Martini Riserva Speciale Ambrato Titel

Siegel, Untertitel und Geschmack – Martini Riserva Speciale Ambrato

Neulich im Fernsehen kam in einem dieser Verbrauchermagazine ein Test über italienische Balsamico-Essige. Ein Experte erklärte, dass man bei solchen lokal definierten Spezialitäten wie Aceto Balsamico di Modena nicht allein auf den Namen vertrauen darf, sondern Ausschau nach EU-Siegeln halten solle. Damit nicht genug, es gibt dabei auch zwei unterschiedliche, ein blau-gelbes IGP-Siegel, das aussagt, dass wenigstens ein Produktionsschritt bei der Herstellung in der entsprechenden Region stattfand, und ein gelb-rotes DOP-Siegel, das eine stärkere Aussagekraft hat, nämlich, dass das Produkt tatsächlich traditionell und komplett aus der Region kommt. Letzteres bedeutet natürlich einen höheren Qualitäts- und Traditionalitätsstandard und ist daher zu bevorzugen.

Bei dem heute hier vorgestellten Wermut können wir ein sehr ähnliches Phänomen betrachten. Der Martini Riserva Speciale Ambrato weist den Untertitel „Vermouth di Torino“ auf, was offiziell eigentlich „nur“ einer geschützten Herkunftsbezeichnung im Sinne des IGP-Siegels entspricht; der Hersteller produziert aber bereits jetzt im Stile des DOP-Siegels, komplett innerhalb der Region und mit Materialien komplett aus der Region. Eine Verschärfung der Gesetzeslage wird dies bald für alle Wermuts, die die Herkunftsangabe „di Torino“ haben wollen, erzwingen. Soviel zum legalesischen Hintergrund, was bringt uns das alles im Geschmacksbild?

Martini Riserva Speciale Ambrato Flasche

Heller, aber kräftiger Bernstein (kein Wunder beim Namen – „ambrato“ bedeutet „bernsteinfarben“) mit sonnenblumenfarbenen Reflexen lacht uns im Glas an. Erkennbar viskos mit dicken, langsam ablaufenden Beinen am Glas. Könnte die Farbe natürlich aus den verwendeten Tino-Eichenholzbottichen, in denen dieser Wermut reifte, stammen? Ich hoffe es mal.

Der Geruch ist ausgesprochen intensiv, süß und traubig. Würzige Untertöne nach wermuttypischen Gewürzen und Kräutern – drei davon wurden zur Herstellung genutzt (Wermutkraut, Pontischer Beifuß and Gemeiner Beifuß). Ich rieche noch Orangen und Rosinen, Birnen und Honig.

Der Martini Riserva Speciale Ambrato ist schwer und dicht im Mundgefühl und weist ein schönes Säure-Süße-Verhältnis auf. Zunächst wirkt er nur mildbitter; geschmacklich erkenne ich einen schönen Fruchtmix: Traubenmost, Orange, Grapefruit. Dazu Honig. Ich empfinde ihn als wunderbar komplex mit vielen Dimensionen. 18% Alkoholgehalt ist typisch für Wermut und wirkt gut eingebunden ohne Störeffekte.

Martini Riserva Speciale Ambrato Glas

Der Abgang schließlich: Zunächst sehr trocken, dann sehr bitter und mildsauer. Ganz stark kommt nach einer Weile noch Grapefruit hervor. Lang, für einen Wermut würde ich sogar sagen: sehr lang. Leicht adstringierend.

Das kann man sehr schön pur trinken, oder als Wermut-Tonic (wie auf dem Rücketikett mit Rezept angegeben) oder sogar Wermut-Soda. Die Tiefe dieses Wermuts allerdings macht ihn natürlich aber auch zu einer perfekten Cocktailzutat – durch seine Mischcharakteristik kann er sowohl als roter als auch als weißer Wermut (solange nicht explizit ein „trockener“ Wermut verlangt wird) eingesetzt werden. Im Little Eve spielt der Martini Riserva Speciale Ambrato eine wichtige Rolle – wie eigentlich aber alle Zutaten, die die Person, nach der er benannt ist, in Spirituosenform beschreiben.

Little Eve


Little Eve
1½ oz Fino Sherry (z.B. Sandeman Fino)
1 oz Tequila Blanco (z.B. Patrón Blanco)
¾ oz süßer, weißer Wermut (z.B. Martini Riserva Speciale Ambrato)
1 Spritzer Lavendelsirup
2 Spritzer The Bitter Truth Drops & Dashes Blossom
Auf Eis rühren und in einem Glas servieren, das vorher mit Kirschwasser ausgespült wurde.
Ohne Dekoration servieren.

[Rezept nach Helmut Barro]


Die Flasche ist eine einfache Weinflasche, das Etikett dagegen üppig und spricht den aktuellen Trend zu opulenten Etikettendesigns an. Rund 15€ bezahlt man für eine Dreiviertelliterflasche aktuell in Supermärkten, die Marktmacht der Martini-Marke sorgt für eine gute Durchdringung in der Fläche, so dass man diesen Wermut nicht mühsam suchen muss. Aus der selben Reihe gibt es noch einen weiteren Wermut, den „Rubino“ – nach der sehr positiven Erfahrung, die ich mit dem Riserva Speciale Ambrato gemacht habe, kommt mir dieser sicherlich auch noch bald ins Haus, oder genauer gesagt: in den Kühlschrank. Wie immer bei Wermut weise ich damit auf die begrenzte Haltbarkeit hin. Idealerweise versiegelt man ihn noch mit Schutzgas oder Weinpumpe, und, das beste Mittel gegen Verfall, man sollte ihn schnell aufbrauchen. Letzteres fällt zumindest mir nicht wirklich schwer.

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Ein Gedanke zu “Siegel, Untertitel und Geschmack – Martini Riserva Speciale Ambrato

  1. Die wohl ultimative Liebeserklärung für einen Mixologen: „alle Zutaten, die die Person, nach der er benannt ist, in Spirituosenform beschreiben“

    Ich finde es romantisch im besten Sinne! Und lecker dazu

    Gefällt 1 Person

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