Karibischer Rumkrieg – Havana Club Añejo 7 Años

2006 war ein seltsames Jahr für Freunde kubanischen Rums in den USA. Da es aufgrund des seit den frühen 1960er Jahren gültigen Handelsembargos für kubanische Produkte unmöglich war, in den Vereinigten Staaten legal und offiziell verkauft zu werden, wunderte sich der eine oder andere vielleicht, als er plötzlich eine Flasche „Havana Club“ in seinem Getränkemarkt fand. Der große Kubarum-Erzfeind Bacardí hatte die Gunst der Stunde genutzt, sich die Rechte an dem Namen in den USA gesichert, und konnte damit seinen puertoricanischen Rum unter diesem Traditionsnamen vermarkten. 2011 gewann Bacardí sogar einen Rechtsstreit gegen das Joint-Venture von Cubaexport und Pernod Ricard, die diese Namensrechte für den Rumvertrieb im Rest der Welt für Cubaexport besitzen; Bacardìs Recht, diesen Namen in den USA zu verwenden, wurde dadurch gestärkt.

Doch die Zeiten wandeln sich. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis das US-Embargo aufgehoben wird und sich die Staaten nach Dekaden des kalten Kriegs wieder gegenseitig öffnen. Ein erstes Zeichen dieses kubanisch-amerikanischen Frühlings ist, dass die US-Behörde für Patent und Handelsmarken diese seltsame Regelung aufgehoben und sich fürs Gegenteil entschieden hat. Es bleibt abzuwarten, wie sich der abzusehende juristische Krieg um die Rumrechte zwischen Kuba und Bacardí weiterentwickelt. Ich harre gespannt der Dinge.

Während des Harrens verkoste ich, bekennender Freund des kubanischen Rums, eine der im Rest der Welt leicht erhältliche Varietäten dieses Rumstils: den 7 Jahre gereiften Havana Club Añejo 7 Años.

havanaclub7-flasche

Dieser Rum erinnert mich ein wenig an Brandy. Eine dunkle Fruchtigkeit, etwas Malz und reife Banane dominieren die Nase. Wenn man stark ins Glas riecht, spürt man den Alkohol; bei normalem Riechen ist er kaum wahrnehmbar. Ein sehr hübscher Geruch.

Im Mund wirkt er erstmal süß, überraschend helltönig, mit akzeptablem, angenehmen Körpervolumen, ohne dabei aber zu überwältigen; ein Zwischending zwischen dem eher dünnlichen Mount Gay Eclipse und einem Zuckerbodybuilder wie dem Botucal Reserva Exclusiva. Von der Konsistenz fühlt er sich milchig an. Leichte Kaffeenoten gleichen die hellen Töne aus. Im Abgang kommt eine pfeffrige Schärfe zum Vorschein. Der Nachhall ist sehr trocken, erkennbar bitter und hat etwas von vergorenem Obst. Ein Wechsel von Tag zu Nacht – durchaus spannend. Der Havana Club Añejo 7 Años bleibt, hauptsächlich in seinem trockenen Aspekt, relativ lange im Mund.

Gerade dieser trockene Abgang ist für viele sogenannte Rumkenner oft ein Grund, diesen Rum in die „Mixer“-Schublade zu stecken, denn sie denken, es sei ein Qualitätsmangel, weil ein guter Rum süß und bequem zu sein hat. Nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein – ein Rum ohne Ecken und Kanten ist langweilig. Und die Ecken und Kanten in vielen modernen „Premium“-Rums wurden meist einfach durch heimlichen Zuckerzusatz abgeschliffen. Der Havana Club Añejo 7 Años bewegt sich laut Messungen dagegen im Bereich der Messungenauigkeit, was Zusätze angeht.

Es gibt hunderte von Rumcocktails, die ich hier für diesen Rum empfehlen könnte. Beim Überlegen bin ich beim recht starken Mississippi Punch hängengeblieben. Er ist wirklich nicht von schlechten Eltern, und das Originalrezept von „Professor“ Jerry Thomas enthielt wohl sogar die doppelte Menge der hier angegebenen Menge an Spirituosen. Cocktailhistoriker David Wondrich sagt dazu in seiner unnachahmlichen ironischen Art:

But if the professor really did mean for this baby to hold eight ounces of liquor, well, God bless America.

Natürlich ist der Rum in diesem Cocktail nicht der Hauptdarsteller; die wahren Qualitäten eines Rums zeigen sich aber oft, wenn man ihn als Nebenrolle castet, in der er den Star des Abends als Teamplayer ins beste Licht rückt. Für solche Aufgaben ist der Havana Club Añejo 7 Años absolut perfekt geeignet (ohne seine Soloqualitäten auch nur ansatzweise mindern zu wollen).

mississippipunch-cocktail


Mississippi Punch
2 oz Cognac (z.B. Hennessy VS)
1 oz Havana Club 7
1 oz Bourbon (z.B. Evan Williams BiB 100)
½ oz Limettensaft
2 Teelöffel Puderzucker


Wie so oft bieten die Vertreiber vieler beliebter Spirituosen in Geschenkpackungen mit Goodies an. Bei dem siebenjährigen Havana Club war das Geschenk besonders interessant: Ein hübscher, rundlicher Tumbler, und dazu noch eine zufällig ausgewählte Tropfenflasche der Essences of Cuba. Das ganze gab es für den wirklich sensationellen Gesamtpreis von 19€.

havanclub7-angebotspackungBesonders seltsam: vor kurzem hatte sich Amazon, nachdem sie jahrelang kubanischen Rum in Deutschland verkauften, plötzlich dazu entschieden, dies nicht mehr zu tun, mit Verweis auf das Embargo. Nicht, dass ich Amazon jemals wirklich verstanden hätte, aber das ist sogar für ihre Verhältnisse abstrus – ausgerechnet jetzt!

In Deutschland sind die Havana Club-Rums dennoch mit die meistverkauften, sie sind überall erhältlich und äußerst preisgünstig zu haben. Viele lassen sich daher dazu verleiten, diese hervorragenden Rums als Supermarktrums ohne Anspruch zu sehen. Liest man deutsche Rezensionen, meint man, einen billigen Fusel vor sich zu haben; liest man aber englischsprachige, insbesondere amerikanische Rezensionen, die eher das gegenteilige Problem haben (nämlich nur äußerst schwer an diesen Rum kommen zu können), so überschlagen diese sich mit Lob.

Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Ich persönlich mag den Havana Club Añejo 7 Años sehr, er hat eine gute Balance aus allem, was Rum für mich ausmacht, ist pur ebenso gut trinkbar wie im Cocktail oder Longdrink, sauber und rein im Geschmack, ohne zu süß zu sein. Daher drücke ich Havana Club (und den Amerikanern!) die Daumen, dass es bald was wird mit dem Export dieses feinen Rums auch in die USA!

 

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