Casa Noble Tequila Blanco Titel

Mexikanisches Gift – Casa Noble Crystal Tequila Blanco

Neulich, in einem kleinen aber feinen, lokalen Restaurant, entdeckte ich völlig unerwartet im Regal hinter der Theke eine recht vernünftige Flasche 100%-Agave-Tequila. Sowas muss man unterstützen, denke ich mir, und bestelle mir ein Gläschen davon. Die Bedienung fragt, ob ich Limette und Salz dazu will, ich seufze innerlich leicht, und sage trotzdem freundlich danke, nein. Man trinkt das aber so, sagt sie. Ich hole Luft und will zu einer langatmigen Erklärung, warum das nicht so ist, ausholen – dann fällt mir wieder ein, wo ich bin, und stoße den Atem wieder aus, und bitte sie, mir einfach nur das Glas zu bringen.

Nur übertroffen wir diese Sitte, die aus Zeiten stammt, als man Tequilafeuerwasser nicht anders trinken konnte, ohne das Gesicht zu verziehen, noch von der typisch deutschen Brutalität, die einem Reposado-Tequila angetan wird, indem man ihn mit Orangenscheibe und Zimt anbietet. Dass man Tequila scheinbar mit einem alleinstehend untrinkbaren Scheibenklar verwechselt, ist eine alte, aber nur schwer ausrottbare Tradition – sogar Lucky Luke musste sich schon mit Barkeepern rumschlagen, die ihm Frucht und Salz zum „mexikanischen Gift“ servierten.

Lucky Luke Arizona Tequila
Lucky Luke: Arizona (C) Morris

Gern weise ich daher heute nochmal freundlich darauf hin, dass hochwertige Tequilas natürlich erstmal ohne diese Beigaben genossen werden sollten. In Mexiko wird scheinbar oft ein Set aus Limettensaft im Glas, Tequila Blanco und einem Glas Sangrita serviert, das dann auf die Nationalflagge hinweist (grün-weiß-rot). Diese manchmal dann entsprechend „bandana“ oder „mexican flag“ genannte Kombination ist dann aber zum abwechselnden Trinken, nicht als „lick-shoot-squeeze“-Partyritual gedacht.

Völlig unabhängig davon, wie man ihn nun trinkt, empfehle ich natürlich ausschließlich hochwertige 100%-Agave-Tequilas dafür. Wie beispielsweise den heute hier vorgestellten Casa Noble Crystal Tequila Blanco.

Casa Noble Tequila Blanco Flasche

Bei Tequila rede ich ungern vom Geruch, ich präferiere bei dieser Spirituose den Begriff „Duft“, der es einfach besser trifft, was man bei Tequila in der Nase hat. Der Casa Noble Crystal wirkt zitronig, mineralisch nach feuchtem Aquariumkies, und pflanzlich nach Algen. Etwas Vanille, leichte Lösungsmittel. Unterschwellig würzig.

Nach der stark vegetalen Nase ist der Geschmack leicht überraschend – sehr rund und weich und süß im Antrunk. Voll und dicht,  voluminös und stark im Mundgefühl. Würzig und sehr ausbalanciert, trotz all dieser recht unterschiedlichen Komponenten. Im Verlauf dann plötzlich sehr feurig und auf der Zunge brennend, Pfeffer und Chili tauchen beide auf. Viele Spirituosenfreunde meinen, dass es ausschließlich die Trinkstärke ist, die für Aromen sorgt (und trinken entsprechend nur Fassstärke und ähnliches) – dieser Tequila zeigt mit seinen vergleichsweise kleinen 40%, dass es auch anders gehen kann.

Der Abgang des Casa Noble Crystal bleibt dann ähnlich heiß und feurig mit Pfeffer im Vordergrund. Sehr lang und dabei dann doch noch süß. Die vegetale Komponente taucht nochmals auf: Algen und feuchter Kies. Salzig. Extrem adstringierend und ultra-trocken. Sehr sauer wirkend. Stark betäubend auf Zunge und Gaumen. Ein schöner Blanco, der mich darin bestärkt, dass ungereifte Spirituosen mindestens so spannend sein können wie lang gereifte.

Gerade im gerade aufkeimenden Sommer sind Champagnercocktails eine schöne Sache. Es muss ja nicht immer der gleiche Aperol-Spritz sein, warum nicht mal eine schöne Champagner-Tequila-Rezeptur ausprobieren? Der South of North kommt allen Geschmäckern entgegen, ist süß und doch frisch, ohne das typische Agavenaroma dabei zu vernachlässigen.

South of North


South of North
1 oz weißer Tequila (z.B. Casa Noble Crystal Tequila Blanco)
¾ oz Holunderblütenlikör (z.B. The Bitter Truth Elderflower Liqueur)
½ oz Limettensaft
¼ oz Zuckersirup
1 Spritzer Zitrusbitter (z.B. The Bitter Truth Lemon Bitters)
Auf Eis shaken. In ein Collins-Glas voll Eis abseihen. Dann toppen mit…
2 oz Champagner (z.B. Heidsieck Monopole Blue Top)
[Rezept nach Brian Miller]


Das Design erfuhr vor kurzem ein kleines Facelift, die drei Altersstufen sind nun etwas kompakter in der Flaschenform. Das silberne kreisrunde Etikett ist bei allen gleich, ebenso der kugelige Metallstöpsel, der einen Naturkorken krönt.

Nun, ob man der Bemerkung auf dem Umhänger, dass der Musiker Carlos Santana Miteigentümer der Marke Casa Noble ist, viel Gewicht beimisst oder nicht – Casa Noble ist auf jeden Fall ein Hersteller, der seine Agavenherzen tatsächlich noch in einem Horno, also einem traditionellen Steinofen kocht, und auch sonst Wert auf die Produktion legt. Allein schon deswegen empfehle ich die Tequilas von Casa Noble jedem, der einen authentischen Agavenbrand, der nicht die Bank sprengt, probieren will. Schmecken tun sie ganz nebenbei aber natürlich auch, und zwar in jeder Alterskategorie; Besprechungen der Altersstufen Reposado und Añejo werden auf diesem Blog folgen.

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