Das erste Mal – 1. GIN Festival Saar

Ich habe mich immer sehr darüber beklagt, in der Provinz zu wohnen, wenn es um Spirituosen geht. Die tollen Events fanden in Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt statt. Weitab vom Schuss. Das kleine, beschauliche Saarland findet auf der Landkarte der Organisatoren nicht statt. Nun, ich freue mich vermelden zu können, dass sich das ändern wird! Das 1. GIN Festival Saar, das am 14. Oktober 2017 in der Congresshalle in Saarbrücken seine Tore öffnete, ist, so hoffe ich, der Anfang einer Änderung dieses jammervollen Zustands.

1. GIN Festival Saar - 01 Eintrittskarten

Knapp 30€ für das Tagesticket legte man auf den Tisch, 20€ für das reine Partyticket für die, die eigentlich kein Ginfestival, sondern eine Party besuchen wollen. Da für eine Messe ein gewisses Besucher-Fläche-Verhältnis vorgeschrieben ist, waren die Tickets begrenzt, beinahe 1000 Stück des Tagestickets wurden aber dennoch verkauft, wenn ich recht informiert bin. Man sieht schon an den aufwändig gestalteten Tickets, dass hier kein Anfänger seine ersten Schritte tat – tatsächlich habe ich selten ein so reibungslos verlaufendes und gut organisiertes Event erlebt wie dieses 1. GIN Festival Saar.

1. GIN Festival Saar - 02 Band, Glas und Coins

Sogar das All-Inclusive-Bändchen, das man beim Eintritt ums Handgelenk gelegt bekam, war hochwertig gemacht, aus Stoff mit einem cleveren Zugmechanismus. Ein Stoffbeutelchen mit 10 Plastikcoins, die gegen Ginproben eingetauscht werden konnten, wurde dem Besucher ebenso freundlich vom zahlreich vorhandenen Personal in die Hand gedrückt, wie ein Tastingglas.

1. GIN Festival Saar - 03 Nachmittag 01

Kurz nach Vier, nur wenige Minuten nach der Öffnung des Festivals, ist der Westsaal der Saarbrücker Congresshalle noch angenehm unüberlaufen. Die Austeller sind noch frisch, gut aufgelegt, und man hat mehr Zeit, mit ihnen zu reden, als später, wenn die Massen anstürmen. Das Wetter, das an diesem Tag für Mitte Oktober herausragend gut war, sorgte wohl dafür, dass um diese Zeit die Besucher sich noch mit einem Kaffee oder Stück Kuchen auf der nahegelegenen Berliner Promenade, der relativ neu gestalteten Flaniermeile Saarbrückens, stärkten.

1. GIN Festival Saar - 03 Nachmittag 02

Eine Stunde später füllt sich das ganze schon erkennbar. Eine Messe für den normalen Gin-Trinker, nicht für den Profi (obwohl dieser sich hier auch wohlgefühlt hätte, was die Direktheit mit den Herstellern angeht). Stehtische mit Brotstücken und Palettensofas verhinderten ein Dauerstehen und Glashalten, insbesondere, wenn man neben dem Tastingglas sich von den Bars noch einen Gin & Tonic oder anderen Cocktail zubereiten ließ und man entsprechend viel zu tragen hatte.

1. GIN Festival Saar - 04 DJ Garry Woodapple

Die Hintergrundmusik von DJ Garry Woodapple, die bereits um 4 begann, war von Lautstärke und Tempo ideal geeignet, die etwas kühle Atmosphäre eines Messehallensaals fluffig auszukleiden, gleichzeitig dabei aber nicht zu verhindern, dass man sich noch in normaler Lautstärke mit anderen Gästen unterhalten konnte.

Soviel erstmal zum Rahmen, kommen wir zum Sinn des Treffens, dem Verkosten von Gins. Als Aussteller waren mit ihren Produkten angereist Ferdinand’s, der Lokalmatador aus dem Saar-Mosel-Raum, Death’s Door aus den USA, Brockmans aus England, Bobby’s aus Holland, Copperhead aus Belgien, Dreyberg aus Deutschland und Sabatini aus Italien – eine tolle, bunte und abwechslungsreiche Zusammenstellung. Dazu wurden diverse Tonic Water vorgestellt, von Thomas Henry über Doctor Polidori bis hin zu den exklusiven Schweppes Premium Mixers.

1. GIN Festival Saar - 05 Bobby's Gin und Genever

Da ich viele davon bereits kannte, konzentrierte ich mich auf das, was neu für mich war. Highlight Nummer 1 des Tages war für mich daher persönlich Bobby’s Schiedam Jenever, auch wenn dies kein Gin ist – der ebenfalls am Stand vorgestellte Bobby’s Gin ist seit langer Zeit ein Dauergast in meiner Heimbar, für mich ist er das beste, was in einem Gin & Tonic landen kann. Tatsächlich kann der Genever aus dem Hause Bobby’s auch überzeugen, auch wenn man die kräftigen Malznoten, die ein gereifter Genever sonst oft aufweist, etwas vermisst.

1. GIN Festival Saar - 05 Brockman's Gin

Die beerige Fruchtigkeit des Brockmans Gin überraschte mich sehr. Natürlich bewegen wir uns dabei doch recht weit von dem klassischen Bild eines Gins, dessen Hauptaromatik sich durch Wacholderbeeren definieren sollte, weg – aber in einer Zeit, in der der „Contemporary Style Gin“, alternativ oft auch „New Western Dry Gin“ genannt, immer mehr an Beliebtheit gewinnt, muss man sich als kategorientreuer Stilfreund daran gewöhnen, dass hier eine neue Kategorie entsteht, die man nicht unbedingt mit einem London Dry Gin vergleichen darf. Unabhängig davon – der Brockmans Gin ist für mich sicher etwas, das ich für fruchtige Gincocktails im Auge behalten werde.

1. GIN Festival Saar - 05 Death's Door Vodka

Gin ist ein aromatisierter Vodka, das vereinfacht die Sache vielleicht etwas, im Grunde stimmt es aber. Sehr viele Hersteller produzieren ihren Ausgangsstoff nicht selber, sondern kaufen Neutralalkohol ein und aromatisieren ihn nur noch. Nicht ganz so einfach machen es sich die Produzenten von Death’s Door Gin – sie brennen ihre Alkoholbasis selbst. Sehr spannend war es daher für mich, am Stand dieses Herstellers die Basis des Death’s Door Gin tatsächlich zu verkosten – die Aussteller hatten den Death’s Door Vodka dabei. Ähnlich wie bei modernen Craftvodkas wie Florian Renschins Freimut Vodka ist auch hier das altbekannte Muster von Vodka als „geschmacks- und geruchslosem“ Destillat aufgebrochen, man erkennt die Getreidebasis deutlich heraus. Wunderbar, dass man die beiden miteinander verwandten Produkte so toll vergleichen konnte.

1. GIN Festival Saar - 07 Helles Eck

Man kann auf so einer Messe nicht nur dauernd Gin und Gin & Tonic trinken, man braucht ganz besonders im bierverliebten Saarland auch was vernünftiges, wie ein kühles Bier – das Helle Eck bot beispielsweise das relativ neu auf den Markt gekommene Karlsberg Helle an. Auch wenn ich persönlich kein wirklich großer Fan der Marke bin, so finde ich es doch großartig, dass hier ein kauziger, uriger Stand mit dem Bier zusammengezimmert wurde.

1. GIN Festival Saar - 06 Arnie & Jules

Auch der Hunger konnte vor Ort gestillt werden – Manin Currywurst und Pulled Pork Burger von Arnie & Jules (wer mich oder meinen Blog kennt, weiß, was ich von den beiden Betreibern dieser BarBQ halte, darum halte ich mich hier nicht lange mit Lobeshymnen auf diese tolle Bar auf) waren ebenso über Coins erwerbbar. Man muss für den ganzen Gin ja eine Basis schaffen!

1. GIN Festival Saar - 08 Abend 01

Über die Zeit strömten dann doch immer mehr Leute in die Congresshalle, und gegen Abend war der Saal dann gut gefüllt, die Lichtanlage sorgte für lauschige Atmosphäre, der DJ wurde immer wärmer und lauter, man merkte, dass sich der Partyteil der Veranstaltung langsam näherte. Die Stände der Aussteller waren dabei immer noch geöffnet, und inzwischen von neugierigen und interessierten Ginfans umlagert, man musste sich fast schon etwas durchkämpfen, um noch an einen Probe heranzukommen.

1. GIN Festival Saar - 08 Abend 02

Draußen wurde es dunkel, im Saal kam nun immer mehr ein Clubfeeling auf. Die Gäste mit Partyticket wurden nun eingelassen, und die zumindest im Saarland und Rheinland-Pfalz wohlbekannte rotbekleidete Soulfamily übernahm dann von DJ Garry Woodapple und sorgte live mit ihrem heißen Soul-, R’n’B- und Funk-Mix fürs Mitwippen und -schwingen; mitten im Saal auf Augenhöhe platziert konnte man ihnen von allen Seiten so direkt wie kaum zuvor begegnen.

1. GIN Festival Saar - 09 Soul Family 1

Ich muss sagen – dafür, dass dies meines Wissens die erste Spirituosenveranstaltung dieser Art und Größe im Saarland war, haben die Organisatoren ganze Arbeit geleistet. Für mich gab es nichts zu meckern. Fürs zweite Festival würde ich mir vielleicht noch ein paar mehr Aussteller wünschen, aber sonst – Hut ab, Denis Reinhardt und vor dem ganzen Team der Winefactory! Jedenfalls etwas, für das es sich für den Ginfreund beim nächsten Termin lohnt, ins Saarland zu fahren!

Kurz und bündig – Maisel & Friends Marc’s Chocolate Bock

Die Familie wächst – neulich hatte ich schon das Bier von „Stefan“ im Glas, nun darf „Marc“ ran. „Marc“, das ist Marc Goebel, der Brauchef von Maisel & Friends, und er hat einen deutlichen Gegenpunkt gegen Stefans helles, hopfiges IPA geschaffen und in die große, etwas ungewohnte Dreiviertelliterflasche gegossen: Maisel & Friends Marc’s Chocolate Bock.

Maisel & Friends Marc's Chocolate Bock

Dunkles Kaffeebraun, vollkommen blickdicht, mit einem feinen, langlebigen Schaum, begrüßt uns beim Eingießen. Kaum Perlage ist erkennbar. Bei meiner Flasche waren bei der zweiten Portion ein paar Ausflockungen erkennbar. Im Geruch muss ich etwas suchen, um Malz, Kaffee und einen leichten Cognachintergrund wahrzunehmen. Ansonsten bleibt das Chocolate Bock aromatisch vergleichsweise neutral.

Daher schnell übergehen zum Geschmack – die üblichen Verdächtigen stellen sich ein, die man bei einem Stout aufzählt. Kaffee, dunkler Kakao, schweres Malz, ein Anflug von Rauch. Erkennbar salzig und würzig. Schwer im Mundgefühl, sehr breit und wuchtig, dabei aber noch überraschend rezent. Eine gelungene Mischung aus dunkler Süße und frischer Säure, mal überwiegt das eine, dann das andere. Entsprechend der Klassifizierung als Bock finden wir eine passende Alkoholstärke von 7,5%. Der Abgang ist lang, sehr trocken, sehr adstringierend und knackig bitter, fast schon etwas kratzig. Viele Kaffeearomen hängen noch lange nach.

Wer die aktuellen Biere von Maisel & Friends verfolgt, hat vielleicht das jüngst in Flaschenform erschienene Choco Porter schon probiert – wem jenes zu leicht war, der sollte dieses Bier hier probieren: Marc’s Chocolate Bock ist noch dunkler, kräftiger und würziger im Geschmack.

Kurz und bündig – Crew Republic X 2.1 Barley Wine

Die „X“-Reihe aus dem Münchner Brauhaus Crew Republic ist deren Experimentalschiene; hier können die Brauer Einmalbiere, die nicht dauerhaft im Sortiment verbleiben sollen, einfach so mal spaßeshalber brauen, ohne sich Sorgen um Reproduzierbarkeit zu machen. Wenn sich jemand wundert, warum ich nun ein Bier bespreche, das so gar nicht mehr im Handel erhältlich ist – die lange Haltbarkeit eines derartigen Biers (hier noch bis Ende 2019) sorgt dafür, dass ich das Crew Republic X 2.1 Barley Wine, das ich irgendwann 2015 oder so kaufte, jetzt erst trinke.

Crew Republic X 2.1 Barley Wine

Die Farbe ist stiltypisch kakaobraun, blickdicht, mit nur sehr schwacher Perlage – beim Eingießen hatte ich sogar den Eindruck, dass dieses Bier überhaupt nicht karbonisiert ist, was sich aber kurz darauf etwas relativierte. Dennoch ist praktisch kein Schaum da.

Ich rieche Erdbeermarmelade, Orange, etwas reife Banane, Ananas. Recht fruchtig, dennoch mit starkem Malzcharakter. Toffee, Milchschokolade. Auch im Mund dominiert die Fruchtsüße: Ananas, Zwetschgen, Toffee, Malz. Schwer und dicht – die praktisch nicht vorhandene Karbonisierung wirkt sich für mich persönlich etwas störend aus, da das Bier so etwas schal und unrezent daherkommt. 60 IBU sind erst im Abgang erkennbar, wenn sich die Süße legt. 9,5% Alkoholgehalt, für ein Bier eine echte Hausmarke, gehen im Gesamtbild schön auf. Der Abgang ist lang, trocken und ganz leicht adstringierend. Die Süße pappt etwas am Gaumen.

Die Hopfensorten sind klassisch gehalten (Herkules, Fuggles und East Kent Golding) und lassen die amerikanischen Ultraaromahopfen mal außen vor; Pilsener und Crystal wurden als Malze verwendet.

Nun, das ist ein Bierstil, den man eh nicht oft vorgesetzt bekommt – entsprechend sehe ich es als Experiment für mich, so wie es eins für die Brauer von Crew Republic war, wenn man der Story auf dem Rücketikett glauben darf, die ich anfangs zitierte. Persönlich empfinde ich diesen Barley Wine als zu süß konzipiert, etwas mehr Frische könnte ihm auch guttun.

 

Kurz und bündig – Wadgasser Klosterbräu Hopfen Perle

Das Saarland war einst durchzogen von kleinen lokalen Brauereien. Inzwischen wurden alle von Konzernen geschluckt oder gingen insolvent. Nennenswert übrig ist neben dem allgegenwärtigen Karlsberg (dem mit „K“, nicht dem mit „C“) eigentlich nur noch die Saarbrücker Brauerei Bruch. Diese offeriert unter verschiedenen „Tarnnamen“ Produkte – wie die Wadgasser Klosterbräu Hopfen Perle, ein obergäriges Vollbier. Mir ist jede Abwechslung vom saarländischen Pilseinerlei recht, daher kommt sie zu mir ins Glas – wer könnte aber auch so einem Bild, das mein Kollege Gerhard Müller für mich mit seiner professionellen Fotoausrüstung an einem hübschen Tag machte, wiederstehen?

Wadgasser Klosterbräu Hopfen Perle Glas Gerhard Müller

Farblich tatsächlich sehr ansprechend ocker, naturtrüb, dezente Perlage. Schöner, kräftiger Schaum beim Eingießen, aletypisch bleibt nur wenig auf Dauer davon übrig. Geruchlich mild-, aber erkennbar aromahopfig. Leichte Malz- und Hefeanklänge. Vom Geruch her ist das tatsächlich ein Pale Ale. Da hüpft mir das Herz.

Geschmacklich ist die Freude leider weniger groß. Der Aromahopfen hat sich auf den Geruch beschränkt – im Mund ist nur noch ein Hauch von der Fruchtigkeit schmeckbar. Dafür tritt eine herbe Bitterkeit an seine Stelle, Hefegeschmack. Wir sind doch nicht bei einem Pale Ale, sondern bei einem Pils oder Zwickel. Ein etwas dumpfer Charakter stört mich sehr. Muss daher zügig getrunken werden, denn mit steigender Temperatur wird die Hopfen Perle immer dumpfer und seichter.

Wadgasser Klosterbräu Hopfen Perle Glas

Mittellanger Abgang mit Hopfenaromen, leichter Mundtrockenheit. Sehr erfrischend, wenn gut gekühlt, aber ein bisschen langweilig und mit dieser seltsamen Stumpfheit, die die Mundporen verstopft, als hätte man einen Belag darauf.

Schade, ich hatte mir da mehr erhofft, aber das ist halt genau das, was passiert, wenn ein Brauer, der jahrzehntelang nur Pils und Export hergestellt hat, plötzlich auf den fahrenden Craftbierzug aufspringen will, und gleichzeitig auch noch die pilsfanatische Bestandskundschaft mit glücklich machen will. So landet die Hopfen Perle bei mir in Mixgetränken, wie dem Weissen Sour.

Weissen Sour


Weissen Sour
2 oz Bourbon (z.B. Old Grand-Dad Kentucky Straight Bourbon)
¾ oz Zitronensaft
¼ oz Zuckersirup
1 Barlöffel Orangenmarmelade (z.B. von Zuegg)
2 Spritzer Orange Bitters (z.B. von The Bitter Truth)
Auf Eis shaken, dann aufgießen mit…
2 oz Wadgasser Klosterbräu Hopfen Perle

[Rezept nach Kevin Diedrich]


Immerhin – die Brauerei Bruch macht auch das für mich persönlich beste saarländische Bier, das Bruch Zwickel. Dieses würde ich dann auch dem Bierfreund, der sich fürs Saarland interessiert, eher ans Herz legen.

Kurz und bündig – Maisel & Friends Teleporter Imperial Porter

Maisel & Friends heißen nicht umsonst so – immer wieder treffen sie sich mit Brauern von anderen Brauereien und stellen Collaboration Brews, wie es auf bierneudeutsch heißt, her – die unterschiedlichen Sichtweisen auf Bier soll für eine gegenseitige Befruchtung in den Produkten sorgen. Nach dem in den USA bei Christian Moerlein Brewing (Cincinatti, Ohio) hergestelltem Spacetime kommt der deutschstämmige US-Brauer nun zurück in die alte Heimat: mit dem Maisel & Friends Teleporter Imperial Porter soll die zeitliche und räumliche Trennung der Brauerkollegen außer Kraft gesetzt werden. Beamt es mich up, oder hat der Teleporter eine Fehlfunktion?

Eine wirklich starke Schaumentwicklung grüßt, wenn man das Bier aus der großen Dreiviertelliter-Flasche, die auch schon als Heimat für andere Maisel-Biere diente, eingießt. Porter kenne ich sonst als diesbezüglich eher zurückhaltendes Bier, hier ist der Schaum gemischtporig, und bleibt lange erhalten, später dann als helle, dichte, flache Krone auf dem Bier. Das Bier selbst ist dunkelbraun bis rubinrot, nicht ganz blickdicht.

Maisel & Friends Teleporter Imperial Porter

Die Nase erfreut sich an holzig-rauchigen dunklen Kakao- und Kaffeenoten, insbesondere letzteres ist sehr präsent, wie eine Schale schon eine Weile offen dastehendes Kaffeepulver. Die Aromatik ist darunter dann eher süßlich, Beeren, Vanille, Orangen.

Das Mundgefühl ist weich, mild, cremig. Süße Anflüge von Karamell werden kombiniert mit einer dezenten Bittere, die keine Kanten hat – 39 IBU würde man wohl kaum vermuten, wüsste man es nicht. Dasselbe gilt für die Rezenz, das Teleporter ist frisch und leicht, auch etwas, was man von der Optik her nicht unbedingt annehmen würde. Die Hopfensorte Phoenix kümmert sich schließlich darum, die Gesellschaft der dunklen Gerstenmalze nicht zu stumpf werden zu lassen. 9% Alkoholgehalt machen das Teleporter zum Imperial Porter, diesen Stil sieht man nicht häufig – mir als Porterfreund gefällt das sehr.

Der Abgang hat eine attraktive dezente Schärfe, die auf der Zunge kitzelt. Feinherbe, mäßige Trockenheit, schöne Säure, leicht grasige Aromen und etwas Mineralität lassen das Bier sehr langsam und mit Bedacht ausklingen.

In diesem Bier findet man alles, was den Porter-Stil für mich so liebenswert macht, und das nicht zu knapp. Ein wirklich schön gestaltetes, rundes Bier, mit einer herrlichen Retro-Videospiel-Etikettierung, die Blicke auf sich zieht. Meine Empfehlung: Zugreifen, solange die limitierte Edition erhältlich ist!

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kostenlose Zusendung einer Flasche dieses Biers.

Kurz und bündig – Maisel & Friends Summer Pale Ale

Habe ich da ein déjà-vu? Letztes Jahr im Sommer hatte ich ein Bier getrunken, das Surfer auf dem Etikett hatte. Das Kona Longboard Island Lager konnte mich durch seine unkomplizierte Art überzeugen, allein der Preis und der weite Weg, den es zurücklegen musste, bis es bei mir im Glas landete, sorgten für Schwermut. Diesen lege ich hiermit offiziell ab, denn seit kurzem gibt es auch in Deutschland hergestelltes Surferbier! Maisel & Friends sorgt mit dem Summer Pale Ale, auf dessen Etikett ein lässiger Surfer sein Brett am Strand entlang trägt, entsprechend schonmal direkt für gute Laune.

Maisel & Friends Summer Pale Ale

Die Hefe setzt sich am Boden etwas ab, daher ist beim Eingießen darauf zu achten, dass man die Flasche kurz vorher dreht, oder etwas schwenkt. Berücksichtigt man das, so ist das Summer Pale Ale deutlich trüb, mit leicht blassem Ocker als Farbe. Mittelstarke Perlage ist durch die Trübung sichtbar, und ein wenig an feinblasigem Schaum krönt das Bier. Ich rieche daran, und mir gefällt die Mischung aus marmeladig-süß, mild zitrusig (ist das ein Wort?), sehr betont hopfig. Man bekommt direkt einen Eindruck der zu erwartenden Bittere.

Im Mund bleibt dann kaum noch was von der Marmelade, hier wirds kantig: sehr bitter, mehr noch, als es die 33 IBU zahlenmäßig vermuten lassen. Trocken, herb und die nur ganz kurz im Antrunk aufblitzende Süße wird schnell von einer Welle der Hopfigkeit hinweggespült. Sehr rezent und kühlend, mit erkennbarem Mineralwassercharakter – leichter Körper ohne viel Tiefe. Das ist für meinen Geschmack für ein Pale Ale schon grenzwertig nah am Westcoast-IPA, aber ich schere mich nur selten um Stiltreue, wenn das Endprodukt schmackhaft ist.

Der Abgang ist kurz, frisch, sehr herb und trocken. Zitrusnoten hängen noch nach, ein mentholischer Effekt ebenso. 4,4% Alkohol sorgen für gute Sommerkompatibilität – was leichteres für den Strand. Das würde ich auch gern als Fazit festhalten: die Zielidee eines leichten Sommerbiers wurde mit dem Summer Pale Ale voll getroffen. Ich denke mal, ich werde meine Kollegen in naher Zukunft bei einem Bürobier um Vier damit beglücken, gut gekühlt, wenn es wieder so heiß ist.

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die kostenlose Zusendung einer Flasche dieses Bieres.

In der Weihnachtsbäckerei gibt es manche Leckerei – The Bitter Truth Pimento Dram Allspice Liqueur

„Weihnachten“ ist in der Tat der erste Eindruck, den man bekommt, wenn man diese Flasche öffnet. Nelken, Zimt und Lebkuchen und ähnliche Gerüche lassen einen erstmal an einen Süßigkeitenstand auf dem Weihnachtsmarkt denken; doch wenn man dann einen Schluck probiert, kommt ein vielschichtigerer Geschmack zustande – das ist durchaus Muskatnuss-würzig, pfeffrig, eine Spur scharf und dabei gleichzeitig süß.

AllspiceAllspice, der Begriff, der in vielen Cocktailbüchern für diese Zutat gebraucht wird, ist daher schon passend – der Jamaika-„Pfeffer“, der als Grundlage dient, ist an sich schon ein überraschendes Gewürz, das die Entdecker damals nicht einordnen konnten, und ihm daher einfach als Allgewürz bezeichneten.

Erneut, wie schon beim Veilchenlikör desselben Herstellers, eine Cocktailzutat, die man pur kaum trinken kann, weil sie dermaßen dicht, voluminös und überwältigend daherkommt. Die Konsistenz ist dick und klebrig, die Farbe tiefbraun, und man muss bei Cocktails aufpassen, denn Allspice macht schnell alles andere platt, was man an Zutaten in den Shaker gibt.

Dafür bekommt man eine unglaublich intensive Note in das Mischgetränk, unverkennbar und von jedem, dem Sie einen Cocktail damit vorsetzen, werden Sie ein überraschtes Gesicht und ein ebensolches „Ah!“ bekommen. Als Signaturcocktail empfehle ich den wirklich außergewöhnlichen The Ancient Mariner.

The Ancient Mariner


The Ancient Mariner
1 oz gereifter Rum (z.B. Pampero Aniversario)
1 oz Jamaikanischer Rum (z.B. Myers‘ Rum)
¾ oz Limettensaft
½ oz Grapefruitsaft
½ oz Zuckersirup
¼ oz Bitter Truth Pimento Dram
Auf Eis shaken und ungestraint ins Gästeglas geben.
[Rezept nach Jeff „Beachbum“ Berry]


Aus diesem Cocktail schmeckt man wirklich alle Zutaten heraus, die Bitterkeit der Grapefruit, die Süße des Rums und des Zuckers, den starken Eigengeschmack des Myers‘, und dann die Lebkuchennote des Allspice. Fantastisch.

Ergänzt wird das ganze durch die übliche, tolle The Bitter Truth-Präsentation mit dicker Flasche, gutem Schraubverschluss und tollem Etikett.