Allerlei Fassrundungen – The Rum Factory Double Cask Collection Oloroso Cask

The Rum Factory Double Cask Collection Oloroso Cask Titel

Fassfinishes, also eine Abrundung oder Veredlung eines eigentlich schon gereiften Destillats in geschmacksgebenden Fässern, das ist eine inzwischen auch bei Rum völlig normale Form der Herstellung. Übernommen haben wir das vom Whisky, wo die Scotch Whisky Association seit letztem Jahr sogar die sehr engen und strengen Regeln, in welche Art Fässer Whisky gelegt werden darf, etwas gelockert hat. Nicht soweit, dass wir den diesjährigen Aprilscherz eines bekannten Importeurs, der einen angeblich extra für Deutschland produzierten Whisky mit Gurkenfassfinish zum Verkauf in Aussicht stellte, je für bare Münze hätten nehmen können; aber doch soweit, dass beispielsweise ein Tequilafassfinish möglich geworden ist. Bei Rum ist man in der Breite noch nicht ganz so weit, man beruft sich für Abrundungen meist weiterhin erstmal auf die Klassiker: Port-, Sherry- und Weinfässer. Einige Abfüller bieten für den nach Abwechslung lechzenden Kunden ganze Serien von unterschiedlichen Rums mit diversen Finishes an. Die Double Cask Collection des jungen unabhängigen Abfüllers The Rum Factory ist ein Beispiel dafür.

The Rum Factory Double Cask Collection Oloroso Cask ist das erste Mitglied eben dieser Reihe von karibischen Rums, die nach einer tropischen Reifung noch ein Finish in Europa in Fässern erhielten, die vorher andere Dinge enthielten. Das Etikett sagt es, hier haben wir einen Blend aus Barbados-Rums, der (durchschnittlich) 8 Jahre tropisch in Ex-Bourbon-Fässern reifte. Angeschlossen wurde eben dann das kontinentale Finish, 6-9 Monate in Ex-Oloroso-Sherry-Fässern in der Tschechischen Republik, mit Unterstützung der wieder auferstandenen historischen Albert Michler Distillery in Buková. 2670 Flaschen konnte man am Ende für den ersten Batch aus den Fässern abziehen, und eine davon haben wir jetzt vor uns, nur darauf wartend, geöffnet und verkostet zu werden.

The Rum Factory Double Cask Collection Oloroso Cask

Sehr warm und edel wirkt der Rum im Glas. Die Safranfarbe mit orangenen Reflexen tut ihres dazu, und die leichte Trägheit beim Schwenken der Flüssigkeit das ihrige. Ein Ölfilm entsteht dabei, in dem dickköpfige Tropfen langsam ablaufen.

Karamell und Honig sind die ersten Eindrücke, die ich wahrnehme, wenn ich die Nase ins Glas halte. Aprikosen und Birnen bilden eine fruchtige Schicht unterhalb der süßcremigen Oberfläche. Etwas reife Banane, und überreife Ananas, aber bei weitem nicht so esterig wie ein Jamaica-Rum, mehr nur ein Anflug davon. Das Gesamtbild im Geruch ist hell und leichttönig.

Im Mund kommen dann schon eher barbadostypische Rumaromen zum Vorschein, wenn auch vom Eindruck süßer als gewohnt – Tabaknoten, Nougat, Gewürze, sehr viel Marzipan und Ahornsirup. Vanille aus der Holzreifung natürlich, dezente Mandel. Frucht ist immer mit dabei, ohne wirklich in den Vordergrund zu drängen, ich halte es für Kirschen, rote Beeren, Weintrauben – vielleicht der Sherryeinfluss. 45% Alkoholgehalt sind erkennbar, sowohl von einer leichten Schärfe, als auch vom Körper und der schönen Breite. Eine gewisse Salzigkeit bietet Abwechslung am Gaumen.

The Rum Factory Double Cask Collection Oloroso Cask Glas

Meine selbst durchgeführte Zusatzmessung hat um die 5g/L ergeben, bei einer Doppelreifung (Reifung mit Finish) sehe ich das gerade noch so als normale Zusätze aus den Bourbon- und Sherryfässern. Auch sensorisch wirkt dieser Rum auf mich nicht künstlich gesüßt, selbst wenn er sehr deutlich zur Süße hin tendiert.

Der Abgang ist schließlich überraschend fruchtig, eine Mischung aus mildem Pfirsich und würziger Quitte. Ein leichtes Feuer entsteht, Trockenheit baut sich auf und verdrängt die süßen Antrunkseindrücke, ohne wirklich staubig oder astringierend zu werden; eine Grundsüße bleibt von Anfang bis Ende. Der Nachhall ist mildnussig, sehr würzig, leicht salzig, warm und lang.

Ein wirklich attraktiver Rum, komplex, aber nicht verkopft, easy drinking, aber nicht billig, süß, aber nicht künstlich. Ein rundes, warmes, schönes Bild – für mich ist das ein großes Kompliment, gerade in Zeiten, wo manche übersättigte Nerds sowas als langweilig empfinden. Den Double Cask Collection Oloroso Cask kann man wirklich einfach so schön vor sich hin schlürfen; oder ihn im Cocktail gewinnbringend einsetzen. Mother Rum ist eine Art Twist auf einen Old Fashioned – die alternativ zur einfachen Süßung eingesetzten Kakaolikör und Ahornsirup geben neben der Süße noch eine gewisse Aromatik mit, die den Drink interessanter machen. Davon genieße ich gern zwei hintereinander, und der Abend kann kaum mehr besser werden.

Mother Rum Cocktail


Mother Rum
2 oz gereifter Rum
¼ oz Crème de Cacao
¼ oz Ahornsirup
Auf Eis rühren. Auf Eis servieren.
[Rezept nach Milo Rodriguez]


Die Flasche selbst ist einfach gehalten, aber gerade das gefällt mir. Ein Plastikkorken ist heutzutage verbreitet und hat seinen schlechten Ruf von früher eigentlich abgelegt. Das elegante, klar strukturierte Etikett enthält die nötigen Informationen – der Stil liegt mir insgesamt mehr als der der Distillery Collection. Mir gefällt, wie auf dem Karton, in dem die Flasche geliefert wird, die Story von The Rum Factory aufgedruckt ist – eine schöne Illustration, offensichtlich handgemalt, in der die unterschiedlichen Produktlinien erklärt werden. Man sieht an Details wie diesem, dass hier keine schnelle Mark mit einem Trendprodukt gemacht werden soll, sondern der Abfüller mit Herz dahinter steht – die persönliche, sehr ausführliche Kommunikation beweist es mir darüber hinaus. Mir persönlich ist sowas wichtig, und es sorgt dafür, dass mir die Rums von The Rum Factory noch ein bisschen besser schmecken, denn der Kopf trinkt bei mir immer mit.

Offenlegung: Ich danke The Rum Factory für die kosten- und bedingungslose Zusendung einer Flasche dieses Rums.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.