Wer hat den Kokosschnaps geklaut? Kokosrum selbstgemacht, der erste Versuch

Ich bin immer dafür zu haben, auf natürliche Art und Weise Spirituosen zu aromatisieren. Ich habe schon Fat Washing versucht, was ziemlich in die Hose ging; das Räuchern von Getränken hat bessere Ergebnisse erzielt.

Nun hier eine neue Idee. Eine beliebte Mischung ist Rum mit Kokosnussaromen. Verschiedene Hersteller bieten das schon flaschenabgefüllt an, das in Deutschland wahrscheinlich bekannteste Exemplar ist Malibu. Nun ist in solchen Premixes meist neben künstlichen Aromen auch Zucker und allerlei anderes, garstiges Zeug enthalten. Daher will ich mir meinen Kokosrum selbst herstellen.

Was braucht man dazu? Etwas Rum, eine Kokosnuss, ein bisschen minimales handwerkliches Geschick und, wie immer bei solchen Experimenten, Geduld.

Der erste Schritt besteht darin, zwei Löcher in die Kokosnuss zu bohren. Mit einem Korkenzieher oder einer Ahle geht das ganz gut, wenn man sich an die von Mutter Natur vorgegeben, leicht erkennbaren Stellen auf der Nussoberseite hält. Das Wasser in der Nuss wird abgegossen.

kokosrum-verschlüsseAus Aststücken aus dem Garten habe ich mir rustikale Stöpsel gebastelt, mit denen die Nuss nachher wieder verschlossen werden sollen. Mit ein bisschen Schnitzarbeit passen die Stöpsel perfekt in die Löcher.

havana-club-smallNun fülle man etwas Rum in die Nuss. Ich habe für den ersten Test Havana Club-Rum verwendet. Mit einem Trichter geht das ganze leichter; ca. 100 bis 200ml passen in so eine Nuss. Ich fülle sie wirklich bis zum Rand.

kokosrum-geschlossen

Rein mit den Stöpseln, und zwar so fest, dass keine Flüssigkeit austritt, wenn man die Kokosnuss dreht und wendet. Wenn man die Nuss schüttelt, hört man das Blubbern des Rums.

kokosrum-fertig

Und nun kommt der härteste Teil der Arbeit: Die Warterei. Mein Plan war, den Rum für ein halbes Jahr in der Kokosnuss einzulagern, damit er die Aromen aus dem Fruchtfleisch schön annehmen kann. Ich stelle die Nuss auf einen Glas-Teelichthalter. So ist das ganze stabil, und sehr dekorativ für die Heimbar darüberhinaus.

Da steht sie nun, die Nuss, und ruht. Ab und zu habe ich sie zu Beginn der Wartezeit noch bewegt, um den Inhalt zu prüfen. Nach einem Monat ließ ich sie komplett in Ruhe. Dann kam der Tag, nach 3 Monaten, als ich sie kurz bewegen musste – und dabei feststellte, dass kein Gluckern mehr zu hören war. Kurz geschüttelt, und tatsächlich: Die Nuss ist leer.

Es gibt einen Effekt bei Fasslagerung, den die schottischen Whiskyhersteller seit Beginn dieser Reifungsart kennen, und als Angels‘ Share bezeichnet haben. Dadurch, dass Fässer aus Holz bestehen, und Alkohol recht flüchtig ist, verdunstet immer ein gewisser Anteil aus dem Fass, ich habe mal von je nach Klima mindestens 2% bis teilweise sogar 10% gelesen. Poetisch wie Whiskytrinker und -hersteller nun mal sind, waren sie es zufrieden, den Engeln, die vom Verdunstungsschnaps profitieren, diesen ihren Anteil zu gönnen.

Nun hat mir also ein Engel meinen Kokosrum weggeschlürft. Naja, man muss nun halt das beste daraus machen, verklagen kann ich ihn ja schlecht. Wenigstens das Fruchtfleisch hat hoffentlich einen kleinen Rest vor dem versoffenen Engel retten können und gespeichert.

kokosnuss-geknacktDie Kokosnuss ist mit ein paar festen, assertiven Schlägen mit einem haushaltsüblichen Hammer schnell geknackt. Man sieht sehr schön, wie sich der Alkohol an manchen Stellen des Fruchtfleischs zu schaffen gemacht hat. Mit einem kurzen Messer kann man das Fruchtfleisch leicht aus der Schale lösen.

kokosnuss-stücke

Geschmacklich überzeugt mich das Rumkokos-Fleisch sehr: Es ist schön saftig, hat immer noch seinen typischen Kokosgeschmack (ohne die künstliche Süße, die man in Kokosprodukten sonst oft findet), und ein feines, deutlich erkennbares Rumaroma. Als Dessert in Stücken gereicht kann man Gäste damit überraschen; alternativ kann man es natürlich kleinraspeln und auf Eis, Gebäck oder Pudding streuen, oder als Cocktailglas-Verzierung bei der nächsten Piña Colada verwenden.

Obwohl dieser Versuch eigentlich ganz anders ausging als geplant, bin ich doch begeistert. Und so werde ich bald einen zweiten Versuch unternehmen, um doch noch an den Kokosrum zu kommen, den ich eigentlich haben wollte, und den die Engel mir geklaut haben. Bis dahin kaue ich ein paar Stücke leckeres Kokosrum-Fruchtfleisch als Wegzehrung.

Ananaswein selbstgemacht – Mexikanisches Tepache

Der Auslöser für diesen Versuch war, wiedereinmal, ein Cocktailrezept. Die frischerworbene Flasche Olmeca Altos Tequila Plata wollte ich für einen besonderen Cocktail einsetzen, und dann stolperte ich über eine Zutat: Tepache. Nach kurzer Recherche war klar: Das ist mexikanisches, hausgebrauter, leicht fermentierter Ananasbierwein.

tepache-ananasSo eine appetitliche Idee konnte ich nicht auf mir sitzen lassen, und habe mir diverse Rezepte online dafür angeschaut. Gar nicht so schwer, und so präsentiere ich heute meinen ersten Versuch, Tepache selbst herzustellen.

Was braucht man dazu? Eine Ananas, Zucker, ein paar Gewürze, einen großen Topf, eine Flasche Bier. Und etwas Geduld.

tepache-gewürze


Tepache
1 schöne reife Ananas

500g brauner Zucker (das Originalrezept verlangt nach piloncillo)
1 Zimtstange
1 Stück Sternanis
5 Nelken
4 Liter Wasser


Wir bringen das Wasser in einem großen Topf, in dem zusätzlich zum Wasser noch genug Platz für ein Pfund Zucker und die Ananas später ist, zum Kochen, und lösen den Zucker darin auf. Die Zimstange, den Sternanis, die Nelken werfe man einfach dazu. Wenn das Gebräu kocht, die Temperatur herabsetzen und etwa 10 Minuten vor sich hin köcheln lassen.

tepache-addingsugarWährend dieser Wartezeit kann man die Ananas reinigen und in kleine, ca. 2x2cm große Stücke schneiden – inklusive Schale; diese ist wichtig, weil sie die Hefe liefert, um die Fermentation in Gang zu bringen.

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Die gewürfelte Ananas und den ausgetretenen Saft geben wir nun vorsichtig in den Topf mit dem Zucker-Gewürz-Sud. Aufpassen, dass die heiße Brühe nicht herumspritzt. Ich hoffe, Sie haben sich an meinen Rat gehalten, und genug Platz im Topf für die Ananasstücke freigelassen!

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Nun nehmen wir den Topf vom Herd und decken ihn ab. 2 Tage lassen wir ihn an einem warmen Ort stehen und warten darauf, dass die Fermentation beginnt, also dass die Hefe aus der Schale der Ananas den Frucht- und Rohrzucker in Alkohol und CO₂ umsetzt.

Tepache, nach dem KochenNach zwei Tagen tat sich nun immer noch nichts; wahrscheinlich liegt es am Klima – Saarbrücken ist halt nicht Mexiko. Um den Fermentationsprozess anzustarten, habe ich daher dann ein halbes Päckchen Backhefe in den Sud gebröselt und einmal gut umgerührt. Und tatsächlich, am nächsten Tag…

tepache-fermentation

Da zischt und blubbert es, dass es eine wahre Freude ist. Man nimmt allerdings nun auch den Geruch der Hefe etwas wahr; vielleicht würde ein Viertelpäckchen auch ausreichen. In Mexiko gibt es scheinbar auch den Brauch, noch eine Flasche Bier in den Sud zu kippen. Außer einer Verstärkung des Alkoholgehalts und einer Geschmacksänderung bringt das aber wohl nichts, was den Fermentationsprozess angeht, außer, man benutzt dafür ein Bier, das in Flaschengärung mit noch lebenden Hefen erzeugt ist. Ein normales Bier hat keine lebenden Hefen mehr, die fermentieren könnten. Da ich die Hefe so zugegeben habe, lasse ich das Bier erstmal weg (es hat später noch einen Gastauftritt).

tepache-filteringNachdem es inklusive Hefezugabe nun nochmal 12 Stunden gestanden ist, folgt das Abgießen. Bei einem so großen Topf ist das gar nicht so einfach; ein großes Küchensieb dient erstmal dazu, die Ananasstücke herauszuholen. Um nichts vom göttlichen Aztekengebräu zu verlieren, werden diese Stücke schön ausgequetscht. Schließlich filtrieren wird die Ananassuppe noch durch einen Filter, um die Schwebestoffe loszuwerden – ein Passiertuch täte gute Dienste dafür, denn mit Kaffeefiltern dauert es ewig. Ich habe schließlich auf eine doppelte Lage Papierhandtücher umgestellt, und dafür  dann zweimal filtriert.

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Wohl wegen der Hefe ist die Flüssigkeit ziemlich undurchsichtig und sieht nicht wirklich appetitlich aus – doch der Geruch, eine herrliche Mischung aus Zimt, Ananas und einem leichten Hefebier-Geruch ist schonmal sehr ansprechend. Nach dem zweiten Filtern ist das ganze noch deutlicher; die Hefe kommt nicht durch den Filterprozess, und so bleibt nur das wunderbare Fruchtaroma zurück.

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Nach dem Filtern kommt nun doch noch das Bier zum Einsatz – als Aromengeber, denn das reine Tepache war mir etwas zu mild. Ein herbes, hopfiges Bier, wie die Hopfenperle der saarbrücker Brauerei Bruch, kommt mir ideal geeignet vor. 330ml setze ich zu.

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Schließlich die Abfüllung. Ich habe 1,25l fassende Cola-PET-Flaschen gut ausgespült, und mittels Schöpfkelle und Trichter das Tepache in die Flaschen abgefüllt. Verschlossen, und in den Kühlschrank damit. Vorsicht – ähnlich wie Federweißer gärt auch dieses Getränk weiter vor sich hin und erzeugt Gas; wer die Flaschenexplosion vermeiden will, schraubt die Flasche nicht fest zu.

Ein Glas im Vorab konnte ich mir nicht verkneifen – in dieser Form sieht es nicht nur sehr schön aus, sondern schmeckt auch hervorragend. Es erinnert mich etwas an leicht vergorenen Apfelmost oder Federweißer, nur halt mit Ananas- und Zimtaroma. Eine leichte Säure, eine gewisse Bitterkeit und die Süßwürzigkeit kombinieren sich hervorragend.

tepache-completed

Ein erfolgreiches Experiment, das ich sicher irgendwann wiederholen werden. Nun steht allerdings der härteste Test noch an: Die Verkostungsprobe mit den Kollegen. Ich bin gespannt.

Nachtrag 1: Tatsächlich, und das habe ich erst beim Verkosten in der Diskussion mit den Leuten wirklich gemerkt, handelt es sich beim Tepache um Ananaswein, nicht –bier, da hier Zucker direkt vergoren wird und nicht erst Stärke in Zucker gewandelt wird. Der Zucker im Tepache ist einerseits Rohrzucker, andererseits Fruchtzucker aus der Ananas – also kein aus Stärke gewonnener Zucker, eine der Voraussetzungen für die Verwendung des Worts „Bier“.

Nachtrag 2: Tepache kam bei meinen Kollegen sehr gut an – bis auf eine Ausnahme haben alle das Aroma gelobt. Am Verkostungstermin hat das Tepache ein Aroma erreicht, das äußerst stark an Federweißer erinnert, die Ananas war stark zurückgenommen.

Nachtrag 3: Auch sehr lecker – als Zusatz in ein Bier. Hefeweizen im Verhältnis 2:1 mit Tepache vermischen – ein sehr süffiger Genuss.

Meine Verbesserungsvorschläge für die Zukunft: Statt Backhefe werde ich Champagner- oder andere Brauhefe verwenden, um die Trübung und den Hefegeschmack zu reduzieren. Und ich werde durch ein Passiertuch filtern.

Ein Apfel am Tag – Bulmers Original Cider

In den Irish Pubs meiner Studentenzeit gab es zwei Typen von Trinkern. Die einen, die sich das malzig-süße Guinness runterstürzten, und die, die mit dieser Art Bier nichts anfangen konnten, aber trotzdem ein bisschen Suff gebrauchen konnten. Letztere, zu denen ich meist gehörte, wandten sich oft dem irischen Apfelschaumwein, genannt Cider, zu. Abgesehen vom schlimmen Sodbrennen am nächsten Tag, wenn man mal eineinhalb Liter davon weggezogen hat, empfand ich das Getränk als sehr verträglich und weniger katerig als Bier.

bulmers-bottleBei uns im Saarland ist man mehr frankophil veranlagt, der französische Cidre aus der Normandie ist daher vielen vielleicht eher ein Begriff, aber mit der britischen Variante natürlich eng verwandt. Auch der saarländische Viez gehört in diese Gruppe von leicht fermentierten Apfelgetränken mit oder ohne Kohlensäure.

Allen diesen Getränken, auch denen aus meiner Erinnerung, hat der Bulmers Original Cider eins voraus: Er ist sehr angenehm mild. Zurückhaltende, nur leicht schmeckbare Säure, zusammen mit der feinen, wirksamen Perlage, ergibt ein süßes, aber nicht übersüßes, Mundgefühl, das trotzdem üppig nach Apfel schmeckt. Die Schaumkrone direkt nach dem Eingießen ist fett, und bleibt überraschend lange erhalten. Über die herrliche Farbe lasse ich mich nicht aus, da sie durch Farbstoffe (unter anderem das etwas problematische Cochenillerot A) entsteht.

bulmers-glasGut gekühlt ist der Bulmers Original Cider ein wunderbarer Begleiter zum Essen, oder erfrischt als Sommergetränk ganz hervorragend – wenn man auf die viereinhalb Volumenprozent Alkohol achtet, die man praktisch überhaupt nicht herausschmeckt. Bulmers stellt auch noch eine Reihe von anderen Cider-Getränken her, vom Birnencider bis hin zum Blutorangencider. Das eine oder andere davon werde ich mir bestimmt noch mal in den Kühlschrank legen, für die ganz heißen Tage… oder Nächte.

Der Vorläufer des Rums – Boven’s echter Arrak

Vom Geruch und der Farbe ähnelt der Boven’s echter Arrak aus Indonesien weißem Rum; kein Wunder, bei indonesischem Arrak ist auch Zuckerrohr, neben Reis, ein Hauptbestandteil der Basis für die Vergärung. Auch der Geschmack ist sehr rumähnlich, vielleicht mehr etwas in Richtung eines Rhum agricole – ein leichtes Zusatzaroma und eine stärkere Süße unterscheiden ihn von den typischeren, karibischen Vertretern dieser Spirituosenart. Relativ mild, nur leichtes Alkoholbrennen im Mund machen das Getränk recht schmeichlerisch; der Geruch ist aber vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, mit vielen ungewohnten Gras- und Holznoten. Insgesamt nicht wirklich sehr anziehend, nichts zum Schnuppern und Schlürfen – daher trinke ich ihn nicht pur, sondern eigentlich ausschließlich in Cocktails, wo er als Ersatz für weißen Rum oder Rhum agricole dann aber überraschend gute Dienste leisten kann, weil er eine leichte Aromenabwandlung vom gewohnten weißen Rum bietet, und einen guten Schuss Extrasüße mitbringt.

arrak1Äußerst überzeugend kommt er in einem 1924 Cocktail zur Geltung, das ist eine Melange, die gut eisgekühlt jeden Liebhaber dichter, starksüßer Sommerabendmixturen faszinieren wird.

1924 Cocktail


1924 Cocktail
1½ oz Arrak (z.B. Boven’s echter Arrak)
¾ oz Fino Sherry
½ oz Maraschino-Likör
⅓ oz roter Wermut (z.B. Martini Rosso)
1 Spritzer Orangenbitter
Auf Eis rühren.
[Rezept nach ceylonarrack.com]


Bei der Flasche muss man aufpassen – die ist sehr hoch, passt also nicht in jedes Regal. Dafür ist sie dort ein Hingucker, die dreieckige Form ist wirklich außergewöhnlich.

arrak2Eine ungewöhnliche, ausgefallene Zutat für die Cocktailbar; insbesondere, wenn man gern mit weißem Rum arbeitet sehr empfehlenswert.

Könnte aus der Glockengasse stammen – The Bitter Truth Orange Flower Water

Der erste Geruchseindruck des The Bitter Truth Orange Flower Water: 4711 Echt Kölnisch Wasser, mit einem leicht dumpfen Unterton. Da ich persönlich dieses Duftwässerchen von frühester Kindheit an kannte und mochte, ist das schonmal ein Pluspunkt für eine Cocktailzutat. Geschmacklich ist es dann auch ähnlich, als hätte man einen Sprüher des stark verdünnten Parfüms in den Mund bekommen. Da es eh nicht zum puren Trinken beabsichtigt ist, bewerte ich diesen wundersamen Geschmacksausflug in die Vergangenheit nicht über.

orangeflowerOrange Flower Water findet man immer wieder, wenn es um Cocktailrezepte geht. Einer der bekanntesten, der sich diese Zutat zunutze macht, ist der Ramos Gin Fizz – arbeitsintensiv und Zutaten, die man sonst in Cocktails, wie man sie an jeder Ecke kriegt, nicht kennt: Ein spannendes Projekt für den Heimmixologen.


Ramos Gin Fizz
2 oz Gin (z.B. Bombay Sapphire)
1/2 oz Crème Double oder Crème Fraiche
1/2 oz Zitronensaft
1/2 oz Limettensaft
3/4 oz Zuckersirup
3 Spritzer The Bitter Truth Orange Flower Water
1 Eiweiß
Aufgießen mit Sprudel


Das ganze schütteln und schütteln und schütteln und schütteln und schütteln und schütteln – länger, als man je einen Cocktail sonst geschüttelt hat. Am Ende mit Sprudel aufgießen. Ein reichhaltiger, üppiger, cremiger Cocktail.

Ramos Gin Fizz

Die 125ml-Flasche ist sehr ähnlich aufgemacht wie die 200ml-Flaschen mit den Bittern, die The Bitter Truth so hervorragend herstellt. Wahrscheinlich ist es auch das einzige Produkt der Firma, das alkoholfrei ist. Wohl bekomms trotzdem!

Wenn Dir das Leben Zitrusfrüchte gibt… mach Konzentrat draus!

Mit diesem Beitrag werde ich mir ein paar Feinde machen. Ich gebe zu, ich verwendete früher des öfteren Limettensaft aus Konzentrat für meine Cocktails. Zu Beginn meines Cocktail-Fandoms hätte ich einen Limettenarm bekommen, wenn ich all die Limetten für all die Cocktails, die ich gemischt habe, hätte ausdrücken müssen. Wenn man Cocktails über längeren Zeitraum mischt, und immer eine unregelmäßige Menge an Limettensaft benötigt, fällt es einem manchmal etwas schwer, sich an frische Früchte zu halten – die zusätzliche Arbeit lässt man gern mal sein und gibt sich mit dem bequemen Fertigprodukt aus der Flasche zufrieden.

Im Marktcheck im NDR lief heute ein Vergleichstest von Direktsaft und Saft aus Konzentrat, und das Ergebnis war klar: Weder von gesundheitlichen, noch von ernährungsspezifischen noch von sensorischen Aspekten her ist der Konzentratsaft dem Direktsaft wirklich unterlegen. Doch wie sieht es mit dem härteren Kampf aus, dem zwischen Limettensaftkonzentrat und Frischsaft?

Limettensaft 1

Für den Vergleich nehme ich meine „Hausmarke“, das Limettensaftkonzentrat von Rewe zur Hand, und vergleiche es mit frisch ausgepressten brasilianischen, unbehandelten Limetten.

 

Farbvergleich

Limettensaft 2

Ansprechender ist klar der Frischsaft – heller, voller Fruchtfleisch, und mit einer minimal erkennbaren sprudeligen Säure. Der Konzentratsaft ist dunkler und von der Konsistenz her dicklicher.

 

Geruchsvergleich

Das Konzentrat riecht etwas muffig. Die Säure ist erkennbar, bleibt aber dumpf. Ganz im Gegensatz zum frischgepressten Saft: Leicht, ätherische Zitrusöle fliegen einem zu, die Säure ist zwar mild, aber fruchtig. Hier gibt es einen ganz klaren Gewinner, und zwar mit Abstand. Der frischgepresste Saft atmet einfach die ätherischen Öle der Frucht, etwas, was dem Konzentrat völlig fehlt.

 

Geschmacksvergleich

Ganz so klar sind die Unterschiede beim Geschmack dann aber nicht mehr. Das Konzentrat hat eine starke Säure, leicht beißend, und eine gewisse Süße im Hintergrund. Der frische Saft hat fast identische Säure, die etwas leichter, weniger süß, dafür minimalst fruchtiger daherkommt. Es sind aber wirklich, von der Süße abgesehen, nur Nuancen.

Da man bei so starker Säure Probleme hat, Unterschiede zu erkennen, verdünne ich beide noch 1:1 mit Leitungswasser. Hier verdeutlicht sich nun, was schon ansatzweise erkennbar war: Konzentrat ist süßer und dumpfer, frischer Saft fruchtiger und leichter.

 

Fazit

Letztlich ist das Verwenden von Konzentratsaft nach meinem Geschmacksvergleich aber noch legitim, denn die Hauptarbeit des Zitrussafts ist eben, Säure in den Drink zu bringen, und es geht weniger um die Fruchtigkeit, die nur in Nuancen vorhanden ist; dafür sind andere Komponenten zuständig. Die ätherischen Öle, die den Hauptunterschied in Geruch und Geschmack ausmachen, kann man auch durch angedrückte Schalenzesten in einen Drink transportieren. [Nachtrag 2016: Diesen Absatz kann ich heute, nach viel mehr Erfahrung, nicht mehr stehen lassen – meine einzige Entschuldigung dafür ist, dass ich jung und dumm war.]

Mit dem Limettensaftkonzentrat von Rewe, das lange haltbar, mit Abstrichen zu frischem Limettensaft dennoch halbwegs mithalten kann, und von der Handhabung sehr einfach ist, werde ich weiterhin arbeiten, doch meine grundsätzliche Pro-Konzentrat-Überzeugung bezüglich Limettensaft ist ins Wanken geraten. Gewiss werde ich die Cocktails, die ich bisher mit Konzentrat machte, nun nochmal mit frischem Saft nachmixen.

Letztlich will ich endgültig bald zu frischem Saft wechseln, und die Faulheit besiegen – denn diese ist, ehrlich gesagt, der einzige Grund, warum man Konzentrat verwendet, auch wenn es noch so gut ist. Das Erlebnis des frischen Safts ist doch ein anderes, helleres, frischeres.

P.S. 2016: Heute verwende ich keine Konzentrate mehr. Die Faulheit ist besiegt (war gar nicht so schwer!), Cocktails sind mit Frischsaft einfach viel aromatischer, und ich empfehle jedem, der noch Konzentrat benutzt, den Umstieg zu wagen. Es lohnt sich mehr, als ich Mitte 2015 noch ahnen konnte.

Die Katze schleicht ums Haus – Dubonnet Rouge

Die Farbe des Dubonnet Rouge  ist tiefdunkelrot, fast schon bräunlich, und erinnert daneben dann auch vom Geruch an Ruby Port, dazu mit feinen Honigaromen. Der Geschmack ist dann aber noch milder, mit Anklängen von Sangria, Sherry und der leichten Chinarindennote, ohne dabei bitter oder trocken zu werden – das ist was, was man sehr gemütlich am Kamin vor sich hin schlürfen kann, und als Beigabe zum Dessert gewiss viele Freunde findet.

dubonnet-flascheDer Dubonnet übernimmt in vielen Cocktails die Rolle des Wermut. Letztlich ist, wenn man nicht wirklich gleich schweren Portwein einsetzen will, Martini Rosso vielleicht noch das ähnlichste, was man als Ersatz verwenden könnte,  doch selbst dieser recht süße, milde Wermut ist immer noch erkennbar bitterer als Dubonnet. Daher ist Dubonnet ein wunderbares Mittel, eine dichte, schwere Süße mit Rotwein- oder sogar Portweincharakter in einen Drink zu bringen, wie geschehen im folgenden Décolletage-Cocktail.

Décolletage


Décolletage
1½ oz Tequila reposado (z.B. El Jimador Reposado)
1 oz Dubonnet Rouge
½ oz Aperol
¼ oz Fernet Branca
Auf Eis rühren.
[Rezept nach Chris Hannah]


Dieser Cocktail mag auch als Illustration dafür dienen, wie sich die Zutaten eines Cocktails durch sorgfältige Konstruktion ergänzen können: Die Fruchtig- und Duftigkeit des Tequila, die schwere Süße des Dubonnet, der leichte Bittergeschmack des Aperol und die Mentholnote des Fernet ergeben zusammen ein sehr süffiges, ansprechendes Gesamtbild. Eine Variation, die ich noch ausprobieren will, ist, den Fernet Branca durch Branca Menta zu ersetzen. Etwas stärkere Mentholnote tut diesem schweren Cocktail bestimmt gut.

Und wenn man auf ultrasüße, dichte Dessert-Cocktails steht, sollte man mal einen Fat like Buddha antesten, der auch so schmeckt, wie er heißt.

fat-like-buddha


Fat like Buddha
2 oz gereifter Rum (z.B. Ron Relicario)
¾ oz Dubonnet Rouge
¼ oz Bénédictine
¼ oz Orangenlikör (z.B. Clément Créole Shrub)
Auf Eis rühren.


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Wenig aufregend ist das Flaschendesign, das Etikett dagegen gefällt durch die Retro-Anspielung auf alte Barplakate: Mir gefällt die schwarze Katze, deren Silhoutte man auf der Flasche sieht, und der schwungvolle Namenszug. Ein spannendes neues Mitglied im Team „Mixologie“!