Cabrito Tequila Reposado Titel

Ein liebes Zicklein ohne Hörner – Cabrito Tequila Reposado

Wie sehr hatte ich all die Jahre nun darüber gejammert, dass Tequila in Deutschland einen schweren Stand hat. Ich habe persönlich nun aber in letzter Zeit den Eindruck, dass sich das tatsächlich etwas bessert – nicht in den Supermärkten, wo immer noch der Mixto mit dem Hut uneingeschränkt herrscht, und nicht in vielen Bars und Kneipen, wo ein anderer Mixto, geschmacklich nur unwesentlich besser, bevorzugt wird. Schaut man aber mal nach, was die Spirituosenhändler im Internet so anbieten, wird einem als Tequilaliebhaber doch ein bisschen warm ums Herz. Inzwischen bekommt man eine breite Produktpalette an hochwertigen 100%-Agave-Tequilas, zu halbwegs vernünftigen Preisen, direkt ins Haus geliefert – etwas, an das vor 5 Jahren kaum zu denken war.

Besonders gefällt mir, dass neben teuren Spitzenprodukten, die den Weg ebneten, nun auch niedrigpreisige Mittelklassetequilas erhältlich sind, die den Käufern, die sich für einen Tequila interessieren, aber nicht gleich 50€ und mehr investieren wollen, eine vernünftige Qualität mit gutem Preisleistungsverhältnis offerieren. Auch wenn der Kenner, der in Deutschland immer noch verzweifelt auf Marken wie Siembra und Fortaleza warten muss, gern erleben würde, dass sehr viel mehr Highend-Tequilas konsumiert werden, so muss man sagen: Brände wie der Cabrito Tequila Reposado sind es, die es für die breite Masse erst möglich machen, den Schritt zu wagen und die ollen Mixtos im Regal stehen zu lassen und für nur unwesentlich mehr Geld auf 100%-Agave-Tequilas umzusteigen. Gießen wir uns ein Glas davon ein und trinken auf die Fahrt aufnehmende Tequila-Evolution in Deutschland!

Cabrito Tequila Reposado Flasche

Die Farbe ist selbst für Reposado-Verhältnisse recht blass – „ausgeruhter“ Tequila reift grundsätzlich ja für Spirituosenverhältnisse nur die kurze Zeit von unter einem Jahr in einem Holzfass und nimmt entsprechend wenig Farbe aus dem Holz auf. Helles Pastellgold, vielleicht sogar eher Stroh, würde ich sagen.

Im Vordergrund des Geruchsbilds sind klare, eindeutige Agavennoten. Darunter tauchen Lavendel, Rosenblüten, Thymian und Rosmarin auf, und ein leichter Plastikgeruch, ohne unangenehm künstlich zu werden. Vanille und Butterscotch sorgen für eine ansprechende Süße. Der Cabrito Reposado ist mild zur Nase, kein Alkoholstechen. Im Hintergrund liegen feinfruchtige Noten von Rosinen und Weintrauben.

Cabrito Reposado Tequila Glas

Der Antrunk ist sehr vanillig, süß und zart im Mundgefühl. Der Geschmack bleibt insgesamt zunächst dezent und zurückhaltend, das ist etwas antiklimaktisch nach der tollen Nase. Die etwas schwachbrüstigen 38% Alkoholgehalt machen sich hier doch negativ bemerkbar, ein paar mehr Prozente hätten ihm ganz sicher mehr Charakter geben können. So bleibt er doch arg enttäuschend wässrig und dünn, obwohl er sich mit Verweildauer im Mund etwas steigern kann, wenn er Eichennoten, eine spannende Salzigkeit und schwarzpfeffrige Wildheit entwickelt.

Der Abgang ist auch eher kurz, trocken, dann doch aber recht plötzlich sehr würzig, eine leichte Chilischärfe macht sich auf der Zunge und im Rachen breit. Diese Schärfe bleibt auch im leicht unrund wirkenden Nachhall doch eine ganze Weile erhalten, genau wie ein spätes, ausdauerndes Kopfheben der gekochten Agave und etwas Karamell. Mit einem Eisenton klingt der Cabrito dann aus.

Mein Fazit – ein durchaus schöner, wenn auch geschmacklich leicht schwächelnder 100%-Agave-Tequila, der hauptsächlich über sein tolles Preisleistungsverhältnis (ich habe um die 20€ für die Flasche bezahlt) punkten kann. Für den Purgenießer ist er wahrscheinlich doch zu dünn, das gebe ich gern zu, im Cocktail bringt er aber seine Leistung ohne Mühe. Im Kicking Bull erkennt man ihn selbst gegen Kaffeelikör und Rye Whiskey heraus, etwas, was bestimmt nicht jeder Tequila von sich behaupten kann. Wer sich fragt, woher der Name des Cocktails stammen mag, trinke einfach mal 3 Stück von diesen kleinen, süffigen und gefährlich leckeren Dingern. Der Stier, der einen dann von einem Moment auf den nächsten tritt, wird es einen schon lehren.

Kicking Bull


Kicking Bull
1 oz Tequila Reposado (z.B. Cabrito Reposado)
1 oz Rye Whiskey (z.B. Jim Beam Rye)
1 oz Kahlúa
Auf Eis shaken.
[Rezept nach unbekannt]


Die Agavenherzen dieses Tequilas aus der NOM 1140 werden in traditionellen Steinöfen gekocht, mittels Mühle (nicht Tahona) zerkleinert, dann in Stahltanks fermentiert und schließlich zweifach destilliert. Abgefüllt ist er in eleganten, schwungvollen Flaschen, mit hinten auf der Flasche eingelassenem Ziegenkopf, („Cabrito“ ist spanisch für „Zicklein“), den man auch auf dem Etikett in Farbe sehen kann.

Cabrito Tequila Reposado Glasdetail

Wie ich neulich erst gesehen habe – es gibt diesen Tequila auch in einer kleinen Flaschengröße, wohl 20cl oder ähnlich. Eine Kollegin in meiner Firma hat diese kleine Flasche für eine andere Kollegin als kleines Geschenk aus ihrem Mexiko-Urlaub mitgebracht. Na, das sind mal Souvenirs, mit denen man was anfangen kann! Ich hoffe, dass Geschenke wie diese dafür sorgen, dass sich der Siegeszug des Tequila in Deutschland noch weiter beschleunigt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s