Ron Elmilio Selected Blended Premium Rum Titel

Karibisches Klima – Ron Elmilio Selected Blended Premium Rum

Aktuell ist im Rumbereich wieder mal eine neue, hitzig geführte Diskussion im Gange – Alterung und Reifung von Rum in tropischem Klima vs. in europäischem Klima. Es gibt ja doch so einige Abfüller, die sich Fässer karibischen Rums kaufen und diese dann in Europa weiteraltern lassen, das bekannteste Beispiel ist wahrscheinlich Plantation. Natürlich macht es einen gewaltigen Unterschied, ob man ein Fass in einer Lagerhalle auf Barbados liegen hat, oder in einem Weinkeller in Frankreich – der Angels‘ Share ist im tropischen Klima oft um den Faktor 10 und mehr größer, aber auch die gesamte Interaktion mit Fassholz und Umgebung ist anders.

Wie gesagt, dies ist eine Diskussion, die aktuell recht neu ist, wie so viele Aspekte der Rumherstellung aktuell erstmals ernsthaft betrachtet und mit Expertenwissen unterfüttert werden. Daher war ich zugegebenermaßen etwas überrascht, im Pressetext zur Premiere des Ron Elmilio Selected Blended Premium Rum den Hinweis zu finden, dass die Bestandteile des Blends in tropischem Klima gereift wurden; ein Detail, das man nicht überall findet. Persönlich halte ich das für einen wichtigen Bestandteil eines Rums, der sich auf eine Herkunft beruft (hier: für meinen Geschmack viel zu generisch „Mittelamerika“), und stimme mit den auch in diesem Bereich vorpreschenden Richard Seale und Luca Gargano überein, dass es eigentlich vorgeschrieben sein müsste, dass ein Rum, wenn er sich auf eine geographische Region beruft, auch komplett in dieser Region hergestellt und gereift sein müsste. Nun, weg von der Metadiskussion hin zum tatsächlichen Rum des Tages!

Ron Elmilio Selected Blended Premium Rum

Laut eigener Aussage ist der Rum nicht mit Zuckerkulör gefärbt. Nun, dafür weist er eine sehr ansprechende goldene Tönung auf, mit sonnengelben Reflexen. Die Schwere, die er beim Schwenken im Glas zeigt, weiß auch zu gefallen, die dicken Schlieren komplettieren ein optisch sehr gelungenes Bild.

Die Nase im Glas entdeckt schöne Aromen – reife Ananas und Banane als Fruchtnoten, Marzipan, Walnuss und Kardamom. Ethanol ist im Untergrund erkennbar, wirkt aber nicht übermäßig lästig. Ein gewisser Hauch von Funkigkeit ist da, die für ein „Hoppla!“ bei mir sorgte – das hatte ich erstmal nicht erwartet. Insgesamt finde ich das ähnlich interessant wie die Optik, wenn das so weitergeht haben wir hier einen Treffer gelandet.

Im Mund kommt eine gewisse Ernüchterung auf. Die klebrige Süße beginnt schon im Antrunk, setzt sich im Verlauf ununterbrochen fort und steigert sich im Abgang zu einem pappigen Brei. Aromatisch finde ich überreife Ananas, Banane, Schokolade. Das Aroma, das gewiss vielschichtiger sein könnte,  wird leider von der überwältigenden Süße großteils plattgemacht; was sie aber leider nicht schafft, ist das kitzelnde Alkoholfeuer  auszubremsen.

Meine Messung per Spindel ergibt 31%, bei knapp 26° Flüssigkeitstemperatur bedeutet das in etwa grob 35-40g/L Zusätze. Das heißt, dieser Rum weist ähnliche Werte auf wie Botucal Reserva Exclusiva und liegt damit ebenso im starkgesüßten Bereich. Leider hat auch dieser Rum, wie fast alle starkgesüßten Rums, keine entsprechende Angabe auf dem Etikett. Sehr schade – ich erwarte die geplante Nährwerttabelle auch für Spirituosen mit Ungeduld.

Ron Elmilio Selected Blended Premium Rum Glas

Eine langsam einsetzende Bittere im Abgang korreliert so gar nicht mit der üppigen Süße, die zunehmende Alkoholschärfe ist überraschend bei nur 40%, und dadurch, dass kaum natürlicher Körper da ist, entsteht ein sehr unrundes, wackeliges Panoptikum an Eindrücken, die kein klares Bild aufkommen lassen. Im Nachhall muss man viel Spucke produzieren, um die Klebrigkeit vom Gaumen zu bekommen; etwas Bitterschokolade und Kaffee liefert die letzten, dann recht lang vorhandenen und gar nicht unangenehmen Überbleibsel im Mund.

Im Geschmacksfazit muss ich sagen, dass ich glaube, dass der Blend eventuell Potenzial hätte, da sind schon interessante Aromen vorhanden – wäre da nicht diese alles überdeckende Süße. Ich könnte mir tatsächlich vorstellen, dass schon mit einer Halbierung des Zuckerzusatzes ein großer Schritt getan werden könnte, den Ron Elmilio für Rumfreunde spannender zu machen. In dieser Form kann ich ihn höchstens denen empfehlen, denen Süße wichtiger ist als Rundheit und echter Rumgeschmack.

Der Guyana Zombie hätte natürlich gemäß seinem Namen einen Demerara-Rum in sich. Tatsächlich weist der Ron Elmilio aber genug Schwere, Süße und Würze auf, um sich in diesem modernen Tiki-Drink wacker zu schlagen.

Guyana Zombie


Guyana Zombie
2 oz gereifter Rum
1 oz Ananassaft
1 oz Honigsirup
1 Teelöffel Cream of Coconut
½ oz Limettensaft
Alle Zutaten mit Crushed Ice blenden. In einem Glas mit frischem Crushed Ice servieren.
Mit einem Float aus Overproof-Rum und etwas braunem Zucker garnieren.

[Rezept nach A Mountain of Crushed Ice]


700ml hält die aparte braune Apothekerflasche mit Kunststoffkorken. Das Etikett ist insgesamt, abgesehen von den für meinen persönlichen Geschmack etwas abgedroschenen Symbolen von Anker und Fässern extrem inhaltsleer. Man findet praktisch keine Hinweise auf irgendwas, was dem Rumkenner wichtig wäre – keine Destillenangabe, nicht einmal eine Länderangabe (man muss schon den oben angesprochenen Pressetext heranziehen, um wenigstens an die sehr schwammige Aussage „mit sorgfältig selektierten Destillaten kleiner Brennereien aus Mittelamerika“ zu kommen). Auf eine Altersangabe wird ebenso verzichtet, und zwar aus dem spannenden Grund, dass man lieber keine angibt als eine täuscherische – auch diesbezüglich verlasse ich mich einfach mal auf die Aussage des Vertriebs. Bei einem Blend kann ich aber sehr gut damit leben, keine Altersangabe vorzufinden, das ist tatsächlich ehrlicher als manche Kundenfängerei. Dass der Rest des Marketingtexts in bester Storytelling-Manier die üblichen Seefahrer-Platitüden runterblubbert („Die lange verschollen geglaubte Handelsfregatte Elmilio dient als Namensgeber“), nun, das gehört leider mit zum Business – liebe Leute, verwendet Eure Energie doch besser darauf, etwas handfeste Information aufs Etikett zu packen, statt Euch so Zeugs aus den Fingern zu saugen.

Das gilt aber für sehr viele Rums, nicht nur für den Ron Elmilio. Wer also mittelamerikanische Aromatik und sehr viel Süße mag, und sich nicht an der Praxis des Nachsüßens stört, darf einen Blick riskieren. Ich für meinen Teil wäre an einer ungesüßten (oder deutlich weniger stark gesüßten) Variante durchaus interessiert.

Offenlegung: Ich danke myspirits.eu für die kostenlose Bereitstellung einer Flasche des Ron Elmilio.