Jung geblieben – Grape of the Art Jean-Luc Pasquet Lot 79

Grape of the Art Titel

Aus der Grande Champagne kommt ein älterer Herr zu Besuch – der Grape of the Art Jean-Luc Pasquet Lot 79 stammt genau aus diesem Jahr, der Erntesaison 1979/1980. Rein aus Trauben der Rebsorte Ugni Blanc gebrannt kam er in Limousineiche, und blieb da für erstaunliche 41 Jahre. Eine Frechheit, so eine Ruhe zu stören, und den Brand in 273 Flaschen aufzuteilen! Ohne Verdünnung, in Fassstärke (52,3%), und ohne irgendwelche Zusätze, landet er dann bei mir im Glas.

Grape of the Art Jean-Luc Pasquet Lot 79

Klarer Bernstein liegt also im Glas, mit orangenen und strohigen Lichtreflexen. Sehr weich bewegt sich die Flüssigkeit beim Schwenken, unaufgeregt und schnell sich wieder in die Ebene ausgleichend. Erst danach fließen die Beinchen, die sich gebildet haben, auch wieder ab, ein oberer ausgefranster Flokatirand bleibt jedoch erhalten.

Die Nase ist sehr erfreut, wenn man sie ins bereitete Glas hält – ein fettfruchtiges Aroma begrüßt sie, mit viel reifer Aprikose, etwas Litschi, unterstützt von buttriger Macadamianuss und dem zarten Duft frisch gepflückter Rosenblätter; ganz milde Apfelessigsäure ist auch da. Ein wirklich extrem angenehmes Bouquet, daran schnuppere ich jetzt erstmal ne halbe Stunde und genieße es; dabei finden sich immer wieder, wie Blitzlichter, kleine Details, die zeigen, dass man hier lange in der Komplexität schwelgen kann, ohne sich anstrengen zu müssen.

Der Antrunk wirkt dann im Vergleich fast schon überraschend trocken, hier zeigen sich sowohl im Charakter als auch im Aromenprofil dann schon die vier Jahrzehnte Limousineiche: weniger durch Holzigkeit, sondern durch eine sich schnell aufbauende feurige Würze, die die eine vielleicht noch vorhandene Süße verdrängt und durch estragonartige Frische ersetzt, aus dem immer noch erkennbaren frischen Aprikosengeschmack eher Trockenobst macht, roten Apfel und Süßholz hinzufügt, und gegen Ende dann die Blumigkeit sehr betont. Jasmin, Rosen und Veilchen finden sich dann, die sehr lange nachhängen, mit einer leichten Anästhesie des Gaumens und einem kühlen Gefühl.

Ein herrlicher Brand, komplex und reif, dabei überhaupt nicht überaltert oder verholzt, erwachsen und rund, mit viel Kraft und Charakter. Ein Cognac-Erlebnis!

Offenlegung: Ich danke Grape of the Arts für die kosten- und bedingungslose Zusendung eines Samples dieses Cognacs.

Veröffentlicht von schlimmerdurst

Hüte dich vor denen, die nur Wasser trinken und sich am nächsten Tag daran erinnern, was die anderen am Abend zuvor gesagt haben.

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