Black Tears Cuban Spiced Titel

Der Captain wird heulen – Black Tears Cuban Spiced

Wir leben in interessanten Zeiten, was Rum angeht. Der Trend geht, wie in vielen Bereichen, hin zum High-End-Produkt. Gewisse Subkategorien von Spirituosen, gerade bei Rum, leiden dabei etwas, was das Image angeht – wenn schon Laien heutzutage Geld in die Hand nehmen, um sich einen Caroni ins Regal zu stellen, wird so etwas wie ein Spiced Rum, also eine Spirituose auf Rumbasis, die mit Früchten, Gewürzen, Aromastoffen und Zucker süffig gemacht wird, teilweise schon etwas herablassend betrachtet.

Aber was grenzt heutzutage einen Spiced Rum eigentlich noch wirklich ab? Viele der Premium-Rums, die sich bei den Händlern immer noch verkaufen wie geschnitten Brot, und die auf Plattformen wie Amazon bis heute als „die besten Rums der Welt“ rezensiert werden, unterscheiden sich, wenn man die Zusammensetzung anschaut, nicht von einem Spiced Rum. Zusatzstoffe wie Zucker, Aromate und Glycerin sind in als Rum deklarierten Produkten enthalten, ohne dass sie auf dem Etikett ausgewiesen werden würden oder müssten. Nicht zuletzt das etwas zweifelhafte Image des Spiced Rum als unanspruchsloses Gebräu, das Kenner nicht anrühren, sorgt dafür, dass die Hersteller der Hausrezept-Rums ungern die eigentlich korrekte Bezeichnung für ihr Produkt verwenden würden.

Um so erfreulicher, dass diese uralte Kategorie von Spirituosen nun einen neuen Zuwachs erfahren hat, der sich nicht dafür zu schade ist, offen zuzugeben, was er ist. Der Black Tears Cuban Spiced hat vor kurzem die Supermarktregale bei Edeka, Rewe und Co. gestürmt – ich habe zunächst gezögert, weil ich mir eigentlich derartige Spontankäufe abgewöhnen wollte, und nach ein paar kurzen Recherchen, die kaum ein echtes Ergebnis lieferten, ein paar Tage später dann doch zugegriffen; war es ein im nachhinein bereuter Kauf nur um diese Lücke zu füllen, oder taugt dieser Kubaner auch etwas?

Black Tears Cuban Spiced Flasche

Farbstoff ist natürlich mit von der Partie, das wäre auch fast schon ein Wunder bei einem Spiced Rum. Ein kräftiges Terracotta gibt schon einen Eindruck, dass hier kein leichtes, luftiges Aroma auf uns warten wird. Im Glas liegt der Black Tears ölig, mit einem schönen Beinschleier am Glasrand beim Schwenken.

Beim Riechen springt einen eine Komponente dieses Gewürzrums direkt an – Kaffee. Das passt natürlich zur Geschichte auf dem Rücketikett (siehe unten noch ein paar Worte dazu), die vom Großvater erzählt, der schon Rum und Kaffee miteinander vermischte. Vanille, Nougat, Zuckerwatte, geröstete Agave, etwas Mandarine – eine insgesamt geradezu extrem süße Note; dagegen kommt kaum etwas an rumtypischen Aromen an. Etwas Kleber im Hintergrund.

Im Mund kommen dann doch ein paar Column-Still-Rum-Charakteristika zum Vorschein – leichter Körper, etwas alkoholisch, milde Aromen. Cappuccino und dunkler Kakao sind im Geschmack entsprechend da, aber weniger dominierend als von der Nase her vermutet, Fruchtaromen kommen nach vorne, Orange und Erdbeeren. Er wirkt frisch und hell, und ist dadurch sehr süffig und trinkbar. Insgesamt bleibt der Black Tears aber aromatisch zurückhaltend, fast schon etwas arm. Alkoholisch versehen ist der Black Tears Spiced Rum mit 35%, eine Extraktmessung meinerseits hat einen Zuckergehalt von 13g/L ergeben – das ist für einen Spiced Rum ein akzeptabler Wert und weniger, als viele Premiumrums enthalten. Das Etikett spricht von 92% Rumanteil in dieser Spirituose, wenn der Zucker entsprechend draufkommt fragt man sich aber schon etwas, was der Rest sein mag, da Aromastoffe ja volumenmäßig nicht viel ausmachen können – es wird wohl Wasser sein, um die Rumbasis, die ja normalerweise mit mindestens 37,5% Alkohol hergestellt wird, auf die im Endprodukt enthaltenen 35% herabzusetzen.

Black Tears Cuban Spiced Glas

Der Abgang ist trotz all der Vorschusssüße recht trocken, etwas heiß, aber nicht unangenehm alkoholisch. Die Lebensdauer im Mund ist extrem kurz, selbst dabei aber beschränkt auf adstringierende und anästhesierende Effekte. Cappuccino klingt noch eine ganze Weile nach.

Was bleibt also? Wir haben hier einen leichten, trockenen Spiced Rum mit typisch kubanischen Eigenschaften in der Rumbasis, und einer Würzung und Süßung, die diese dankenswerter Weise nicht völlig überwältigt. Mir gefällt das, es ist weniger brachial und pappig als Captain Morgan Spiced Gold beispielsweise, aber auch nicht so eigenwillig wie der Meermaid Infused Rum, und hat einen gewissen eleganten Charme, so dass man ihn gewiss pur, eventuell auf Eis, als leichten Ausklang für einen Abend trinken kann, ohne überfordert zu werden. Keine echte Rumkunst, auch wenn das die Präsentation etwas insinuiert, aber ein solides Basisprodukt.

Tatsächlich wird er seine Hauptarbeit für mich aber in Cocktails leisten. Die interessante Aromenvariation hin zum Kaffee macht ihn gut einsetzbar für ungewöhnliche Twists auf gut bekannte Drinks, wobei nicht die Gefahr besteht, dass der Cocktail in eine völlig andere Richtung abdriftet. Beim Spiced Daiquiri nehme ich ein übliches 2:1:½-Rezept her, reduziere allerdings den Zucker etwas, um die Süße des Black Tears etwas auszugleichen; das Ergebnis ist sehr trinkbar und leicht, mit eben diesem kleinen dunklen Kaffeetwist.

Spiced Daiquiri


Spiced Daiquiri
2 oz Spiced Rum (z.B. Black Tears)
1 oz Limettensaft
1 Teelöffel weißer Zucker
Auf cracked ice gut schütteln. Nur grob abseihen und ohne Dekoration servieren.
[Rezept nach unbekannt]


Versucht man, das Rücketikett, das im Pseudopostkartenstil in Pseudohandschrift eine Pseudolegende voller Schwafelei enthält, tatsächlich zu verstehen, wundert man sich dann aber doch über die unklare Reise, die dieses Produkt hinter sich hat. Destilliert auf Kuba, „hergestellt“ (was auch immer das nun bedeuten mag) in den Niederlanden für eine norwegische Firma, vertrieben durch eine deutsche Firma. Der Rum für den Black Tears stammt aus der Destillerie Paraíso Destilería im unter Rumkennern wohlbekannten Ort Sancti Spíritus auf Kuba; diese Destillerie vermarktet ihren Rum, wie es viele Destillerien dort tun, über ein Konglomerat mit dem weniger wohlklingenden Namen Tecnoazucar. Ein wahres Wunderwerk an Verflechtung und Vernetzung in der globalisierten Welt.

Nun, für 17€ macht man, wenn man eh auf diese Art von Rumspirituose steht, sicher nichts falsch, im Gegenteil – ich würde jedem Freund des Piratenkapitäns mit dem Fuß auf dem Fass raten, sich stattdessen einfach mal mit dem Black Tears Cuban Spiced anzufreunden, ich finde ihn interessanter und wirkungsvoller. Wer aber eh schon lieber trockene, teerige und esterige Pure Single Rums trinkt, und sich nicht von diesem Vorbild lösen kann oder will, wird dagegen kaum so richtig viel Freude empfinden werden.

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3 Gedanken zu “Der Captain wird heulen – Black Tears Cuban Spiced

  1. Bei 35 Volumenprozent handelt es sich aber nicht um einen Spiced Rum, sondern genau wie bei Captain Morgan und Bacardi Oakheart um einen „Spirit Drink“.

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    1. Hm, rein rechtlich ist „Spirituose auf Rumbasis“ oder „Spirit Drink“ wahrscheinlich richtiger, doch im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich für diese Art von aromatisiertem Getränk der Begriff „Spiced Rum“ eingebürgert. Da es keine rechtliche Definition von „Spiced Rum“ gibt, nur für „Rum“, kann man daher diese Trennung nach Alkoholgehalt zwar fordern, aber die Frage ist, inwieweit sie Sinn macht.

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  2. Die Firma aus Holland könnte E&A Scher sein – http://www.rum.nl/ – die „hilft“ sicherlich auch hinter einigen anderen „unabhängigen Abfüllern“ und schick designten Rum-Produkten. Aber dennoch mal was Neues auf Basis eines Kuba-Rums, muss ich mal probieren …

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