Sterne über Griechenland, Teil 6 – Metaxa Private Reserve

Metaxa Private Reserve Titel

Lang, lang ist es her, dass ich mich in meiner kleinen Miniserie „Sterne über Griechenland“ mit den verschiedenen Ausprägungen einer meiner Lieblingsspirituosen, dem Metaxa, auseinandergesetzt hatte. 5 verschiedene Varianten, vom 3-Sterne-Basisprodukt über die 5-Sterne-Fassung und die 7-Sterne-Version bis zum 12-Sterne-Brand, dazu mein persönlicher Liebling, der Grande Fine. Ein Metaxa-Honiglikör lief am Rande noch mit, man sieht, da ist viel nachzulesen für die, die sich ähnlich für den griechischen, aromatisierten Weinbrand interessieren wie ich. Beim letzten Griechenlandurlaub vor inzwischen schon mehr als 7 Jahren hatte ich im Rückreisegepäck eine weitere Ausprägung versteckt – die ich lange in meinem wuchernden Spirituosenregal vergessen hatte. Ich fand, es wird Zeit, dass der Metaxa Private Reserve nun endlich die Würdigung erfährt, in meine Miniserie mitaufgenommen zu werden.

Die Flasche mit der Seriennummer No. 007561 steht nun zur Verkostung bereit. Constantinos Raptis, der „Metaxa Master“ von 1992 bis 2024 war, kreierte die Private Reserve, und legte jedes Jahr einen einzelnen Batch davon neu auf. Sein Nachfolger, Konstantinos Kalpaxidis, führt diese Tradition unter dem neuen Namen Private Reserve Metaxa Orama fort, ich bin irgendwie trotzdem froh, noch eine Abfüllung des Erfinders zuhause zu haben. Alle Tastingnotes beziehen sich entsprechend auch auf diese Abfüllung aus dem Jahr 2017. Süßer Muskateller aus Samos ist die Basis, dazu kommen separat gebrannte Weindestillate, und am Ende noch ein Jahr lang mazerierte Kräuter und Pflanzenteile (darunter die natürlich stildefinierenden Rosenblätter), und alles wird zusammen gereift. Aus mehreren solchen komplexen Zwischenprodukten wird dann vom Metaxa Master ein Endprodukt geblendet – der Aufwand ist offensichtlich groß, und ehrlicherweise gibt man dann dafür auch kein Alter an. Trinken wir ihn nun endlich, nach so langer Wartezeit.

Metaxa Private Reserve

Da die Flasche nur ein kleines Etikett aufweist, ist die Farbe des Private Reserve natürlich sofort in ihrer ganzen Pracht erkennbar. Über einen eventuellen Zusatz von Färbemitteln schweigt sich der Hersteller aus. Im Glas schwenkt sich die Flüssigkeit sehr flink und lebendig, kaum eine Viskosität ist sichtbar. An der Glaswand bleiben dennoch Beinchen, die zunächst langsam, ab der Hälfte ihres Weges dann aber plötzlich sehr schnell ablaufen.

Der Geruch ist das, was ich an Metaxa in jeder Ausprägung einfach am meisten liebe. Beim Private Reserve ist das ganze auf die Spitze getrieben – sehr würzig, viele Holz- und schwere, trockenobstige Weinbrandnoten, etwas Buttriges, eine Idee von Rancio. Vanille, Schwarztee, milde Orange. Eine vorsichtige Rosenblütigkeit. Es gibt aber durchaus auch ein paar Ethanolspitzen. Dementsprechend unerwartet weich wirkt er im Antrunk, ohne jedoch wirklich fett zu werden; mir kommt er etwas schmalbrüstig vom Mundgefühl her vor. Das beschränkt jedoch nicht die Aromen – ein feuriger Weinbrand, mit vielen Gewürzaromen, leichter Orange, milden Trauben und etwas Floralität.

Metaxa Private Reserve Glas

Im Verlauf wird er immer heißer, fast schon beißend; die 40% Alkoholgehalt sind eher mäßig eingebunden. Die Süße wird dabei schließlich fast vollständig aufgegeben, macht Süßholz, eichenholziger Trockenheit und Bittere Platz. Der Abgang ist überraschend kurz, feurig, mit deutlich alkoholischem Nachhall. Bittere Lakritznoten und leichte Betäubung klingen gleichzeitig mit. Ein leichter Jasminhauch ist das letzte, was übrigbleibt.

Hm, so richtig begeistern kann mich dieser Metaxa (zieht man den aufgerufenen Preis und die Bewerbung als Krönung eines Handwerks in Betracht, was ich einfach muss) am Ende nicht. Ist der Upgrade von Grande Fine auf den Private Reserve die Preissteigerung um 50% wert? Meines Erachtens, leider, nicht. Ein stabiles Produkt, sicherlich unterhaltsam, aber eben nicht so mitreißend, wie es bei all dem Bohei sein müsste.


Als Digestif bleibt dieser Weinbrand dennoch sicher eine Bank, ohne Frage, die Würzigkeit und Trockenheit räumen den Gaumen nach einem fetten, schweren griechischen Fleischteller zuverlässig ab, und in dieser Situation gibt es für mich kaum etwas besseres. In einem Mixed Drink sehe ich den Private Reserve durchaus als Hauptdarsteller, und zwar trotz Aromatisierung überall da, wo auch nach spanischem Brandy gerufen wird – also zum Beispiel im Brandy Alexander.

Brandy Alexander Cocktail

Brandy Alexander
1½oz / 45ml Brandy
1oz / 30ml Crème de Cacao
¾oz / 23ml Sahne
1 Eiweiß
Dry shake, dann auf Eis shaken. Mit Muskatnuss bestäuben.
[Rezept nach unbekannt]


Die Präsentation ist natürlich, dem Anspruch angemessen, üppig und überfließend; von der schwungvoll gestalteten Karaffe selbst über den großen Holzstöpsel mit Gravur auf der Oberfläche, über die sehr elegant und gleichzeitig edel gestalteten Etiketten bis hin zum aufklappbaren Geschenkkarton – da ist Präsentpotenzial ohne Ende da, und es ist einfach schön, all diesen Augenzucker zu betrachten.

Mit dieser Flasche endet erstmal die Serie „Sterne über Griechenland“. Die Produkte, die Metaxa sonst noch im Angebot hat, wie der Angels‘ Treasure oder die High-End-Abfüllung AEN III, sind ehrlicherweise unerschwinglich – und da die Preisleistungskurve schon bei der Private Reserve einen Punkt überschritten hat, den ich noch gutheißen kann, ist alles darüber völlig uninteressant sowohl für mich als auch für den Genießer, der aufs Geld zumindest mitachten muss. Falls ich irgendwie drankomme, ohne mich finanziell zu ruinieren, werde ich einen weiteren Teil dieser Serie, die mir viel Spaß gemacht hat, nachliefern, aber bis dahin verbleibe ich mit einem fröhlichen Γειά σας für meine Leser!

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.