Sauza Tres Generaciones Tequila Plata Titel

Ausgekocht! Sauza Tres Generaciones Tequila Plata

Aktuell macht eine recht neue Technik bei der Herstellung von Tequila von sich reden – der Diffuser/Diffusor. Das grundsätzliche Prinzip ist einfach und hat schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel: Um das Basismaterial, die gekochte Agave, noch effizienter auszunutzen, werden nach dem Pressen oder Schreddern noch aus den dadurch bereits ausgelaugten Agavenfasern durch eine Apparatur die letzten Reste des Zuckers gezogen. Viele der großen Hersteller von Tequila nutzen Diffusoren seit den 90er Jahren.

So weit, so gut. Doch in letzter Zeit sind findige Produzenten auf die Idee gekommen, die Diffusoren statt mit den gekochten Agavenresten mit frischer, roher Agave zu befüttern. Die Problematik dieses Vorgehens ist klar – ein Großteil des Charakters von Tequila entsteht durch das Kochen der Agave, idealerweise in Steinöfen oder wenigstens in Autoklaven. Man entfernt mit dem Kochen einen wichtigen Produktionsschritt aus dem Prozess, spart dadurch natürlich viel Zeit und Geld, und erzeugt größere Mengen, um den vor allem in den USA gerade boomenden Tequila- und Mezcal-Markt bedienen zu können. Eine sehr ausführliche und äußerst lesenwerte Beschreibung des Diffusers, seiner Folgen für Geschmack und Arbeitsmarkt, findet sich bei muchoagave.com, und im Vergleich zu traditionelleren Herstellungsmethoden auch bei Long Island Lou Tequila.

Sauza ist einer der Hersteller, die Diffusoren einsetzen, und aller Wahrscheinlichkeit nach sind demnach auch zumindest Teile des Sauza Tres Generaciones Tequila Plata, den ich heute hier vorstelle, dadurch entstanden. Erkennt man die Diffusor-Herstellungsweise am Geschmack? Ohne zuviel vorwegnehmen zu wollen: Ja.

Sauza Tres Generaciones Tequila Plata Flasche

Zur Farbe gibt es nichts zu sagen, was nicht schon von außen durch die zeigefreudige Flasche zu sehen ist. Die Konsistenz sieht nur unwesentlich viskoser aus als die von Wasser. Die Beine, die durch das Schwenken im Glas entstehen, fließen sehr schnell ab.

Der erste Eindruck, wenn man am Tres Generaciones Plata riecht, ist: Bazooka-Kaugummi, wer wohlwollender sein will: Wintergrünöl. Dazu kommt eine dunkle Würzigkeit, die leicht holzig riecht, mit Anklängen – aber wirklich nur Anklängen – von Agave. Ansonsten ist eine schwere Ethanolnote (etwas magere 38% Alkoholgehalt können kaum allein dafür verantwortlich sein) vorhanden, darüber hinaus kaum etwas.

Auch im Geschmack kommt die süße Kaugummi-Note stark zum Tragen, dazu Birne und Kümmel. Ein leichter Körper, fast schon dünn oder wässrig. Das bringt aber eine gewisse Eleganz und Leichtigkeit mit sich. Aromatisch erinnert mich dieser Tequila deutlich mehr an Vodka, Korn oder mehrsäulendestillierten weißen Rum als an typischen Tequila. Der Abgang ist süß, mildpfeffrig, und recht kurz, leicht adstringierend, mit etwas Lakritz im Nachhall.

Rein aromatisch überzeugt mich der Sauza Tres Generaciones Plata nicht so richtig, dazu ist er zu eindimensional und oberflächlich, und mit für meinen Geschmack viel zu wenig Agavencharakter. Wozu er dennoch gut sein könnte ist ein Einsatz als Aperitiv-Tequila; vor einem Essen, oder zwischendurch, als trou mexicain sozusagen.

Ich weiß nicht, ob dieser leichte Charakter allein durch den oben beschriebenen Diffuser entsteht; das Geschmacksprofil passt zumindest mit dem, das Khrys Maxwell bei muchoagave.com beschreibt, gut zusammen – ein leichtkörpriger, sauberer, an Wodka angelehnter Agavenbrand, ohne die wildfloralen Noten, die ein handwerklich hergestellter Pot-Still-Tequila mit sich bringt. Auch in Blindtests schneidet dieser Tequila eher schlecht ab. Ohne die negativen Folgen eines Diffusors schönreden zu wollen: ich denke dennoch, dass auch solch ein leichter Tequila seine Freunde finden wird. Er ist jedenfalls als 100%-Agave-Tequila immer noch etwas aromatischer und ehrlicher als ein Mixto.

Für diesen Tequila biete ich ausnahmsweise mal kein Cocktailrezept an, sondern beschreibe eine Voodoo-Opferfeier für Baron Samedi, den Herrn der Kreuzwege. Wenn man all die Zutaten für Baron Samedi’s Indecent Burial zusammengetragen hat, errichtet man einen kleinen Altar mit der Mixtur und diversen anderen Opferbeigaben, köpft ein Huhn, gießt das frische Blut über sich, verspritzt etwas von der Libation auf die Erde und trinkt dann am Ende den Cocktail. Wer in einer Mietwohnung lebt, darf das mit Hühnerblut und auf-den-Boden-Gießen auch weglassen. Baron Samedi wird allerdings nicht erfreut sein über diesen Mangel an Prioritäten.

Baron Samedi's Indecent Burial


Baron Samedi’s Indecent Burial
1 oz Tequila Blanco (z.B. Sauza Tres Generaciones Tequila Plata)

1 oz Tequila Reposado (z.B. Corralejo Tequila Reposado)
1 oz Tequila Añejo (z.B. 1921 Tequila Añejo)
½ oz Islay Single Malt (z.B. Giant’s Causeway Caol Ila 9y)
1 Teelöffel Sherry (z.B. Lustau Los Arcos Amontillado)
1 oz Limettensaft
¾ oz Grapefruitsaft
½ oz Falernum (z.B. John D. Taylor’s Velvet Falernum)
¼ oz Passionsfruchtsirup
¼ oz Zimtsirup
2 Spritzer Angostura
Auf Eis shaken.
[Rezept nach Oron Lerner]


Die Flasche mit ihrem Dekanter-Stil gefällt mir sehr – der obere Teil ist mit passend zum „Silber“-Tequila in entsprechender Farbe bedruckt. Besonders auffallend ist der schwere, dicke Hals, der zu einem Großteil aus Glas besteht; erst, wenn man den Korken zieht, sieht man, wie schmal das Ausgußloch im Verhältnis zum dicken Hals tatsächlich ist. Die sehenswerte Flasche wird in einem mit vielen schwärmerischen Details, die man natürlich bei einem derart großen Hersteller wie Sauza cum grano salis bewerten sollte, bedruckten Karton geliefert.

Offenlegung: Ich danke spirituosen-superbillig.com für die Kooperation bei diesem Artikel und für die kostenlose Zurverfügungstellung einer Flasche des Sauza Tres Generaciones Tequila Plata.

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3 Gedanken zu “Ausgekocht! Sauza Tres Generaciones Tequila Plata

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