Kurz und bündig – Serra das Almas Silver Cachaça

Bei Whisky sind sie breit erhältlich, bei anderen Spirituosen muss man Glück haben, wenn man sie findet – Miniaturen. Natürlich lohnt sich die Produktion dieser kleinen Fläschchen mit meist 5cl Inhalt für die wenigsten Hersteller, doch ich mag sie; sie erlauben das Probieren, ohne sich direkt an eine große, teure Flasche zu binden. Und dass sich das lohnt, zeigt leider die Serra das Almas Silver Cachaça. Bio-Zertifikat in Brasilien und der EU, ein Produzent Fazenda Vaccaro, der sich auch um Nachhaltigkeit und seine Mitarbeiter kümmert, das alles ist lobenswert, ebenso, wie das Produkt auch in Miniatur anzubieten. Geschmackliche Attraktivität ist dann die andere Seite.

Serra das Almas Silver Cachaça

Die Serra das Almas Silver Cachaça ist nur kurz gelagert im Edelstahltank, nicht gereift, daher die reine Klarheit der Flüssigkeit. Im Glas bewegt sich diese Cachaça fast wie Wasser, nur eine leichte Öligkeit ist erkennbar. Der Geruch ist erstmal gewöhnungsbedürftig: Essig, grüner Apfel, Lösungsmittel, Plastikkleber – für die milden 39% Alkoholgehalt ist das schon etwas beißend. Gibt man ihr etwas Luft, entwickeln sich grasige und fruchtige Zuckerrohrsaftaromen. Ananas, Weinbrand, etwas Lakritz.

Die starke Säure, die man gerochen hat, ist im Antrunk völlig verschwunden. Supersüß, weich, cremig – sehr breit und voluminös, aber dafür etwas flach. Im Verlauf entsteht daraus allerdings eine stark adstringierende Trockenheit, mit Aromen von Zuckerrohr, milder Frucht, leichter Salzigkeit und etwas Karton und Eisen am Ende.

Der Abgang ist mittellang, heiß und süß und gleichzeitig supertrocken, allerdings taucht hier wieder Essig und Wein auf – für mich wirkt das irgendwie fehlerhaft. Insgesamt muss ich sagen, dass diese aromatische Achterbahnfahrt, die man mit dieser Cachaça erlebt, nicht so mein Ding ist. Es wirkt dadurch unsauber und mäßig ausgeführt, es findet sich keine Linie. Der Importeur wirbt mit der Verwendbarkeit in Caipirinha und Purgenuss. Für beides würde ich persönlich andere Cachaças verwenden.

Ein Nachruf – Labieratorium

Cottbus liegt in Brandenburg, nicht in Sachsen. Durch meinen Blog lerne ich sogar in Geografie immer noch viel dazu, danke an den aufmerksamen Leser, der mich bei meiner letzten Besprechung eines Biers der Brauerei Labieratorium darauf hinwies, dass ich die Stadt aus welchem Grund auch immer in ein falsches Bundesland verlegt hatte. Recht schnell auf diese Erstbesprechung folgt hier eine zweite Ladung an Bieren dieses Brauers, aus gegebenem Anlass: Die Brauerei schloss zum 31.12.2018 ihre Toren und Braukessel. Laut einem Interview der Betreiber mit LR Online lag es, banal und traurig, schlicht und ergreifend einfach an fehlendem Umsatz.

Es ist wirklich schade, denn ich nehme nicht zuviel vorweg, wenn ich sage, dass mir diese Bier sehr gefallen haben. So lese man diesen Artikel dann als nostalgischen Nachruf, mit der leisen Hoffnung, dass die Personen hinter dem Bier sich nicht komplett aus dem Geschäft zurückziehen, sondern woanders ihre gute Arbeit weiterführen können. Genug der Traurigkeit, rein ins Glas mit den vier Bieren, die in einem Set erhältlich waren, über einen Kartonhalter miteinander verbunden: Das Alte Welt, Schwarze Pumpe, F60 Paranoid IPA und Labieratoriums Orange Pale Ale.

Labieratorium Biere Flaschen

Wir gehen einfach die Reihenfolge durch, in der ich sie aus dem Kartonhalter entfernt hatte. Beginnen wir beim Alte Welt. Mir gefällt beim Eingießen bereits die kräftige, rotgoldene Farbe, das Bier ist angenehm opal, was den Eindruck noch verstärkt. Erkennbar starke Perlage, dazu ein feiner, sehr ebenmäßigblasiger Schaum. Für ein Pale Ale bleibt es etwa zurückhaltend in der Nase, nur leichte Hopfenfrucht dringt vor, aber eine erkennbare Würze als Ausgleich.

Geschmacklich – sehr trocken schon im Antrunk, malzig und mit leicht salziger Würze. Hopfen (Herkules, Saphir, Cascade) bleibt im Hintergrund, sorgt mehr für einen Klang als für festhaltbaren Geschmack. Leichter Körper mit fast etwas von Sprudelcharakter. Kräftige Säure. Sehr rezent, für meinen Geschmack etwas überkarbonisiert. 5,4% Alkohol sind dafür gut passend gewählt. Der Abgang ist kurz, trocken, prägnant.

Labieratorium Alte Welt Flasche

Ein sehr kantiges, eckiges Pale Ale – das ist interessant, weil es eine Abwechslung bietet zu den superfruchtigen Pale Ales, die man sonst so oft trinkt, aber insgesamt ist es dann halt doch etwas zu sauer und karbonisiert, um wirklich richtig zu gefallen. Gut gekühlt im Sommer ist die Alte Welt aber wahrscheinlich ein echter Frischehammer. Schade, dass ich das im Sommer nicht mehr verifizieren können werde.

Machen wir einen weiten Sprung in den Bierstilen, vom Pale Ale zum Porter. Die Schwarze Pumpe ist mit 6,6% und 45 IBU schon von anderer Gewichtsklasse. Farblich trifft der Name wunderbar zu, das Bier ist tatsächlich sehr schwarz, noch dunkler als viele andere Porter, die ich kenne. Langsam steigen kleine Bläschen vom Glasgrund hoch. Der Schaum ist kontrastreich hell, aber eher dünn und großblasig. Geruchlich eher malzig, leicht rauchig, speckig, erinnert mich fast an ein mildes Rauchbier.

Labieratorium Schwarze Pumpe

Im Mund ist die Schwarze Pumpe dann sehr holzig, bitter, malzig. Eigentlich passend dazu wirkt es sehr rezent, frisch und knackig. Leichte Süßholznoten. Stiltypisch ist etwas Kaffee, mit Grapefruit als Gegenspieler. Der Abgang ist lang und sehr bitter, man spürt eine deutliche Adstringenz. War ich beim ersten Bier noch skeptisch – das hier gefällt mir richtig gut. Ein zwar nicht extrem expressives, dafür aber sehr wuchtiges und toll rezentes Porter.

Die dritte Flasche aus dem Set, das F60 Paranoid IPA, komplettiert als IPA den Bogen durch die aktuell beliebten, gottseidank wiederbelebten Bierstile des modernen Craftbiers. Orangene Farbe im Glas, toll dicke Schaumhaube, nach einigen Minuten immer noch großblasige Schaumreste. Kräftige Perlage. Sehr starke Nase, mit viel Marmelade, Orange, und etwas Gurke.

Labieratorium F60 Paranoid IPA

Deftig herb schon im Antrunk, feine Süße gleicht das etwas aus. Sehr hopfig (Columbus, Simcoe, Amarillo, Sarachi Ale und Cascade tun ihre Pflicht), mildfruchtig – die Bittere steht im Vordergrund. Sehr rezent und leicht. Extrem süffig und trinkbar, 7,3% Alkoholgehalt tun dem keinen Abbruch. Auch hier meine ich, etwas Gurkenaroma zu entdecken – ich finde das sehr spannend. Der Abgang wirkt kurz, knackig, bitter, dazu eine angenehme, nicht überwältigende Trockenheit. Leicht malzig. Mir gefällt das sehr gut – ich kann den saufenden indischen Elefanten auf dem Etikett verstehen, dass er die Flasche, die er mit dem Rüssel hält, nicht hergeben will.

Am Ende dieser kleinen Verkostungsreihe steht das Labieratoriums Orange Pale Ale. Die Gestaltung des Etiketts erinnert natürlich an das Filmplakat zu der Verfilmung des SciFi-Klassikers A Clockwork Orange von Anthony Burgess; mir als kombinierter Bier- und Literaturfreund gefallen solche Anspielungen sehr.

Labieratoriums Orange Pale Ale

Fluffiger Schaum, nur leicht opalisierendes Sonnenblumengold. Starke Perlage. Geruchlich sehr hopfenfruchtig (Perle, Bavaria Mandarina), dabei hell und zitronig – Limettenschale und Grapefruitsaft nehme ich als Hauptakteure wahr. Das hört sich wild an, ist aber nicht aggressiv und daher angenehm. Der Geschmack wartet mit angenehmer Bittere auf, allerdings nicht eckig, sondern leichtkörperig. Man muss zugeben, dass es etwas flach wirkt, weil es keine Tiefe hat – Radlercharakter, das war mein Eindruck. 4,8% Alkohol machen das Bier entsprechend süffig, Frische und Rezenz stimmen. Der Abgang bleibt kurz, trocken, frisch. Leicht und angenehm zu trinken, in der Konsequenz vielleicht etwas zu einfach gehalten für den Kenner.

Man sieht, man findet Höhen und Tiefen, aber im Gesamtblick betrachtet sind die Biere von Labieratorium eine wirklich schöne Ergänzung des deutschen Biermarkts gewesen, vom sehr gelungenen Labieratorium Rot mal ganz abgesehen. Schade, schade, schade – gern hätte ich mehr von diesen Brauern gesehen. Für die Cottbuser selbst war das lokale Bier offensichtlich nicht wichtig genug, und für mich hat die Stadt viel dadurch verloren.

Kurz und bündig – Lervig/Stone Hi, I’m Kveik IPA

Die traditionellen Großbrauereien in Deutschland sind nicht wirklich experimentierfreudig. Da gibt es mal ein saisonales Bockbier, oder einen Festtagssud zum Oktoberfest, oder derartige, kleine Spezialitäten. Moderne Brauereien, die aus der Craftbierbewegung entstanden sind, scheinen sich dagegen auf Sondersude zu stürzen wie die Geier auf den ausgetrockneten, nach Spezialitäten dürstenden Bierfreund der 2010er Jahre. Gerne gesehen sind auch Kooperationen mit anderen Brauereien, etwas das Stone Brewing nun mit der norwegischen Brauerei Lervig durchgeführt hat, um das länglich mit Hi, I’m Kveik IPA betitelte Bier zu schaffen. Der Name ist laut eigener Aussage inspiriert von der speziellen Hefesorte, der Hornindal Kveik-Hefe, die wohl bei höheren Temperaturen arbeiten kann als normale Hefe.

Lervig-Stone Hi, I'm Kveik IPA

Sehr hell im Glas, strohblond, beinahe schon blass, stark opalisierend. Kräftige, schön sichtbare Perlage. Für ein IPA eine starke Schaumbildung, feiner, fast schon eiweißartiger Schaum, der länger lebt als viele Schaume bei den meisten anderen Ales, die ich kenne. Deutlich hopfig im Geruch (Citra, Azzaca sowie Mandarina Bavaria wurden eingesetzt), Grapefruit, Resin, Thymian, Zitronenschale, Orange. Hier wird schon klar, in welche Richtung das Bier geht – aromatisch ist es jedenfalls interessant.

Die 40 IBU sind im ersten Antrunk noch kaum erkennbar, kommen im Verlauf langsam dazu, und verschwinden im Abgang dann wieder dezent – die Bittere ist also schön spannungsaufbauend eingebunden. Ebenso der Alkoholgehalt von 6,2%, der die Cremigkeit und Feinheit des Bieres nie stört. Die starkfruchtigen Hopfengeschmäcker bleiben lange am Gaumen; dazu kommt eine leichte, aber definierte Minzigkeit. Der Abgang ist mittellang, adstringierend-trocken, aber doch mit etwas leichter Süße, die vielleicht aus den im Brauprozess eingesetzten Haferflocken stammt. Tatsächlich empfinde ich das Hi, I’m Kveik IPA als eine interessante Mischform aus IPA und Hefeweizen.

Gerade dies macht das Bier interessant für mich, und eigentlich für jeden, der einen der beiden Bierstile mag. Ich bin immer erfreut über kreative Biere, und dieses hier ist ein Beispiel dafür, dass es der Bierwelt gut tut, wenn man über den Tellerrand blickt.

Offenlegung: Ich danke Stone Brewing für die Zusendung zweier Dosen des Hi, I’m Kveik IPA.

Extraalt – Sierra Milenario Extra Añejo

Spirituosenkategorien sind beweglich. Man sieht heutzutage oft nur das Ergebnis eines langen Findungsprozesses, der sich schließlich irgendwann einmal in einer Kodifizierung eines Zustands niedergeschlagen hatte. Man tut dies, um die Identität einer Spirituose zu schützen – es soll schließlich nicht jede zufällige Mutation oder schummrige Geschäftsidee zusammen mit dem über viele Jahre entstandenen Traditionsprodukt in einen Korb geworfen werden können. Ein Teil dieser Identitätsfeststellung ist die Art, wie und wie lange das frische Destillat gereift werden muss, um in eine der speziellen Alterskategorien (für jede Spirituosengruppe gibt es da oft eigene) gelangen zu dürfen.

Für Tequila gab es traditionell eigentlich nur 3 Kategorien – ungereift (blanco/plata), leicht gereift (reposado) und gereift (añejo). Letztere bedeutete, dass das Destillat länger als ein Jahr im Fass lag; wieviel länger, das blieb dem Hersteller überlassen. Im Jahr 2006 wurde offiziell von der Regulierungsbehörde, die in Mexiko für Tequila zuständig ist, die neue Alterskategorie extra añejo eingeführt. Dadurch verkürzte sich die Spannbreite der Añejo-Kategorie auf mindestens 1, aber maximal 3 Jahre, alles darüber wird nun als extra añejo klassifiziert. Bei den kurzen Reifungen, die wir im Tequila-Bereich haben mag eine Verfeinerung sinnvoll erscheinen, letztlich ist es aber schon eigentlich nur eine Form, den Herstellern entgegen zu kommen, um die Lust der Konsumenten nach ultragereiften Spirituosen zumindest deklarativ zu bedienen; und es funktioniert, die Kategorie wächst stärker als alle anderen. Ob es wirklich Sinn macht, Tequila so lange zu reifen – daran habe ich persönlich meine Zweifel, man nimmt ihm dadurch eigentlich mehr, als man ihm gibt.

Der Sierra Milenario Extra Añejo ist nun so ein ultragealterter Tequila (das ist natürlich, gerade im Vergleich zu anderen Spirituosen, sehr relativ zu sehen). Wir haben hier ein Destillat der NOM 1451 aus 100% Hochlandagave vor uns. Es wurde, wie für viele Tequilas üblich, doppelt in Kupferpotstills destilliert, und lagerte dann, so teilt uns das Rücketikett freudig mit, „many years“ in Eichenfässern. Aus der Einleitung wissen wir zumindest, dass es wenigstens 3 gewesen sind. Da keine weitere Angabe erfolgt, werden es auch nicht furchtbar viel mehr gewesen sein.

Sierra Milenario Extra Añejo

Der Geruch ist sehr fruchtig, viel Agave ist darunter, ein leichter Rauch, etwas Vanille, dazu Noten von Wintergrünöl und feuchtem Beton. Ein Anflug von Ethanol schwappt am Ende nach oben, was den Eindruck, dass nur wenig Körper vorhanden ist, verstärkt. Wenn ich ehrlich sein soll, vermute ich allein schon von der Geruchsprobe her Aromastoffe als Zusatz.

Der Sierra Milenario Extra Añejo hat einen süßen Antrunk, im Verlauf kommt feine Pfefferwürze dazu, die immer dominanter wird und am Ende fast in Chilifeurigkeit umschlägt, ohne aber die zugrundeliegende Süße komplett aufzugeben. Kräftige Holznoten weisen auf die extralange Alterung hin, milde Tropenfrucht und etwas Pfirsich gleichen das aus. Dennoch wirkt er etwas oberflächlich – gerade am Ende wird das deutlich, wo er sehr trocken und heiß wird, 41,5% Alkoholgehalt sind nur mäßig eingebunden.

Der Abgang ist mittellang, glühend heiß und etwas scharf, mit einigem an Alkoholhauch. Eine zunächst attraktive Agavenblumigkeit ist vorhanden, diese wird aber schnell durch sehr viel weniger attraktives Eisen ersetzt. Der Abgang ist wirklich schwach und unvorteilhaft, und zieht den Gesamteindruck deutlich mit sich nach unten.

Sierra Milenario Extra Añejo Glas

Mein Fazit fällt entsprechend ernüchternd aus: Ein eher mäßig ausgeführter Tequila, der in der Reifung einen gewissen Charme erwirbt. Letztlich bleibt aber doch der etwas schale Eindruck von Künstlichkeit und Oberflächlichkeit zurück.

Natürlich werden bei einem stärker gereiften Tequila wahrscheinlich sofort die Gedanken an einen spritlastigen, gerührten Cocktail laut, wie einem Tequila Manhattan oder einem Old Fashioned. Dafür ist meines Erachtens der Sierra Milenario zu unkomplex. Ich setze ihn statt dessen in einem Drink für die Jahreszeit ein – der Frenchman in Jalisco braucht keinen hochkomplizierten Tequila um trotzdem hervorragend zu funktionieren und einem die dunklen, kalten Abende zu versüßen.

Frenchman in Jalisco


Frenchman in Jalisco
Ein paar Stücke dunkle Schokolade in 4 oz Milch schmelzen
2 oz Tequila Añejo
½ oz Chartreuse Verte
Gut umrühren, warm mit etwas Sahne servieren.

[Rezept nach Houston Eaves]


Die gedrungene, pyramidenförmige Flasche selbst macht was her, ist sehr schön gestaltet, aus massivem, schweren Glas, mit einem hübschen Korken – da hat man beim Eingießen was in die Hand. Ich bin Sierra dankbar dafür, dass sie sich zumindest bei ihren höherwertigen Produkten von der dümmlichen Präsentation ihrer Mixtos („die mit dem Hut“) abgrenzen und dem Kenner etwas handfesteres, dem Inhalt angemesseneres anbieten. Die gesamte Milenario-Reihe ist im selben Stil, nur mit unterschiedlichen Etiketten und Farben gehalten – auch das gibt der Reihe einen gewissen Zusammenhalt und macht sich gut im Regal.

Ich werde niemals ein echter Liebhaber der Tequilas dieses Herstellers werden, das gebe ich unumwunden zu, doch ihre Marktstellung in Deutschland erfordert, dass man sich mit ihnen auseinandersetzt; die Milenario-Serie ist eine der wenigen gut verfügbaren Quellen für 100%-Agave-Tequila hierzulande. Und auch wenn der Sierra Milenario Extra Añejo nun auch kein echtes Highlight ist, so macht man mit ihm doch einen großen Schritt für deutsche Verhältnisse.

Kurz und bündig – Hampden Estate Pure Single Jamaican Rum 7y 46%

Normalerweise setze ich mich, wenn ich ein Sample einer Spirituose erhalte, für mich hin, und beschäftige mich in winzigen Schlückchen lange mit dem Produkt. Ich hatte das Sample des Hampden Estate Pure Single Jamaican Rum 7y 46% über die Weihnachtsfeiertage mit in die Heimat zu einem Familienbesuch genommen, und wollte dort in einer ruhigen Stunde meine Tastingsnotes schreiben. Nun habe ich nicht mit dem Interesse und dem Durst meiner Verwandten gerechnet – nach drei Flaschen Champagner, ein paar Kostproben von anderen Spirituosen und fröhlichen Diskussionen über Zutaten für hausgemachte Rumkugeln wollte ich den Mittrinkern dann doch nicht vorenthalten, ihnen den Eindruck von gutem jamaikanischem Rum mitzugeben. Voller Vertrauen habe ich also dieses Sample ausgepackt, eingeschenkt, und gehofft, dass mein Optimismus mich nicht enttäuscht. Es gab interessante Reaktionen, nur soviel möchte ich sagen – ich bin froh, dass noch ein paar Schlucke übrig blieben, um meine Tasting Notes später doch noch zu schreiben.

Hampden Estate Pure Single Jamaican Rum 7y 46%

Dieser Rum ist ungefärbt, und strahlt trotzdem in dunklem, kräftigem Bernstein. 7 Jahre Reifung rein in den Tropen (ja, es macht einen Unterschied) haben diese Farbe ins Glas gezaubert; ich freue mich, wenn sich ein Hersteller dazu entscheidet, die Färbung wegzulassen und sich stattdessen auf sein Produkt verlässt. Die Flüssigkeit ist ölig und bewegt sich langsam im Glas.

Jamaica-Rum ist selbst für Rumanfänger leicht identifizierbar, denn alles, was der Laie so an Rumaromen in Schokoladen und Kuchen kennt, stammt im Endeffekt aus einer jamaikanischen Fermentation. 100%-Pot-Still-Destillation hat diese Aromen veredelt – Ananas, Zimt, überreife Banane, Schokolade, Milchkakao, ganz viel Marzipan. Ich will nicht übertreiben, aber das ist herrlich, cremig, süß, dabei aber funkig und frech.

Sehr mild, weich und süß im Antrunk (hier sprechen wir von einer natürlichen, feinen Süße, denn der Rum ist nicht künstlich nachgesüßt), schokoladig, mandelignussig, mit milder Frucht aus der Biotonne, wo sie schon eine Weile lag – für Kenner ist das ein Kompliment. Im Verlauf entsteht sehr langsam etwas Würze, immer mehr, bis zum mildpfeffrigen, sehr trockenen Abgang, der aromatisch sehr lang mit Banane, Kirsche, Minze und Ananas am Gaumen bleibt, und im Rachen und im Magen ein warmes Gefühl hinterlässt.

Ausgesprochen trinkbar, sehr gefällig, aber dennoch charaktervoll und typisch. Eine wirklich schöne Abfüllung, die dankenswerterweise nicht eine von denen ist, bei denen man schnell zuschlagen und mehrere hundert Euro auf den Tisch legen muss – offizielle Abfüllungen mit länger geplanter Laufdauer wie diese hier haben auf jeden Fall ihre Vorteile. Der Hampden Estate Pure Single Jamaican Rum 7y 46% ersetzt jedenfalls die bisherigen Empfehlungen, die ich für jamaikanischen Rum hier gegeben habe, als die Referenz für Anfänger wie Profis – und er macht sicherlich abartig gute Rumkugeln. Ich bin gespannt auf die stärkere Overproof-Variante, die ebenfalls erhältlich ist, und hier auch demnächst vorgestellt werden wird.

Offenlegung: Ich danke dem Importeur Kirsch Whisky für die kostenlose Zusendung des Samples dieses Rums.

Versetzung gefährdet – Duckstein Opal Pilsener und Saphir Kellerbier

Es ist nun schon eine ganze Weile her, dass ich das Duckstein rotblonde Original für mich entdeckt hatte. Damals, für mich als Biereinsteiger, ein sehr spannendes Bier, das ich auch heute noch gern trinke. Um so erfreuter war ich, als ich vor einiger Zeit dann zwei neue Sorten des Brauers in einem lokalen Supermarkt entdecken konnte. Das Duckstein Opal Pilsener und direkt daneben das Saphir Kellerbier. Beide in der bekannten, auffälligen Flasche, und sehr hübsch durch die Farbgebung voneinander und vom rotblonden Original abgegrenzt. Natürlich musste ich zulangen, zwei weitere Vertreter dieses schönen Biers können mich ja nicht enttäuschen. Auch wenn ich grundsätzlich ein sehr optimistischer  und wohlwollender Genießer bin – man wird leider im Verlauf dieses Blogartikels sehen, dass Vorfreude und Vorschusslorbeeren nicht immer belohnt werden. Doch ich greife vor.

Duckstein Opal und Saphir Flaschen

Beginnen wir mit dem Saphir Kellerbier. Obergärig mit 4 Malzen (Pilsener, Weizen hell, Wiener Malz, Cara Red) und 3 Hopfen (2 unbenannt, einer der namensgebende Saphir) eingebraut, bekommen wir optisch zunächst ein sehr typisches Kellerbier: natürlich naturtrüb, kräftig orangefarben, der Schaum, schon zu Beginn wenig, baut sich in wenigen Minuten fast komplett ab.

Beim Wechsel von Auge zu Nase beginnt das Drama. Ich schnuppere, und schnuppere, und schnuppere. Joghurt. Milder Orangensaft. Hefe. Ja, das wars. Und selbst diese Aromen nur im Kleinformat. Da hätte man auch an Mineralwasser riechen können. Sehr überraschend, im negativen Sinne.

Duckstein Saphir Kellerbier Glas

Das Drama endet nicht beim nichtexistenten Geruch – es geht in die Verlängerung beim nichtexistenten Geschmack. Höchst faszinierend: Das Duckstein Saphir gehört für mich zu den aromenärmsten Bieren, die ich bisher getrunken habe, und überholt in der Belanglosigkeit selbst dünnste Reis- und Maislager. Ein Hauch Orange, etwas Hefe, und wir sind am Ende der Verkostung. Mir kommt es vor, als hätte ich ein stark mit Sprudel gestrecktes Bier vor mir. Nein, es gehört nicht zu den aromenärmsten Bieren, es ist das aromenärmste Bier, das ich kenne. Da der Abgang natürlich nichts herzaubern kann, ist er kürzer als kurz. Die hohe Rezenz mit der starken Karbonisierung erzeugt wenigstens einen Erfrischungsfaktor, der Spaß macht, aber das ist auch schon alles, was ich an positivem über das Duckstein Saphir sagen kann; außer den nackten Zahlen: 5,0% Alkoholgehalt, sehr dezente 14,5 IBU.

Höchstenttäuschend. Vor allem, wenn man den Preis anschaut, steigen mir Tränen in die Augen, da packe ich lieber das Blondie-Bierkonzentrat aus, im Ernst. Ich bin fassungslos, wie so etwas die Qualitätskontrolle passieren kann. Grand Cru? Ein Scherz, und zwar ein schlechter. Für diese peinliche Braumeister-Edition N°8 muss sich der Braumeister eigentlich entschuldigen.

Ach, zum Glück habe ich danach ein Alternativbier in der Hinterhand. Einen Ausrutscher kann man jedem erlauben, da kann das Opal Pilsener ja nur vorteilhaft auftrumpfen, oder?Duckstein Opal Pilsener Glas

Optisch tut es das zunächst mal. Safrangold, bei entsprechendem Licht wirklich ausgesprochen attraktiv. Kristallklar, sehr starke Perlage, gröberer Schaum. Stärker gehopft (Hallertauer Opal, Hüll Melon, Cascade, Mandarina Bavaria) als sein blasser Bruder wirkt es in der Nase – zurückgenommene Frucht, Bitterkeit. Hefe. Leichter Metall. Insgesamt: Durchaus pilstypisch.

Im Mund dann ein dezenter Geschmack, kräftige Herbe, klar und sauber. Es gibt darüber hinaus leider nicht viel zu sagen zum Geschmack – ein mildes, zartes Pils, fein und gut strukturiert. VIelleicht etwas langweilig. Ich stelle mir vor, dass es als Essensbegleiter zum Abspülen der Geschmacksknospen bei einem deftigen Essen taugt. Bei 4,9% Alkoholgehalt dafür auch nicht zu wuchtig.

Zum Ende hin flacht es erkennbar ab, der Abgang ist sehr kurz. Die zunächst wahrgenommene Frische lässt nach, eine Süße kommt hervor, die es schafft, die 25-IBU-Bittere fast komplett wegzunehmen, bis auf im Rachen. Ein etwas abgestandener Nachgeschmack lässt viel vom positiven Eindruck bis dahin wieder vergessen. Dieser negativer Abschluss verstärkt sich noch, wenn die Temperatur des Biers steigt – gut gekühlt schnell austrinken ist angesagt!

Ducksteiner Opal und Saphir Tragerl

Herrjeh, ich gebe zu, mir fallen die Mundwinkel etwas nach unten. Selten war ich so enttäuscht von Bieren. Trotz ähnlicher Produktionsweise (auch hier gibt es eine Reifung auf Buchenholz, wie schon beim Duckstein Original) und gewiss ordentlichem Aufwand kommt einfach nichts bei rüber. Man fragt sich, ob der Brauer nicht einfach nur mal so ein „neues Bier“ raushauen wollte, und sich dabei übernommen hat, insbesondere, wenn man die vergleichsweise peinliche Aufmachung mit berücksichtigt, die wohl zuerst da war, und dann ein Bier dazu gefunden werden sollte. Immerhin schön: Das Tragerl mit vielen Informationen und einem Charakter-Chart.

Bei minderwertigen Spirituosen ist man schnell mit dem Label „Mixer“ zur Hand, das ausdrückt, dass man sie nicht pur genießen kann, sie höchstens in Mischrezepturen akzeptabel sind. Ich stehe diesem Konzept sehr kritisch gegenüber, doch für die zwei Duckstein-Spezialbiere passt es eigentlich – es sind für mich Filler, wie das Tonic Water in einem Gin & Tonic. Entsprechend suche ich einen Verwendungszweck außerhalb des Bierglases für sie; wenn man diese aromenarmen Biere mit etwas zusätzlichen Geschmäckern aufpimpt, können auch sie noch halbwegs funktionieren. Zum Beispiel im Hop, Skip and Go Naked.

Hop, Skip and Go Naked


Hop, Skip and Go Naked
1 oz Vodka (z.B. Smirnoff)
¾ oz Zitronensaft
¾ oz Himbeerlikör
Auf Eis shaken, dann aufgießen mit…
leichtem Bier (z.B. Duckstein Opal)
[Rezept nach Jared Schubert]


Beide Biere werde ich nicht mehr kaufen – so leid es mir tut. Stattdessen wird aber weiterhin öfters das Duckstein rotblonde Original im Warenkorb landen, das ich von dieser zugegebenermaßen etwas arg vernichtenden Kritik deutlichst ausnehmen will. Aber so ist das halt mit Familien – manchmal gibt es schwarze Schafe. Hier scheint es nur umgekehrt zu sein – ein strahlendes, rotblondes Schaf in einer Herde von hässlichen Geschwistern.

Kurz und bündig – Labieratorium Rot

Ich habe schon ein paar der Biere des brandenburgischen Brauers Labieratorium probiert (Artikel folgt), und keins darunter gefunden, das mir missfallen hätte, im Gegenteil. Entsprechend war ich Feuer und Flamme, als ich bei einem Biertasting der Saarbrücker Beer Society darauf hingewiesen wurde, dass sie jetzt auch ein Rotbier führen. Dass dieses Rotbier, das Labieratorium Rot, auch noch eine Medaille in einem Bierwettbewerb gewonnen hatte (Meininger Craft Beer Award Gold Lager 2018) macht das ganze nicht uninteressanter. Also, keine große Diskussion, zwei Flaschen ins Tragerl gestellt und nach dem Tasting vorsichtig nach Hause geschwankt.

Labieratorium Rot

Wie gesagt, es handelt sich um ein unfiltriertes Rotbier, und entsprechend leuchtet nicht nur das Etikett, sondern auch das Bier im Glas in einem feschen rötlichen Haselnussbraun, mit noch sehr viel klarerem Rottouch, wenn man es gegen das Licht hält. Grober Schaum entsteht beim Eingießen, dieser ist schnell weg, trotz der erkennbaren Perlage.

Das Bier ist mit Hallertauer Tradition und Spalt Spalter gehopft, dies ist aber kein Bier, das sich dadurch definiert. Statt dessen ist es sehr malzig im Geruch, süßlich, fruchtig wie Rotwein, insgesamt dabei aber zurückhaltend, nicht übermächtig.  Da die Trinkempfehlung auf 5-7°C festgelegt ist, sollte man auch nicht zuviel erwarten – kühles Bier riecht einfach nicht so stark wie wärmeres.

Das Bier ist in der Oberkategorie „Lager“ verortet, und so schmeckt es auch. Frisch schon im Antrunk, hat einen leichten Körper, ist dabei zitronig, hell, und gleichzeitig malzig. Es bleibt nur mäßig rezent, obwohl es sehr kohlensäurehaltig und luftig gestaltet ist. Hefig ist ein Eindruck, den ich habe, sonst entdecke ich kaum andere Aromen. 5,0% Alkoholgehalt sind gut eingebunden. Der Abgang ist eher schal und flach, kurz; etwas adstringierend.

Ein schönes Bier, das für Lagerfreunde eine schöne Abwechslung sein kann, und als Bier für Zwischendurch sehr süffig und angenehm zu trinken ist. Ich mag es, wie die meisten Biere von Labieratorium.

Schaumschläger – Ms. Better’s Bitters Miraculous Foamer

Schaum im Drink, das ist für mich die Krönung eines Rezepts. Erreichen kann man ihn auf unterschiedliche Weise – Eiweiß ist sicher das bekannteste Mittel dafür, dahinter lauert Ananassaft, der auch eine gewisse Schaumkraft hat. Das meist eingesetzte Eiweiß schafft für mich persönlich aber leider nicht immer genau den Effekt, den ich haben will. Das Ei ist halt ein natürliches Produkt, mit Schwankungen in der Schaumfähigkeit. Qualität, Alter, Kühlung, Handhabung – all das spielt mit hinein. Ich hatte schon Drinks mit hervorragendem Schaum, aber auch welche, in denen das Eiklar ausflockte und den Drink damit ruinierte. Es ist ein Vabanque-Spiel, wenn man mit natürlichem Eiweiß nur hin und wieder arbeitet. Für die, die wie ich ungern Glücksspiel betreiben, gibt es nun ein Wundermittel: Ms. Better’s Bitters Miraculous Foamer! Ohne zuviel vorwegnehmen zu wollen – diese Zutat ist für mich aus meiner Heimbar nicht mehr wegzudenken.

Ms. Better’s Bitters Miraculous Foamer

Um die erstaunlichen Effekte des Miraculous Foamers zu zeigen, habe ich einen Vergleich gemacht und hier dokumentiert. Auf der linken Seite ein Cocktail mit Eiweiß, klassisch mit Dry Shake und Wet Shake; auf der rechten Seite ein Cocktail mit dem Wunderschäumer, mit einfachem Shake. Ich habe den Miraculous Foamer bereits oft eingesetzt, dies waren aber meist vollmundige Drinks mit viel Charakter und dichten Inhaltsstoffen. Um mal ins Detail zu schauen, habe ich mir einen Cocktail ausgesucht, der eher auf der trockenen, dünnen, strengen, klaren Seite steht – den Chanticleer. Für diesen habe ich zwei identische Mixturen hergestellt aus dem untenstehenden Rezept – und dann einen mit Eiklar, den anderen mit Miraculous Foamer geshaked.

Das optische Ergebnis war für diesen Fall klar – der Miraculous Foamer gewinnt ohne Gegenwehr, denn ausgerechnet bei diesem Versuch ist genau das oben angesprochene passiert: Das Eiklar hat sich nicht gut eingebunden und nur wenig Schaum produziert. Dieser war dann auch großblasig und dünn, hat den Drink selbst etwas eingetrübt. Der Miraculous Foamer sorgte direkt für eine harte Sichtlinie der Trennung im Cocktail, war perfekt und voluminös.

Miraculous Foamer Schaumvergleich vorher


Chanticleer
1 oz Dry Gin
1½ oz trockener Wermut
½ oz Triple Sec
1 Spritzer Miraculous Foamer
Auf Eis shaken.

[Rezept nach A.S. Crockett]


Wie gesagt, der Eischaum ist variabel – der Schaum des Miraculous Foamer ist dagegen immer gleich. Er ist durch einfache Zugabe des Miraculous Foamers zu bekommen, ohne besondere Handhabung – nicht mal der Dry Shake ist erforderlich. Der Schaum ist üppig, voll und schnell getrennt vom Rest des Drinks. Feinblasig, cremig und weiß – eben genau das, was man von einem Schaum auf dem Drink erwartet. Besonders nach dem Trinken sind die Reste im Glas erstaunlich; links erneut der Eiweiß-, rechts der Miraculous Foamer-Drink.

Miraculous Foamer Schaumvergleich danach

Geschmacklich habe ich bei den erwähnten fetten, wuchtigen Drinks kaum einen Unterschied festgestellt. Der Miraculous Foamer sorgt für Cremigkeit, ein volles, breites, dickes Mundgefühl und fällt im Vergleich zum Eiweiß durch eine rundere, sämigere Konsistenz auf; im Ei findet man immer wieder mal ein Eiklarfädchen oder ähnliches. Geschmacklich stelle ich im Chanticleer mit seiner klaren Strenge einen strukturellen Unterschied fest – das Eiweiß verhält sich gefühlt einen Hauch angenehmer: es bindet die Zutaten besser zusammen.

Der Miraculous Foamer zeigt in diesem Beispiel außerdem, dass er doch aromatisch eingreift. Eine leichte Bittere, deutliche Adstringenz und etwas kräuterige Würze kommen dazu, die in der Eiweißversion nicht vorhanden waren. Der ganze Drink wirkt noch strenger, eckiger, als er eh schon ist.

Ms. Better’s Bitters Miraculous Foamer Pipette

Wie kommt die Schaumkraft zustande? Die Rezeptur dieser Cocktailzutat ist ein Geheimnis, allerdings wurde mir auf Nachfrage versichert, dass nur natürliche Zutaten verwendet werden, keine chemischen Labortricks stehen dahinter. Ich muss dem so erstmal vertrauen und hoffe auf das Beste.

Fazit – für Cocktails, die mit starken, aromatischen, süß-schweren Zutaten aufwarten, ist Ms. Better’s Bitters  Miraculous Foamer meine erste Wahl, wenn es um Schaumerzeugung geht, ohne jeden zweiten Gedanken. Die extrem viel einfachere Handhabung ist mir viel wert, und man hat nicht die Verschwendung des (ehrlicherweise meist entsorgten) Eigelbs. In einem trocken-strengen Cocktail dagegen würde ich das Eiweiß bervorzugen, selbst, wenn es optisch dann nicht so viel hermacht; die geschmackliche Komponente tritt hier stärker in den Vordergrund. Schön, dass man nun die Wahl hat.

Kurz und bündig – Maisel & Friends Hoppy Amber Mosaic

Zusammen mit der Craftbierwende vor einigen Jahren kam auch eine Sache auf den deutschen Biermarkt, was es vorher in der Breite nicht gab – limitierte Sondersude von Bieren. In begrenzter Auflage können heute Biere verkauft werden, und das gibt den Brauern ganz neue Freiheiten, Dinge auszuprobieren. Auch wir Konsumenten haben was davon, wer will schon immer nur das gleiche Bier trinken (nun, da gibt es genug, aber der echte Genießer will Abwechslung). Maisel & Friends hat schon so einige Sondersude herausgebracht, die ich hier auf meinem Blog besprochen habe – das neueste ist das just erschienene Maisel & Friends Hoppy Amber Mosaic. Mit 8,5% Alkoholgehalt darf es sich ruhig den kaiserlichen Titel „Imperial Amber Ale“ geben. Ab ins Glas damit!

Maisel & Friends Hoppy Amber Mosaic

„Amber“ ist schon im Namen, da muss das Bier natürlich liefern – und tut es auch. Ein leuchtendes Bernstein, nur leicht opalisierend. Aletypischer Schaum, gemischtblasig, bleibt nur als feine Decke über dem Bier, das säuerlich im Geruch ist, viel Limette und etwas Grapefruitschale kommt drin vor. Auch im Unterbau ist Frucht – der Mosaic-Hopfen, mit dem das Bier kaltgestopft wurde, schlägt voll durch und bereitet dem Hophead viel geruchliche Freude.

Und das geht im Mund weiter. Schon im Antrunk taucht Hopfenkräuterigkeit auf, diese Würze setzt sich ununterbrochen bis zum Abgang fort. Wie bei fast allen Maisel & Friends-Bieren schätze ich, dass der Geschmacksbogen durchdacht ist (selbst wenn das Bier laut eigener Aussage eigentlich ein Unfall war). Die Cremigkeit, die Hopfenblumigkeit, die fast in Richtung Lavendel und Rosmarin geht, die schöne Rezenz, die aus der Kombination von Karbonisierung und Säure entsteht – ein sehr ansprechendes Bier.

Das Ende ist allerdings schon etwas fruchtkaugummiartig, Hubba Bubba, sehr ausgeprägt, in dieser Konsequenz dann aber wieder interessant. Trocken und sehr herb (50 IBU spürt und schmeckt man und zweifelt nicht am Wert) endet das Bier erst nach sehr langer Zeit – der Nachhall des Hopfen liegt ausgesprochen ausdauernd im Mundraum, das beeindruckt sehr. Wer sehr deutliche Hopfenausprägung in Bieren mag, sollte das Hoppy Amber Mosaic definitiv mal probieren

Offenlegung: Ich danke Maisel & Friends für die Zusendung einer Flasche des Hoppy Amber Mosaic.

Ein Schiff wird kommen – Ron Santisima Trinidad de Cuba 7 Años

Es ist schon eine Weile her, dass ich einen kubanischen Rum im Glas hatte. Das Land hat in der Allgemeinheit einen guten Ruf, was Rum angeht; für die Kenner unter uns ist das Bild meist weniger rosig. Kuba hat sich früh von Pot-Still-Rum verabschiedet und sich voll auf Säulendestillation geworfen – das heißt erstmal nichts grundsätzlich schlechtes, doch der kubanische Stil hat sich dadurch im Laufe der Jahrzehnte sehr verändert. Heute bin ich den alkoholischen Produkten Kubas eher skeptisch eingestellt, ich sehe eigentlich ausschließlich leichte Rums ohne großen Charakter, meist sind sie darüber hinaus leicht bis mittelstark gesüßt. Man kann das alles sicher trinken, aber umhauen tut mich nichts von der Insel. Was aber nicht heißen darf, dass man neue Produkte, die man noch nicht kennt, nicht unvoreingenommen und erstmal freudig willkommen heißen sollte – so wie den Ron Santisima Trinidad de Cuba 7 Años.

Der Begriff des „doble añejamiento“, der sich auf dem Etikett findet, ist ein guter Aufhänger, um ein paar der Regelungen, die für kubanischen Rum gelten, kurz zu erläutern. Laut den Denominación de Origen Protegida-Regeln des Landes muss ein kubanischer Rum mindestens zweimal gealtert sein – die erste Phase besteht darin, das Destillat für mindestens zwei Jahre in gebrauchte Eichenfässer einzulagern und dann zu filtrieren. Erst danach darf es sich „Rum“ nennen – vorher ist es ein Aguardiente. Die Zählung des Alters beginnt auch an diesem Zeitpunkt; die 7 Jahre des Etiketts des vorliegenden Rums sind also eigentlich 9 Jahre, wenn man reine Fasslagerungszeit betrachten will. Der frischgebackene Rum wird dann mit anderen hochprozentigen Destillaten verblendet und dann für die „tatsächliche“ Reifung in Fässer eingelagert. Werfen wir einen Blick auf das Ergebnis dieses Vorgangs.

Ron Santisima Trinidad de Cuba 7 Años

Die Farbe ist ein dunkles Kupfer, bei 7+ Jahren Fassreifung kann so eine Farbe durchaus entstehen. Im Glas bewegt der Rum sich schwer und gemächlich, recht langsam ablaufende Beinchen wissen optisch zu gefallen.

In der Nase kommt mir als erstes eine Süßweinnote entgegen. Etwas Port, etwas Madeira. Es folgt eine prägnante Gewürzkomponente, Nelken, Kardamom. Orangenschale und Rosinen bringen etwas bittere, dunkle Frucht dazu. Im Untergrund lauert dann genau das, was ich oben angesprochen hatte – eine milde, aber erkennbare Alkoholnote, die ich oft bei Column-Still-Rums finde.

Der Geschmack dreht diese sensorischen Eindrücke dann aber spannenderweise um – erstmal ist der typische alkoholisch-schale Geschmack eines Säulendestillats da. Im Mundgefühl beginnt der Kubaner aber trotzdem mild und weich, im Verlauf kommt ein zartes Feuer auf, das sich bis zum Abgang steigert, ohne aber je wirklich unangenehm zu werden. Insgesamt ist der Eindruck sehr süß, mit vielen Süßweinimpressionen, etwas Gewürz und dunkler Frucht, analog zu dem, was die Nase schon fand. 40,3% Alkoholgehalt sind trotz der angesprochenen Ethanolnote im Gesamtbild gut eingebunden. Es ist nur knapp unter dem in Kuba eigentlich maximal erlaubten Bottling Proof von 41% (eine spannende Sache für sich, übrigens).

Ron Santisima Trinidad de Cuba 7 Años Glas

Der Abgang ist heiß, etwas pfeffrig, mittellang und charakterstark. Eine gewisse Schaligkeit im Nachhall ist dann wieder recht typisch für leichte Rums. Eine hausgemachte Zuckermessung ergibt grob 5g/L, das ist so an der Grenze dessen, was zwischen Messungenauigkeit und leichter Süßung schwebt. Für meine Zwecke kategorisiere ich ihn als „gesüßt“, einfach weil der Wert bereits zu groß ist, um ohne Absicht entstanden zu sein.

Die unterschwellige Würze dieses Rums hat mich dazu verleitet, ihn in einem Cocktail einzusetzen, der auch sonst nicht mit Aromen geizt. Im City of Spice wird so einiges an Gewürzen präsentiert, und daher schadet es nicht, wenn ein Rum eingesetzt wird, der sich dessen zu erwehren weiß und selbst etwas zu diesem Gesamtbild beisteuern kann. Vorsicht, dieser Drink hat Suchtpotenzial.

City of Spice


City of Spice
1¾ oz gereifter Rum
½ oz Pimento Dram
½ oz Zuckersirup
¾ oz Limettensaft
¾ oz Maracujasirup
1 Eiweiß
1 kleines Stück Chili
Auf Eis shaken. Auf crushed ice servieren.
[Rezept nach unbekannt]


Hervorheben will ich die Gestaltung – wir haben hier eine sehr schön gestaltete Flasche mit tollen Rundungen, im Glas eingelassener Schrift und einem floralen, aber nicht übermäßig protzenden Etikett. Ein geformter Echtkorken ohne Dekoration komplettiert die sehr attraktive Präsentation. Der Name des Rums ist auf ein altes spanisches Schiff zurückzuführen – es ist also keine Firma oder Abfüller, sondern ein Fantasiename, den sich Hersteller Tecnoazúcar de Cuba y Destilerías MG S.L. ausgedacht hat.

Neben dem Siebenjährigen hat der Hersteller auch einen Rum mit 15 Jahren im Portfolio. Dieser wird in naher Zukunft auch noch auf meinem Blog besprochen werden – ich verrate nicht zuviel, wenn ich sage, dass ich jenen auch recht interessant finde.

Ron Santisima Trinidad de Cuba 7 Años und 15 Años

Das Fazit fällt eigentlich recht positiv aus. Das ist ein Rum mit großer Drinkability, der eine schöne Spannung zwischen Süße und Würze aufbaut. Wäre der Abgang etwas komplexer und länger, könnte man sich mit einem Glas davon durchaus lange beschäftigen – so bleibt der siebenjährige Ron Santisima Trinidad dennoch ein interessantes und sehr gelungenes Produkt, das meine Meinung über kubanische Rums wieder hebt. Mehr kann man kaum wollen.