Kurz und bündig – Maisel & Friends Summer Pale Ale

Habe ich da ein déjà-vu? Letztes Jahr im Sommer hatte ich ein Bier getrunken, das Surfer auf dem Etikett hatte. Das Kona Longboard Island Lager konnte mich durch seine unkomplizierte Art überzeugen, allein der Preis und der weite Weg, den es zurücklegen musste, bis es bei mir im Glas landete, sorgten für Schwermut. Diesen lege ich hiermit offiziell ab, denn seit kurzem gibt es auch in Deutschland hergestelltes Surferbier! Maisel & Friends sorgt mit dem Summer Pale Ale, auf dessen Etikett ein lässiger Surfer sein Brett am Strand entlang trägt, entsprechend schonmal direkt für gute Laune.

Maisel & Friends Summer Pale Ale

Die Hefe setzt sich am Boden etwas ab, daher ist beim Eingießen darauf zu achten, dass man die Flasche kurz vorher dreht, oder etwas schwenkt. Berücksichtigt man das, so ist das Summer Pale Ale deutlich trüb, mit leicht blassem Ocker als Farbe. Mittelstarke Perlage ist durch die Trübung sichtbar, und ein wenig an feinblasigem Schaum krönt das Bier. Ich rieche daran, und mir gefällt die Mischung aus marmeladig-süß, mild zitrusig (ist das ein Wort?), sehr betont hopfig. Man bekommt direkt einen Eindruck der zu erwartenden Bittere.

Im Mund bleibt dann kaum noch was von der Marmelade, hier wirds kantig: sehr bitter, mehr noch, als es die 33 IBU zahlenmäßig vermuten lassen. Trocken, herb und die nur ganz kurz im Antrunk aufblitzende Süße wird schnell von einer Welle der Hopfigkeit hinweggespült. Sehr rezent und kühlend, mit erkennbarem Mineralwassercharakter – leichter Körper ohne viel Tiefe. Das ist für meinen Geschmack für ein Pale Ale schon grenzwertig nah am Westcoast-IPA, aber ich schere mich nur selten um Stiltreue, wenn das Endprodukt schmackhaft ist.

Der Abgang ist kurz, frisch, sehr herb und trocken. Zitrusnoten hängen noch nach, ein mentholischer Effekt ebenso. 4,4% Alkohol sorgen für gute Sommerkompatibilität – was leichteres für den Strand. Das würde ich auch gern als Fazit festhalten: die Zielidee eines leichten Sommerbiers wurde mit dem Summer Pale Ale voll getroffen. Ich denke mal, ich werde meine Kollegen in naher Zukunft bei einem Bürobier um Vier damit beglücken, gut gekühlt, wenn es wieder so heiß ist.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kostenlose Zusendung einer Flasche dieses Bieres.

In der Weihnachtsbäckerei gibt es manche Leckerei – The Bitter Truth Pimento Dram Allspice Liqueur

„Weihnachten“ ist in der Tat der erste Eindruck, den man bekommt, wenn man diese Flasche öffnet. Nelken, Zimt und Lebkuchen und ähnliche Gerüche lassen einen erstmal an einen Süßigkeitenstand auf dem Weihnachtsmarkt denken; doch wenn man dann einen Schluck probiert, kommt ein vielschichtigerer Geschmack zustande – das ist durchaus Muskatnuss-würzig, pfeffrig, eine Spur scharf und dabei gleichzeitig süß.

AllspiceAllspice, der Begriff, der in vielen Cocktailbüchern für diese Zutat gebraucht wird, ist daher schon passend – der Jamaika-„Pfeffer“, der als Grundlage dient, ist an sich schon ein überraschendes Gewürz, das die Entdecker damals nicht einordnen konnten, und ihm daher einfach als Allgewürz bezeichneten.

Erneut, wie schon beim Veilchenlikör desselben Herstellers, eine Cocktailzutat, die man pur kaum trinken kann, weil sie dermaßen dicht, voluminös und überwältigend daherkommt. Die Konsistenz ist dick und klebrig, die Farbe tiefbraun, und man muss bei Cocktails aufpassen, denn Allspice macht schnell alles andere platt, was man an Zutaten in den Shaker gibt.

Dafür bekommt man eine unglaublich intensive Note in das Mischgetränk, unverkennbar und von jedem, dem Sie einen Cocktail damit vorsetzen, werden Sie ein überraschtes Gesicht und ein ebensolches „Ah!“ bekommen. Als Signaturcocktail empfehle ich den wirklich außergewöhnlichen The Ancient Mariner.

The Ancient Mariner


The Ancient Mariner
1 oz gereifter Rum (z.B. Pampero Aniversario)
1 oz Jamaikanischer Rum (z.B. Myers‘ Rum)
¾ oz Limettensaft
½ oz Grapefruitsaft
½ oz Zuckersirup
¼ oz Bitter Truth Pimento Dram
Auf Eis shaken und ungestraint ins Gästeglas geben.
[Rezept nach Jeff „Beachbum“ Berry]


Aus diesem Cocktail schmeckt man wirklich alle Zutaten heraus, die Bitterkeit der Grapefruit, die Süße des Rums und des Zuckers, den starken Eigengeschmack des Myers‘, und dann die Lebkuchennote des Allspice. Fantastisch.

Ergänzt wird das ganze durch die übliche, tolle The Bitter Truth-Präsentation mit dicker Flasche, gutem Schraubverschluss und tollem Etikett.