Fortaleza Tequila Reposado Titel

Starke Nachfrage ist nicht immer gut – Fortaleza Tequila Reposado

Die Alterungskategorien für Tequila sind Lesern meines Blogs inzwischen sicherlich bekannt. Ungereifter „blanco“, mindestens 2 Monate gereifter „reposado“, mindestens 1 Jahr gereifter „añejo“ und, seit gar nicht so langer Zeit, mindestens 3 Jahre gereifter „extra añejo“ stehen dem geneigten Agavenbrandkonsumenten zur Verfügung. Manche Kategorien halte ich für Pseudokategorien, wie „gold/oro“ – das sind letztlich meist nur blancos, die gefärbt wurden.

Welches genaue Reifungsalter ein spezielles Produkt aufweist, muss meist spezifisch nachgeforscht werden, oft wird gar kein genaues Alter angegeben. Beim Fortaleza Tequila Reposado kann man aktuell sogar die spannende Situation nachverfolgen, dass sich das Produkt verändert. Bisher reifte dieser Tequila um die 6 Monate, also dreimal so lang, wie gesetzlich gefordert. Doch Tequila ist in einer massiven Krise – Monokultur und Verlust der Biodiversität, Fledermaussterben (diese sind für die natürliche Befruchtung der Agavenpflanzen von entscheidender Bedeutung), aggressive Industrialisierung des Anbaus und der Produktion, dazu das kometenhafte Aufstreben von Mezcal, das Großkonzerne dazu bringt, Agavenanbauflächen und -pflanzen zu monopolisieren und dann teilweise sogar brach liegen zu lassen, nur damit sie kein Konkurrent nutzen kann; all das sorgt dafür, dass gerade traditionell arbeitende Unternehmen, wie Fortaleza (Los Abuelos in Mexiko, NOM 1493) in Schwierigkeiten geraten. Der Durst nach Tequila ist groß, doch man kommt nicht mehr hinterher, mit all den Problemen die Ausstoßmenge entsprechend anzupassen. Drastische, und meiner Meinung nach etwas hastige und unüberlegte Schritte folgen – neuere Abfüllungen des Fortaleza Tequila Reposado sind dann eben nur noch mit niedrigerer Reifungsdauer abgefüllt. Man ging zunächst auf 4½ Monate herunter, später dann sogar auf die Minimumdauer von 2 Monaten. Laut Kennern machen sich diese Einsparungen leider auch sehr deutlich im Geschmack deutlich, selbst habe ich leider aktuell keinen Vergleich. Entsprechend wollen wir hier nur den originalen, 6 Monate alten Reposado aus dem Tequila Valley verkosten.

Fortaleza Tequila Reposado Flasche

Blasses Strohgold sieht man schon durch das transparente Glas der Flasche, im Glas kommen fast schon weiße Reflexe dazu. Die oben angesprochenen 6 Monate im Fass aus amerikanischer Eiche zeigen sich doch bereits recht kräftig. Eine minimale Viskosität ist erkennbar, die Tropfen an der Glasinnenwand laufen nur sehr langsam ab.

Optisch ist der Fortaleza Reposado noch nicht aufregend, für diese Nase wird aber einiges geboten – sehr starkes Agavenaroma, ohne zu würzig oder zu kratzig zu werden. Blumig leicht, mit etwas Lavendel und Thymian. Fruchtig und süßlich. Ein Hauch von Holzkohlenrauch ist im Hintergrund erahnbar, beim tiefen Einatmen eine Spur Lack. Ersteres schreibe ich dem Kochen der Agave in traditionellen Steinöfen (hornos) zu.

Im Antrunk zeigt sich dieser gereifte Tequila wunderbar weich und mild. Eine Süße stellt sich schnell ein und erzeugt ein rundes, volles, dichtes Gesamtbild. Agave ist, wie es sein sollte, die Hauptkomponente (durch die Verwendung einer traditionellen Tahona, also dem Zerdrücken der Agavenfasern durch einen schweren Mühlstein, sollte dies auch so sein), eine unterschwellige Kräuterunterlage aus Lavendel, Kümmel und etwas Anis erzeugt eine angenehme, aber nicht überhandnehmende Komplexität. Im Verlauf kommt eine recht deftige Würze dazu, die die Süße ablöst.

Fortaleza Tequila Reposado Glas

Der Abgang ist feurig pfeffrig, gleichzeitig aber eukalyptuskühl und mit extrem viel Agavencharakter – man spürt, dass es nicht die 40% Alkoholgehalt sind, die brennen, sondern die Stacheln der Agave (metaphorisch gesprochen). Die doppelte Destillation in Kupfer-Pot-Stills gibt Charakter, ohne Zweifel. Dabei entsteht nur ein leichtes Kribbeln mit langsam einsetzender Adstringenz, die immer stärker wird und am Ende einen kleinen Eisenton erzeugt. Der Nachhall ist sehr lang und dabei dankenswerterweise voller Agaveneindrücke. Mit etwas Süßwasseralgen und feuchtem Beton klingt die Verkostung aus.

Dale Degroff erwähnt in seinem Buch „The Essential Cocktail“ neben dem modernen Rezept für einen Tequila Sunrise, das wir alle kennen und mehr oder weniger schätzen, das Ursprungsrezept, aus dem die moderne Form entstand. Sie wurde an der Pferderennbahn Agua Caliente im mexikanischen Tijuana um die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts serviert. Man sieht, früher war nicht immer alles besser – aber manches schon. Die alte Fassung gefällt mir sehr und stellt den modernen Orangensaftdrink locker in den Schatten. Mit einem guten Tequila, wie dem Fortaleza, um so mehr.

Tequila Sunrise Circa 1920


Tequila Sunrise Circa 1920s
1½ oz Zitronensaft
1 oz Zuckersirup
Diese Zutaten vermischen, um eine saure Limonade herzustellen.
Dann in einem Highball-Glas voll Eis die restlichen Zutaten in dieser Reihenfolge bauen.
1½ oz Tequila reposado (z.B. Fortaleza Reposado)
Die oben hergestellte Limonade
2 oz Club Soda
½ oz Crème de Cassis
¼ oz Grenadine
[Rezept nach Dale Degroff]


Stellt man die Flaschen der drei Varianten von Fortaleza Tequila nebeneinander sieht man die Ähnlichkeit, aber auch die kleinen Unterschiede. Wie der Inhalt ist auch die Flasche und der Stöpsel handgemacht, und dabei entstehen eben diese feinen Unikate. Das Agavenherz, die Piña, die als Krone auf dem Korken sitzt, ist dabei besonders auffällig.

3 Fortaleza Tequilas

Den Blanco hatte ich ja vor einiger Zeit schon besprochen, und eine Rezension des Añejos, des am längsten gereiften Tequilas im Portfolio von Fortaleza, folgt dann auch irgendwann mittelfristig. Unabhängig davon, welchen Reifegrad man nun persönlich bevorzugen mag (ich für meinen Teil liebe die ungereiften, direkten Blancos bei Tequila am meisten), bei Fortaleza kann man blind zugreifen und erhält auf jeden Fall einen der Besten der Besten in dieser Spirituosenkategorie. Man muss nur halt leider aktuell, wie angesprochen, auf das genaue Reifedatum achten. Dann schmeckt man auch die Ehrlichkeit und Tradition der Herstellung im Endprodukt.

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